Nr. 214
Beilage zur Fuldaer Zeitung
17. September.
Herbst.
Von Leni Wüst.
Nun ist verblaßt der Felder goldner Glanz, Längst fiel das Korn durch Schnitter-Hände. Die Herbstzeitlose kündet Sommerende, Altweiberfäden schwingen wirren Tanz.
Bald ist verweht des Sommers letzter Duft, Der Wolken Segeln wird zum hast'gen Jagen, Vereinsamt ist der Hang, da wir einst lagen Und Märchen spannen aus der blauen Luft.
Ein Blättermeer deckt schon den Weg zum Wald, Den wir im Sonnenduft so oft gegangen. Nichts bleibt zurück als sehnendes Verlangen Und mählich wird die Welt rings um uns alt.
Starr füllen Häusermauern nun den Blick. Es ragen fern der Berge grüne Wände, Und strecken wir auch heimwehbang die Hände, Der Herbst zerbläst das bunte Sommerglück.
Karitas im Nokwlnker.
Eine v -der Frau.
Von Otto Bürgel- Düsseldorf.
Ein schwerer Winter steht vor der Tür, der schwerste seit vielen Jahren. Das Wirtschaftsleben liegt darnieder und die Arbeitslosenzahlen steigen überall in Deutschland, nicht nur in den Großstädten, die von vielen immer noch als der Rettungsanker angesehen werden, wo sie das zu erlangen hoffen, was jedem Menschen eigentlich ohne Mühe erreichbar sein sollte: Arbeit!
Aber wie viele Hoffnungen von Männern und Frauen, Familienvätern und Alleinstehenden sind da in den letzten Wochen und Monaten schon zu Grabe getragen worden, an wie vielen Türen wurde vergeblich angepocht. Immer mehr Fabriken schließen ihre Betriebe, immer mehr Geschäfte gehen ein und dort, wo das Wirtschaftsleben frisch pulsieren sollte, vegetiert man buchstäblich von einem Tage zum anderen. Es ist traurig. wenn man auf den Arbeitsämtern in den Städten und in den Amtsräumen der Wohlfahrts- und Fürsorgeämter Tag für Tag die vielen Menschen sieht, die gerne arbeiten möchten, die aber je länger die Erwerbslosigkeit dauert, immer mehr dem Nichts gegenüber ste hen. Da fehlt es an allem, nicht nur an Kleidern und Schuhen, sondern auch an den Nahrungsmitteln, denn mit den geringen Unterstützungssätzen, die die Städte und Gemeinden heute noch zahlen können, und die man nun notgedrungenerweise vielerorts noch weiter herabgesetzt hat, weil sonst eines Tages jede Unterstützungsmöglichkeit ausgehört hätte, kann man auf die Dauer nicht leben, geschweige denn eine Familie ernähren. Da muß die private Wohliätigkeit eingreifen, es müssen zusätzliche Unterstützungseinrichtungen geschaffen werden. die nicht nur den Zweck haben, die tatsächliche Not abzumildern, deren Aufgabe vor allem auch darin erblickt werden muß, den Notleidenden zu zeigen, daß sie nicht vergessen, nicht ohne Freunde und H elfer sind. Denn gerade das Gefühl des Verlassenseins ist es ja, das niederdrückt und abstumpft.
Naturgemäß können alle Hilfseinrichtungen nicht den Arbeitsverdienst ersetzen, dessen sind sich die karitativen Einrichtungen, die man geschaffen hat, oder d>e noch in der Entwicklung begriffen sind, durchaus bewußt. Aber man hilft so gut man kann. Da werden Kinder Erwerbsloser gespeist, da sorgt man für Klei- der und Schuhe und ein kleiner Kohlenvorrat wird bereitgestellt, um die ärmlichen Wohnungen, die oft kaum den notwendigsten Hausrat enthalten, wenigstens in den Tagen kommender Kälte erwärmen zu können. Wie viel materielle und geistige Not offenbart sich In diese/ Tagen der karitativen Wintervorbereitun- g e n den Helfern und Helferinnen, die sich bereitwilligst und ohne Entgelt zur Verfügung gestellt haben. Denn all diese Hilfseinrichtungen müssen natürlich getragen fein von der Mitarbeit der Frau. Wir begehen in diesem Jahre in Festfeiern die Erinnerung an den 700 Todestag der heiligen El i f a b e t h, des größten Vorbildes helfender Karitas. Gerade dieses Jubiläum der großen Heiligen sollte unsere Frauen und Jungfrauen aneffern, sich dem großen Werke der Nächstenliebe im kommenden Notwinter zu widmen, denn ohne die Frauen geht es in diesem Winter nicht. Sie müssen mit Rat und Tat dabei sein, wenn es heißt der Not Einhalt zu tun. Alle karitativen Organisationen, einerlei ob kirchlicher oder weltlicher Art bedürfen der grauen- Mitarbeit, denn eine Frau sieht mitunter viel rascher, wo es fehlt, sie macht dann auch praktischere Vorschläge wie geholfen werden kann und findet in vielen Fällen auch leichter die rechten Worte, die zum Herzen spre- chenn. Denn neben der leiblichen Not ist es vor allem auch die seelische Ve r e i n s a mm u n g, des
Niedergedrücktmerden vom Leid, ein lebensunfroher Fatalismus, der denen, die in Armut und Not dahin- leben, das Dasein lebensunwert macht. Sie aufzurichten, zu ermuntern und ihnen das Fünkchen Hoffnung zu erhalten, das schließlich alle noch beseelt, muß Aufgabe der Frau im kommenden Winter fein. Die Winterhilfe einer deutschen Großstadt hat im vergangenen Jahre in einem Plakat um Hilfe geworben, das den mächtigen Hammer der Not zeigte, der an die- Herzen klopft. Dieses schöne Symbol sollte Leitstern auch. im kommenden Winter für die fein, die vermöge eines glücklicheren Lebensschicksals noch in der Lage sind, zu helfen. Verschließe deshalb keiner fein Herz, dann wird es schon gelingen, auch Über die schwere Prüfung der Wintermonate hinwegzukommen.
Herbst- und Erkältungskrankheiten.
wie kann man sie verhüten.
Von Dr. F. Moser- Berlin.
Der Herbst steht vor der Tür und mit ihm die bekannten Erkältungskrankheiten, Schnupfen, Husten, Hals- und Mandelentzündungen, Rheumatismus und wie ste alle heißen mögen. Kein Mensch wird behaupten wollen, daß diese mit dem Eintritt der kälteren Jahreszeit auftretenden Erkrankungen mit zu den Annehmlichkeiten des Lebens gehören, aber die meisten Menschen, die davon befallen werden, sind selbst Schuld daran, da sie eben nicht die Vorsicht walten lassen, die die kühlere Jahreszeit von uns erfordert. Der Witterungsoerlaus im Herbst bringt erfahrungsgemäß schroffe Temperaturübergänge, d. h. die Sonne hat in den Mittagsstunden noch erhebliche Kraft und macht warm llmso rascher kühlt es dann gegen Abend ab und Der Mensch, der sich vor vor einer halben Stunden ganz behaglich gefühlt hat, fröstelt, es wird ihm kalt und am nächsten Tage zeigen sich die ersten Anzeichen einer Erkältung. Dem sollte, man aber eigentlich vorbeugen können. Wohl mag es unbehaglich sein, in der
Wärme des Mittags einen Mantel nutfchleppen zu müssen, ebenso wie es nicht immer angenehm ist, an sonnigen Herbsttagen schon die wärmere, winterliche Unterkleidung zu tragen. Trotzdem sollte man diese kleinen Unbehaglichkeiten aber mit in Kauf nehmen, denn ste sind es, die uns vor der Last der herbstlichen Erkrankung bewahren. Selbstverständlich wird man aber audi im Herbst in der Wahl seiner Kleidung mit dem nötigen Maß vorzugehen haben. Wenn überängstliche Mütter ihren Kindern im Septemebr schon den dicken Wintermantel anziehen, so bedeutet auch dies eine Gefahr, denn ein munteres Kind, das herumfpringt, wird in dem dicken Wintermantel schwitzen, ihn ausziehen und sich prompt erkälten. Ebenso verkehrt ist es, im Herbst plötzlich die Abhärtungsmaßnahmen des Sommers einzustellen. Es schadet garnichts. wenn man sich auch im Herbst noch kalt wascht, ebensowenig wie Luft- und Sonnenbäder an warmen Herbsttagen schädlich sind, wenn sie zeitlich nicht zu lange ausgedehnt werden und wenn man dabei gleichzeitig für die notwendige Bewegung besorgt ist. Selbst eine kalte Brause mit nachfolgender starker Frottierung werden viele Menschen auch im September und Oktober noch durchaus angenehm belebend empfinden. Daß man auch im Herbst noch bei offenem Fenster schläft, abgesehen von Säuglingen und Kleinkindern, sollte man eigentlich nicht bemerken müssen. Nur wenn der Nebel stark auftritt, dürfte es ratsam sein, die Schlaszimmersenster zu schließen, da Nebel stets einen starken Reiz auf die Atmungsorgane auszuüben pflegt.
Randbemerkungen zur Mode.
Von Berta Segura-Wien.
Nicht nur für Kleider und Mäntel gibt es Modefarben, sondern auch für die molligen Steppdecken. Besonders beliebt ist da Altgold, da es zu Schlafzimmermöbeln jeder Art paßt. Weiter werden Blau, Fraise, Olivengrün und Erdbeerrot als Modefarben genannt.
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Auch die Handschuhmode für den kommenden Winter bringt einige Neuheiten, die sich bei verhältnismäßig billigen Preisen sehr hübsch ausnehmen werden. Man hat Stoffhandschuhe mit verschiedenartigen Gittermustern, gestickten und aufgesteppten, ferner Handschuhe mit Straßbesatz, der sich immer mehr auch bei diesen Kleinigkeiten der Mode einbürgert. Seidenhandschuhe werden mit Spitzen verziert, man sieht sie auch mit eingearbeiteten Rüschen an den Stulpen. Als aparte Neuheit werden auch lange Stoffhandschuhe auf den Markt gebracht, jedoch ist es nicht gesagt, daß sich jede Dame damit befreunden wird.
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Auf der Leipziger Herbstmesse war ein neuartiger, aus feinfäbiger Wolle Hergesteller Schlüpfer zu sehen.
Ueberhaupt wird in diesem Winter sehr viel Damenunterkleidung aus Wolle getragen, die sich wegen ihrer wärmenden Eigenschaften besonderer Beliebtheit erfreut. Da die Hersteller dieser Woll-Unterkleidung heute in der Lage sind, die Stücke so feinfäbig zu fabrizieren, daß sie nicht mehr auftragen wie Seinen oder Seide, gibt es wohl kaum einen Einwand, der die Damen von diesen sehr gesunden Kleidungsstücken sernhalten könnte.
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Man hat die Mode der weißgestickten Decken schon oft tot gesagt. Sie lebt immer noch und ist beliebt. Eine ganze Reihe von neuen Formen für gleichen Verwendungszweck sorgt für Abwechslung. Man sieht ovale Decken mit Rosenmustern, quadratische Decken mit Hohlnähten, runde Decken mit Rankendekor, dazu viel Lochstickerei. Auch Spitzen werden gerne mit weißen Decken gemeinsam verarbeitet.
Die moderne Handtasche soll wieder etwas kleiner werden, wobei man glattes Leder in der Verarbeitung bevorzugt. Rindleder, Saffian und alle anderen Lederarten werden gerne dunkel eingefärbt. Unbestrittene Modefarbe ist Braun mit allen feinen Schattierungen.
Raum für Alle!
Von Rofa Hamacher- Boppard.
Raum für alle hat die Erde, sagt man! Und dieses Wort ist richtig, denn wenn man Obdach und Boden für den einzelnen Menschen schaffen wollte, schiedlich, friedlich nebeneinander könnten sie (eben. Aber da ballt sich alles zusammen, in den Straßen der Großstädte rennen sie aneinander vorbei und verursachen dabei
einen Lärm, der alle inneren Stimmen übertönt. Wenn jeder bann und wann in sich hineinhorchen wollte, so fände er den stillen Weg aus dem Weltgetriebe. Und seine Seele ließe die Hast weit hinter sich. Jeder Mensch hat feinen eigenen Weg, den er entwirren muß aus all dem Verschlungenen. Dazu hilft nur ein Stillstehen, ein Selbstbesinnen. Jede Seele bedarf zu Zeiten um sich der schützenden Stille, die getragen ist von einer Erkenntnis: Gott! Sein Mittelpunkt ist überall jmö sein Umfang nirgends.
Das Einlagen der Wiukerkarloffelu.
Alles will verstanden sein, auch das scheinbar so einfache Einlagern der Winterkartoffeln. Vor allem gehört dazu saubere Ware, das heißt die Kartoffeln müssen vorher von allen an ihnen noch haftenden Erdresten befreit werden. Faule Kartoffeln oder nicht ganz einwandfreie, beschädigte Knollen werden ausgelesen und sofort verbraucht. Die zum Aufbewahren der Kartoffeln dienenden Kisten seien mäßig hoch, jedenfalls nicht höher wie ein Meter, da sonst die Wärmeentwickulng zu groß wird und das Auslesen der Knollen während des Winters bann feine Schwierigkeiten hat. Tritt--tzrost auf, so sind die Kartoffeln durch übergelegte alte Decken oder Säcke zu schützen. Bei mildern, offenem Wetter lüfte man den Keller fleißig. Wer es ermöglichen kann, schaffe sich Kisten an, die eine Klappe am unteren Ende besitzen, durch die die Kartoffeln entnommen werden können. Das hat den Vorteil, daß die Knollen, die die Last der anderen zu tragen haben, am ersten verbraucht werden. Zwei bis dreimal während des Winters müssen die Kartoffeln durchgesehen, alle angefaulten entfernt und etwa gewach- feine Keim ausgeriffen werden. E. M.
Flüssiges Obst, Gelrünk für alle.
Die Fortschritte der Ernährungswissenschaft haben unfern Speisezettel viel stärker beeinflußt als die Wahl unserer Getränke.
Was wir trinken, ist, von Ausnahmen abgesehen, im besten Falle harmlos, nicht selten geradezu schädlich. Und doch ist die Hygiene des Trinkens nicht weniger wichtig als die des Essens. Grobe Verstöße auf diesem Gebiete machen nicht selten alles zunichte, was man durch Sport und eine sonst zweckmäßige Lebensweise gewonnen hat.
Ein wahres Volksgetränk, das Wohlgeschmack und Nährgehalt mit unbegrenzter Haltbarkeit verbindet und dabei sehr billig ist, besitzen wir im Süßmost. Dieses „flüssige Obst" enthält alle Nähr-, Gesundheits- und Genußwerte des frischen Obstes. Durch feinen Baien- gehalt fördert der Süßmost den Stoffwechsel und neutralisiert die überschüssige Säure; er führt dem Körper Nähr- und Aufbaustofse in Gestalt von Fruchtzucker und Mineralstoffen in leicht löslicher Form zu und ist wegen seines Wohlgeschmacks und seines seinen Aromas ein wirkliches Genußmittel.
Im Ausland, besonders in der Schweiz, steht der Süßmost schon in hohem Ansehen. Besonders verwendet man ihn bei Kleinkindern als regelrechtes Nährmittel, wertet ihn teilweise geradezu als Milchersatz.
Süßmost läßt sich aus mehreren Obstsorten Herstellen. Besonders eignen sich Trauben und Aepfel. 3—4 Pfund Frischobst, je nach dem Saftgehalt, ergeben 1 Liter Most Man nehme gutes, möglichst do tireifes Obst: denn der Geschmack des Mostes entspricht genau dem der verwandten Früchte. Da keine Gärung ftattfinbet, die etwaige Unreinigkeiten ausscheiden könnte, ist das Obst sorgfältig zu reinigen und von allen Faulflecken zu befreien.
Den Saft gewinnt man durch Mahlen und Pressen der Früchte. Man filtriert ihn durch ein feines Sieb oder ein Tuch und füllt ihn in reine Flaschen so ein, daß oben eine Handbreite freibleibt. Im Wasserbade eines Wasch- (Einkoch-, Weck- oder Rex-)topfes erhitzt man die offenen Flaschen auf 72 Grad Celsius. Dann verschließt man sie sofort mit zylindrischen Korkstopfen Diese kocht man vorher einige Minuten, damit sie keimfrei werden. Nach dem Abkühlen dichtet man die Korken mit Wachs oder Paraffin ab. •
Die Herstellung von Süßmost ist in jedem Haushalte möglich Wenn man, wie in diesem Jahre zu erwarten ist, für ein Pfund brauchbarer Aepfel nicht mehr als 5 Pfennige zahlen muß, beträgt der Herstellungspreis für 1 Liter Saft 15—20 Pfennig. Zur Herstellung kleiner Mengen genügt eine Fleischhackmaschine und ein Leinenbeutel; für größere Mengen empfiehlt sich der M o st m a x a p p e r a t, der wohl in jeder größeren Stadt leihweise zu haben ist. An manchen Orten, z. B. Kassel, Mainz, Würzburg usw. hat man Lohnkel- tereien eingerichtet, in denen man sich gegen kleines Entgelt den Süßmost Herstellen lassen kann.
Wer den Süßmost noch nicht kennt, manche in die
sem obstreichen Jahre einen Versuch. Bei richtiger Anwendung des obigen Verfahrens wird er ein dauernder Liebhaber dieses Getränkes werden.
Die Brombeere, eine köstliche Herbstfmchk.
Brombeetfaff.
Ohne Wasser setzt man die gereinigten Brombeeren aufs Feuer, das jedoch nicht sehr stark sein soll, bis der Saft aus den Beeren gezogen ist. Die Beeren werden alsdann durch den Fruchtbeutel gedrückt. Der so erhaltene Saft wird in Flaschen gefüllt und fest verkorkt. Er leistet bei Erkältungskrankheiten, besonders Halskrankheiten, gute Dienste.
Brombeergelee.
Di« Beeren werden auf gelindes Feuer gestellt ohne Zusatz von Wasser, bis der Saft ausgezogen ist. Man läßt die Früchte so bis zum anderen Tag stehen, preßt sie dann durch den Fruchtbeutel, gibt ju 1 % Pfund Saft 1 Pfund Zucker und kocht bis zum Gelieren.
BrombeerfotnpoH.
Schöne große Brombeeren werden mit etwas Wasser, Zucker, 2—3 Nelken, etwas Zimmt und etwas Zitronensaft bei gelindem Feuer wenige Minuten gekocht.
Brombeersuppe.
Die Brombeeren werden mit Wasser gekocht und durch den Fruchtbeutel gedrückt. Man gibt dem so erhaltenen Saft Zucker und etwas Zimmt zu und macht die Suppe mit Reismehl sämig.
Die Frau in der Küche.
f. Vogtländer Sarkosselklöße (Für 6 Personen). Ungefähr 10—12 mittelgroße, gekochte, falte Kartoffeln werden gerieben. Dann gibt man 125 Gr. groben Grieß, Salz, Pfeffer, etwas Muskat und, wenn man es liebt, fein geschnittene, in Butter gedämpfte Petersilie und ein wenig Zwiebel zu und mengt alles durcheinander. 1 Weißbrötchen wird in kleine Würfel geschnitten und diese in wenig Butter goldgelb geröstet. Darauf fügt man diese Brotwürfel, ebenso 2 Eier den geriebenen Kartoffeln bei und mengt die Masse, nachdem man sie noch durch 8—10 Tropfen Maggi's Würze verfeinert hat, gut durcheinander. Hieraus formt man gleichmäßig große Klöße und kocht diese etwa 10 Minuten in siedendem Salzwasser. Man nimmt die Klöße mit dem Schaumlöffel vorsichtig heraus und gibt sie zu Tisch.
Briefmarken von einem Brief ak> zulö- f e n ist eine Kleinigkeit, wenn man sie mit einem nicht zu heißen Eisen bügelt.
Das kalke Nesi.
Roman von Lisa Barthel-Winkler
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„fjaft du so wenig auf die Stimme deines Gewissens hören gelernt, Hanns Herbert? Ja, du hast recht: das Blut der Mutter spricht in dir — und du willst es verleugnen? Du bist mein Kind! Mit meinen Augen siehst du, mit meinen Ohren hörst du, mit meinem Her- öky lebst du. Das alles gälte dir nichts mehr, weil et« Unwürdige ein Kind gebar — von dem du nicht einmal weißt, ob es das deine ist —"
„Mutter!"
Wie unter einem Peitschenhieb zuckte er zusammen und eilte an ihren Sessel.
„Nimm das zurück, Mutter! Nimm das zurück! Das ist nicht wahr! Nimm das zurück!"
Er rüttelte wie ein Rasender an der Lehne.
„Woher weißt du das so gewiß? — Wer der Vater des Kindes ist, weiß nur die Mutter allein."
„Nimm das zurück! Hedwig ist rein!"
„Ich habe nichts zurückzunehmen."
„Dann bist du nicht nur ihre Feindin — dann bist du auch meine Feindin!"
„Hanns Herbert!"
Ihr Aufschrei verhallte in seiner Empörung.
„Nimm das zurück! Oder du selber stößt mich von dir! Um deinetwillen habe ich Hedwig von mir ge- Mfen, um deinetwillen ihre Wünsche mißachtet, ihre
hie mit Füßen getreten!"
Sie tastete sich am Stuhl hoch; ihre Knie zitterten.
„Du vergißt dich — ich bin deine Mutter!
Groß und herrisch stand sie vor ihm. Noch einmal überkam ihn der Druck, dem er sich jahrelang widerstandslos gebeugt, weil er ihn nicht gespürt. Jetzt aber war er geweckt. Durch die brenenben Stunden der Einsamkeit, der Seelennot — tief im Herzen, indes er äußerlich sich immer mehr vertrotzte und sich von Hedwig los« sagte — war auch eine Abwehr gegen die gewachsen, die ihn zwang, graufam zu fein.
Um der Mutter willen hatte er Hedwig leiden lassen.
Jetzt zerriß ein allzuscharf gespanntes Band... In dieser Stunde streifte er das Kindsein ab.
„Ich vergesse mich nicht, Mutter!" erwiderte er nach langer Pause. ,Lch will nur auch Hedwig, meine Frau, nicht mehr vergessen. Hedwig ist mir treu, treuer, als ich ihr. Sie leidet um mich, mehr als ch um sie litt. Und ich liebe sie."
„Du — willst dich — wieder mit ihr aussöhnen?" keuchte die Mutter.
Sie schwankte. Ihre Hände klammerten sich an den Sohn.
„Du willst sie also — wieder hierher bringen? In mein Haus?"
„Nein, Mutter! — In dein Haus bringe ich sie nicht mehr."
Ihre Nägel krallten sich in seine Schultern. Dicht vor seinen Augen lühte das alte Gesicht der Mutter in Angst.
„Du willst — fort von mir?"
Sanft löste er ihre Hände und küßte sie.
„Ja, Mutter. Ich will mir ein eigenes Heim gründen."
„Mit — Hedwig?"
Immer atemloser, immer gehetzter quollen ihre Fragen.
„Ja"
„Und ich?"
„Du bleibst Herrin hier, Mutter, wie du es immer warst. Nichts soll sich ändern. Du hast dein Haus, dein Heim, deine Selbständigkeit."
„Und — Hilde?"
Er wandte den Blick nicht von ihren forschenden, wissenden Augen.
„Hilde gilt mir nichts."
„Aber sie liebt dich."
„Das bedauere ich."
„Du hast sie geküßt — ich weiß es — sie gestand es mir."
„Sie hat mich — aber nein. Ich bin schuld. Ich allein. Ich habe unrecht gehandelt."
„Du bist ihr verpflichtet."
„3 chhabe meine Pflicht da mißachtet, wo ich viel tiefer verpflichtet war. Das gilt es gut zu machen."
„Du bist entschlossen, deine Mutter zu verstoßen?"
„Ich verstieß vorher meine Frau. Bei ihr muß ich sühnen."
Halb ohnmächtig sank sie zurück in ihren Sitz. Aber sie kämpfe wie eine Löwin gegen ihre Schwäche.
,Hch lasse dich nicht fort! Ich will nicht ohne dich fein — in der Einsamkeit!"
Immer kälter stieg es ihm zu Herzen. Diese Frau, die sich anklammerte, die ihn mit allen Mitteln der Hörigkeit und der Gewalt zu sich reißen wollte, die war ihm fremd. Wohin war ihre Ueberlegenheit, ihre kühle Ruhe, ihre Größe, die er immer bewundert?
,Hedwig ist einsamer als du, Mutter."
„Nein! Nie lasse ich dich dieser Frau! Du bist mein, mein Kind! Mein Sohn, mein alles, mein eigen Fleisch und Blut!"
In ihr Gesicht zeichneten sich Haßlinien ein.
„Mutter, ist es nicht Naturgesetz? Die Kinder wachsen von der Mutter fort ins Leben, in einen neuen Familienkreis. Kinder werden Menschen und müssen frei fein in ihrem Handeln. Du kannst den Fluh nicht den Berg hinauf laufen machen!"
„Was sprichst du von Natur und Gesetzen? Ich will nichts davon wissen! Du bist mein Kind! Dieses hergelaufene Weib will dich mir nehmen!"
Er wich zurück. Ihre Augen glänzten irr. Sie, die Stoze, Beherrschte, verlor sich in diesem Ansturm gegen ihr Eigentumsgefühl. Sie sprudelte über vor Haß, Begehr, Zorn, Angst. Halten, halten — das war ihr einziger Gedanke.
Eine große Leere klaffte vor Hanns Herbert, was zuvor Demut und Ehrfurcht ausgefüllt.
Sie empfand nicht mehr fein Schweigen, feine Scheu. Sie fühlte nicht, daß sie ihn durch ihr wahnwitziges Reden verlor. Durch stummes Leiden allein hätte sie vielleicht noch gewonnen . . .
„Es ist meine Pflicht!!" eiferte sie. „Sie reißt dich ins Unglück! Sie zerrt dich hinab in ihre Minderwertigkeit! Ich hätte es gleich nicht zugeben sollen! — Meine Mutterpflicht sagt mir, ich darf es nicht dulden, daß mein Sohn sich wegwirft an dieses Pöbelblut —"
In seinen Augen blitzte es auf.
„Hör auf —■!"
(Fortsetzung folgt)