Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbettagen: „Sie Weit 'ttf* 218 lm «ilb* und „Buchenbloiter". Rotationsdruck und Verlag w*v* der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift-
Dienstag, 22. September 1931
Zahl«. 58
leituna 3153. Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152.
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wtb. Berlin, 21. September. (Eig. Meld.) Der neue französische Botschafter Francois Poncet traf heute vormittag hier ein.
wendig erweisen. Ob bereits die Diskonterhöhung der Bank von England eine Diskonterhöhung auch der Reichsbank zur Folge haben wird, bleibt ab- zuwarten. Jedenfalls liegt die Erhöhung des Reichsbankdiskontes durchaus im Bereiche der Möglichkeit.
wtb. Danzig, 21. Sept. (Eig. Meldg.). Die Tatsache, daß England von der Goldwährung av- geht, hat den Senat der Freien Staat Dan» z i g, deren Währung bekanntlich mit dem englischen Pfund eng verbunden ist, veranlaßt, heute vormittag eine Rechtsverordnung zu erlassen, nach der der Danziger Gulden künftig auf reine Goldbaiis gestellt wird. Die Danziger Währung ist von der Verbindung mit den englischen Pfund damit gelöst. Die Deckung des Notenumlaufs durch Gold und in Gold einlösbare Devisen beträgt heute 100 Prozent.
Das englische offiziöse Nachrichtenbüro Reuter veröffentlicht folgendes Kommunique:
Die englische Regierung ist sich nach Zurate- ziehung der Bank von England darüber klar geworden, daß es notwendig ist, ab Sonntag, den 20. September, Mitternacht, die G o l d w ä h r u ng außer Kraft zu setzen.
Ein Gesetzentwurf, der die Bank von England ermächtigt, die Einlösung der Banknoten in Gold einzustellen, wird dem Parlament am Montag zugeleitet und sofort in allen Lesungen erledigt werden.
Seit Mitte Juli sind die Summen, die sich aus über 200 Millionen Pfund (— 4 Milliarden GoDmark) belaufen, vom Londoner Platz weggezogen worden. Diesen Anforderungen ist man teilweise mit Hilfe der Bestände an Gold und fremden Valuten nachgekommen, teilweise mit Hilfe der in Frankreich und Amersta eingeräumten Kredite.
Durch die oben angeführten Beschlüsse werden Verpflichtungen der englischen Regierung oder der Dank von England, die in fremden Währungen zahlbar sind, nicht berührt.
Eine Unterbrechung des gewöhnlichen Bankgeschäfts wird am Montag nicht eintreten und es besteht kein Grund, daß solche Transaktionen, die sich in Sterling vollziehen, durch die neuen Maßnahmen in Mitleidenschaft gezogen werden.
Die Regierung ist der Ansicht, daß die augenblicklichen Schwierigkeit nicht auf Kapitalexport durch englische Staatsangehörige zurückzuführen seien, da die große Masse der Kapitalzurückziehung auf fremde Rechnung erfolgte.
Die Banken haben sich verpflichtet, ihre Mitwirkung bei der Einschränkung der Käufe von fremden Devisen durch englische Staatsbürger zur Verfügung zu stellen. Ausgenommen finh nur solche Devisenanforderungen, die zur Erfüllung bestehender Verpflichtungen oder durch die tatsächlichen Bedürfnisse des Handelsverkehrs sich ergeben. Die Regierung wird, wenn es rätlich erscheint, nicht zögern, noch wei- :ere Maßnahmen zu ergreifen.
mb. Berlin, 21. September. (Eig. Meld.) In maßgebenden Berliner Kreisen beurteilt man die Schwierigkeiten Englands als ein weiteres und sehr ernstes Symptom der Krankheit, auf deren Gefahren von deutscher Seite immer hingewiesen worden ist. Für England ist jetzt eine ähnliche Situation ein,getreten, wie wir sie tnt Juli durch gemacht haben. Deutschland hat diese Krise inzwischen überwunden und gegen d:e Wiederholung eine Garantie durch das Still« hakteabkommen gewonnen. Daraus leitet man auch die Ueberzeugung ab, daß die Ereignisse von London Deutschland nicht in ihren Strudel hineinziehen können. Wenn trotzdem die Börsen heute auch bei uns geschlossen worden sind, so wird von unterrichteter Seite betont, daß darin nicht ein neues Sturmzeichen für uns, sondern mehr eine Schutzmaßnahme zu sehen sein, durch die den Auswirkungen einer nervösen Spannung vorgebeugt werden soll. Die Lage kann vom deutschen Standpunkt auch auch deshalb ruhig beurteilt werden, weil der Reichsbankdiskont ja immer noch recht hoch ist. Ob es zu einer Verschärfung der Devisenvorschriften kommt, läßt sich heute mittag noch nicht übersehen. Die maßgebenden Stellen warten in aller Ruhe die weitere Entwicklung ab. Ihres Erachtens besteht kein Grund zu irgendwelchen Maßnahmen, die sich später vielleicht als übereilt Herausstellen.
Dor allem sind aus den Vorgängen von Lon- dan zwei Lehren zu ziehen. Das ist einmal die Erkenntnis der Tatsache, daß das gegenwärtige Sy st em der Goldwährung unhaltbar ist, nachdem der Goldvorrat der Welt so abnorme Verschiebung erfahren hak. Zum zweiten sollte die englische Krise nun auch den Blinden di-e Augen geöffnet und gezeigt haben, daß es mit großen Worten nicht mehr getan ist, sondern endlich entschiedene und gemeinsame Schritte
Volk ist nicht so dumm, wie man in gewissen sogenannten Fübrerkreisen anzunehmen geneigt ist. Es hat zwar keiner Veranlassung, sich unter dem gegenwärtigen Regime besonders glücklich zu fühlen, aber es sieht doch, soweit es nicht durch Hugenbergsche Blätter über die Tatsachen im unklaren gelassen wird, daß in der Regierung der beste Wille am Werke ist.
Den Londoner Blättern zufolge verlautet, daß die Vorlage, die am Montag in beiden Häusern des Parlaments eingebracht werden wird, eine €> u spendierung der Goldwährung nur für 6 Monate vorsehen werde.
Die Suspensionsvorlage kann also nicht vor Montag abend Gesetz werden, da die B a n k v o n England jedoch bereits von der Regierung e r- mächtigt worden ist, sofort unter dem neuen Gesetz zu handein, wird die Vorlage der Bank Indemnität geben. Die Gesetzesvorlage wird Montag abend die Zustimmung des Königs erhalten, sofort nachdem das Oberhaus sie geneh- N'igt hat.
Dörfenfchluß nur für einen Tag.
Die Fondsbörse wird nur für den einen Tag geschlosssen bleiben, d. h. bis die Notgesetzgebung durchgeführt ist. Die Fondsbörsen in den Provinzzentren werden ebenfalls am Montag geschlossen bleiben. Die Regierung ist der Meinung, daß, wenn jeder die Ruhe und Kaltblütigkeit bewahrt die > -efabr&erirAe abgekürzt und das Land bald wieder ins Gleichgewicht gelan-
Gerüchte um Hitler.
Richt ohne Absicht sicherlich werden jetzt wieder kurz vor dem Wiederzusammentritt des Reichstags seltsame Gerüchte kolportiert, nach denen u. a. Adolf Hitler vom Reichspräsidenten empfangen werden soll. Wie früher schon bei. gleichen Gelegenheiten erfolgten die üblichen Dementis, und man fragt sich, was der Zweck solcher Gerüchte sein °H. Hitler selbst fühlt ganz genau, daß für ihn als Führer über kurz oder lang seine Stunde schlagen wird. Er sucht nach einer Position, nach etwas, woran er sich halten kann. In seiner Bewegung gärt es. Die F ü h r e r k r i s e ist akut.
llm so auffallender wird aber das Liebeswerben gewisser Parteien um Adolf Hitler. Daß die Deutschnationalen sich chm restlos verschrieben haben, wissen wir . Auf ihrem Stettiner Parteitag weilt auch der Abgeordnete Dr. Frick. Merkwürdig wirkt schon das Verhalten jener Kreise der Deutschen Volkspartei, die sich um den früheren Staatssekretär Schmid gruppieren, der vor kurzem in einer Versannnlung sich für die Loslösung von der Reichsregierung aussprach, um so das Kabinett Brüning nach rechts drängen zu können, ferner von einer baldigen neuen Besprechung Mischen Dingeldey und Hitler.
Man sollte eigentlich annehmen, daß die Dolls
partei aus den Erfahrungen ihrer Koalitionsgemeinschaft mit den Nationalsozialisten in Thüringen und Braunschweig gelernt hat Dem scheint jedoch nicht so zu fein. Man will offenbar den Anschluß nicht verpassen und steckt alles ruhig ein, was von den Nationalsozialisten an Beleidigungen und persönlichen Angriffen geboten wird. Als die nationalsozialistische Presse den Landfriedensbruch ihrer SA.-Leute auf dem Berliner Kurfürstendamm stillschweigend billigte. ihn mit keinem Wort verurteilte, hat selbst die „DAZ.", welche in erster Linie den Anschluß der Volkspartei an die NSDAP propagiert, erklärt, daß es nicht im Interesse einer Partei fein könne, die sich als regierungsfähig betrachte, mit tumultuösen Vorgängen belastet zu werden. Es sei ausgeschlossen, daß die Leitung ein solches Prügelheldentum gutheißen und als erlaubtes Mittel des politischen Kampfes betrachten könne.
Diese Mahnungen werden nichts nützen. Aber die Rechte wird dadurch scheinbar nicht schlauer.
unternommen werden müssen, um die Weltkrise zu bekämpfen. Das dürfte im Interesse noch anderer Länder notwendig sein als in Deutschland.
England gibt den Gold-Slandard ans.
Zuspitzung der englischen Währungskrise.
Diskont-Erhöhung auf 6°|o» — Londoner Börse am Montag geschlossen
Genf leert sich.
CNB London. 21. Sept. (Eig. Meld.). Genfer Korrespondenz der „Times" meldet, verantwortlichen Politiker in Genf hätten Pläne geändert und träfen Vorbereitungen, nach Hause zurückzukehren, da sie Meinung seien, daß die jetzige Krise schlimm st e feit August 1914 sei.
wtb. London, 21. September. (Eig. Meld.) Nach emer Erklärung des Führers der Opposition, Henderson, erfordert die gegenwärtige Lage Vertrauen und nicht Verzweiflung. Wenn wir Ruhe bewahren, werden wir unsere Schwierigkeiten erfolgreich überwinden.
Rückwirkungen für Deutschland.
Auch die deutschen Börsen bleiben am Montag geschlossen.
Als am Sonntag abend die Beschlüsse der englischen Regierung in Berlin bekannt wurden, waren die dortigen interessierten Kreise schon zu Beratungen über die deutscherseits erforderlichen Maßnahmen versammelt. Zu diesen gehört in erster Linie eine erneute Schließung auch der deutschen Börsen.
Der offizielle Beschluß zur S ch l i e ß u n g der Berliner Börse wunde bereits in der Sitzung des Berliner Börsenvorstandes am Monrag vormittag gefaßt. Danach findet eine Notiz von Wertpapieren, Devisen und Metallen an der Berliner Börse am Montag nicht statt!
Ein gleicher Beschluß ist heute vormittag von den Vorständen der deutschen Provinzbörsep gefaßt worden. Der freie Handel in Wertpapieren ist nicht zulässig; Devisenkurse werden am Montag von der Reichsbank festgestellt.
Auch eine Verschärfung der Devisen« vo r s ch r i f t e n wird sich voraussichtlich als not«
wtb. Genf, 21. September. (Eig. Meld.) In der heutigen Sitzung des Wirtschaftsausschusses der Völkerbundsversammlung machte der britische Delegierte, Sir Arthur S a 11 e r, Mitteilung von den Maßnahmen seiner Regierung zur Behebung der akuten Finanzkrise in England. Er erklärte u. a.: Die gegenwärtige Krise entspringt lediglich aus der Zurückziehung der ausländischen Krebste. Sie sei also keine innere Krise. Die Budgetverhältnisse und die innere Lage Großbritanniens seien gesund. Die britische Regierung sei sich darüber klar, daß die gegenwärtigen Maßnahmen Schwierigkeiten für die Länder mit sich bringen würden, die für ihre Kapitalversorgung auf den Londoner Markt angewiesen wären. Sie werde sich mit allen Mitteln bemühen, diese Schwierigkeiten soweit als möglich einzuschränken.
Anfromme Wünsche.
Vor einiger Zeit hat der Abg. Dr. Frick, der Fraktionsdirektor der Nationalsozialistischen Partei, seinen Anhängern und einer breiteren Oeffent- lichkeit klar machen müssen, daß Hitler oder auch er selbst inzwischen die Torheit des Auszuges aus dem Reichstag eingesehen hat, und um dieses blamable Eingeständnis ein wenig zu verkleistern, hat er gesagt, die Rückkehr am 13. Oktober erfolge nur em Zwecke, um Brüning zu stürzen. Wie die Nazis das machen wollen, bleibt zwar ihr Geheimnis, aber solch forsche Redensarten klingen Leuten, die nicht politisch denken können, immer ganz angenehm in den Ohren, und mehr verlangt ja Hitler zunächst nicht. Daß dieser unfromme Wunsch, das Kabinett zum Rücktritt zu zwingen, nicht in Erfüllung geht, ist natürlich auch Herrn Frick klar.
gen wird. Von maßgebender Seite wird erklärt, daß kein Anlaß zur Panik besteht. Es wird auch bekannt gegeben, daß die Regierung beabsichtige, die Preise unter genauer Kontrolle zu halten. "
Die Erhöhung der englischen Bankrate.
Die Bank von England hat ihren Diskontsatz von 4V» auf 6 Prozent erhöht. Dieser Satz kommt mit Beginn des Geschäftes am Montag, 21. September, zur Anwendung.
England bewahrt Ruhe.
Die Verkündung der vorübergehenden Außerkraftsetzung der Goldwährung ist, wie Reuter meldet, in einer Atmosphäre völliger Ruhe vor sich gegangen. Die Kabinettsrnitglieder haben bereits Downing Street verlassen, „und zwar erhobenen Hauptes". Die Erkundigungen des diplomatischen Korrespondenten des Reuter-Büros ergaben, daß die Bank von England bis zum letzten Augenblick gehofft hatte, diesen Schritt zu vermeiden. Doch machten die Kapital rück g änge am Freitag und Samstag diese Maßnahmen für sofort notwendig.
Es wurde Betont, daß die Außerkraftsetzung der Goldwährung nur vorbeugenden Charakter habe und daß der eingefleischte Gemeinsinn und Pattiotismus des britischen Volkes jegliche Beunruhigung oder Panik verhindern werden. Auf jeden Fall werden die Behörden verhindern, daß die Sage sich zuspitze, und man hofft, daß auf der Börse keine besondere Beunruhigung hervor- gerufen wird. „Mach' das Rennen," so wird der Appell der britischen Regierung an das Volk lauten, und wenn das Volk daraus eingeht, was stark gehofft wird, so wird die Ordnung bald wieder hergestellt sein. Der Kapitalexport seitens britischer Untertanen wird in Zusammenarbeit mit den Banken überwacht werden.
Es ist auch Herrn Dr. Alfred Hugenberg bekannt und wenn er gleichwohl jetzt die gleiche Losung ausgiebt, so tut er es aus alter Gewohnheit, die sich in der Gefolgschaft Hitlers noch am ehesten geborgen fühlt, und nicht zuletzt auch darum, weil er für den Parteitag der Deutschnationalen in Stettin einen Köder braucht. Hugenberg hat daher eine seiner Zeitungen veranlaßt, die Forderung nach dem Rücktritt der Regierung täglich zu wiederholen, aber er weiß natürlich genau, daß dieses Ceterum csnseo nirgendwo ganz ernst genommen wird. Denn die Dinge liegen doch so: Hugenberg möchte zwar ganz gerne in die Regierung, und unter seinen Freunden gibt es eine ganze Reihe, die sich ohne weiteres die Befähigung zutrauen, einen Ministersessel und andere Aemter besonders natürlich in Preußen recht imposant auszufüllen. Aber wenn es ernst würde, dann sähe sich die Sache doch anders an. Hugenberg müßte das Reich so übernehmen wie es ist: in Verhandlungen mit Frankreich und andern Ländern, mit den Reparationsevrpflichtungen, mit den andern Diktaten aus dem Versailler Vertrag und vor allem dicht vor einem Winter, vor dem ihm genau so grauen wird wie uns, wenn nicht Vernunft, Disziplin und Zusammengehörigkeitsgefühl von Mensch zu Mensch uns Kraft gibt, übet diese Monate hinwegzukommen. Hugenberg weiß also ganz genau, daß ihm nichts Schlimmeres passieren könnte, als wenn er jetzt die Verantwortung, von der er so viel redet, wirklich übernehmen müßte. Das wäre für ihn eine Katastrophe, gegen die der Verlust zweier Volksentscheide und die Dezimierungseiner Fraktion nur wie geringfügige Hautabschürfungen zu werten wären. Er hat also gar nicht den Wunsch, die Wilhelmstraße zu besetzen, es ist ihm im Gegenteil nur lieb daß die Aussichten für ein solches Manöver zur Zeit gleich Null sind.
Unterdessen steigt in Stettin der Parteitag, mit Prinzen und alten Heerführern, und es mag für die pornrnerschen Junker, die an den Verhandlungen teilnehmen, im Ganzen alles recht großartig aussehen. In bewußter Abkehr von demokrallschen Gepflogenheiten, so wird offiziell berichtet, wird das Führerprinzip in den Vrodergrund gestellt. Man könnte dazu allerlei sagen, aber wenn man einen Parteitag unter die Losung setzt, der Kanzler müsse gestürzt werden und gleichzeitig unter Ver- 3'cht auf demokratische Gepflogenheiten des Führerprinzip auf den Schild erhebt, so scheint uns das einigermaßen unlogisch zu sein. Denn alle Geg- ner Brünings sind sich darin einig, daß sie ihm Mißachtung oder wenigstens Gefährdung demokratischer Grundsätze vorwerfen, daß sie ihn diktatorischer Neigungen bezichtigen und daß sie be, ibm nief feststellen. Darum
bekämpfen ihn die Nazis ebenso wie die Kommunisten unb — es muß heraus — die Deutschnatio- nalen. Die Stettiner Delegierten freilich werden I cn solchem Widerspruch bestimmt nicht ersticken. Wenn Hugenberg vom Führerprinzip spricht, bann oentt er an bie Erhaltung seiner persönlichen Parteibiktatur, und hierbei könnten alter« mngs demokratische Gepflogenheiten ihm nur sein. Aber freilich braucht er auch zugkräftige Parolen, und in einer Partei, die so sonderbar erzogen ist, wie die deutschnationale, wird es zu diesem Ende genügen, wenn Parolen ausgegeben werden, die großartig klingen, bei oenen man sich aber nichts zu denken braucht.
Ueberbaupt scheint die Denkschrift der Stettiner Delegierten dasjenige Moment zu fein, das Hugenberg am geringsten einfchötzt. Wie könnte er sonst oon der Schwäche der Regierung gegenüber dem organisierten Mord sprechen, der' die Gefahren eines Bürgerkrieges heraufbeschwöre! Wo sind denn die Organisatoren des Bürgerkrieges'!» Gerade letzt wieder spielt in Berlin ein Prozeß gegen ein paar Dutzend Nationalsozialisten, die von'zehn Tagen auf dem Kurfürstendamm auf eigene Faust, ober durchaus bewußt und organisiert'ein bischen Bürgerkrieg angefangen haben. Unter den Angeklagten sind auch Stahlhelmer, und gewiß ist keiner von ihnen Anhänger der Regierung Brüning oder des Kabinetts Braun. Sie sind vielmehr alle auch soweit sie angeblich einer bestimmten Partei' Nicht angehören — weil sie keine Beiträge zahlen wollen — Parteiaägner Dr. .fjugenbergs, Bundesgenossen vom 9. August. Wenn also Hugenberg 3um Kampf gegen den Bürgerkrieg aufruft, bann soll er sich zunächst einmal an seine Freunbe w e n b e n. Entrüsteter Augenaufschlag, unb Schwüre auf die Legalität machen, wenn der Bürgerkrieg fich bereits soweit entwickelt hat, wie es bei uns tatsächlich ber Fall ist, keinen Einbruck wehr. Vielmehr könnte man geneigt sein, zu glauben, baß er mit zu ben unfrommen Wünschen °erer gehört, die zwar immer vorn Vaterland unb von bes Reiches Herrlichkeit unb Preußens Glorie ■feben, in ber Tat aber nur auf persönliche Machtergreifung bebacht finb.
Die erste Aussprache in Stettin hat nach ben? ; parteiamtlichen Bericht mit ber Forderung gemässen, daß der Rechten, dem Willen des Volkes entsprechend, der Weg frei gemacht werde. Nun, wir haben am 9. August den Willen des Volkes ' kennengelernt. Es hat ganz andere Wunsche, als | ÖTe Herren Hn-'-nberg unb Hitler mit dem Reich l unb mit Preußen experimentieren zu lassen. Das fc lallte man sogar in Stettin begreifen. Das brutsche
Aus München meldet WTB: Die Nichte Adolf Hitlers, Gelt Raub al, die Musikstudentin ist und seit zwei Jahren auf der gleichen Etage wie Hitler selbst, aber in einer Nachbarwohnung wohnte, hat Selb st- morb begangen. Die Tat muß Freitagnachmittag ausgeführt worden fein, kurz nachdem Hitler nach Erlangen abgereist war. Die Besitzerin der Wohnung hörte einen dumpfen Ausichrei, dem sie jedoch keine besondere Beachchtung schenkte.
Abends, als sich im Zimmer nichts rührte, schöpfte man Verdacht und fand das Mädchen mit der Schußwaffe in der Hand entseelt am Boden liegen. Die Mutter, eine Stiefschwester Hitlers, die in Berchtesgaden wohnt, ist inzwischen in München eingetroffen.
FuldaerZertung
Anzeiger für die Stadt Iulda und denLandkreis Aulda. Amtliches Kreisblakk.