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NILS

v. Oktober

Vertage zur Fuldaer Zeitung

19. Sonntag nach Pfingsten.

Eingangslied.

Des Volkes Heil bin ich, spricht der Herr; in jeder Not, in der sie zu mir rufen, will ich sie erhören, ich will ihr Herr sein auf ewig. (Ps. 77, 1.) Mein Volk, hab acht auf meine Weisung; neigt euer Ohr den Worten meines Mundes.

Epistel: Eph. 4. 2328.

Brüder! Erneuert euch im Innersten eures Geistes und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist. in Gerechtigkeit und wahrer Heiligkeit. Darum legt ab die Lüge und redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten; denn wir sind einander Glieder. Zürnet, aber sündigt nicht; laßt die Sonne nicht untergehen über eurem Zorne. Gebt dem Teufel nicht Raum. Wer ge­stohlen hat, stehle ferner nicht wieder; er arbeite vielmehr und schaffe mit seinen Händen Gutes, damit er etwas hat, wovon er dem Dürftigen mit. teilen kann.

Evangelium: Matth. 22, 114.

Viele find berufen, wenig« aber auserwählt".

Mr find Gäste Gottes.

Betrachtung zum Sonatagsevaugelium.

Was das Gleichnis vom königlichen Hockzeits- mahl bedeutet, das haben wir schön in der Schule gelernt. Der König ist Gott, die Gäste sind wir, und das hochzeitliche Kleid ist die heiligmachende Gnade, durch die allein wir würdig werden, Gäste Gottes und feine Tischgenossen zu sein.

Sicher aber wollte uns der Heiland noch mehr mit diesem Gleichnis sagen. Zum Mahle lädt man nur seine Freunde, Menschen, mit denen man see­lisch verbunden ist. Mit der Einladung zum Hoch, zeitsmahle sind wir auch eingeladen, Freunde Got­tes zu sein. Und das ist ja der tiefste Sinn des ganzen Christentums und der Botschaft des Hei­landes, daß wir aus verirrten, verängstigten Men. schen werden zu Freunden Gottes, die mit ihm zu Tisch« sitzen und in Vertrauen und Liebe mit ihm reden.

Aber da ist dos hochzeitliche Kleid, wurde nicht einer von den Gästen hinausgeworfen in die Fin­sternis, weil er keines anhatte?

Wenn wir von einem Freunde eingeladen werden, mit ihm zu essen, werden wir dann im schmutzigen Alltagskleid zu ihm gehen? Würden wir ihn nicht kränken dadurch, ihm zeigen, daß wir uns nicht viel machen aus ihm u. feiner Einladung? Und wenn er nur unser Arbeitsgenosse wäre, müßten wir nicht seine Freundschaft und die Ehre der Ein­ladung wert halten dadurch, daß wir in sauberer, feiertäglicher Kleidung kommen?

Das Kleid ist ja nur ein Sinnbild, vor Gott brauchen wir keine Kleider, und er sieht auch nicht auf sie, und was hier in dem Gleichnis gesagt wird vom Kleide, das bedeutet ja nur den Zu­stand deiner Seele, denn der ist es, worauf es ankommt, wenn du East und Freund Gottes fein willst. Ein Gast Gottes kann nicht zum Mahle mit dem himmlischen König kommen mit einem Gewand, das den Schmutz der Laster trägt, mit einer Gesinnung, die gerichtet ist auf das Erraffen und Zusammenscharren von irdischen Dingen, die befleckt ist von Haß und Gier. Die Seel«, di« er­füllt ist mit der Freundschaft und Liebe zu Gott, das ist die, welche das hochzeitliche Kleid trägt. Und dies heimliche Hochzeitsgewand kannst du je-, derzeit tragen unter deinem alltäglichen Arbeits­kleid, es ist der einzige Eintrittspreis zur Feier des königlichen Hochzeitsmahles.

Und wie oft sollen wir denn Gäste und Tischgenossen Gottes sein?"

Wenn du mich recht verstanden hast, wirst du auch die Antwort wisien:Wir sollen es immer fein. Wir können nicht in Sonntagskleidern ein Tischgenosie Gottes und in Werktagskleidern ein gemeiner Mensch fein. Vielleicht ist das der größte Fehler vieler, di« sich Christen nennen, daß sie glauben, das fertig zu bringen. Daß sie wohl ein Sonntagskleid und einen Sonntagstempel haben, aber nicht immer Tempel Gottes sind.

Nein, unser heimliches Hochzeitsgewand sollen wir immer tragen, dann sind wir stets bereit zum

königlichen Hochzeitsmahle, zu dessen immerwäh­render Feier wir stets geladen sind, am Sonntag wie am Werktag.

DieProfitgier" der Missionare

Neulich fand in Berlin der Weltkongreß der sozialistischen Freidenker statt Bei dieser Gelegenheit ist einiges Gehässige über die Missionare gesagt worden, die mit Sklavenhal­tern verglicken wurden, deren einzige Ausgabe es sei, di« Kasien Roms zu füllen. Die opfervolle Arbeit der afrikanischen Misiionare wurde einfach als Profitgier bezeichnet. Wer seinen Profit sucht, pflegt gewöhnlich sein Leben sehr lieb zu haben. Denn er will doch genießen, was er erraffte. Die afrikanischen Missionare haben aber nie etwas an­deres vor Augen gesehen, als Not und Entbeh­rung sowie einen frühen Tod.

Sn der Mitte des 19. Iahrunderts, als die Er­schließung Afrikas begann, war dieser Erdte'l be­kannt als «des Weißen Mannes Grab". Die Ozeandampfer hielten sich fern von den fieber» schwangeren Küstenstrichen Westafrikas. Nur die Missionare wagten sich ins Land hinein. Die er­sten fünf Lyoner Missionare in Westafrika star­ben fünf Wochen nach der Landung. Stets neuer Nachwuchs folgte, der dasselbe Schicksal hatte. Das Lyoner Missionsseminar zählte bis 1914 400 Tote (Priester und Schwestern). Das Durchschnittsalter der Priester betrug 30 Jahre, das der Schwestern 28 Jahre. Von den damals in Liberia landen­den sieben Priestern war nach der bald einsetzen-

Der Gottlose und die

Von Kapl<

Der intellektuell« Freigeist, der sich mit mir in Gespräche über Glauben und Christentum einließ und Wert darauf legte, von mir alsGottloser" bezeichnet zu werden, ist der Repräsentant einer bestimmten Gruppe von Menschen der g e b i l d e - ten Gesellschaft. Er empfindet ein geistiges Vergnügen, sein« Kenntnisse und seinen natür­lichen Scharfsinn einzusetzen und spielen zu lassen, um immer wieder neue Gründ« gegen den posi­tiven christlichen Glauben zu erheben. Er ver­lacht nicht den Glauben des gebildeten Christen, obwohl er ihn selbst leugnet. Er bewundert die Eeistesgeschichte der katholischen Kirche in ihren intellektuellen Vertretern und Verteidigern. Aber im Grunde schätzt er den Geist des ständigen Ver­neinens, des Luzifer, doch noch höher. Dabei ver­achtet er das gemeine Volk, fei es nun gläubig oder ungläubig.

So hat es immer begonnen: Zuerst hält sich eine kleine Schar gebildeter und sogenannter Auf­geklärter für berechtigt, eine positive Religion oder überhaupt bestehende positive Gesetze zu kri­tisieren, anzugreifen und zu widerlegen. Aber nur sie selbst behalten sich dieses Recht vor. Die unge­bildeten Massen des Volkes mögen Religion haben oder durch althergebrachte Gesetze in Schranken gehalten werden, um die geistig Besitzenden nicht in ihrer Muße und Freigeisterei zu stören.

Aber ihre Saat, die sie in Schrift und geist­reichen Gesprächen ausstreuen, geht schließlich doch immer wieder auf einem weiteren Boden auf.

So folgte denn auf di« theoretische Gottlosigkeit einiger Freigeister sehr bald eine Volksbewegung.

Bei der ungebildeten Maffe ist es nun nicht mehr die Gedankenspielerei und der bloße Stolz des natürlichen Talentes im Geist«. Hier spielen im Grunde wirtschaftliche Interessen und sinnlich ungebänbigte Instinkte die Hauptrolle. Nun braucht bloß der konsequente Demagoge aufzutreten, der die Schlagworte und die beißende Satire der gebildeten Freigeister und ungläubigen Philosophen unter die Masse zu bringen versteht Die Gottlosigkeit ist ihm nicht mehr Selbstzweck, sondern das Mittel, die Macht aus der Masse heraus an sich zu reißen.

Das geschah in unserer Zeit durch einen Lenin und seine Genossen. Und von hier aus entstand

den Regenzeit noch einer übrig. Zwei neue Ge­nossenschaften versuchten die Mission. Das mör­derische Klima zwang sie zum Rückzug. Erst 1906 gelang das Werk. Fünf Priester und zwei Brü­der, die 1853 in Sierra Leone landeten, waren in wenigen Wochen vom Selben Fieber dahingerasft. In Senegambien fielen in elf Jahren von 75 Missionaren 42 dem Sumpffieber zum Opfer. In sechs Jahren wurden vier Apostol. Vikare in der Blüte der Mannesjahre hingerafft. Sn Kamerun starben in 13 Jahren 21 Glaubensboten; Togo sandte 1910 16 Patres krank nach Europa zurück. In Fernando Po zählte man in 18 Jahren 80 tote Misiionare. Innerhalb 10 Jahren mußten im Su­dan 20 Jesuiten im besten Mannesalter ihr Leben lassen. 35 Franziskaner kamen zu Hilfe. We­nige von Urnen konnten, nachdem der Tod ihre Reihen dezimierte, zurückkehren. 3m Seengebiet Ostafrikas verzeichnete öie Mission Oer Weißen Väter 34 Tote bei insgesamt 87 Missionaren. Am Sambesi ließen m 20 Jahren wohl 80, meist deutsche Missionare das Leben.

Das war früher, als die Mittel gegen den Tod und die Seuchen noch wenige waren. Wie steht es heute? Nach einer im Jahre 1929 zu Mailand veranstalteten Untersuchung haben die Afrikamis­sionare nur 78 Prozent der Lebensdauer jener Missionare, die in Europa bleiben. Wer nach Afrika geht, kann ungefähr 14 Jahre seines Le­bens vorher abstreichen. Je einer von 20 Missio­naren stirbt auch heute noch eines gewalsamen Todes.

Wer hat Lust, ausProfitgier" das Erbe der Afrikarnisiionare anzutreten?

Golttosenbewegung.

i Fahsel.

jetzt die uns heute bekannteBewegung der Gott­losen".

Mit den Mitteln politischer Propaganda und geldlicher Unterstützung bringt sie über die Gren­zen Rußlands auch zu uns herüber.

Ist der Philosoph im Denken bis zu einem ge­wissen Punkte konsequent, so der Demagoge und die ihm gefügige Mass« in der praktischen Auswirkung. DerBund der Gottlosen" hat in der Tat seine Konsequenz. Glaubt man nicht mehr an Gott, hält man alle religiösen Lehren für reine Hirngespinste, so muß wirklich der religiöse Mensch und die Kirche als etwas Lächerliches und Gefähr­liches erscheinen. Und so geht man daran, alle Gebräuche. Symbole, Zeremonien und Vertreter der Religion und Kirche zu verhöhnen und öffent­lich durch parodistische Schau zu verspotten.

Jetzt erst erkennen viele Christen, ja selbst Freidenker, eine Gefahr für den Frieden der Ge­sellschaft. Betrachten wir diese Gefahr einmal näher:

Ich bin der Ansicht, daß die Hauptgefahr 'die Verunehrung Gottes ist. Und diese Gefahr erscheint mir größer bei den oben erwähn­ten Gottlosen, die im Besitz so vieler Erkenntnisse den Mut besitzt, Gott zu leugnen und die Kirche zu bespötteln. Aber auch für die Christen und überhaupt alle religiös gesinnten Menschen ist d efr religiöse Freidenker als Philosoph und Intellektueller die größte Ge­fahr. Hier ist ein feines Gift, welches un­merklich Religion und gut« Sitten untergräbt. Sn der sogenanntenBewegung der Gottlosen" tritt aber das Abstoßende so un­mittelbar zutage, daß selbst laue Christen und int Glauben schwankende oder zuweilen religiös indif­ferente Kreise nur aufgerüttelt werden können, sich wieder auf die Güter der Religion zu besinnen. Schon werden wieder weite Kreise durch die Blas­phemien und die erschreckende Roheit «er soge­nannten Gottlosen zur Rückkehr und zur Sehnsucht nach der alten positiven Religion angetrieben. Für diese Kreise habe ich meineGespräche", die ich während eines Monats im Jahre 1925 mit dem Gottlosen führte, in Buchform veröffentlicht*). Der Geisteskampf, der sich hier in den Höhen der

*) Gespräche mit einem Gottlosen. 13. bis 15. Taufend. Freiburg, Herder, 4.50 bezw. 6 Mk.

Metaphysik und Religionsphilofophie abfpielt, tft int Grunde nichts anderes als der immer wieder austauchende Kampf in der Geschichte der Mensch­heit zwischen Glauben und Unglauben, zwischen wahrer Demut, die göttliche Gnade empfängt, und verkehrtem Stolz und ungebändigter Sinnlichkeit, zwischen himmlischer und irdischer Liebe, zwischen Engeln und Dämonen. - Dieser selbe Kampf be« schränkt sich heute nicht mehr auf Studierstube und geistige Debatte, sondern ist herabgestiegen in den politischen Parteikampf und in die Massen, die die Straße beherrschen.

Die Kirche Chinas

im Urteil eines J>uie tlj Priesters.

Der chinesische Priester Philipp Wang (Apoft. Vikariat Fenyang, Prov. Schonst) schreibt der Ft- des-Korrespondenz:

Eine der interesiantesten Eigentümlichkeiten der katholischen Kirche Chinas ist zurzeit die groß« Verschiedenheit der Herkunft ihrer Misiionare. Einst waren diese fast alle französisch ober ita­lienisch. Heute kommen die Apostel Chinas aus mehr als 30 Nationen. Von 8168 Priestern, Schwestern und Brüdern sind zur Zeit nur 1476 chinesisch. Alle übrigen gehören sämtlichen Welt­rassen mit Ausnahme der schwarzen und roten an. Von den etwa 100 kirchlichen Sprengeln wurden 49 in den letzten 10 Sahren errichtet; 30 von ihnen bestehen noch kein« 5 Jahre. Daraus ergibt sich, wie schnell man in der Organisation voranschrei- tet. Die Vermehrung der chinesischen und außer­europäischen Priester erlaubt es den nichtchrist­lichen Mitbürgern nicht mehr, den Katholizismus alsReligion Europas" zu betrachten. Sie müf- sen anerkennen, daß die katholische Religion eine Weltreligion ist.

Die größten Fortschritte macht die Kirche in der Provinz Tschilt (heute Hopei) genannt. Man zählt dort 11 Kirchensprenqel, 6 Bischöfe, 344 chi­nesische Priester, 717 000 Katholiken (ein Drittel aller Katholiken Chinas). Es ist dieselbe Provinz, die im Boxeraufftand (1900) am meisten litt und die meisten Märtyrer zählte. So zeigt sich auch hier die Wahrheit des Wortes:Das Blut der Märtyrer ist der Same neuer Christen." Mir scheint, daß diese Zusammenballung von Katholi­ken in einer Provinz für die Kirche allergrößte Bedeutung hat. Wenn man hier die übrigen acht Zehntel der Bevölkerung gewinnen könnte, würde das Heidentum verschwinden, und das Christen­tum würde sich kraftvoll ausbreiten. Kann man die zur Stunde in China arbeitenden 3 602 Prie­ster als eine genügend große Missionsarme« be­trachten? Sicher nicht. Denn jeder dieser Prie­ster hat 693 Gläubige zu betreuen und soll 130 000 Nichtchristen gewinnen. Würden plötzlich alle fremden Missionare vertrieben der Fall liegt gar nicht im Bereich der Unmöglichkeit, so hätte jeder chinesische Priester sich um 1734 Ka- tholiken zu kümmern. Wir müssen also mit aller Kraft für Priesternachwuchs sorgen.

Die wichtigste Quelle für Berufe ist aber die Schule, die katholische Schule, das Bollwerk gegen Materialismus und Unsittlichieit. Wir haben in diesem Jahre 148 höhere Schulen mit 8754 Stu­denten, 319 Sekundärschulen mit 11 494 Studen­ten, 2873 Volksschulen mit 56181 Schülern. Dazu kommen 9102 Gebets- und Katechismusschulen. 246 720 Chinesen besuchen also katholische Unter­richtsanstalten. Wir dürfen nun nicht vergessen, daß die Hälfte der 2^ Millionen Katholiken Chi­nas Kinder oder junge Leute sind. Es gibt als» 1000 000 katholische Kinder, die m China keine katholisch« Unterweisung erhalten. Diese wenigen Zahlen zeigen die überragende Bedeutung des Schulproblems.

Leider Gottes hat die nationalistische Regie­rung den religiösen Unterricht in den katholischen Schälen untersagt, und die Lokalbehörden einzel­ner Provinzen haben sogar mehrere Schulen ge­schlossen. Wird die Freiheit des Religionsunter­richtes weiter eingeschränkt so leidet die katholisch« Kirche Chinas unter diesen Kulturkampfgesetzen mehr als unter den Kommunistenbanden, die das Apostolat nicht grundsätzlich unmöglich machen, während das Unterrichtsverbot die Fundamente des chinesischen Katholizismus untergräbt."

Diafpera-werkweche in Herborn.

Der Pfarrer von Herborn hatte am Samstag etwas unerhört Neues seinen Diafpora-Schäflein von der Kanzel verkündet. Theologiestudenten aus verschiedenen deut­schen Diözesen wollten die Gemeinde von Herborn be­suchen. Das mußte wohl ganz großartig werden. In der Familie beratschlagte man deshalb, ob man nicht auch einen so ehrwürdigen Herrn aufnehmen könnte. Nachdem man sich dafür entschieden hatte, ging die Mutter zum Herrn Pfarrer und erklärte sich bereit, ein Logis mit Verpflegung stellen zu wollen. Doch da bekam sie eine eigenartige Antwort. Die angehenden Priester wollten in der Jugendherberge schlafen und sich dott selbst kochen.---Diese Theologen waren gekleidet wie

Wandersleute, zogen singend durch die Straßen, waren lustig und froh, aber sie waren auch jeden Morgen im Kirchlein und an der Kommunionbank. Das schien ganz neuartig zu sein. So dachte die Mutter und wartete der Dinge, die da kommen sollten ...

Gerne waren wir gekommen, den armen Diaspora- Katholiken Tage der Freude zu bereiten. Wir, die wir in katholischem Lande groß geworden waren, die wir jetzt in der Vorbereitung auf das Priestertum standen, wollten sie in ihrer Not kennen lernen und ihnen geben, was wir hatten. Eine solche Gemeinde von 500 Seelen unter 6000 Andersgläubigen muß in ihrem kirchlichen Leben sehr bescheiden sein. Ein Levttenamt haben die meisten noch nie gesehen. Aber erst die, die zerstreut auf dem Lande wohnen, haben vom katholischen Gemeinde­leben fast nichts. Hier einmal jugendfrische, herzliche Freude, die aus dem Glauben strahlt, zu wecken, war unser stolzes Ziel.

Den Sonntag begannen wir mit einer Ehorrnesse, in der die entsprechenden Texte vor- oder zusammen gebetet wurden. Mit Christus in der hl. Kommunion vereint, hatten wir so mit der Gemeinde innigste Bruderschaft ge­

schloffen. Um neun Uhr riefen die Glöckchen froher ju­belnd als sonst zum Festgottesdienst. Feierlich zog der Priester mit einem großen Ministerium in bas festlich geschmückte Chor ein.Singet Gott Lob, alle seine Enget, die ihr gewallig an Kraft vollziehet seinen Willen" klang es voll Freude durch bas Kirchlein. Was die Chor- sänger da fangen, wurde den Gläubigen zu dankbarem Gebet. Auf alle Bänke war der sonntägliche Meßtext nach der Ausgabe von Kloster Neuburg vetteill. Jeder konnte darum mit innerer Anteilnahme folgen.

Frohen Sang auf den Lippen zogen wir dann vom Kirchlein durch die Stadt, heim zu unserer Jugendher­berge. Die hohe Kochkommission hatte gut gearbeitet und brachte uns nun den Sonntagsschmaus auf den Tisch. Alle diese technischen Arbeiten wie Kochen, Spü­len usw. konnte nur nebenbei erledigt werden, da die meiste Zeit den Vorarbeiten der Veranstaltungen ge­widmet werden mußte. Da mußten Lieder, Choral und Laienspiele eingeübt, die Hausbesuche nach der Pfarr- karthothek vorbereitet werden.

Der Nachmittag gehörte den Kindern. DieKinako" (d. h. Kindernachmittagskommission) hatte ein reiches Programm zusammengestellt. Lustiges Singen, Zirkus, mit allerlei Attraktionen, Brezelschnappen und andere Er­werbsmöglichkeiten von Naschereien, Reigen und schließ­lich zum Ausklang eine große Kinder-Polonaise wurden arrangiert. Neidlos überließen uns die Eltern ihre Kleinen, die uns restlos ihre Herzen schenkten. Es war ein fröhlich natürliches Spielen, aus jugendftohen Herzen.

Wenn Gotteskinder Freude erlebt haben, wollen sie dem Vater a^ch dafür danken. So zog denn nachher alles, Kinder und Eltern mit uns zur Kirche. Zunächst begrüßten wir die Himmelsmutter mit einer stimmungs­vollen Marienfeier, die nach einer packenden Ansprache in der Weihe an die Gottesmutter gipfelte. Dann be­reiteten wir Christus, dem Herrn einen Triumphzug. In feierlicher Lichterprozeffion, bei der Groß und Klein brennende Kerzen in den Händen trugen, wurde das

Allerheiligste um das Kirchlein getragen. Nach dem Segen beteten wir im Wechfelchor bas kirchliche Abend­gebet in deutscher Sprache. Dann war der arbeitsreiche Tag zu Ende. Manches von den Kleinen mag im Traum noch nach einer Brezel geschnappt oder sich im Reigen ge­dreht haben . . .

In den folgenden Tagen besuchten wir die Familien, um ganz persönlich mit den einzelnen in Beziehung zu treten. Aus der Pfarrkarthothek erhielt man die nötige Einsicht in die Familie. Zunächst galt unser Besuch denen, die im wörtlichsten Sinne in derZerstreuung" wohnen. In 25 Dörfern, die teils vier Stunden von Herborn entfernt im abgelegenen Westerwalt liegen, sind noch 500 Katholiken zerstreut, hier vier, dort zwanzig, dann neun, dann wieder einer ganz allein. Zu diesen galt es hinzugelangen, zu Fuß, zu Rad. Der Pfarrer kann die allerroeiteften nur alle paar Jahre einmal be­suchen. Zu allen, ob praktizierend, exkommuniziert oder nicht, gingen wir hin. Ueberaü wurden wir ausgenom­men. Meist öffnete sich nur ein schmaler Türspalt, der immer weiter wurde, bis wir zuletzt in der Küche saßen. Natürlich war es nur wenig, was wir erreichen konnten und auch wollten. Diese Verlassenen sollten merken, daß ihr Pfarrer sich um sie kümmert, noch ihrer denkt. So­weit sie ihren Glauben in der Fremde vergessen zu haben schienen, sollten sie mal wieder einen Anruf erhalten, heim zur Mutter Kirche zu kommen. Wir brachten ihnen katholische Zeitschriften und Zeitungen mit, die je nach Berus des Mannes, nach Alter der Kinder ausgewählt waren und luden, wenn es nicht zu weit war, zu unseren Veranstaltungen in Herborn ein. Meistens fanden wir Dank.--die Mischehe und die Schulfrage

ist immer wieder die große Not der Diaspora.

Um uns der Oeffentlichkeit Herborns vorzustellen, hielten wir einen Liederabend am Marktplatz ab und luden dabei zu einem luftigen Abend mit Freilichtspiel ein. Der leitende Professor des evangelischen Prediger- feminars stellte uns in freundlicher Weise den Innenhof

der Anstalt zur Verfügung.Der dumme Teufel Poltrio" sorgte dafür, daß die Leute einmal tüchtig lachen konnten.

Wichtiger als dies, war uns aber der Pfarr­abend. In all den Tagen war er immer wieder vorbe­reitet worden. Hier sollten sich alle Katholiken zusam­menfinden und einmal recht empfinden, daß sie eine Fa­milie bilden, die nicht irgendwo verlassen alleinsteh^ sondern die zu der einen großen Gemeinschaft der Kirche gehört. Eingangs galt es erst für all die Liebe, die wir von den Leuten empfangen hatten, zu danken. Die einen hatten uns Blumen, andere Obst, andere Kuchen ge­schickt. Der Küchenchef brauchte fast nichts mehr einzu­kaufen. Im Mittelpunkt des Abends stand das Spiel Der Retter Tills", in dem die alte Faustsage verarbeitet tft Dann stattete der Pfarrer uns seinen Dank ab:Die Freude bestand in Jungsein, Frohsein, Lebendigsein und Frommseinl Und weil diese jungen Menschen froh, le­bendig und fromm find, erstreben sie die Hohen des Lebens im Priestertum, d. h. sie wollen Gott und den Menschen dienen." Er wies auf die im Osten drohende Gefahr, die Entkirchlichung, hin und schloß feine Aus­führungen mit dem Bekenntnis und der Aufforderung: Und mag eine ganze Welt in Trümmer gehen, wir wollen, wir werden zum Herrgott stehen". Um all dies, was wir in diesen Tagen der Gemeinde fein durften, in einem Symbol zufammenzufaffen, überreichte unser Führer den Wimpel mit dem Christuszeichen, der uns auf allen Wegen begleitet hatte, dem Pfarrer. Er sollt« der Gruppenwimpel der künftig erstehendenkathol. Jugend von Herborn" werden. Spontaner Beifall be­lohnte diesen feierlichen Akt Noch ein paar frohe Lieder und der gut gelungene Abend war vorüber.

Am nächsten Morgen brachten wir Gott mit vollem Herzen unseren Dank in einem feierlichen Levitenamt. Dann nach ein paar ftohen Stunden mit dem Pfarrer, dann ein herzlich Abfchiednehmen und fort ging es wie­der, auseinander zum Westen, Norden und Süden .