Einzelbild herunterladen
 

so vieles andere vor. Noch so manches andere Nachden­kenswert« ergibt sich da über die Zustande und Figuren der Vorkriegszeit. Schon so eine Scene im Schneider- Atelier des Herrn Wormser rasst eine Fülle von Charak­teristischem, von Anregendem, von Boshaftem zusammen. Und dann alles das, was um den Bürgermeister Ober­müller von Köpenick kreist! Um das andere gar nicht zu erwähne» nur diese klassische Scene der Kapitulation im Rathaus von Köpenick! Wie dieses Stadtoberhaupt, triefend von gediegener, von oben her approbierter Amts­weisheil und Selbstgefälligkeit, dazu Oberleutnant der Reserve, freisinniger Landtagsabgeordneter und arrmen­ger Pantoffelheld, wie der „Herr Bürgermeister" vor dem „Hauptmann" Voigt in das Nichts eines Untergebenen in Zivil zusammensinkt. Und mit der Kaff«, unter dem Beistand der „Frau Bürgermeister", auch die eigene Person dem schnell vom Kriecher zum „Sieger' aufge- rückten Polizeisergeanten als dem Vollzugsorgan der militärischen Befehls-Gewalt des Hauptmanns" sich aus« liefert! Freunde! Freund«! Muh einem da nicht das Lachen vergehen, wenn man zwangsläufig bei einer solchen Szene daran denkt, wie im Januar 1917 im gro­ßen Hauptquartier in Pi eß der Leiter der deutschen Poli­tik, Reichskanzler von Bethmann Hollweg vor den Herren der O. H. L. kapitulieren mußte und wie da sogar der Oberste Kriegsherr, der noch über den Hauptmann von Köpenick so gelacht hatte, in der entscheidenden Frage des U-Boot-Krieges und der Rückgabe Belgiens schmerzlich spüren mußte, was sich in dem Erfolg des Schusters im Hauptmannsrock bei der „Aktion gegen Köpenick" gleich- iam in einer symbolischen Handlung darge­stellt hatte?

Wer über diese Dinge weiter nachdenken will und weiteres wissen möchte, dem empfehle ich zu lesen, Kaiser und Kabinettschef", nach eigenen Aufzeichnungen und dem Briefwechsel des Wirklichen Geheimen Rats, Rudolf von Balentini sStalling 1931). Aktuell ist dieses Stück. Ich habe dabei sogar an die letzte Sitzung der Fuldaer Stadtverordneten denken müssen, in der bei der Debatte über die Verlegung der Militärkapelle zwei Redner, dar­unter ein Vertreter der „Vürger"-Partei, in dem Sinne Kritik übten, daß gegenüber Wünschen des Militärfiskus der Magistrat der Stadt Fulda nicht Militär- fromm" genug gewesen sei.

Der „Hauptmann von Köpenick" ist nicht nur eine An­gelegenheit der — Vorkriegszeit.

Die gestrige Ausführung des Landestheaters des Bühnenvolksbundes muß als eine wirkliche Großtat der Wanderbühne überhaupt angefehen werden. Zuckmayers deutsches Märchen hat 18 Bilder. Sie ohne Drehbühne zu spielen, wie es die Wanderbühne tun muß, ist em kühner Entschluß. Abgesehen von der durch den jeweili­gen Kulissenwechsel etwas ausgedehMen Spieldauer und die Hemmung des Tempos, der inneren Geschlos­senheit (es war bald 12 Uhr, als das Stück aus war), blieb kein berechtigter Wunsch unerfüllt. Die Bühnenbil­der waren jeweils famos: klar, frisch, originell. Ernst Hummel, der bewährte, hat ein Meisterstück gemacht. (Unvergeßlich die Bahnhofs-Szene!) Und zwischen den Kulissen stand eine Spielschar, die alle Befürchtungen, die angesichts der Schwierigkeit der Ausgabe aufsteigen konn­ten, erfolgreich erledigte.

Glänzend vor allem Hans Möbes als Wilhelm Voigt. Mannigfache, zarte und deutlichere, Lichter um­spielen diesen .'.Hauptmann von Köpenick"; in so man­cher Lage, in so mancher seelischen Verfassung begegnet er uns. Immer ist er bei Möbes echt, im Menschlichen gegründet, auch in der kompliziertesten Situation ver­wurzelt in seiner Persönlichkeit, die der Wirklichkeit nahe und von der Tragik des Lebens geprägt ist. Neben ihm ist eine erhebende Figur eigentlich nur noch der Militär-Anwärter und Schwager Friedrich Hoprecht, den Bernhard Körner trefflich spielte; weniger gewin­nend schon seine Frau, des Schusters Schwester lebens­echt dargestellt von Ilse Hubl. Das Ehepaar aus dem Bürgermeisterhaus in Köpenick, repräsentiert durch Otto Kriesche und Carla Neizel, waren ihren Bomben­rollen gewachsen und verliehen ihnen packende Charakte­risierung und feine Komik. Herr Wormfer, der weltge­wandte und geschäftstüchtige Unisormschneider, lag bei Josef Hamblock in guten Händen und in Hans Hübner hatte er einen Zuschneider Wabschke an her Seite, der seine liebevoll oriainesl gezeichnete Rolle mit Meister- sckmft zur Durchführung brachte. Am Hauptmann von Schlettow des Hans Goguel hättm wir gern ein wenig mehr Naturnähe festgestellt. Hauptleute, die fo aussahen wie er, gab es in der alten preußischen Ar­mee verhältnismäßig sehr selten.

Auch alles, was sonst noch mitwirkte, tat sein Bestes, um dem Spiel zu einem harmonischen Verlauf zu ver­helfen. Das Publikum ging Beifall spendend mit und die Fuldaer Aufführung des „Hauptmanns von Köpe­nick" hinterließ einen so guten Eindruck, daß er hoffent­lich für die ganze neue Spielzeit ein günstiges Vorzei­chen gewesen ist. Timon.

Die Theakergemeinde Iulda

teilt uns mit: Die nächste Aufführung ist Anfang November. Zur Borstellung kommt „Fuhr­mann" von Hoffmannsthal. Anmeldungen zur Theatergemeinde werden auch jetzt noch entgegen­genommen. — Der gestrige glänzende Erfolg des Theaters wird wohl noch manches Mitglied für die Theatergemeinde werben. Auch „Jedermann" ist ja ein Stück, das seit langem alle Kunstfreunde beschäftigt und immer wieder, zum Teil in welt­berühmten Vorstellungen, einen Erfolg bewiesen hat.

Ueberhängende Früchte.

Alljährlich zur Zeit der Obsternte wird die Frage akut: Wem gehört das überhängende Obst? Da ist es notwendig, auf folgendes hinzuweisen: Nach Paragraph 911 des BGB. gelten Früchte, die von einem Baum oder einchn Strauch auf ein

Nachbargrundstück hinüberfallen, als Früchte dieses Grundstücks. Der Nachbar kann also die auf sein Grundstück herabfallenden Früchte auflesen. Die Vorschrift findet keine Anwendung, wenn das Nachbargrundstück dem öffentlichen Verkehr dient. Die weitverbrettete Meinung, daß Nachbarn von den überhängenden Zweigen eines Obstbaumes die Früchte abnehmen dürfen, ist falsch. Wohl aber können überragende Wurzeln und Zweige eines ‘Baumes oder Strauches, welche die Benutzung des Gr"ndstück' -7^geschnitten und be­

halten werden, wenn der Besitzer des Nachbar­grundstücks vergeblich in einer angemessenen Frist zur Entfernung aufgefordert hat.

Stener-€rfeid)tet engen bei Miet-Nachlässen.

Wie der Amtliche Preußische Pressedienst der Antwort des Preußischen Finanzministers auf eine Kleine Anfrage tm Preußischen Landtag ent­nimmt, werden bei MetnacUäfsen hinsichtlich der Hauszmsfteuer Steuer-Erleichterungen in entspre­chendem Umfange nach dem Runderlaß vom 10. März 1931 gewährt. Für die Grundvermögens­steuer gelten in solchen Fällen die allgemeinen Bestimmungen, die die Gewährung von Steuer- Erleichterungen von den wirtschaftlichen Verhält­nissen des Steuerschuldners abhängig machen. Für leerstehende gewerbliche Meträume und Miet­wohnungen gelten für die Steuererkeicksterungen bei der Haiiszinssteuer die Vorschriften im § 9 Abs. 2 Nr. 3 und Abs. 3 der Hauszinssteuerver­ordnung. Die gewährten Erleichterungen erstrek- ken sich auch auf den staatlichen Zuschlag zur Grundoermögenssteuer (8 4 der Verordnung vom 30. Mai 1930).

Versteigerung von Fleckviehbullen.

Man schreibt uns: Die nächsten Bullenverstei­gerungen des Verbandes Kurhessischer Fleckvieh­züchter finden am Mittwoch, den 7. Oktober, in Wächtersbach, Donnerstag, den 8. Oktober, in Hersfeld und Freitag, den 9. Oktober, in Treysa statt. Zu den Versteigerungen sind insgesamt etwa 150 Bullen angemeldet, die sich ziemlich gleich­mäßig auf die drei Versteigerungsorte verteilen. Nur gekörte, beizehungsweise vorgekörte, Bullen gelangen zum Verkauf. Die Bullen hn Mindest­alter von 14 Monate werden vom Dezirksköraus- fchuß für den Umfang des Regierungsbezirks Kaf- fel amtlich gekört. Diese Körung hat Gültigkert bis .zur übernächsten amtlichen Kreisbullenkörung. Das Abkörungsrisiko und die Vorkörungskosten fallen msthin für den Käufer fort. Es ist daher nicht zu verstehen, daß es in der heutigen Zeit wo alles sparen sollte, immer noch GemeiiDen oder Bullenhalter gibt, die zu bequem sind, die Versteigerungen zu besuchen, sondern den alten Bullen auf eigene beziehungsweise auf Kosten der Gemeindekasse gegen einen teueren Bullen ein­tauschen, anstatt den alten Bullen der Viehver- wertungsgenoflenschast zu übergeben und den neuen auf der Versteigerung zu erwerben. Drei­viertel der im Regierungsbezirk Kassel jährlich benötigten Bullen sind im Vorjahre auf den Der- bandsversteigerungen erworben worden, was wohl genug besagt.

Richkigskllung unwahrer Behauptungen.

Wir werden von Herrn Karl Mücke, Bäcker­meister, hier, Hintevburg 5, um folgende Veröf­fentlichung gebeten:

Irgend ein „Freund" verbreitet wieder mal bas Märchen (es ist nun schon bas vierte ober fünfte Ma! in den letzten sechs Jahren), baß ich abermals in der Lotterie gewonnen habe, und Mar die hübsche Summe von 30—60000 Mark. Dazu erkläre ich folgendes: Ich habe noch nie in irgendeiner Lotterie gewonnen und bin auch noch nie durch eine Erbschaft bereichert wor­ben, wie ja auch schon behauptet wurde. Denjenigen, die es genau wissen wollen, teile ich mit, baß ich seit 3—4 Jahren in keiner Lotterie spiele. Ich hoffe, baß durch biefe Zeilen den Gerüchten ein» für alle Mal ein Enbe bereitet ist.

Aufruf au das Gewissen.

Der Aufruf zur Winterhilfe, den der Reichs­präsident und die Reichsregierung ergehen lassen urib dem sich die großen, für diesen Zweck in der Deutschen Liga für freie Wohlfahrtspflege zusam­mengefaßten karitativen Verbände anschließen, enthält einige Gedanken, die geeignet scheinen, die ganz besondere innere Begründung dieser unge­wöhnliche Aufrüttelung des völkischen Gewissens eindringlichst herauszustellen. Reichspräsident und Reichsregierung sprechen von ihrer Hoffnung, daß die Liebestätigkeit im kommenden Winter auch zur inneren Versöhnung unseres Volkes beitra­gen möchte. Deutschland hat gegenwärtig keinen schlimmeren Feind als seine innere Zwietracht. Wenn sich der Radikalismus von links und rechts buchstäblich bis auf Blut bekämpfen, und wenn zwischen diesen beiden Polen noch andere Auf­fassungen am Werk sind, die sich jede für die ein­zige richtige halten, so kann die gefahrdrohende

Preußens Sparprogramm im Mld.

',100,

STEUER

PREUHIKHEf

NOTABAj

I Notar irechnunq

300 l

SCHUL! an j a.o nJ

iftat

Zucückführung der Schuleinrichtungen auf einen der Vorkriegszeit entsprechenden Stand. Vorübergehende Besörberungssperre für Beamten, Sonderbesteuerung der Notariatsgebühren und niedrigere Fest­setzung der Bürgermeistergehälter, das sind die Hauptpunkte des neuen Sparprogramms in Preu­ßen, das am 1; Oktober in Kraft treten soll.

Turnen und Spott

Flugsport

— Der Jteibaflon-lBanberpreis bes Deutschen Luft­fahrt-Verb andes wurde mit der ersten Wettfahrt unter Benutzung von Leuchtgas in Angriff genommen. In der zweistündigen Flugzeit legte der von Dr. Kaule n-Efsen geführte Ballon „Karl Bamler" mit 87 Krntr. die weiteste Strecke zurück (er landet« bei Herboruselbach), doch stand ihm der Ballon „Düsseldorf" (Führer Rebus) mit 83 Krntr. nicht viel nach. Der zweite Teil der Wettfahrt folgt am 26 September von Bitterfeld aus, wobei die Hüllen mit Wasserstoffgas gefüllt werden.

Äabfpott

— Erfolge eines Fuldaer Rennfahrers. Bei den am Sonntag iy Leipzig ausgetragenen Straßenmeister­schaften „Rund um Sachsen" (310 Kilometer) be­legte Rennfahrer B i s s o n vom Radfahrerverein „Durch Gebirg und Tal", Fulda, trotz stärkster Konkur­renz den dritten Platz. Der erste Sieger, der Leip­ziger Reichel, ging mit nur 3 Minuten Vorsprung in 9:47:33 durchs Ziel. Am 6. September nahm der Flch- rer Bisson an den Deutschen Meisterschaften in Berlin teil. Während er die ersten Zweidrittel der Strecke an der Spitze lag, wurde er im letzten Teil der Strecke von Pech verfolgt. Trotz eines Sturzes konnte er noch den 21. Platz belegen. Am 13. September wurde vom Rad­fahrer-Verein „Durch Gebirg und Tal" Fulda die diesjährige Vereins-Meisterschaft aus- getragen. Vereinsmeister wurde Franz Hoß seid.

Spottbtief aus Geisa.

X. u. Spo. Geisa L m.—Kaltennordheim 1. Al. 3:2.

Am Sonntag stellten sich obige Mannschaften am Unterberg in Geisa dem Schiedsrichter zum letzten Ber- bandsspiel der 1. Runde. Kaltennordheim hat Antritt und bringt das Leder schnell in des Gegners Strafraum,

dessen Verteidigung aber klar und sicher abwehrt. Cs entbrennt ein äußerst scharfer Kamps. Auf beiden Sei. ten werden die besten Chancen ausgelassen, besonders Geisa ist von großem Schußpech verfolgt. In der 25. Mi. nute geht Kaltennordheim durch Strafftoß in Führung. Aus ca. 30 Meter (Entfernung saust der Ball knapp unter der Satte ins Netz. Dadurch wird der Kampf noch heftiger, der Platzverein drängt nach dem Aus­gleich, während die Gäste ihren Vorsprung zu behaup. ten suchen. Ganz unerwartet fiel 10 Minuten vor Halb­zeit das zweite Tor für Kaltennordheim. Das war den Schwarz-Weihen aber dach zu viel. Flanken von rechts und links kommen vor des Gegners Tor und endlich, 2 Minuten vor der Pause, kann Geisa zum ersten Tor einsenden.

Nach Wiederbeginn wurden die Gäste buchstäblich in ihre eigene Hälfte eingeschnürt, aber trotzdem kam Geisa zu keinem Erfolg. Kaltennordheim hatte alles zurück- zogen, um die 2 Punkte zu behalten. Ecke um Ecke wird von dem Geisaer Sturm erzieü, aber alle bleiben er­folglos. Nur noch 5 Minuten Spielzeit. Da kommt end­lich der Ausgleich. Ein Eckball wird vom Verteidiger durch Einköpfen zum Selbsttor verwandelt. Dadurch an­gefeuert, fetzen die Schwarz-Weißen noch einmal zum Endspurt an. Nach schönem Durchspiel kann der Geisaer Rechtsaußen zum Führungstreffer einfenden.

Geisa hat das Spiel verdient gewonnen; im Sturm muß nur noch etwas mehr Einigkeit herrschen. Die beste Partie lieferte zweifellos der Mittelläufer. — Kal» tenordheim hatte eine große Stütze in der Verteidigung, besonders der Tormann zeigte hervorragende Leistungen. Der Schiedsrichter konnte sehr gefallen.

T. u. Spo. Geisa 3gb.—Sünna 3gb. 1:0.

Die Geisaer Igd. schickte die Jungmannen von Sünna mit einer 1:0 Niederlage nach Hause. Bei den Gei- saern fehlte es beim Spiel am System. Dadurch ist auch die niedrige Torzahl zu erklären. Bei Sünna trat derselbe Fehler noch stärker in Erscheinung. E. D.

Wüste dieses Winters, der die Arbeitslosigkeit um weitere Millionen vermehren und damit die leid­liche und geistige Not aufs höchste steigern wird, ntdyt überwunden werden. Außerdem fehen wir, wie fremde Staaten mißtrauisch und hämisch diese unsere Zerklüftung zum Vorwand nehmen, um die internationale Solidarität Europas zu sabotie­ren. Daher kann nichts anderes unsere Not mil­dern als festes Zusammenstehen in gemeinsamer Ueberwindung der Schwiergkeiten, die uns in be­sonderer Härte in den kommenden Monaten be­vorstehen Wir unterstreichen in dem Aufruf der Wbhlfahrtsverbände besonders den Satz, daß der Streit um die Schuld an der Not uns nicht wei­ter hilft, und daß er keinen Hungrigen satt macht. Der Kommunismus will das Elend, weil er den Zusammenbruch will und auf den Trümmern des Reiches fein Banner der Vernichtung aufpflanzen möchte. Gegen ihn müssen alle anderen sich ver­bünden, die den Aufstieg und die Gesundung des Volkes zu erstreben behaupten. Es kann jetzt nitfrf um groß« Politik gehen, die foroiefo. nicht Aufgabe des Einzelnen oder diskutierender Grup­pen ist. Es geht lediglich darum, das Volk am Leben zu erhalten, dem Hunger zu wehren, die Liebe, die einfache, selbstverstäntdliche, barmher­zige Menschenliebe siegen zu lassen. Das ist der Sinn des Ausrufes, und wer ihn mit parteiischen Gedanken und ehrgeizigen Unterstellung befleckt, der versündigt sich an der Allgemeinheit. Wenn Du nicht mithelfen willst, der Not zu wehren, so sagt der Aufruf, wird es Dir bald noch schlech­ter gehen. Das ist keine Redensart, das ist ern­steste Erkenntnis, die sich jeder zu eigen machen wird, der unabhängig von persönlichen Neigun­gen und Abneigungen die Lage Deutschlands, wie sie sich rings um uns, auch in unserer allernäch­sten Nähe, zeigt, zu prüfen und zu werten ge­willt ist. Der Reichspräsident, die Reichsregie- rung und die Wohlfahrtsverbände wenden sich an das Gewissen jedes Einzelnen, der noch einen Fun­ken von Liebe zu seinem Volke und noch einen Hauch von vaterländischem Empfinden in sich hat.

♦

In dem Aufruf der Reichsregierung und der Liga der freien Wohlfahrtspflege in der gestrigen Nummer unserer Zeitung muß es anstatt: Zen- tralwohlfahrtsstelle der Deutschen Jugend, Z. d. Deutschen Juden heißen.

Tagung der katholischen Lehrervereine Kurhessens.

Die Katholischen Lehrervereine Kurhessens hal­ten am 5. und 6. Oktober dieses Jahres ihre dies­jährige Haupttaguna in B a d S o d e n bei Sal­münster ab. Die Beratungen finden im Kurhaus statt. ___________________

— Mndthorftbund Fulda. Heute abend 8.30 Uhr wichtige Zusammenkunft in der Harmonie. Vorberei­tung des politischen Schulungskursus. Vollzähliges Erscheinen wird erwartet.

— Famillen-Nachrichien. Heute begeht Frau Mar­garethe Böschen, Lengsfeldergasse 3, ihren 80. Ge- buristag. Die Hochbetagte ist noch frisch und ge­sund. An den Tagesereignissen nimmt sie lebhaften Anteil. Frau Böschen war lange Jahre im Rosenbad als Badefrau tätig. Wir gratulieren der treuen Lese­rin unserer Zeitung.

Vom Herbstwind.

Huijuh, huijuh, ist der Herbstwind die Nacht durchs Städtchen gerast, hat die lofen Dachziegel.herabgerissen, an den Fensterläden geklappert und durch sein über­mütiges Heulen von manchem sorgenmüden Haupt den Schlaf verscheucht! Als aber Frau Cannes erste Strah­len schüchtern über die Erde tasteten, ist er ausgerissen und hat im lichten Buchenwald geruht.

Jetzt im kühlen, klaren Herbstsonnenschein kommt er mit scheinheiliger Miene ins Städtchen zurück. Die Hände, in der Hosentasche, vergnügt durch die Zähne pfeifend, schlendert er durch die Gassen und spürt in allen Winkeln herum. Er lacht über die sorgenvollen Gesichte der dummen Menschen, die sich quälen und mühen. Was kümmern auch ihn, den Wind, Notver­ordnungen und Gehaltskürzungen!

Da stolziert gerade um die Rathausecke der Herr Rek­tor mit schön gerundetem Bäuchlein. Seidig glänzt der hohe Zylinderhut. „Mal sehen, ob der Alte Haare unterm Hut hat," denkt der Wind. Er bläst die Backen auf, und husch, wirbelt er das Prunkstück mit sich fort. Die Sonne macht ein strenges Gesicht. Des Würdigen Platte ist ja eine ganz gute Zielscheibe für ihre Strah­lenpfeile, aber die Frechheit des Windes ist doch un­erhört. Der schert sich den Kuckuck um das Gesicht der Sonne. Rasch umfaßt er eine dicke Wolkenmutter und schiebt sie vor die Gestrenge.

Pfeifend bra'uft der Uebeltäter weiter. Was für ein luftig grinsendes Gesicht kommt ihm denn da entgegen?

Er faßt unter das Vollmondkinn und küßt die roten Wangen. Da aber ratsch, die runden roten Backen fallen ein und das rotseidene Ding trudelt zur Erde. Die Wutschreie der Jungen um ihren zerrissenen Drachen gellen hinter dem Davonellenden her.

Zurück ins Städtchen. Schnell im Vorübersausen wirft der Wildfang ein paar Blumentöpfe auf die Straße und freut sich am hellen Klirren der Scherben.

Die Frau schüttelt das Tischtuch aus. Der Wind umfängt es liebevoll und flattert mit ihm aus den Hän­den der erschrockenen Dame zur Erde. Dann rasch in ihren frisch ondulierten Bubikopf gefahren und die Was­serwellen ftruwelpeterhast zerzaust! Entsetzt vergißt die Gnädige ihren Mund zu schließen. Laut kreischend rennt sie vom Fenster weg. Der lose Schelm zerrt an den Vorhängen, und als die nicht mitwollen, fegt er la­chend weiter, um heute noch recht viele Leute zu ärgern und sich an ihrer Wut zu freuen. M. W.

Aus der Zentrumspartei.

— Bürgermeister Roth-Montabaur wieder Vorsitzen­der des Nassauischen Zentrums. In einer in Nassau abgehaltenen Landesausschußsitzung der Nassauischen Zentrumspartei wurde Bürgermeister Roth-Montabaur mit 58 von 62 Stimmen wieder zum Vorsitzenden der Nassauischen Zentrumspartei gewählt. Wie Bürger­meister Roth mitteilte, wird auf dem Parteitag in Frank­furt am 4. Oktober der Vorsitzende der preußischen Zen­trumspartei Dr. Heß sprechen. Für Mitte Oktober ist eine große Werbeaktion für die Zentrumspartei ge­plant.

=■ Provinziallandtag der oberhessischen Zentrums- parteL Die am Sonntag in Friedberg abgehaltene stark besuchte Provinzialtagung der oberhessischen Zen­trumspartei war der Auftakt für den demnächst begin­nenden Landtagswahlkampf. Dekan Dieteweg aus Nie- dermörlen eröffnete die Tagung und gab das Wort Reichstagsabg. Bockius-Mainz zu einem Bericht über die politische Lage im Reich. Der Redner wies darauf hin, daß die Wahlen in Hessen in ganz Deutschland größtem Interesse begegnen. Voraussichtlich werde Reichskanz­ler Dr. Brüning in Hessen sprechen. — ßanbtagsabg. Weckler berichtete anschließend über hessische Politik. Im Saufe dieser Woche wird eine hessische Notverordnung erscheinen, die manche harte Maßnahme bringe. Die Versammlung stellte am Schluß der Beratung Abge­ordneten Weckler wieder als ersten Kandidaten Ober­hessens für die Liste des Zentrums auf.

Technik und Verkehr.

— (Ein Tunnel zwischen Europa und Afrika? In der letzten Sitzung der spanischen Kammer wurde angeregt, die Anwesenheit des spanischen Außenministers in Gens zu benutzen, um den Völkerbund durch diesen auffordern zu lassen, sich finanziell an dem Bau eines Tunnels unter der Meerenge von Gibraltar zu be­teiligen.

Wie wird das Wetter?

Während sich die Ausläufer der im Norden vorüber­ziehenden Tieidruckwirbel, wenn auch in abschwächendem Maße, bis über Mitteldeutschland hinaus bemerkbar machen, steht die Witterung West- und Süddeutschlands vollkommen unter dem Einfluß eines kräftigen Hoch­druckgebiets. Eine wesentliche Umgestaltung der Wet­terlage und mit ihr der bei uns herrschenden Witterung ist vorerst nicht wahrscheinlich, wenn sich auch zeitweise, vor allem im Nordosten (Kasseler Gegend), Bewölkung einstellt.

Witterungsaussichten für Donnerstag: Im wesent­lichen Fortdauer des viesfach heiteren, trockenen, nachts recht kalten Wetters.

Temperatur- und Varomelerstaud in Fulda.

Mttgeteitt von Diplom-Opttker Sauerborn.

Barometerstand (auf Meereshöbe reduziert)

Thermo­meterstand

15. 9. 6 Uhr abends

16 9. 8 Uhr morgens

16. 9 12 Uhr mittags

771,5 mm

770,0 mm

769,0 mm

4-13,0» C

4-11,5« C

4-17,5° C

Höchste Temperatur Im Schatten am 15. 9. 4-14,0° C

Höchste Temperatur in der Sonne am 15. 9. 4-26,0° C

Niedrigste Temperatur fett 15. 9. 4- 7,0° C

Niederfchlag v. 15.9. 8IL morg. — 16. 9. 8 U. tnorg. 0,00 mm Relative Feuchtigkeit der Lust am 16.9. mitt. 12 Uhr 78,0 %

Amllichevelmntmachungen. Fulda.

Die Herren Bürgermeister, die meine Rundverfügung vorn 8. d. Mts., betr. Ernteschäden noch nicht beantwortet haben, werden an sofortige Berichterstattung erin­nert.

Fulda, den 16. September 1931.

Der Landrat: I. V. Schuster.

vesuchl das 5t Elisabeth-Mmel

Nächsten Sonntag, den 20. September, die fünfzehnte n. letzte Aufführung. Bei sonnigem Wetter auf dem Kalvarienberge, sonst im Stadtfaal. Anfang auf jedem Platze 3.30 Ahr.