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Fuldaer Land und Nachbargebiet

Meliorationen im kreise Schlüchtern.

= Schlüchtern. Aus dem Jahresbericht des Kreis- ausschusses für das Jahr 1930 ist zu entnehmen, daß das Verkoppelungsverfahren in den Gemeinden Bad So­den, Steinau und Sterb frifo noch im Gange ist, während es in den Gemeinden Hutten und M o t t- gers bereits beendet werden konnte. In der Gemeinde Weichersbach und im Ortsteil Drasenberg (Ge­meinde Klosterhöfe) konnte das Zusammenlegungsverfah­ren im Berichtsjahre nicht weiter gefördert werden. Außer der Meliorierung einer 4,5 Hektar großen Oed­landfläche der Gemeinde Sarrod konnten im Berichts- jahre keine Meliorationen durchgeführt werden. Bei den ungünstigen Finanz- und Wirtschaftsverhältnissen waren die Gemeinden und sonstigen Interessenten zu weiteren Oedlandkultivierungen nicht zu bewegen.

— Kassel. Der Senior der in Kassel lebenden alten Offiziere, Generalleutnant a. D. von Liebermann, konnte am 2. Oktober seinen 9 0. Geburtstag fei­ern. Der Jubilar, der die Feldzüge von 1864, 1866 und den Krieg 1870-71 mitmachte, war Zeuge der Kaiser­proklamation in Versailles.

Aus Niederhessen.

Betätigung des Bürgermeisters von Fritzlar.

— Fritzlar. Durch Verfügung des Regierungspräst- deuten ist nunmehr auch die Bestätigung des vor längerer Zeit von der Stadtverordneten-Versammlung gewählten neuen Bürgermeisters Dr. Schnitzle r-Solingen-Wald erfolgt. Die Einführung des neuen Oberhauptes der Stadt Fritzlar erfolgt in öffentlicher Stadtoerordnetensitzung durch den Regierungspräsidenten am 14. Oktober.

Aus Oberhessen.

Wieder ein Brandstifter verhaftet.

— Frankenberg. Die mit Erntevorräten gefüllte Scheune des Landwirts Glauber im Kreisort Botten­dorf brannte am Donnerstag nieder. Einem Beamten von der Landeskriminalpolizeistelle Kassel gelang es, Glauber der Brandstiftung zu überführen. Glauber, der bereits ein Geständnis abgelegt hat, wurde dem Amts­gericht vorgeführt.

Neues aus Frankfurt.

Das vermöge« an Erpresser verloren.

Sier Jahre Gefängnis für einen Vampir in Menschengestalt.

Im Februar des vorigen Jahres verurteilte eine hie­sige Strafkammer den Hotelangestellten Otto Groß wegen Erpressung zu vier Jahren Gefängnis. Das Op­fer des Verurteilten war ein Bankprokurist, der den Angeklagten in zerlumptem Zustand vor Jahren einmal auf dem Hauptbahnhof aufgelesen, eingekleidet und für die Zeit seiner Erwerbslosigkeit mit laufenden Mitteln versehen hatte. Der Wohltäter, ein sehr reicher, für seine philantropische Einstellung bekannter Mann, ern­tete für seine Güte einen furchtbaren Dank. Groß ver­stand es, der Uneigennützigkeit feines Wohltäters einen schmutzigen Verdacht anzuhängen und ihn Jahre hin­durch zu erpressen. Aus dem davongelaufenen Liftboy war der Dandy internationaler Modebäder geworden,

der das erpreßte Geld mit vollen Händen in Dielen und Barr hinauswarf. Zechen bis zweihundertfünfzig Mark pro Abend waren keine Seltenheit. Sein Geldgeber, dem immer neue Summen abgenommen wurden, wagte sich schließlich kaum mehr auf die Straße, aus Furcht, einer Skandalszene ausgesetzt zu werden. In zwei Jah­ren besuchte er nur zweimal öffentliche Cafes. Schließ­lich vertraute sich der Verzweifelte der Kriminalpolizei an. Nach kurzer Zeit wurde der Erpresser vor Gericht gestellt. Als er im Februar d. I. seine Strafe verbüßt hatte, holten ihn feine Kumpane im Auto vom Gefängnis ab und fuhren ihn zur Bank seines Opfer. Die Er­pressungen begannen von neuem.

Der Angeklagte bekam Tausende, mit denen er vor­gab, Spielbanken in Modebädern errichten zu wollen. Als auch das Geld verjubelt war, stellte er das An­sinnen einer eigenen Wohnung, damit er „zurückgezo­gener leben" und seine angegriffene Gesundheit pflegen könne. Hierfür hielt er 3500 Mk. für erforderlich. Da er das Geld nicht bekam, suchte er feinen Geldgeber im Büro auf und erklärte, daß er sich entweder er­schießen, schreien ober auf den Boden legen müsse, wenn seine Forderungen nicht unverzüglich erfüllt würden. Da sich dieser Vorgang in der Tagen der Bankenschließung abspielte, begnügte er sich schließlich mit 500 Mark in bar, gegen das Versprechen, daß mehr folgen würde. Als er kurz darauf verhaftet wurde, hatte er dieses Geld bereits in einer Bar ausgegeben.

Staatsanwalt und Verteidiger waren sich einig, daß der Angeklagte — die erpreßten Beträge werden auf 30 000 Mark geschätzt — fein Opfer in „widerlicher Weise ausgenutzt hat". Im Gegensatz zu dem Anwalt, der ein strafrechtliches Vergehen nicht annehmen wollte, beantragte der Staatsanwalt vier Jahre Gefängnis. Das Gericht erkannte in voller Höhe auf diese Strafe.

— Hokeldiebe, die im gestohlenen Auto reisen. Eine Diebesbande, die aus zwei bis drei Mann zu bestehen scheint, macht seit einiger Zeit die Umgebung von Frank­furt a. M. unsicher. In den letzten Tagen hat sie in Neuenahr eine ganze Anzahl Zimmer durchwühlt und große Beute gemacht. Die Diebe sind auch in Nauheim aufgetreten, von wo sie flüchteten. Die Frankfurter Polzei glaubt, daß sich die Burschen nach Frankfurt ge­wandt haben. Es handelt sich um ganz raffinierte Diebe, die u. a. auch Diebstähle in Kissingen und Bad Lipp- springe ausgeführt haben. Sie fahren einen Pesonen- wagen Marke Nash mit dem Polizeikennzeichen III 27865. Dieser Wagen ist natürlich auch gestohlen.

— Ein kommunistischer Redakteur als Erpresser. Vor kurzem gingen einer Frankfurter Same Briefe zu, in denen sie aufgefordert wurde, unter R M 200 auf der Hauptpost 500 Mark zu hinterlegen. Der Absender gab an, ins Ausland zu wollen und dazu Geld nötig ZU haben. Für den Fall, daß die erbetene Summe nicht gegeben werden sollte, war mit Indiskretionen gedroht. Die Empfängerin des Briefes ließ sich nicht einschüchtern, benachrichtigte die Kriminalpolizei, der dann der Vogel auch sehr bald ins Garn ging. Es handelte sich um einen verantwortlich zeichnenden Redakteur der kom­munistischen „Arbeiterzeitung" in Frank­furt a. M., den das Schöffengericht jetzt wegen ver­suchter Erpressung zu acht Monaten Gefängnis ver­urteilte. Für einen Strafrest von sechs Monaten wurde Bewährungsfrist zugebilligt.

— Schießende Einbrecher. In der Jdsteinerstraße ver­suchten Diebe auf einem Lagerplatz einzubrechen. Sie wurden überrascht und flüchteten. Um ihre Verfolger vom Hals zu halten, schossen sie, ohne glücklicherwese zu tref­fen. Die gefährlichen Burschen sind unerkannt entkom­men.

Aus der Thüringischen Rhön.

Aus Geisa und Umgebung.

ZeppeUnlandung in Meiningen.

Am Sonntag, den 11. Oktober, 11 Uhr fandst das Luftschiff „Graf Zeppelin" auf dem Flugplatz in Meiningen. Die Theaterstadt bietet an diesem Tage alles auf, um ihren zahl­reichen Gästen recht viel Abwechslung zu bieten. Das Theater gibt abends als Festvorstellung „Louis Ferdinand, Prinz von Preußen", nachdem eine Nachmittagsaufführung bereits ausverkaüft ist. Es ist dies die erste Landung des Luftschiffes in Thüringen und die letzte deutsche Landungs- fahrt in diesem Jahr überhaupt. Um den starken Andrang zu bewältigen, hat die Reichsbahn auf den Strecken von Apolda, Eisenach, Coburg und Schweinfurt nach Meiningen S o n d e r'z ü g e mit 50 Prozent Fahrpreisermäßigung vorgesehen.

Kleine Nachrichten.

In Neidhartshausen brach auf dem Grundstück eines Landwirts auf bisher ungeklärte Weife Feuer aus, das in kurzer Zeit die Scheunen und Stallungen einäscherte. Das Vieh konnte zum größten Teil gerettet werden, dagegen ver­nichtete das Feuer den gesamten Ernteertrag des Jahres.

Nachts zerstörte in S i tz e n d o r f ein großes Feuer ein Wohnhaus und eine Scheune vollstän­dig. Die Bewohner konnten nur das nackte Leben retten. Die betagte Mutter des Besitzers muhte

rm Bettuch aus dem brennenden Haus getragen werben.

In Heringen (Helme) brannte die der Firma Schreiber u. Sohn gehörige große Scheune nieder, in der 800 Zentner Stroh lagerten. Die Flammen sprangen auch auf das Nachbargrund­stück über und legten auch hier eine Scheune mit den Stallungen in Schutt und Asche.

Auf den Schienen der Strecke Weimar- Erfurt lieft sich in der Nähe Weimars ein fu- gendlicher Bäckerlehrling vom Zug überfahren. Dem jungen. Mann wurde der Kopf vom Rumpf g.e-

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trennt. Der Grund zu der Tat soll nicht in wirt­schaftlichen Schwierigkeiten bestanden haben.

Auf dem Wqge von Bischleben nach Hochheim wurde nachts ein Reisender niedergeschlagen und beraubt. Der Täter überwältigte sein Opfer mit einem Schlag auf den Hinterkopf und stahl ihm dann eine Brieftasche mit 130 RM. Er ist uner­kannt entkommen.

totion kWsk gegen eine moste.

Roman von Maximilian Bernd.

Copyright by Carl-Dunker-Verlag.

5] _________

Stromberger sprang auf.

'.'$err Professor, ich habe bei Ihrer interessanten Erzählung alles vergessen, ich muß heute abend noch nach Hannover und kenne den Weg nicht. Auf der Rückfahrt spreche ich bestimmt noch einmal bei Ihnen vor und erkundige mich nach dem Befinden Ihrer Fräu­lein Nichte"

Der Motor keuchte den Weg zurück. Der Mond stand auf der weißen Kuppel des Observatoriums. Stromberger lehnte nn Fond seines Wagens und sam­melte seine Gedanken. Welch seltsames Abenteuer war das Ganze. ,Der Duft eines herben Parfüms lag noch in den Kissen, die er für Marion zurechtgepackt hatte Wie schön und blaß war sie gewesen, als er ihren Kopf bettete. Er hatte ihre Hand gehalten, als der Arzt d>e Wunde desinfizierte und brennendes Jod in den klaf­fenden Schnitt goß. Wie tapfer war sie gewesen!

Die klugen Augen des schönen Mädchens waren bann so trübe, so matt geworden, als sie in feinem Arm vor Schmerz das Bewußtsein verloren hatte.

Gunnar Stromberger konnte das Bild des Mäd­chens nicht bauen, bis der Trubel 'Hannovers ihn wie­der aufnahm. Er mußte vom Hotel aus die angesagten Verhandlungen auf morgen umlegen. Als er nach dem Essen allein in der Halle faß, sah er den Professor wie­der vor sich, wie er ruhig und sachlich die wunderbare Entdeckungsgeschichte des Meteors erzählte, llebermor» gen würde er wieder im Heide Observatorium sein und die großen Augen des seltsamen Mädchens sehen. Strom­berger war ganz in Gedanken vertieft und sah den Rauchringen feiner Zigarette nach, als ein Page feinen Namen rief und ihm einen Brief überreichte. Er öff­nete ihn und las folgende kurze Karte:

„Sehr geehrter Herr Stromberger, wenn Ihnen Ihre Zutunft und Ihr Leben lieb ist, so halten Sie sich von Professor Veldhammer fern. Wir dulden kei­

nerlei Einmischung in unserer Suche nach dem Mon­tanameteor, die lediglich unsere Aufgabe ist. Wir wenden die äußersten Mittel an, um die deutsche Ex­pedition zum Scheitern zu bringen. Seien Sie klug, beachten Sie unsere Warnung und brechen sofort die Beziehungen zu Professor Velühammer ab."

Unter diesen Zeilen stand kein Name, fein Absender, es war lediglich ein roter Kreis mit einem schrägen durchschießenden Pfeil darunter gezeichnet.

Gunnar Stromberger beschloß, möglichst schon mor­gen abend zum Heideobservatorium zu fahren, um das Schreiben dem Professor Deldhammer zu zeigen.

IV.

Odd K. Holand und sein Sekretär David Torrent gingen hastig durch die großen Laboratorien, die meh­rere Geschosse des Chemistry Building einnahmen. Wäh- reird Holand sonst hie und da stehenzubleiben pflegte, sich erkundigte, was gearbeitet wurde, wie die Unter­suchungen standen, hatte er heute keinen Blick für seine Leute. Torrent konnte faum Schritt halten, so schnell lief Holand durch die Räume. Vor der Tür eines Ab­teilungsleiters blieb er stehen, trat ein und begrüßte kurz den verhältnismäßig jungen Mann, der, eine Zi- garette im Munde, vor feinem Arbeitstisch saß und Tabellen kontrollierte.

„Guten Morgen, Raymie!"

„Guten Morgen, Herr Präsident!" Dr. Raymie Caß erhob sich schnell und legte die Zigarette beiseite.

„Sie sind doch ein guter Skiläufer, nicht wahr?"

„Ich denke ja —", antwortete Dr. Caß etwas ver­wundert über diese unvermittelte Frage.

„Sie fahren heute mit dem Nachtzug nach Great Falls, Montana."

„Great Falls — Montana, Sie wissen, Herr Präsi­dent, ich reife immer sehr gerne", sagte Dr. Caß und zog sich den weißen Kittel aus. Holand lächelte über den Eifer des jungen Doktors.

.Halt, Sie wissen noch nicht, um was es sich han­delt — Sie sollen sich mit zwei tüchtigen Leuten, die Sie sich selbst aussuchen können, auf die Suche nach dem Montanameteor begeben, bas heißt, wenn Sie wollen, wenn Ihnen dieser Auftrag nicht zu gefährlich ist."

Was biekel der Lesef ral der Landesbibliokhek?

Von Btbliotheksobersekretgr K. Semper.

(Schluß.)

Das „Handbuch des öffentlichen Rechts..bietet eine Zusammenfassung dieses Gegenstandes in einer großen Anzahl von Bänden. Für das Reich, für Preußen, das vormalige Kurfürstentum Hessen uno den Bezirksverband Kassel sind Sammlungen von Gesetzen staats- und verwaltungsrechtlichen In­halts vorhanden. Eingehend über „Deutsches und Preußisches Staatsrecht" unterrichtet das zweibän­dige Werk von Hätschel. Die Reichsverfassung und die preußische Verfassung liegen in verschiedenen kommentierten Ausgaben vor. „Die Deutschen Finanz- und Steuergesetze in Einzelkommentaren" sind in einem umfangreichen Werke gesammelt.

Auskunft darüber, wo ich ein bestimmtes Ge­setz veröffentlicht oder einen bestimmten rechtlichen Gegenstand gesetzlich behandelt finde, erteilt mir neben den Sachregistern zu dem Deutschen Bun­des- und Reichsgesetzblatt und der Preußischen Eesetzessammlmm in erster Linie das „Gesetzge­bungs-Archiv. Nachweiser der noch geltenden Ge­setze, „Verordnungen, Ministerialerlasse usw. 1794 bis März 1928 für Reich und Preußen". Das äußerst brauchbare Merkchen wird durch seine Jah- resnachttäge dauernd auf der Höhe der Zeit gehalten.

Mit der laufenden Rechtsprechung machen tier­traut die „Deutsche Juristenzeitung", die Entschei­dungen des Reichsgerichts" und „Seufferts Archiv".

Den Zeitverhältnissen entsprechend hat die Abtei­lung „Staats-, Sozialwissenschaft und Volkswirtschaft" in den letzten Jahren einen wesent­lichen Ausbau erfahren. „Das Handwörterbuch der Staatswissenschaften", das „Staats-Lexikon" u. das „Politische Handwörterbuch" werden alle drei gleich gern und oft zu Rate gezogen. Anschließend sei hingewiesen auf das „Handbuch der Politik" sowie auf die unter dem Titel „Recht und Staat im Neuen Deutschland" herausgegebene Sammlung von, Vorlesungen. Statistisches Material liefern „Statistisches Jahrbuch für das Deutsche Reich", „Statistisches Jahrbuch deutscher Städte", Stati­stisches Jahrbuch für den Preußischen Staat", „Ge­meindelexikon für den Freistaat Preußen, Band: Provinz" Hessen-Nassau", lieber Gemeindeange­legenheiten im allgemeinen unterrichtet das „Hand­wörterbuch der Kommunalwissenschaften".

Fragen sozialer Natur beantworten das „Ver­sicherungs-Lexikon", das „Handwörterbuch der Wohl­fahrtspflege", das „Karitasbuch", „Enzyklopädisches Handbuch des Kinderschutzes und der Jugendfür­sorge" und das „Handbuch der Frauenbewegung".

Die heute so besonders stark im Vordergrund stehenden wirtschaftlichen Probleme behan­deln das „Wörterbuch der Volkswirtschaft", Con­rad: „Grundriß zum Studium der politischen Oeko- nomie“, „Geographie des Welthandels", „Hand­buch für den Außenhandel", Rad6: „Atlas für Politik, Wirtschaft, Arbeiterbewegung", „Struktur­wandlungen der deutschen Volkswirtschaft", heraus­gegeben von Harms, „Handbuch der Deutschen In­dustrie- und Handelskammern", Pfohl und Fried­rich: „Die deutsche Wirtschaft in Karten", „Hano- wörterbuch des Kaufmanns", Kahn uno Naphtali: „Wie lieft man den Handelsteil einer Tageszeitung?"

Das umfangreiche „Handwörterbuch der Na­turwissenschaften" behandelt eingehend Fra­gen des Gesamtgebietes. An speziellen Nachschlage­werken und Handbüchern feien noch genannt „Hand­lexikon der Naturwissenschaften und Medizin", „Physikalisches Handwörterbuch", Schneider: „Jllu- sttiertes Handwörterbuch der Botanik", Thome: „Flora von Deutschland, Oesterreich und der Schweiz in Wort und Bild", Hirsch-Schweigger: „Zoologisches Wörterbuch", Brehm: „Tierleben".

In das Reich der T e ch n i k führen das „Unsere Werkstoffe" betitelte, von P. Krais herausgegebene Handwörterbuch, das „Lexikon der gesamten Tech­nik und ihrer Hilfswissenschaften" sowie H. Gün­thers „Radiotechnisches Lexikon". In Verbindung mit der technischen Literatur mag auch auf das „Handbuch der Landwirtschaft" hingewiesen werden.

An Zeitschriften findet der naturwissenschaftlich und technisch interessierte Leser vor: „Die Natur­wissenschaften", „Kosmos", „Natur und Kultur", „DDJ-Zeitschrift" und „Das Technische Blatt der Frankfurter Zeitung".

Von Werken aus dem Gebiete der Heilkunde seien zwei eigens erwähnt: „Spezielle Pathologie und Therapie" und Prausnitz: „Grundzüge der Hygiene unter Berücksichtigung der Gesetzgebung des Deutschen Reichs und Oesterreichs". Die aus- liegenden „Blätter für Dolksgesundheitspflege" und „Naturarzt" stehen im Dienst einer gesunden und naturgemäßen Lebensweise.

Von den bisher angeführten Fachzeitschriften dürften die meisten auch weitere Kreise inter­essieren, vor allem die Kunstzeitschristen. Groß ist außerdem die Zahl der Zeitschriften allgemein-kulturellen Charakters, die wegen ihrer besonderen Prägung andererseits wie­der die Fachzeitschriften ergänzen. So befinden sich

unter ihnen solche mit philosophischer und religiös- kultureller Grundhaltung, andere mit vorwiegend literarisch-künstlerischem Gehalt, wieder andere mit naturwissenschaftlich-technischem oder mit mehr poli­tisch-sozialem Einschlag usw. Es sind da zu nennen: „Hochland", „Stimmen der Zeit", Der katholische Gedanke", „Akademische Bonifatius-Korrespondenz" „Seele", „Türmer", „Zeitwende", „Neuwerk", „Süd­deutsche Monatshefte", „Preußische Jahrbücher", „Deutsche Rundschau", „Westermanns Monats­hefte", „Velhagen und Klasings Monatshefte", „Atlantis", „Die Koralle", „Schönere Zukunft", „Allgemeine Rundschau", „Republik", „Gelbe Hefte", „Eiserne Blätter", „Revue des deux mondes", „Contemporary Revieuw".

Den besonderen Interessen der Frau dienen „Die christliche Frau", „Frauenland", „An der Wende", „Die Frau", „Evangelische Frauenzeitung", „Frauenkultur" (früher „Frauenkultur und Frauen- kleidung"), „Stickereien und Spitzen". „Das schöne Heim", „Deutsche Kunst und Dekoration", „Innen­dekoration" sind schon vorhin genannt.

Die bisher aufgezählte Literatur aus den ver­schiedensten Wissensgebieten erschöpft den Lesesaal­bestand keineswegs, sie bedeutet vielmehr nur eine Auswahl.

Wie gelange ich nun an den ge­wünschten Lesestoff?

Die Bibliothek des L e f c f a a I ä ist Freihand­bibliothek: der Leser nimmt sich Bücher u. Zeitschriften nach freiem Ermessen. Möchte er selber in Erfah­rung bringen, ob ein Buch eines ihm bekannten Verfassers im Lesesaal zur Verfügung steht, befragt er den Alphabetischen Katalog. Welche Bücher über ein bestimmtes Gebiet im Lesesaal vorhanden sind, verrät ihm der Sachkatalog. Im Lesesaal befindet sich außerdem noch ein Alphabetischer Katalog über die seit 1920 erschienenen Neuerwerbungen der Bibliothek überhaupt. Die wichtigste neu erworbene Literatur des jeweils letzten Jahres findet sich verzeichnet in den ausliegenden, übrigens auch käuflichen Mitteilungen, welche der Direktor der Bibliothek unter dem Titel „Aus der Landesbiblio­thek Fulda" herausgibt. Im Lesesaal werden zudem die bedeutenderen neu angeschafften Bücher zu jedermanns Einsicht eine Zeitlang ausgestellt, bevor sie für die Ausleihe freigegeben werden.

Der gesamte Literaturbestand der Landesbiblio­thek ist erschlossen durch einen im Katalog­zimmer aufgestellten Alphabetischen Katalog und Sachkatalog. Beide Kataloge wie auch der Hand­schriftenkatalog u. der Katalog der Schwank-Stiftung werden auf Wunsch vom Aufsichtsbeamten im Lese­saal dem Benutzer ausgehändigt, soweit der Be­nutzer nicht zu eingehender Beratung die im Kata­logzimmer gern gewährte Auskunft sich zu Nutze macht. Die so ermittelte Literatur wird dann je nach Belieben zur Benutzung im Lesesaal selbst aus dem Magazin herbeigeschafft oder von der Ausleihstelle für die häusliche Benutzung besorgt. Das Studium von Handschriften sowie besonders wertvoller und seltener Bücher und Karten ist natürlich nur im Lesesaal möglich.

Von dort aus erfolgt auch übrigens die Be­sorgung von Literatur aus fremden Bibliotheken und Archiven. Die namhafteren wissenschaftlichen Bibliotheken Deutschlands, so auch unsere Lanves- bibliothek, sind nämlich durch den deutschen Leihverkehr miteinander verbunden. Welche Bibliothek gerade ein bestimmtes, vielleicht seltenes ober gar nur einmalig existierendes Buch besitzt, vermag uns das der Preußischen Staatsbibliothek in Berlin angegliederte Auskunftsbüro der Deutschen Bibliotheken zu sagen, und zwar vornehmlich mit Hilfe des Gesamtkata­logs der Preußischen Bibliotheken. Der erste Band dieses auf etwa 150 Bände berechneten Katalogs, der rund 3 Millionen Eintragungen mit 7Ve Mil­lionen Bänden umfassen wird, soll nach dreißig­jähriger, mühevoller Vorarbeit im November im Druck erscheinen. Auch unsere Bibliothek hat auf das Werk, das übrigens als erster Teil eines Deutschen Gesamtkatalogs gedacht ist, subskribiert.

Wohl jedem, der an den großen Epochen der Vergangenheit und dem vielgestaltigen kulturellen Leben der Gegenwart irgendwie interessiert ist, hat der Lesesaal des Wissenswerten genug zu bieten, um zu seinem Besuch anzuregen. Und was fordert der Lesesaal für all das Gebotene? Außer der Einttagung in die Benutzer-Liste nichts weiter als das, was man auch sonst im gesellschaftlichen Leben unter Ordnung versteht. Angewandt auf den Ver­kehr im Lesesaal bedeutet dies, daß vor allen Dingen Bücher und Zeitschriften nach Benutzung wieder an die richtige Stelle eingestellt werden, gegebenenfalls mit Hilfe des Aufsichtsbeamten, an den man sich auch sonst mit seinen Wünschen wen­den möge. Daß der Leser seinen Platz so geordnet verläßt, wie er ihn angetroffen hat, ist selbstver­ständlich Mit der Beachtung solch kleiner Ordnungs­regeln dient er der Bibliothek und damit sich selbst.

„Sofort, Herr Präsident", rief Raymie leuchtenden Auges.

„Es freut mich, wenn Sie Lust haben, aber man spricht, wie Sie wissen, von Giftgasen in der Gegend", sagte Holand ernst.

^Ich werde Gasmasken mitnehmen, auch ein paar chemische Apparate, um das Gas zu analysieren. Sie werden schon mit mir zufrieden fein."

„Wir wollen es hoffen, lieber Raymie, kommen Sie mit in mein Arbeitszimmer, mir besprechen dort alles weitere. Wir haben große Eile."

Holand verließ mit Torrent den Raum. Dr. Caß war glücklich. Great Falls hieß eine Fahrt in die Rocky Mountains. Ideales Skigelände. . Zwar gefährlich, aber das scheute er nicht.

Eine Stunde später hatte Dr. Caß zwei feiner Freunde dem Präsidenten Holand vorgestellt, man war sich schnell einig geworden. Alle drei waren glän­zende Sklläufer. Geld stand reichlich zur Verfügung Ein Radiofendeapparat wurde mitgenommen, um jeder­zeit Nachricht nach Newyork geben zu können. Der Stein mußte gehoben werden, bevor die deutsche Expe­dition mit der Suche begann.

Holand und Torrent waren sich darüber einig ge­worden, daß dieses die einfachste und sicherste Lösung der brennenden Frage war. —

Schon fünf Tage nach dem Entschluß, die Suche nach dem Meteor aufzunehmen, stieg Raymie Caß mit feinen Freunden im Parkhotel Great Falls ab.

Das Hotel machte einen angenehmen, sauberen Ein- druck. Die großen Fälle, die der Missouri hier bildete. < zogen Reisende aus allen Teilen des Landes an. Die Saison war aber schon lange vorüber. Die Durch- fchnittstemperatur näherte sich bedenklich dem Nullpunkt.

Dr. Caß ließ sich einen Autohändler kommen und er­handelte einen wenig gebrauchten Wagen, der für die „Vergnügungstour" in die Rocky Mountains noch zu gebrauchen war Der Wagen wurde erprobt, im Dun­keln durch die kleine, schmutzige Industriestadt gefahren, die, abgesehen von den Hotels, eigentlich nur aus Ar­beiterwohnungen und riesigen Kupferschmelzen bestand.

Als die drei am nächsten Morgen aufbrachen, die Skier auf den Verdeck des Wagens feftgegurrt, begann

es zu schneien. Fred Hopkins, Caß Vetter und bekann­ter Sportsmann, sowie Bob Tider, ein muskulöser Ar­beiter aus der Fabrik, der auch Meister auf den Bret­tern war, fangen vor Vergnügen bei der Arbeit. Rasch fuhr der Wagen dann über die glatte Chaussee im Tale des Sun Rivers.

Dr. Caß, der am Steuer saß, ließ den Wagen lau­fen. Die Straße war wenig befahren und begann rasch vollzuschneien. Die Sicht war schlecht. Die Bäume rechts und links der Chaussee wurden aus der Windseite langsam weiß. Der Scheibenwischer funktionierte nicht, ab und zu mußten sie anhalten, um den angehäuften Schnee vom Windschutz abzuwischen. Ein scharfer Wind wehte ihnen entgegen und überkrustete die schiefen Te- legraphenfähle mit gefrorenem Schnee.

Die Chaussee stieg merklich an. Der Sun River rechts unter ihnen gurbeite zwischen Geröll zu Tal und. nahm den Schnee mit sich. Gegen Nachmittag kamen sie in Gilman an, einem kleinen Oertchen 20 Kilo­meter vor den Bergen. Um sie war die schönste Win­terlandschaft. Es hatte aufgehört zu schneien, die Sonne versank blutrot hinter der zackigen Bergkette. Dann wurde es sehr schnell dunkel.

Das größte Häuschen des Dorfes Gilman enthielt eine Handlung für sämtliche Gebrauchsgegenstände und Nahrungsmittel der Pelzjäger, die dort ihre Beute an Bären, Luchsen und Wildkatzen gegen Eßbares und Kleider austauschten. Unter dem schrägen Dach waren für die Jäger ein paar Räume abgeteilt, die sicherlich primitiver als die Blockhütten im Gebirge eingerichtet waren.

In dem Wohn- und Gastzimmer des Hauses brann­ten riesige Scheite in einem großen Backsteinkamin. Der Besitzer Tommy Everett war in jüngeren Jahren auch Pelzjäger gewesen, doch hatte er rechtzeitig bemerkt, daß der Handel, so wie er chn betrieb, mehr abmarf und weit weniger gefährlich war. Er saß dicht am Feuer und raucht eine, ungewöhnlich große Pfeife, deren Rauch Dr. Caß an den Geruch eines Waldbrandes er­innerte, den er vor ein paar Jahren in den Bergen mit- erlebt hatte.

Der gute Herr Everett riet den drei jungen Leuten dringend wieder umzukehren. (Forts, folgt.)