Soll das nun ein neuer Orden werden ? Wenn nach etwa 2 Jahren so viel Land urbar ist und genügend Straßen gebaut sind, daß jeder von seinem Teil — man rechnet hier pro Familie 100 Morgen — leben kann, dann wird das Los entscheiden und jeden zum Eigentümer von 100 Morgen machen. Dann hört diese strenge Form der Gemeinschaft auf und geht über in eine Zwangsgenossenschaft, der jeder angehört und mit der jeder arbeiten muß. Im übrigen ist er sein eigener Herr und kann nun gleich heiraten und an eine Familiengründung denken. In den zwei Jahren wird auch das Holz schon bearbeitet sein, so daß der Hausbau, der auch noch von der ersten Form der Gemeinschaft geleistet wurde, fertig ist.
Und was wird das kosten? Das ist ja für viele die Hauptfrage. Jeder Einzelne muß 1000 Mk. einzahlen und zwei Jahre nur für Verpflegung arbeiten, dann hat er eine Heimat, von der er leben kann. Diese 1000 Mk. werden gebraucht zur Bezahlung des Landes und zum Unterhalt der 2 Jahre. Es wird auch reichen, um schon etwas Vieh anzuschaffen. Der Einzelne darf auch kein Geld bei sich haben, er muß es vorher schon auf die Genossenschaft einzahlen, es kann ihm im Walde doch nichts nutzen, da er nichts kaufen kann. Die Verpflegung wird garantiert. Ich könnte noch schreiben, daß wir auch einen Arzt mitkommen lassen, der unter denselben Bedingungen lebt und arbeitet.
Und was wird Brasilien sagen? Ich glaube, es wird sich freuen, ruhige und arbeitsfreudige Einwanderer zu bekommen, durch deren Arbeit das Land an Wert zunimmt und die durch ihre Produktion den Wohlstand des Landes vermehren. Und Deutschland weiß, daß seine Jugend gut aufgehoben ist und daß sie im fernen Land die Heimat nicht vergessen wird und Träger sein werden deutscher Kultur. Statt als hoffnungslose und niedergedrückte Nichtstuer am Mark des Vaterlandes zu zehren, werden deutsche Jungen mithelfen, den deutschen Namen im Auslande wieder zu Ehren zu bringen.
Im letzten „Blatt der Jugend" hatten wir unseren Lesern den Plan einer „Gemeinschaftssiedlung junger katholischer Deutschen in Brasilien" unterbreitet. Darauf sind schon eine Reihe Anfragen bei uns eingegangen. Heute veröffentlichen wir ein uns dieser Tage zugegangenes Schreiben des katholischen Priesters, von dem der Plan ausgeht. Er schreibt:
In der letzten Zeit ist immer wieder eine größere Aktivität der Auswanderung gefordert worden, um dadurch das Heer der Arbeitslosen zu mindern. Trotz dieser Worte und Artikel besteht aber in maßgebenden Kreisen eine gewisse Zurückhaltung gegen eine Propagierung der Auswanderung.
Der Gründe für diese Zurückhaltung gibt es viele. Wenn man einmal die Einwanderer, die aus Deutschland in den letzten Jahren nach Brasilien eingewandert sind, betrachtet, kann man einen Schrecken bekommen. Sicher haben viele hier eine neue Heimat gefunden, aber sehr viele sind elend zu Grunde gegangen und führen nun hier in den Vororten der Großstädte ein kümmerliches Dasein. Ich habe Hunderte solcher Menschen in meiner Pfarrei.
Woran liegt das? Die Einwanderer, die ich traf und ausfragte, wollten fast alle auf die großen Kaffeeplantagen bei Sao Paufo. Man hatte ihnen drüben viel versprochen und hier nichts gehalten. Man hatte kaum die nötigste Wohnmöglichkeit; Krankheit und Hunger tarnen dazu, und viele, die noch etwas Geld hatten, wurden es los, wenn sie einem Landspekulanten in die Hände fielen. Dann zogen sie völlig mittellos in die Städte und nahmen alle Arbeit an, die zu tun war, ohne Aussicht noch einmal selbständig zu einem Grundstück zu kommen.
Es wäre aber ganz falsch, auf Grund dieser Tatsache erklären zu wollen, eine Einwanderung nach Brasilien ist unmöglich. Diese Dinge sind ja dazu da, daß man daraus lernen soll. Und es gibt sehr gute Mögichkeiten, sie zu vermeiden. Wie oft hörte ich drüben wie hier die Forderung, man kann nur mit Familie auszuwandern. Ich halte das für falsch. Man verpflanzt keine alten Bäume, sondern junge, und auswandern sollen in erster Linie unverheiratete Menschen, Die Familie ist viel schwerer von einem Ort zum andern zu bewegen und damit muß man in Brasilien rechnen. Der junge Mann soll erst etwas haben und dann soll er an die Gründung einer Familie denken und heiraten. Nun wird man sagen, die Erfahrung hat gezeigt, daß unverheiratete junge Menschen in kürzester Zeit völlig versumpften und untergingen. Ich halte es auch für verkehrt, den Einzelnen irgendwohin zu schicken. Ich stehe auf dem Standpunkt,
die beste Jorm der Siedlung ist die 3ugenb-®emein- schafissiedlung.
Wenn wir aus der Geschichte gelernt hätten, so wüßten wir, daß Ostpreußen durch den deutschen Ritterorden urbar gemacht wurde. Und der Ritterorden war eine Gemeinschaft unverheirateter Männer. Diese zogen dann später Bauernsöhne aus dem Westen nach und siedelten sie an. Warum lernen wir nichts daraus?
Ich weiß es, man glaubt heute nicht mehr an die Kraft, die in den Rittern lebte, und die ihnen die Kraft dazu gab, in der Wildnis auszuhalten. Man glaubt heute an keine religiöse Gemeinschaft mehr an maßgebender Stelle. Man lächelt darüber.
Wer aber unsere kath. Jugend kennt, der weiß, daß gerade die Jugendarbeit der letzten Jahre stark auf dieser religiösen Gemeinschaft aufgebaut war. Wer einmal ein großes Zeltlager oder sonst eine Tagung mitmachte, merkte etwas von diesen Kräften. Diese starke religiöse Gemeinschaft, die ist der Grundstock einer idealen Siedlung in Brasilien. Was die jungen Menschen drüben in den Ferien trieben, das sollen sie hier 2 Jahre lang tun.
Sie sollen in strenger Gemeinschaft miteinander und füreinander arbeiten, alle gemeinsam ohne Lohn. Sie werden zusammen in ein großes Stück Urwald ziehen. Der eine Trupp wird Wege bauen, der andere Bäume fällen, ein dritter aufräumen, ein anderer pflanzen. Da- eine gemeinsame Basis da ist und an die glaube ich noch beten und Feste feiern geradeso wie daheim oder in den Ferien im Lager. Was ist denn das Schreck- lichste im Urwald ? Ich habe oft die Leute gefragt. Die Einsamkeit. Kilometerweit der Nachbar, das ist entmutigend. Das fällt hier fort, wir sind eine große Gemeinschaft. Was ist weiter schwer? Allein an den Urwaldriesen zu arbeiten. Wir können viel leichter die schwersten Bäume beseitigen, denn wir sind viele Arme. Alles, was sonst schwer ist, wird Hunderten leicht.
Ich weiß, viele werden den Kopf schütteln. Hunderte unter einen Hut bringen, das geht nicht. Es geht, wenn eine gemeinsame Basis da ist und an die glaube ich noch bei einem großen Teil unserer kathol. Jugend. Was beim Militär der Drill und der Gehorsam machte, das kann bei uns der Glaube erst recht. Dazu kommt die gemeinsame Not uni> die Aussicht nach diesen zwei Jahren zu einem Eigentum zu kommen, zu einer Grundlage, auf der man eine Familie gründen tarnt. Es ist klar, diese Art setzt einen Führer voraus, der mehr Macht haben muß als sonst der Leiter einer Siedlung. Er ist gleichsam der Vater, der die Verantwortung trägt und dem sich alle fügen müssen, wie es auch beim Ritterorden war.
Soll deutsche Zugeud lm Ausland siedeln?
Die Einwanderungs-Möglichkeiten nach Südamerika.
Von Johannes Beil, Seelsorger der deutschen Einwanderer in Porto Alegre.
Hoffnung!
Es sprach der Geist: Sieh auf! Es war im Irauwte. Ich hob den Blick. In lichtem Wolkenraume sah ich den Herrn das Brot den Zwölfen brechen und ahnungsvolle Liebesworte sprechen.
Weit über ihre Häupter lud die Erde er ein mit allumarrnender Gebärde.
Es sprach der Geist: Sieh auf! Ein Sinnen schweben sah ich und vielen schon das Mahl gegeben;
da breiteten sich unter tausend Händen die Tische, doch verdämmerten die Enden in grauem Nebel, drin auf bleichen Stufen Kummergestallen saßen, ungerufen.
Es sprach der Geist: Sieh auf! Die Lust umblaute ein unermeßlich Mahl. So wett ich schaute, da sprangen reich die Brunnen auf des Lebens, da streckte keine Schale sich vergebens, Da lag das ganze Volk auf vollen Garben, kein Platz war leer, und keiner durfte darben.
C. F. Meyer.
Dlözesankag des kakhol. Gesellenvereins.
Dom Katholischen Gesellenverein wird dem „Blatt der Jugend" mitgeteilt:
Am letzten Sonntag war im Kolpingshaus zu Fulda der oberste Familienrat der Diözese zu ernsten Beratungen versammelt. Dollzählig waren die Führer erschienen, vom Cichsseld war Diözesanleiter Klingebiel wie auch Vizepräses Kurt Döbler, Gotha, anwesend.
Unter der Leitung des Diözesanpräses begann um 1 Uhr die Sitzung. — Die Bezirksleitungen gaben kurz zusammengefaßte Berichte über ihre Tätigkeit des letzten Jahres. Man merkte, daß überall trotz der hohen Zahl der Arbeitslosen im Gesellen-Verein gearbeitet wird. Der Diözesansenior hält anschließend ein Referat über „Unsere Arbeit". Die nachfolgende Aussprache war lebendig und hat gewiß manch Neues zu Tage gefördert.
Vizepräses Döbler spricht über die Krise der Zeit — die Krise der Jugend — unsere Aufgabe. — Er geht davon aus, daß wir in einer seltsamen Zeit leben. Wir lesen täglich in der Zeitung, was die Technik erringt, gibt es doch bald keinen Punkt auf der Erde mehr, der nicht entdeckt ist. Es ist eine gnofce Zeit, und doch steht vor uns die Frage: ist diese Zeit Gottes Zeit. Wir stehen vor der Entscheidungsfrage, wessen ist die Welt. Diel bricht um uns zusammen und das zeigt, daß etwas nicht gut ist. Die Wirtschaft soll die Bedürfnisse der Menschen befriedigen, jedoch tut sie das nicht mehr in den heutigen Tagen. — Wir sehen auf der einen Seite Ueberfluß, auf (der anderen Seite Not und Elend. — Er spricht dann weiter von den Helden unserer Zeit .heilige Märtyrer auf der einen Seite, Mörder, Verbrecher auf der an« 1 deren.
Wir haben die größte Zeitenwende seit der hl. Elisabeth. Die Zeit bringt Menschen in Unruhe, denn die Krise der Zeit bringt die Krise der Menschen. Uns fehlt die Brücke, die von der Jugend zu dem Alter bestehen müßte, durch die im Krieg Gefallenen. Die Krise der Jugend hängt damit zusammen, daß wir mitten in der bewegten Zeit stehen. Da gilt es vor allem, daß die Menschen, die in Führung stehen, den Blick auf das Weite richten. Wie wird die Jugend mit der Krise der Zeit fertig? Wir sehen, wie große Teile der Jugend dem Sport anhängen und für jede ernstere Arbeit kein Verständnis haben. Er weist darauf hin, daß schon zu Zeiten der Römer die ungeduldigen Massen mit Brot und Spielen beruhigt wurden. Genau so sieht es heute aus. Der Mensch folgt dem Primitiven, weil er nicht weiter denkt. Aber der Mensch darf nicht dauernd primitiv bleiben. Heute muß eine ganze Welt erzogen werden. Der G.-V. ist keine Gemeinschaft gemütlicher Leute, sondern er soll Menschen erziehen, bilden und formen. — Wir müssen die Menschen vom Geistigen, vom Religiösen her erfassen. Die Wiederstandskraft muß gegen den herrschenden materialistischen Geist gestärkt werden. Die Botschaft Ehristi muß ganz neu den Menschen gepredigt werden. Wir müssen die seelischen Wiederstandskräfte noch mehr leben- big machen. Werden wir die herannahende Gefahr noch einmal überwinden oder wird es plötzlich über uns hereinbrechen? Das ist die große Frage und deshalb gilt es sich voll und ganz darauf einzustellen.
Die Ausführungen wurden von den Anwesenden mit ernster Ruhe angehört. Der Katholische Gesellenverein
in der Diözese wird die Aufgaben, die sich für ihn in der Zukunft ergeben, mit starker fianb anfaffen.
Nach einer kurzen Pause referierte Freund Klingebiel über das Thema: Unsere Arbeitslosen und ihre Betreuung. Er zeigte ganz praktische Wege, die sich auch bei uns mit ein wenig gutem Willen durchführen lassen. — Die Arbeit in dieser Hinsicht wird von den Leitungen ganz energisch in Angriff genommen werden. — Es folgten bann noch einige Aussprachen über interne Vereinsfragen.
Zungmönner-verband und Politik.
Aussprache auf dem diesjährigen Fuldaer Diözesanlag.
Auf der Diözesan-Jugendtagung wurde in 9 verschiedenen Arbeitskreisen den Vertretern der Jungmänner- oereine der Diözese Gelegenheit gegeben, zu den Gedanken und Vorschlägen der Referate Stellung zu nehmen. Es sollte jeder zu Wort kommen und damit die Meinung der gesamten Jungmannschaft zur Geltung gebracht werden. Mehreren Arbeitskreisen waren darüber hinaus bestimmte Aufgaben zur Besprechung und Klärung vorgelegt worden. Die wichtigsten Ergebnisse der Aussprachen aus allen Arbeitskreisen werden wir hier nach und nach kurz umrissen miebergeben. Sie werden später in ausführlicher Darstellung den Vereinen zugehen.
Der 5. Arbeitskreis beschäftigte sich mit der Frage der politischen Aufgabe bes Jungmännerverbandes. Man kam zu folgendem Ergebnis:
Der katholische Jungmännerverband erkennt in der Zett starker politischer Aufwühlung und Zersetzung seine große politische Aufgabe für Volk und Reich. Er sieht, rote die radikalen Strömungen der Zeit auch vor katholischen Gemeinden nicht Halt machen. Wirtschaftliche Not und Mangel an positivem Christentum sind die hauptsächlichsten Ursachen für die Gefahr des Radikalismus rechts und links auch unter der kath. Jugend. Die Erfahrung zeigt aber, daß da, w o die kath. Jugend vereine, nicht zuletzt die Jungmänervereine, tüchtig arbeiten, Nationalsozialismus und Kommunismus zu keiner Bedeutung gelangt find. Unter den Jungbauern hat hie unb da auch der „Junglandbund" sich bemerkbar zu machen versucht, früher auch der Jungdo. Besondere Aufmerksamkeit ist den weltlichen Vereinen zuzuwenden. In ihnen bilden sich am leichtesten Zellen politischer und antichristlicher Gegenströmungen. Hierzu gehören manche Sport-, Krieger-, Turn-, Schützen- unb auch Konsumvereine. Die freien Gewerkschaften sind ausnahmslos vom Geist des Sozialismus beherrscht. Wie m Trier bekennen sich die kath. Jungmännervereine der Diözese Fulba als die Pfarrjugendvereine von jeder polltischen Partei grundsätzlich unabhängig. Praktisch können ihre Mitglieder nur der Partei ihre Unterstützung geben, die die Grundsätze der Kirche vertritt. Die politische Schulungsarbeit ist m allen Vereinen noch stärker anzufas- sen. Zum Winbthorstbund hält der Jungmännerverein ein freundschaftliches Verhältnis. Beide wollen sich ergänzen und fördern. In den Gemeinden, in denen der Jungmännerverein die politische Schulungsarbeit leistet, soll von der Gründung einer Windthorst- gruppe abgesehen werden. Ziel unb Losung aller politischen Arbeit in unfern Jungmännervereinen sind in dem „Kampfgelöbnis von Trier" ausgesprochen: „Wir wollen als junge katholische Volksfront schaffen und kämpfen, opfern unb beten für Ehristi Reich und ein neues Deutschland."
Armseliges Gekläff.
Wulanfälle der Nationalsozialisten als Folge des gelungenen Diözefantages der kath. Jungmännervereine.
Der Bericht der „Fuldaer Zeitung" über den Diö- zesantag der katholischen Jungmännervereine begann mit folgenden Feststellungen:
„Mit Grimm und Verwunderung sehen es die Gegner der katholischen Kirche, daß im katholischen Volke immer wieder neue Bewegungen wachsen, die in der Sage sind, die Angriffe auf das katholische Erbgut erfolgreich abzuwehren. In den letzten Jahren hat sich die Situation sogar so verändert, daß die Katholiken nicht mehr lediglich in der Verteidigungsstellung stehen, sondern daß sie auf allen Gebieten kräftig vorstoßen. Am stärksten ist der Vorstoß der neuen katholischen Jugend, die will, daß „Christus Herr der neuen Zeit" werde.
In der Diözese Fulda macht sich diese Bewegung noch nicht so stark bemerkbar, wie in anderen Gegen
den unseres Vaterlandes. Bei uns ist die Entwicklung der Jugendverbände noch mehr am Anfang. Aber der 4. Diözesantag der katholischen Jungmännervereine hat doch gezeigt, daß in den Jugendvereinen frisches Leben blüht, daß überall junge Katholiken am Werke sind, die an sich die höchsten Ansprüche stellen und durch ihr Beispiel und durch selbstlose und zielklare Arbett ihre Altersgenossen für bie Sache Christi und für den Aufbau eines wirklichen Deutschen Reiches gewinnen wollen, lieber 300 Jungführer aus allen Gauen der Diözese waren gekommen."
Daß der Grimm über das Erstarken der jungen Volksfront der Katholiken am stärksten bei den Nationalsozialisten ist, können mir verstehen. Welche Mühe haben sie sich schon gegeben, das katholische Land zu erobern und ihre Weltanschauung auch dort an die Stelle der christlichen Lebensauffassung zu setzen. Sie haben aber in den Gegenden, wo der Katholizismus auf der Höhe war, keinen erwähnenswerten Erfolg gehabt, obwohl sie meist als „Wölfe im Schafspelz" tarnen. Auch im Fuldaer Land haben sie im Anfang Wert darauf gelegt, daß ihr christliches Mäntelchen nicht gelüftet wurde. Als das alles aber nichts nutzte, fiel schließlich die Maske und die Nazi- Redner und Schreiber lassen jetzt ihrem Haß gegen alles Katholische die Zügel schießen. Nichts ist ihnen gemein und dumm genug, wenn es geeignet erscheint, Mißtrauen zwischen das katholische Volk und die Kirche zu säen. Gewöhnlich kann man über diese armseligen Versuche zur Tagesordnung übergehen. Aber die Auslassungen im „Fuldaer Beobachter" über den Diözesantag der katholischen Jungmänner fordern eine deutliche Zurückweisung, zumal der Schreiber sich feige hinter einem Pseudonym verbirgt. Das Pseudonym ist freilich notwendig, weil selbst mancher der anspruchslosen Leser des „Fuldaer Beobachter" stutzig werden würde, wenn sie wüßten, welche „Persönlichkeit" dieser „Germanns Frank" ist. Diesem Renegaten geht es nicht um die Klärung politischer Ansichten, sondern er braucht den Kampf gegen den Katholizismus. Drum kläfft er stets so laut, wenn der Katholizismus sich einmal herauswagt. Gewiß, wir haben nichts dagegen, wenn man zu dem Verlauf und zu den Referaten auf einer katholischen Tagung kritisch Stellung nimmt. Im Gegenteil, es tarnt uns nur nützen, wenn wir erfahren, wie sich eine solche Tagung in den Augen eines weltanschaulichen Gegners malt. Der „Fuldaer Beobachter" benutzt aber den Bericht über die Fuldaer Tagung zu einer plumpen Hetze gegen die „Zentrumsbischöfe und -Priester" und sucht den Anschein zu erwecken, als ob unser greiser Bischof ein Bündnis mit den Freimaurern geschlossen hätte. Und warum das ganze Geschrei? Der Regierungspräsident hat auf der Tagung eine Ansprache gehalten. Wir Jungen halten von Ansprachen dieser Art zwar nicht sehr viel, aber uns erfüllt es doch mit Stolz, daß heute die Vertreter der Regierung auf unseren Tagungen erscheinen und unserer Arbeit die Anerkennung nicht versagen können. Wir erinnern uns dabei daran, daß man uns im alten Preußen am liebsten ganz geknebelt hätte, obwohl wir damals wie heute den Dienst am Vaterland und Volk mit an erster Stelle gestellt haben.
Die gehässigen Angriffe der Nationalsozialisten gegen die katholischen Jugendorganisationen sorgen auch dafür, daß sich der letzte katholische Jungmann bewußt wird, wie es dem Katholizismus im „Dritten Reich" gehen wird. Die Nazi-Führer irren sich, wenn sie glauben, sie tonnten die katholische Jugend dadurch irre machen, daß sie mit Lügen und Verleumdungen gegen katholische Führer und katholische Organisationen zu Felde ziehen und sie in der gemeinsten Weise verdächtigen. Wie schamlos die Nazi-Agitatoren in dieser Richtung zu Werke gehen, zeigt ein anderer Vorfall. Der Schriftleiter des „Fuldaer Beobachter" druckt die gehässige Verleumdung des „Völkischen Beobachter" ab, in M e s e r i tz (Ostmark) sei ein S. A-Mann von einem Kommunisten erschossen worden, der gleichzeitig Mitglied des Katholischen G e s e ll e n v er e i n s sei. Daran wird die Bemerkung geknüpft: „Es wäre das nicht das erste Mal, daß sich Kommunismus und Zentrum zu gemeinsamem Mord gegen den Nationalsozialismus verbündet haben". Welch' niedrige Gesinnung gehört dazu, solche Meldungen zu verbreiten! Die ganze Geschichte ist nämlich erlogen. Es steht einwandfrei fest, daß der kommunistische Mörder in Meseritz nicht Mitglied des katholischen Gesellenvereins ist. Daß Mitglieder des katholischen Gesellenvereins in der K. P. D. seien, gehört in die sittlich wenig hochstehende Phantasie der nationalsozialistischen Berufsagitatoren. (Daß N a- tionalsozialistenzur K. P. D. hinüder wech
seln, gehört dagegen leider nicht in da, Reich der Fa bei.)
Katholische Jungmannschaft, merkst du, wo diese „Erneuerer" hinaus wollen? Sie suchen unsere Organisationen zu zerschlagen, weil sie erkannt haben, daß diese die stärksten Bollwerke gegen den Radikalismus sind. Und unsere Antwort? Wir schließen uns noch fester zusammen! Jeder muß ein Kämpfer und Beten- ner werden. Dann werden die Christus- und Kolpingsbanner noch siegreich wehen, wenn man an die Zeit der Hakenkreuz-Aufmärsche und Kommuni» sten-Demonstrationen zurückdenkt als an eine dornenvolle Uebergangsperiode, in der gewissenlose und leichtfertige Agitatoren den neu erwachten nationalen Idealismus deutscher Jugend in der schamlosesten Weise mißbraucht und irregeleitet haben.
Das Vildungs-Zdeal der kathol. Zugeud.
Selbstbildung.
Beginnen wir mit dem wichtigsten Bezirk, auf den sich alle andern aufbauen. „Lebensfiihrun g"*) von Fr. W. Förster. Der Verfasser, der kein Katholik ist, bespricht hier alle Fragen der Charakterbildung vom rein natürlichen Standpunkt aus. Das fehlt uns Katholiken bisweilen sehr, daß wir unsere sittlichen Grundsätze, soweit möglich, auch rein natürlich begründen und beleuchten. Dadurch bekämen sie oft größere Eindruckskraft.
Wir müssen den natürlich feinen Edelmenschen Für- fters in uns zu verkörpern suchen. Ader dieser muß überhöht werden von dem Christen in uns, der aus den Quellen der Uebernatur lebt. Dahin führt uns Alfons Lins mit feinen Briefsammlungen an werdende Männer: „Ein neuer Anfang", „3ns Leben", „Frohe Fahr t".**). Mit dem vertraulichen Du und Du weiß er in echter, jungenmäßiger Art alle die Fragen zu besprechen, die den jungen Menschen beschäftigen. Es ist frisches Leben, der uns aus allen feinen Büchern entgegenspringt, über denen leuchtend die Gottessonne steht. So ohne alle graue Theorie! Eine erquickende Herzlichkeit, die der in Entwicklung unsicher tappende Junge so sehr sucht, durchstrahlt alle Briefe. Von allem, was ihm auf der Seele brennt, spricht er: von Glau- bensschwierigkeiten, vom Sport, Verhältnis zum Mädchen, vom Verein, von der Beichte, vom Stehen zu Gott.
Aehnlich sind die „Briefe über Seldstbil- b u n g" von R. Guardini. Er stellt in feinen Bll- chern und Vorträgen schon starke Anforderungen an geistiges Mitdenken. Hier aber spricht er in ganz einfacher Sprache über die wesentlichsten Züge des männlichen Charakterbildes, in einer so anschaulichen Weise, daß man die Entwicklung seiner Gedanken ganz lebendig miterlebt. Diese frische und lebensechte Schau seiner „Werkbriefe", wie er sie in seiner früheren Ausgabe nannte, stammt gewiß aus den vielen Aussprachen mit jungen Menschen auf Jugendtagungen und persönlichen Besprechungen. Ganz praktisch kommt er auf die Einzelheiten des täglichen Lebens zu sprechen und nennt all die Dinge eindeutig bei Namen. An den Schluß des Briefes fetzt er die Winke für die „Werkstatt", wo er zusammenfassend aufzeigt, an welchen Punkten der Meißel für die Selbstbildung ansetzen kann.
„Von Seele zu Seele"**) P. Lippert S.I. Er behandelt verschiedene Fragen des inneren religiösen Lebens und der Persönlichkeitsbildung. Er setzt schon ein reiches, empfindsames Leben voraus. Aber gerade solchen Menschen kann er in seinen Briefen auf ihre Schwierigkeiten oft direkt verblüffend persönliche Antworten geben, tiefste Nöte lösen und wieder recht froh» machen.
„Von alltäglichen Dingen"**) spricht Anton Heinen, indem er zeigt, wie der Mensch nur von innen heraus eine rechte Einstellung gewinnen kann. So behandelt er die Familie, zeigt ihre Werte und inneren Kräfte, spricht von dem Glück, das von einem echten Familienleben auf alle ausstrahlt, wie alle ihre gebrachten Opfer die süße Frucht der Freude und des inneren Friedens tragen. Dann wendet er sich zu Berufsfragen, Berufsauffassung, Berufsfreude, wie auch der Fabrikarbeiter seine mechanische Arbeit zum Beruf machen, wie er seine Tätigkeit mit einer großen Idee unterbauen kann, die fein Arbeiten herauslöst aus dem stumpffinnigen Trott des Alltages. Ferner erörtert er Fragen aus der Zeit der jungen Liebe, über Bildung, Fragen um die rechte Stellung zu Gemeinde, Staat und Volksgemeinschaft.
*) In der Landesbibliothek entleihbar.
**) Beim Borromäusverein, Schulstraße, enlleihbar.
30. September