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(SrfdjeitU lechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „2)ie Welt

TTf» 208 lm und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag Cet Fuldaer Actiendruckerel tn Fulda. Fernrufe: Schrift-

Donnerstag, 10. Sept. 1931

Mrs. 58

leitunq 3153. Fuldaer Actiendruckerel 3151 und 3152.

Der Führer der indisch kannte in seiner Rede die Leis

Der italienische Außenminister Grandi.

Der Führer der indischen Delegation er­kannte in seiner Rede die Leistungen des Völker­bundes auch für die jenseits des Suezkanals ge­legenen Länder an und sprach die Anerkennung Indiens vor allem bei der Bekämpfung der Tropen- krankheiten, insbesondere der Malaria erzielten Er­folge aus.

* Die Tokia-Fliegeri« Miß Amy Johnson nach London 'gestartet. Die Tokio-Fliegerin Miß Amy Johnson, die Dienstag nachmittag um 15.05 Uhr auf ihrem Rückflug von Tokio, von Königsberg kommend, auf dem Flugplatz Tem- pelhof landete, startete Mittwoch früh 8.18 Uhr von dort mit ihrem Begleiter Humphreys vom

* Da? Ergebnis der Rigaer Domkirchenabstim­mung. Die Gesamtzahl der im Volksentscheid in der Domkirchensrage abgegebenen Stimmen be­trägt 390 000. Es haben sich ungefähr 30 Pro­zent der Gesamtwählerschaft an der Abstimmung beteiligt. Das Ergebnis der Abstimmung bedeu­tet die Ablehnung der Vorlage, die die Ver­staatlichung der deutschen Domkirche bezweckte.

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Aautilus wieder zurück.

Sir Hubert Witkins Unterseeboot „Nau- t i I u s" ist nach seiner Polarfahrt unter dem Eis Dienstag mittag wieder in Song Pear City eingetroffen. Es wird vermutlich in einigen Tagen seine Fahrt entweder direkt nach Amerika oder aus der Route über Island fortsetzen.

Während der Tagung des Parlaments kam es in L o n d o n zu A r b e i t s l o s e n d e m o n st ro­tt o n e n. Die Gesamtzahl der Verhaftungen, die dabei vor dem Unterhaus vorgenommen wurden, beläuft sich auf insgesamt 17.

Nom nur der Vorwand, um Reibungspunkte zu schaffen. Die faschistische Opposition sei gegen Frankreich gerichtet und es sei zum mindesten ärger­lich, daß eine gewisse französische Politik dies über­haupt erst möglich gemacht habe.

Erklärungen der Vertreter Japans, Indiens und Kanadas im Völkerbund.

wtb. Genf, 9. Sept. (Eig. Meld.) Die heutige Bormittagssitzung der Völkerbundsversammlung brachte die Erklärung der Vertreter dreier nicht- europäischer Staaten. Der japanische Ver­treter Poshisawa sprach zur Wirtschaftskrise, für die er die übermäßigen Zollschrank en verantwortlich machte, und zur Abrüstungs- frage. Er betonte, daß seine Regierung alles tun werde, um auf der bevorstehenden Abrüstungs­konferenz ein der Billigkeit entsprechendes Abkom­men über die Einschränkung der Rüstungen herbei­zuführen. Japan werde der Abrüstungskonferenz Vorschläge unterbreiten, die den Völk'erbundssat- zungen entsprächen und seiner besonderen Lage in Ostasien Rechnung tragen.

Am die BanfenaufftdjL

Wesen. Notwendigkeit und Ziel.

Bon einer besonderen Seite wird uns geschrie­ben:

Die Reichsaufsicht über die Banken ist nichts anderes als die Konsequenz der Hilfe, die seitens des Reiches verschiedenen Großbanken um deswil­len zuteil geworden ist, weil ihre Funktionen in I die wichtigsten Sphären der gesamten deutschen Volkswirtschaft eingreifen. Diese Bankenaufsicht, die also an sich eine Notwendigkeit ist, kann na­turgemäß nicht so weit gehen, daß das Reich auch mit der Verantwortung für die Geschäftsfüh­rung belastet wird, aber die Aufsicht hat die Auf­gabe, diese Geschäftsführung zu kontrollieren mit dem Ziel einer Verschärfung der Verantwortlich­keit gegenüber der Allgemeinheit.

In dem Sachverständigenausschuß, der diele I Dinge seit geraumer Zeit eingehend berät, sind Mittel und Wege einer solchen Bankenaufsicht in vielfacher Form erörtert worden. Die Linie, welche die Regelung einzuschlagen hätte, kann viel­leicht in folgenden Darlegungen am zweckmäßig­sten geschildert werden.

Um eine Aufsicht wirksam zu machen, ist vor allem nicht das Recht, sondern auch die Pflicht der Revision festzulegen. Diese Revision hat sich in bestimmten Abständen zu wiederholen, und sie muß ausreichend und vor allem tiefgreifend genug fein. Um den Ueberblick der Geschäftsgebarung auch nach außen hin zu erleichtern, muß eine Verbesserung und Erhöhung der Publizität bei | den Banken erfolgen. Die in dieser Beziehung bisher angewandten Methoden haben ein klares und durchsichtiges Bild über die Liquidität und da­mit über die Solvenz eines Unternehmens nickt vermitteln können. Das gilt insbesondere für die Kreditgebarung. In diesem Punkte sind ja die meisten Fehler gemacht worden und hier liegt ja wohl auch mit die Wurzel der unheilvollen Er­eignisse der letzten Wochen. Es muß nach außen hin erkennbar sein, inwieweit die Banken kredit­politisch engagiert sind und wie diese Kreditoer­teilung im einzelnen aussieht. Diese Zergliede­rung kann nicht genug spezialisiert sein, sie muß einen Ueberblick gestatten sowohl über die terri­toriale Kreditoert^ilung,- also inwieweit das Aus­land und das Inland daran beteiligt sind, ferner muß erkennbar sein, für welche Zwecke, also im besonderen für welche Wirtschaftsunternehmungen und Spezialbranchen diese Kredite gegeben und wie sie im einzelnen nack Ausmaß, Befristung und Bedingungen gestaltet sind. Richt zu vergessen sind dabei Aufklärungen über die gegebenen Si­cherheiten.

Des weiteren muß sich die Bankenpublizität auf die Verbesserung der Mitteilungen über die Inanspruchnahme aus Auslandsoerpflichtungen, gleichfalls nach Höhe und Fr'sten, erstrecken.

Ein wichtiges Glied der Bankenausiicht wird in der Einrichtung einer ständigen, eingehenden und gewissenhaften Information an die mit dec Wahrnehmung der Aufsicht zu beauftragende Reichsstelle bestehen müssen. Natürlich muß sick diese Berichterstattung noch um vieles intensiver über die Einzelheiten aussprechen, als das natur­gemäß bei einer für die größere Allgemeinheit be­stimmten Publizität der Fall ist Vor allen Din­gen müßte einer solchen Berichterstattung auch Auskunft über die Akzeptengagements und über die Debitoren gegeben werden.

Zur Sicherung der Geschäftsgebarung wird es notwendig sein. Bestimmungen dahingehend zu treffen, daß der Vorstand unter keinen Umständen an irgendwelchen Spekulationsgeschäften sich be­teiligen darf- Ferner ist die Regreßpflicht des Vorstandes und des Aufsichtsrats zu steigern und zu verschärfen. Man wird des ferneren Bestim­mungen über das Höchstmaß der Kreditgewäh­rung für ein und denselben Kreditnehmer tref­fen-, und ebenso wird man den Banken die Auf­lage machen müssen, daß sie vor Uebernahme ei- 1

wtb. Paris, 9. Sept. (Erg. Meld.) Dis gestrige Rede des italienischen Außenministers Grandi in Genf findet in der französischen Presse große Beachtung. Einheitlich wird die Gemeinsamkeit der italienischen These in der Abrüstungs­frage mit der angelsächsischen festgestellt, wie auch der Gegensatz zum französischen Standpunkt. Der Havas-Berichterstatter kündigt bereits an, daß Briand am Donnerstag nach­mittag den Willen Frankreichs im Hinblick auf die Organisierung des Friedens präzisieren werde. Der Außenpolitiker des „Journal" schreibt aus Genf, der Vorschlag Erandis, mit der Weiterführung der Rüstungsprogramme bis zur Abrüstungskonferenz auszusetzen, fei ein Torpedo, der auf das französische System der Sicherheit losgeiassen werde. Der italienische Minister habe einen Angriff gegen die Defensiv-Sonderabkommen unternommen, die wesentliche Elemente des franzö­sischen Sicherheitssystems seien.

„Echo de Paris", das in einem Artikel aus Genf die französischen Rüstungsmaßnahmen verteidigt, gibt der Meinung Ausdruck, daß Grandi mit einer Annahme seiner Borschläge durch Frankreich gar nicht gerechnet habe.

Der in Genf weilende Außenpolitiker des Ma- tin schreibt seinem Blatte, Erandis Vorgehen in der Abrüstungsfrage gehöre in das Gebietder Propaganda. Eine Einstellung der Arbeiten für die nationale Verteidigung würde unvorherge­sehene Arbeitslosigkeit schaffen.

.Ouotidien", der die Italiener ausgezeichnete Diplomaten nennt, erklärt, Italien wolle sich das Prestige einer Friedens- und Ab» k ü st u n g s p o l i t i k geben, gleichzeitig aber gegen die französische Politik opponieren.

„Peuple" behauset, der Friedensgedanke sei für

Die Rede des italienischen Außenministers Grandi in der Vollversammlung des Völkerbun­des, über die schon berichtet wurde, stellte einen außerordentlich ft arten Vorstoß der römischen Politik für die Abrüstung dar. Grandi unterstreicht die Rechtsverbindlich­keit der Verpflichtungen des VölkerburLpaktes und vor allem die Z u s a mm enhänge zwi­schen Rüstungswettlauf und Wirt­schaftskrise, auf die wir in Deutschland seit Jahren aufmerksam gemacht haben. Der praktische Vorschlag den Grandi unterbreitet und der die Sensation des Tages in Genf bilden dürfte, wird in Deutschland sicherlich ein warmes Echo finden. Ein Rüstungsstillstand für die Dauer der Abrüstungskonferenz würde dazu beitragen, die Atmosphäre auf der großen Gen­fer Weltkonferenz günstiger zu gestalten und die budgetäre Lage mancher Staaten erleichtern, in welchen die Rüstungen sich weiter in einem pro­gressiven Stadium befinden. Allerdings müßte eine Gefahr von vornherein ausgeschlossen wer­den: daß man ef’xi von dem am 2. Februar 1932 vorhandenen Status quo der Rüstungen ausge­hend. diesen Zustand auf unbestimmte Zeit verlän­gern würde. Ein Finanz Moratorium bedeutet zwar tatsächlick Erleichterung von schweren Lasten während der- Dauer eine gewissen Zeit, ein R fi­st u n g s moratorium dagegen läßt die vorhande­nen Kriegsinstrumente intakt und damit auch die Mittel, mit denen neue kriegerische Verwirrungen in Europa hervorgerufen werden kann. Nur wenn die Abrüstungskonferenz in wirkliche Herabset­zung der Rüstungen in weitestgehendem Maße erreicht, kann sie die Aufgaben erfüllen, welche ihr der italienische Außenminister zumißt.

Der Hinweis Grandis auf die Notwendi g- keit einer Behandlung b er Repara- tions- und Schuldenfrage in naher Zukunft wird in Deutschland stärkste Zustim­mung finden. Italien hat durch seine uneinge­schränkte und schnelle Zustimmung zum Hoover- plan gezeigt, daß es Verständnis für bie Notwendigkeit en der Weltwirtscha fts- k r i f e hat, deren Auswirkungen das Land selbst so stark verspüren muß. und mir dürfen den Er­klärungen des römischen Ministers entnehmen, daß es bei einer Neuaufrollung der KriegsschuDen- frage, die ja doch in nicht zu ferner Zeit kommen muß, Italien positiv« Mitarbeit leisten wird.

ner Verpflichtung aus dem Auslande, ob es sich um eine aktive oder passive Verpflichtung handelt, die Aufsichtsstelle unterrichten und deren Urteil einhole. Natürlich kann dabei ein Einflußnahme auf die Verteilung der Kredite selbst durch die Bankenaufsicht nicht in Frage kommen.

Eine sehr wichtige Frage ist die nach der In­stanz, welche diese Bankenaufsicht zu übernehmen hätte. Es gibt dafür verschiedene Vorbilder im Ausland, aber auch in Deutschland selbst, nämlich das Reichsaufsichtsamt für Privatversicherungen. ~.ber die bürokratische Verfassung gerade dieses Amts hat gezeigt, daß es zur Wahrnehmung sol­cher Aufgaben nicht ausreichend gerüstet ist. Wie hätte es sonst zu dem Frankfurter Skandalfall kommen können.

Am besten und sichersten wäre immer noch bi« Einrichtung der Bankenaufsichts- und Kontroll­stelle bei der Reichs bank selbst. Die Reichsbank verfügt heute schon über eine ganze Reihe nicht nur unmittelbar praktischer, sondern auch gesetzlich festgelegter Möglichkeiten, um regulierend und beaufsichtigend zu wirken. Man braucht ja nur an die für die Rediskontpolitik in Betracht kom­menden Kontrollmöglichkeiten der Reichsbank zu denken. Die technische Lösung des Problems ist dabei ziemlich nebensächlich, sei es, daß eine eigene Aufsichtsstelle innerhalb des Organismus der Reichsbank geschaffen wird, ober fei es etwa unter der verantwortlichen Leitung eines Direktoriums­mitglieds. In solchem Fall müßte zur Verstärkung der Wirkung der Aufsicht ein auf ganz wenige Köpfe bemessener Ausschuß bestellt werden, der in engster Fühlung mit dem Generalrat der Reichs­bank und dem Direktorium zu arbeiten hätte. Diese Regelung kann entweder auf dem Verwal­tungswege ober aber auch gesetzlich qefdhafren werden. Diese Gelegenheit würde vielleicht auch zu einer Umgruppierung innerhalb des General­rats und des Reichsbankdirektoriums selbst, nicht zuletzt im Sinne einer Verjüngung und einer ver­stärkten Beweglichkeit, zu benutzen sein.

Der merikanische Außenminister teilte mit, daß M e r i f n 8!- -rm fr ? n f r; t ( jn jjen

Vö kerbund angenommen habe.

vertrauens-Volum für IHacöonalh.

2Rit 309 gegen 250 Stimmen.

Das englische Unterhaus hat der neuen Regie­rung mit 309 gegen 250 Stimmen das Ver - trauen ausgesprochen. Das Unterhaus hat also mit einer Mehrheit von 59 Stimmen der Regie­rung das Vertrauen bezeigt. Das Abstimmungs­ergebnis wurde mit langanhaltendem Beifall der Regierungsvarteien aufgenommen. Unmittelbar nach der Abstimmung vertagte sich das Haus auf Mittwoch.

Lord Reading brachte im Oberhaus« einen Antrag ein, wonach das Haus dem König für seine Botschaft dankt und versichert, daß die Maß­nahmen zur Besserung der Finanzlage angenom­men werden würden.

Der Führer der Opposition, Paßfield, wieder­holte, daß die Arbeiterpartei gegen eine Herab­setzung der Sätze der Arbeitslosenunterstützung fei.

Das Oberhaus nahm bann ben Antrag Lord Reabings ohne namentliche Abstimmung an und vertagte sich bis zum 17. September.

Frankreich und die Rede Grandis

Das Abrüstungsproblem in Genf.

Winker-Prognose Skegerwalds.

Reichsaußenminister Stegerwalb äußerte sich zu einem Vertreter ber „Vossischen Zeitung" über bie Entwicklung ber Arbeitslosenfrage im kommenden Winter. Der Minister warnte vor Schwarzseherei. Die Zistern, die gelegentlich in der Oefsentlichkeit für die mutmaßliche Zahl der Arbeitslosen genannt worden seien, müßten als völlig willkürlich gelten. Sie beruhten meist nur auf einer gefühlsmäßigen Schwarzseherei, zu der nun allerdings am allerwenigsten Anlaß sei:

I im Gegenteil, soweit bie Entwicklung in bieiem Sommer Anhaltspunkte biete, müsse man zu ber Auffassung kommen, baß sich bie beutsche Wirt­schaft als über rasch en b roiberftanbs- fähig erwiesen habe. Aber selbst wenn bie Zahl der Arbeitslosen im kommenden Winter erheblich größer werden würde als im vorigen Winter, brauchten wir nicht zu verzweifeln. Es gebe noch eine Fülle von Möglichkeiten, um selbst erheblichen Beanspruchungen gewachsen zu sein, wobei es nur darauf ankäme, diese Möglichkeiten mit E n e r g ie auszunutzen. Dem Gedanken der teilweisen Naturalverpflegung für die Arbeitslosen steht der Minister positiv gegenüber. Er rechne damit, so führte er weiter aus, daß wir in den nächsten sieben Monaten durch Arbeitslosenversicherung, Reich und Gemeinden etwa zwei Milliarden für bie Arbeitslosen werben aufbringen müssen. Es könnte von großem Wert fein, wenn in einzel­nen Fällen unb unter befonberen Verhältnis­sen zwischen Kommunen auf ber einen Seite, Kon­sumgenossenschaftsvereinen unb Einzelhandel auf der anderen Seite Abmachungen getroffen werden, nach denen für bie Arbeitslosen bie Gegenstände des täglichen Bedarfs zu wesentlich verbilligten Preisen erhältlich sind. Wir müssen versuchen mit einem elastischen System über den Winter zu kom­men. Dazu gehören auch alle die Möglichkeiten, durch Randsiedlung vor den Großstädten ei­nen Teil der Arbeitslosen zunächst zu beschäftigen. Zum Schluß sagte der Minister: Dis Prüfung der Zusammenlegung der Krisenfür­sorge und der kommunalen Wohlfa hrts- fürsorge steht vor dem Abschluß. Die großen Ersparnisse, mit denen man noch im vorigen Jahr gerechnet hat. sind dabei indes heute nicht mehr zu erzielen: heute sind die Sätze der beiden Zweige der Fürsorge derart stark angenähert, baß eine Zusammenlegung in ber Hauptsache lediglich eine organisatorische Vereinfachung bebeutet.

FuldaerZeitung

Anzeiger für bie Stabt Fulda unb benCanbtreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Der K a n a b i s ch e Iustizminister Hugh Gu­thrie bezeichnete im Sinne der von ben Vertretern aller Teile bes britischen Reiches stets bekundeten Auffassung die Abrüstung und die daraus fol­gende Sicherung des Friedens als ben „Prüf­st e i n" bes Völkerbundes. Als eines ber Haupt- ausfuhrlänber für Getreide habe Ka- naba mit großem Interesse von bem Bericht bes Europaausschusses über bie Präferenzen Kenntnis genommen. Die kanabische Delegation behalte sich vor. im gegebenen Zusammenhang daraus zurück- zukommen, erklärte aber schon jetzt, daß Kanada sich durch die Vorschläge dieses Berichtes in keiner Weise gebunden fühle.

Brianb bei Dr. Luriius.

Der französische Außenminister Briand stattete am Dienstag dem deutschen Außenminister Dr. Curtius am Sitz ber deutschen Delegation einen Besuch ab. Der Besuch stellt bie erste eingehende persönliche Fühlungnahme zwischen ben beiden Staatsmännern dar, nachdem Briand erst am Sonntag abend in Genf eingetroffen ist. Die Un­terredung dürfte sich auf die Fragen erstreckt ha­ben, die im Rahmen der Tagesordnung der Völ­kerbundsversammlung zur Behandlung kommen.

Worüber spricht man in Amerika?

Kurzoortriige aus Amerika im Rundfunk.

cnb. Berlin, 9. September. (Eig. Meld.) Zwi­schen ber Reichsrundfunkgesellschaft und der Natio­nal Broad Casting Corporation in Neuyork ist ver­einbart worden, daß regelmäßig an jedem zweiten Freitag Kurzvorträge aus Amerika von 15 Minu­ten Dauer unter dem Titel „Worüber spricht man in Amerika" gebracht werden sollen. Die Vorträge werden in Washington von dem dort tätigen Ver­treter des wtb., dem deutschen Journalisten Soll, gehalten. Soll lebt seit vier Jahren in der amerika­nischen Bundeshauptstadt und ist durch seine Presse­tätigkeit in der Lage, sich täglich mit allen auf­tretenden Fragen zu beschäfttgen. Es ist beabsich- tigt, die Kurzvorträge von 20.00—20.15 Uhr über den Deutschlandsender zu geben, dem sich von Fall zu Fall andere Sender anichließen werden.

Der nächste Vortrag, mit dem Soll seine schon kürzlich begonnene Sendung fortsetzt, ist bereits für Freitag, den 18. September, vorgesehen.

Die deuffche Reichsregierung gab ein Schreiben an den Generalsekretär des Völkerbundes über die deutschen Rüstungen bekannt, zugleich mit den Tabellen, bie nach dem vom Völkerbundsrat in ber Maitagung angenomenen Schema bie ein­zelnen Zahlen Mitteilen. Bemerkenswert an diesen zwölft Tabellen ist außer ber Angabe, daß Deutschlanb über insgesamt 100 500 Mann unb 4500 Offiziere an Landstreitkräften unb über 15 000 unb 1500 Offiziere an Seestreitkräften verfügt, nur die Tatsache, baß bie anberen Tabellen alle bas Wort „kein e" als Zahlenangaben enthalten.

Legationsrat Schwenbemann, ber den Vertre­tern ber Presse das Schreiben übergab, wies noch einmal darauf hin, daß bie deutsche Regierung, auch wenn sie das vom Völkerbundsrat beschlos­sene Schema zur Grundlage ihrer Angaben be­nutzt habe, auch heute noch nicht mit diesem Schema einverstanden sei, weil es unvoll- stänbiae Angaben zeitige. Auf Grund des glei­chen Schemas haben bisher bie Vereinigten Staa­ten, Belgien, Enalanb unb Holland» ihre Rüstungs­angaben dem Völkerbunbssekretariat mitgeteilt. Italien soll in biefen Tagen ben anberen gefolgt fein. Auch Frankreich hat an das Völke'r- bunbssekretrat Angaben in Form eines Memoran­dums gemackt, die aber bekanntlich mehr ein po­litischer Kornmentar denn sachliche Mitteilungen sind. Polen hat seine Rüstungen bislang noch nickt befanntaegeben. weil es ber Ansicht ist, baß zuvor bie beim Völkerbund» vorliegenden, schon von ber allgemeinen Umfrage gemachten Angaben Rußlands, die aber bislang geheimgehalten worden sind, bekanntgegeben werden müßten.

Die Gesamttonnage der beutschen Marine be­trögt 125 780 Tonnen. Diese Zahl ist interessant als Vergleich tur sroinösiscken Marinerüstung. Auf Grund ber Konventionen bars Frankreick jährlich 50 000 Tonnen Neubauten erstellen. Da Frankreich diese Ziffer an Neubauten dmrchscknitt- i'ck immer erreicht, so ergibt sich, baß Frankreich innerhalb zweieinhalb Jahren ebensoviel Tonnen neu baut, wie Deuts^-mb überhaupt hat.