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Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Freitag, 11. September 1931

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Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: »Die Welt im Bild' und »Buchenblätter'. Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerel in Fulda. Fernrufe: Schrift- leitung 3153, Fuldaer Actiendruckerel 3151 und 3152.

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Die Stimme Englands in Genf.

Lord Lecil spricht eine offene Sprache $um deutsch-französischen Verhältnis. Der Ernst des Abrüstungs-Problems.

wtb. Genf, 10. Sept. (Gig. Meld.) Im Mittel­punkt der heutigen Sitzung der Völkerbundsvrr- sammlung stand eine Rede des englischen Haupt- dekegierten, Lord Robert Cecils. Es handelt sich im Augenblick, so erklärt er, um die Grund­prinzipien des Völkerbundes üb er - h a u Pt. Es ist notwendig, daß die Weltöffent­lichkeit die Gewißheit eines dauernden Friedens hat. Es gibt Besorgnisse aus der Weltwirtschaftskrise, die seit zwei Jahren, und aus der akuten Finanzkrise, di« mit der Gefahr einer unmittelbaren Katastrophe seit drei Monaten herrschen. Es kommt alles darauf an, das international« Kapital dazu zu veranlass«», di« Lücken der Zahlungsbilanz auszufüllen; an­dernfalls werden in Europa und in Uebersee

immer neu« Schmierigkeiten

mit der Notwendigkeit von Zahlungseinstellungen und Moratorien austreten. Lord Cecil verwies

auf Deutschland,

das im Mittelpunkt der gegenwärtigen Krise stehe. Er zitierte mit Nachdruck die Stelle aus dem Baseler Sachverständigenbericht, di« die Wieder­herstellung des freien Umlaufes von Geld und Waren und ein tatkräftiges Handeln der Regie­rungen

vor dem Ablauf der Stillhaltefrist fordert und betonr, daß die international« poli­tische Lag« auf die Grundlage des Vertrauens ge- stellt werden und die Zahlungen Deutschlands so geregelt werden müßten, daß sie seine finanzielle Stabilität nicht gefährden. Was die Regierungen zu dieser Wiederherstellung des Vertrauens tun könnten, sei nicht ausschlaggebend, solang« ^«Be­sorgnisse der politischen Lag« andauerten. Wohl könn« man sagen, daß

kaum jemals der Kriqg unwahrscheinlicher gewesen sei als jetzt.

Doch bestehe in vielen Ländern ein« Athmosphäre der inneren Unruhe, deren Rückwirkungen sich über di« ganze Welt ausdehne. Heftig« Reden und aggressive Kundgebungen seien in vielen Ländern an der Tagesordnung.

Leider finde die Mäßigung nicht den gleichen Widerhall in der Oeffentlichkeit.

Zum Teil auf diese Umstände sei es zurückzu­führen, daß eine Atmosphäre des internationalen Mißtrauens entstanden sei. Es sollte die beson­dere Aufgabe des Völkerbundes sein, dieses Miß­trauen zu zerstreuen. Lord Cecil erklärte in die­sem Zusammenhang, er wisse nicht, ob die Revi­sion der durch die Friedensverträge geschaffenen Lage den Frieden fördern würde. Dagegen würde die Weiterbetreibung der Abrüstung mehr als ir­gend etwas anderes das Vertrauen fördern und die Gerechtigkeit als Schiedsrichter der internatio­nalen Streitigkeiten einfetzen. Das sei

eine dringende, sehr dringende Angelegenheit.

Er wolle auf ein Symptom Hinweisen: in letz­ter Zeit hätten in verschiedenen Ländern er möge kein Land nennen und auch keinem Lande eine besondere Schuld geben, Lustmanöver zur Ausbildung und Vervollkommnung dieser Waffe, die eine ausgesprochene Angriffswaffe sei, stattge­funden. Dabei habe sich wieder einmal ergeben, daß

der Besitz von Luftstreilkräflen kein Schutz gegen die Luftslreitkräfie des Gegners

fei. Die Wirkung der Luftwaffe bestehe in der Zerstörung größerer Städte, daher in der Ver­nichtung einer unübersehbaren Anzahl von Men­schenleben und der wichtigsten Zentren d«g mate­riellen Reichtums. Welch eineSicherheit" sei das für den internationalen Kapitalmarkt? Das gleiche gelte für die Land- und Seerüstung. Deshalb be­grüße er die freundlichen Worte, die bisher in der Völkerbundsoersammlung der bevorstehenden Ab­rüstungskonferenz gewidmet worden seien.

Seine Regierung, am wenigsten die meinige, so betonte der Vertreter Englands,wurde irgend einen Vorschlag zur Verschiebung der Konferenz dulden.

Lord Cecil nahm dann ausführlich Bezug aus die Rede Grandis, die eine muster­gültige Befürwortung des Friedens durch die Ab­rüstung darstelle. Die Rede enthalt« eine überaus interessante Anregung über die Einstellung der Rüstungsvermehrung während der Dauer der Ab­rüstungskonferenz.

Der Vorschlag Grandis sei ein großartiger Auf­takt zur Abrüsttmgskonferenz und werde hoffent­lich im dritten Ausschuß der Völkerbundsversamm­lung konkrete Gestalt annehmen. Der englische Vertreter werde ihm seine

begeisterte Unterstützung

leihen in der ernstlichen Hoffnung eines praktischen Ergebnisses. Die Abrüstungskonferenz, so fuhr Lord Cecil fort, muß Erfolg haben, wenn es zu einer wesentlichen Herabsetzung der Rüstungen kommen soll. Wenn wir nur allgemein darauf bedacht sind, wie unser Land möglichst leichten Kaufes davon­kommt, dann kann nichts erreicht werden.

Die Krise drängt zu entscheidendem handeln. Ich sehe vor mir die Vertreter zweier hochange­

sehener Nationen, die auf jedem Gebiet in der Kul­tur führend sind-

wenn eine wirkliche Annäherung zwischen Frankreich und Deutschland nicht nur in Wor­ten, sondern auch in der Tal erfolgen könnte.

so wären 75 Prozent der politischen Unruhen aus der welk beseitigt.

Es ist behauptet worden, daß England diese deutsch-französffche Annäherung im Grunde seines Herzens nicht wünsche,

weil es durch die Entzweiung dieser beiden kon­tinentalen wachte einen umso größeren Ein- slutz im Rate der Rationen Hache.

Das fft eine grobe,

skandalöse Beleidigung Englands.

Die gegenwärtige und jede zukünftig« Regie­rung werden ihr äußerstes tun, um eine wirkliche und sichtbare Freundschaft zwischen beiden Län­dern herbeizuführen. Der Geist von Locarno ist, wenigstens soweit England inbetracht kommt, noch vorhanden.

*

Dor Lord Cecil hatte der spanische Außenmini­ster L e r r o u x zum ersten Male in der Völker- bundsversammlund die Auffassung der spanischen Republik zu den interna­tionalen Fragen dar gestellt.

Aus Genf wird gemeldet:

Die Arbeitsausschüsse der Völkerbundsversamm­lung haben am Dienstag ihre ersten Sitzungen ab­gehalten, die sich hauptsächlich mit formellen und technischen Dingen beschäftigten. Nur in der Kom­mission für Rechts- und Verfassungsfragen, die unter dem Vorsitz des italienischen Delegierten Scialoja sicht, kam es zu einer kurzen Debatte, aus der sich ergab, daß die Angleichung des Dölkerbundspaktes an den Pariser Pakt (Kel- log-Pakt) offenbar immer noch erheblichen Schwie­rigkeiten begegnet. Der ungarische Delegierte Graf Apponyi richtete an die Kommission die Auffor­derung, in dieser Frage jetzt endlich praktische Ar­beit zu leisten, damit die Völkerbundsversammlung auf dieser Tagung unter Umständen noch einen endgültigen Beschluß fassen könne. Der Vorsitzende trat dieser Auffassung entgegen, wobei er die Mei­nung vertrat, daß bei der außerordentlichen Kom­pliziertheit der Frage nickst überstürzt vorgegangen werden könnte. Er halte es für notwendig, daß den Mitgliedern der Kommission zunächst die Pro­tokolle des amerikanischen Senates über diese Frage zugeleitet werden, und schlug vor, die wet­tere Beratung zunächst zu vertagen.

*

Aus Genf wird gemeldet:

In letzter Zeit sind verschiedentlich Gerücht« über ein« Verschiebung oder Verlegung des Berliner Besuches der französischen Staatsmänner aufge­taucht. Demgegenüber wird von unterrichteter Seite festgestellt, daß derartig« Gerüchte jeder Begrün­dung entbehren. An den bisherigen Dispositio­nen, wonach der Besuch am 26. d. M. in Berlin stattsinden soll, hat sich nichts geändert.

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Der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes v. Bülow, der auf Wunsch des Reichsaußenmim^- sters Dr. Cuttius nach Genf gekommen war, ist wieder nach Berlin zurückgekehrt. Er hat wäh­rend seines Aufenthaltes in Gens mit dem Reichs­außenminister di« Vorbereitungen der Berliner Reise des französischen Ministerpräsidenten Laval und des französischen Außenministers Briand be­sprochen und die Wünsche und Anregungen des

Aus Washington wird gemeldet: Staats­sekretär Stimson hielt den beim Staatsdepartement zugelassenen Journalisten einen einstündigen infor­mellen Vortrag über feine Europareise. Im ein­zelnen führte er aus:

Die Ide« zu einer Reise entftanb im Dezember vorigen Jahres als Präsident Hoover und er auf­grund gewisser diplomatischer Schritte und nach Rücksprache mit dem britischen und dem franzö­sischen Botschafter sahen, daß eine persönliche Füh­lungnahme mit den europäischen Regierungschefs di« wesentliche Vorbedingung für das Gelin­gen der Genfer Abrüstungskonferenz fei. In Genf werd« es sich nicht um amerikanische, sondern um vorwiegend europäische Probleme han­deln, beispielsweise um die Differenzen zwischen Deutschland und Frankreich, Deutschland und Polen, Frankreich und Italien und ähnliches. Sollte Amerika sein jetzt schon ganz unbedeutendes Landheer absckwffen und seine ganze Kriegsflotte versenken, so wäre damit noch kein einziges dieser europäischen Probleme geändert oder gelöst. Amerikas Anteil am Genfer Adrüstungs- iverk bestehe daher vornehmlich darin, die anderen zu ermutigen, damit sie in ,Lw«iländerkon- verfationen" vor Beginn der Konferenz ihre Differenzen möglichst bereinigten. Der Anfang hierzu sei unter dem Druck der schweren deutschen Finanzkrise bereits gemacht worden, und

Reichsministers entgegengenommen. Nach seiner Rückkehr nach Berlin werden die Besprechungen über die Vorbereitungen zwischen Berlin und Patts direkt gefühtt werden.

Der mexikanische Senat für Eintritt in den Dölker- bund.

wtb. Mexiko, 10. Sept. (Eig. Meld.) Der Senat beschloß einstimmig, bie- Einladung des Völker­bundes auf (Eintritt in den Bund anzuneh - men.

Das italienische Riislungsmemorandum.

CNB. Genf, 10. Sept. (Eig. Meld.) Die italie­nische Regierung hat dem Völierbundssekretariat die erbetenen Angaben über den Stand der italie­nischen Rüstungen jetzt gleichfalls eingereicht. Wie verlautet,, enthält. das Memorandum der italienischen Regierung eine Anspielung ans die Anregung, die bekanntlich der Außenminister Grand: in der DAkerbundsversammlung gegeben hat. Italien hat noch den Angaben des Memo­randums 280 900 Mann unter den Fahnen und 1501 Kampfflugzeuge. Die Heeresausgaben sollen in bem' Memorandum mit 6 Milliarden Lire an­gegeben sein. Das Memorandum wird erst in den nächsten Tagen veröffentlicht.

* Keine Kreditverhandlungen Bayerns mit Frank­reich. Ein Berliner Blatt hatte aus München ge­meldet, daß dort am Freitqg und Sonnabend Ber- handlnngen über einen französischen Kredit in Höhe von 25 Mill. RM. für den Bayrischen Staat beginnen sollte». Wie dazu von zuständi­ger Stelle mitgeteilt wird, ist an diesen Gerüchten kein wahres Wort.

Die Pazifik-Flieger verschollen.

Dermntlich ins Meer gestürzt und ertrunken.

wtb. Tokio, 10. Sept. (Eig. Meld.) Die beiden amerikanischen Flieger Ellen und M o y l e, die zu einer Ueberquerung des Stillen Ozeans von Japan aus gestartet waren, sind verschollen. In Tokio hat man jede Hoffnung aufgegeben. Man fürchtet, daß sie ins Meer gestürzt und er­trunken sind.

Mlrllk des Vizeadmirals Oldekop.

wtb. Berlin, 10. September. (Eig. Meld.) Der Flottenchef der deutschen Reichsmarine, Vizeadmi­ral Oldekop, scheidet mit dem 30. September dieses Jahres aus der Reichsmarine aus.

Vizeadmiral Lldekop.

die bisher erzielten Resultate berechtigten durch­aus zum Optimismus.

Obwohl man auf der Londoner Konferenz kei­nerlei politische Fragen erörtert habe, fei doch die schwere Krise, in der sich Deutschland dadurch be­fand, daß der anfängliche Optimismus sich infolge des zögernden Verhaltens Frankreichs bei der An­nahme des Hooverplanes in eine Panikstim­mung verwandelt hatte, für alle europäischen Staatsmänner so erschütternd gewesen, daß man sich gesagt habe, Europa roanbele mit ver­bundenen einem Abgrund zu und es gelte zunächst, durch Beseitigung der intereuropäischen Spannungen das Bert rauen in eine geordnete Wirt­schaftsführung wieder herzu st elfen. Die Besuche von Brüning und Curtius in London, Paris und Rom seien Schritte auf dem rechten Weg gewesen, und eine Fortsetzung dieser Politik ge­währe die besten Aussichten für einen Erfolg in Genf.

lieber die Persönlichkeit des Reichs­kanzlers Dr. Brüning sprach sich Stimson sehr anerkennend aus und erflärte: Er sei überzeugt, und darin wäre er auch durch den amerikanischen Botschafter Sackett, den er kurz vor seiner Heimreise nochmals in London taf, bestärkt worden, daß ein neuer Geist b«r Zuver­sicht und des Selbstvertrauens in Deutschland ein­gekehrt sei. Darin erblicke er das erfreulichste An­zeichen zu einer Besserung der deutschen Lage.

Was der amerikanische Staatsmann in Europa sah.

Stimson über seine Europareise. Ernstes Urteil über die Europa drohende Gefahr. Anerkennung Brünings.

Die neue Indien-Konferenz

Von Dr. Alphons Nobel.

Die neue Konferenz der Engländer mit den Indern hat in London begonnen. Wiederum tagt bas Komitee im St. James-Palast, dem alten Königsschloß Londons. Die indischen Delegierten sind eingetroffen, nur Ghandi fehlt noch. Er hatte sich im Moment der Abreise der übrigen Delegier­ten gerade mit dem britischen Vizekönig von In- dien erzürnt; bei der Versöhnung war aber das Schiff mit feinen Kollegen schon.fort, so. baß der Mahatma das nächste Schiff nehmen mußte.

Inzwischen begann die Konferenz. Macdonald hat bie schwere Aufgabe, auch dieses Stück Arbeit für das britische Imperium zu leisten und nach den vielen anderen Sorgen der englischen Politik auch noch sich um diese offene Frage zu kümmern: Die wichtigsten Beratungen wird aber nicht Macdo­nald, sondern der Lord S a n k e y leiten, der auch in der vorjährigenRound-Table-Konferenz schon den Vorsitz führte. Lord Sankey gehört der Arbeitspartei an und ist Minister sowohl im vo­rigen Kabinett Macdonald gewesen, wie er es jin diesem geblieben ist. Er ist Lordkanzler, hat also kein bestimmtes Ressort, so daß seine Arbeitskraft vollständig dem Problem Indien zur Verfügung steht. Der fast achtzigjährige Lord genießt sowohl unter Engländern wie unter Indern das aller­größte Vertrauen.

Der Maharadscha von Bikaner, ei­ner der führenden Mitglieder der indischen Dele­gation, hat in der Eröffnungssitzung denn auch feiner Freude darüber Ausdruck gegeben, daß so­wohl Macdonald als Führer der gesamten Kon­ferenz wie auch Sankey als Vorsitzender der wich­tigsten Kommission, der Federal Structure Com­mitee, geblieben sind, bzw. wiederkehrten.

Eine andere wichtige Figur auf englischer Seite ist der 54jährige Minister für Indien, Wed- gewood Benn. Auch er hat auf der vorigen Konferenz schon mitgewirkt. Besonders glücklich trifft es sich für die Engländer, daß nun Lord Reading im neuen Kabinett Macdonald Au­ßenminister ist.

Lord Reading, der 71jährige liberale Politiker, war nämlich schon einmal nämlich von 1921 bis 1926, Vizekönig von Indien.

Eigentlich heißt der Lord Reading nicht Rea- ding, sondern Isaacs. Sein Vater war einjüdi- schsr Kaufmann im Iudenviertel von London. Er hat ein abenteuerliches Leden hinter sich. Als ihn fein Vater auf eine höhere Schule schicken wollte, rückte er aus. wurde auf einem DampferBlair Athol Schiffsjunge und fuhr nach Indien. Die Eltern konnten ihn zur gütlichen Rückkehr bewe­gen, aber er hatte es durchgesetzt, daß er keine hö­here Schule zu besuchen brauchte, ein Umstand, auf den er heute noch stolz sein soll. Er trat in das Geschäft feines Vaters ein, wurde Börsenmak­ler und machte sogleich Bankrott. Daraufhin sat­telte er um und wurde Rechtsanwalt. Mit eiser­ner Energie und einem ungewöhnlichen Fleiß schaffte er es. Nach drei Jahren war er der ge­suchteste Strafverteidiger Londons. Die Liberale Partei bot ihm einen Parlamentssitz an. Die Hoffnung feier politischen Freunde aber, daß er im Unterbaufe ein ebenso brillanter Sachverwalter feiner Politik fein werde, wie vor Gericht ein glänzender Verteidiger feiner Klienten, trog; in der Debatte konnte er nicht bestehen. Aber die li­berale Regierung wußte dennoch fein Talent zu nützen; er wurde Iustizminister. Aber erst mit Kriegsbeginn hebt seine große Laufbahn an. Lloyd George berief ihn in das Finanzministerium, wo er eine der glänzendsten Finanzoperationen durch­führte: die Erklärung des Moratoriums unter gleichzeitiger Garantie der umlaufenden Wechsel. Dies Experiment glückte, und bie Staatskasse hatte nur geringe Verluste. Der Rus Isaacs' stieg. Als der Krieg auf dem Höhepunkt war, beauftragte man ihn mit einer ebenso schwierigen wie delika­ten Mission: in Amerika die sinanzpolitschen Ver­handlungen mit dem großen Geldgeber zu führen. Auch darin erwies sich Isaacs' Geschick.

Und dann Indien, die größte Ausgabe, zu­gleich der ehrenvollste Posten, den Großbritannien einem seiner Politiker geben kann. In seine Re­gentschaft fallen die schwierigsten Jahre der brit. Herrschaft in Indien. England hat das fabelhafte Talent, auf seine wichtigsten Posten Männer zu be­rufen, die etwas können. Auch mit Isaacs hatte England Glück; und wenn es auch richtig ist, daß der folgende konservative Vizekönig von Indien, Lord Irwin, noch tüchtiaer war, und noch be­fähigter. die hochgehenden Wogen der indischen Erregung zu beschwichtigen, so darf doch auch die erhaltende Arbeit des Lord Reading nicht miß­achtet werden. Wie weit der Lord Irwin, der andere Ex-Vizekönig von Indien, an der Ronnd Table Konferenz teilnehmen wird, ist noch un­gewiß.

Wenn auch bisher nur Begrüßungsreden auf der Konferenz gehalten wurden, so hebt sich doch schon das wichtigste Arbeitsgebiet deutlich heraus. Es handelt sich um bie künftig« staatsrechtlich« Gliederung Indiens, also sozusagen und die in- bische Reichsreform. Da existiert ein Ent­wurf ber indischen Fürsten, die überhaupt viel ak­tiver und überlegter in den anglo-inbischen De­batten hervortreten, als viele Beobachter gedacht hätten Ausgearbeitet ist der Entwurf in der Hauptsache von dem Maharadscha von Pa- t i a l a. einem der markantesten Köpfe unter den indischen Fürsten.

Das Land dieses Fürsten von Patiala ist nicht sehr groß, es läßt sich nicht im Entferntesten ver­gleichen mit dem Staat, den der Fürst von Mais- fur ober gar mit bem inbischen Königreich, bas ber sogenannte Risam von Haiberabad regiert. Pa» tala liegt im Pandschab. also in ber großen Land­schaft des Fünfströmelanbes östlich des Indus. Der