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Beilage zur Fuldaer Zeitung

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Die Frau in der Küche

(Holz,

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Dreimal erklangs hell, Helle und noch heller: Adieu!

Wien!

Adieu!

So trennten sich die Wege!"

i und verdun-

Eine angeschnittene Zwiebel, zwei- bis dreimal am Tage erneuert, vertreibt jeden unangenehmen Geruch aus Schränken, Nachttischchen, Schubladen usw.

Die Tür war zu. Verschlossen war die'Tür. Jenseits ihr Spielplatz! Jenseits alle hellen Wege Für ihre »einen Füße.

Jenseits der Garten und der Frühling;

Diesseits der Tür die Dämmerung und das Fieber, Die Dämmerung, die zur Nacht wird und der Weg, Der langsam, langsam abwärts führt

Wohin? Wohin?

Und an die Tür kams dreimal.

Dreimal drückte ein kleiner Mund sich an das harte

richts abgebrummt werden.

Nur die Gummrschlange aus Zucker hat sich noch auf unsere Tage gerettet, dieses schreckliche, klebrige Ding, das man einen Meter lang ziehen kann und das trotz­dem noch süß schmeckt, wenn man es endlich verspeist. Aber was ist diese bunte Zuckerschlange gegen die Ge­nüsse von einst?

den Anzug oder in das Kleid, den man beim Waschen nur mit Mühe wieder entfernen konnte.

Aeh'nliche Bedeutung wie das Lakritz, das man übri­gens auch zu Figuren geformt haben konnte, hatte auch das Süßholz, der Zigarettenersatz der kleinen Buben. Tagelang konnte man an so einem langen Stück Herum­kauen und sich des süßen Saftes erfreuen, der aus den Holzteilen und aus der Rinde quoll. Auch hier kostete das kleinste Stück nur einen Pfennig, die Preise waren dann von zwei bis fünf Pfennig gestaffelt und jeder Bub wußte genau, wo man für fein Geld das größte Stück bekam. So hatten viele Drogisten eine Hausse im Süßholz, die bei dem geringen Preis, den der ein­zelne Käufer anlegte, trotzdem Geld einbrachte, da es ein Massenartikel war.

Danz ähnlich lagen die Dinge beim Traubenzucker, der von den Mädels bevorzugt, dabei aber auch von den Herren Buben nicht verschmäht wurde. Man unter­schied drei Sorten, weißen, grünen und blauen. Der

halten. Gott, und werden wir einmal bei einer wahren Meinung erwischt, dann sind wir verdorben. Hach, sie waren ja alle in der Jugend rosa Engelchen mit weißen Flügelchen und wissen nun gar nicht, wie sie zu solchen Kindern kommen . . .

Meine Tante hat es glänzend verstanden, die gute Hedwig 'rauszudrängeln. Unter uns gesagt, ich halle die Hedwig für ein ganz nettes Mädel; mit einem bißchen Theater hätte sie alles hier erreichen können. Aber sie war zu anständig . . ."

Dieser Art waren die Briefe, die Hilde Heller des abends schrieb, wenn Mutter und Sohn im Hause Graetz zur Ruhe gegangen waren . . ,

Die Erschütterung.

Schon im Februar wehte es lind über die eisigen Flußläufe, über die kahlen Bäume, über die beschneiten Straßen und Häuser hin.

Ein Hauch von quellendem Leben atmete in steigen­dem Licht. Spatzen balgten sich mit viel Geschrei in den Straßen, gell, frech, herausfordernd. Die Frauen legten die schweren Wintermäntel ab und hotten ihre leichtere Kleidung hervor, seidene Strümpfe, zierliche Halbschuhe, hübsche Hüte. In ihren Blicken lächelte die erste Frühingshoffnung.

In Hanns Herbert rang immer leidenschaftlicher die nie versunkene Sehnsucht nach der braunen Hedwig mit dem lockenden Bild Hildes, der Blonden. Hildes kätzchen- haste Anmut, ihre nie versiegende, nie fordernde Heiter­keit, ihre verspielte Kindlichkeit umgarnten ihn mit ge­fährlichen Netzen.

Längst erfüllte er ihre alle Wünsche er besuchte mit ihr Museen und Theater, Konzerte und Gesellschaf­ten. Und Frau Else sah mit stillem Wohlgefallen diese Zweisamkeit.

Hedwig war für sie tot, und Hanns Herbert machte keine neuen Versuche, sie zu erringen.

(Fortsetzung folgt.)

Wilhelm Raabe über die Frauen.

Zum 100. Geburtstag des Dichters am 8. September.

Don August Kruhm - Frankfurt a. M.

Jtaabe hat sich in köstlicher Weise imKloster Lugau" (1893) über die Emanzipation der Frau ausgesprochen. Er schreibt:

. . . .Damen erheben sich über ihre Schwestern auf Erden am Besten nur so weit, als Esel und Tragest! reichen; studieren sie aber, kurz geschoren, in Zürich, so mögen sie meinetwegen in Männerhosen den Montblanc erklettern. Esel find die, welche sie sich wieder herunter­holen, und mögen dann auch unbeschadet chres häus­lichen Glücks für das politische Stimmrecht ihrer Weiber reden und drucken lassen es kommt nicht darauf an für uns und andere es geht gottlob fürs erste nur sie allein etwas an."

Mit gar liebevollen Worten gedenkt Raabe jedoch seiner Mutter, deren letzter Ausspruch am 1. Novem- der 1874 zu ihrem Sohn gewesen fein soll:Wir haben unsere Lust aneinander gehabt." Er bezeichnet sie als eines der lichtgeborenen Joviskinder" und charakteri­siert sie in denAlten Nestern" (1880) sicherlich mit der Mutter Fritz Langreuters treffend.Schlank, zart, fcheumütig steht sie mir vor der (Erinnerung und ein Licht geht von ihr aus, das von keiner Dunkelheit und noch viel weniger von einem anderen Licht in der Welt überwältigt werden kann. Sie trägt ihre Freuden wie ihren bittersten Schmerz still und so, dem Schein nach, leicht. Ihr wurde alles zu einem Kranze, und woher sie ihre Bildung hatte, das bleibt ein Rätsel . . . In der Mädchenschule einer kleinen Provinzstadt hatte sie im zweiten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts Lesen, Schrei- I ben, Rechnen und Singen gelernt, das war alles! Sie ist dagewesen, wie das große Kunstwerk von Gottes Gnaden, sie ist vorübergegangen . . . ."

In feiner kurzen Selbstbiographie, die Raabe im Heidjerkalender 1309 veröffentlichte, schreibt er:

Meine Mutter ist es gewesen, die mir das Lesen aus dem Robinson Crusoe unseres alten Landsmanns aus Deenen, Joachim Heinrich Campe, beigebracht hat. Was ich nachher auf Volks- und Bürgerschulen, auf Gymna- I st um und auf der Universität an Wissenschaften zuerwor- I ben habe, heftet sich alles an den lieben, feinen Finger, I der ums Jahr 1831 herum mir den Punkt über dem i wies . . . ."

In der 1861 erschienenen Erzählung in BriesenNach dem großen Krieg" findet man diese Stelle über die I Mutter:

Was man von der Mutter hat, das sitzt fest und läßt sich nicht ausreden, das behält man, und es ist auch gut so, denn jeder Keim der sittlichen Fortentwicklung des Menschengeschlechtes liegt, darin verborgen."

Im Hungerpastor (1864) läßt Raabe Hans Unwirsch aus gepreßtem Herzen sprechen:

wD Mutier, du weist nicht, wie nötig ich dich habe, I keine Weisheit, die auf Erden gelehrt werden kann, |

Zuversicht.

Herr, Deine Welt ist schön, Herr, Deine Well fft gut; Gib mir nur hellen Sinn, Gib mir nur frohen Mut! Ich fühle, daß ich bin. Ich fühle, daß Du bist. Und daß mein Sein Von Dir ein Abglanz ist.

Friedrich Rückert.

Die Augen «essen mit.

Schönes Anrichten ohne Mätzchen.

Wen sicht man vor den Feinkostgeschäften stchen, wenn so recht appetitlich die gefüllten Tomaten, die gar­nierten Gurken und kunstvoll verzierte Salate ausge* teilt sind? Alle Ehemänner! Und wer zieht die Lehre daraus, daß geschmackvolles Anrichten mit allem Drum und Dran oft appetitreizender und verlockender wird, als das Gericht an sich? Alle Hausfrauen. Nun muß man zugeben, daß sehr oft des Guten zuviel getan wird. Wenigstens in der feinen Küche und vor allem bei Kochkunstausstellungen. Sehr oft wird über der kühn­gestalteten phantastischen Ausschmückung der eigentliche Wert und der Inhalt des Gerichtes vergessen. Die Hauptsache beim guten Anrichten ist das paffende, nicht zu klein gewählte Geschirr in tadelfreier Beschaffenheit. Jedes Fleckchen und Tröpfchen an der Terrine und an den Schüsseln wird beseitigt. Die Gerichte dürfen nie über den Rand reichen und wenn die Soße in der Rille um die Schüssel läuft, so sieht das abscheulich aus, und der Daumen stippt beim Reichen ein. Flache Schüsseln dürfen nicht über den Rand hinaus vollgepackt werden. Sehr wohltuend fft demmitessenden Auge" eine gleich­mäßige Anordnung der Verzierung. Man streicht Kar­toffel- oder Aepselbrei glatt und kerbt mit dem runden Messer symetrffche Schuppen ein. Bei Eintopfgerichten (ft eine große, tiefe Schüssel nötig oder wenn man sie in der Puddingform gekocht hat, so verhüllt man die Blechform schämig mit einem Mundtuch, dessen Ende man unsichtbar unterschiebt, nicht mit einer Nadel fest­steckt. Die Form steht auf einer großen Schüssel, nicht auf einer kleinen. Breiartige Gemüse streicht man glatt und kann kleine Bratenstücke herumlegen, wenn sie ver­sprechen, nicht auf dem Rand Aufenthalt zu nehmen. Nur kalte Verzierungen, wie Zitronen- oder Quoten- scheiben, haben aus dem kühlen Rand der Schüssel ihren Platz, schon deshoD, weil kalte Verzierungen nicht mit warmem Effen in Berührung kommen sollen.

Man lasse sich nicht verführen, ganze Blumenrabat- ten aus mühsam geschnitzelten Tomaten, Gurken, Boh­nen auf einen Salat zu legen. Die runden Rädchen der Pfeffergurken sehen in natürlicher Form, schuppig aufei­nander gereiht oder mit Eischeiben und Tomaten zu bunter Kette vereinigt am hübschesten aus. Bei beleg­ten Brötchen kann man mit drei Eiern, einigen Ra­dieschen, einer Tomate, Kapern und Heringsfilets 25

verschiedene, höchst verlockende Kleinbrötchen zum Tee auf die mit einem Spitzenpapier Überdeckte große Platte legen. Gerade bei der Teebewirtung legt man Wert auf die schone Platte, weil die Läppchen tatsächlich mehr eine Augenoerblendung als ein Unternehmen zur Sät­tigung sind. Die Süßspeisen wirken an sich schon, wenn sie kristallklar in einer Glasschüssel oder als glatter Berg auf einer Platte ruhen, verlockend. Mit Beeren und Gelee, kleinen Makronen und wenns hoch kommt ge­spritzter Schlagsahne erzielt man zauberhafte Wirkun­gen. Richtet man portionsweise in Punschgläsern mit Henkel an, so genügt oft eine Kirsche auf einer Sahnen- rofette, um der Hausfrau das Lob einer Anrichtkünstle­rin einzubringen.

Annie Juliane Richert- Berlin. |

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Erprobte Rezepte.

Reue Blumenkohlfuppe. (Für 4 Personen, 1 Stunde). Zutaten: 50 Gr. Butter, 40 Gr. Weizenmehl, 1 kleine Zwiebel, 1 Liter Fleischbrühe aus 4 Maggi's Fleisch­brühwürfeln, die abgeriebene Schale einer halben Apfel­sine, 1 Teelöffel Zitronensaft, 1 kleiner Kopf Blumenkohl, % Tasse saure Sahne, 1 Eßlöffel geriebener Käse. Zu­bereitung: Von Butter, Mehl und der geriebenen Zwie­bel stellt man eine braune Schwitze her, die man mit der Fleischbrühe auffüllt, und gibt Apfelsinenschale und Zitro­nensaft hinein. Den Blumenkohl teilt man in kleine Ros­chen, die in der Suppe weich gekocht werden. Zuletzt schmeckt man diese mit der sauren Sahne und dem Käse ab, und wenn letzterer sich aufgelöst hat, bringt man die Suppe sofort zu Tisch.

Bauernfrühstück. (Für 3 Personen, 25 Minuten.) 1K Pfund gekochte Kartoffeln, 150 Gr. Schinken- oder Rauch- fleischreste, 3 Eier, 3 Eßlöffel Milch, einige Tropfen Mag­giwürze, reichlich Fett zum Braten der Kartoffeln. Zu­bereitung: Die Kartoffeln in Scheiben, das Fleisch würflig schneiden und beides zusammen in heißem Fett schön goldgelb braten, die drei Eier mit 3 Eßlöffeln Milch ver- klopfen, einige Tropfen Maggiwürze darunter ziehen, über die Kartoffeln geben und unter vorsichtigem, öfterem Umdrehen das Ei über den Kartoffeln dick werden lassen.

Wandlung des üindergeschmacks.

Von Otto B u r g e l - Düsieldors.

Es ist noch gar nicht so lange her, vielleicht zwei Jahrzehnte, da bedeutete eine TüteGebrocksel" ober wie man das Zeug sonst nannte, in irgend einem Scho­koladengeschäft gekauft, die höchste Seligkeit für uns Buben und Mädchen. Unter Gebrocksel ober Stuben- tenfutter verstand man allerhand süße Abfälle, die zwar ihre schöne Form verloren hatten, die aber deshalb keineswegs schlechter schmeckten. Fünf Reichspfennige kostete fb eine Tüte, die dabei noch den Vorzug hatte, recht viel zu bieten, Schokolade, Waffeln, ein wenig zerbrochene Bonbons, ein Stückchen altbacken gewordene- nen Kuchen usw. Jedenfalls konnte man sich mit dieser Tüte mft ihrem reichen Inhalt viel länger beschäftigen, wie mit dem heute so modernen und so beliebt gewor­denen Cishütchen, das es überall zu kaufen gibt.

AuchFrffches" kennen unsere Kinder nicht mchr, eine Art Nougat, das man für einen ober zwei Pfennige bei allen Konbitoren haben konnte. Vergeffen ist auch bie schone, lange Lakritzstange, bie man für einen, höch­stens zwei Pfennige in allen Kolonial- und Bäckerläden kaufen konnte, der Kautabak der Kleinen, der um des­willen so beliebt war, weil er viele Stunden verhielt. Das schwarze, lange Ding betam überhaupt fein Ende. Allerdings waren die MBM^Sber die Lakritzkauerei weniger erbaut, denn es gab bäbei manchen Flecken in

Hilde noch oft mit gerunzelten Brauen, stampfte mit den weit ausgeschnittenen Halbschuhen ärgerlich auf und zog Grimassen; setzte sie an ihren kleinen Tisch und schrieb, was sie tagsüber erlebt, getreu ihrer Freundin, der Brauereibesitzerstochter Cilly Schultheis.

Ich sage dir hieß es ba er ist und bleibt ein langweiliges Ekel! Glaubst du, er hätte schon einen meiner Küsse auf halbwegs anständige Weise erwidert? Ein Kuß ohne Gegenkuß ist ein Unding! Muh diese Hedwig eine Tugendkiste gewesen sein..."

Und ein anderes Mal:

Wenn diese harmlose, alte Schachtel von Tante nicht wäre, die von der heutigen Jugend nicht das Pünktchen auf dem i versteht, würde ich mich manchmal mehr in acht nehmen. Aber warum denn? Sie liebäugelt so unglaublich kupplerisch mit dem Gedanken, Hanns Her­bert eine zweite,würdigere" Frau deine treue Freun­din zu geben, daß ich ihr mft jedem Schmachtblick auf ihren herrlichen, einzigen, unvergleichlichen, geistvollen berückenden Herrn Sohn was er seehr bedenklicher­weise auch ist werfe, einen ganz persönlichen Gefallen erweise . . ."

Und in einem dritten Brief:

Nein, gute Cilly, die alte Dame, die mich hier so unschuldsvoll bemuttert, hat für mich so wenig Ehr­würdiges wie alles andere sogenannte Erwachsene. Laß Dir von Deiner Freundin sagen: Graue Haare kriegt jeder Esel! Weißt Du: die wirklich Ehrwürdigen werden sich bedanken, mit jedem graugewordenen Einfaltspinsel in den großen Topf der Verehrung geworfen zu werden! Laß Dir von Deiner Freundin sagen: Auch Verbrecher werden grau es sei denn, sie trügen eine Glatze. Siehst Du, und genau so ists auch mit den Herren Eltern, und wenn sie noch so viel Tamtam von sich hermachen! Auf­opfernde Elternliebe und so! Na, ich kann sie hier gründlich studieren!

Wir Mädchen haben offene Ohren. Mit zwölf Iah- ren wissen wir Bescheid. Fast alle Ettern meine t>abe ich mir ja vernünftiger erzogen begehn die Dumm­heit, daß sie sich für erwachsen und uns für Kinder

kann uns geben, was uns ein Wort und ein Blick der Mutter gibt."

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34] ---------

Anders war Hildes Wesen als das Hedwigs. Aber kamen nicht aus dem Innersten beider die gleichen Stim­men, die gleiche Sehnsucht? Was er verurteilte an Hed­wig diese andere Frau neben ihm bestätigte es: sie hatte wahr gesprochen . . .

Er jagte die Gedanken fort.

Ach, das sind alles dumme Sachen. Plaudere, Hild- chen, und erzähl mir: was hast du schon alles bei uns hier gesehen?"

Sie setzte eine Schmollmiene auf.

Noch kein einziges Museum, denn mir fehlt der Kunst­verständige, der mirs erklärt. Sonst steh ich davor wie die Kuh vor'm neuen Tor! Noch fein Theater, denn mein Herr Vetter ist das bequemste Geschöpf auf Gottes weitem Erdboden! Er denkt nur an sich er hätschelt eingebildete Seelenschmerzen, über die heutige Jünglinge und Backfische längst hinaus sind. Noch kein Konzert, denn da gibt es oft hinreißende Geiger, vor denen ich mich fürchte; und einen Beschützer besitze ich nicht"

Du bist ein kleiner, gefährlicher Teufel!"

Danke ergebenft!"

Sie schmetterte ein Lachen heraus. Dann zählte sie an den Fingern ab.

»Jetzt haben wir Anfang Januar. Eigentlich sollte ich Mitte des Monats nach Hause. Aber ein Brief ist schon unterwegs. Nehmen wir an, man erkennt zu Haus meine tiefgehenden Gründe an, die mich noch hier binden"

Welche Gründe hast du denn angegeben?" lachte er.

Schäme dich deiner unvetterlichen Neugier! Schreibt man mir elterlich wohlwollend zurück, bleib ich zunächst bis Ostern vorausgesetzt, daß man mich allseits hier haben will."

Er drückte ihr warm die Hand.

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weiße war weniger beliebt, wurde aber trotzdem gantz gerne gekauft, weil man mehr bekam. Am höchsten stand immer der blaue Traubenzucker im Preis, und wenn man ein blaues Stückchen eintauschen wollte, mußte man schon eine ganz erhebliche Anzahl von Murmeln opfern. Man hatte dann aber auch ein länger währendes Vergnügen, da der blaue Traubenzucker sich schwerer loste, wie die beiden anderen Sorten. Ganz eifrige Traubenzuckerkonsumenien nahmen sogar ein Stückchen versteckt in den Backen, wie ein Hamster, mit in die Schule, und manche Stunde Arrest mußte wegen verbotenen Traubenzuckereffens während des Unter«

Raabes Mutter, Seelengemeinschaft mit den, war für den

ihrem Sohne Dichter, für ____

moderne Frauenfrage nicht existierte, eine still-gütige Hüterin des häuslichen Herdes, des trauten Familien­kreises, der sich in einer feiten harmonischen und fried­lichen Ehe mit Berta Leist, die ihm vier Töchter und einen Sohn schenkte, erweiterte. Für Raabe war der Frauenberuf obwohl eine feiner Töchter Aquarell­malerin war in erster Liniedas Verzeihen und Enffchuldigen, das Wundenverbinden und Handauflegen, neben dem heiligen, lebenerhaltenden Mutterwerden und -sein. Stets dachte Raabe, betrachtet man die Schil­derungen feiner Frauenfchickfale und Frauengestalten, groß von ihnen, wenn auch unberührt von allem Zeit­problem. Die Niederschrift seines letzten Gedichtes bei dem Tod feiner jüngsten Tochter, einem lieben, schönen Mädchen, das sechzehnjährig ihren Eltern am Johan- nismorgen 1892 durch den Tod genommen wurde, läßt wundersam feine innige, tiefe Verehrung für die Frau besonders im Kreffe der Familie, erkennen:

Du bist ein Segen für meine Mutter, Hildchen."

Für dich nicht?"

Schäm dich deiner unbasenhaften Neugier!" gab er ihr ausweichend zurück.

Also ja!" neckte sie.Keine Antwort ist auch eine Antwort!"

Nehmen wir an, ja!"

«Ich bin erschüttert von deinem Liebreiz! Da ich also wie du leise zugibst, für dich ein Segen bin, so werde ich in diesem Sinne weiter wirken Nein, wie dürste ich durch mein schmerzliches Scheiden deine innersten Ge­fühle betrüben? Ich werde mich also opfern. Hier hast du ein Siegel darauf!"

Ohne sich um die Heute ringsum zu kümmern, fiel sie ihm um den Hals, stieß mit ihrer kaltgefrorenen Nase an die feine und drückte ihm einen Kuß auf den Mund.

Dann ging sie wieder ehrbar nebenher und blinzelte nur verstohlen zu ihm auf.

Auch Hanns Herbert blieb still.

Ein seltsamer Strom war ihm durch die Sinne ge­rieselt; aber die Stimme seiner Treue mahnte: Hedwig . . . Doch sein Männerherz empörte sich; besaß Hedwig noch ein Anrecht auf seine Treue? Stieß sie ihn nicht wieder und wieder zurück? Verweigerte ihm die ge­meinsame Wohnung, nahm keine Geschenke, kein Geld, als wäre er ein Wildfremder? Ja, verweigerte sie nicht fast auch die Freundschaft?"

Nein, er war Hedwig nicht mehr verpflichtet, wenn auch das Band zwischen ihnen noch nicht vollkommen zerschnitten war . . .

So reihte sich Abend an Abend; allmählich wurde es ihnen fast zur Freude, bei gutem Schneewetter hinaus­zuwandern durch die abendlichen Straffen. Nie war Hilde verstimmt, nie kränklich, bei all ihren freien Scherzen nie verletzend. Zuweilen fiel sie ihm, wenn sie abseits von den großen Verkehrsstraßen in luftigem Gespräch schlenderten, unvermittelt um den Hals, küßte ihn, lachte ausgelassen und spöttelte und nie wußte er: war das Ernst oder Scherz. . .

Wenn man sich aberGute Nacht" gesagt hatte, saß

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