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MMMZNUMM

Verlage zur Fuldaer Zeitung

3. September.

Itr. 202

September.

Don I. (Enbringer.

schluckt die braune Scholle

arbc 'smüde ein wenig Licht und trinkt genügsam kargen Tau und kühlen Regen. Die Aveglocke fern verspricht ihr bald'gen Schlaf, und singt den Abendsegen.

Und denken muß ich einer alten, blassen Frau, die feierabends ißt uni) trinkt in tausend Sorgen. '

Und wenn dann sterbensmüd zum Schlaf sie sinkt, schleicht an ihr Lager schon das Tagewerk von morgen.

Einfacher werden!

Bon Emmy Ficus.

Die Zeit gebietet, daß wir wieder einfach werden. Natürlich meint jeder Einzelne, er fei an der äußersten Grenze seiner Sparmöglichkeiten angelangt und es sei überhaupt nicht denkbar noch einfacher zu werden, als man es in letzter Frist geworden fei.

Hand aufs Herz, meine lieben Mitfchweftern: Le­ben wir wirklich so einfach wie unsere Großeltern ge­lebt haben? Sind wir tatsächlich so völlig anspruchslos und auf Sparsamkeit eingestellt, wie unsere Borfahren es waren? Ich glaube es kaum! Denken wir doch ein­mal zurück an unsere frühesten Kindheitserinnerungen, oder an die Erzählungen unserer Eltern aus längstver­klungenen Tagen: Da war keine Rede von Glanz und Luxus und Festfeiern am hellen Werktag! Da gab es tatsächlich sechs ernsthafte, streng gehaltene Arbeitstage und einen einzigen Sonntag zum Ausruhen und Feiern. Mittags gab es keine Süßspeise; nachmittags weder But­ter noch Marmelade zum Kaffee. Kuchen wurde nur an hohen Festtagen gereicht, und zwar mußte es selbstge­backener sein, kein gekaufter. Geselligkeit wurde nur in bescheidenem Maße geübt. Denn man kam nicht zum Schwelgen und Prassen zusammen, sondern um schön­geistige oder fröhliche Unterhaltung zu pflegen.

Waren deshalb die Menschen unglücklicher, unzufrie­dener oder unausgefüllter wie heute? Im Gegenteil!

Ueber die Entstehung der kindlichen Sprache gehen die Meinungen auseinander. Bor allem stehen sich in dieser Frage zwei Grundanschauungen gegen­über, von denen man die eine alsNativismus" und die andere alsEmpirismus" bezeichnet. Nach der Lehre des Nativismus spielt bei der Erwerbung der Sprache die eigene Erfindungskraft des Kindes eine be­deutsame Rolle; nach ihr entspringt vieles, was das Kind sagt, einer völlig freien, schöpferischen Tätigkeit. Don einer solchen eigenen schöpferischen Tätigkeit des Kindes bei der Spracherwerbung will der Empirismus dagegen nichts wissen. Nach seiner Lehre lernt vielmehr das Kind alles, was es spricht, von der Umgebung; er glaubt, daß die kindliche Sprache allein durch Nach­ahmung dessen entsteht, r»as das Kind von dieser Um­gebung hört. Neben diesen beiden sich schroff gegen­überstehenden Richtungen hat sich dann später noch eine dritte herausgebildet, die zwischen jenen zu vermitteln sucht; sie lchxt:Gewiß spielt eine ursprüngliche, un­willkürliche, instinktiv vererbte Tätigkeit (Sprachtrieb) bei der Entstehung der kindlichen Sprache eine Rolle, denn ohne diese Tätigkeit könnte eine Nachahmung gar nicht entstehen; allein fast alles, was das Kind inhalt­lich an Sprachäußerungen vorbringt, ist doch durch Nach­ahmung bedingt. Bei dieser spielt die Spontaneität insofern doch wieder eine Rolle, als ja nicht wahllos alles nachgeahmt wird, vielmehr eine Auswahl stattfindet.

Was nun die Entwicklung der Kindersprache angeht, so pflegt man bei ihr rein äußerlich die drei Stufen des Schreiens, des Lallens und des eigentlichen Spre­chens zu unterscheiden. Das neugeborene Kind kennt nur das Schreien; erst nach mehreren Monaten gesellt sich dazu das Lallen, bei dem man erst etwa im sieben­ten oder achten Monat bemerkt, daß Gehörtes, wenn , auch noch in sehr unvollkommener Weise, nachgeahmt I

Sie führten ein besinnliches Loben voller geistiger In­teressen und innerer Harmonie. Starben die Leute frühaltriger als unsere heutige und gestrige Generation? Nein, sie starben zumeist in hohem Alter nach einem Leben voller Mühe und Arbeit, obgleich und trotzdem die hygienische Einrichtungen noch recht im Argen la­gen und kein Sport die Muskeln kräftigte, keine Frei­luft-Körperkultur die Gesundheit stärkte!

Man wird mir entgegenhalten, daß die Arbeitsmög­lichkeit besser war, daß die Zeiten ohne Telephon, Auto und Radio weniger an den Nerven zerrten und die Kräfte verbrauchten wie heutzutage. Ich will derguten, alten Zeit" gewiß kein Loblied singen; sie hatte ihre Schwächen und Schattenseiten in vieler Beziehung. Auch damals hatten die Deutschen verlorene Kriege zu über­winden; sie hatten Napoleons Heerscharen im Lande; sie waren ausgesaugt bis zum letzten Blutstropfen; waren verarmt, geknebelt und zermürbt. Die Straßen waren dunkel, die Sicherheit war gering, die Not war groß.

Und dennoch wurde gespart, gestrebt und gehofft!

Sollten wir nicht heutzutage zu einer ähnlich hohen Auffassung eines Lobens voller Pflichttreue und Ge­wissenhaftigkeit zurückfinden können?

Die Hausfrauen, welche damals eigenhändig Seife kochten, Lichter gossen, Bier brauten, waschten, putzten, flickten und ihre Kinder betreuten, hatten dennoch Zeit und Interesse für geistige Ziele, seelisches Wachs­tum und allgemeine Ertüchtigung! Sie fetzten an Stelle der Ansprüche und des Wohllebens Arbeit und Sparsamkeit. Und an Stelle lauter, hohler unbe­friedigender Vergnügungen die stille Feierstunde in­nerer Einkehr, lauteren Denkens und liebevoller Für­sorge!

Die damaligen Generationen brachten keine Rekord- Sportgrößen hervor, aber deutsche Mütter, tapfere Frauen, groß in Opferbereitschaft und Entsagung, groß im rechten Lieben, Glauben und Hoffen! Sie waren alle so einfach in jeder Linie in Worten und Taten!

Sollten wir nicht alle zurückkchren zu dieser Ein­fachheit? Sie würde nicht nur unser Volksvermögen bereidjern und dem Ausland imponieren, sondern auch uns Alle wieder reich und glücklich machen im tief­sten Innern! Denn mit den Ansprüchen wachsen nur die Wünsch e, aber mit der Rückkehr zur Einfachheit wachsen unsere inneren Werte!

wird. Das wirkliche Nachsprechen einfacher Wörter wie Dada, Papa, Mama usw. beginnt nach etwa neun Mo­naten, aber es fehlt dabei noch das Verständnis für den Sinn des Nachgesprochenen. Man vermißt noch jede Verbindung zwischen dem Wort und dem Vorstellüngs- halt. Das Verstehen gesprochener Wörter setzt wieder erst einige Monate später ein.Am Ende des ersten Lebensjahres unterscheidet das Kind feine Wahrneh­mungen schon ganz leidlich, ahmt ziemlich richtig nach, hat einige Hebung im Hermrbringen von Lauten. Es verficht bereits manches und fängt nunmehr an, dieses Verständnis durch sprachliche und andere Ausdrucksbe­wegungen darzutun. Sachoorstellung und Wortoorstel- lung sind nunmchr verknüpft". Auf die Fragen: Wo ist Mama? Wo ist Ticktack? blickt das Kind lachend und mit anderen Zeichen des Interesses oder der Freude nach dem Genannten.

Zu dem Nachsprechen kommt bann bald das selbstän­dige Sprechen hinzu; durch dieses gibt das Kind zunächst vorwiegend Wünsche und Begehrungen kund. Es be­zeichnet mit seinen Worten nicht ben Gegenstand, son­dern einen Wunsch oder ein Gefühl, das dieser in ihm erweckt.Tul" heißt nicht: Das ist der Stuhl, sondern: Ich will den Stuhl haben. Erst später meint es beim Sprechen den Gegenstand selbst; das rft z. B. der Fall, wenn es, wo es im Bilderbuch einen Hund steht, sagt: Wau, wau. Etwa im Alter von 18 bis 24 Monaten fängt das Kind an zu fragen, und dieser Zeitpunkt bedeutet für feine Sprachentwicklung einen großen und bedeutsamen Fortschritt. Die meist zuerst auftretenden Fragen sind: Was ist das? Wo ist das? Bis zu zwei oder zweieinhalb Jahren nennt bas Kind sich mit fei­nem Namen oder Kosenamen, wenn es von sich selbst spricht; es vermeidet bis dahin das WortIch". Da­rauf schreitet es vom objektiv Gegenständlichen zur lo­

gisch-begrifflichen Stufe fort, auf der die Sprache zum Ausdruck des Denkens wird. Diese Entwicklung voll» zicht sich meistens zwischen anderthalb und vier Jahren. Mit dem vierten bis fünften Jahre ist die sprachliche Entwicklung soweit gediehen, daß das Kind allen seinen Gefühlen und Gedanken einen entsprechenden und dem Erwachsenen verständlichen Ausdruck geben kann, und von da an geht feine Sprachentwicklung weiter in en­gem Zusammenhang mit seinem allgemeinen Fortschritt.

Bei dieser Entwicklung stellen sich zuweilen gewisse Störungen ein, di« man als Sprachfehler der Kinder zu bezeichnen pflegt. Man unterscheidet dabei gewöhnlich vier Hauptsprachfehler, nämlich Stammeln, Stottern, Poltern und Hörstummheit.

Unter Stammeln versteht man jeden Fehler bet Aussprache, unter Stottern die zeitweilig aus tretende Unfähigkeit, ein Wort oder eine Silber zu beginnen, unter Poltern bas überhastete Sprechen und unter Hörstummheit das Ausbleiben des selbständigen Spre­chens. Am leichtesten ist der Stammler zu heilen. Er bedarf nur eines einfachen Unterrichts im richtigen Sprechen. Langsam und deutlich spricht man ihm das Wort in der rechten Aussprache vor und veranlaßt ihn, öfter mit lauter Stimme zuerst langsam, dann allmäh­lich mtt normaler Sprachgeschwindigkeit das Gehörte nachzusprechen. Wenn das nicht ausreicht, empfiehlt es sich, daß man das Kind über die rechten Bewegungen des Sprechens belehrt.

Das Stottern der Kinder führt man darauf zurück, daß bei vielen und ost gerade intelligenten Kindern ein Mißverhältnis zwischen ihrer Lust zmn Sprechen und ihrer Sprechgeschicklichkeit vorhanden ist, und ferner auch darauf, daß ein Mißverhältnis zwischen der An- zahl der verstandenen Wörter, die die Erwachsenen dem Kinde vorsprechen, und der von ihm gesprochenen Wör­ter besteht, wourch eine ruhige und geordnete Aus­sprache ungünstig beeinflußt wird. Weil bas Stottern sehr von der Gewohnheit abhängig, ist es in den ersten Anfängen leichter zu unterdrücken, als wenn es sich schon durch Gewöhnung eingewurzelt hat. Will man das Stottern wirksam bekämpfen, so muß man vor allem versuchen, die Schüchternheit des Stotterers zu beseiti­gen und sein Selbstvertrauen zu wecken. Als Mittel da­für empfiehlt sich die Einübung des richtigen Sprechens. Je mehr und je bester dem Kinde seine Sprechbewegun- gen gelingen, desto mehr wächst bei ihm auch das Ver­trauen in seine Sprechkunst und fein Mut sie zu betä- tätigen.

Das Poltern, d. h. das überhastete Sprechen, stt meist ein Zeichen und eine Folge von Zerstreutheit und Zer­fahrenheit. Es kommt deshalb bei dem kindlichen Pol­tern darauf an, ihre Aufmerksamkeit zu konzentrieren und der Hast Herr zu werden. Für sie stt das Vor­sprechen, Einüben und der Zwang zu langsamer, sil- benwester, deutlicher Aussprache ein sehr günstig wirken­des Mittel.

Am schwierigsten stt die Behandlung der Hörstumm­heit, d. h. des jahrelangen Ausbleibens des selbständigen Sprechens bei durchaus normalem Sprachverständnis, weil ihr oft ein tieferer seelischer Mangel zugrunde liegt. Man findet sie aber auch bei sonst ganz normalen Kindern infolge scheuen Wesens und niederbrückender Gemütszustände. In diesem Falle stt sie bedingt durch die Scheu, das Sprechen zu versuchen.

Bei allen diesen Sprachfehlern kann einen Heiler­folg nur eine richtige Behandlung gewährleisten, die in einer aufmunternden Einwirkung auf das kindliche Gemütsleben bestehen muß.

Gesundheitliche Ratschläge für September.

Jeder Dag dieser Jahreszeit bringt neues Obst auf unseren Tisch, und da stt es schließlich nicht verwunder­lich, daß mancher des Guten etwas zu viel tut und es hinterher an seinem Magen spüren muß. Dor allen Dingen gilt es, sich beim Obstgenuß jeweilig auf diese oder jene Fruchtart zu beschränken und nicht alle Obst­arten zu gleicher Zeit wahllos durcheinander zu essen. Auch ist es eine alte Regel, daß man zugleich mit dem Obstgenuß keine Flüssigkeit, zumal kein Wasser, zu sich nehmen soll. Man ist lange Zeit darüber im Zweifel gewesen, warum der Magen- und Darmkanal gerade dies übelnimmt; erst die neuere Forschung hat uns hier­über befriedigenden Aufschluß gegeben. Es Hai sich

Entstehung, Entwilklvng nnd Störungen der Kndersprnche.

Von Professor Dr. Gerhard Budde-Hannover.

Das kalke Nest.

Roman von Lisa Barthel-Winkler.

26] ---------

Der Drache Mann hat sein Gift verspritzt! Sein Opfer windet sich in Jammer!" murmelte Lola.Rette die Seele, Klementine! Denn es steht geschrieben, daß

Aber ien Kreischen schrillte zwischen diese Reden der Weisheit.

Meine Kohlrüben!" schrie Frau Speck auf.Die hab ich ja ganz vergessen! Gott, wenn die anbren­nen!"

Schon war sie mit einem Entsetzenssprung an der Tür.

Arme Tochter dieser genußsüchtigen Welt!" mur­melte Lola Spülend) bekümmert.

Doch die geängstigte Klementine hörte nicht auf sie.

Morgen nachmittag komm ich wieder zu dir run­ter jetzt muß ich ins Nachtlager von Granada! O, meine Kohlrüben!"

Und hinaus war sie gefolgt von Loris und Peters Adfchiedswünfchen.

Verleumdung.

Zu dreien faßen sie um den Tisch: Frau Else, Hanns Herbert und Hilde Heller. So oft Hanns Herbert hin­übersah zu dem Platz, auf dem Hedwig immer gesessen hatte, sand er dies blonde, bewegliche Köpfchen auf dem feinen Hals, die lebhaften Schultern, die rast­losen Hände.

Frau Else langte nach der Kanne. Aber schon war Hilde von ihrem Stuhl aufgesprungen und stand neben ihr-

Aber Tantchen! Du wirst doch nicht glauben, ich lasse mich von dir bedienen!" Ihre schmalen Hände faßten die Kanne und gossen den Kaffee in die Tasse. Ihr Blick fiel unter den Tisch.Aber Tantchen! Du hast ja deinen Fußwärmer vergessen!" Behend flog ihre geschmeidige Gestalt durch das Zimmer und schleppte die samtne Fußstütze heran.Hier, so!" lachte sie. Be­haglich mußt bus haben, Tantchen!"

Ja, Kind. Aber nun setz dich und auch. Du vergißt dich selber über mein Wohlergehen," nickte ihr Frau Else zu.Hanns Herbert, hast du genug But­ter? Minna kann doch"

Die blonde Hilde schnellte wieder auf und klingelte nach Minna.

Frau Else lachte.

So, ein Flederwisch!"

Leben, Tante, jung sein! Lustig, lustig!" klatschte Hilde in die Hände.Draußen regnets abscheulich, aber bei uns scheint die Sonne!"

Weiß Gott, die scheint!" sagte Frau Else.So viel habe ich lange nicht gelacht wie jetzt, da du hier bist."

O, es war die höchste Zeit, daß ich kam. Ihr wart schon recht sauertöpfisch aber das Sonnige, das ist Hellerfche Art, Tante; so sind wir alle!"

Ihr habt wohl auch keine Sorgen!" wehrte Hanns Herbert ab, beschwert von ihrer quecksilbrigen Ausge­lassenheit.

Hildes lachendes Gesicht stch ihn schmollend an.

Muh, Herr Vetter! Alter Brummbär! Nein, Gott feis gedankt. Sorgen kenn ich nicht. Was ist das? Ein altes, graues Weib, Spinnfäden über Gesicht und Hände, zahnlos, triebäugig, halbnackt, mit zerrissenen Kleidern ... äh! Solche Hofdamen lieb ich nicht!"

Du bist ein rechtes Kind, lächelte flüchtig Hanns Herbert.

Sie legte ihre Linke auf feine Rechte und schaute ihm nah in die Augen.

Meinst du, Detter Brummbär? Kinder sind dumm und paffen nicht unter Erwachsene. Ich bin nicht dumm. Ich sehe und höre alles. Ich schau einem Menschen durch und durch bis auf den Grund der Seele. Auch in deine Seele. Schließ sie nur immer zu!"

Hanns Herbert fuhr sich beweglich nach dem Kragen und stand auf.

Wenn es dir Spaß macht, gute Unterhaltung!" spöt­telte er.Es wäre wohl leichter auf der Erde, wenn es so einfach wäre, Menschen zu durchschauen. Ich muß fort!"

Aus Wiedersehen, Hann Herbert!" Die Mutter

streichelte ihn. .Willst du heute abend nicht einmal mit Hilde ausfahren?"

Er schüttelte den Stopf.

Quält mich nicht!! Ihr wißt doch, ich mag nicht unter Leute."

Und ich hab mich so gefreut, wenn ich nach der Großstadt komme, etwas zu sehen und zu hören!"

Aber Hanns Herbert achtete nicht auf ihr Gebettel.

Auf Wiedersehen!"

Die Tür klappte hinter ihm ins Schloß.

Hilde sank ein klein wenig zusammen; ein Zornes- blitz schoß aus ihren blauen Augen hinter ihm her. Dann aber veränderte sich ihr Gesicht in scheinheiligem Kum­mer. Sie wandte sich langsam wieder um zu Frau Else. Ihre Blicke begegneten sich.

Es ist entsetzlich, Tantchen!" klagte sieSo ein herrlicher Mann wie dein Sohn und trauert diesem unwürdigen Geschöpf nach! Was hat er nur- an ihr? Eine Schönheit ist sie nicht das sieht man auf den Bildern. Geld hat sie nicht nicht einen Pfennig, wie du sagst. Einen großen Namen oder sonst eine Bedeu­tung besitzt sie auch nicht lippfräulein war sie! Wo haben sie sich eigentlich kennen gelernt? Ich begreife Hanns Herbert nicht!"

Ach, Kind, er brachte sie eines Tages mit nach Haus, Weiter hab' ich nichts gefragt . Er liebte sie. Sollte ich das Glück meines Sohnes zerstören? Solch eine Mut­ter bin ich nicht. Aber ich wünschte, er hätte sie nie ge­sehen! Wärest du doch ein, zwei Jahre eher hierher ge­kommen!"

Hilde rutschte auf ihrem Stuhl hin und her und er­rötete.

Sechs Wochen ist sie schon fort", sagte sie. Was mag sie in den sechs Wochen schon alles erlebt haben! Um- sonst läuft man doch nicht aus einer so guten Ehe davon! Ich trau' der ganzen Geschichte nicht!"

Frau Else lächette.

Du altkluges Kind!"

Ach, Tantchen, bei uns im Haus verkehren so viel bedeutende Menschen! Seit Papa Bürgermeister ist, geht's ein und aus wie im Taubenschlag. Künstler, Gelehrte, Offiziere, Schriftsteller was du willst. Da lernt man schon in der Jugend die Menschen kennen!"

nämlich gezeigt, daß die Gewebe des von den Magen­säften angerauten Obstes die Eigenschaft haben, das vielfache ihres Volumens an Wasser aufzufaugen, wobei sie natürlich außerordentlich stark aufquellen und dann das Vielfache ihres Raumes einnehmen. Hierdurch wird, wie man sich leicht vorstellen kann, der Magen un­gebührlich aufgetrieben, und wenn die Magenwände an der Grenze ihrer Dehnungsfähigkeit angelangt sind, so kann es unter ungünstigen Umständen sogar zu Rissen in der Magenwand kommen, die meist den sicheren und überdies schmerzlichen und qualvollen Tod bedeuten. In wenigen schweren Fällen führt diese Ueberdehnung des Magens zu schmerzhaften Verdauungsstörungen, die sich bis -zu gefährlichen Darmlähmungen steigern kön­nen. Besonders beim Genuß von Kirschen und Stachel­beeren ist wegen chrer großen Quellfähigkeit Vorsicht zu üben. Wer auf seine Gesundheit hält, wird daher mit dem Wassertrinken so lange zuwarten, bis der Magen oder Darm die genossenen Früchte schon hinreichend zer­setzt hat, was nach neueren Untersuchungen bei dem Ge­nuß von 23 Aepfeln oder Apfelsinen nach etwa IVi bis 2 Stunden, bei dem Genuß von größeren Mengen Obst wie Kirschen und Stachelbeeren dagegen erst nach mehreren Stunden der Fall ist.

Daß auch der Genuß von unreifem Obst unange­nehme Verdauungsstörungen Hervorrufen kann, fft all­bekannt. Weniger bekannt aber ist es, daß man, wenn ein solcher akuter Magen- und Darmkatarrh an einem ausgebrochen ist, ihn nicht gewaltsam durch alle mög­lichenStopfmittel" zum Aufhören bringen soll, son­dern daß man vorteilhaft die Selbstreinigung des Kör­pers unterstützt, wodurch der normale Zustand viel ra­scher wieder herbeigeführt wird. Wer also nach dem Genuß von unreifen Pflaumen und dergleichen an hefti­gen Durchfällen erkrankt, sollte nicht durch die zur Pflaumenzett so beliebte Opiumttnktur, die nebenbei ein durchaus nicht harmloses Arzneimittel fft, den Reini­gungsvorgang des Magen- und Darmkanals künstlich unterbrechen, sondern lieber durch kurzdauernde völlige Diät und eventl. durch ein harmloses Abführmittel die Selbsthilfe des Körpers unterstützen.

Die $tau in der Küche.

Apfelsaft, der nicht gären soll.

Wenn der nach dem üblichen Verfahren hergestellte A p f e l m o st oder Apfelsaft nicht gären soll, muß er entlehnt werden. Dies geschieht am besten durch einen Seitzschen Entkeimungsfilter, dessen Anschaffung aber wohl nur bei der Herstellung größerer Mengen lohnend fft. Für den Hausgebrauch bedient man sich meist der Sterilisation oder sog. Entkeimungs- Tabletten, die in den Drogengeschäften erhältlich sind. Die Sterilisation erfolgt in der Weise, daß man die gutverfchloffenen Flaschen im Wasferbade langsam bis auf 70 C. erhitzt und je nach Stärke der Flaschen eine halbe bis % Stunden in dieser Erwärmung beläßt.

Blumenkohl mit Mayonnaise.

Der unterteilte Blumenkohl wird in Salzwasser ge­kocht und erkalten lassen. Man setzt ihn auf eine runde Platte, beträufelt ihn mit Zitronensaft und übergießt ihn mit Mayonnaise. Ringsum garniert man den Blumen­kohl mit Tomatenscheiben und grünem Salat.

Die praktische Hausfrau.

® efprungene Gier kann man noch fieben, wenn man dem Kochwasser einen Teelöffel Salz zusetzt. Das Ei bleibt dadurch geschlossen und läuft nicht aus.

Lackschuhe brechen oft schon nach kurzem Tragen. Um dies zu verhüten reibt man die Schuhe vor dem er­sten Tragen mit Rizinus- ober Lacklederöl ein. Sofort nach dem Ausziehen, wenn ber Schuh noch warm ist, zieht man ihn über einen Leisten, der so stramm sitzen muß, baß sich nicht das kleinste Fältchen bilden kann. Nach der Reinigung reibt man den Schuh wiederum mit Rizinus, ober Lacklederöl ein und poliert ihn vor Ge­brauch.

Korbmöbel, die grau und unansehnlich geworden ist, reinigt man wie folgt: 3 Liter warmem Wasser werden 20 Gramm Kleesalz zugefügt und hiermit die Möbel mit einer Bürste tüchtig bearbeitet. Mit kal­tem, klaren Wasser spült man nach.

Ja, ja, deine Mutter macht ein großes Haus aber es wird sie auch ein ungeheures Geld kosten."

Wir haben's ja dazu!" lachte Hilde.Oh, was meinst du, Tante, wenn ich einmal heirate, bekomme ich meine breißigtausend Mark im Jahr!"

Anerkennen!) nickte Frau Else.

Das freut mich für dich!"

Hilde (prang auf.

Ich werd' ihn schon kribbelig Machen, deinen Hanns Herbert!" lachte sie übermütig.Er soll nicht immer die- fer geschorenen Nonne nachtrauern! So eine Dummheit» wie sie sich nur ihre langen Haare abschneiden konnte! Jede Gans läuft heute so herum! Ich werde mich hüten. Hast du schon meine langen Haare gesehen? Na, guck einmal!!"

Mit ein paar schnellen Griffen löste Hilde ihre Flech­ten und fdjütteüe sie auseinander. Dicht fiel bas blonde Gelock bis in die Kniekehlen.

Sehr schön!"

Ich bin auch mächtig stolz darauf!!"

Das kannst du auch," seufzte Frau Else.Ach, bu bist ein Irrwisch und hast doch so viele vernünftige An- schauungen!"

Meine Mutter hat mich streng erzogen! Dich hat sie immer als bas Muster einer klugen, vornehmen, bemunberungsmürbigen Frau vorgehalten. Als ob ich ein Musterkind werden möchte! Bin mit meinen zwanzig auch schon zu alt dazu!"

3d) wünschte, Hedwig hätte etwas von deiner Ein­sicht und Anpassungsfähigkeit gehabt! Mein Sohn wäre heute nicht unglücklich!"

Damit machte sie eine Bewegung, um aufzustehen. Hilde sprang herzhaft auf, ihr den Stuhl zurückzuschieben und bot ihr den Arm.

Und was wirst du jetzt tun, Hildchen?"

Wenn bu erlaubst, Tantchen, dann schmöckere ich ein bißchen in deinem gelobten Kochbuch herum."

Schau, schau! Na, langweile dich nicht dabei!"

Mit erhobenem Zeigefinger verschwand sie in ihrem Zimmer.

(Fortsetzung folgt)