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daß die Reichsbank trotz der gestrigl Prioatdiskontes auf 8 Prozent zu v

Verschweigung und Verkleinerung der Leistungen und Arbeiten, die das Kabinett in aufreibender Tagesarbeit vollbringt. Diese Einzelgefechte Hot der deutschnationale Parteiführer jetzt in Stettin zu einem Generalangriff zuiammengefaßt, geord­net und nach einem überlegten Plan und in der Absicht vor allem auf die schwankenden Gemüter :m rechten Regierungslager einzuwirken.

Möglich, daß es in Deutschland einige Leute gibt, die auf die außenpolitisch plötzlich vernünf­tige Meinung Hugenbergs hereinfallen und nicht erkennen, wie sehr seine außenpolitische Zweckrede innenpolitischen Zielen dient. Hugenbergs Hoff­nungen gehen aber weiter. Er setzt auch auf das Zentrum oder wenigstens auf einen Teil der Par­tei, mit deren Hilfe das große Werk gelingen soll. Sein Versuch, einen bestimmten Teil des Zen­trums gegen den Reichskanzler und die Partei­führung auszuspielen, ist offensichtlich und zu plump, als daß er Erfolg haben könnte. Jede

wtb. Newyork, 22. Sept. (Gig. Meld.) Die geret­teten Ozeanflieger befinden sich bei b e st e r Gesund­heit. Lediglich der Portugiese da Costa Veiga hat eine Beinverletzung erlitten. Man nimmt an, daß der Kompaß der Ozeanflieger durch die Erzlager von Bellisland g e st ö r t worden ist, so daß sie i m K r e i s e herumgeflogen sind, bis der Brennstoff­bedarf erschöpft war.

neue Vertrauensmännerversammlung bringt den Beweis, daß der Reichskanzler sich auf eine ge­schloffene Zentrumsfront stützen kann, und daß das Vertrauen zu ihm nicht wankt. Angesichts der Methoden, mit denen von Stettin aus der Boden des Kabinetts aufgeweicht werden soll, muß ganz entschieden betont werden, daß die Aeußerungen des Vertrauens zu Brüning und der Geschlossen­heit der Partei nicht die Bekundung einer Einzel­meinung, sondern der Ausdruck eines allgemeinen Willens sind. Wir streiten nicht um diese oder jene Regierungsmaßnahme, wir sehen nur auf die Grundtendenz und haben nicht den geringsten An­laß, auf Befehl von außen einer Regierung das Vertrauen zu entziehen, die nicht, wie das in Stettin geschah, mit großen Redensarten um sich werfen kann, aber desto zäher und anstrengender in der Stille arbeiten muß. Im Parteilokal in Stettin kann man mit billigen Redensarten und nationalen Phrasen leicht operieren. In dem Be­ratungszimmer der Reichskanzlei geht das nicht, wenn wirklich nationale Interessen nicht verletzt werden sollen.

Hugenberg macht nach all dem mit seiner neuesten Taktik auf uns nicht den mindesten Ein­druck. Und interessiert nicht der Verständigungs­politiker von morgen, wir haben es mit dem Par- teipolitiker Hugenberg von heute zu tun, und da finden wir. daß er sich nicht im geringsten geän- dert hat. Seinen schönsten nationalen Stettiner Redensarten ist eine langjährige, unfruchtbare, manchmal mit zweifelhaften Mitteln geführte Op­position und Agitation voraufgegangen. Hugen­berg ist ein Gedächtnisfehler unterlaufen, wenn er behauptet, er und feine Partei hätten nie die po­sitive Mitarbeit versagt. Das spricht der Führer einer Partei aus, die unter nichtigem Vorwand aus dem Reichstag geflüchtet ist und die nie den Versuch gemacht hat, die Opposition positiv ein­zusetzen. Nachdem jeder Fortschritt, der in Deutschland erzielt wurde, gegen eine von engsten Interessen beherrschte Opposition erkämpft werden mußte, nachdem diese Opposition es verschuldet hat, daß die nationalen Kräfte sich in Parteihader zersplitterten, nach all dem unfruchtbaren Gerede und Getue der angeblich nationalen Opposition wäre es reichlichst naiv, wenn Hugenberg von der Zentrumspartei oder auch nur von einem Teil von ihr erwartet, sie mache jetzt mit einer scharfen Wendung kehrt und komme dem deutschnationa­len Parteiführer bei der Rückreise von Stettin auf halbem Wege entgegen. Zu einer Zusammen­arbeit gehört mehr als die paar wertlosen außen­politischen Versicherungen, die im Gegensatz zu dem bisher Gehörten stehen. Es genügt dazu' auch nicht ein scharfes Kommando, nunmehr sich der Herrschaft der parteipolitischen Rechten zu beugen. Wir folgen Herrn Hugenberg auch deshalb nicht, weil wir nicht an den Stettiner Verständigungs­politiker von Samstag, sondern an den parteipoli­tischen Kämpfer von Sonntag glauben, und weil wir unsere allgemein politischen, wirtschaftspoliti­schen, sozialen und ethischen Ziele und Programm­punkte genau kennen und für sie kämpfen, die letzten Zielpunkte des Hugenberg uns aber eini­germaßen auch nach Stettin schleierhaft blieben, zumal es uns noch nicht gelungen ist, auf Grund einzelner Erzeugnisse aus seinem Verlagshaus eine Gemeinsamkeit der moralischen Wegrichtung festzustellen.

Cs gehört schließlich zum System, wenn Hugen­berg in Stettin mehrfach den Namen des Reichs­präsidenten zitierte und ihn in unverkennbarer Ab­sicht gegen den Reichskanzler ausspielte. Die Ver­suche, Brüning zu isolieren, hat, wie man sieht, Hugenberg von verschiedenen Richtungen aus­gleichzeitig unternommen Wir werden darauf an­ders reagieren, als der deutschnationale Parte'- führer sich das vorstellt. Diese Methoden können nur neue Kämpfe Hervorrufen. Redeten wir in I der Sprache feiner Blätter, so würden wir sagen: I Hugenberg will sich mit dem Ausland auf Kosten der inneren Geschlossenheit des deutschen Volkes verständigen.

Aus aller Well.

* (Ein Generaldirektor der Hagener Straßen­bahn verhaftet. Der ehemalige Generaldirektor der Hagener Straßenbahn P s o r t h e ist in fei­ner Wohnung in Düsseldorf durch Krimi­nalbeamte verhaftet worden. Die Festnahme ist auf Anordnung des Untersuchungsrichters in Ha­gen erfolgt, da Fluchtverdacht und Verdunkelungs­gefahr oorliegt.

* 11 Pfennig für einen Rebstock. Im Zeichen der überaus traurigen Lage der Min­ze r s ch a f t stand eine Versteigerung von Wein­bergbesitz, . die dieser Tage vor dem Amtsgericht Saarburg abgehalten wurde. Dabei wunde für einen Weinberg ein Gebot abgegeben, das einem Preis von 11 Pfennigen für ei­nen Rebstock entsparch. Der bisherige Eigen­tümer hatte kurz vor dem Krieg den Weinberg zu einem Preis erworben, der pro Weinstock unge­fähr vier Mark ausmachte l

* Don Kommunisten erschossen. Nach einer kom­munistischen Kundgebung auf dem Marktplatz vor dem Verkehrslokal der Nationalsozialisten in Meseritz kam es zu schweren Zusammen­stöße n zwischen Kommunisten und S. A. L e u t e n , bei denen der 24jährige Arbei­ter G u st a v S e y d l i tz, der Mitglied der Me- seritzer S. A. ist, von Kommunisten erschossen wurde. Nach der Mordtat flüchteten die Konmiu- nisten. Die Polizei ist dem Täter auf der Spur. Sie hat bisher 14 Fe st nahmen vorgenom­men.

Elfjähriger ersticht den Vater.

In D i l l i n g e n spielte sich ein Familien- drama ab, wie e$ nur selten zu verzeichnen ist. Ein seit Jahren als Trinker bekannter Gelegen­heitsarbeiter, der ein sehr zerrüttetes Familien­leben führt, geriet mit seinen erwachsenen Söhnen in Streit. Plötzlich mischte sich auch der jüngste, elfjährige Sohn in die Auseinandersetzung ein, stürzte sich auf seinen Vater und brachte ihm mit einem feststehenden Messer mehrere le­bensgefährliche Stiche in den Rücken bei. Der Schwerverletzte mußte sofort dem Krankenhaus zugeführt werden.

Die deutsche« Ozeanflieger gerettet.

Rach 158 Stunden auf dem Meere treibend auf gefischt.

Nach einem Montag nachmittag in Bad (Ems ein­getroffenen Telegramm sind die deutschen Ozeanflieger Rody aus Bad Ems und Johannsen aus Ham­burg, sowie der Portugiese Veiga nach 158 Stunden, die sie mit ihrem auf dem Meere niedergegangenen Flugzeug schwimmend auf dem Wasser zugebracht ha- ben, von dem norwegischen Motorschiff „Belmoira", das von Albany im Staate Newyork nach Rußland unter­wegs ist, aufgefischt worden.

Diese Nachricht wird durch eine Meldung der „Asso­ciated Preß" aus Toronto bestätigt.

Das Flugzeug trieb in der Gegend, wo die Ozean­flieger zuletzt gesichtet worden waren — vierhundert Meilen östlich von H a l i f a x — auf dem Meere.

inurri enr'uyeivcnüe ^ryoyung oer AUsnaymefayjgkeit der kartosfeloerarbeitenden Gewerbe durch die Abände. rung der Verordnung der Reichsregierung über den Bezug von Spiritus zu Treibstoffzwecken als gesichert gelten. Die neue Fasiung der Verordnung gib« bej gleichzeitiger Herabsetzung des Preises für Treibstoff, felritus und der Verwa'tungskosten des Monopols die Möglichkeit, eine Erhöhung des Spiritusab­nah m ez w a n g e s zu Treibstoffen auf min- de ft e ns 6 v. H. durchzuführen, die automatisch ein» treten wird. Dies versetzt den Beirat der Mnnopolver» waltung in die Lage, in feiner Sitzung am 26 d Mts. ein Brennrecht bei angemessenen Preisen sestzulegen, das den landwirtschaftlichen Produktionserfordernissen Rech, nung trägt. E'ne Verteuerung der Treibstoffe wird aufgrund der Erhöhung der Bezugsquote für Treib- »offspiritus nicht eintreten. Nach der Erhöhung des Spiritusabnahmezwanges wird in den nächsten Tagen

!?en. Verwendungs zwang von Kartöf» selstarkemehl für die Betriebe, die Weizenmehl zu Backzwecken verbrauchen, zwecks Erhöhung der Auf. nahmefähigkeit der Kartoffelstärkeindustrie entschieden werden.

= Die Dividendenaussichten Im Siemens-Äontern. Nach Mutmaßungen an der Berliner Börse ist für das mit Ablauf d. Mts. zu Ende gehende Geschäftsjahr 1930-31 auch im Siemens-Konzern mit einem Rückgang der Erträgnisse zu rechnen. Bei der Siemens u. Halske A.-G., bei der das Behördengeschäft durch verstärkte Be­tätigung im Privat- und Auslandsgeschäft bei aller- dings stark gedrückten Preisen einen gewissen Ausgleich erfuhr, erwartet man eine 4—6prozentsge Kür­zung der i. V. unverändert belassenen Dividende von 14 Proz. Infolge des Umsatz, rückganges auf dem Starkstromgebiet, das einen unbe­friedigenden Geschäftsverlauf aufweist, sodaß eine aus- reichende Unkostendeckung nicht erzielt werden könnte, befürchtet man an der Börse für die Siemens-Schuckert- werke A.-G. sogar einen völligen Dividenden- aus fall, nachdem die Ausschüttung von 7)4 Proz. (nach 10 Proz.) in 1929-30 bereits eine teilweise Heran- zichung der stillen Reserven erforderlich gemacht habe. ». Erhöhung des Sprilbelmischungszwanges zu Treibstoffen auf 6 Prozent. Die auf der letzten Kartos- felnotkonferenz vom Reichsminister Dr. Schiele zur Sicherung einer angemessenen Verwertung der Knrto'- felernte als notwendig bezeichneten Maßnahmen wer-

Handel und Wirkschaft

Rätselhafte Schiffs-Explosionen.

10 Tote.

Das estnische Motorboot „Karu" (61 Registerton­nen) explodierte nach einer Meldung aus Reval aus bisher unbekanntem Grunde in der Nähe von B at­tisch - P o r t. Dabei fanden fünf Mann der Be­satzung den Tod; der Kapitän wurde von einem schwe­dischen Dampfer aufgefischt und nach Reval gebracht. Don dort fuhr der Kapitän mit dem Motorboot „Ca- lon" zur Hilfeleistung an die Unglücksstelle. Kaum war das Boot dort angelangt, als es ebenfalls explo. vierte. Bei diesem Unfall kamen vier Mann, dar­unter der Kapitän der „Karu" ums Leben.

Nach einer weiteren Meldung ist außer der Be­satzung noch ein Passagier, der schwedische S ch m u g g- terkönig Malmberg, ums Leben gekommen. So­mit sind bei den Explosionen insgesamt 10 Tote zu verzeichnen.

Konkurse und Insolvenzen.

-- Rachlaßkonkurs Selling in Fulda. In dem Kon­kursverfahren über den Nachlaß der verstorbenen Maga» rete Belling in Fulda fand am Montag der Schlußter­min statt Einwendungen gegen das Schiußoerzeichnis wurden nicht erhoben. Verfügbar sind 953,95 Mk Di« bevorrechtigten Forderungen in Höhe von 121,58 Mk. werden voll befriedigt. Der Restbetrag aus der Masse wird aut 5535,21 Mk. nicht bevorrechtigter Forderungen verteilt. Nach Ausschüttung der Masse wird das Kon­kursverfahren aufgehoben.

= Der Konkurs der Dampfziegelei Zakob Schuh in Ostheim (fit. Hanau). Nach einem dem Gläubigeraus- schuß vorgelegten vorläufigen Status vorn 31 Juli sind die Aktiven mit 231 236 RM. anqefetzt, die Schulden mit 375 968 RM., so daß eine Ueberschuldung von 144 732 RM. errechnet ist. Die bevorrechtigten Forderungen werden jedenfalls feer ausgehen. Von einem Gläubiger wird die Zwangsversteigerung des An­wesens betrieben. Der Konkursverwalter, der aus Ge­sundheitsrücksichten das ihm übertragene Amt nieder« gelegt hat, ist jetzt der bisherige Vorsitzende des Gläu­bigerausschusses v. Gosler (Kohlenhandelsgesellschast Halday in Frankfurt a. M.).

den, wie WTB.-Handelsdienst erfährt, binnen kurzem t* Kraft treten. Insbesondere kann die für den Kurtofh markt einscheidende Erhöhung der Ausnahmesähigkl

Die Amsterdamer Börse wieder geöffnet.

Die Amsterdamer Börse, die am Montag ebenfalls I geschlossen war, wird am. Dienstag den ordentlichen Börsenverkehr wieder voll aufnehmen. Man hat die beste Zuversicht, daß sich der Börsenverkehr vollkommen ordnungsgemäß abspielen wird.

Schwäche des englischen Pfundes.

Entwertung bis zu 15 Prozent.

An den internationalen Devisenmärkten lag das eng­lische Pfund auf die Runbe von der Aufhebung des Goldstandards am Montag sehr schwach. Die Ab­schläge betrugen etwa 13—15 Prozent.

In Newyork war das Pfund starken Schwankun- gen unterworfen. Nachdem es am Samstag noch 4.85 notierte, eröffnete es am Montag mit 4 bis 4%, um sich nach einer weiteren Abschwächung bis auf 3.90, zum Schluß, d. h. 17 Uhr Newyorker Zeit, wieder auf 4.32 zu erholen.

In Paris nannte man das Pfund im freien Han- del 110 bis 112 gegen 123.97 am Samstag.

Der Londoner Devisenmarkt (in London werden bekanntlich Devisen nur im Freiverkehr gehandelt, also nich tamtlich notiert) zeigte natürlich ein sehr nervöses Aussehen. Die erste Taxe für den Dollar heute früh lautete 4.25 gegen 4.8590 am Samstag. Im Laufe des Nachmittags befestigte sich dann der Dollar auf 4, um sich dann um 17.45 Uhr Londoner Zeit nach mehr­fachen heftigen Schwankungen wieder auf 4.25 abzu­schwächen.

In B e r l i n, wo bekanntlich nur ein amtlicher Kurs für die ausländischen Devisen von der Reichsbank fest­gesetzt wird, wurde das englische Pfund am Montag 19.25 gegen 20.47 am Samstag notiert

*

Die schwachen Sterling-Kurse haben in England bereits am Montag zu einer Preissteigerung für internationale Rohstoffe geführt

— Die Jnderzlsfer der Großhandelspreise. Die vom Statistischen Reichsamt für den 16. September berech­net« Indexziffer der Großhandelspreise ist mit 108.8 gegenüber der Vorwoche um 0.2 v. H. gesunken. Dies ist vor allem auf Preisrückgänge für industrielle Rohstoff«, Halb- und Fertigwaren zurückzuführen Die Indexziffern der Hauptgruppen lauten; Agrarstoffe un­verändert 101.6, Kolonialwaren 94.3 (plus 1.0 v. H.j industrielle Rohstoffe und Halbwaren 100.2 (minus 0.4 v. H ) und industrielle Fertigwaren 134.7 (minus 0.1 I v. H)

* Zwei Falschmünzer verhaftet In den letzten So­eben wurde in Nürnberg eine Anzahl von falschen Fünfzigpfennigstücken in den Verkehr ge- bracht. Nunmehr konnten die Kaufleute Karl Gräfe und Eugen Riedl als Täter festgestellt und in Haft genom­men werden. Sie wollen insgesamt 600 Stück her- gestellt und in Nürnberg und Schwabach verausgabt Ha­ven. Das zur Herstellung verwandte Material wurde beschlagnahmt.

Morgen mittag wird der Berliner Börsenvorstand wahrscheinlich unter Hinzuziehung aller deutschen Bär- senvorstande darüber Beschluß fassen, ob die Situation am Donnerstag schon eine Wiedereröffnung der Börse n zuläht Im Auslande bemüht man sich anscheinend, möglichst schnell über diese unfreiwillige Borsenruhe Hinwegzukommen. Amsterdam hat heute schon wieder geöffnet. In Belgien hat man bereits mit dem Kassaverkehr wieder begonnen und auch in Zürich und Basel findet ein Teilverkehr statt. In Berlin be­schrankte sich der Börsenbesuch meist auf die Makler- schuft und einige Bankenvertreter. Die Grundstimmung ist nicht übermäßig pessimistisch. Man glaubt nicht, daß die Reichsbank trotz der gestrigen Erhöhung des Privaidlskontes auf 8 Prozent zu diskontpoliti- sch en Maßnahmen gezwungen fein wird und ist der Ansicht, daß in erster Linie Frankreich unter der englischen Währungskrise zu leiden haben wird. An dem deutschen Export wird jedoch die Herab- mertung des Pfundes nicht spurlos vorübergehen kön­nen.

Märkte.

ND. Frankfurt a. IN., 22. Sept. (Eig. Drahtti.) Es I wurden bezahlt für je einen Zentner Lebendgewicht: I Rinder: Ochsen: vollst, ausgem. höchsten Schlachtwertes: I jüngere 38—42, ältere 35—37, sonstige fleischige: jün­gere 30—34. Bullen: jüngere vollst, höchsten Schlacht» I wertes 30—34, sonstige vollst, ober ausgem. 26—29. Kühe: jüngere, vollst, höchsten Schlachtwertes 30—34, sonstige vollfleischige ober ausgemästete 26—29, fleischige 18—25. Färsen: vollst., ausgem. höchst. Schlachtw. 38 bis 42, vollst. 35—37, fleischige 30-34 .

Köcher: beste Mast- und Saugkälber 48—51, mittt. Mast- und Saugkälber 43—47, geringe Kälber 35—42. — Schafe: Mastlämmer u. jüng. Mästhammel: Weide- mast 40—43, mittl. Masst, u. ält. Masthammel und gutgen. Schafe 34—39. — Schweine: Fetisch«, über 300 Pfd. Lebendgewicht 53 —56, vollst. Schweine von 240 bis 300 Pfd Lebendgew. 53—56. vollst. Schweine von 200 | bis 24 OPsd. Lebendgew. 50—54, fleischige Schweine von 120—160 Pfd Lebendgew. 40—49. — Auftrieb: Rinder 1687, Ochsen 396 Bullen 157, Kühe 614 Färsen 490, Kälber 544, Schafe 107, Schweine 6003. Marktverlauf: Schwein« ruhig und Ueberftanb. Fettschweine über Notiz. Rinder schleppend und Ueberstand. Kälber und Schafe langsam und geräumt.

--- Frankfurter Schweinemarkt vom 21. September. Dem Schweinemarkt am Montag waren 5379 Schweine zugeführt. Es wurden bezahlt" für einen Zentner Le­bendgewicht: vollst, von 120—150 Kilo 52—56, vollst, von 100—120 Kilo 53—56, vollst, von 80—100 Kilo 50—54, Sauen 40—49. Marktverlauf: Ruhig, lieber- stand, Fettschweine über Notiz.

vorberlcht des Berliner Schlachtviehmarktes.

— Berlin, 22. Sept. (Eig. Meld.) Es wurden be­zahlt für einen Zentner Lebendgewicht: Rinder 12 bis 37, Kälber 30-52, Schafe 15—40, Schweine: vollst. Schweine von 240—300 Pfd. 57—59, vollst. Schweine von 200—240 Pfd. 56—57, vollst. Schweine von 160 bis 200 Pfd. 52—55, vollst. Schweine von 120—160 Pfd. 49—51. Sauen 50—51. Aufgetrieben waren: Rin­der 1297, Kälber 2260, Schafe 4479, Schweine 13251. Marktverlaus: Bei Rindern, Kälbern und Schafen ruhig, bei Schweinen ziemlich glatt

Letzte Nachrichten.

Das Borkumer Boots-Unglück.

wtb. Emden, 22; Sept. (Eig. Meld.) Nach einer um 12.15 Uhr von der Gemeindeverwaltung Bor­kum eingelaufenen Nachricht befanden sich 19 Per­sonen in dem verunglückten Motorboot. Die Ge- samtzaht der Geretteten beträgt 4, Es kann keinem Zweifel mehr unterliegen, daß d i e übrigen 15 Personen, darunter der Bade» drrektor und Zeitungsverleger Specht von Borkum, ein Opfer der Wellen geworden sind. Die ums Leben Gekommenen sind sämt­lich Borkumer Einwohner.

Deutsche Börsen weilet geschloffen.

Nach einer offiziellen Bekanntmachung bleibt die Londoner Effektenbörse auch am Diens­tag geschlossen.

Mit Rücksicht darauf hat der Bärsenoorstand der Berliner Börse bekanntgegeben, daß auch an der Ber­liner Börse am Dienstag und Mittwoch fein 9B e rtpa pier t) anbet ftattfinbet. Ebenso fällt an den deutschen Provinzbörsen an diesen Tagen der Börsenverkehr aus.

Das kalte Neft.

Roman von Ltja Barthel-Winkler.

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„Nein.«

„Was soll das heißen?"

„Das soll heißen: über mein Geld entscheide ich! Ver­stehst du? Und wenn ich es meiner Tochter gebe, ist es sehr gut angelegt.“

„Das ist ja ganz was Neues! — Also ich habe nicht mehr mitzuredenl Ich soll den Mund halten! Das ist der Donk für eine vierzigjährige treue Ehe! So etwas muß ich mir gefallen lassen!“

„Und wenn du dich darüber beklagen willst, bann tue es bei deinem Schwiegersohn!" unterbrach der alte May- land fest. Er fühlte sich als Held. Denn Hanns Herbert stand an der Ecke.

In Frau Marta ging eine Wandlung vor. Sie war süß von den Sippen bis in die Fußspitzen, als sie Hanns Herbert begrüßte.

„No? Wie steht mir das Weinrote?" fragte sie in mädchenhafter Ziererei und drehte sich um sich selber.

Aber Hanns Herbert hatte wichtigere Fragen; er nickte nur.

,Hst sie oben?“

„Nein, noch nicht.“

Betroffen fuhr er zurück.

„Sie sollte doch schon um eins entlassen werben? Ob bas ein Irrtum war? Laßt mich schnell einmal hin­überlaufen in ben Zigarrenlaben — ich werbe Schwe- fter Marie anrufen —“.

Er kehrte um; aber schon war ber alte Maylanb hin­ter drein.

,Zch geh' mit — Zigarren kaufen!“

„Und mich laßt ihr allein hier stehen?“

Frau Marias entrüsteter Aufschrei verhallte ungehört.

Schwester Marie klärte Hanns Herbert auf.

„Also morgen?" fragte er dringend.

„Ja morgen. Ich bringe sie selber heim.“

Dankend legte er den Hörer nieder.

Beide kehrten zu der sauersüß lächelnden Frau Maria zurück. Ihr Gatte blies ihr tollkühn eine dicke Rauch­wolke ins Gesicht.

„Morgen!" sagte Hanns Herbert. „Und morgen gehst du noch einmal, nicht wahr, Mama?“

„Nicht hundertzwanzig Pferbekräfte bringen mich in dieses verrottete Haus! Wenn du wüßtest, was ich da oben erlebt habe! Die Weiber! — Diese Megären!“

Der alte Mailand pfiff einen Gassenhauer.

Mit keiner Bitte, mit keinem Versprechen war Frau Marta zu überreden. Der alte Mayland wagte sich nicht anzubieten, bas hätte einen fürchterlichen Zank mit seiner geladenen Chehälfe gesetzt.

So blieb Hanns Herbert nichts anderes übrig — wollte er sie sehen, mußte er sie allein aufsuchen.

*

Den ganzen Tag über blieb er in tiefer Unruhe. Fast war es ihm, als ginge er zu einer Braut. . .

Er trug seinen besten Anzug unb kaufte einen wun­dervollen Rosenstrauß. Das Herz klopfte ihm unerträg- lief). Er -liefe sich Zeit, schlenderte langsam im linden Aprilwind durch den Park, am Krankenhaus vorbei unb gen Silben, ber Köngstraße zu.

Der muffige Geruch bes Hauses schlug ihm entgegen.

Wenn bu wußtest, was ich da oben erlebt habe . . . so hatte Frau Marta ihm gestern gesagt. Oh, er wußte es: er ging einer Schlacht entgegen — einer Schlacht mit zwei Drachen, die seinen Schatz bewachten . . . Aber seltsam: diese Drachen schienen ihm jetzt gute, kläffende Haushunde, seit er in sich selber nach Schuld unb Sühne gesucht, seit er nicht mehr ihr, der Gelebten, alles auflud . . . Fast ein. Lächeln umspielte seine Lippen, als er bie Hanb nach der Klingel Klementines, verwitweter Speck, ausstreckte.

Kampfbereit öffne* sie.

Ehe sie bie Zunge in Bewegung setzen konnte, zückte er einen Schokolabenkasten mit Katzenzungen gegen sie.

„Schelten Sie bitte nicht mit mir!“ flüsterte er ihr geheimnisvoll zu. „Unb sagen Sie nichts ... Ich will sie überraschen! — Sie ist doch da?"

Ueberrumpelt griff Frau Speck nach der Schoko­lade und hiett sie mit steifem Arm feindlich von sich ab gestreckt.

Wieder ein Lachen, hart, unbarmherzig.

„Dein Kind? — Nein? — Das ist nicht dein Kindl“ „Hedwig!“

Ein irres, qualvolles Aufblitzen in seinen Augen.

»Nein, das ist nicht dein Kind! Das ist mein Kind! Du hast es nicht geschützt, und du hast auch seine Mutter nicht geschützt. In meiner schwersten Stunde war ich bitter allein! — Und bu? — Du fuhrst mit einer an­deren Frau lachend an mir vorüber, als man mich hineintrug! — Das Kind ist mein, nicht dein!"

Ein leises Wimmern zwischen die harten Wort, . . »

Hedwig zuckte zusammen und wandte sich ab von dem Mann, ber in tiefster Erschütterung ihre beiben Hände entgegenstreckte.

Das Köpfchen bewegte sich in den Kissen.

Sie legte die Hand auf die kleine Stirn. Sofort lag es ruhig.

Da war Hanns Herbert an ihrer Seite. Ganz dicht, ohne sie zu berühren. Verschlang fast das rosige Wun­der zwischen den . Kissen mit beißen Blicken. Kämpfte lange um ein Wort, ein Wort, das ihr Herz aufzuschlie­ßen vermochte . . .

Dann begann er ganz leise, ganz behutsam zu spre­chen . . . wie zu einer Schwerkranken.

„Du hast Recht, Hedwig. Ich verdiene dein Kind nicht. Ich will geben. Aber hören mußt du mich Um der Liebe willen, die du für mich fühltest, um deiner Schmerzen willen, die bu für dein unb — unb mein Rinb trugst Hedwig: bu mußt mich anhören!"

Sie schüttelte abgewandt den Kopf.

„Dann will ich zu meinem Kinde sprechen . . .“ sagt» er nach leiser „Vielleicht hört bie Mutter es dann . . •“

Er betrachtete es, ohne sich über ben Wagen zu beu­gen. Er fürchete ihre Abwehr. Da manbte sich Hedwig unb trat ans Fenster.

Frau Speck saß in ber Küche unb meinte . . .

„Kinbchen!" Flüsternd tropften bie Worte in bie tiefe Stille. „Kleines, armes Kindchen ... da steht ein Häuschen für dich im Wald und hat blanke Fenster . . . und bie Sonne schaut hinein . . . unb auf beine Wiege. Unb da blühen Blumen im Gärtchen . . . und darin sollst bu spielen unb jauchzen ... unb mit deiner Mutter . . .“ (Forts, folgt.)

»Ja . . . aber . . ." flüsterte sie völlig verdutzt.

. „Still mit Ja unb Aber! — Ich habe bereut. . . .... Sie mich so liebevoll aufgeklärt haben über meine vä. terlichen Veredienste! Nein, keinen Scherz: ich will gut- machen!“

Mißtrauisch halb, unb halb scheu vor dem fonber- baren Wesen Hanns Herberts entwickelt bie Witwe Speck unb liefe ihn widerstandslos an sich vorüber. Gegen solche Waffen — Schokolade. Nachgiebigkeit und Flü­stern — war sie nicht gewappnet.

Fast ehrfurchtsvoll klopfte er an die Tür, hinter der er sie fühlte.

„Herein!“

Ihre liebe, klare Stimme . . . zitternd drückte er die Klinke nieder und trat ein.

»Hedwig — meine Hedwig!“

„Hanns Herbert!“

In jähem Schreck knickte sie zusammen unb sank auf ihren Stuhl. lieber ihren Kopf hinweg spähte er nach Lolas unb Klementines weißem Kinberwagen ... auf ben Kissen lag ein rosiges Kinderköpfchen.

In heißem Leib fuhr sie auf und stellte sich vor den Wagen; bas Köpfchen entschwand seinem Blick.

.Hedwig — meine Hedwig!“

„Geh!"

„Verzeih mit!"

Bittend hoben sich seine Hände.

„Geh!" Messerscharf. Schonungslos. „Geh!“

Er stand wie im Feuer, ohne Waffe, ohne Hilfe.

,Hch kam — um gutzumachen, Hedwig."

„Das kannst bu nicht wieder gutmachen!"

„Wenn die Liebe es will —“

„Die Siebe!"

Ein hartes, schneidendes Lachen.

„Das ist entsetzlich, Hedwig! — Aber ich sag auch: du hast Recht! Du hast Recht, mich zu beschimpfen, zu beleidigen. Sag mir alles, schleudere es mir ins Ge­sicht — aber bann hör auch mich'"

„Nein. Ich will bich nicht hören. Du hast auch mich nicht gehört. Geh!"

Ein Frösteln durchrann ihn: er hielt sich rückwärts an der Tür fest.

„Hedwig — bei meinem Kinde —