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Anzeiger für die Stadk Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatk.

Ar. 230

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt im Bild" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift» :: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

Dienstag, 6. Oktober 1931.

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3a6tg. 58.

wtb. Paris, 5. Okt. (Sig. Meld.) Der Vor­sitzende der radikalen Partei, Daladier, wird eine Vortragsreihe durch die europäischen Hauptstädte unternehmen. Er will über die internationale Ab­rüstung und die Annäherung der Völker sprechen.

das Nachrichtenbüro des V. D. Z. meldet, eine Verordnung der Staatsregierung über Sicherheits­leistung des Staates zugunsten der Rheinischen Landesbank zu verabschieden. Diese Verordnung, die, wie schon ihr Name sagt, keine Barausgaben, sondern nur eine Staatsbürgschaft ent­hält, nennt als Betrag für die Sicherheitsleistung 120 Mill. Reichsmark. Es handelt sich hier um eine Notverordnung, auf Grund des Artikels 55 der preußischen Verfassung, die die Staatsregierung mit Zustimmung des ständigen Ausschusses des Landtages ohne weiteres erlassen darf. Die Rhei­nische Landesbank, ein öffentlich-rechtliches Insti­tut, das gleichzeitig Giro-Zentrale für die Rhein­provinz ist, ist in ihrer Liquidation bedroht worden durch die eingefrorenen Kredite der rheinischen Städte. Auch das Reich wird seinerseits weitere 120 Mill. RM. Schatzanweisungen als Sicherheit für das angesehene rheinische Institut zur Verfü­gung stellen.

* Rücktritt des Hamburger Senats. Der Senat in Hamburg hat einstimmig beschlossen, in seiner Gesamtheit z u r ü ck z u t r e t e n und nach Artikel 37 der Verfassung die Geschäfte bis zur Wahl eines neuen Senats weiterzusühren. Der Rücktritt des Senats ist dem Präsidenten der Bürgerschaft mit dem Ersuchen mitgeteilt worden, gemäß Ar­tikel 35 der Verfassung die Vorbereitung für die Wahl eines neuen Senats einleiten zu wollen. Der Präsident der Bürgerschaft hat mitgeteilt, daß er die Rücktrittserklärung des Senats in der Bürger- chaftssitzung vom 21. Oktober vorlegen uno der Bürgerschaft empfehlen wird, die Wahl des Vor­bereitungsausschusses gemäß Artikel 35 der Ver­fassung der neuen Bürgerschaft zu überlassen.

mb. Berlin, 5. Oktober. (Eig. Meld.) Die heutigen Beratungen des Reichskabinetts gelten vor allem der Notverordnung. Heute vormittag findet gewissermaßen die zweite Lesung statt und man hofft, daß chr nachmittags bereits die dritte folgen kann. Auch sind noch keineswegs alle Punkte vollkommen geflärt. So muß z. B. noch eine der wichtigsten Fragen, die der Hauszinssteuer, gründlich durchgearbeitet werden. Das Kabinett muß sich auch darüber schlüssig werden, ob die Senkung 20 oder 25 Proz. betragen soll. Immerhin will man heute mit der Notverordnung fertig werden, sodaß der Kanzler morgen in Reichs­rat die Ministerpräsidenten bet Länder unterrichten und nachmittags die Genehmigung des Reichs­präsidenten einholen kann.

Die Reichsratssitzung am Dienstag be­ginnt um 11 Uhr und wird in ihrem ersten Teil öffentlich sein. Der Kanzler und der Reichsfinanz­minister werden, wie bei früheren Gelegenheiten einen Ueberblick und eine Begründung der Notver­ordnung geben. Die Veröffentlichung des Wort­lautes wird dann am Mittwoch vormittag erfolgen. iSe ist schon deshalb nicht früher mög­lich, weil die drucktechnische Fertigstellung dieses umfangreichen Werkes nicht schneller zu bewerkstel­ligen ist.

Die Tagesordnung der heutigen Kabinettsbera­tungen enthält noch nichts über die F o r t f e tz u ng der außenpolitischen Aussprache, die am Samstag begonnen hat. Es ist nach Auffassung unterrichteter Kreise aber durchaus möglich, daß sie zwischendurch eingeschoben wird. Darüber steht aber bisher ebensowenig etwas fest wie über den Zeitpunkt, zu dem Dr. Curtius dem Reichspräsiden­ten Bericht erstattet.

Gemeinsame Konferenz.

Wie wir erfahren, ist damit zu rechnen, daß die ge­meinsame Konferenz von Arbeitgebern und Arbeitneh­mern, die aus Regierungskreisen vor einigen Tagen an­gekündigt wurde, bereits Ende der neuen Woche, also noch vor dem Zusammentritt des Reichstages, stattfinden wird.

An der Konferenz werden für die Regierung beteiligt sein der Reichskanzler, der Reichsfinanzminister, der Reichsarbeits- und der Reichswirtschaftsminister, für die Arbeitnehmer die drei Gewerkschaftsrichtungen, also die Freien, die Christlichen und de Hirsch-Dunckerschen Ge­werkschaften, für die Arbeitgeber der Reichsverband der Deutschen Industrie und die Vereinigung Deutscher Ar­beitgeberverbände. Bekanntlich ha die Einladung den Zweck, zwischen den beiden großen Faktoren der Wirt­schaft ein Uebereinkommen herbeizuführen, das dazu bei­trägt, die zu erwartenden außerordentlichen Schwierig­keiten in diesem Winter überwinden zu helfen. Nach Auffassung gut unterrichteter Kreise hatten schon die letz­ten beiden Wochen gezeigt, daß die Entwertung des Pfundes die wirtschaftliche Situation von der Aus­fuhrseite her no chbedrohlicher gestalten wird, als man vorher befürchtet hatte. Es ist anzunehmen, daß die Reichsregierung den Arbeitgebern wie den Arbeitnehmern die Gefahren klar zu machen versuchen wird, de sich hier­aus naturnotwendig für die deutsche Wirtschaft ergeben. In unterrichteten Kreisen hofft man, daß sich niemand dem Ernst der Lage verschließen wird und daß Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände in gemeinsamer Arbeit nach Lösungsmöglichkeiten suchen werden. Den Weg dazu denkt man sich offenbar so, daß die Konferenz Ausschüsse für die verschiedenen Probleme einsetzt und daß diese Ausschüsse bereits in der nächsten Woche an die praktische Arbeit gehen.

240 Mill. Bürgschaft für die Rheinische Landes­bank.

V. D. Z. Berlin, 5. Okt. (Eig. Meld.) Der stän­dige Ausschuß des preußischen Landtages ist zu morgen Nachmittag einberufen worden, um, wie

seines reichen käufmännischen Lebens setzte er um in praktische erfolgreiche gesetzgeberische Maßnah­men Auch heute noch ist er nicht müßig und weiß seine praktischen Ratschläge maßgebenden Stellen zu unterbreiten. Als er 25 Jahre Reichstagsab­geordneter war und, wie er selbst sagte,' sein .2 5 j ä b r i g e 5 A r b e it s j u b i l ä u m" feierte, wurde festgestellt, daß er in den 25 Jahren kaum einer Sitzung des Reichstages ferngeblieben war. Dabei war er auch außerhalb des Parla­ments ein großer politischer Sratege. Für die Organisation der Partei interessiert er sich heute noch in ungewöhnlicher Weise. Die Glanzzeit seiner politischen Strategie war damals, als er 1898 in Höchst-Homberg-Usingen dem Zen­trum den Wahlkreis eroberte. Auch sonst ließ sich manches Meisterstück seiner politischen Tätigkeit anführen, das mit Recht der Zentrumspartei Ver­anlassung gegeben hat, ihn als Ehrenvorsit­zenden für ganz Kurhessen an die Spitze zu- stellen.

Die große parlamentarische Tat Richard Mül­lers vollzog sich im Jahre 1909, als der Bülow- Block durch eine große steuerpolitische Aktion außer einander gesprengt wurde. Die Regierungsvorlage zu den Reichsfinanzgesetzen war durch den Reichstag und zwar in erster Linie durch den Abgeordneten Müller-Fulda um gestaltet wor­den. Mit 226 Stimmen gegen die 127 Stimmen der Nationalliberalen, Freisinnigen, Demokraten und der übrigen Linken war das Gesetz angenom­men. Die Liberalen hatten sich selbst ausge­schaltet. Es war das letzte Mal, daß sie es hat­ten wagen können, um die Führung im Reichstag

Vor der Länderkonferenz. Zeitpunkt der außenpolitischen Aussprache noch ungewiß.

zu ringen. In Bachems Geschichte der Zentrums­partei heißt es darüber:

Cs war eine finanzpolitische Glanzlei­stung des Abgeordneten Müller-Fulda Sehr bald hatte es dieser verstanden, die Fäden der Ent­wicklung in die Hände zu bekommen, um sie dann nicht mehr seinen Händen entgleiten zu lassen. Etwas ähn­liches war bisher nach keinem anderen Mitgliede des Reichstages gelungen. Auch dieser Erfolg lag auf dem Wege, dem Reichstag ein größeres Maß van Bedeutung und Einfluß zu erringen. Der Plan der verbündeten Regierung war vollständig umgestaltet, aber auch nre alle Kenner des Finanzwesens eingestanden, erheblich verbessert worden. Selbst van feiten der Reichs­regierung wurde die Güte der Arbeit des Reichstages ^gegeben. Es hatte sich gezeigt, daß, obwohl es im Reich ein parlamentarisches Regiment nicht gab, doch eine verhältnismäßig kleine Anzahl entschlossener, arbeitswilliger und gesinnungstüchtiger Männer im Reichstag einen entscheidenden Einfluß auf die Gesetz­gebung ausüben konnte.

Das sind Ruhmes-Worte für Richard Mül­ler-Fulda, die auch nicht dadurch verwischt wer­den können, daß in den Parlamenten von heute diese Aufgaben kaum noch eine Rolle spielen, weil gröbere, mehr auf Massenwirkung, mehr auf mate­rielle Macht al? auf Geist abgestellte Methoden Mode geworden sind. Auch hier gilt das Wort Wer dem Besten feiner Zeit genug getan, bei hat gelebt für alle Zeiten."

Am 80. Geburtstag gedenken des hervorragen­den politischen Führers und deutschen Finanzmau nes Richard M-Nler-Fulda alle biejeniaen, die Arbeits-Leistung und geistige Kultur auf dem Ge*u»ke >-r. - Vhin-n rriffen

An feinem Ehrentag gedenken feiner auch die zahl­reichen schlichten Volksgenossen, denen er Arbeit ge-

, Ä. | Sic Schludbemlungm zur Hotoerotlming bürget Richard Müller sein 80. Lebensjahr.

Wenn auch ein nicht unbedenkliches Leiden sein

körperliches Wohlbefinden in den letzten Wochen stark beeinträchtigt hat, so ist sein Geist auch heute noch rege und allen wichtigen Erscheinungen des Lebens mit ungewöhnlicher Frische zugewandt. Sein Lebensabend stand und steht auch heute noch in den Zeichen, in denen sein ganzes langes Leben ge­standen hat: unermüdliche geistige Regsamkeit, rast- los« Arbeit, sachkundiges, nach großen Gesichts­punkten eingestelltes Bemühen um das Wohl seiner Mitmenschen.

Richard Müller stand uns stets nahe und steht uns heute nahe als Fuldaer Mitbürger. Er ist feit Jahrzehnten in Fulda eine volkstümliche Ge­stalt. Er hat im Fuldaer Wirtschaftsleben und auch in der Fuldaer Kommunalpolitik lange Jahre eine maßgebende Rolle gespielt und in so vielfacher Weise Einfluß auf die Geschicke der Stadt, einzel­ner Gruppen und einzelne Personen genommen daß es verständlich ist, daß das Urteil über ihn in den verschiedensten Tönen erklingt. Wir haben aber noch nie eine ernst zu nehmende Stimme gehört, die die T ü ch t i g k e i t und Ehrenfestig- feit dieses Mannes angetastet hätte. Das will gerade in unseren Tagen etwas heißen. Und wenn schließlich auch, tote das immer zu sein pflegt, von der Nähe her die Wertungen sich widersprechen, so ist es doch eine geschichtliche Tatsache, daß Richard Müller-Fulda in der deutschen Politik, und zwar dort, wo die wirklichen Entscheidungen gefallen sind, eine her­vorragende, unvergeßliche Rolle gespiett hat.

Diese Tatsache wird einem ganz bewußt, wenn man das Werk von Carl BachemV o r g e s ch i chte, Geschichte und Politik der Deutschen Zentrumspartei" (7 Bände, erschienen 1930 in Köln) durchblättert. Richard Müller ist in die­sem Werk immer wieder genannt und seine füh­rende Tätigkeit, namentlich in der Finanz- und Wirtschaftspolitik des Deutschlands der Vorkriegs- zett, erwähnt und gewürdigt.

In die Reichspolitik trat Richard Müller erst­mals im Jahre 1893 ein. Damals gelang es der Fuldaer Zentrumspartei, ihm, dem angesehenen Fuldaer Industriellen, das Mandat zu übertragen, das vor ihm Graf Clemens Droste-Vischering, der bekannte westfälische Adelsmann, inne gehabt hatte. Es war ein glücklicher Umstand, daß hier einmal der sonst in Fulda so hoch gehaltene Grundsatz Der Prophet gilt nichts in seinem Vaterlande" durchbrochen wurde. Müllers politisches Talent hat sich durch die Berufung in den deutschen Reichs­tag in ungeahntem Maße entfalten können. Die wirtschaftlichen Erfahrungen, die er besaß, machten ihn zu einem ungemein wertvollen Mitglied der Zentrumsfraktion. Für die damaligen Verhältnisse war es ein großes Glück, daß unser Abgeordneter eine durchaus unabhängige Persönlichkeit war. Müller, Fulda mar unabhängig in wirtschaft» kicher Beziehung, da ein umfangreicher persön­licher Besitz ihm eigen war. Er war auch unab­hängig seinem Charakter nach. Frei von mensch­licher Eitelkeit und von Streberei, nur geleitet von dem sachlichen Interesse und dem Ziel, dem Wohl des Ganzen, dem Wohl des Volkes zu dienen. In einer Zeit, in der unser politisches Leben durch die vieldeutige Gestalt des damali­gen politischen Führers, des Fürsten Bülow cha­rakterisiert war, in einer Zeit, die uns heute durch die Memoiren-Literatur so deutlich enthüllt ist und sich so sehr als eine Zeit des Strebertums, des Hoffchranzentums, einer unechten Romantik, einer kurzsichtigen Schönfärberei und sogar oft einer be­rechnenden Verlogenheit darstellt, heben sich Män­ner von der Prägung Richard Müllers, hebt sich Müller-Fulda als gedankenklarer Rechner und wirklichkeitsnaher Geist erfreulich von dem allgemeinen Zeitbild ab. Wir sind stolz daraus, daß Richard Müller zweifellos aus unserem Hei- ma t b ob en diese seine bemerkenswerten Eigen­schaften mitgebracht bat, die sich in den politischen Kämpfen in den Skibren vor dem Krieg so wert­voll erwiesen. Die echte, gesunde, auf das Prak­tische gerichtete Art ist ja zweifellos ein Cha­rakteristikum unserer bodenständigen Bevölkerung, wobei nicht gesagt sein soll, daß bei uns nicht auch andere Kategorien geboren werden. Altes Fuldaer Erbgut ist auch der volkstümliche Sinn des Reichstagsabgeordneten Richard Müller. Er war kein Mann der Eleganz u. der geistigen Gespreiz-t heit, wie sie im Berlin der Vorkriegszeit Mode waren und auch heute noch sehr stark Verehrer I finden. Großspurige Aeußerlichkeifen konnten ihm nicht imponieren. Sein scharfes kritisches Auge sah stets auf den Kern. Phrasenmacher und aufge­blähte Nichtswisser verstand er schnell außer Ge­fecht zu setzen, nötigenfalls in sehr zielbewußter Weise Sie hatten keine Aussicht, von ihm ernst genommen zu werden. Da zeigt sich auch die dem echten Fuldaer stets etwas anhaftende Neigung zu leisem Spott. Für alle, die Richard Mi-ller kennen, war es zweifellos stets von pikantem Reiz zu beobachten, wie er mit dem ernstesten Gesicht der Welt, doch deutlich spürbar innerlich über ir­gend einem Zeitgenossen und feine nur von diese», selbst wichtig genommenes Gehabe spitzbübiq lä­chelte. Manche derartige Episode wird weiter le­ben, so lange man sich an Müller-Fulda erinnern wird.

Bemerkenswert und gute Fuldaer Tradition ist Richard Müllers Pflichttreue und 21 r = beit seif er. Aeußerst gewissenhaft war er in der Kommissionsarbeit der Parlamente. Mochten andere sich in großen Reden spreizen, Richard Mül­ler hat bescheiden und schlicht gearbeitet. Er hätte sich leicht schon in der Vorkriegszeit eines Ministersessels bemächtigen können. Er ist der einfache Abgeordnete Müller-Fulda geblieben. Rast- 05 war er tätig auf vielen Gebieten, für die er ich interessierte, in seinen privaten Geschäften und n seinen öffentlichen Aemtern. Die Erfahrungen 1 :

Fünfjährige Rüstungspause.

wtb. London, 5. Oktober. (Eig. Meld.) Reuter: New Pork Times" meldet, daß Präsident Hoover nächste Woche eine wichtige Erklärung erlassen werde, die sich auf eine fünfjährige Rüstungspause für die Flotten beziehe. Es werde erwartet, daß die Erklärung auch die Frage der Besteuerung berühren und Maßnahmen enthalten werde, die zur Stabilisierung der Markt- lage dienen sollen. Reuter fügt hinzu: Die Tat­sache, daß der Präsident am Samstag mit dem Sekretär des Schatzamtes Mellon die inter­nationale Finanzlage und mit einem Her­vorragenden Neuyorker Finanzmann die europä­ische Wirtschaftslage erörterte, läßt die Vermutung gerechtfertigt erscheinen, daß er irgend­einen neuen Schritt erwägt.

Quesnan hat keinen Plan zu einer Revision der Golddeckung ausgearbeifet

wtb. Basel, 5. Okt. Der Generaldirektor der BJ.Z. soll nach Meldungen verschiedener Blätter einen Plan zur Revision des Goldstandards aus­gearbeitet haben, der in der Verwaltungsrats-Sit- zupg am 12. Oktober erörtert werden soll- Die Schweizerische Depeschenagentur wird hierzu von Generaldirektor Ouesnay zu folgender Feststellung ermächtigt: Ich habe keinen derartigen Plan ausgearbeitet und auf der Tagesordnung der BIZ. steht kein derartiges Projekt. Die Tagung der Gouverneure der leitenden Notenbanken am 12. Oktober wird ohne Zweifel die Möglichkeit für einen allgemeinen Meinungsaustausch über die Fi­nanz- und Geldmarktlage ermöglichen, doch steht in keiner Weise ein konkreter Re­formvorschlag auf der Tagesordnung.

Der Senat wird die Geschäfte fortsetzen, bis ein neuer Senat gewählt ist. Angesichts der un­brauchbaren Zusammensetzung derBürgerschaft", ist dieser Zeitpunkt sicher noch sehr fern.

* Rundschreiben des Papstes. Der Papst hat an alle Erzbischöfe und Bischöfe ein apostolisches Schreiben gerichtet, in dem es u. a. heißt, daß der Heilige Vater wegen der Weltwirtschaftskrise sehr betrübt ist, unter der besonders eine Menge un­schuldiger Kinder leide. Mit Rücksicht auf den bevorstehenden Winter, der die schlechte Lage der Arbeitslosen noch verschärfen werde, fordert der Papst die Erzbischöfe und Bischöfe auf, einen Feld­zug der Nächstenliebe und der Unterstüt­zung zu organisieren und ihren Einfluß dahin gel­tend zu machen, daß ihnen materielle und mora­lische Hilfe zuteil werde, um zu verhindern, daß die wirtschaftliche Not die Massen zur Verzweiflung treibe. Der Papst fordert die Bischöfe ferner auf, mit allen Mitteln dahin zu wirken, daß die gefähr­liche Rivalität unter den Völkern auf­höre, die ungeheure Ausgaben für di e Rü­stungen verursache, wodurch bedeutende Sum­men der allgemeinen Wohlfahrt entzogen würden.

* Poincares Befinden verschlechtert. Wie die Chicago Tribüne" erfahren haben will, soll sich das Befinden Poincares sehr verschlechtert haben, so daß an eine völlige Wiederherstellung des Kranken nicht mehr zu denken sei.

Padnmeutsauflöfung in England.

wtb. London, 5. Okt. (Eig. Meld.) Die Satter er­warten allgemein, daß die Parltmentsauflösung am Mittwoch oder Donnerstag erfolgen wird. In ministeriellen Kreisen hofft man, daß es in der heutigen Kabinettssitzung endlich gelingen wird ,den toten Punkt zu überwinden, lieber die Haltung Lloyd Georges herrscht völlige Unklarheit.

* Ministerwechsel in Wien. Die Sonn- und Mon­tagszeitung oerössentlicht ein ausführliches Schreiben des Finanzministers Dr. Redlich an den Bundeskanzler Dr. Buresch, in dem er seine Demission zur Kenntnis bringt.

* keine Verhandlungen über eine Fusion der Wiener Großbanken. Nach Auskunft maßgebender Wiener Bank­kreise stellt die Meldung eines Wiener Montagsblattes über ene Absicht französischer Finanzgruppen, die Fusion aller Wiener Großbanken anzuregen, eine reine Kombination dar. Es sei hiervon weder gesprochen, noch darüber verhandelt worden.

* Der Hauptausschuß des Preußischen Land­tages wird am Freitag dieser Woche zusammen­treten, um eine Reihe von Anträgen steuerlicher Art zu beraten. Es handelt sich insbesondere um die Neugestaltung der Hauszinssteuer, um Aende- rung der Zuwachssteuerverordnungen und um Neufeststellung der Einheitswerte bezw. Aenderung des Reichsbewertungsgesetzes. In weiteren Sitzun­gen will der Hauptausschuß Anträge über Fluß- und Deichmeiten, über Uferschutzarbeiten auf der Insel Helgoland, über die Notlage der Kleinfischer, ferner über die Finanznot der Gemeinden, über Maßnahmen der Bekämpfung von Auswüch­sen des öffentlichen Badewesens und1 anderes beraten.

* Polen und Lettland. Aus Warschau wird gemeldet: Das hier bekannt gewordene Eingreifen lettländischer Behörden gegen die polnische Minder­heit in Lettgallen hat nicht nur eine scharfe Presse­kampagne, sondern auch öffentliche Kund­gebungen hervorgerufen. So demonstrierte in Wilna eine Volksmenge, unter der sich auch viele Studenten befanden, unter Niederrufen auf Lett­land in der Nähe des von der Schutzmannschaft ge­schützten lettländischen Konsulates. Als die Demon­stranten einen Polizeiriegel zu durchbrechen ver­suchten, wurden sie auseinanbergetrie« b e n.

* Der Präsident von Chile. Der Kandidat der Re­gierung, Montero, ist bei den gestrigen Wahlen mit gro­ßer Mehrheit zum Präsidenten von Chile gewählt wor­den. Aus Anlaß von Wahlunruhen sollen ins­gesamt 10 Personen getötet worden sein.

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geben und für deren Wohl er sich tatkräftig und aus richtigem Verständnis für ihre Bedürfnisse gesorgt hat. Die Stadt Fulda erinnert sich an diesem Tag der fördernden Hilfe, die Richard Müller ihr in manchen schwierigen Augenblicken der Entwick­lung in den letzten Jahrzehnten geleistet hat. Für ihn beten zahlreiche Glieder des katholischen Kari- kas-Werkes, die in Müller-Fulda den großherzigen und stets praktisch helfenden Freund und Förderer kennen gelernt haben, dessen Stiftungen Segen spenden werden wenn er längst im Grade ruht

Möge der Geburtstag Herrn Müller zum Be­wußtsein bringen, daß ein solches Lebenswerk, wie er es hinter sich hat, auch heute noch Liebe und Verehrung im Gefolge hat. Verkennung und Mißdeutung bleibt niemanden erspart, der sich für das öffentliche Wohl in die Schanzen schlägt Aber fest steht auch daß ein solches dem öffent­lichen Wohl gewidmetes Leben in einem sonst undenkbaren Umfang bleibende Anerkennung fubert. Wir wissen, daß der Achtzigjährige auch den Nachruhm unter den Menschen nicht überschätzt und daß unter den Beschwerden einer Krankheit fein Sinn sich nicht auf Dinge richtet, die nur de­nen als das Wichtigste erscheinen denen mit d i e- l e r Welt alles aus ist. Sein Geist, erprobt in dem Suchen nach der Wahrheit, kennt höher« Werte und kennt bedeutsame Ziele. Zu Gott gehen deshalb auch unsere Wünsche an feinem Ge­burtstag für einen Mann, der in vorbildlicher Weise dem christlichen Wahlspruch gehuldigt hat: Ora et labora und der deshalb unteruns blei­ben möge als Vorbild und als Wegweiser in ver­wirrter Zeit. jk.