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FuldaerZertung

Nr. 210

Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

(frtoeint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: ^Dle Welt im Bild" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- . leitunq 3153, Fuldaer Actiendruckerel 3151 und 3152. :::

Samstag, 12. September 1931.

Monatlich 1.80 einschließl. Postgebühr (48 Psg.j ohne .tzuftellg SnZe'gen-Preise: Kleinzeile (Col.) lokal 0.15 RM auswärts 0;2° RM. Reklamezeile: lokal 0.60 RM., auswärts 0.80 RM Bei Wiebe,-hnliinaen Rabatt Polilcheckf Frank' a M 4051

lahrg. 58.

Briand spricht in Gens.

Der französische Außenminister zur deutsch.frauzöfischeu Ver­ständigung. Oie Abrüstnngsfrage. Für den Völkerbnnd. Gegen den Krieg.

wtb. Genf, 11. Sept. ((Fig. Meld.) Heute, am Freitag, sprach der französische Außenmini­minister. Nach einleitenden Worten kam Briand auf die Weltwirtschaftskrise zu sprechen.- Wenn es wahr ist, so führte er aus, daß die Völker eine Krise durchmachen, so wäre es ungerecht den Völkerbund dafür verantwortlich zumachen. Die Krise ist

zuerst eine Folge des Krieges.

Andere Ursachen,-die ich nicht aufzählen kann, ha­ben mitgewirkt. Nach dem Kriege wurden die Völ­ker von einer frenetischen Arbeitslust befallen. Sie haben produziert, ohne Methode, ohne Geist der Zusammenarbeit. Plötzlich ist man vor einer anar­chischen Lage, die Länder können die Waren nicht mehr absetzen. Man sucht nach Mitteln. Man geht an den Völkerbund, der einspringen soll.

Der Völkerbund kann aber nicht wunder wirken.

Der Völkerbund kann nicht eine wirtschaftliche Selbstschöpfung vornehmen. Man gibt heute überall zu, daß der Mangel an Solidarität die Krise verursacht hat. In solchen Augenblicken des Niederganges denken die Gegner des Völkerbundes, daß die Stunde günstig sei, um gegen ihn vorzu­gehen. Die Gründer des Völkerbundes haben unter viel schlimmeren Verhältnissen gearbeitet, sie haben gegen Zweifel und Ironie kämpfen müssen. Der Völkerbund hat sich aber nach und nach Vertrauen erworben. Er ist jetzt fest genug, um den Kampf aufzunehmen.

wenn der Völkerbund unter Mißtrauen fallen sollte, so würde die Geschichte der Menschheit heil eine schwarze Seite aufweisen.

Die Völker wollen, daß der Völkerbund daran arbeitet, die Kriegsgefahren zu vermindern. Wenn man die jährlichen Berichte sieht, müßte man un- --recht sein, wollte man dem Völkerbund vorwerfen.

habe seine Aufgabe nicht erfüllt. Letztes Jahr hat der Völkerbund große Probleme erledigt. Un­ter seinen Auspizien gab es

Zusammenkünfte von Staatsmännern, wie gestern in Italien, in England, morgen in Deutschland. Dank des Völkerbundes haben diese Zusammenkünfte stattfinden können.

Es wäre nicht gut, wollten gewisse Nationen sich isolieren, um gewisse Probleme zu behandeln, die den ganzen Völkerbund angchen. Die moralische Seite der Lage ist von großer Bedeutung. Das ideologische Element hat oftmals größere Wichtigkeit als das materialistische.

Wenn Völker sich bekämpfen, so leidet die ganze Welt an einem Uebel, das sich auf Handel -und

Wandel ausdehnt.

Neulich hat man in Genf etwas im moralischen Sinne geschaffen: ein Manifest der Genfer Staats­männer, in dem diese das Vertrauen in den Frie­den ausgesprochen haben. Dieses Manifest hat eine große wirtschaftliche Besserung verursacht. Wenn zwei große Völker wie das deutsche und das franzö­sische seit 5 Jahren die Verständigung und An­näherung gesucht haben, so war dies nur möglich in der Athmosphäre des Völkerbundes. Ich rechne es mir zu großen Ehre an, an dieser Annäherung mitgearbeitet zu haben. Auch Großbritannien hat nie aufgehört, an diesem Versuch der Annäherung der beiden Völker mitzuarbeiten. Was an An­näherung erzielt worden ist, ist dank des Völker­bundes erzielt worden.

Sn dieser Periode der Bemühungen um die An­näherung habe ich oft gegen Widerstände in den Leiden Ländern kämpfen müssen.

Ich habe einige Rückschläge erfahren. Doch dies darf nicht Staatsmänner in ihren Bemühungen hin­dern. Morgen werden die französischen Staats­männer nach Deutschland gehen, ich hoffe, daß diese Zusammenkunft glückliche Folgen haben wird. (Bei­fall.) Man muß aber alles vermeiden, was das Vertrauen trüben könnte. Wenn zwischen den Völ­kern Vertrauen herrscht, wenn man weiß, daß man ein Interesse daran hat, im internationalen Geiste zu handeln, so wird ein großer Fortschritt erzielt werden!

.Im Rahmen des Völkerbundes hat sich die eu­ropäische Kommission zusammengesetzt und es ist ihr bereits gelungen, einige Ergebnisse zu erzielen. Briand verwies dabei auf die l a n d w i r t sch a f t- lichen Länder Mitteleuropas, die Behebung der Absatzschwierigkeiten und die Erleichterung der Kreditschwierigkeiten.

Er fuhr fort: Man darf natürlich nicht die Europakommission herausnehmen aus der Arbeit des Völkerbundes, sondern die Europakommission muß im Rahmen des Völkerbundes arbeiten, ein Kind des Völkerbundes fein.

Jetzt müßte ich auf den Gegenstand eingehen, der Sie alle am meisten beschäftigt. Ich soll

von der Konferenz über die Beschränkung und die Herabsetzung der Rüstungen

sprechen. Frankreich denkt nicht daran, diese Kon­ferenz zu vertagen. (Beifall.) Frankreich wird nichts in diesem Sinne unternehmen.

Venn die Konferenz nicht zustande kommen sollte, hätte der Völkerbnnd Konkurs angemeldet.

Der Gedanke der Abrüstung hat große Fort­schritte in der Welt gemacht. Frankreich hat alles

getan, um seine Rüstungen zu vermindern, der Ab- rüstungsgedanke hat gegen große Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt. Jedesmal hat aber Frank­reich das feinige getan, um die Konferenz zu ret­ten. Jetzt ist der Termin festgestellt: Man muß dort sein. Was die Urheber des Völkerbundes wollten, war der Friede, der sichere Friede. Wenn der Friede gesichert sein wird, dann werden die Rüstungsausgaben unnötig sein. Die Völker wer­den dann

durch Schiedsgerichtsbarkeit.

nicht durch Waffengewalt ihre Gegensätze austra­gen. Es ist nicht zu leugnen, daß Fortschritte in diesem Sinne erzielt wurden.

Die Völker wollen den Frieden, sie wollen den Frieden, weil sie in Ruhe arbeiten wollen.

Man kann hoffen, daß die Februarkonferenz zu konkreten Ergebnissen kommen wird. Frankreich hat an der Formel eines allgemeinen Schiedsge­richtsabkommen mitgearbeitet und hat dieses Ab­kommen unterzeichnet. Ich hoffe, daß alle Natio­nen diesem Beispiel folgen werden. Die Sicherheit ist ein Wort, um das man gestritten hat. Man sagt, daß die Leute, die es gebrauchen, dies tun, um nichts zu tun. Dieses Wort ist aber im Völker- bundsstatut zu finden.

Ich habe alles getan, um die Sicherheit zu er­höhen.

Da der K r i e g fast als e i n Verbrechen qebrandmarkt worden ist, vorher war er etwas normales ist ein großer Fortschritt erreicht. Es bleiben aber Fälle, wo der Krieg doch stattfinden kann. Dies ist eine Tatsache. Der Völkerbund hat "ersucht, diese Ungewißheit zu beseitigen. Wenn has Genfer Protokoll verwirklicht worden wäre, würde das Problem der bevorstebenden Ab­rüstungskonferenz sehr erleichtert werden. Was aber versäumt worden ist, kann vielleicht auf an­dere Weise zustande gebracht werden.

Venn am 2. Februar 1932 alle Rationen hier versammelt sein werden, um das doppelte Pro­blem der Beschränkung der Rüstungen und der Sicherheit zu prüfen, so wird eine Schicksals­stunde geschlagen haben.

Sie müssen dann das starke Wort aussprechen:

Kein Krieg mehr, in keinem Falle darf der Krieg, dieses verbrechen, möglich sein.

Wir sind bereit, alles zu tun, um die notwendi­gen Bedingungen der Sicherheit zu schaffen. Dann werden die Völker sich freuen können, illuminieren können. Die Lage wird nicht mehr durch das Ri­siko eines Krieges verfinstert werden.

Annahme des deutschen Minderheitenatrages in Senf.

wtb. Senf, 11. Sept. (Eig. Meld.) Zu Beginn der heutigen Vormittagssitzung der Völkerbunds- Versammlung wurde der gestern eingebrachke deutsche Antrag, die Frage des Minderheiten­schutzes dem 6. Ausschuß zu überweisen auf Vorschlag des Präsidenten, der an das im vorigen Jahre im gleichen Falle gehandhabte Ver­fahren erinnert, ohne Aussprache angenommen. In gleicher Weise wurde mit dem norwegischen An­trag verfahren.

Mexiko tritt dem Völkerbund bei.

wtb. Genf, 11. Sept. (Eig. Meld.) Zum Schluß der heutigen Völkerbundssitzung teilte der Präsi­dent mit, daß ein Telegramm der Mexikanischen Regierung eingegangen sei, wonach diese die Ein­ladung zum Eintritt in den Völkerbund a n n e h m e. Der Präsident kündigte an, daß über die formelle Behandlung dieser Frage in den nächsten Tagen ein offizieller Beschluß gefaßt werde.

Der Eindruck der Cecil-Rede.

Aus Genf wird gemeldet:

Die Rede Lord Robert Cecils machte in deut­schen Kreisen tiefen Eindruck, den der deutsche Außenminister in spontaner Weise bekun­dete, indem er Lord Cecil beim Verlassen der Tribüne beglückwünschte. Der englische Delegierte hat in würdiger Weise, aber ohne unangebrachte Rücksichten, die großen Probleme, die das inter­nationale Leben im Augenblick bewegen, erörtert. Mit unverändertem Nachdruck hat er den seit Jahren in der Völkerbundsversammlung vertr'.te- nen Standpunkt der englischen Regierung in der Abrüstungsfrage wiederholt. Er legte besonderes Gewicht aus die A b l e h n u n g der Luftwaffe, worin er sich gleichfalls mit der deutschen Auf­fassung begegnet. Auch Cecil wies nicht minder überzeugend, wie es Grandi am vergangenen Dienstag getan hatte, den Zusammenhang zwischen Kriegsschuldenregelung und Abrüstung nach. Spon­tanen Beifall erweckte seine Zustimmung zu der Anregung Grandis und gegen Schluß der Rede sein Bekenntnis zur Notwendigkeit der deutsch- französischen Annäherung.

* Der badische Staatspräsident gestorben. Aus Karlsruhe wird gemeldet: Staatspräsident Josef W i 11 e m a n n ist am Donnerstag abend um 23 Uhr im Alter von 65 Jahren an einer Darm­infekt i o n gestorben. Er war seit einigen Ta­gen an einer Darminfektion erkrankt, wozu noch

eine Nierenentzündung und Herzschwäcbe hinzutra- ten. Die Abgeordnetenlaufbahn des Verstorbenen begann im Jahre 1905. Er gehörte dem badffchen Parlament bis zu seiner Ernennung zum Präsi­denten des Rechnungshofes an. Am 29. Novem­ber 1929 trat Wittemann in die damals aus Zen­trum und Sozialdemokraten gebildete Regierung ein und übernahm die Leitung des Innenministe­riums Bei der Umbildung der Regierung am 30. Juni ds. Is. trat er an die Spitze des Justizmini­steriums. ____

Vertreter des Handwerks beim Reichsarbeits­minister. Reichsarbeitsminister Dr. Sieger- wald empfing dieser Tage als Vertreter des Reichsverbandes des deutschen Handwerks Gene- ralfekretär Dr. Mensch-Hannover und General­sekretär Hermann-Berlin. In einer fast zwei­stündigen Aussprache wurden alle mit dem Problem der Arbeitslosigkeit zusammenhängenden Fragen erörtert und ebenso auch die Frage der Wohnungszwangswirtschaft besprochen. Die Vertreter des Handwerks hatten hierbei Ge­legenheit, die Beschlüsse vorzutragen, die der sozial­politische Ausschuß und der wirtschaftspolitische Ausschuß der Spitzenverbände in ihren kürzlich ab­gehaltenen Arbeitssitzungen gefaßt haben. Es konnte bei der Unterredung festgestellt werden, daß end­gültige Beschlüsse der Reichsregierung zu diesen Fragen noch nicht vorliegen.

* Die RUnisterfrage in Braunschweig. In der braunschweigischen Ministerfrage ist nach längeren Verhandlungen eine Klärung eingetreten; denn die Fraktion der Bürgerlichen Einheits­liste hat beschlossen, einen zweiten Minister zu wählen, falls ein solcher Antrag im Landtag ein­gebracht wird. Es ist somit anzunehmen, daß der von den Nationalsozialisten bereits nominierte Regierungsrat K l a g g e s in die durch den Rück- tritt Dr. Franzens freigewordene Stelle einrückt. Die Verordnung des Ministeriums über eine Ein­minister-Regierung ließ bekanntlich die Wahl eines zweiten Ministers durch den Landtag offen. K l a g g e s ist ein früherer Lehrer, der we­gen politischer Tätigkeit in Preußen abgebaut worden war.

* Kandidaten für die österreichische VundesprS. sidenken-Vahl. Wie die Blätter erfahren, wur­den für die Bundespräsidenten-Wahl bisher vier Kandidaten nominiert, und zwar, wie bereits ge­meldet, von den Christlich-Sozialen der bisherige Bundespräsident Miklas, von den Sozialdemokra­ten Präsident Dr. Renner, von den Kommunisten das Parteimitglied Koplenig und vom Ude-Verband Prof. Ude. Der Heimatblock will, wie verlautet, General Huelgert nominieren.

* Der Vorrat der Bereinigten Staaten an Münz- gold. Reuter meldet aus Washington: Der Vor­rat an Münzgold ist in der letzten Woche um zwei Millionen Dollars gestiegen und beträgt jetzt fünf Milliarden Dollars.

* Verhaftung eines deutschen Paßkontrolleurs auf dem polnischen Grenzbahnhof bei Garnsee. Der auf dem polnischen Grenzbahnhof Gardeja (gegenüber von Garnfee) diensttuende deutsche Paßkontrolleur Köp­pe n a t s ch ist am Donnerstag während der Ausübung seines Dienstes ohne Angabe von Gründen und ohne vorherige oder nachherige Benachrichtigung deutscher Dienststellen von einem besonderen polnischen P o - l.i z e i k o m m a n d o aus Graudenz fe st genommen und nach Graudenz abgeführt worden. Die Ver­haftung stellt eilte Verletzung des deutsch-polnischen Ab­kommens vom 27. März 1926 über den gegenseitigen Eisenbahnverkehr dar, wonach der deutsche Paßkontrol- leur berechtigt ist, den Paßkontrolldienst für Deutschland auf dem polnischen Bahnhof Gardeja zu versehen. Eine sofortige gemeinsame Untersuchung des Falles, die von dem zuständigen Landrat in Marienwerder zur Aufklä­rung des Zwischenfalls und zur Beruhigung der über den Vorfall erregten Bevölkernug vorgeschlagen wurde, ist von polnischer Seite abgelehnt worden.

Aürst Löwenstein 60 Jahre.

Am 15. September.

Je mehr die Ideen eines Zeitalters sich verwir- ren, umso lauter erhebt sich der Ruf nach Führer­persönlichkeiten. Eine der bedeutendsten im Deutsch­land von heute ist der derzeitige Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Fürst Alois zu Löwenstein. Er hat es wie wenige ver­standen, den großen Traditionen seines Hauses und des deutschen Katholizismus treu zu bleiben und dennoch mutig über die Schwelle einer neuen Zeit 3u treten. Nicht nur vorbildliches Glied seiner engeren Standesgemeinschaft ist dieser Fürst, son­dern zugleich der großen Volksgemeinschaft, der er fein Leben gewidmet hat. Adel und Volkstümlich­keit verbinden sich in dieser Gestalt in wunderbarer Weise, Fürst Löwenstein liefert den Beweis, wie sehr gerade das katholische Volk auch im neu$n Volksstaat den Adel schätzt, wo immer sich der Adel mit dem Volk verbunden und ihm verpflichtet fühlt. Das ist wohl das eigentliche Geheimnis dieser Füh­rerpersönlichkeit, daß sie nicht vom Volke desertiert ist in schwerer Stunde, sondern daß sie beim Volke blieb in dem Augenblick, da es wie nie der Führer bedurfte. Bekannte sich Fürst Löwenstein als Mit­glied der Partei des Zentrums, so hat er das nie ge­tan als Parteimann, sondern aus einem tiefen katholischen Instinkt heraus, wie er uns von unfern Vätern überkommen ist, die in dieser Partei Käm­pfer Gottes und der Kirche gewesen sind. So war für ihn auch nie eine Kluft zwischen Partei und Religion, sondern ganz im Gegenteil edle Verkör­perung der schönsten Harmonie zwischen beiden.

Seine Jugend hat Fürst Alois zu Löwenstein in Feldkirch verlebt in der Stella matutina, der et dis heute ein dankbares Andenken bewahrt hat. Verhältnismäßig früh ist er ins öffentliche katho­lische Leben eingetreten. Sein Vater hatte 1898 das Kommissariat der deutschen Katholikentage ab­gegeben, weil ihm bei deren größer gewordenen Ausmaßen ein Zentralkomitee richtiger zu fein schien als die Arbeit des Einzelnen. Beim Dort­munder Katholikentag 1896 wurde der Name un­seres Fürsten erstmals genannt, bei dem allerdings unwesentlichen Amt des Schriftführers. 1905 ist Fürst Löwenstein erster Präsident des Straßburger Katholikentages, 1913 leitet er, abermals in den Grenzlanden, den Metzer Katholikentag, beide Male in hervorragender Weise, mit klugem, feinem Takt und in jener volkstümlichen Beredsamkeit, die weni­ger durch Feuer und Wucht nach außen als durch packende zutreffende Art kernig und kräftig die Volksseele zu fassen weiß, wie sie sick am stärksten in seiner Magdeburger Schlußrede 1928 zeigt.

Bei einer besonderen Gelegenheit wollte die ka­tholische theologische Fakultät der Universität Mün­ster ihm ihre hohe Anerkennung für fein öffentliches Wirken im Deinst von Volk und Kirche aussprechen und ernannte ihn, den Laien, zum Doktor der Theologie. Es war eine seltene Ehrung, wie sie nur wenigen, z. B. Dr. Porsch und Dr. Finke, zu­teil geworden ist. Ob sie bei dem jeglichem Titel- abholden Manne viel Gegenliebe gefunden hat? Jedenfalls hat er es nie gezeigt und den Titel noch nie geführt- Auch etwas Charakteristisches für ihn!

Vom Jahre 1920 an, dem Zeitpunkt des Rück­tritts des edlen und vorbildlichen Grasen Kl. Droste zu Vischering-Erbdroste von der Leitung des Zentralkomitees, hat Fürst Alois zu Löwenstein diese in die Hand genommen, treu in die Fuß­tapfen seines erlauchten Vorgängers eintretend, an Gesinnung wie Gewandtheit des Führers jenem ebenbürtig. Unterdessen hat sich dieses Zentral­komitee erheblich erweitert und ist auch innerlich immer mehr in die Tiefe und Breite der großen Fragen, die den Katholizismus von heute bewegen, hineingewachsen.

Auf dem Breslauer Katholikentage 1909 hielt Fürst zu Löwenstein jene vielbeachtete Rede über unsere Teilnahme am Missionswesen. Diese Rede erwies von neuem, daß es auch heute noch, wie Ketteler sagt. Reden gibt, die wie Taten find, weil

Ein großer Tag der englischen Nation.

Angesichts des katastrophalen Defizits im Staatshaushalt ein­heitlicher Wille zur Sanierung bei allen Parteien. Die Budget-' rede des sozialistischen Schatzkanzlers.England mutz uns doch bleiben**. Deutschland könnte etwas lernen.

Schatzkanzler Snowden wurde bei feinem Er- cheinen im Unterhaus nicht nur von den Regie­rungsbänken, sondern auch von einem großen Teil der Opposition- mit Beifall begrüßt. Es ist das zweite Budget, das dieser durch lange Krankheit und eine schwere Operation körperlich geschwächte Mann dieses Jahr einbringen muß. Die Opposition, die kurz vorher während der Frage­zeit die Aeußerung seines ebenfallsabtrünnigen" Kollegen Thomas in ironischem Gelächter erstickt hat, lauscht dem Schatzkanzler andächtig gespannt. Denn was heute aus feinem Mund dem Haus ver­kündet wird über neue Ersparnisse und neue Steu­ern, ist im Prinzip schon Gesetz und trifft a n - cheinend jeden Bürger vom Arbeits- osen bis zum Millionär. Auf die Fest- tellung des Defizits: 74 Millionen Pfund Sterling für dieses Jahr und 170 Millionen Defi­zit für nächstes Jahr folgt tiefes Schweigen und >ann Rufe der Uederrafchung im Haus. Als das WortSteuervorfchläge" fällt, beugen sich die Ab­geordneten vor und lauschen mit größter Spannung )er vorgetragenen Liste von Erhöhungen der Abgaben, von den Steuern auf Ein­kommen, Bier, auf Tabak, auf Benzin, auf Vergnügungen. Als der Schatzkanzler dann mitteilt, daß sowahr der diesjährige, wie auch )er nächstjährige Riesenfehlbetrag in ein Plus verwandelt werden soll, geht ein hörbares Aufat­men durch das Haus. Gleich aber folgt ironischer Wieder spruch der Opposition, als Snowden schil­

dert, wie Alt und Jung, Arm und Reich ihm Spen­den von einem Schilling bis zu 1000 Pfund Ster­ling übermittelte, um dem Land aus der Not zu helfen.

Als Snowden am Schluß seiner fünfviertelstün­digen Rede aber vomunbezähmbaren G e i st" der britischen Nation spricht und mit dem Zitat endet:England muß uns doch blei- b e n", erhebt sich die Konservative Partei wie ein Mo"" senkend dem

sozialistischen Schatzkanzler zu.

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Das Unterhaus b i 11 ig t e gegen Mitternacht ohne Abstimmung die von Snowden unterbreiteten Haushaltsvorlagen.

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Das Weißbuch über bie von der Regierung ge« planten Finanzmaßnahmen sieht eine lOprozentige Kürzung der Diäten der Parlamentsmitglieder vor, die 400 Pfund Sterling jährlich betragen.

13 Ardeiterparteiler hinter der nationalen Regierung.

wtb. London, 11. Sept. (Eig. Meld.) Die Zahl der auf der Regierungsseite befindlichen Unterhaus­mitglieder der Arbeiterpartei ist gestern von 12 auf 13 gestiegen. Heute abend wird der Schatzkanzler Snowden durch Rundfunk eine Ansprache an das englische Volk halten, in der er das Budget erläutern wird.