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Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt

Nr. 227

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt im Bild" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

Freitag, 2. Oktober 1931.

Monatlich 1.80 einschließl. Postgebühr (48 Pfg.) ohne Zustellg. Anzeigen-Preise: Kleinzeile ((toi.) lokal 0.15 RM., auswärts 0.20 RM. Reklamezeile: lokal 0.60 RM., auswärts 0.80 RM. Bei Wiederholungen Rabatt. Postscheckk. Franks, a. M. 4051.

Zadrg. 58.

An der Schwelle des Friedens.

Die militärische Liquidierung desWeltkrieges hat sich in vielen Etappen vollzogen. Die letzte bezeichnet das Datum des 30. Juni 1930, jener weltge­schichtliche Tag, an dem die letzten französi­schen Soldaten das rheinische Gebt et verließen. Schon vorher war freilich formell der Friede geschlossen, umd Deutschland saß seit Jahren mit feinen ehemaligen Feinden im Völ­kerbunde zusammen, aber es bedurfte noch mehr als zehnjähriger, in einem zähen Hin und Her sich vollziehender Verhandlungen, bis dann im vori­gen Frühsommer auch äußerlich die letzten Schran­ken fielen, die französische Tricolore auf den Re­gierungsgebäuden in Trier und anderswo ernge- zogen wurde und die deutsche Flagge endlich wie­der über deutschem Land wehen konnte.

Aber Friede im Sinne des Wortes war im­mer noch nicht. Die Feindseligkeiten hatten mit der Beendigung des Ruhrkrieges aufgehört, die Schikane wurden erst an jenem 30. Juni endgül­tig eingestellt. Aber der Kampf der beiden Län­der gegeneinander ging weiter. Frankreich hielt Deutschland für unfriedlich, Deutschland glaubte, den Franzosen fehle der gute Wille zum Frieden. Was ist daran richtig? In beiden Ländern gibt es beträchtliche Parteien, die aus ihrem Miß- trauen heraus die friedliche Entwicklung immer wieder stören. Bei uns ist es im wesentlichen der Stahlhelm, ist es aber auch die radikale poli­tische Rechte mit Hitler und Hugenberg an der Spitze. Leute des gleichen Schlages fehlen aber auch in Frankreich nicht, und sie haben drüben mehr offiziellen Einfluß als ihre Gegenspieler bei uns. Man braucht, nur eine Kriegerdenkmalsrede des Kriegsmini st ers M a g i n o t zu lesen, die er ausgerechnet am Sonntag, dem Tage des französischen Ministerbesu­ches in Berlin, gehalten hat, und die die alten Redewendungen von der französischenSicher­heit" wiederholte, um zu erkennen, mit welch ge­wichtigen Widerständen auch ein durchaus fried- lich gesinnter Regierungschef in Paris zu rechnen hat. Und wenn es wirklich übertrieben ist, zu be­haupten, bei den Berliner Verhandlungen wären Brüning und Laval persönlich zu viel weiter- gehenden Festlegungen bereit gewesen, wenn sie nicht auf die Stimmung eines Teils der öffentli­chen Meinung in ihren Ländern hätten Rücksicht nehmen müssen, so ist doch psychologisch an dieser Deutung etwas Wahres, nur daß es für Laval vermutlich in viel höherem Maße zutrifst, als für Brüning. Laval hat feine Deutschnationalen genau so wie der deutsche Kanzler, und er ist mit ihnsen insofern noch schlimmer daran, als sie in ihren verschiedenen Schattierungen an der Regie­rung beteiligt sind oder sie doch mitstützen müssen.

Wir müssen uns mit dem zufrieden geben, was bei dem französischen Mmisterbesuch in der Reichs­hauptstadt zunächst herausgekommen ist. Ob es in seinen praktischen Auswirkungen viel ist, wird sich erst sagen lassen, wenn der deutsch- französische Ausschuß, den man einsetzen will, in Tätigkeit getreten ist. Der Gedanke dieses Ausschusses bedeutet zweifellos einen Fort­schritt. Es ist, wie die Dinge seit 1914 und 1918 sich entwickelt haben, schon etwas Besonderes, daß von Regierungen der beiden Länder ein solcher Ausschuß beschlossen worden ist, in dem mit glei­chen Rechten Vertreter der beiden Völker abwech­selnd den Vorsitz führen, und es ich auch etwas Besonderes, daß die hoffnungslos gewordene Welt erkennt, wie ehrliche Staatsmänner doch noch einen Weg, wenn auch vielleicht einen Umweg gefunden haben, um zueinander zu kommen und wenigstens auf wirtschaftlichem Gebiet zusammen­zuarbeiten.

Enttäuscht können nur die sein, die die Tiefe der zwischen beiden Ländern bestehenden Kluft u n- terschätzt und daher mit überraschenden Er­gebnissen gerechnet haben. Es mußte von vorn­herein klar fein, daß die Frage der Reparationen in Berlin nicht gelöst werden konnte. Das war auch darum nicht möglich, weil eine für Frankreich wichtigere Reise Lavals ja noch bevorsteht, die Fahrt nach Washington. Erst wenn Ame­rika und Frankreich sich über die künftige Schul- demegelung geeinigt haben, können entscheidende Schritte zugunsten Deutschlands getan werden. Das ist eine durchaus einleuchetnde Ueberlegung, und wenn Laval sie nicht angestellt hätte, wäre man brechtigt, ihm den Vorwurf der Leichtfertigkeit zu machen.

Der wichtigste Anfang, der in Berlin am Sonn­tag und Montag gemacht worden ist, muß viel­leicht darin erkannt werden, daß die französische Oeffentlichkeit eingesehen hat, daß in der Tat Deutschland oerständigungsbereit ist. Der freundliche Empfang, den die Bevölkerung den französischen Gästen bereitet hat, hat in Paris seinen Eindruck nicht verfehlt. Man hatte nationa­listischen Lärm vorausgesagt und vielleicht noch Schlimmeres befürchtet. Es zeigte sich aber, daß die Bevölkerung Berlins politisch einsichtig genug ist, um die geschichtliche Bedeutung eines loschen Besuches zu begreifen und daß sie auch nickt dar­an dachte, persönliche Gefühle spielen zu lasten. Die beiden Minister und insbesondere Briand wurden als Männer empfangen, die man respektiert und mit denen man trotz aller Schwie- rigteiten noch einen günstigen Abschluß zu tä­tigen hofft. Das hatte man in Parisnicht er­wartet, umso angenehmer war man enttäuscht.

Wie schwer es im übrigen ist, die Verständi­gung zwischen den beiden Völkern zu forcieren, geigt sich darin, daß von deutscher Seite mit Ge­nugtuung hervorgehoben wird, daß die Staats­männer In Berlin über alle Fragen gesprochen haben, die zwischen den beiden Völkern zu berei­nigen sind, wenn Europa in eine Atmosphäre wirk­lichen Friedens hineingesteuert werden soll, wäh­rend die französische Delegation von diesen ver­traulichen Besprechungen nicht redet, vielmehr sich auf die offiziell bekanntgegebenen Gesprächsgegen­

stände zurückzieht. Das bestätigt die Tatsache, daß Laval zwar vieles will und auch auf weite Sicht überlegt, daß er aber mit Rücksicht auf die französischen Chauvinisten nur ganz langsam, Schrittchen für Schrittchen, sich vor an bewegen kann. Immerhin: in Berlin sind die Grundlagen des Friedens neu be. festigt worden, und wenn nicht alles täuscht, ste­hen mir an der Schwelle einer neuen, friedliche­ren Epoche deutsch-französischer Beziehungen.

Die gemischte komission.

wtb. Paris, 1. 10. (Eig. Meld.) Laval hatte gestern eine Unterredung mit Lvucheur Wer die in Berlin beschlossene gemischte deutsch-französische Kommission. Wahrscheinlich wird Loucheur auch dieser angehören.

Lavals Amerika-Reise.

wtb. Paris, 1. Oft. (Eig. Meld.) WieMatin" mitteilt, wird während der Reise dez Mmisterprä- sidenten Laval noch Amerika Landwirtschafts­minister Tardieu interimistisch das Minister­präsidium verwalten.

Der vertagte Völkerbuvdsrat.

Aus Genf wird gemeldet: Der Völkerbundsrat hat nach kurzer Aussprache einstimmig die vom Ratspräsidenten vorgelegte Entschließung ange­nommen. Damit ist die gegenwärtige Session for­mell nicht abgeschlossen, sondern auf die eventuell am 14. Oktober stattfindende Sitzung, die nicht den Charakter einer außerordentlichen Ratstagung trägt, vertagt worden-

Am dleArbeltslosenversicherung

Sachverständige haben ausgerechnet, daß das Defizit der Reichsanstalt bei einer Höchstzahl der Erwerbslosigkeit im Winter von 6 Millionen rund 200 Millionen Mark betragen wird, das sich aber bei 7 Millionen Arbeitslosen auf 320 bis 330 Millionen Mark steigern würde. Dieses De­fizit muß gedeckt werden. Darum stehen wir auch hier vor entscheidenden Beschlüssen. Wie verlau­tet, denkt man dabei einmal an eine Senkung der Versicherungssätze auf die Sätze der Krisenfür­sorge. Das würde bei Zugrundelegung der ge­genwärtigen Unterstützungssätze eine Einsparung von rund 50 Millionen Mark bedeuten. Weiter soll die Herabsetzung der Dauer der Unterstützung in der Arbeitslosenversicherung von 26 Wochen auf 18 Wochen vorgesehen sein. Hier würden sich nach den Berechnungen dreißig Prozent Einspa­rungen ergeben.

Nun kommt sofort die Kehrseite. Eine Verkür- zung der Unterstützungsdauer in der Versicherung bedeutet in der Praxis nur eine Lastenver- fchiebung. Denn die Arbeitslosen kommen ra­scher in die Krisenfürsorge, welche bekantlich zu vier Fünftel vom Reich und zu einem Fünftel von den Gemeinden getragen wird. Also erfolgt die Sanierung der Arbeitslosenversicherung zum größ­ten Teil zu Lasten der Krisenfürsorge und der Wohlfahrtserwerbslosenfürsorge. Die Kommunen haben aber keine Mittel, also muß wieder das Reich einspringen, einen Ausgleich schaffen. Es sind den Kommunen bereits zur Deckung der Ar­beitslosenlasten 230 Millionen Mark zur Verfü­gung gestellt worden. Ueber ein Mehr wird noch beraten.

cnb. Berlin, 1. Oktober. (Eig. Meld.) Me wir von unterrichteter Seite erfahren, wird Reichspräsidentvon Hindenburg seinen morgigen Geburtstag, wie schon m früheren Jahren, außerhalb Berlins verleben.

Der Herr Reichspräsident empfing am Don­nerstag den deutschen Gesandten in OÄv, Frei- herrn von Weizsäcker.

* Der Protest des Staatsrats. Der Preußische Staatsrat nahm den Antrag seines Derfassungs- ausschusses an, worin er die Auffassung vertritt, daß die von der preußischen Regierung erlassenen Notverordnungen mit zwingenden Vorschriften der Reichs- und Landesverfassung nicht in Einklang stehen.

* Reichsminister a. D. Dr. Geßler Dorsitzender des Bundes für Erneuerung des Reiches. Graf von Roedern hat mit Rücksicht auf die ihm ob­liegende anderweitige Arbeitslast das Amt des Vorsitzenden des Bundes für Erneuerung des Rei­ches niedergelegt. Als Nachfolger wurde Reichs­minister a. D. Dr. Geßler gewählt. Graf von Roedern hat sich bereit erklärt, zusammen mit Freiherrn von Wilmowsky den stellvertreten­den Vorsitz zu übernehmen.

* Eine englische Vorlage gegen Lebensmtttel- wucher. Macdonald kündigte im Unterhaus di« Einbringung einer Gesetzesvorlage an, die die Bevölkerung gegen Ausbeutung beim Kauf der unentbehrlichsten Lebensmittel schützen solle. Hen­derson fragte, wann das Unterhaus wieder zu­sammentreten werde. Macdonald schlug darauf vor, die Frage in der nächsten Woche wieder an ihn zu richten. Aus alledem geht hervor, daß die Regie­rung mit der Ausarbeitung ihrer Plan« noch nicht fertig ist.

* Der Friede zwischen dem Datikau und Italien. Rach der vor einigen Wochen erfolgten Beilegung des Konfliktes zwischen dem Vatikan und Italien hat nun der Generalsekretär der Fa­schistischen Partei auf Anweisung Mussolinis den Parteiorganisationen bekannt gegeben, daß der während des Konfliktes ausgegebene Erlaß, nach dem die Zugehörigkeit zur Faschistischen Partei mit der Katholischen Aktion unvereinbar fei, wie­der aufgehoben worden ist.

Heue japanisch-chinesische Zusammenstöße.

wtb. Tokio, 1. 10. (Eig. Meld.) Reuter: Bei Kaiyuan in Nähe von Mulden kam es gestern in den frühen Morgenstunden zwischen einer japani­schen Truppenabteilung und ungefähr 3000 chine­sischen Soldaten zu einem Kampf. Di« Chinesen wurden zurückgeschlagen. Die japanischen Truppen hatten drei Tot« und viel« Verwundet«.

*

wtb. Mukde«, 1. 10. (Eig. MeK>.) Russische KavaMerie-Patrouiklen und Panzerwagen sind in der chinesischen Grenzstadt Mantschuri erschie- Pnen. Auf chinesischen Protest hat der russische Konsul erwidert, bte Patrouillen hätten nach

Weißgardisten gesucht, die die Sowjet-Grenz« Werschreiten woMen.

wtb. Tokio, 1. Oktober. (Eig. Meld.) Reuter: Meldungen an das Kriegsministerium bestättgen die Gerüchte, daß zahlreiche Koreaner von chinesischen Soldaten niedergemetzelt worden seien. Ungefähr 1500 ehemalige chinesische Sol­daten sollen die koreanischen Dörfer westlich von Tieling an der Bahn MukdenCharbin angegrif­fen und geplündert haben. Ein« japanische Ab­teilung wurde eiligst dorthin entsandt. Bei Fuschun sollen 20 Koreaner, darunter Frauen und Kinder, ermordet worden fein.

Die fiebenprozentige Lohnkürzung im Rnhrrevier.

Die Schlichter für das Ruhrrevier.

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Don links nach rechts: Dr. Bragard-Wuppertal, Beisitzer; Vorsitzender Prof. Dr. Drahn-Dortmund, der Sonderschlichter für das Ruhrrevierz Regierungspräsident Bergemann-Düsseldorf, Beisitzer.

Die Schlichter für das Ruhrrevier, die zur Schlichtung des Lohnkonflikts durch den Reichspräsiden­ten eingesetzt worden waren, haben einen Spruch gefällt, der eine Lohnkürzung von 7 Prozent vor­sieht. Die' Gewerkschaften opponieren gegen diesen Schlichtungsspruch aufs heftigste.

250 000 Mann stellen aber diese Teilunruhen keine besondere Aktion dar.

Kem Streik im Wurm-Revier.

wtb. Aachen, 4. Oktober. (Eig. Meld.) Die Versuche der Kommunisten, im Wurmrevier Streik zu entfachen, sind ergebnislos geblieben.

Auf Grund der kommunistischen Streikhetze sind am Mittwoch von der Morgenschicht etwa 750 Arbeiter, von der Nachmittagsschicht etwa 370 Ar­beiter hn Ruhrbergbau nicht angefahren. Beson­ders stark war die Beteiligung wie üblich auf einigen linksrheinischen Zechen, wo starke Kommunistenherde vorhanden sind. Bei einer Gesamtbelegschaft von rund

Besprechung dernationalen Opposition".

DDZ Berlin, 1. Okt. (Eig. Meld.). Das von dem deutschnationalen Parteiführer Dr. Hugen­berg angekündigte gemeinsame Vorgehen der na­tionalen Opposition nach dem Wiederzusammentritt des Reichstages wird, nachdem die Zustirn- mungserklärung der Nationalso­zialisten vorliegt, zustande kommen. Die ge­meinsame Besprechung darüber wird aber wahr­scheinlick erst unmittelbar vor dem Wiederbeginn der Reichstagsverhandlungen stattfinden. Außer den in Betracht kommenden parlamentarischen Parteien, also den Deutschnationalen, den Natio­nalsozialisten und den aus der Landvolkfraktion ausgeschiedenen Abgeordneten, werden, wie das Nachrichtenbüro des V. D. Z. hört, auch außer- halb der Parteien und des Parlaments ste­hendenationale" Kreise an der Besprechung beteiligt sein. Fest steht bereits, daß diese Verband- lungeii die Einbringung eines gemein­samen Mißtrauensantrages gegen das Kabinett Brüning durch die parlamentarischen Vertreter dernationalen Opposition"> zur Folge haben werden. Die Nationalsozialisten haben auch ein Mißtrauensvotum gegen den Außenminister Dr. Curtius angekündigt. Bei den Deutschnationalen ist eine Entscheidung über diese Frage noch nicht gefallen. Ob die Deutschnationa- tionälen sich an einem besonderen Mißtrauensan- trag gegen Dr. Curtius beteiligen, wird sich erst in der gemeinsamen Besprechung dernationalen Opposition" entscheiden.

Wir wollen einmal abwarten, was diesenatio­nale" Opposition l e i st e n wird. Nationaler als Opvosition scheint uns in dieser Zeit entsagungs­volle Mitarbeit in der Abwehr drohender Ge­fahren, zu sein. Im Uebrigen ist der Anspruch aus Allein-Besitz nationaler Gesinnung der von den sehr gemischt zusammengesetzten Rechtskreisen erhoben wird, ein Schlag gegen das Gemeinsamkeitsgefühl des Volkes und schon damit ist bewiesen, wie wenig das Wohl Deutschlands in jenem Lager fein kann.

Tarifrecht gerettet?

D. D. Z, Berlin, 1. Okt. (Eig. Meld.). Zu den bedeutungsvollen Verhandlungen, die Reichskanz­ler Dr. Brüning mit den Führern der So­zialdemokratie gepflogen hat, wird dem Nachrichtenbüro des V.D.Z. in gut unterrichteten Kreisen gesagt, man müsse annehmen, daß die Reichsregierung die Absicht aufgegeben habe, auf dem gesetzlichen Wege einen Eingriff in das Tarifrecht vorzunehmen, nachdem die Vertreter der S.P.D. auf die schwerwiegen­den parlamentarischen Folgen eines solchen Schrittes hingewiesen hatten. Man könne damit rechnen, daß die Reichsregierung nunmehr di« Wficht habe, nach Erlaß der großen Notver­

ordnung Unternehmer- und Arbeiter- Vertreter zusammenzurufen, um den Versuch zu machen, zwischen beiden eine Verständi­gung über bte Lohnfragen herbeizufüh­ren.

Die Kabinetts-Beratungen.

C.N.B. Berlin, 1. 10. (Eig. Meld.) DaS Reichskabinett ist, wie wir erfahren, heute vor­mittag um V211 Uhr wieder zusammengetreten, um seine Beratungen über die neue Notverordnung fortzusetzen. Es ist anzunehmen, daß sich das Kabinett heute wiederum bis in die späten Abend­stunden mit den vorliegenden Problemen befassen wird.. Es läßt sich aber noch nicht übersehen, wie weit "die Arbeiten fottgeschritten find, doch Witt man in gut unterrichteten Kreisen wissen, daß ein Teil der gestellten Probleme, insbesondere bi« Siedlun gssrage, geklärt ist.

Die Nationalsozialisten veranstalteten in Halle öffentliche Kundgebungen. In beiden Veranstal­tungen sprach D'r. Goebbels zu dem Thema: Deutschland ist im Erwachen". Er erklärte u. a., baß die NS.D.A.P. auf legalem Wege an bi« Macht gelangen soll und die Absicht habe, wenn sie sie erst habe, auck nachdrücklichst zu gebrauchen. Aufwühlende Wirtschaftserscheinungen verlangten auch durchgreifende und überragende Mittbl. Wenn man glaube, daß auch die N.S.D.A P. sich zu einer Koalition auf breiter Basis werde bereitfinden lassen, so sei das io drückte der Red­ner sich aus,eine fpomme Illusion". Die N S.D.A.P. lei jederzett bereit, die Verant­wortung zu übernehmen.

Das sich die N S.D.A.P. allerhand zu traut, ist bereits feit längerem bekannt.

tzugenbergs Bundesgenossen.

Das der nationalsozialistischeAngriff" gegen einen Staatsanroalf zu schreiben wagt.

DerAngriff" von Dr. Goebbels Nr. 186 nahm zu den Anträgen der Staatsanwaltschaft im Prozeß gegen die Angehörigen des nationalsoziali­stischen Berliner Sturms 33 in einer Weise Stel­lung, die wir nicht näher charakterisieren wollen. Dieses Blatt ift ja nun auch daraufhin wieder auf drei Wochen verboten worden. Zur Charakteristik des GoebbelschenAngriff" und des Tones, den die NSDAP.-Presse beliebt, geben wir einige Bei­spiele aus dem Artikel.

Ueberschrist:Stenig im Paroxysmus". Dann im Text:

Im großen Kriminalgericht zu Moabit ist die Ver­nunft zu Grabe getragen worden. Mit marktschreieri­scher Beredtsamkeit hat ein nicht ernst zu nehmender Staatsanwalt die Würde der Justiz in den Gulli seiner