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FuldaerZertung

Anzeiger für die Stabt Julda unb denOandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Ilr. 223

Lnchemi lechsmai wöchentlich Wochenbeilagen:Die Well im Bild' undBuchenblälter' Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actlendruckerei in ftulba. Kernrufe: Schrift- ::: leitung 3153 Fuldaer Aetiendruckerel 3151 und 3152. :n

Sonntag, 27. September 1931.

Monatlich Ltiti einlchlietzl Pvligebuhr >4» Pig ohne.-fuiiellg Änzeigen-Preife: Kleinzeile ((£ol.) lokal 0.15 NM auswäri- 0.20 RM Reklamezeile: lokal 0.60 RM., auswärts 0 60 RM Bei W>e6erbo>U'>ae>i Rabatt Poltlcheckk .kraut q M 4->51

Intjrg. 58.

Set Reichskanzler erklärt seinen Weg.

An die Angeduldigen und die Nervösen.

Der Reichsverband der Deutschen Industrie ver­anstaltete zu Ehren seines scheidenden Präsidenten, des Geheimrats Pros. Dr. Dr. Dr. D. Carl Duisberg eine im einfachsten Rahmen gehaltene Feier. Der stellvertretende Vorsitzende des Reichs­verbandes, Frowein, begrühte D u i s b e r g als den T y p d e s d e u t s ch e n I n d i v i d u a l ist e n, der unbeirrt seinen Weg geht, schwierige Situatio­nen durch rasche Entscheidungen und tatkräftiges Handeln erklärt und dafür auch die Verant­wortung zu tragen weiß.

Geheimrat Dr. Ernst von B o r s i g begrüßte Duisberg namens der Vereinigung Deutscher Ar­beitgeberverbände. Dr. Pie trkowskr überbrachte die Glückwünsche des Vereins für Wahrung der Interessen der chemischen Industrie Deutschlands. Professor Dr. Duden sprach für den Verband Deutscher chemischer Vereine. Für die Reichs­regierung ergriff dann

Reichskanzler Dr. Brüning

das Wort:

hochverehrter Herr Geheimrat!

Es ist mir eine aufrichtige Freude, Ihnen die herz­lichsten Glückwüniche der Reichsregierung zu Ihrem 70. Geburtstag zu überbringen.

Wenn sich heute bei Ihnen die Glückwünsche aus allen Teilen unseres Vaterlandes und darüber hinaus häufen, so ist das ein weithin sichtbares Zeichen für die große Verehrung, die Sie sich nicht nur in Ihrem engeren Fach­gebiet erworben haben, sondern weit darüber hinaus in allen Kreisen der Wirtschaft und Wissenschaft als Füh­rer, Berater und Förderer und nicht zuletzt auch als Mensch.

Noch vor einer Woche hatte ich die Genugtuung, mit Ihnen und unseren beiderseitigen engeren Mitarbeitern in ernster Aussprache die bedeutsamen Probleme gegen­wärtiger deutscher Wirtschaftspolitik zu erörtern. Fast möchte ich in diesem Augenblick versucht sein, die Gedan- kengänge, die uns in dieser Aussprache bewegten, an Ihrem heutigen Ehrentage in diesem erweiterten Kreise erneut aufzunehmen. Da ich jedoch diese knappen Feier­stunden mit allgemein politischen ernsten Betrachtungen nicht allzusehr in Anspruch nehmen möchte, nur wenige Worte von dem, was uns alle. Sie von der Wirtschaft und mich von der Regierung und nicht zuletzt Sie, hoch­verehrter Herr Geheimrat, in dieser Stunde in Sorge bewegt.

Auch an mein Ohr klingen tagtäglich mal leise, mal lauter Zweifel in die Zukunft und bange

Rufe nach der Führung.

Ich weiß, daß das eine naturgemäße Erscheinung ist, und ich hatte die Ehre, Ihnen und Ihren Mitarbeitern vor wenigen Tagen darzutun, daß der Umfang der Tätigkeit der Reichsregierung in den vergangenen Wo­chen und Monaten ein viel umfassenderer gewesen ist, als es zur Stunde zweckmäßig erscheint, einer größeren Oef- sentlichkeit mitjufeilen. Abgesehen von diesem hat die Reichsregierung eine Fülle anderer Maßnahmen bereits getroffen bezw. zur Veröffentlichung in der nächsten Woche vorbereitet. Darüber hinaus wird es nötig fein, gewisse noch weittragendere Schritte zu tun in dem Augenblick, in dem die Bewegung des englischen pfun- des, die am vergangenen Samstag eingesetzt hat, in ihrer weiteren Entwicklung sicher erkannt werden kann.

Alle diese Maßnahmen der Reichsregierung bedeuten die Zurücklegung eines harten und schmerzlichen Weges.

Ls geht nicht anders, als schrittweise die Fehler einer Vergangenheit in sorgfältiger Abstellung und Heber­legung aller einzelnen Phasen, auch mit Rücksicht aus die jeweiligen Veränderungen der Außenpolitik, wieder zu beseitigen. Ich habe durchaus Verständnis dafür, daß dieser weg manchem nicht schnell genug geht. Nicht nur ein humorvolles Verständnis, weil sich ja jeder verant­wortliche Politiker in Deutschland sich von vornherein dar­über klar sein muß, daß alle klüger sind als er na­mentlich alle diejenigen, die Patentlösungen jeweils zur Verfügung haben sondern auch ein Verständnis sehr ernster Natur, weil man nicht erwarten darf, daß überall die Einsicht bestehen kann in die durch die Reparations­lasten, kurzfristige Verschuldung und unsere eigenen Feh­ler entstandene Kompliziertheit der Verhältnisse, die die Dinge bei uns zu einem einzigartigen, von allen übrigen Ländern verschiedenartigen Problem gestalten. Und doch glaube ich, daß es einen klaren Gesichtspunkt durch alle

einzelnen, auf außenpolitische und taktische Gründe jeweils abzutönende Phasen dieser Politik gibt, und das ist der, daß der weg gegangen werden muß zur Rückkehr un­serer gesamten Finanz- und Wirtschaftspolitik, der weg zur Rückkehr zu den strengsten Maximen der Generatio­nen vor uns in der Wirtschaft und zu dem entschlossenen willen, die Ausgaben der öfsentlichen stand mit den Ein­nahmen in Uebereinffimmung zu bringen. Dieser weg ist einfach: er ist der weg des gefunden Menschenver­standes. Er ist sicher und hält daher auch jeder proble­matischen Theorie gegenüber stand, wir wissen aber, daß er alle Kreise unseres Volkes manchmal gleichzeitig und manchmal in zeitlichen Abständen treffen muß. wir wissen auch, daß dieser weg fo gegangen werden muß, daß er nicht das deutsche Volk in zwei sich bis aufs äußerste bekämpfende Lager zerreißt. Das gilt ganz be­sonders für die Wirtschafts und sozialpolitischen Fragen. Und tger sich über die ganze Tragweite der Entwick­lung der letzten Monate bis in die letzten Tage hinein klar ist, der wird, wenn je, dann heute, zu der Heber- zeugung kommen müssen, daß dieser Weg im gegenseiti­gen Verständnis gemeinsam von den Arbeitgebern und Arbeitnehmern gegangen werden muß.

An den harten Tatsachen wird keine Schicht der Be­völkerung vorübergehen können. Sie werden um so leichter erkannt, und aus ihnen die notwendigen Folge­rungen allerseits gezogen werden, wenn der Wille zu einem gegenseitigen Verständnis, zu einer Ueberbrürfung der Gegensätze vorhanden ist. Eine Re­gierung hat nicht die Ausgabe, in jedem Augenblick, bei jeder plötzlichen Veränderung sofort mit Radikallöfungen einzugreifen. Starte Heroen beruhen im wesentlichen darauf, den richtigen Zeitpunkt zu wählen, die Einsicht der Bevölkerung wachsen zu taffen, manchmal etappen­weise, manchmal wieder schlagartig mit Reformen, die alle Kreise der Bevölkerung betreffen, hervorzutreten. Wenn eine solche Regierung entschlossen ist, den Weg, den sie sich vorgezeichnet hat, ohne das Endziel aus dem Auge zu verlieren, zu gehen, so wird sie das darf ich in die­sem greife heute versichern aus dieser Einstellung trotz aller Kritik und vieler Zweifel die Kraft schöpfen, inmit­ten einer Welt von Schwierigkeiten wegweisend das deutsche Schicksal zu leiten.

Sie, hochverehrter Herr Geheimrat, werden es mir gewiß nicht verübelt haben, daß ich den Ihnen gewid­meten Ehrentag auch zum Berühren solcher ernsten Ge­dankengänge benutzt habe. Ihr ganzes Leben und Ihre Lebensarbeit sind ein leuchtendes Beispiel dafür, wie der berufene Führer sich in den Dienst der Gesamtheit und der Gesamtwirtschaft einzustellen hat.

Als die Zeisen kamen, in denen das eigene Leben des einzelnen Industriezweiges mehr und mehr zurück­trat hinter den großen Aufgaben der Gesamtwirtschaft, da haben gerade Sie sich reudig und selbstlos in die vorderste Re he derjenigen gestellt, die mit festem Vertrauen auf Deutschland Kraft und Zukunft unter Einsatz ihrer ganzen Persönlichkeit.mitarbeiteten an der Ueberwindung wirtschaftlicher Nöte. Vor nahezu acht Jahren hat Ihnen die deutsche Industrie das verant­wortungsvolle Amt des Vorsitzenden des Reichsverbandes übertragen und damit das große Vertrauen zum Aus­druck gebracht, das Ihnen die deutsche Wirtschaft ent­gegenbringt. Ich darf Ihnen aber auch im Namen der Reichsregierung und persönlich am heutigen Tage, der einen bedeutsamen Abschnitt Ihres arbeitsreichen Lebens abschließt, meinen herzlichsten Dank für Ihr unermüd­liches und erfolgreiches Wirken aussprechen.

Die Jahre, in denen Sie den Reichsverband der Deut­schen Industrie geleitet haben, sind Jahre voller Arbeit und Sorge gewesen. Wenn etwas die heu­tige Stimmung trüben könnte, st es die Nachricht, daß Sie, sehr verehrter Herr Geheimrat, die Absicht haben, demnächst den Vorsitz im Reichsoerband der Deutschen Industrie niederzulegen. Gewiß, 70 Jahre in einem Le­ben voll Mühe und Arbeit, wie Sie es geführt haben, ist eine lange Zeit; wenn man Sie aber heute in Ihrer temperamentvollen Lebendigkeit vor sich sieht, so darf man von Herzen hoffen und Wünschen, daß Sie noch viele Jahre der chemischen Industrie, der deutschen Wirtschaft und unserem Vaterlande erhalten bleiben und daß auch Sie noch die besseren Zeiten erleben, an die wir mit Ihnen zuversichtlich glauben.

Diesen Dank und diesen Wünschen der Reichsregierung schließt sich nicht zuletzt auch unser hochverehrter Herr Reichspräsident von Hindenburg an. Ich habe den Auftrag, im Namen des Herrn Reichspräsiden­ten Ihnen ein Handschreiben zu überreichen.

Nach dem Kanzler sprach der preußische Han­de lsmini st er Dr. Schreiber. Er überreichte im Auftrage der preußischen Staatsregierung die goldene Staatsmedaille für seine Verdienste um Wirtschaft und Forschung.

Hindenburg empfangt die Franzosen.

Die deutsche Rechte und die deutsch-französische Verständigung. Sehr unklare Vorstellungen über diesen Punkt.

Laval hat d:e Einladung Hoovers zu einem Besuch in Amerika angenommen. Er schrieb an den Pariser amerikanischen Botschafter: ,Zch wäre Ihnen dankbar, wenn Sie dem Herrn Staatssekretär meinen Dank für die Einladung übermitteln, die er mir seilens des Präsidenten der Vereinigten Staaten zukommen ließ. Ich werde mich sehr gerne nach Washington begeben und dort per­sönlich mit Präsident Hoover verhandeln."

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Der französische Ministerpräsident Laval und der französische Außenminister Brianö haben den Wunsch ausgesprochen, anläßlich ihres Berliner Besuches von Hindenburg empfangen zu werden. Der Reichspräsident wird diesem Wunsche ent­sprechen.

Im Zusammenhang mit der Meldung über den geplanten Empfang der französischen Minister ldurch Reichspräsident von Hindenburg ist die Frage aufgeworfen worden, ob die französische Regierung amtlich Mitteilung von der Annul­lierung der Kriegsoerbrecherliste gemacht habe. Eme derartige Mitteilung ist, wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, nicht ein­getroffen. Die Tatsache, daß der französische Mi­nisterpräsident den Wunsch ausgesprochen habe, vom Reichspräsidenten empfangen zu werden.

spreche viel mehr für ein Nichtweiterbestehen der Kriegsoerbrecherliste, als eine formal-juristische Regelung der Angelegenheit das tun könne. Es sei unwürdig, die Sreichung einer Liste zu verlan­gen, die von Deutschland nie anerkannt wor­den sei. Die Tatsache des Besuches beweise schon, daß Frankreich von den alten Methoden abgerückt sei.

Gegen Störungs-Kundgebungen.

Die Reichsleitung der Nationalsozialisten ver­bietet den Parteimitgliederndie Teilnahme an irgendwelchen etwaigen Kundgebungen gegen die französischen Minister". Von deren Anwesenheit seike inerlei Notiz" zu nehmen.

Für Bündnis mit Frankreich.

Nach einer Pariser Meldung hat der Führer der Deutschen Bolkspartei, Dr. Dingeldey, dem Oeuvre" ein Interview gegeben. In diesem In­terview soll er die deutsch-französische Verständigung als notwendig bezeich­net haben, aber unter Hinzufügung, daß unter Ausschluß der Rechtselemente in Deutschland und Frankreich diese Berständigung

nicht möglich sei. Erst wenn der Stahlhelm und die französischen nationalen Parteien tich ver­ständigt hätten, werde die Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich endgült-g sein. Erst ein deutsch-französischer Bündnis- vertrag auf der Basis der vollen Gleichberech­tigung werde die Harmonie zwischen beiden Völ­kern Herstellen. Frankreich und Deutschland wür­den genügen, um den Frieden in Europa zu sichern. Ein Personenwechsel im Auswärtigen Amt würde für diese Richtung der Außenpolitik ohne Ein­fluß sein. Dingeldey soll gesagt haben (wir zitie­ren fortlaufend nach einem Berliner Mittagsblatt), er sei absolut sicher, daß s e l b st die Hitler- leute niemals den Socarnooertrag kündigen würden. Locarno fei ein festste­hendes Werk für alle Deutschen ohne Unterschied der Partei, was man von anderen Verträgen nicht sagen könne. Er sei überzeugt, daß, wenn man in Deutschland eine Volksabstimmung über den Abschluß eines Bündnisses mit Frankreich auf der Basis der Gleichberechtigung abhielte, sich 90 Pro­zent aller Deutschen f ü r den Vertrag aussprechen würden.

Da Herr Dr. Dingeldey derjenige ist, der noch neulich in seiner Interpretation zürn Hamburger Fraktionsbechlnß der Deutschen Volkspartei in Deutschland eine Regierung nach englischem Muster empfiehlt ein zweifellos nachahmenswertes Vor­bild für alle Deutschen ist es nicht uninter­essant festzustelten, daß Herr Hugenberg in eine Interview an einen Mitarbeiter derHam­burger Nachrichten" (vgl.Tag" Nr. 230 vom 25. 9.) auf die Frage, worin die Irrtümer der jetzigen Politik lögen, außenpolitisch dahin ge­antwortet hat, die Regierung Brüning sei nicht der Anfang einer neuen politischen Entwicklung, sondern das Ende der alten Entwicklung, der Schlußpunkt jener Linie nämlich, die immer wieder Verständigung mit Frankreich suche. Während also wir sa­gen mit Recht Herr Dingeldey einernatio­nalen Regierung" die Aufgabe der Verständigung mit Frankreich zuweist, lehnt zu gleicher Zeit Herr Hugenberg diese Verständigung ab. Wir halten le­diglich die Tatsache fest, daß' es hier doch noch einige sehr erhebliche Gegensätze zu geben scheint.

Aus Anlaß der Anwesenheit der^französischen Minister in Berlin ro-rh >>cr em Sonntag, 27. ds. Ms., vormittags 10 Uhr, fällige Gottesdienst für die katholische französische Gemeinde auf An­

ordnung des Bischofs in Berlin zu einer reli­giösen Kundgebung der Versöhnung unter den Völkern ausgestaltet werden.

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Das PariserOeuvre" veröffentlicht ein Inter­view mit dem Führer der Deutschen Bolksparsiej, Dingeldey. Danach erklärte dieser, wenn man in Deutschland eine Volksab­stimmung über den Abschluß eines Bündnis­ses mit Frankreich auf der Basis der Gleichberechtigung abhielte, so würden sich mindestens 9 0 v. H. aller Deutschen für den Vertrag aussprechen.

Die Bemerkung des Reichskanzlers in seiner Rede auf dem Empfang zu Ehren des Geheimrats Duisberg über geplante Maßnahmen der Regie­rung im Zusammenhang mit der Pfundkrise sollen, tote von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, keines­wegs etwa bedeuten, die Reichsregierung wolle bte Mark an das englische Pfund a n- hängen. Im Gegenteil, bleibt die Regierung fest in ihrem Willen, keinerlei inflatorische Tendenzen aufkommen zu lassen.

Oie englischen Zoll-PlSne.

wtb. London, 26. Sept. (Eig. Meldg.). Der Unterstaatssekretär für Auswärtige Angelegenhei­ten trat in einer Rede für die unverzügliche Ein­führung eines Zolltarifes ein, da nur dadurch die Balanzierung des Außenhandels sichergestellt wer- den könnte.

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Bevorstehende Auflösung des britischen Parlaments

Nach einer Meldung des Evening Standard wird die Auslösung des Parlaments nächsten Mitt­woch tm Unterhause verkündet werden.

Die Wahl in Hamburg.

Ein Opfer der Wahlpropqganda.

wtb. Hamburg, 26. September. (Eig. Meld.) Die Propaganda-Tätigkeit der Parteien für die morgigen Bürgerschaftswahlen hat in der vergangenen Nacht ein Opfer gefordert. Mit einer schweren Schußwunde am Kopf wurde ein Anhänger der KPD., Johann Harms, besinnungs­los aufgefunden. Vermutlich hat Harms Wahl- plakate geklebt und ist dabei von politischen Gegnern nredergeschossen worden.

Immer noch Gefahr im fernen Osten

wtb. London, 26. September. (Eig. Meld.) Nach einerTimes"-Meldung hat jetzt der japa­nische Generalkonsul in Chardin an­gesichts der dortigen drohenden Sage telegraphisch die Entsendung von Truppen ange­fordert.

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Im Völkerbundsrat ist die erwartete Entspan­nung im Konflikt Japan-China noch nicht ein» getreten.

Am Freitag begann die Verhandlung des Völ­kerbundsrates über den chinesisch-japanischen Kon­flikt mit einer Erklärung des Ratspräsidenten Lerroux, der auf die Beantwortung des Appells des Völkerbundsrates durch bte chinesische und japa­nische Regierung hinwies und die Meinung aus­sprach, daß der Rat mit besonderer Befriedigung von der japanischen Mitteilung Kenntnis nehmen konnte, wonach die japanischen Truppen in die Eisenbahnzone zurückgezogen worden sind.

Der japanische Delegierte Poshizawa ließ hierauf unter Hinweis auf die Wichtigkeit dieser Dokumente die japanische Antwortnote und die bereits veröffentlichte Erklärung der japanischen Regierung vom 24. September verlesen. Hieraus gab er eine weitere Erklärung ab, die mit dem Hinweis auf die japanische Bereit- schäft zu direkten Verhandlungen mit China in der Ablehnung jeder Völker- bundslntervention gipfelte. Poshizawa protestierte dann dagegen, daß über die japanischen Truppen abscheuliche Verleumdungen vorgebracht worden seien. Durch die dem Rat vorgelegten Mitteilungen aus amtlicher Quelle seien die Zwi­schenfälle in der Mandschurei auf ihr richtiges Maß zurückgeführt worden. Der japanische Delegierte dementierte die Meldungen über japanische Trup­penlandungen in Tschifu, Tsingtau und andern Punkten der chinesischen Küste und sprach nochmals den Wunsch nach direkten Verhandlungen mit China aus. Die wesentliche Ausgabe des Völker­bundes bestehe in der Herbeiführung einer fried­lichen Regelung des Konfliktes. Die Methode könnte nach den Umständen wechseln, aber stets müsse in erster Linie der Wille der Parteien ge­achtet werden. Im vorliegenden Fall würde der Rat weife handeln, wenn er ein verfrühtes Eingreifen vermeide, das die schon auf dem Wege der Besserung befindliche Sage vielleicht verschlechtern könne.

Die Verlesung der dem Rate übergebenen und inhaltlich bereits bekannten Schriftstücke wurde so­dann fortgesetzt, und zwar beantragte der Ver­treter Chinas, Sze, daß das Telegramm der chinesischen Regierung, worin diese den Appell des Völkerbundsrates zur friedlichen Beilegung des Konfliktes und die vom Rate erlassenen vorläufi­gen Maßnahmen annimmt, vorgetragen werde. Minister Sze gab im Anschluß daran noch Erklä­rungen ab, die im wesentlichen darin bestehen, daß er behauptete, China habe sich den Emp­fehlungendes Rates gefügt, während Japan immer n o dj beträchtliche Teile der Mandschurei besetzt halte. Der Völ­

kerbund müsse verlangen, daß der status quo ante wieder hergestellt werde, und es müsse eine vom Völkerbundsrat ernannte Kommission über vie Ausführung dieser Maßnahmen wachen.

Im Verlauf der Debatte stellte der englische Sprecher den Antrag, China möge einen neuen Antrag beim Völkerbundsrat einbringen. Damit soll offenbar Zeit gewonnen werden.

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Dennoch könnte es den Anschein haben, als ob im Völkerbundsrat die Neigung besteht, es bei den bisherigen Schritten zur Beilegung des japanisch- chinesischen Konfliktes bewenden zu taffen und oen Parteien direkte Verhandlungen nahezulegen. Diese Söfung würde den japanischen Wünschen vollauf entsprechen. Japan hat sich mit nicht mißzuver- stehender Deutlichkeit jede weitere Intervention des Völkerbundsrates verbeten und die frei­willige schrittweise Räumung des außerhalb der Bahnzone besetztes Gebietes a.s Marimalzugeständ- ms erklärt. Dieser Richtlinie der japanischen Poli­tik hat Sord Cecil mit seinem Hinweis auf die Grenzen der Attionsmöglichkeiten des Rates nach Art. 11 ein gewisfes technisches Fundament ge­geben. Der Tendenz, den Fall einstweilen für er­ledigt zu erklären, jtehl aber die Erklärung des chinesischen Vertreters gegenüber, daß die Räu- mungsmaßnahmen ganz ungenügend seien und daß die chinesische Regierung sich auf keine direk­ten Verhandlungen mit Japan einlafsen werde, so­lange chinesisches Gebiet über die vertraglichen Rechte hinaus besetzt ist. Die weitere Gestaltung der Angelegenheit im Völkerbund wird nun in erster Sinie davon abhängen, ob China an diesem Standpunkte festhält und gegebenenfalls, um das Verfahren weiterzutreiben, Art. 15 des Paktes anruft, der ein regelrechtes Verfahren nicht nur zur Beseitigung der Kriegsgefahr, fondern auch zur materiellen Regelung eines Konfliktes vorsieht. Die vertraulichen Verhandlungen, bei denen die verfchiedensten Einflüsse, nicht zuletzt die Rück­sichtnahme auf die Vereinigten Staa­ten eine Rolle spielen, werden fortgesetzt und werden aller Voraussicht nach noch eine Reihe von Tagen in Anspruch nehmen. ,

Drille Role Chinas an Japan.

Nach einer Meldung der Agentur Indopacisique aus Schanghai würde T'chiangkaifchek im Falle des Rücktritts sein Präsidentenamt an Hau­ch a n - m i n g abtreten. In einer dritten Note an die japanische Regierung verlangt die chine­sische Regierung den sofortigen Rückzug der japa­nischen Truppen.. Außerdem veröffentlicht sie einen Aufruf an die Nation, in dem erklärt werde, wenn der Völkerbund nicht erfolgreich invertenie- ren könne, werde China selber Schutzmaß­nahmen ergreifen.

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wtb. Moskau, 26. Sept. (Eig. Meldg ). Die Sowjetunion wird auf der ursprünglich für Heike vorgesehenen Genfer Sondertagung der Europa-Kommission zur Vorbereit- eines wirtschaftlichen Nichtangriffpaktes nicht ver­treten fein.