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Eine afrikanische Elefantenjagd.

Erlebnis von C Kell mann.

In den mit Negerhirse und Mais reichlich bestell« ten Feldern der Ortschaften am oberen Mwesi, im Sü­den von Deutsch-Ostafrika, richteten Elefanten großen Schaden an. Die wenigen Eingeborenenjäger dieser Ge­gend getrauten sich mit ihren Vorderladern nicht den riesigen Dickhäutern zu Leibe zu gehen. Vergeblich ver­suchten die schwer geschädigten Leute durch gemeinsa­mes Lärmen und Schreien die plumpen Tiere aus ih­ren Pflanzungen zu vertreiben. Da ich den teuren so­genannten „großen Jagdschein" des Gouverneurs, der allein zum Abschuß eines starken Elefantenbullen, be­rechtigte, nicht besaß, riet ich den am meisten Bedräng­ten, die Felder vorzeitig abzuernten und die Vorräte in ihren Hütten aufzustapeln. Ich vermutete, die etwa 40 Tiere starke Herde würde, sobald ein Teil der Felder erst leer wäre, nach anderen Gegenden abziehen. Aber die gewaltigen Rüsseltiere blieben da. Gar bald hat­ten sie mit ihrer außerordentlich feinen Witterung den Aufbewahrungsort ihres Lieblingsfutters aufgespürt. Sie rissen die nur leicht gebauten Hütten einfach ein, indem sie die Dächer mühelos abdeckten. Dann holten sie mit dem langen Greifer von den aufgespeicherten Erntemenge so viel heraus, wie sie zur Sättigung des unförmlichen Leibes benötigten. Ein sehr beherzter Neger, der durch besonders geräuschvolles Schlagen mit einem Stein gegen eine leere Pekroleumkanne einen der freche Koloß von feinem Haufe zu verscheuchen ver­suchte, wurde von dem dadurch wütend gewordenen Tiere angegriffen und in seiner eigenen Hütte getötet.

Das war mir nun doch zu toll: ich sandte einen ent­sprechenden Bericht zur Küste und erhielt daraufhin die Weisung, drei große Leittiere abzuschießen Die Zähne der von mir erlegten Elefanten waren selbstverständ­lich Regierungseigentum. — Schnell waren die für die

Jagdkarawane benötigten Träger herbei gerufen und dann wurde der Marsch nach dem drei Tage von mei­ner Station Tunduru entfernten Gebiet angetreten. Da die Eingeborenen übereinstimmend aussagten, daß die Herde nur nachts nach den Pflanzungen käme und bei Tagesanbruch sich regelmäßig wieder ins Gebüsch zurückzöge, setzte ich mich Ä>ends in einem geeigneten Baume an. Von meinem Hochsitz, der sehr günstig zur Windrichtung gewählt war, hatet ich gutes Sicht- und Schußfeld. Leider verborg sich aber der Mond bald hin­ter dunklen Wolken und kam während der ganzen Nacht nicht mehr zum Vorschein. Allzu langsam schlichen da­her die Stunden in der fast völligen Dunkelheit dahin. Der anfänglich noch erträgliche Sitzplatz wurde immer unbequemer. Dazu quälten mich . fortwährend blut­gierige Stechmücken verschiedener Größe. Von den mit Spannung erwarteten Dickhäutern war noch nichts wahrzunehmen, obgleich Mitternacht bereits vorüber war. Oesters schloß ich vor die Augen, machte aber bei dem geringsten Geräusch gleich wieder aus. Der Hoch­sitz wurde mir immer lästiger, und ich fing schon an, die ganze Elefantenjagd zu verwünschen.

Endlich kurz nach 1 Uhr künden die charakteristischen Trompetentöne in der Ferne an, daß die Heide im An­zuge ist Im nahen Buschwald knacken Zweige, das Unterholz praffelt. Hin und wieder fallen abgebrochene Aeste, umgeknickte oder ausgerissene Bäume mit dump­fem Auffchlag zu Boden. Am zunehmenden Getöse kann ich deutlich die Annäherung der Tiere erkennen. Jetzt sind sie in der vor mir liegenden Pflanzung, und nun ganz in meiner Nähe. Vergeblich versuche ich das Dunkel der Nacht zu durchdringen. Ich kann trotz ange­strengtesten Spähens keines der sich fast lautlos fortbe- wegenden Riesentiere ausfindig machen. Nur das Ge­räusch der bündelweise ausgerissenen Negerhirse, das Aufschlagen der riesigen Ohrdeckel und das eigentümliche dumpf kollernde Verdauungsgeknurre verraten ihre An- wesenheit und den jeweiligen Standplatz. — Mit größ­

ter Ungeduld erwarte ich den Tagesanbruch Endlich erscheint ein bleiches Gesicht am östlichen Himmel. Heber den Baumspitzen zeigt sich der erste, blasse Schein, ver­breitert sich nach oben und unten und verwandelt sich bald m ein lohfarbenes Gelb. Die wenigen Sterne verlöschen einer nach dem anderen. Jetzt kann ich auch die Umrisse der grauschwarzen Riesenkörper in der feuch­ten, diesigen Morgenluft schwach erkennen Da packt mich das Jaydsieber, aus einmal ist jede Unbequemlich­keit meines Sitzplatzes vergessen und alle Müdigkeit verflogen. Mit gespanntester Aufmerksamkeit verfolge ich die Bewegungen der gewaltigen Dickhäuter. Noch habe ich aber kein Büchsenlicht. Erst als die Sonne sich wie ein großer weißer, zitternder Feuerball hinter den Bäumen zeigt und der Nebel wie feiner Seiüenflor vom Boden ousgestiegen ist, kann ich die mächtigen Ziere genauer erkennen. Jetzt gilt es schnell den Leitelefan­ten ausfindig zu machen, bevor die Herde in den nahen Buschwald hinüber wechselt. Ich mustere genau die Herde, kann aber keinen Führer unten den fast gleich groß erscheinenden Dielhufern erkennen. Da zeigt sich der Umriß eines ausfallend großen Tieres. Deutlich ragen die langen, gelbweißen Stoßzähne aus dem mas­sigen Schädel hervor. Das fit entschieden ein Bulle, und zwar, wie es scheint, der größte der Herde. Er wird daher aufs Korn genommen, und gerade als die fen­stergroßen Gehöre einen Augenblick quergestellt sind, kracht der Schuß meiner Pirschbüchse. Weithin hallte das Echo in der Morgendämmerung. Der schwere Bulle bricht im Feuer zusammen, kommt aber wieder hoch und folgt der flüchtigen Herde, die unter tosendem Krachen durch den nahen Buschwald dahin fegt

Einen Augenblick hall mich das fesselnde, urwüchsige Bild gefangen. Dann gleite ich rasch am Baumstamm zu Boden und folge, so schnell das hohe Mtamafeld es gestattet, dem fraglos gut getroffenen, fchwerverwunde- ten Kapitalen. Der Trägerführer Boymanda kommt hinter mir her gelaufen. Bald haben wir die Stelle

wieder mit dem Heils gen Worte Gelobt sei Jesus Christus!

Darauf erteilten die Bischöfe der knienden Versammlung den a p o st o l i s ch e n S e g e n. Nun stimmten die vielen Tausende den Ambrosianischen Lobgesang an. Wuchtig erscholl, während der Glok- ken feierliches Geläute erklang, das Loblied über die Kampfbahn. Der Nürnberger Katholikentag war zu Ende.

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Der Bayerische Christliche Bauern­verein veranstaltete zum ersten Mal in Verbin­dung mit dem Deutschen Katholikentag eine große gut besuchte Kundgebung, in der u. a. der 1. Prä­sident des Bayerischen Christlichen Bauernvereins D r. Heim, der bayerische Landwirtschaftsmini- ster Stütze!, der Bischof von Augsburg Dr. Kumpfmüller und Reichsmini st er a. D. D r. Hermes sprachen.

Eine zum Schluß angenommene Entschließung besagt u. a.: Die katholischen Bauern richten die dringende Mahnung an alle berufenen und verantwortlichen Kreike, der Gefährdung des Bauern st an des mit allen geeig­neten Mitteln zu steuern. Nur ein gesun­der, lebensfähiger christlicher Bauernstand wird als Hort geistiger und sittlicher Volkskraft wirken und seine bedeutsamen Funktionen für das Volks- ganze erfüllen können. Die katholischen Bauern sind entschlossen, zur Ueberwindung der schweren Not ihre äußersten Kräfte einzusetzen. Ungeach­tet der eigenenNot werden die katho­lischen Bauern in christlicher Opfer­bereitschaft freudig und tätig mit­helfen, um Millionen bedrängt er Volksgenossen vor Hunger und Elend zu schützen.

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Gedenkfeier der kalh. deutschen Sludenkenverbände.

Unter den schneidigen Klängen der Landespoli­zeikapelle bewegte sich anschließend an de» Fest­gottesdienst im Stadion ein riesiger, farbenpräch­tiger Chargenzug der kath. deutschen Studenten­verbände zum Gefallenendenkmal im Luitpold- Hain. Im Hofe der Gedenkhalle gruppierten sich die weit über 200 Chargenabordnungen zu einem eindrucksvallen, imponierenden Bild. Bischof Se­bastian von Speyer rief das Vermächtnis der toten Helden in die lebendigste Erinnerung. Es sei Pflicht der katholischen Studenten, an einem Tag, der nie in der Erinnerung ausgclöscht werden kann, den toten Brüdern des Weltkriegs alle Liebe zu erweisen. Wofür sie kämpften und den Hel­dentod erlitten, müßten auch wir mit ganzem Herzen, mit ganzer Tat eintreten. Ein einiges Deutschland sei die Losung. Darauf sprach der Borortsvorsitzende des K. V., Böhl-München, namens der Arbeitsgemeinschaft der deutsches, Stu­dentenverbände zu deutscher Einheit mahnende Worte. Mit dem Lied vom guten Kameraden schloß die weihevolle Gedenkfeier.

* Von den Nationalsozialisten in Braunschweig, wo sie Regierungspartei sind. In einer natio- nalsozialistischen Versammlung am Mon­tag abend mahm Gauführer Rust Stellung zu der Frage der M i n i st e r w a h l in Braun­schweig. Er teilte mit, daß er namens der Na­tionalsozialistischen Deutschen Arbeiter-Partei den Fraktionsführern der bürgerlichen Parteien des Landtages erklärt habe, daß der Posten eines na­tionalsozialistischen Ministers wieder besetzt werden solle. Hierzu teilte der Führer der nationalsozialistischen Landtags­fraktion, Abgeordneter Groh, der „Braun­schweigischen Landes-Zeitung" mit, er stehe unver­ändert auf dem Standpunkt, daß die National­sozialisten keinen Anlaß hätten, einen zweiten Minister zu präsentieren, nachdem Minister Dr. Franzen am 27. Juli zurückgetreten ist. Die Er­klärung, die Dr. Franzen bei seinem Rücktritt ab­gegeben habe, sei heute in keiner Weise widerlegt. Nach allem, was bisher bekannt geworden ist, ist die Annahme berechtigt, daß das geplante Vor­gehen der Nationalsozialisten ins Leere trifft, da vermutlich aufgrund der Nowerordnung des Reichspräsidenten in Braunschweig nur ein Minister beibehalten werden wird. — Es han­delt sich also hier um einen offenen Zwist zwischen Parteileitung und Frak- tion. Das Ganze ist ein Zeichen dafür, was die Nationalsozialisten bieten, wenn sie aus der Agitation zur praktischen Arbeit vorstoßen müssen. — Nach einer späteren Mittei­lung ist inzwischen der Fraktionsführer Groh ge- stürzt und durch den Landtagsabgeordneten Ber­tram ersetzt worden. Die Nationalsozialisten wol­len unter allen Umständen in Braunschweig wie­der mitregieren.

Heues in kürze.

In der Nacht auf Sonntag ist der am 27. August ds. 3s. angeschossene Hambur­ger Polizeimeister Perske im Kranken­haus verstorben.

Vatikan und Mussolini.

Aus Rom meldet die „Kölnische Volkszeitung":

Mussolini hat der Polizei Anweisung gegeben, die sämtlichen katholischen Vereinigungen im gan­zen Lande wieder zu eröffnen. Bereits am Montag mittag wurden die Siegel an den Türen entfernt und die Schlüssel den Vertre­tern der Vereinigungen übergeben. Auch die Räume und der Sportplatz der amerikanischen ka­tholischen Vereinigung „Die Ritter von Colum­bus" wurden freigegeben.

Der Text des Abkommens zwischen dem Vati­kan und dem Quirinal ist bereits fertiggestellt. Die United Preß erfährt, daß beide Teile mit der Formel zufrieden sind, die für die Beilegung des Streites über Jugenderziehung gefunden wurde.

Nach langen Besprechungen zwischen dem italie­nischen Botschafter beim Heiligen Stuhl, Graf de Vecchi, und dem' päpstlichen Staatssekretär, Kar-

Oer MUe des Volkes.

Der vor zwei Jahren verstorbene bedeutende Historiker Hans Delbrück hat unter anderem auch ein Büchlein geschrieben, betitelt „Regierung und Volkswille". Der Autor untersucht darin das Wesen des Volkswillens und kommt zu dem Er­gebnis, daß der Wille des Volkes überhaupt nicht konkret zum Ausdruck gebracht werden kann, weil er Geist fei, „reiner Geist, der physisch weder greif­bar noch darstellbar ist". Es stellt zur Begrün­dung einige sehr geistreiche Ueberlegungen an, die etwa folgendermaßen zusammen gefaßt werden können:

Wenn es in einem Staat keine Parteien gibt, so wird die Wahlbeteiligung so klein bleiben, daß von einem Volkswllen nicht die Rede sein kann: haben wir aber Parteien, so zerren sie zwar das Volk auf die Bühne, aber die Entscheidung fällen die Mächte, die Mei- nungslose zur Stimmabgabe zu bestimmen verstehen.

Delbrück führt auch Zahlenbeispiele an: Wil- s o n wurde seiner Zeit zum amerikanischen Prä­sidenten mit 61 Millionen gewählt, seiner vier Gegenkandidaten erhielten insgesamt 8,1 Millio­nen Stimmen, also zwei Millionen mehr als der Gewählte Wollte das amerikanische Volk also wirklich Wilson? Wilson bekam wohl die meisten Stimmen von den fünf Kandidaten, die Zahl der­jenigen aber, die ihn nicht wollten, war zwei Millionen größer, als die Zahl derer, die für ihn waren, uneingerechnet die Zahl der Nichtwähler, von denen zum mindesten angenommen werden kann, daß sie keine allzu großen Freunde Wilsons waren. Trotzdem galt Wilson als der gefeierte Staatsmann des U.S.A.

Als Gegenbeispiel führt Delbrück den französi­schen Kaiser Napoleon HI. an, dessen Regie­rung in der Geschichtsschreibung als Gewaltherr­schaft bezeichnet wird. Napoleon HI. wurde aber am 2. Dezember 1851 zum Präsidenten auf 10 Jahre mit 7,5 Millionen gegen 6,5 Millionen Stimmen gewählt. Auf Grund dieser Wahl konnte er dann später die Kaiserwürde erlangen.

Man muß an die Ausführungen Delbrücks den­ken, wenn man die Wahlen vorn Septem­ber letzten Jahres und unsere gegenwärtige Parteikonstellation und Parteienstärke betrachtet. Welches ist der gegenwärtige Volks­wille der Deutschen? Liegt der etwa bei den radikalen Parteien, die eine Aenderung des Systems verlangen? Für die radikalen Parteien, Kommunisten und Nationalsozialisten haben sich 31,4 Prozent der Wähler entschieden. Wenn man die Zahl der Stimmberechtigten in Betracht zieht, sind es nur 25,6 Prozent aller wahlfähigen Staatsbürger. Ein Viertel des deutschen wahl­fähigen Volkes nur ist also für Umsturz oder Ver­änderung des gegenwärtigen Systems. Die beiden radikalen Parteien sind aber unter sich die größ­ten Feinde, so daß man das Kräfteverhältnis der einzelnen Parteien betrachten muß, um zu an­schaulichen Resultaten zu kommen. Die ernsthaf. ten Gegner des heutigen Staates sind rechts die Nationalsozialisten und Deutschnationalen. Ihre Stimmzahl beträgt 20,9 Prozent aller wahlfähi­gen Bürger, 25,3 Prozent aller abgegebenen gül­tigen Stimmen. Die Nationalsozialisten allein ma­chen 18,3 Prozent aus, die Kommunisten 13,1 Prozent oder 10,2 der Wahlberechtigten. Die Zahl der Nichtwähler beträgt rund 8 Millionen; man kann ohne weiteres behaupten, daß diese 8 Millionen keine Sympathien für die Gegner des Staates von links und rechts haben, denn sonst hätten sie bei der unglaublichen Propaganda, die allen radikalen Parteien zu eigen ist, diese be­stimmt gewählt. An all diesen Zahlen ist nicht zu rütteln, sie können von jedem, der die amtlichen Wahlergebnisse zur Hand hat nachgerechnet wer­den.

Was steckt also hinter den frohlockenden Sie­gesrufen der Radikalen, wenn sie verkünden, ihnen gehöre die Zukunft Deutschlands, wenn sie bei ihren Veranstaltungen so tun oder durch organi­sierte Demonstrationen den Eindruck zu erwecken suchen, als sei das ganze deutsche Volk begeistert

von dem Gedanken eines Dritten Reiches, erhoffe die Rettung vom Sowjetstern? Was steckt dahin­ter? Sehr wenig!

Das alles ist nichts als ein Propagandageschrei von allerdings größter Stoßkraft, denn nichts im­poniert den Massen mehr, als wenn ihrer Par­tei der krönende Sieg sozusagen schon vorher be­wiesen wird. Dazu kommt, daß die Wahlen vom letzten September und die kleineren Landtags- und Kommunalwahlen inmitten einer fürchterlichen wirtschaftlichen Not vor sich gegangen sind und vor sich gehen. Diese andauernde Sorge um das täg­liche Brot treibt die armen unglücklichen Menschen in helle Verzweiflung, die ihnen die klare Beurtei­lung nimmt und sie dadurch den an das Gefühl avpelierenden radikalen Parteiagitatoren auslie­fert. Es ist wirklich keine allzu große Kunst, hun­gernde Menschen in radikale Stimmung zu ver- etzen. — Wenn in einem überfüllten Theaterraum entanb „Feuer" ruft, so ist im selben Augenblick die Menge in eine radikale Stimmung versetzt, sie verliert regelrecht den Verstand, und da helfen dann keine beschavichtigenden Worte mehr, daß es gar nicht brenne, daß der Ausruf auf einem Irr­tum beruhe, die Menge rast, Panik ergreift sie, alles strömt den Türen zu, die die Freiheit und das Leben verheißen, jeder will der Erste fein, keiner nimmt Rücksicht auf die anderen. Menschen werden zu Tode gedrückt oder zu Krüppeln ge­schlagen, kurz das Chaos macht jede Rettung un­möglich. Noch schlimmer ist es, wenn es wirklich brennt, dann kommen meistens alle in den Flam­men um. — Genau so verhält es sich mit einem Volke, das in schweren Zeiten auf die unbedachten, verantwortungslosen Schlagworte hört. Man hat ja jetzt in den letzten Tagen gesehen, wie sehr die radikalen Methoden und Programme den deut­schen Kredit schädigen. Der einfache Mann muß es büßen. — Das steht fest: die Nationalsoziali­sten oder die Kommunisten stellen nicht den V o l k s w i l l e n dar.

Irgendwie muß aber doch der Wille unseres Volkes zum Ausdruck kommen? Wenn man nun den Charakter des deutschen Volkes kennt, bann weiß man, was es will. Und das will es nicht: nämlich den Radikalismus. Das deutsche Volk ist kein radikales Volk, die Geschickte sagt es uns stets, die Revolution von 1918 wäre sonst anders verlaufen, vielleicht ähnlich wie die russische. — Unser Volk will arbeiten und schaffen, will den Frieden haben und Ruhe, aber keine neuen Um­wälzungen. Unser Volk will arbeiten und schaffen, will den Frieden haben und Ruhe, aber keine neue Umwälzungen. Unser Volk will keine Dik­tatur haben, da das seiner ganzen Wesensart wi­derspricht. Unser Volk will Verständigung mit dem Ausland. Unser Volk will Disziplin in der Politik und vernünftiges Abwägen der gegebenen Tatsachen, will Realpolitik, keine diplomatischen Husarenritte. Freilich sind Fehler begangen wor­den, aber sie rechtfertigen noch lange nicht einen zersetzenden Radialismus.

In den letzten Tagen, da die Danken ge­schlossen waren und kein Geld ausgezahlt werden konnte — das ist doch ein nahrhafter Boden für die radikale Propaganda von links und rechts — hat unser Volk bewiesen, daß es in der Praxis nichts von einem Umsturz wissen will und an ra­dikalen Schlagworten; es hat Ruhe bewahrt, sich den Verordnungen gefügt, weil es eben weiß, daß es nur so den endgültigen Zusammenbruch ver­hüten kann. Das ist unser Volk, so handelt es praktisch, 70 Prozent der Staatsbürger haben auch bei den Wahlen so entschieden, die anderen 30 Prozent (Nationalsozialisten, Kommunisten usw.) bestehen größtenteils aus Verzweifelten, Verärger­ten. die in ihrem Unglück den radikalen Parteien Gehör geschenkt haben. Unser Volk will im Kern den heutigen Staat, die gegenwärtige Regierung und die entschlossene Führung durch den Kanzler. Das ist der Wille des Volkes. Das hat die Reichs­tagswahl bewiesen, das hat das Verhalten des Volkes in den letzten aufregenden Tagen bewie­sen.

binal Pacelli, sollen nunmehr, tote in kirchlichen Kreisen verlautet, die Verhandlungen zwecks Det- legung des zwischen dem Vatikan und der italieni­schen Regierung schwebenden Konflikts soweit ge­diehen fein, daß sie wieder in ein offizielles Stadrum treten können. In der Umgebung Pacellis macht sich eine optimistische Stimmung geltend. Man läßt durchblicken, daß die endgültige Beilegung des Konflikts nunmehr in, absehbarer Seit mit Bestimmtheit erwartet werden könne.

* Der Fallschirm öffnete sich nicht . . . Auf dem Flugplatz bei G r e n a a (Jütland) verunglückte in Gegenwart vieler tausende Zuschauer die Ko­penhagener Schauspielerin Emilie Sannom bei einem Fallschirmabsprung aus 500 Meter Höhe tödlich, da der Schirm sich nicht entfaltete.

♦ Ermordung eines amerikanischen Alkohol­schmugglers. Ein in Philadelphia sehr bekannter Alkohöischmuggler, Michael Dufty, wurde in einem Hotel des bekannten Seebades Atlantic-

City von drei jungen Leuten durch Revolver­schüsse ermordet. Die Polizei glaubt, daß die Tä. ter im Auftrag von Newyorker Schmugglern hau. beiten, in deren „Interessensphäre" der Ermordete eingegriffen hatte.

Eine blutige Hochzeit.

cnb. Bukarest. (Eig. Meld.) In einem Dorfe des Bezirkes Czernowitz fand gestern eine Hoch- zeitsseier ein tragisches Ende. Die vielbegehrte Tochter eines reichen Großbauern, das schönste Mädchen der ganzen Gegend, heiratete trotz der Todesdrohungen verschiedener zurückgewiesener Be­werber einen jungen Burschen namens Bilinski. Als nach der kirchlichen Trauung fast das ganze Dorf zum Hochzeitsschmaus im Hofe der Braut- eitern versammelt war und die Feier ihren Höhe- puntt erreicht hatte, erschienen zwei der verschmäh­ten Bewerber am Hoftor und eröffneten ein Schnellfeuer auf die Hochzeitsgäste. Das Brautpaar, die Brauteltern und einer der Trauzeugen brachen von meh­reren Kugeln getroffen zusammen. Den beiden Mördern gelang es, das Dors unangefochten zu verlassen, da niemand wagte, ihnen entgegenzu­treten. Bei den Eltern der Braut und dem Trau­zeugen konnte nur noch der inzwischen eingetretene Tod festgestellt werden. Das junge Ehepaar mußte, lebensgefährlich verletzt, ins Kranken­haus übergeführt werden.

ftnnff und Literatur.

— Tod eines englischen Romanschriftstellers. Der englische Romanschriftsteller Sir Thomas Henry Call C a i n e ist Montag in London im Alter von 78 Jahren gestorben.

kauft deutsche Waren.

Immer und immer wieder ist es notwendig, den Hausfrauen einzuprägen: „Kauft deutsche Waren!"

Im Jahre 1930 haben die deutschen Verbraucher täg­lich an das Ausland folgende Summen gezahlt für

Butter

1 Million RM.

Südfrüchte

698 000 „

Eier

625 000 *

Obst

556 000 N

Fische und Fischzubereitungen

381000 „

Fleisch und Speck

364 000 *

Gemüse

315 000 N

Käse

244 000 „

Stoffe

685 000 *

Schuhwerk und Lederwaren

77 000 N

Glas und Glaswaren

69 000 „ !

Kleidung und Wäsche

55 000 «

Parfümerien und kosmetische Artikel

12 000 „

Wenn man bedenkt, daß für je 6000 Mark eingeführte Jndustriewaren eine Arbeiterfamilie erwerbslos wird, und ebenso für je 2500 Mark Nahrungsmittel, dann ist es unschwer zu begreifen, daß man nicht wirksamer ge­gen die Arbeitslosigkeitankämpfen kann als dadurch, daß man deutsche Waren kauft. Man wird vielleicht antwor­ten, wir haben das alles ja nicht in reichlichem Maße. Soviel ist sicher, daß unsere landwirtschaftliche Produktion wesentlich mehr hervorbringen könnte, wenn der Absatz dafür da wäre.

Dasselbe gilt für Textilwaren, Schuhwerk und Leder­waren, für Glas und Glaswaren, für Kleidung und Wäsche und nicht zuletzt noch für Parfümerien. Die Hausfrauen, durch deren Hände 80 Proz. aller Einnah­men des Erwerbes gehen, sollten bei jedem Einkauf daran denken, daß es Pflicht ist für deutsche Frauen, deutsche Waren zu fordern und zu kaufen, selbst wenn die Qualität derselben nicht ganz so hochwertig ist wie bei Auslandsware. Nur auf diese Weise können die Hausftauen ihrerseits daran mithelfen, daß Quali­tätsware in den oben angeführten Dingen erzeugt wird, und vor allem, daß die große Arbeitslosigkeit überwun­den wird. H. F. Hamburg.

praktische Meiuigketteu.

Schleier z« waschen.

Um Schleier von dem ihnen anhaftenden Schmutz zu befreien, werden sie in Spiritus ausgedrückt und so­lange geschleudert bis sie trocken geworden sind.

Eachnez zu waschen.

Einige Kartoffeln werden sauber geschält, gerieben und durch ein Tuch gepreßt. Dem Kartoffelwafser mengt man nun 2 Liter frisches Wasser bei und wascht darin die Eachnez. Sie verlieren nichts an Farbe und der ehemalige feine Seidenglanz wird bei dieser Reinigung wieder hergestellt.

Bunfglaspapler an Fenstern zu entfernen.

Man bereitet eine ziemlich starke Natronlauge, streicht die Fenster mehrfach damit an und wascht mit heißem Wasser nach. Läßt sich das Buntglaspapier nicht gleich entfernen, so muß man die Natronlauge etwas stärker anfetzen.

il&kosret die für eine Mahlzeit Denöltore Menqe TT^ufeKe für em Kind bb zum & Monat Esst । auch das Beste

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erreicht, wo der Bulle nach dem Schuß gestürzt war. „Sehr viel Blut!" ruft Boymanda freudig aus. Dann eilen wir auf der nicht zu verfehlenden Fährte weiter und find b-ald in dem mit über manneshohem Grafe be­standenen MioMbowald. Umgeknickte Stämme, nieder­getretenes Unterholz bezeichnen den unverkennbaren Weg der Urwaldriesen. Hin und wieder sehen wir deutlich Spuren des Schwerverwundeten. Nun trennt sich feine Fährte fast rechtwinklich von denen der übrigen Herde und führt durch eine sumpfige Niederung mit dichtem Unterbufch. Vorsichtig folgen wir jetzt dem Todgeweihten. Plötzlich zupft Boymanda mich am Aer, mel „Der da, Herr!" und zeigt aufgeregt nach vorne, links seidwärts der bisherigen Richtung. Atemlos bleibe ich stehen und blicke nach der angegebenen Stelle. Da sehe ich den gewaltigen Bullen, kaum zehn Schritte von mir entfernt, an einem Baumstamm gelehnt ste­hen Das massige, runzlige Haupt mit den über meter­langen Stoßzähnen hat er auf eine Astgabelung gestützt. Aus den verhältnismäßig kleinen Augen rinnen große Tränen herab, der ganze Riefenleib zittert. Schritt für Schritt pürfche ich mich katzenartig, mit schußbereiter Büchse, noch etwas näher heran — ein nervenspannen- der Augenblick. — Dann wird der Schwerkranke durch einen Gehirntreffer auf sechs Meter Entfernung schnell von seinem Leiden befreit Röhrend bricht der Urwald­recke nieder und verendet.

Staunend und ergriffen stehe ich kleiner Mensch ei­nen Augenblick Ml vor der Größe dieses wahrhaft rie­senhaften Wildes. Dann aber werde ich von dem ju­belnden Freudengeschrei des getreuen Boymanda mitge­rissen, der fid) mit Eifer den drehrunden und stark beborsteten Schwanz — eine begehrte Siegesbeute — mit seinem Gürtelmeffer absäbelt, und bewundere irt saurichtiger Weidmannsfreude die ungeheuren Maße des Kapitalen, besonders die mächtigen Stoßzähne, die aus dem meterbreiten Schädel heraus ragen.