Nr. 214
Donnerstag. 17. Sept. 1931
Zahrg. 58
Der «Run- auf Deutschland
Gegen Binnen-Wührungs
Projekte, -le eine Inflation bedeuten.
2000
Der den
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Die Abrüstung.
Die Rückzugsgefechte beginnen.
Dieser eherne Zwang prägt sich auch darin aus, daß durch eine besondere Notverordnung das L a n- d es Wah lgesetz verändert, der Wahlquotient durch Erhöhung von 40 000 auf 60000 künftig die Zahl der Landtagsabgeordneten um ein Drittel vermindern wird. Hier wirkt die Notzeit sich in einem befriedigenden Sinne aus, denn auch mit zwei Dritteln der gegenwärtigen Zahl seiner Mitglieder wird der preußische Landtag mindestens ebenso gut in der Lage sein, seine Arbeiten durchzuführen, wie in der bisherigen, schon längst über das angemessene Maß hinaus geschwollenen Stärke. Eine entsprechende Verminderung der Zahl der Staatsratsmitglieder von 80 auf 52 ist geplant, kann aber nur durch den Landtag selbst herbeigeführt werden, da es sich dabei um die Abänderung einer verfassungsmäßig verankerten Bestimmung handelt.
Im übrigen betreffen die einzelnen Bestimmungen der Notverordnung fast ausnahmslos sämtliche Kategorien von planmäßigen und außerplanmäßigen Beamten^ doch ist vorgesehen, daß Ausgleichszulagen dort gewährt werden, wo mit den gegenwärtigen Kürzungen die Bezüge einschließlich der Senkungen aus der ersten und zweiten Gehaltskürzung insgesamt um mehr als 20 Pr z. v er- mindert werden würden. Es ist das äußerste, was der preußische Staat int Augenblick tun kann. Man muß bekennen, daß damit die Beamtenschaft em ungemein schweres Opfer bringt, werden doch durch die ersten beiden Gehaltskürzungen und die gegenwärtige Notverordnung sämtliche Besoldungsverbesserungen gegenüber dem Jahre 1927 etatmäßig wieder rückgängig gemacht.
* Konrektor Klagges, der nationalsozialistische Braunschweigische Regierungsrat, wird Braunschweigischer Minister. Im Braunschweigischen Landtag wurde der von den Nationalsozialisten vorgeschlagene frühere Konrektor Klagges gewählt, nachdem vorher mit gleichem Stimmverhältnis der Antrag angenommen worden war, die Zahl der Minister von 1 auf 2 zu e r h ö h e n. Damit hat der Landtag von der ihm in der Notverordnung
die mehr als tausend Mark im Monat betragen. Nur von den ganz hohen, die das Vielfache von Ministerbezügen ausmachen, soll hier nicht gesprochen werden. Wer heute hunderttausend Mark und mehr jährlich als persönliches Einkommen bezieht, der soll schleunigst von seiner hohen Kante heruntergeholt werden, damit der Abstrich dem Reich, das heißt dem Volk, dem darbenden Volk zugute kommt. Aber sonst ist es mit den Gehaltsbeschneidungen eine verzwickte Sache. Es liegt vorläufig noch in der Natur des Lebens, daß der Mensch sich nach der Decke st reckt. Wer ein kleines Einkommen hat und seine Familie in diesem Rahmen ernährt und behaust, der kann sogar das Gefühl eines gewissen Wohlstandes empfinden, während ein anderer, der doppelt oder dreimal so viel verdient unö etwa mehrere Kinder studieren läßt, vielleicht auf Jahrzehnte hinaus von den Entbehrungen, ja vom Darben nicht loskommt. Der eigentliche Märtyrer des Lebens'ist der sogenannte ganz kleine Mann, der ebenfalls feine Kinder einer gehobenen Laufbahn zuführen will und deswegen für sich und feine Frau auch auf das Letzte verzichtet, was ihm in geringerem Rahmen feine Einkommens- Verhältnisse an sich noch gestatten würden. In diesem geistigen und sittlichen Milieu reifen die Heiligen unserer Zeit.
Aber es gibt dann noch a n d e re Zwangsläufigkeiten. Der bessere Mann, wie man so sagt, einer, der längere oder kürzere Zeit studiert hat und es infolgedessen zu einer einträglicheren Stel- ung brachte, fiihrt sein Dasein auch äußerlich, ganz abgesehen von der Kindererziehung, in einem größeren Rahmen als sein Volksgenosse mit geringeren Bezügen. Das ist menschlich, natürlich und dürfte auch gar nicht anders sein. Man braucht nur daran zu denken, daß es große und kleine, teuere und billige, komfortable und einfache Wohnungen gibt. Das ist einmal so und kann nicht von heute auf morgen geändert werden. Versuchte man es etwa in einem Fünf- oder Zehnjahresplan zu ändern, so würde sich doch sehr bald bei den einzelnen Menschen das Bedürfnis nach Unterschiedlichkeit der Lebensführung regen, und es würde sich auch langsam oder schnell durchsetzen, schon darum, weil ja die Fatz i g k e i t und die ethischen Kräfte verschieden entwickelt sind und schließlich der eine es auf Grund eben dieser Kräfte wieder weiter bringen würde als der andere. Es ist der Unsinn und die Widernatürlichkeit des Kommunismus, daß er die in der Veranlagung des Menschen begründete Mannigfaltigkeit des Strebens und damit des Erfolges glaubt durch papierene Dekrete beseitigen zu können.
Aus Genf wird gemeldet:
Am 26. September findet in Paris unter Leitung von Lord Cecil und Henry de Jouvenel eine Konferenz statt, die sich die Aufgabe setzt, die öffentliche Meinung für die große internationale Abrüstungskonferenz im Februar nächsten Jahres vorzubereiten. Jetzt fand hier in Genf eine Sitzung des Organisationskomitees dieser Konferenz statt, an der deutscbersests der Ge- Wäftsführer der Deutschen Liga für Völkerbund, Dr. Kirchhoff, teilnahm. Diese Sitzung beschäftigte sich mit dem Entschließungsentwurf, der der Konferenz zur Frage vorgelegt werden sollte. Auf französischer Seite ist nun versucht worden,
Wenn nun plötzlich die Gehälter gekürzt werden, so kann das selbstverständlich bis zu einer gewissen Grenze gebilligt und auch ertragen werden. Da das Land infolge des verlorenen Krieges und der die ganze Welt erfassenden wirtschaftlichen Lage verarmt, ja geradezu in akuter Not ist, entspricht es nur der Verantwortlichkeit jedes Einzelnen für das Ganze, wenn er an der Behebung des Elends nach feinen Kräften beteiligt wird. Aber auch hier gibt es eben Grenzen. Die Gehälter 6er deutschen Beamten sind im allgemeinen nicht hoch. Sie reichen, von Ausnahmen, die keinen großen Prozentsatz ausmachen, abgesehen, gerade hin, um ihren Empfänger ein übliches, nicht üppiges Dasein mit feiner Familie leben, oft muß man sagen: fristen zu lassen. Man kann einige Prozent von diesen Gehältern abziehen, aber dann hört es auf. Was über diese Verkürzung hinausgeht, bedroht den Einzelnen und auch wie6er die Gesamtheit, weil die Möglichkeit, am Ueberflllß zu kürzen, nicht gegeben ist. Die Folgen der Notverordnungen bezüglich des Gehaltsabbaus zeigen sich weithin darin, daß in allen Großstädten die größeren Wohnungen in unheimlicher Schnelligkeit geräumt werden. Der Beamte und Angestellte, dem feine Bezüge gekürzt wurden, erkennt alfo keine andere Möglichkeit, den Verlust wieder einzubringen, als zunächst einmal an der Wohnungsmiete zu sparen. Es bedarf keiner Worte, daß diese Entwicklung bedauerlich ist, und zwar ebensosehr im Interesse des Mieters wie des Hausbesitzers. Hier wird ja ein Stand oder eine volkswirtschaftliche Arbeiterschicht durch den Gehaltsabbau materiell geschädigt. Wie es auf anderen Gebieten ist, ist nicht so leicht festzustellen. Wenn sich künftig der Deutsche einen Anzug weniger leisten kann als bisher, so braucht man das noch nicht als soziologischen Ruin zu empfinden, obwohl die üblichen Gehälter auch bisher im allgemeinen einen überflüssigen Aufwand schon nicht erlaubten. Wie aber wird es mit den Schneidern? Man sieht, wenn man die Dinge zu Ende zu denken beginnt, wird einem der Sinn der Gehaltskürzungen bald zweifelhaft.
Anders verhält es sich mit den Abzügen, die jetzt auf Grund preußischer Verordnungen die hohen Kommualbeamten treffen sollen. Es ist schon absolut undemokra- tifdL wenn der Oberbürgermeister einer mittleren Großstadt ein höheres amtliches Einkommen hat als der Reichs kan zier, und wenn er gar die Bezüge feines vorgesetzten Regierungspräsidenten um das Doppelte oder noch mehr überflügelt. Diese Zustände müßten auch dann geändert werden, wenn das Land sich nicht in finanzieller Krise befände. Darum werden die Beschlüsse des preußischen Kabinetts überall verstanden, ja begrüßt werden. Aber man muß schon sagen, daß sie trotzdem auch von tieferer psychologischer Weisheit und volkswirtschaftlicher Erkenntnis zeugen als die Notverordnungen des Reiches. In Preußen will man den in Frage kommenden Beamten durch ft a f f e l m e i f e Kürzung des Gehalts ■
wtb. Berlin, 16. Septbr. (Gig. Meld.) Reichsbankpräsident Dr. Luther veröffentlicht im „Heimatdienst" einen Artikel über den „Run" auf Deutschland und andere aktuelle Probleme der Kreditpolitik. Er saßt seine Ausführungen zu folgenden Sätzen zusammen:
1. Was den Bruch int Kredit- und Zahlungssystem am 13. Juli erzwang, war ein „Run" der Auslandsgläubiger auf Deutschland.
2. Stillhaltung und Devisenbewirtschaftung sind die vorläufige Sicherung gegen die Wiederholung eines Runs der Auslandsgläubiger.
3. Stillhaltung und Devisenordnung machen es möglich, trotz des starken Devifenverlustes der
wtb. Genf, 16. Sept. (Eig. Meld.). Der 6. (politische) Ausschuß hat heute vormittag als 2tb= schluß der Aussprache über den Bericht des Europa-Ausschusses folgende Entschließung angenommen:
Die Versammlung verzeichnet mit Genugtuung die Ergebnisse der Arbeiten des Studienaus- fchuffes für die europäische Union. Sie billigt den Bericht des Studienausschusses über feine Konstitution, feine Organisation und seine Arbeitsmethoden. Sie fordert den Ausschuß auf, das unternommene Werk gemäß den in der Entschließung vom 17. September 1930 niedergelegten Grundsätzen fortzufetzen. Sie empfiehlt ihm, fo oft das möglich sein wird, die technischen Organe des Völkerbundes in Anspruch zu nehmen und dem Völkerbund die Regelung des Problems zu übertragen, die ihm für eine' universelle Lösung geeignet erscheinen.
Zum Berichterstatter über den Europa-Ausschuß wurde der schweizerische Bundesrat Motti ernannt.
Abreise Lriands aus Genf.
wtb. Genf, 16. Sept. (Eig. Meld.). Außenminister Briand hat um 1,15 Uhr Genf verlassen, um nach Paris zurückzukehren.
Das Hoover-FeierZahr.
nicht an den Gedanken gewöhnen, daß die Zeit, in der Deutschland in Genf und überhaupt überall in der Welt als Bittsteller auftreten mußte, vorüber ist. Sie meinen, wenn Briand eine Rede gehalten hat, die im Grunde nichtssagend war, die aber gerade darum ihnen außerordentlich gefiel, dann müßte der deutsche Außenminister dies« Rede in ihren Einzelheiten als ein Wunderwerk französischer Friedensgesinnung berausfteßen und ihre Unklarheiten womöglich in einem für Deutschland ungünstigen Sinne kommentieren.
Mit solchen Erwartungen können wir nun freilich nichts anfangen, wir sehen vielmehr in diesen Presseäußerungen nur den bedauerlichen Versuch, selbst das Minimum an ehrlicher Verständigungsbereitschaft, das man aus Briands Rede bei sehr viel gutem Willen herauslesen kann, noch herunterzubringen. Es ist nicht richtig, wenn der „Petit Parisien" vermutet, Curtius habe den Rechtsparteien in Deutschland nach dem Munde reden wollen. Man kann die Begründung, die eine solche Unterstellung rechtfertigen könnte, weder in der Rede finden noch viel weniger in der in Deutschland wohl einmütigen Beurteilung der Zollunions-Pläne. Diese Volks- ftimmung geht dahin, daß Curtius die Zollunion gar nicht hätte versuchen dürfen, und von dieser Auffassung wird er nach dem Genfer Verzicht kaum jemand abbringen können. Daher ist auch die Meinung des „Malin", man habe von Berlin aus Curtius eingehämmert, er müsse etwas zur Beruhigung der entfesselten Rechten tun, ganz abwegig. Die deutsche sogenannte Rechte wird immer entfesselt sein, denn dazu ist sie da, davon lebt sie, und wenn sie sich beruhigen würde, fo würde das ihr Ende bedeuten. Nein. Curtius hat die Meinung eines verständigungsbereiten, die Krise erkennenden, den Frieden und die produktive Arbeit wollenden Deutschland oorgetragen. Wer in Paris guten Willens ist, muß das zugeben.
diesen Entwurf, der in feinen wesentlichen Teilen dem deutschen Standpunkt in der Abrüstungsfrage Rechnung trägt, im Sinne der französischen These abzuschwächen. Der deutsche Vertreter im Komitee hat sich diesem Versuch widersetzt mit dem Hin- “,eis, baß eine Teilnahme der deutschen Gruppe an der Konferenz nicht möglich sei, wenn die geforderten Abänderungen an der Entschließung vorgenommen werden würden.
Das Komitee hat daraufhin beschlossen, die Entschließung in der ursprünglichen Form der Konferenz zu unterbreiten. Man nimmt an, daß an der Pariser Konferenz Vertreter von Verbänden teilnehmen werden.
Entschließung über Europa-Ausschuß Die Pan-Europa-Frage.
ersten 7 Monate des Jahres 1931 da s alte Kreditvelumen, soweit es noch wirtschaftlich gerechtfertigt ist, im wesentlichen aufrecht zu halten. Eine Ausdehnung des Kreditvolumens hat zur Voraussetzung eine Ausdehnung d es Handelsvolumens, die zurzeit nicht besteht.
4. Binnenwährungsprojekte und ähnliches können die Kreditnöte nicht beseitigen, sondern führen in eine Inflation. Sofern eine entsprechende Ausdehnung des Handelsvolumens sich vollzieht, ist eine gesunde und gerechtfertigte Kreditausdehnung auch in Reichsmark-Währung möglich.
wtb. London, 16. Sept. (Eig. Meld.). Pariser Korrespondent der Times meldet zu sranzösifch-italienifchen Flottenverhand- langen, es verlaute, die französische Regierung sei bereit, ihren Anspruch, Ersatztonnage vor 1936 zu bauen, aufzugeben. Dies sei die Frage, die im März dieses Jahres im letzten Augenblick eine Einigung verhindert habe. Es handelt sich dabei um 66Ö00 Tonnen Kreuzerbauten. In Paris werde auch von der Möglichkeit einer Verminderung der U-Boot-Tonnage um 30 000 Tonnen gesprochen.
Der Beirat des Federal Reserve Board schlälgt Hoover Verlängerung des Hoover-Feierjahres auf drei bis fünf Lahre vor.
Wie der im allgemeinen gut unterrichtete Korrespondent der „N e w P o r k P o st" meldet, haben die Mitglieder des Beirates des Federal Reserve Board, die zum Essen bei Präsident Hoover geladen waren, diesem geraten, unverzüglich das einjährige Moratorium fürKriegs- s ch ulden und Reparationen in ein drei- bis fünfjähriges umzuwandekn.
Französische Kritik.
Von Deutschland aus gesehen hat die Rede des Reichsaußenministers in Genf einen guten Eindruck gemacht. Mr haben mit Genugtuung gehört, daß er den Besuch Lavals und Briands begrüßte, die Notwendigkeit einer weiteren Vertiefung der deutsch-französischen Beziehungen in freundschaftlichem Sinne begründete und im übrigen auseinandersetzte, wie notwendig es ist, daß die Völker nun endlich abzurüsten beginnen. Das alles sind Dinge, in denen die große Mehrheit des deutschen Volkes mit dem Minister und mit der Reichsregierung, die er vertrat, über« einstimmen. Aber die Franzosen sind noch nicht zufrieden. Sie können sich immer noch
tn dieser Hinsicht geschieht, was irgend geschehen kann.
Der bitterste Punft bleibt nach wie vor die Unterwerfung der Schule unter ein Ersparnissystem von äußerster Schärfe. So sehr die preußische Regierung diese Maßnahmen bedauert, für so unumgänglich hielt sie sie doch. Begreiflich — denn Schule und Lehrerschaft stellen zwei jener Punkte dar, die sich dem. staatlichen Eingriff nicht entziehen können, und wo durch solche Eingriffe wirklich ins Gewicht fallende Ersparnisse zu erzielen sind. Der Ausgleich des Haushaltes aber durch Ersparnisse, wo immer sie zu finden sind, ist das dringendste und unabweisbare Gebot der Stunde. Darüber hinaus gab Hoepker-Aschofs seiner Ueber- zeugung Ausdruck, daß diese Regelung der Zurückschraubung des Niveaus der Schule und der Zahl der Lehrkräfte für die Volksschulen e i n vorübergehender Zustand sein könne, der nach Eintritt der finanziellen Gesundung durch entsprechende Maßnahmen wieder verbessert werden könne, während aber eine dauernde und starke Schrumpfung Bet den höheren Schulen als sicher anzunehmen sei, da oer ganze Apparat der höheren Schulen in derNach- krteg szeit in einer Weise ausgebaut worden sei, die auf die Dauer nicht gehalten werden könne. Es werde für die gegenwärtige Zahl von höheren Schulen und ihren Lehrkräften einfach kein Bedarf mehr da sein. Gleichwohl bleibt auch hier die Tatsache der plötzlichen unvermittelten Senkung des pädagogischen Niveaus auf das Tiefste bedauerlich und nur zu erklären durch den bitteren Zwang der Not, unter dem wir stehen.
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sogar für die hohen Gehälter, also für solche,
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Die Radikalsozialistische Partei Frankreichs tritt für Abrüstung ein.
Die Radikalsozialistische Partei hat, wie aus Paris gemeldet wird, an ihre Anhänger zu den bevorstehenden Kantonalwahlen einen Aufruf gerichtet. Das Werk der Völkewerständi- gung, fo heißt es in dem Aufruf, besonders die französisch-deutsche Verständigung, die bereit wesentliche Voraussetzung sei, beherrsche alle anderen Probleme. In einer Zeit, in der eine schwere Wirtschaftskrise alle Völker heimsuche, trage die Welt die Last von mehr als 100 Milliarden Francs für Militärausgaben. Die Radikalsozialistische Partei spreche sich heute zugunsten der allgemeinen gleichmäßigen und kontrollierten Abrüstung aus, ohne die Europa bald in den Abgrund stürzen würde. Europa müsse wählen zwischen der Einigung und dem Ruin. Der Aufruf verlangt, daß alle Kandidaten der Partei sich gegen die Verlängerung der aktiven Militärdienstzeit und gegen jede Erhöhung der Stärke der Berufsarmee ausfprechen.
Gestörte Manöver-Freude.
Die Unzufriedenheit mit den Soldherabsehungen in der englischen Flotte.
Die englische Admiralität teilt mit: Nach Meldung des Kommandanten der Atlantikflotte hat die Bekanntgabe der Soldherabsetzungen für die Marine bei einem Teil der Besatzungen Erregung ausgelöst. Infolgedessen hat man es für wünschenswert gehalten, die Durchführung des Manöverprogramms einzustellen und die Schisse wieder in die Häfen zurückzuschicken. In der Zwischenzeit sollen die Beschwerden über die durch die neue Soldregelung hervorgerufenen Härten geprüft und der Admiralität zu weiterer Beschluß- fassung zugeleitet werden.
Aus London wird gemeldet: Die englische Regierung gibt als erste der angekündigten Sparmaßnahmen eine Herabsetzung der Besoldung der in Indien stehenden englischen Soldaten auf die Basis des Jahres 1925 bekannt. Die Herabsetzung wird ab 1. Oktober für alle britischen Soldaten, ungeachtet ihres Standortes, in Kraft treten. Die in, difche Armee-wird hierdurch nicht betroffen.
CrtcheiM sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: »Die Well im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck, und Verlag der Fuldaer Acttendruckerel tn Fulda. Fernrufe: Schrift» ::: leitung 3153, Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152.
die Möglichkeit geben, sich nach und nach auf eine sparsamere Lebenshaltung einzustellen, und das ist natürlich bei Gehältern, die teilweise jenseits einer Grenze von 20 000 und 30 000 Mark liegen, durchaus möglich. Die preußische Verordnung läßt übrigens diese Vergünstigung auch solchen Bürgermeistern zukommen, die bisher das Geld nicht gescheffelt haben, und geht für ähnliche Beamtengruppen ähnliche Wege.
Den Bitteren Zwang der Not konnte auch der preußische Finanzminister D r. Hoepker-Aschoff nicht verhüllen, als er die Erläuterungen zu den nun veröffentlichten preußischen Notverordnungen gab. Wohl konnte er mit gutem Recht feststellen, daß der preußische Staat bis in das letzte Jahr hinein seinen Haushalt rechtgutin Ordnung gehabt und nach besten Kräften gespart habe. Das inzwischen entstandene Defizit des preußischen Haushaltes ist auch nicht etwa durch Steigerung der Ausgaben entftanben, sondern trotz verminderter Ausgaben durchRückgangderReichs- steuerüberweisungen und Verminderung der Ueberschüsse der preußischen Forstverwaltung, von der zu befürchten ist, daß sie binnen kurzem eine Zuschußverwaltung werden wird, nachdem sie Jahrzehnte hindurch Ueberschüsse ergeben hat. Der preußische Finanzminister wandte sich gegen den Vorwurf, daß man die Sparmaßnahmen falsch angesetzt habe, daß man vor allen Dingen erst einmal an den Abbau u n z ä h I r g er überflüssiger Behörden denken müsse. Er stellte fest, daß dieser Abbau in den letzten Jahren in aller Stille längstinAngriffgenom- men und unausgesetzt weitergeführt werde, sodaß
FuldaerZertrrng
____Anzeiger für die Stadl Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.