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Fuldaer Land und Aachbargebiek

Obst- und Gemüse-Ausstellung la Tleueaberg.

— Neuenberg. Der hiesige Gartenbauverein hielt am vergangenen Sonntag im Saale der Gastwirt­schaft Georg Henning sein diesjähriges Erntefest «ck. Aus diesem Anlaß fand eine reichhaltig beschickte Obst­und Gemüseausstellung statt. Die Mitglieder waren bestrebt, nur das Bche ihrer Erzeugnisse zur Schau zu stellen. Man sah z. B. Rotkrautköpfe von 8—10 Pfd. Gewicht. Neben Wirsing, Weißkraut usw. sah man prächtige Exemplare von Blumenkohl und Kohlrabi. Bon dem gerade in diesem Jahre besonders gut geratenen Obst war eine Fülle verschiedener prächtiger Obstsorten, zur Schau gestellt. Der reiche Blumenflor trug dazu bei, der Ausstellung ein herbstlich frohes Bild gu geben. Abends versammelten sich die Mitglieder zu einem Fa- milienobend mit Verlosung. Der 1. Vorsitzende, Herr August Seifert, hieß die Mitglieder, deren Angehö- rigen und viele Gäste herzlich willkommen, und dankte für di« bei der Vorbereitung der Ausstellung geleistete Hilfe. Die Ausstellung habe bewiesen, was der Klein- gartenbau leisten könne, wenn man genügende Sorg­falt aus ihn verwende. Zum Schluss« spornte er die Mitglieder an. auch weiterhin als Kleingartenbauer dazu beizutragen, daß Deutschland sich wieder hocharbei- tcn könne. Mitglied Freißlich sprach anschließend über die Gefahren des Kartoffelkrebses und über die Be­kämpfung der Blutlaus. Auch empfahl er systematisch gegen den Frostspanner mit Kleberingen oorzugehen. Im nächsten Jahr wird der hiesige Gartenbauverein etne noch größere Obst- uiid Gemüse-Ausstellung ver­anstalten. — Nach Erledigung des geschäftlichen Teils blieben Mitglieder und Gäste noch einige Zeit gemütlich dein ander.

— Bad Soden bei Salmünster. Man schreibt uns: Zum Besten des Kindergartens Bad Soden lädt der Magistrat der Stadt Bad Soden zum nächsten Sonn­tag, 4. Oktober 1931, ins städtische Kurhaus ein, in des­sen Saale die Jugendgruppe der Musikschule der Frau B. Werner sich der Mitwelt wieder einmal in Erinnerung zu bringen gedenkt. Und zwar wollen die Buben unb Mädeln zeigen, wie man eine ganze große Stadt baut. Plan und Richtung erholen sie sich aus dem von Paul Hindemith in Musik gesetzten Spiel für Kinder: „Wir bauen eine Stadt". Wer etwa bei dem Namen Hinde- mich ein gelindes Gruseln verspüren sollte, dem sei ver­raten, daß der Hindemith dieses Kinderspieles nicht der atonale Wüterich ist, als den wir chn fürchten gelernt ha­ben, sondern daß er, wenn er auch nicht ganz aus seiner Haut heraus kann, die Sache einmal, um mich ganz mo­dern auszudrücken, wieder harmonisch „aufgezogen" hat. Es ist ein begrüßenswerter Gedanke, daß Kinder Kindern helfen sollen. Jedenfalls verspricht das Programm, das neben diesem reizenden Bild aus dem Kinderleben auch einige Darbietungen bereits ausübender Künstler aus bekannten Schulen aufweist (Klavier, Cello und Gesang) einige angenehme und genußreiche Stunden. Der Anfang ist auf 4 Uhr nachmittags festgesetzt. Gegen 6% Uhr wird das Konzert beendet sein. Es wäre zu begrüßen, wenn der allseits aufgewendeten Mühe auch klingender Lohn beschieden wäre, hauptsächlich in Anbetracht bes guten, in den heutigen Zeiten so wichtigen Zweckes. Karten: 120, 80 und 50 Pfennige). G. B.

Mit dem Motorrad gegen unbeleuchtetes Fuhrwerk.

— Langenselbold (Kr. Hanau). Beim Staatsbahn­hof rannte nachts der Motorradfahrer Korn aus Weyhers gegen ein unbeleuchteten Fuhrwerk, das auf der falschen Straßenseite fuhr. Der Motorradfahrer erlitt eine Gehirnerschütterung, sowie einen Unterschen­kel- und Armbruch. Untersuchung über die näheren Um­stände des Unfalles sind eingeleitet.

— Kassel. In Grone wollte das 5jährige Söhnchen 'es Schlossers Krummacker auf die Deichsel eines An- bängewagens klettern. Hierbei geriet das Kind unter sie Räder und wurde auf der Stelle getötet.

Siud unter einem umfallenden Grabstein begraben.

— Hofgeismar. In dem Dorf Haueda ereignete ich ein eigenartiger Unfall. Ein achtjähriges Mädchen stdnd auf dem Kirchhof neben einem mehrere Zentner schweren Grabstein, als dieser umstürzte und auf das Kind fiel. Es gelang erst mehreren Personen, die her­beigerufen wurden, den schweren Stein zu heben, um das Kind zu befreien, das schwer verletzt wurde.

Drei Monate Gefängnis für Müuchmeyer

— Kassel. Am Samstag hatte der nattonalsozia- iistische R-ichstagsabgeordnete Ludwig Münchmeyer vor der Großen Strafkammer als Berufungsinstanz zu erscheinen, hatte es jedoch oorgezoaen, unentschuldigt weg­zubleiben. Er sowohl wie die Staatsanwaltschaft hat­ten gegen das am 4. Juni 1931 ergangene Urteil des Schöffengerichts Berufung eingelegt. Münchmeyer war wegen Vergehens gegen das Republikschutzgesetz, be­gangen mit einer am 29. Ott. 1930 gehaltenen Rede, verurteilt worden. In der Strafkammerverhandlung erklärte der Verteidiger, daß der Angeklagte Münchmeyer nicht kommen konnte, weil er am Tage vorher in Schweidnitz einen Termin hatte, am 23. September einen in Königsberg und am 17. September in Liegnitz. Ohne die Antwort des Gerichts abzuwar­ten, erkläre er, daß er die Verteidigung niederlege. Der die Anklage verttetende Oberstaatsanwalt wies an Hand von Telegrammen nach, daß der Angeklagte den Ter­min am 25. 9 in Schweidnitz nicht wahrgenommen habe und daß der Termin in Königsberg am 23. September abends zu Ende war, so daß er also zwei Tage und drei Nächte verfügbar hatte zur Reise nach Kassel. Nach dem Anträge des Oberstaatsanwalls verwarf die Straf­kammer die Berufung des Angeklagten und verhandelle lediglich über die Berufung der Staatsanwallschaft mit dem Ergebnis, daß das Urteil des Schöffengerichts auf» ? «hoben und die Strafe auf drei Monate G e- ängnis festgesetzt wurde. Mildernde Umstände wur­den ausdrücklich versagt mit der Begründung, daß Münchmeyer schon des öfteren wegen Vergehens gegen das Republikschutzgesetz bestraft sei und deswegen mit Schärfe angefaßt werden müsse. Es sei nicht angängig,

immer nur mit der Begründung, es liege ein politisches Vergehen vor, mildernde Umstände zu bewilligen.

NaNonalfozialiftifche Heldentaten.

verführte junge Leute überfallen schlafende Mitglieder eines jüdischen Danderbundes.

— wihenhausen b. Kassel. Das Große Schöffenge­richt Kassel verhandelt« in Witzenhausen gegen 14 wegen Landfriedensbruches angeklagte junge Nationalsoziali­sten im Alter von 17—26 Jahren. Die Angeklagten hat­ten, als der Jüdische Wanderbund vom 1.—5. Aug. am Ludwigs st ein sein Reichstreffen abhielt, dieses Wandertreffen wiederholt gestört. In der Nacht vom 4. auf den 5. August hatte der Führer des Störungstrupps in einer nationalsozialistischen Versammlung in Witzen­hausen die Verabredung getroffen, einen nächtlichen Ueberfall aus die jüdischen Wanderer auszuführen. Demzufolge wird eine Scheune, in der 35 jüdische Jung­wanderer schlafen, mit einem Steinhagel überschüttet. Als die Jungen darauf hin ins Freie kamen, wurden sie angegriffen und mißhandelt. Dieser Ueberfall führte dazu, daß mehrere Teilnehmer an dem Wanderertreffen z. T. schwer verletzt wurden. — Das Gericht ver­urteilte fünf Angeklagte wegen einfachen Landfriedens- bruches zu je vier Monaten Gefängnis, einen sechsten der noch jugendlich ist, wegen des gleichen Delikts zu zwei Monaten Gefängnis. Zwei andere Angeklagte er­hielten wegen Vergehens gegen Has Waffengesetz je 50 Rm. Geldstrafe. Alle anderen Angeklagten wurden sreigesprochen. — Die Verhandlung ergab,' daß die ur­sprüngliche Ansicht, daß die Deutsche Kolonialschule Wit­zenhausen selbst für die Vorgänge verantwortlich zu machen fei, den Tatsachen nicht entspricht.

— Cronberg. Ein Frankfurter Kaufmann, K. W, wählte Montag vornrittag für seinen Selbstmord eine ganz eigenartige „Methode". Der 47jährige Herr fuhr mit seinem Auto in einen Wald nahe der Stadt und befestigte dann am Auspuffrohr einen Gummischlauch und führte diesen durch ein Wagenfenster in das Innere des Wagens. Dann verstopfte er jedes Loch mit Pa­pier und Tüchern und ließ den Motor an. In wenigen Augenblicken strömten erhebliche Mengen des bekannt­lich recht giftigen Gases vom Motor in das Wageninnere und führten tn kurzer Zeit den Crsttckungstod des Kaufmanns herbei. — Kurz« Zeit danach kam ein an­derer Autofahrer an der Stelle vorbei. Er übersah so­fort die Lage und stellte zunächst den Motor ab und öffnete di« Türen. Allein die Hilf« kam zu spät. Der Kaufmann hatte bereits fein Ende gefunden

Aus Oberheffen.

Die Geologie der hessischen Senke.

— Kirchhain. Wie der Amtliche Preußische Presse­dienst mitteilt, hat Professor Blanckenhorn im Rahmen der Kartiertätigkeit der Preußischen Geologischen Lan­desanstalt in Berlin die Geologie der Hessischen Senke wesentlich klären helfen. Durch die Aufnahme der drei Blätter Amöneburg-Homberg a. d. Ohm, Kirch- hain und Neustadt-Arnshain, welche haupt­sächlich den Kreis Kirchhain des Regierungsbezirks Kas­sel nebst anschließenden Teilen der Kreise Marburg, Gie­ßen, Alsfeld und Ziegenhain zur Darstellung bringen, hat der bekannte Gelehrte einen wichtigen Teil seiner Lebensarbeit, die der Erforschung des Heimatlandes, speziell der Hessischen Senke zwischen Kassel und Mar­burg gewidmet war, zum glücklichen Abschluß geführt. In dem genannten Gebiet sind vertreten: Gesteinsschich­ten der Triasformation, des gesamten Tertiärs, Basalte sowie diluviale und alluvale Bildungen. Die Karten der Preußischen Geologischen Landesanstall haben aber nicht bloß rein wissenschaftliche Bedeutung für die Geo­logen und Geographen, sondern auch einen hohen prak­tischen Wert für die Industrie und den Bergbau, die ich mll der Aufführung und Erschließung der Boden- chätze, Baumaterialien, nutzbaren Lagerstätten usw. be- assen. Dem Landwirt und Forstmann vermitteln sie die Kenntnis der Böden und Hinweise für Düngungs- und Wertungsfragen. Bedeutsam sind die geologischen Kar­ten endlich für die Erkennung des Wasserhaushalts der Natur unb damit für die Wasserversorgung der im Be­reich liegenden Städte und Dörfer.

Aeues aus Frankfurt.

— Todessturz aus dem vierten Stock. Der 23jährige Bankbeamte Rudolf Deuth stürzte sich nachts von seiner im 4. Stock betegenen Wohnung der Wittelbacher Allee auf die Straß«. Er erlitt einen Schädelbruch und mehrfache Arm- und Beinbrüche und außerdem schwere innere Verletzungen. Der junge Mann verstarb kurze Zeit nach der Einlieferung in das Bürgerhospital.

— Vertagung des Favag prozefses auf den 15. Okto­ber. Der für den 2. Oktccker vorgesehene Termin für den Beginn der Hauptoerhandlung im Favag-Prozeß ist nach Mitteilung der Justizpressestelle Frankfurt a. M. gemäß Verfügung des Gerichtsvorsitzenden auf Antrag der Staatsanwaltschaft wegen Erkrankung des Ange­klagten Adolf M ä d j e auf den 15. Oktober verlegt worden. Mädje ist feit Mitte September an einem Nie­ren- und Herzleiden erkrankt. Eine eingehende vor ei­nigen Tagen erfolgte Untersuchung durch den neuen Frankfurter Gerichisarzt Professor Dr. Raestrup hat Zweifel daran ergeben, ob Mädje schon jetzt soweit wie­derhergestellt rft, daß seine Verhandlungsfahigkeit für die lange Prozeßdauer außer Frage steht. Eine Ab­trennung des Verfahrens gegen Mädje erschien unzweck­mäßig, da dann ein großer Teil des Prozeßstoffes zwei­mal hätte erörtert werden müssen.

— wir sind doch aus guter Familie". Nicht weniger als drei Warenhäuser hatte Montag eine junge Frau aus Mainz aufgesucht und hier nach Herzenslust gestoh­len. Im dritten Hause wurde sie Überrascht und ver­haftet, als sie ein Kostüm im Werte von 170 RM. gerade gestohlen hatte. Noch am Montag nachmittag fand in der Wohnung zu Mainz eine Haussuchung statt, die ein großes Lager gestohlener Sachen zu Tage förderte. Dabei bat der Ehemann, der von dem Treiben feiner Frau

Irrfahrten eines jungen Mädchens

Line gerissene Hochstaplerin vor Gericht.

Aus Marburg wird gemeldet:

Wie ein spannender Abenteurerroman muten die Irrfahrten eines jungen Mädchens an, mit dessen fort­gesetzten Betrügereien sich das Erweiterte Schöffengericht in Marburg in fast zwölfftündiger Sitzung beschäf­tigte.

Nelli, die 23jährige Tochter einer ehrbaren Stutt­garter Bürgerfamilie, war bis zum August vergangenen Jahres in ihrer Heimatstadt als Dienstmädchen, Büg­lerin und Kontorfräulein beschäftigt. Als sie bann mit ihrer Mutter in Streit geriet, verließ sie kurz entschlos­sen mittellos das elterliche Haus und machte in Offen­burg die Bekanntschaft eines Kaufmanns, dem sie sich als Studentin der Medizin, Tochter eines Stuttgarter Arztes, ausgab. Auf Kosten dieses Herrn verlebte sie glückliche Tage im dortigen Schwarzwaldhof, fuhr dann nach Rastatt, Ulm, Augsburg, München, Garmisch, Nürnberg, Fürth und Trier, wo sie unter den verschie­densten Namen immer in besten Hotels und vornehmsten Steifen verkehrte. Nelli, ein zierliches, temperament­volles und auch schönes Mädchen, erweckte überall durch ihr sicheres, weltgewandtes Auftreten den Anschein einer zahlungsfähigen Person und verstand es ausgezeichnet, schnell die Sympathien der Männer zu erwerben.

Während der Eisenbahnfahrt, im Hotel ober Cafe machte sie ihre Bekanntschaften, erhielt auch immer Geld, ließ sich ihre Hotelrechnungen bezahlen, vergaß aber auch manchmal bas Zahlen und verschwand. Einmal machte sie von Mannheim aus mst einem Ingenieur Autospritztouren nach Heidelberg und Schwetzingen, bann tauchte sie wieder in Koblenz, Bopparb, Frankfurt am Main unb Rüsselsheim als Fräulein Schaumbacher ober als Tochter eines bekannten Bopparder Hoteliers auf. In Rüsselsheim nahm sie an einem Hotelball teil.

pumpte sich ein wertevolles Ballkleid unb verschwand bann unter Mitnahme desselben. Teils gab sie, wenn sie von befreundeten Herren Geld pumpte, an, dieses würde in kürzester Zell von ihren Eltern zurückerstaüet, teils wohnte sie mit den betreffenden Herren als Mann und Frau im Hotel zusammen.

Im Januar d. I. stieg sie im Marburger Bahn­hofshotel als eine geschiedene Frau Vogt ab und ge­wann dann in einem Marburger Cafe als Ruth von Marchthaler das Herz eines jungen Studenten. Dieser mietete sie auf feine Kosten in ein Privatlogis ein, sorgte für ihre Verpflegung und führt« sie bei den Vergnügun­gen der Burschenschafter ein. Man redete sogar von einem Verlöbnis, denn Ruth fuh mit in die Heimat bes Studenten und wurde während eines Krankseins von ihm unterhallen. Als „Ruth von Marchthaler" bann im April einen Freund ihres Liebhabers um 30 Mk. anpumpte und bas Gelb nicht zurückzahlle, erstattete die­ser Anzeige. Ruth war inzwischen nach Kassel abge­reist, war aber dort nicht zu finden. Schließlich fiel sie am 4. Mai in einem Hotel in Kirchhain der Kriminalpolizei in die Hände, der sie sich als Lisette Jansen aus Lügumskloster (Dänemark) ausgab. Unter diesem Namen trug sie sich auch in die Gefängnisbücher ein, bis es sich schließlich herausstellte, daß es sich um die Büglerin Nelli G. aus Stuttgart handelte.

Bleich und zusammengebrochen — sie leidet auch an einer Geschlechtskrankheit — saß sie nun vor dem Ge­richt. Die abenteuerlichen Irrfahrten des jungen Mäd­chens endeten damit, daß es wegen feiner verschiedenen Betrügereien, Diebstähle unb Urkundenfälschungen zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt wurde, wobei vier Monate Untersuchungshaft in Anrechnung kommen. Unb was wird aus ihr, wenn sie bas Ge­fängnis verläßt?

zweifellos gewußt hat, bie Polizei dringend, doch ja nichts darüber zu veröffentlichen, denn es handele sich doch um eine Frau aus guter Familie.

Freistaat Hessen.

Ein Dorn als Todesursache.

— Gießen. Wie vorsichtig man bei Verletzungen durch einen Dorn sein muß. zeigt in tragischer Weise ein Vorfall in dem Nachbardorfe Launsbach. Dort hatte sich ein älterer Landwirt einen Dorn in den Fin- ger gestoßen, der zwar alsbald aus dem Finger ent­fernt wurde, aber doch wegen ungenügender Beach­tung der Wunde eine schwere Blutvergiftung zur Folge hatte. Aerztliche Hilfe wurde offenbar auch zu spät in Anspruch genommen, sodaß der bedauernswerte Mann an der Blutvergiftung verstarb.

„Politische" Schlägereien auf bet Kirmes.

— Hungen. Nachts kam es hier einige Stunden nach einer offensichtlichen unpolitischen Kirmesschlägerei, die aber rasch zu Ende ging, auf der Straße vor einem hiesigen Gasthaus zu einem Zusammenstoß zwischen einem Trupp Nationalsozialisten aus Gie­ßen unb einer Anzahl Reichsbannerleute. Bei dieser Auseinandersetzung wurden zwei Nationalsozia­listen verletzt, die die Gießener Klinik auffuchen mußten. Bei dem Tumult wurde u. a. auch mit Steinen und Bier- und Weinflaschen geworfen, wobei in dem Gast­haus eine Anzahl Fensterscheiben in Trümmer gingen. Die Ursache des Zusammenstoßes ist bisher noch nicht geklärt.

— Jriebberg. Im Kreisort Assenheirn bestieg der 76jährige Landwirt, der unmittelbar vor der Feier seiner goldenen Hochzeit steht, einen hohen Baurn, um von ihm Obst zu pflücken. Es brach ein Ast. Der alte Mann stürzte in die Tiefe und mußte in bewußtlosem Zustande fortgeschafft werden. Der Zustand ist lebens­gefährlich.

Ein« hochzeilsgesellfchast verunglückt.

— Worms. Eine Hochzeitsgesellschaft in Spies­heim hatte sich zu einer Ueberlandfahrt eine Auto­droschke gemietet. Auf dem Wege nach Albig verlor in einer Äuroe der Führer die Herrschaft über den Wagen, wodurch das Auto einen vier Meter hohen Abhang hin- unterftürzte und sich mehrmals überschlug. Die 17jähr. Lena Weber erlitt dabei so schwere Verletzungen, daß sie nach kurzer Zeit starb. Die übrigen Insassen wurden mehr ober weniger schwer verletzt in die nächstliegenden Krankenhäuser transportiert.

Unterschlagungen bei einer Ortskrankenkasse.

— harger. Bei der Allgemeinen Ortskrankenkasse zu Netphen hat man Unregelmäßigkeiten festgestellt, die nach den jetzigen Feststellungen einen Betrag von 12000 Mark ergeben haben. Durch eine unvermutete Revision des Provinzialrevisionsverbandes hat man bie Verfeh­lungen festgestellt. Gegenwärtig ist die Staatsanwalt­schaft mit den Ermittlungen in der Sache beschäftigt.

— Hainstadt. Bei der Beigeordnetenwahl entfielen auf die SPD. 324, KPD. 378. das Zentrum 614, Wirtschaftspartei 208 und bie kommunale Vereini­gung 169 Stimmen. Zwischen Zentrum unb KPD. muß Stichwahl ftattfinben.

— Oberlahnstein. Auf bem hiesigen Rangierbahn­hof wurde auf der UmladeHalle ein Rangiermeister von einem Waggon erfaßt unb gegen eine Mauer gedrückt. Obwohl sofort Hilfe zur Stelle war, starb der Verletzte nach kurzer Zeit.

Aus Geisa und Umgebung.

— Geisa. Der ursprünglich für den 1. Oktober vorgesehene Amts- und Sprechtag des Eisenacher Landrates findet erst am 8. Oktober statt. — Am 1. Oktober findet hier eine O b st s ch a u statt, die sehr gut beschickt sein wird. Es wird sich ganz besonders in diesem Jahre zeigen, daß auch in der Rhön gutes Obst gedeiht. — Bei der Obstschau ha­ben Käufer Gelegenheit, bestes Tafel- und auch Wirtschaftsobst zu kaufen. Bei gutem Wetter fin­det die Obstschau vor dem Rathaus, bei schlechtem Wetter im Rathaussaal statt.

— Vacha. Am vergangenen Sonntag sand auf dem Dolmar eine Segelflugveranstaltung statt. Leider war der Wind nicht günstig. Die Erfurter Luftpolizei baute ihre Maschine wegen der widri­gen Winde gar nicht erst auf. Es flogen nur das Gleitflugzeug „Pennäler" aus Vacha mit der Pilotin Elisabeth Nellen aus Schwarzburg und die neue Meininger Maschine „Zögling , die im Auftrag des Arbeitsamts Meiningen von sportbegeisterten Arbeitslosen gebaut ist. Die Veranstaltung wird an einem der kommenden Sonntage wiederholt.

kleine Nachrichten.

Ein junges Mädchen aus Erfurt stürzte mit Dem Fahrrad und geriet unter ein Lastauto, von dem es erdrückt wurde.

Auf der Staatsstraße Werda—Renneburg wurde ein 76 Jahre alter Auszüger von einem Personenauto erfaßt und derart in den Straßen­graben geschleudert, daß er tot liegen blieb. Der Kraftwagen ist unerkannt entkommen.

In Ä s z a ch bei Gotha wurden bei einem Scheunenbrand für 25 000 Mark Frucht vernich­tet.

Bilder vom Tage.

Korvettenkapitän Kurhe.

bisher Referent im Reichswehrministerium, wurde zum Kommandanten des Vermessungsschiffes „Meteor" ernannt.

h. G. Wells.

der weltberühmte englische Schriftsteller, hat im englischen Rundfunk einen aufsehenerregenden Vortrag gehalten, in dem er sich selbst zum „Welt- diktator" ernannte. Er legte dar, daß die Welt sich in einem neuen, furchtbaren Krieg befände, der sich durch den Zusammenbruch des wirtschaft­lichen Apparates äußere. Nur die Einsetzung ei­nes Weltrats, der einen Zwanzigjahres-Plan für alle europäischen Staaten ausavbeiten solle, könne uns vor der Katastrophe retten. Der Zwanzig- jahres-Plan soll für reibungslose Regelung des Weltabsatzes sorgen und die industrielle Produk­tion nach geographischen Gesichtspunkten aufteilen.

Der Dom von Riga,

>er erst vor kurzem durch Volksentscheid der deut« chen Gemeinde als rechtmäßiges Eigentum be- affen werden mußte, wird jetzt durch Notverord­nung den Deutschen enteignet und auf den Namen Mara-Kathedrale umgetauft werden. Der deut- chen Domgemeinde sollen im Verwaltungs. rat von zehn Stimmen nur drei Stimmen bleiben.

Schwalbe« machen Ihre Helfe nach lern Süden im Flugzeug.

Di« kästen mit den Schwalben werden auf dem Flugplatz Aspern bei Wien in ein Flugzeug verladen.

Die Zug-Schwalben sind von der plötzlich hereingebrochenen Kälte in Oesterreich sehr über­rascht worden. Die armen Vögel kamen durch den mit dem frühen Winterwetter verbundenen Futtermangel so von Kräften, daß sie ihre Reise nach dem Süden nicht antreten konnten. Sie hät- ten elend umkommen müssen, wenn nicht der Wiener Tierschutzverein alle aufgefangenen Tiere m Großflugzeuge nach Italien transportiert hätte.