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Beilage zur Suldaer Zeitung

NILS

13. September

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16. Sonntag nach Pfingsten.

Eingangslied Pf. 85, 3 und 5.

Erbarme dich meiner Herr, ich rufe zu dir den ganzen Tag. Denn fcu, o Herr, bist gut und mild und reich an Gnade für alle, die dich anrufen. (Pf. ebb. 1) Neige, Herr, dein Ohr zu mir und erhöre mich; denn hilflos bin ich und arm.

Epistel: Lph. 3, 13—21.

Brüder! Ich bitte euch, werdet nicht mutlos wegen der Drangsale, die ich für euch leiden muß; sie gereichen ja euch zum Ruhme. Darum beuge ich meine Knie vor dem Vater unseres Herrn Je­sus Christus, von dem jede Vaterschaft im Him­mel und auf Erden ihr Dasein hat, er möge euch nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit verleihen, daß ihr durch seinen Geist dem inneren Menschen nach erstarket, daß Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne und ihr selbst in der Lieb« festgewurzelt und festgegründet seiet. So werdet ihr mit allen Heiligen begreifen können die Breite und Länge, die Höhe und Tiefe; werdet auch die Liebe Christi verstehen, die alles Erkennen über­steigt und so mit der ganzen Fülle Gottes erfüllt werden. Ihm aber, der all das vermöge der Kraft, die in uns wirksam ist, vollbringen kann, weit mehr, als wir erflehen oder erdenken können, ihm sei Ehre in der Kirche und in Christus Jesus durch alle Geschlechter von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Evangelium:

Der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden.

Die Aalschheik.

Betrachtung zum Sonntagsevangelium.

Das Wort Falschheit sagt uns schon, daß etwas verkehrt ist, daß etwas falfd) gemacht wird, daß etwas Richtiges verdreht worden ist. Falschheit verkehrt das Richtige ins Gegenteil, macht das Gute böse. Die Falschheit geht auf krummen, versteckten Wegen, um den Nächsten, der nichts Böses ahnt, zu überlisten.

So sehen wir sie um den Heiland sitzen mit freundlichen Mienen, die Pharisäer, die Schein­heiligen, die alles richtig machen und deren Her­zen doch ob der Eitelkeit ihres Tuns nichtig sind. Sie sitzen um den Heiland wie seine eifrigsten An­hänger und Zuhörer. So sind sie ihm gefolgt, ha­ben sich um ihn gedrängt, um sich keines seiner Worte entgehen zu lassen. „Sie geben genau auf ihn acht": Aber nicht, um die Heilandslehre tief in ihrs Herzen zu senken, sondern um den Heiland in seiner Rede zu fangen.

Wie hier liegt die Falschheit immer a u f der Lauer. Dazu gehört Schlauheit und Freundlichkeit, damit die Nachbarin nicht merkt, daß es eigentlich gar nicht von Herzen kommt, daß man sich so freundlich mit ihr unter­hält. Mit schönen Worten wird nicht gespart und oft viel mehr Mühe aufgebracht als bei der Vor- bereitung auf die Beichte, da es gilt sich selbst zu erforschen. Es ist ja auch viel angenehmer, den anderen auszuhorchen, und die Neugierde kommr dabei auf ihre Kosten. Die Ausgehorchte glaubt, jemand gefunden zu haben, bei dem sie sich einmal aussprechen kann. Sie hat eben zu allertiefst im Blick ihrer eifrigen Zuhörerin nicht das Lauern ge­sehen, die Falschheit, die nachher das Vertrauen mißbraucht und Geheimnisse weitererzählt. „Sie hätte es mir ja auch nicht zu erzählen brauchen", heißt es nachher. Aber dabei wird vergessen, daß manches sich erst dann von der Seele löst, wenn es durch die Sprache aus dem Innern gelöst wird. Und mancher Mensch entbehrt eines Vertrauten, dem er sich aussprechen könnte und verliert sich

dabei. Eine geplagte Seele anzuhören ist ein Werk der Barmherzigkeit wie jedes an­dere auch. Aber das Schweigen auf der anderen Seite gewährt erst den Trost.

Vielleicht fühlst du dich nicht im geringsten be­troffen und nimmst es für dich in Anspruch, nicht zu den Falschen zu gehören. Aber du befürchtest von anderen Falschheit und Hinterlist. Dein Arg­wohn ist immer wach und es ist dir fast nicht möglich, dich in ein Gespräch mit Bekannten oder Verwandten einzulassen ohne zu befürchten, man wolle dich aushorchen. Woher stammt dieser Arg­wohn in dir? Das Sprichwort sagt es schon: „er schließt gern von sich auf andere". Was man selbst gern tut, das schiebt man andern zu. Der Arg­wohn hat also dieselbe Wurzel wie die Falschheit. Sie glauben beide an das Böse im Menschen, an

Vonlsaliusverein aus

Unter den mehr als 90 Versammlungen, die sich auf dem Nürnberger Katholikentag in den wenigen Tagen zusammen drängten, war selbst­verständlich auch eine große Kundgebung des Bo- nifatiusvereins. Mochte auch die Sorge um das tägliche Brot und den drohenden Winter auf dem Katholikentag diesmal im Vordergrund ste­hen, so konnte der Bonifatiusverein als Anwalt der seelischen Not doch den nächst der Festhalle größten Saal Nürnbergs füllen, obgleich drei an­dere große Versammlungen gleichzeitig stattfanden. Die zum Katholikentag kommen, sind eben zu in- nerst überzeugt, daß alle Wohlfahrtsbestrebungen ihre Ergänzung finden, ja ihre Voraussetzung ha­ben in der Heilung der Seele, wie auch St. Eli­sabeths Liebeswirken keineswegs bloß dem Leib, sondern vor allem der Rettung der Seele galt. In Nürnberg durfte der Bonifatiusverein sich mit doppeltem Rechte hören lassen, weil die Nürnber­ger Diaspora zumal in den ersten Jahrzehnten des Aufstiegs ein Schmerzenskind des Vereins gewesen ist. Im Laufe der Jahre sind 625 042,50 Mark aus den Kassen des Bonifatiusvereins nach Nürnberg geflossen. Wenn die 130 000 Katholiken von Nürn- berg heute über 12 Pfarreien und 1 Kuratie ver­fügen, so hat an diesem stattlichen Ausbau des ka­tholischen Lebens der Bonifatiusverein tatkräftig mitgewirkt.

In der Bonifatiusverfammlung sprach Dr. Konrad Gröber, der Bischof der Nachbardiözese Meißen, die soviele bayrische Katholiken in sich ausgenommen hat. Dieser Oberhirte, der aus rein katholischer Gegend in die Diaspora, ins rote Sach­sen entsandt wurde, er sprach aus dem Leben, aus dem Schmerze seines priesterlichen Herzens, dem der Gegensatz zwischen seiner früheren Heimat und dieser Fremde, in der jeder Katholik ein Fremd­ling bleibt, ans Herz gegriffen hat. Dor drei Jah­ren hörten wir Prälat Gröber auf der General­versammlung des Bonifatiusvereins zu Mainz. Damals war es mehr die starke Sprache des Ge­fühls, mit der er seine Zuhörer ergriff. In Nürn­berg wirkte der bischöflich« Redner mit dem harten Worte der Tatsachen. Auf Elisabethpfaden führte er seine Zuhörer in die Diaspora und zeigte in vielen Bildern vom heiligen Opfer des Diaspora­katholizismus, in erschütternden Bildern vom hei­ligen Opfer in Baracken und Tanzlokalen, von der zermürbenden, an Enttäuschungen reichen Arbeit im steinigen Acker dieser Diasporapfarreien, von den Opfern der glaubenstreuen Brüder, die ge­bracht werden, allein schon, um am heiligen Op­fer in der Armut teilzunehmen.

Wer konnte es ohne Weh im Herzen anhören, welche furchtbaren Wunden die Mischehen dem I

eine böse Absicht beim Reden, Denken und Tun. Argwohn und Falschheit aber machen unwahr, weil man ja immer seine wahre Gesinnung ver­bergen muß.

Aber viele Menschen merken das nicht einmal. Und so wird ihr Umgangsverkehr mit den Men­schen nach und nach zu einer Kette voll Unehrlich­keit, weil ihr Ton spielerisch freundlich ist. Sie sind mit jedem Menschen freundlich und meinen es doch mit keinem herzlich, weil sie doch an jedem etwas zu nörgeln haben. Aber das sagen sie erst nachher und int engsten Kreise. Und dabei glau­ben sie bei dem Herrn einen wohlverdienten Eh­renplatz beanspruchen zu dürfen. — Sieh zu, daß du nicht zu ihnen gehörst, sei wohl höflich aber nicht freundlicher als du bist, damit der Herr dich nicht einst von einem Platz der Scheinheiligkeit zu verweisen braucht.

dem kalhollkenlage.

Diasporakatholizismus schlagen, wieviele religiöse Gleichgültigkeit aus ihnen erwächst, und wie we­nig« Kinder in den Glauben hineinwachsen dür­fen, weil die Eltern di« Unveräußerlichkeit ihres Glaubensgutes in ernster Stunde nicht sahen und die Versprechungen Hinnahmen, de sie nicht halten konnten.

Das ober war das ernsteste Wort dieses bischöf­lichen Redners: Die leibliche Not, die auch in der Diaspora riesengroß ist und gerade unter den im Kampfe um das Brot aus katholischer Heimat Zu­gewanderten herrscht, wird unerträglich, wenn der Glaube keine Stütze findet in der Gemeinschaft, in der Freude am Gottesdienste, in der erlebten Zu­gehörigkeit zur Kirche. So lag unausgesprochen über diesem Ruf der Diaspora der Gedanke, daß die Sorge um die Seelen der Diasporabrüder und -schwestern zugleich Sorge um ihre leibliche Be­drängnis ist. Der ganze Mensch leidet erst dann, wenn die Seele ihres inneren Haltes beraubt wird.

Das andere ober, das sich die Katholiken aus dieser Rede besonders merken müssen, ist der bi­schöfliche Warnungsruf: Wenn das kommende Reichsschulgesetz die konfessionelle Schule verschwind en läßt, dann ist in der Diaspora der katholische Nachwuchs, der trotz der Mischehe noch bleibt, auf das ärgste gefährdet.

Tröstlich war. was Bischof Dr. Gröber auch von der Intensität des katholischen Lebens in der Diaspora sprechen konnte, und der Dank des Dia­sporaoberhirten an den Bonifatiusverein — zu­gleich eine Mahnung an alle Katholiken, diesem Mittel zu geben, weiterzuhelfen, gewissermaßen Buhnen hineinzubauen in die rote Brandung des Ostens, an denen neues christliches Land ansetzen kann, wie im Kampf um die meerumbrandete Küste.

Zenkrale gegen den volschewlsmus.

Der Bolschewismus steht drohend vor den To­ren Deutschlands. Die Gefahr der bolschewistischen Verseuchung wird bei der wirtschaftlichen Not unse­res Volkes im kommenden Winter besonders groß werden. Aus dieser Erkenntnis heraus hat die Zentrale des Volksvereins für das ka­tholische Deutschland, von der aus in den letzten Jahren bereits der Kampf gegen Bolsche­wismus und Freidenkertum über ganz Deutschland organisiert wurde, beschlossen, eine eigene For- schungs-, Informations- und Auskunftsstelle, über Bolschwismus, Gottlosenbewegung und Freiden­kertum zu errichten. Diese Stelle steht unter der

Leitung der apologetischen Abteilung der Volk», vereinszentrale, die über das neueste und zuver­lässigste Material verfügt und bisher schon mehrere tausend Auskünfte über diese Fragen erteilt hat. Sie wird mit den entsprechenden kirchlichen und staatlichen Behörden und besonders mit Fachkrei­sen auf katholischer und nichtkatholischer Seite des In- und Auslandes in ständiger Fühlung fein. Da die Zentralstelle des Bolksvereins auch über wissenschaftliche Fachreferenten des wirtschaftlichen, sozialen und staatspolitischen Gebens verfügt und mit den Fachkreisen dieser Gebiete in dauernder Beziehung steht, werden auch Auskünfte über nicht- religiöse Fragen seitens der neuerrichteten Infor- mations- und Auskunftsstelle erledigt. Die Aus­kunftsstelle steht allen Kreisen zur Verfügung; di« Erledigung der Auskünfte erfolgt kostenlos. Adresse: Zentrale des Volksvereins für das katholische Deutschland, Abteilung: Auskunftsstelle über Bol­schewismus M.-Glaöbach, Volksvereinshaus.

Die Zentrale des Volksvereins wird ferner durch ihre Ortsgruppen den Christkönigssonntag dieses Jahres unter den Abwehrkampf gegen den Bol­schewismus und die Gottlosenbewegung stellen. Sie bittet das ganze katholische Deutschland, in diesem Sinne mit ihr zu ziehen. Sie wird allen Pfarr­ämtern das Material frühzeitig zustellen und auch ein eigenes Flugblatt gegen Bolschewismus und Freidenkertum zum Christkönigssonntag herausgr- ben.

Ser Katholizismus in Oesterreich.

Prälat Dr. Alois H u d a l hat uns ein Buch ge­schenkt, das uns bisher fehlte. Es ist bekannt ge­nug. welche Propagandakraft das marxistische Wien entfaltet. Wir wissen auch, welch schwere Kämpfe altösterreichische Art zu bestehen hat. Was wir aber auch nicht kannten, das ist der Umfang der Leistungen des Katholizismus im heutigen Oester­reich, und eben darüber berichtet dieses Buch, an dem seine Eminenz Friedrich Gustav Piffl und ein Stab von Fachleuten mitgewirkt haben. Einst, weilen müssen wir uns mit einer Anzeige begnü­gen und mit einer warmen Empfehlung, möchten aber doch auf eine Lücke aufmerksam machen, die bei der Neuherausgabe ausgefüllt werden muß. Vergeblich nämlich suche ich in dem Buche etwas über das weltberühmte Werk Mörzingers, des österreichischen Kinderfreundes. Es war mir einmal vergönnt, bei diesem bescheidenen Manne draußen zu weilen, was einen unauslöschlichen Eindruck auf meine Seele hinterlassen hat. Es gibt nur einen Prälaten Mörzinger auf Erden, un6 der wohnt in Wien. Man kann ihn in diesem Werke nur vergessen haben, wie man das Selbst­verständliche vergißt. Es wird Mörzinger nicht schmerzen, aber es ist schade wegen der Sache. Man braucht nicht mit jedem Schritt und mit jeder Me- thode dieses ganz eigenartigen modernen Apostels einverstanden zu sein. Aber wer spürt nicht jenen mystischen eucharistischen Zug. der von all seinem Tun und von ihm selber ausstrahlt? Man muß wohl lange in der Geschichte suchen, ehe man jemand findet, der so um das göttliche Geheimnis der Kinderseele weiß. Schon die Ziffern sprechen, die 130 000 des Wiener Kirchenblattes, die 130 000 des Iugendkirchenblattes, die 230 000 des Kinderkir­chenblattes. die 360 000 des Jefustages. Sein Firmbüchlein hat 350 000 erlebt, und manche fei­ner kleinen Schriften haben die halbe Million über­schritten. Der Osservatore Romano hat mehrfach auf das Wirken dieses modernen Großstadtapostels hingewiesen, dessen Name im goldenen Buch der Karitas geschrieben steht. Die bescheidenen Oester­reicher, dachte ich, die eine solche Perle uns ver­bergen. Im übrigen wird gerade solch ein Buch dazu beitragen, die Beziehungen zwischen den deut»

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mit dem

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wurde ersichtlich. „Haben wir das Recht, vom Indu­striellen zu verlangen, daß er sich selbst vernichte? Aber kein Generaldirektor sollte in diesen Tagen ruhig sein können", sagte Joos. Und ihm blieb kein anderer Aus­weg, als den Einzelnen zur persönlichen Liebestat zu verpflichten. Das ist gewiß sehr wichtig und macht uns vielleicht mutig für die Zukunft. Aber die Krise des Kapitalismus bleibt auch für uns noch eine zu lösende Aufgabe.

Bei all dem Ernst hat auch der Humor sein Recht. Denn wir würden sonst das Leben in seiner Schwere nicht tra­gen können. Im großen Festsaal war es bei der Rede des Dominikaners Vetter, eines der besten Red­ner unserer Zeit; er sprach über Ehenot und christ­lichen Geist Und während der Redner — bei sehr mäßi­ger Lautsprecherwiedergabe, die Nürnberger Technik war nicht gerade auf der Höhe — den bolschewistischen Ver­such zur Erneuerung des Menschen dem christlichen ge­genüberstellt, kommen sie herein zu den Seitentüren, huschen zwischen den Gängen hin und rufen: „Frische Brezen! frische Brezen!" Keiner der Ordner wehrt ih­nen, sie gehören als Selbstverständlichkeit auch zu den ernsten Versammlungen hinzu mit ihren salzigen Bier- bretzeln in den großen geflochtenen Körben. Und ein Brezenverkäuser arbeitet sich vor zur Sänger- und Red- nerterraffe, der Festredner spricht von der Schuld des chrisllichen Abendlandes, das feine Sendung nicht wider die Diesseitigkeit der Aufklärung und des Kapitalismus begriff: „Die radikal gottlose Linie des heutigen Bol­schewismus ist im Grunde nur die restlose Konsequenz aus den antichristlichen Linien des sogenannten christ­lichen Abendlandes." Und während er so spricht, wer­den hinter ihm frische Brezen verkauft, der Verkäufer kommt in die Nähe der Minister- und Bischofssitze — und mancher Sänger knnvpert im Hintergrund einen Brezen. Vielleicht ist der Verkäufer ein armer Erwerbs­loser, jedenfalls ist chm fein Profit zu gönnen. Aber so ein bißchen Ironie steckt doch dahinter: man hört sich die Worte geruhig an und das Leben bleibt wie es war . . . Mag fein, daß ich die Dinge auch zu ernst nehme und nicht genug Sinn für bayerische Sitten habe: auch am anderen Morgen während der Festpredigt im Sta­

dion konkurrierten die Brezen mit dem geistigen Brot: „Frische Brezen gefällig!" so ging der Brezenjunge durch die Reihen.

Geklatscht wurde in Nürnberg auch tüchtig. Das ge­bärt ja zum Wesen von Festversammlungen. Auch Per­sönlichkeiten wurden bei ihrem Eintritt lebhaft auf solche Weise begrüßt. Es war im hohen schönen Rat­haussaal. Nichtsahnend trat Altreichskanzler Marx ein und gleich empfing ihn ein starkes Händeklatschen. Seine Antwort war entschieden christlich, aber sie wurde nur von den Allernächsten gehört. „Blech! Blech! Blech!" murmelte er vor sich hin. Er hatte ja auch recht, denn für den Christen geziemt es sich, daß er an jedem Platz seine Arbeit voll und ganz tut, ob er Tagelöhner oder Minister ist. Mitunter scheint es ja so, ob wir zuviel Wert auf Amt und Würde der Person legten. Und Marx „Blech! Blech! Blech!" hat mir da wirklich im­poniert. — Aber Marx sollte mit dieser Huldigungsab­lehnung nicht weit kommen. Er ging vor auf die Red­ner- und Ehrengästetribüne und suchte sich ganz im Hin­tergründe einen verschwiegenen Platz. Aber der Zusall wollte es, daß Joos in der Versammlung dem Gründer der Schulorganisation einen Lobvers gingen wollte. Hatte da auf dem Stuhl einmal ein König gesessen und gleich ging es los: „Hier im altehrwürdigen Königs­stuhl Ludwigs sitzt er, unser erlauchter König der Schul­organisation, auf dem Sessel, der eigens für ihn be­stimmt scheint. . ." Marx war überrumpelt, er mußte die Huldigung durch eine Verbeugung erwidern — aber eine Minute später war der Stuhl leer!

Arn Abend des letzten Katholikentages saß ich mit einem einfachen Mann vor einer bescheidenen Wirtschaft. Er trug das Festabzeichen. Ich fragte ihn, wie es ihm gefallen habe: „Wenn ja alles in die Tat umgesetzt wird, was da geredet wurde, dann rnags gut fein." Der Mann hatte recht und er hätte noch hinzusagen können: Wenn die Armenspeisung im Land ständig von denen die es können, fortgesetzt wird, bann war ihr Anfang in Nürnberg nicht umsonst.

als eines der Breite. Ernst waren die Beratungen und Auseinandersetzungen; denn der Katholizismus unserer Tage sicht einer tiefgreifenden Gegenbewegung gegen­über. Vielleicht haben wir in vergangenen Zeiten zu­viel mit dem Verstand gefochten und zu wenig mit der Tat, die in der Siebe ihre Wurzel hat. Heute ahnen wir, daß wir nicht berufen sind, Haß mit Haß, sondern mit Liebe zu erwidern. Ich glaube, daß der Erfolg für die Achtung unserer Weltanschauung in glei­chem Maße wächst, wie unsere Liebe wächst. Freilich Feindesliebe ist die schwerste Forderung des Christen­tums, aber zugleich auch die tiefste und daher reifste. In den Arbeitsgruppen wurde nicht angeprangert, sondern beraten, wie der Familie, der Ehe, der Bildung des Volkes durch liebende Hilfe zu begegnen fei. Dort wo überzeugte Menschen fremder Anschauungen stehen, muf­fen wir sie ernst nehmen. Dann können wir auch ein Ohr finden, das auf uns hört.

Die Schwierigkeiten der Gegenwart kommen für uns Katholiken weniger aus der Eigenart unseres Be­kenntnisses als aus der Schwache feiner Bekenner. Würden wir dem Evangelium enffprechender leben, so würde unsere Stellung weniger angefochten sein. In diesem Sinne sprach Pater Muckermann zu dem Studie­renden über „die Ethik des Evangeliums". Trotz gutem Kirchenbesuch, trotz religiöser Ruhe haben wir den Ka­pitalismus soweit treiben lassen. Nicht die Form der Gesetzerfüllung entscheidet, sondern der Geist. Wir lie­ßen uns trotz unserer religiösen Hebung vom Zeitgeist erfassen. Wir trennten mit dem Liberalismus Wirtschaft und Person, und doch kann niemand auf die Dauer zwei Herren dienen. Wir glaubten die Quellen der Gnade erschöpft zu haben, wenn wir zum Altar traten, aber wir trugen sie nicht über die Kirchenschwelle hinaus ins Leben. Wir verließen uns auf die Organisationen als Heiser und übersahen die Notwendigkeit der Tat an den Menschen unserer Umwelt. Die Lehre des Evan­geliums aber ist ein Wegweiser zur Tat, zur Hilfe, zum Geschehen im Augenblick. — Joos sollte die praktischen Folgerungen aus Muckermanns Rede ziehen. Und da wurde es einem klar, wie wir doch noch immer vor den Entscheidungen stehen. Aber auch die Schwere her Sage

Nürnberger Aufnahmen.

Augenblicksbilder vom Katholikentag.

Standen da zwei kleine Jungen im Menschengewirr der Umsteigstelle der Straßenbahn und unterhielten sich. „Du, gehscht morgen auch hin zum Stadion?" — „Ach nee, da sin mir zu viel Leut!" sagte der andere und schüttelte den Kopf. Aber der erste ist darob entrüstet' „Wenn jeder so denken wollt, wär am End morgen kei­ner da." — Aber es waren mehr da, als sich der Bub hatte träumen l-men Hnynterbrorben fluteten die Vereine herzu. Die Ordner hatten gerade keine ange­nehme Arbeit. Weit schließt sich der Rundbau des Sta­dions mit feinen ansteigenden Terrassen zum Ring. Fah­nen flattern auf den Emporen und unten auf der saft­grünen Rasenfläche sammeln sich die Vereine mit ihren Hunderten von Wimpeln und Fahnen. Aus dem Laut­sprecher tönt das Glockengeläute einer fernen Kirche. Eine Mädchengruppe kommt mit Blumenkränzen im Haar. Militär marschiert mit feierlichem Bläsermarsch auf. Nonnen mit weißen Stirnbinden und schwarzen Gewändern stellen sich zur Seite des Festaltars auf. Studenten in Wichs folgen. Immer mehr füllt sich Per Raum. Die ansteigenden Terrassen sind dicht besetzt.

Der Festgottesdienst beginnt. — Und doch fällt das Beten schwer. Der Raum mit dem offenen Himmel da- rüber lenkt ab. Eine Bergpredigt hatte einige Tausend Zuhörer. Hier aber ist das Hunderttausend wohl überschritten. Technik ersetzt das, was der menschlichen Stimme nicht mehr gelingt: der Lautsprecher übermittelt das Wort. Auch die Größe der Technik ist bewunderns­wert, aber ein Gottesdienst in der geschlossenen Kirche läßt den Menschen ergriffener werden. Vielleicht er­geht das aber mir nur so. Mag sein, daß mir das Emp­finden für derartige Massenfeiern nicht liegt . . .

Ein Dichter schrieb einmal den Satz in ein Tage­buch: Alles Große geht durch die Stille. So ist es auch auf den Katholikentagen. Ihr Schwerpunkt liegt we­niger in den großen Kundgebungen, als in der stillen Arbeit der Gruppen der Vortage. Das entspricht ja auch unserem Bekenntnisse: es ist mehr ein solches der liefe

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