Einzelbild herunterladen
 

Anzeiger für die Stobt Fulda unb denOandkreis julbo. Amtliches Kreisblatt

Nr. 212

Lrjcheinl sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: »Die Welt im Bild' undBuchendlätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei In Fulda. Fernrufe: Schrist- ::: leihing 3153, Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152. n:

Dienstag, 15. September 1931.

Monatlich 1.80 einschllehl- Postgebühr (48 Pfg > ohne ^usiellg Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Col.Z lokal 0.15 RM., auswarls 0.20 RM. Reklamezeile: lokal 0.M RM., auswärts 0.80 RM Bei Wiederholungen Rabatt Pbstscheckk Franki o M 4051

lahtg. 58.

Aenderung des preußischen Wahlgesetzes.

Die preußische Sparverordnung veröffentlicht.

E. R. B. Berlin, 14. Sept. (Eig. Meld.) Die preußische Staatsregierung veröffentlicht heute in der preußischen Gesetzessammlung die Sparnot Verordnung. Die Verordnung ist fast 30Sei­ten der Gesetzesammlung lang. Ihr ist noch eine »eitere Notverordnung angehängt, durch die das preußische Wahlgesetz dergestalt geändert wird, daß für die Wahl eines Abgeordneten in Zukunft nicht 40 000, sondern 60000 Wähler erforder-

Ueberraschend kam es im Bundesland Steier­mark am Sonntag zu einem Putsch. Die amtliche Kundgebung über den Putschversuch der Haim- wehr besagt, daß Nachrichten über Bewegungen von Heimatschutzorganisationen schon am Sonntag in früher Morgenstunde in Wie neingetroffen waren. Die Mitglieder der Bundesregierung wur­den hiervon sofort in Kenntnis gesetzt. Der Innen­minister Winkler traf von der Polizeidirektion aus, wo sich auch Schober befand, die entsprechenden Anordnungen. In den ersten Vormittagsstunden fand unter Vorsitz des Bundeskanzlers ein Mini- fterrat statt, in welchem vor allem festgestellt wurde, daß die Organe der öffentlichen Verwal­tung, des Sicherheitsdienstes, des Bundesheeres und der Bundesbahnen ihren Verpflichtungen nach jeder Richtung hin nachgekommen sind. Es wurde beschlossen, alle Machtmittel des Staates einzu­setzen, um die Ruhe und Ordnung in kürzefter Zeit wieder herzustellen und gegen die Urheber der Bewegung in schärfster Weise nach den be­stehenden Gesetzen vorzugehen. Es waren Gegen­den um Kirchdorf in Oberösterreich und Gebiete von Obersteiermark, wo Heimatfchutzformationen zusammengezogen worden sind. Die amtliche Kund­gebung berichtet dann über die Proklamationen Dr. Pfriemers, indenen dieser erklärt, er sei vom Voll zum Schutz seiner Rechte berufen worden, und der Heimatschutz greife nach der Macht im Staate. In einem Erlaß hat er zudem alsStaats- sührer von Oesterreich" ein provisorisches Verfas­sungspatent bekanntgegeben, durch das die be­stehende Verfassung zum Teil außer Kraft gesetzt werden sollte. Dem raschen und geschickten Vor­gehen von Polizei, Gendarmerie und Buttdesheer gelang es noch im Laufe des Vormittags, die Bewegung in der Gegend von Kirchdorf vollstän­dig zu liquidieren. Zwei Führer der Aktion und einige Helfer wurden verhaftet und dem Gericht eingeliefert. In Obersteiermark wurde infolge Ein­treffen der Gendarmerie und des Bundesheeres in Bruck an der Mur die Ordnung wieder herge- stellt und die dem seither entgegenstehenden Hin­dernisse beseitigt. Auf Weisung des Heeresmini- sters Vangoin wurden Truppenkontingente aus Wien, Graz und Klagenfurt nach Obersteiermark beordert, mit deren Hilfe die normalen Verhält- nisse wiederhergestellt wurden. Festgestellt wird, daß "in allen Bundesländern Ruhe herrscht.

Die Bundesregierung hat verfügt, daß alle Bun- desmittisterien und Landeshauptmänner angewie­sen werden, die vorläufige Suspendie­rung alle jener B eamten, die sich an dem Anschläge des Heimatschutzes irgendwie be­teiligt haben, ungesäumt zu verfügen. Gegen die Schuldtragenden wird auf disziplinär- oder strafgerichtlichem Wege vorgegangen werden.

Bundesführer Pfriemer bricht die Aktion ab.

Die Pressestelle der Bundesführung des Heimat­schutzes Oesterreich verlautbart in später Abend­stunde folgenden Beschluß des Bundesführers Dr. Walter Pfriemers:

An alle Heimatschutzführer Oesterreichs! Die Notlage des Bauernstandes, das Elend weiter Kreise und der Arbeiterschaft sowie der schaffen­den Teil eunseres Volkes hat mich veranlaßt, einen letzten Rettungsversuch zu machen, um es vor der Auslandversklavung und Niedergang zu bewah­ren. Obwohl wir nicht nur ganz Steiermark mit Ausnahme von Graz besetzt, sondern darüber hinausgegriffen haben, breche ich, um Blutver­gießen zwischen Heimatschutz und Exekutive zu ver­meiden, die Aktion ab. Alle Heimatschutzab­teilungen haben sofort beschlossen, in ihre Heimat­gemeinden abzurücken. Mein letzter Dank als Bundesführer des Heimatschutzes gilt allen Führern und Kameraden, die gleich mir alles versucht haben, die Idee unseres Heimatschußes durchzusetzen. Ins­besondere danke ich allen steirischen Kameraden für ihre unendlichen Opfer, die sie der Bewegung brachten. Gleichzeitig teile ich mit, daß ich meine Führerstelle dem Heimatschutz zurück­gebe. Dr. Walter Pfriemer.

Bundesstaatsleiter Raucher hat seine Funktio­nen im Heimatschutz ebenfalls niedergelegt.

Die österreichische Regierung zur Auflösung der heimwehren entschlossen.

C.N.B. Wien. 14. Septbr. «Eig. Meld.) Wie dieNeue Freie Presse" erfährt, ist die Regie- rung fest entschlossen, aus den gestrigen Ereignis­sen die Konsequenzen zu ziehen und die H e i m - wehren aufzulösen und zu ent­waffnen.

*

wtb. Wien. 14. Septbr. (Eig. Meld.) Der 24- stündiqe Wahnsinn-Putsch des steirischen Heimführers Dr. Pfriemer gilt als erledigt. Zu ernsterem Blutvergießen ist es nicht gekom­men. Außer den beiden bei Zusammenstößen mit

lich sind. Die Verrechnung der Reststimmen er­folgt künftig nicht mehr nach der Schlüsselzahl 20 000, sondern 30 000. Diese Aenderung wird mit der Verordnung des Reichspräsidenten zur Sicherung der Haushalte von Län­dern rund Gemeinden begründet und tritt mit dem Tage in Kraft, an dem die nächsten Hauptwahlen zum preußischen Landtag bestimmt werden.

Heimatschützlern ums Leben gekommenen zwei so­zialdemokratischen Arbeitern in Kapfenberg sind keine weiteren Todesopfer zu beklagen. Meh­rere 100 Personen wurden verhaftet und werden sich wegen Auftuhrs zu verantworten haben. Gegen Pfriemer und den Heimwehrfüh­rer Rauter sind Haftbefehle erlassen.

Fürst Starhemberg und Ranker verhaftet.

wtb. Wien, 14. Septbr. (Eig. Meld.) Die Ruhe ist in ganz Oesterreich an keiner einzigen Stelle mehr gestört worden. Wie aus Linz gemeldet wird, sind der Bundesführer des Heimatschutzes, Starhemberg und Gutsbesitzer Coreth verhaftet und dem Gericht eingeliefert worden. Die Verhaftung der Generale Puchmeyer und Englisch-Poparic wird bestätigt. Aus Graz wird berichtet, daß Stabsleiter Rauter dort in feiner Wohnung verhaftet und dem Landesgericht eingeliefert worden ist.

Die Suche nach Dr. Pfriemer.

C.N B. Wien, 14. Septbr. (Eig. Meld.) Die Wiener Mittagszeitung" meldet aus Graz, daß Dr. Pfriemer im Auto geflüchtet ist. Er scheine bereits die i t a l i e n i s ch e Grenze passiert zu haben. Von anderer Seite dagegen wirb mit­geteilt, daß sich Dr. Pfriemer in der südlichen Steiermark aufhält.

*

wtb. Linz, 14. Septbr. (Eig. Meld.) Wie be­reits gemeldet, wurde heute früh der ehemalige Innenminister und Landesführer der Heimwehren in Oberösterreich, Fürst Starhemberg, zu­sammen mit Graf Eoreth auf seinem Schloß Hoch­scharten bei Weißenkirchen verhaftet. Star­hemberg hatte bereits am Samstag dem Bezirks­hauptmann von Efferdingen mitgeteilt, daß es wahrscheinlich in der Nacht auf Sonn­tag zu einer Heimwehr-Initiative kommen werde, der er selbst aber nicht zu­stimme. Die Behörden schließen daraus, daß Star­hemberg von dem bevorstehenden Putsch Kenntnis besaß, jedoch den Erfolg desselben abwarten wollte, bevor er eine Entscheidung treffe.

* Reichspräsident v. Hindenburg wieder in Ber­lin. Der Herr Reichspräsident ist Samstag abend, von Dietramszell kommend, mit dem fahrplan­mäßigen FD-Zug 79 wieder in der Reichshaupt­stadt eingetroffen.

* Vortrag des Reichskanzlers beim Reichsprä­sidenten. Der Herr Reichspräsident empfing am Sonntag den Herrn Reichskanzler zu einem län­gerem Vortrag.

* Glückwunsch des Reichspräsidenten an Kardi­nal Schulte. Der Herr Reichspräsident hat dem Erzbischof von Köln, Kardinal Dr. Schulte, zu feinem 60. Geburtstag in einem persönlichen Schrei­ben seinen Glückwunsch ausgesprochen.

* Prinz Leopold von Preußen gestorben. (Eig. Meld.) Prinz Friedrich Leopold von Preußen, ein Sohn des Prinzen Friedrich Carl, ist in Flatow in der Grenzmark einem Gehirn­schlage erlegen.

* Dr. Stegerwald über die Wirtschafts- und so­zialpolitische Lage. Reichsminister Dr. Steger­wald hielt in Neuenahr am Sonntag aus dem rheinischen Handwerkertag eine Rede über aktuelle Wirtschafts- und sozialpolitische Fragen.

Die französischen Angaben

über den Rüstungsfiand.

Die französische Regierung hat nun auch ihr am 15. Juli im Völkerbund überreichtes Memo­randum über den Stand der französischen Rüstun­gen durch ziffernmäßige Angaben in Form von Tabellen ergänzt. In einem Begleit­brief macht die französische Regierung darauf auf­merksam, daß diese Zahlen nicht ohne Verbindung mit dem Memorandum gelesen und interpretiert werden dürften, weil das Memorandum den we­sentlichen Teil darstellt. In dem Begleitbrief er­innert die französische Regierung an die im Memo­randum aufgeführten Gründe, warum es nicht möglich sei, Vergleiche über den taffächlichen Rü­stungsstand und den qualitativen Wert der Rü­stungen der verschiedenen Länder auf rein zahlen­mäßiger Basis anzustellen. Die französische Re­gierung betont, daß die wiedergegebenen Ziffern nicht das Programm und die Vorschläge beeinflus­sen, welche die französische Regierung auf der Ab­rüstungskonferenz von 1932 präsentieren werde.

Genf.

Beginn der Arbeiten des Genfer Wirtschaftsaus­schusses.

wtb. Genf, 14. Sept. (Eig. Meld.) Der Wirt­schaftsausschuß der Völkerbundsversammlung hat heute die sachlichen Arbeiten begonnen. Im Mit­telpunkt seiner Beratungen werden die schon aus­führlich im Europaausschuß erörterten Fragen stehen. Der Ausschuß tagt unter dem Vorsitz des belgischen Delegierten Janson. Deutschland ist durch Ministerialrat Dr. Posse vertreten.

Für das Saar-Gebiet.

wtb. Genf, 14. Septbr. (Eia. Meld.) Der Döl- kerbundsrat befaßte sich heute mit dem Anträge der Regierungskommission des Saargebietes auf Aufnahme einer langfristigen Anleihe in Höhe von 150 Millionen französischer Franken. Nachdem auf Vorschlag des Präsidenten diese bisher nicht auf der Tagesordnung stehende Frage in die Ta­gesordnung ausgenommen worden war, wurde auf Vorschlag des Berichterstatters, des Sertreters Italiens, das Finanzkomitee gebeten, das Projekt zu prüfen und dem Rat einen Bericht vor­zulegen. _

Der sozialdemokratische Parteivorstand hat den Parteiausschuß zu einer Sitzung für Dienstag, den 22. September, einberufen.

* Einmaliges Erscheinen derGermania". Die Germania", das führende Berliner Zentrums- orgon, wird ab 1. Oktober nur noch einmal am Tage erscheinen.

. * Zum Tode des badischen Staatspräsidenten. Aus Karlsruhe wird gemeLet: Die Diagnose im Institut des Krankenhauses hat ergeben, daß Prä­sident Wittemann an Typhus gestorben ist. Daraufhin hat der Bezirksarzt die gesetzlich für derartige Fälle vorgeschriebenen Maßnahmen un­geordnet und ihre sofortige Durchführung über­wacht. Aus diesem Grunde hat die Regierung die bereits durch Plakatanschlag bekannt gegebe­nen Anordnungen bezüglich der Trauerfeier getrof­fen. Der zuständige Bezirksarzt wird eine nä­here Untersuchung über den Krankheitsverlauf vornehmen und dem Staatsministerium darüber Bericht erstatten. Die Oeffentlichkeit wird davon unterrichtet werden. ' -

* Polnischer Konsul bei der Verhaftung einem Herzschlag erlegen. (Eig. Meld.) WieGazetta Warszawska" erfährt, wurde in Warschau am Freitag abend der polnische Konsul in Ham­burg, Dr. Samson Himmel st jerna, aus unbekannten Gründen verhaftet. Im Augenblick der Festnahme erlitt Himmelstjerna einen schwe­ren Herzanfall, so daß er sofort ins Spiral geschafft werden mußte. Dort ist er eine halbe Stunde nach seiner Verhaftung gestorben.

* Bor dem Ende der Prohibition? Aus New Pork wird gemeldet: Nachdem die Blätter sich be­reits seit längerer Zeit in Spezialartikeln mit der Notwendigkeit einer Aufhebung oder minde­stens einer Aenderung des Prohibitionsgesetzes aus steuerpolitischen und wirtschaftlichen Gründen befaßt haben, fordertHerald Tribüne" in einem Leitartikel nachdrücklichst einen Kongreßbeschluß, der die Wiederaufnahme des Bier brauens erlau­ben soll. Die Zeit sei- jetzt zu wertvoll, erklärt das Blatt, um eine Aenderung des Prohibitions­gesetzes abwarten zu können. Die Pabst-Brauerei in Milwaukee, die bereits mit der Möglichkeit einer Abänderung des Prohrbitionsgesetzes rech­net, hat bereits große Eetteidemengen angekaust.

Nach demEcho de Paris" hat die Heranfüh­rung eines Infanterie-Regimentes zur Verstärkung der Manöver-Truppen in der Nacht durchaus nicht geklappt. Von den erwarteten 114 Lastkraftwagen sind nur 34 Wagen eingetroffen, nachdem sie die

Seelische Abrüstung.

Von einem Berliner Parteifreund wird uns geschrieben:

Im Völkerbund hat der spanische Delegierte in die schon jetzt recht lebhafte Debatte über die Ab­rüstung einen neuen Gesichtspunkt hineingetragen, in dem er meinte, es komme nicht so sehr darauf an, ob. von zwei bewaffneten Männern der eine größer und stärker und auch noch schwerer be­waffnet sei, sondern nur darauf, daß man wisse, wer von beiden der Gendarm und wer der Bandit sei. Das klingt ganz gut, aber auf die Völker Europas sollte man diesen Vergleich doch nicht anwenden dürfen. Gibt es da überhaupt Banditen? Heute sind wir doch so weit, daß nie­mand, der seinen Verstand beisammen hat, mehr behaupten wird, 1914 seien die Staaten nach Gen­darmen und Banditen zu unterscheiden gewesen. Und heute wird das doch hoffentlich noch viel we­niger angebracht sein. Wenn wir also die Ban­diten ausschalten und den Völkern nur ehrliche und berechtigte Polizeiabsichten zutrauen, bann kommt es ganz gewiß nicht auf die Schärfe und Schwere der Bewaffnung an. Ja, wenn man den Vergleich zu Ende denkt, wird man sagen müssen, daß es auf die Bewaffnung, die Rüstung über­haupt nicht ankommt. Schaffen wir die Waffen ob, fo können wir es auch mit einem Banditen, wenn ein solcher auftreten sollte, aufnehmen. Mann gegen Mann.

*

Man wird, da es sich um Völker handelt, sa­gen müßen: Geist gegen G e i st. Und so liegen in der Tat gegenwärtig die Dinge. Brüning hat vor einigen Monaten den Franzosen -durch den Rundfunk zugerufen, wir mußten die Vergangen­heit seelisch überwinden. Das ist es. Wir müssen vergessen, daß wir vier Jahre lang gegeneinander im Felde lagen und einer dem andern zu ver­nichten trachtete. Aber Briand hat das, wie seine Rede am Freitag erkennen ließ, noch nicht vergessen, obwohl er immer wieder von sei­ner Europa-Idee spricht und so tut, als ob das Friedliche sich von selbst verstünde. Solange er die Sicherheit vor die Abrüstung stellt, kommen wir in der Befriedung nicht weiter. Abrüstung ist Sicherheit, aber Sicherheit, wie die Franzosen sie auffassen, ist immer Gefahr. Briand scheint es Ab. rüftung zu nennen, wenn Frankreichs Heere fünf oder zehnmal so stark sind wie die deutsche Reichs­wehr. Das mag in der Tat französische Sicher­heit fein, aber für Deutschland ist es Un- s i ch e r h e i t, Bedrohung und Hemmung. Erst wenn die' Rüstungsverhältnisse fo gegeneinander­abgestimmt sind, daß aus ihrer materiellen und zahlenmäßigen Gleichwertigkeit die Sicherheit er­wächst, erst dann hört die Bedrohung auf,- erst dann können die Völker zu einer produktiven Ar­beit kommen.

*

Frankreichs bisherige Haltung zeugt von einer moralischen Ueberheblichkeit, um die wir es nickst beneiden. Es läßt ganz un­mißverständlich seine Ueberzeugung erkennen, daß Deutschland gegenüber nur Bewaffnung bis an die Zähne das Gefühl der Sicherheit erzeugen kann, während wir ruhig auf jede Rüstung über­haupt verzichten dürfen, weil ja unser Gegner, Frankreich, zwar uns vielfach an militärischer Kraft überlegen ist, von seiner Ueberlegenheit aber auf sein einfaches Wort hin keinen- Gebrauch macht. Hier tritt an die Stelle der Politik die Naivität. Die Franzosen vergessen, daß sie uns nicht gut ein höheres Maß von Vertrauens­seligkeit unterstellen dürfen, als sie selbst besitzen. Der jahrhurcherte alte Gegensatz zwischen Deut­schen und Franzosen, den es auszugleicben gilt, hat einige Punkte, die sich begründen lassen, und wenn wir schon für uns nicht in Anspruch nehmen, im Laufe der Geschichte immer und in allen un-

150 Kilometer lange Strecke zurückgelegt hatten. Ein ganzes Bataillon auf Lastkraftwagen hatte sich in der Dunkelheit verirrt.

Manöver, bei denen alles klappt, gibt es also heute ebenso wenig wie früher.

Gescheiteter putsch in Oesterreich.

Wahnsinns-Tok eines österreichischen Heimwehr-Aührers.

Sie französischen Hecbslmanöoer auf Dem Gelände der Marne-Schlacht.

Panzerwagen aus Raupenschlewern in einer Geländemulde der Champagne.

wz UZx.

KUS« jTi *

, . s % Sr»

j»'% V"3

Die französischen Herbstmanöver, an denen sich drei Devisionen mit modernsten technischen Ausrüstungen beteiligten, haben diesmal auf dem Gebiet der Marne-Schlacht fast genau 17 Jahre nach dem furchtbaren Ringen stattgefunden.