Eine afrikanische Elefantenjagd.
Erlebnis von C Kell mann.
In den mit Negerhirse und Mais reichlich bestell« ten Feldern der Ortschaften am oberen Mwesi, im Süden von Deutsch-Ostafrika, richteten Elefanten großen Schaden an. Die wenigen Eingeborenenjäger dieser Gegend getrauten sich mit ihren Vorderladern nicht den riesigen Dickhäutern zu Leibe zu gehen. Vergeblich versuchten die schwer geschädigten Leute durch gemeinsames Lärmen und Schreien die plumpen Tiere aus ihren Pflanzungen zu vertreiben. Da ich den teuren sogenannten „großen Jagdschein" des Gouverneurs, der allein zum Abschuß eines starken Elefantenbullen, berechtigte, nicht besaß, riet ich den am meisten Bedrängten, die Felder vorzeitig abzuernten und die Vorräte in ihren Hütten aufzustapeln. Ich vermutete, die etwa 40 Tiere starke Herde würde, sobald ein Teil der Felder erst leer wäre, nach anderen Gegenden abziehen. Aber die gewaltigen Rüsseltiere blieben da. Gar bald hatten sie mit ihrer außerordentlich feinen Witterung den Aufbewahrungsort ihres Lieblingsfutters aufgespürt. Sie rissen die nur leicht gebauten Hütten einfach ein, indem sie die Dächer mühelos abdeckten. Dann holten sie mit dem langen Greifer von den aufgespeicherten Erntemenge so viel heraus, wie sie zur Sättigung des unförmlichen Leibes benötigten. Ein sehr beherzter Neger, der durch besonders geräuschvolles Schlagen mit einem Stein gegen eine leere Pekroleumkanne einen der freche Koloß von feinem Haufe zu verscheuchen versuchte, wurde von dem dadurch wütend gewordenen Tiere angegriffen und in seiner eigenen Hütte getötet.
Das war mir nun doch zu toll: ich sandte einen entsprechenden Bericht zur Küste und erhielt daraufhin die Weisung, drei große Leittiere abzuschießen Die Zähne der von mir erlegten Elefanten waren selbstverständlich Regierungseigentum. — Schnell waren die für die
Jagdkarawane benötigten Träger herbei gerufen und dann wurde der Marsch nach dem drei Tage von meiner Station Tunduru entfernten Gebiet angetreten. Da die Eingeborenen übereinstimmend aussagten, daß die Herde nur nachts nach den Pflanzungen käme und bei Tagesanbruch sich regelmäßig wieder ins Gebüsch zurückzöge, setzte ich mich Ä>ends in einem geeigneten Baume an. Von meinem Hochsitz, der sehr günstig zur Windrichtung gewählt war, hatet ich gutes Sicht- und Schußfeld. Leider verborg sich aber der Mond bald hinter dunklen Wolken und kam während der ganzen Nacht nicht mehr zum Vorschein. Allzu langsam schlichen daher die Stunden in der fast völligen Dunkelheit dahin. Der anfänglich noch erträgliche Sitzplatz wurde immer unbequemer. Dazu quälten mich . fortwährend blutgierige Stechmücken verschiedener Größe. Von den mit Spannung erwarteten Dickhäutern war noch nichts wahrzunehmen, obgleich Mitternacht bereits vorüber war. Oesters schloß ich vor die Augen, machte aber bei dem geringsten Geräusch gleich wieder aus. Der Hochsitz wurde mir immer lästiger, und ich fing schon an, die ganze Elefantenjagd zu verwünschen.
Endlich kurz nach 1 Uhr künden die charakteristischen Trompetentöne in der Ferne an, daß die Heide im Anzuge ist Im nahen Buschwald knacken Zweige, das Unterholz praffelt. Hin und wieder fallen abgebrochene Aeste, umgeknickte oder ausgerissene Bäume mit dumpfem Auffchlag zu Boden. Am zunehmenden Getöse kann ich deutlich die Annäherung der Tiere erkennen. Jetzt sind sie in der vor mir liegenden Pflanzung, und nun ganz in meiner Nähe. Vergeblich versuche ich das Dunkel der Nacht zu durchdringen. Ich kann trotz angestrengtesten Spähens keines der sich fast lautlos fortbe- wegenden Riesentiere ausfindig machen. Nur das Geräusch der bündelweise ausgerissenen Negerhirse, das Aufschlagen der riesigen Ohrdeckel und das eigentümliche dumpf kollernde Verdauungsgeknurre verraten ihre An- wesenheit und den jeweiligen Standplatz. — Mit größ
ter Ungeduld erwarte ich den Tagesanbruch Endlich erscheint ein bleiches Gesicht am östlichen Himmel. Heber den Baumspitzen zeigt sich der erste, blasse Schein, verbreitert sich nach oben und unten und verwandelt sich bald m ein lohfarbenes Gelb. Die wenigen Sterne verlöschen einer nach dem anderen. Jetzt kann ich auch die Umrisse der grauschwarzen Riesenkörper in der feuchten, diesigen Morgenluft schwach erkennen Da packt mich das Jaydsieber, aus einmal ist jede Unbequemlichkeit meines Sitzplatzes vergessen und alle Müdigkeit verflogen. Mit gespanntester Aufmerksamkeit verfolge ich die Bewegungen der gewaltigen Dickhäuter. Noch habe ich aber kein Büchsenlicht. Erst als die Sonne sich wie ein großer weißer, zitternder Feuerball hinter den Bäumen zeigt und der Nebel wie feiner Seiüenflor vom Boden ousgestiegen ist, kann ich die mächtigen Ziere genauer erkennen. Jetzt gilt es schnell den Leitelefanten ausfindig zu machen, bevor die Herde in den nahen Buschwald hinüber wechselt. Ich mustere genau die Herde, kann aber keinen Führer unten den fast gleich groß erscheinenden Dielhufern erkennen. Da zeigt sich der Umriß eines ausfallend großen Tieres. Deutlich ragen die langen, gelbweißen Stoßzähne aus dem massigen Schädel hervor. Das fit entschieden ein Bulle, und zwar, wie es scheint, der größte der Herde. Er wird daher aufs Korn genommen, und gerade als die fenstergroßen Gehöre einen Augenblick quergestellt sind, kracht der Schuß meiner Pirschbüchse. Weithin hallte das Echo in der Morgendämmerung. Der schwere Bulle bricht im Feuer zusammen, kommt aber wieder hoch und folgt der flüchtigen Herde, die unter tosendem Krachen durch den nahen Buschwald dahin fegt
Einen Augenblick hall mich das fesselnde, urwüchsige Bild gefangen. Dann gleite ich rasch am Baumstamm zu Boden und folge, so schnell das hohe Mtamafeld es gestattet, dem fraglos gut getroffenen, fchwerverwunde- ten Kapitalen. Der Trägerführer Boymanda kommt hinter mir her gelaufen. Bald haben wir die Stelle
wieder mit dem Heils gen Worte Gelobt sei Jesus Christus!
Darauf erteilten die Bischöfe der knienden Versammlung den a p o st o l i s ch e n S e g e n. Nun stimmten die vielen Tausende den Ambrosianischen Lobgesang an. Wuchtig erscholl, während der Glok- ken feierliches Geläute erklang, das Loblied über die Kampfbahn. Der Nürnberger Katholikentag war zu Ende.
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Der Bayerische Christliche Bauernverein veranstaltete zum ersten Mal in Verbindung mit dem Deutschen Katholikentag eine große gut besuchte Kundgebung, in der u. a. der 1. Präsident des Bayerischen Christlichen Bauernvereins D r. Heim, der bayerische Landwirtschaftsmini- ster Stütze!, der Bischof von Augsburg Dr. Kumpfmüller und Reichsmini st er a. D. D r. Hermes sprachen.
Eine zum Schluß angenommene Entschließung besagt u. a.: Die katholischen Bauern richten die dringende Mahnung an alle berufenen und verantwortlichen Kreike, der Gefährdung des Bauern st an des mit allen geeigneten Mitteln zu steuern. Nur ein gesunder, lebensfähiger christlicher Bauernstand wird als Hort geistiger und sittlicher Volkskraft wirken und seine bedeutsamen Funktionen für das Volks- ganze erfüllen können. Die katholischen Bauern sind entschlossen, zur Ueberwindung der schweren Not ihre äußersten Kräfte einzusetzen. Ungeachtet der eigenenNot werden die katholischen Bauern in christlicher Opferbereitschaft freudig und tätig mithelfen, um Millionen bedrängt er Volksgenossen vor Hunger und Elend zu schützen.
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Gedenkfeier der kalh. deutschen Sludenkenverbände.
Unter den schneidigen Klängen der Landespolizeikapelle bewegte sich anschließend an de» Festgottesdienst im Stadion ein riesiger, farbenprächtiger Chargenzug der kath. deutschen Studentenverbände zum Gefallenendenkmal im Luitpold- Hain. Im Hofe der Gedenkhalle gruppierten sich die weit über 200 Chargenabordnungen zu einem eindrucksvallen, imponierenden Bild. Bischof Sebastian von Speyer rief das Vermächtnis der toten Helden in die lebendigste Erinnerung. Es sei Pflicht der katholischen Studenten, an einem Tag, der nie in der Erinnerung ausgclöscht werden kann, den toten Brüdern des Weltkriegs alle Liebe zu erweisen. Wofür sie kämpften und den Heldentod erlitten, müßten auch wir mit ganzem Herzen, mit ganzer Tat eintreten. Ein einiges Deutschland sei die Losung. Darauf sprach der Borortsvorsitzende des K. V., Böhl-München, namens der Arbeitsgemeinschaft der deutsches, Studentenverbände zu deutscher Einheit mahnende Worte. Mit dem Lied vom guten Kameraden schloß die weihevolle Gedenkfeier.
* Von den Nationalsozialisten in Braunschweig, wo sie Regierungspartei sind. In einer natio- nalsozialistischen Versammlung am Montag abend mahm Gauführer Rust Stellung zu der Frage der M i n i st e r w a h l in Braunschweig. Er teilte mit, daß er namens der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiter-Partei den Fraktionsführern der bürgerlichen Parteien des Landtages erklärt habe, daß der Posten eines nationalsozialistischen Ministers wieder besetzt werden solle. Hierzu teilte der Führer der nationalsozialistischen Landtagsfraktion, Abgeordneter Groh, der „Braunschweigischen Landes-Zeitung" mit, er stehe unverändert auf dem Standpunkt, daß die Nationalsozialisten keinen Anlaß hätten, einen zweiten Minister zu präsentieren, nachdem Minister Dr. Franzen am 27. Juli zurückgetreten ist. Die Erklärung, die Dr. Franzen bei seinem Rücktritt abgegeben habe, sei heute in keiner Weise widerlegt. Nach allem, was bisher bekannt geworden ist, ist die Annahme berechtigt, daß das geplante Vorgehen der Nationalsozialisten ins Leere trifft, da vermutlich aufgrund der Nowerordnung des Reichspräsidenten in Braunschweig nur ein Minister beibehalten werden wird. — Es handelt sich also hier um einen offenen Zwist zwischen Parteileitung und Frak- tion. Das Ganze ist ein Zeichen dafür, was die Nationalsozialisten bieten, wenn sie aus der Agitation zur praktischen Arbeit vorstoßen müssen. — Nach einer späteren Mitteilung ist inzwischen der Fraktionsführer Groh ge- stürzt und durch den Landtagsabgeordneten Bertram ersetzt worden. Die Nationalsozialisten wollen unter allen Umständen in Braunschweig wieder mitregieren.
Heues in kürze.
In der Nacht auf Sonntag ist der am 27. August ds. 3s. angeschossene Hamburger Polizeimeister Perske im Krankenhaus verstorben.
Vatikan und Mussolini.
Aus Rom meldet die „Kölnische Volkszeitung":
Mussolini hat der Polizei Anweisung gegeben, die sämtlichen katholischen Vereinigungen im ganzen Lande wieder zu eröffnen. Bereits am Montag mittag wurden die Siegel an den Türen entfernt und die Schlüssel den Vertretern der Vereinigungen übergeben. Auch die Räume und der Sportplatz der amerikanischen katholischen Vereinigung „Die Ritter von Columbus" wurden freigegeben.
Der Text des Abkommens zwischen dem Vatikan und dem Quirinal ist bereits fertiggestellt. Die United Preß erfährt, daß beide Teile mit der Formel zufrieden sind, die für die Beilegung des Streites über Jugenderziehung gefunden wurde.
Nach langen Besprechungen zwischen dem italienischen Botschafter beim Heiligen Stuhl, Graf de Vecchi, und dem' päpstlichen Staatssekretär, Kar-
Oer MUe des Volkes.
Der vor zwei Jahren verstorbene bedeutende Historiker Hans Delbrück hat unter anderem auch ein Büchlein geschrieben, betitelt „Regierung und Volkswille". Der Autor untersucht darin das Wesen des Volkswillens und kommt zu dem Ergebnis, daß der Wille des Volkes überhaupt nicht konkret zum Ausdruck gebracht werden kann, weil er Geist fei, „reiner Geist, der physisch weder greifbar noch darstellbar ist". Es stellt zur Begründung einige sehr geistreiche Ueberlegungen an, die etwa folgendermaßen zusammen gefaßt werden können:
Wenn es in einem Staat keine Parteien gibt, so wird die Wahlbeteiligung so klein bleiben, daß von einem Volkswllen nicht die Rede sein kann: haben wir aber Parteien, so zerren sie zwar das Volk auf die Bühne, aber die Entscheidung fällen die Mächte, die Mei- nungslose zur Stimmabgabe zu bestimmen verstehen.
Delbrück führt auch Zahlenbeispiele an: Wil- s o n wurde seiner Zeit zum amerikanischen Präsidenten mit 61 Millionen gewählt, seiner vier Gegenkandidaten erhielten insgesamt 8,1 Millionen Stimmen, also zwei Millionen mehr als der Gewählte Wollte das amerikanische Volk also wirklich Wilson? Wilson bekam wohl die meisten Stimmen von den fünf Kandidaten, die Zahl derjenigen aber, die ihn nicht wollten, war zwei Millionen größer, als die Zahl derer, die für ihn waren, uneingerechnet die Zahl der Nichtwähler, von denen zum mindesten angenommen werden kann, daß sie keine allzu großen Freunde Wilsons waren. Trotzdem galt Wilson als der gefeierte Staatsmann des U.S.A.
Als Gegenbeispiel führt Delbrück den französischen Kaiser Napoleon HI. an, dessen Regierung in der Geschichtsschreibung als Gewaltherrschaft bezeichnet wird. Napoleon HI. wurde aber am 2. Dezember 1851 zum Präsidenten auf 10 Jahre mit 7,5 Millionen gegen 6,5 Millionen Stimmen gewählt. Auf Grund dieser Wahl konnte er dann später die Kaiserwürde erlangen.
Man muß an die Ausführungen Delbrücks denken, wenn man die Wahlen vorn September letzten Jahres und unsere gegenwärtige Parteikonstellation und Parteienstärke betrachtet. Welches ist der gegenwärtige Volkswille der Deutschen? Liegt der etwa bei den radikalen Parteien, die eine Aenderung des Systems verlangen? Für die radikalen Parteien, Kommunisten und Nationalsozialisten haben sich 31,4 Prozent der Wähler entschieden. Wenn man die Zahl der Stimmberechtigten in Betracht zieht, sind es nur 25,6 Prozent aller wahlfähigen Staatsbürger. Ein Viertel des deutschen wahlfähigen Volkes nur ist also für Umsturz oder Veränderung des gegenwärtigen Systems. Die beiden radikalen Parteien sind aber unter sich die größten Feinde, so daß man das Kräfteverhältnis der einzelnen Parteien betrachten muß, um zu anschaulichen Resultaten zu kommen. Die ernsthaf. ten Gegner des heutigen Staates sind rechts die Nationalsozialisten und Deutschnationalen. Ihre Stimmzahl beträgt 20,9 Prozent aller wahlfähigen Bürger, 25,3 Prozent aller abgegebenen gültigen Stimmen. Die Nationalsozialisten allein machen 18,3 Prozent aus, die Kommunisten 13,1 Prozent oder 10,2 der Wahlberechtigten. Die Zahl der Nichtwähler beträgt rund 8 Millionen; man kann ohne weiteres behaupten, daß diese 8 Millionen keine Sympathien für die Gegner des Staates von links und rechts haben, denn sonst hätten sie bei der unglaublichen Propaganda, die allen radikalen Parteien zu eigen ist, diese bestimmt gewählt. An all diesen Zahlen ist nicht zu rütteln, sie können von jedem, der die amtlichen Wahlergebnisse zur Hand hat nachgerechnet werden.
Was steckt also hinter den frohlockenden Siegesrufen der Radikalen, wenn sie verkünden, ihnen gehöre die Zukunft Deutschlands, wenn sie bei ihren Veranstaltungen so tun oder durch organisierte Demonstrationen den Eindruck zu erwecken suchen, als sei das ganze deutsche Volk begeistert
von dem Gedanken eines Dritten Reiches, erhoffe die Rettung vom Sowjetstern? Was steckt dahinter? Sehr wenig!
Das alles ist nichts als ein Propagandageschrei von allerdings größter Stoßkraft, denn nichts imponiert den Massen mehr, als wenn ihrer Partei der krönende Sieg sozusagen schon vorher bewiesen wird. Dazu kommt, daß die Wahlen vom letzten September und die kleineren Landtags- und Kommunalwahlen inmitten einer fürchterlichen wirtschaftlichen Not vor sich gegangen sind und vor sich gehen. Diese andauernde Sorge um das tägliche Brot treibt die armen unglücklichen Menschen in helle Verzweiflung, die ihnen die klare Beurteilung nimmt und sie dadurch den an das Gefühl avpelierenden radikalen Parteiagitatoren ausliefert. Es ist wirklich keine allzu große Kunst, hungernde Menschen in radikale Stimmung zu ver- etzen. — Wenn in einem überfüllten Theaterraum entanb „Feuer" ruft, so ist im selben Augenblick die Menge in eine radikale Stimmung versetzt, sie verliert regelrecht den Verstand, und da helfen dann keine beschavichtigenden Worte mehr, daß es gar nicht brenne, daß der Ausruf auf einem Irrtum beruhe, die Menge rast, Panik ergreift sie, alles strömt den Türen zu, die die Freiheit und das Leben verheißen, jeder will der Erste fein, keiner nimmt Rücksicht auf die anderen. Menschen werden zu Tode gedrückt oder zu Krüppeln geschlagen, kurz das Chaos macht jede Rettung unmöglich. Noch schlimmer ist es, wenn es wirklich brennt, dann kommen meistens alle in den Flammen um. — Genau so verhält es sich mit einem Volke, das in schweren Zeiten auf die unbedachten, verantwortungslosen Schlagworte hört. Man hat ja jetzt in den letzten Tagen gesehen, wie sehr die radikalen Methoden und Programme den deutschen Kredit schädigen. Der einfache Mann muß es büßen. — Das steht fest: die Nationalsozialisten oder die Kommunisten stellen nicht den V o l k s w i l l e n dar.
Irgendwie muß aber doch der Wille unseres Volkes zum Ausdruck kommen? Wenn man nun den Charakter des deutschen Volkes kennt, bann weiß man, was es will. Und das will es nicht: nämlich den Radikalismus. Das deutsche Volk ist kein radikales Volk, die Geschickte sagt es uns stets, die Revolution von 1918 wäre sonst anders verlaufen, vielleicht ähnlich wie die russische. — Unser Volk will arbeiten und schaffen, will den Frieden haben und Ruhe, aber keine neuen Umwälzungen. Unser Volk will arbeiten und schaffen, will den Frieden haben und Ruhe, aber keine neue Umwälzungen. Unser Volk will keine Diktatur haben, da das seiner ganzen Wesensart widerspricht. Unser Volk will Verständigung mit dem Ausland. Unser Volk will Disziplin in der Politik und vernünftiges Abwägen der gegebenen Tatsachen, will Realpolitik, keine diplomatischen Husarenritte. Freilich sind Fehler begangen worden, aber sie rechtfertigen noch lange nicht einen zersetzenden Radialismus.
In den letzten Tagen, da die Danken geschlossen waren und kein Geld ausgezahlt werden konnte — das ist doch ein nahrhafter Boden für die radikale Propaganda von links und rechts — hat unser Volk bewiesen, daß es in der Praxis nichts von einem Umsturz wissen will und an radikalen Schlagworten; es hat Ruhe bewahrt, sich den Verordnungen gefügt, weil es eben weiß, daß es nur so den endgültigen Zusammenbruch verhüten kann. Das ist unser Volk, so handelt es praktisch, 70 Prozent der Staatsbürger haben auch bei den Wahlen so entschieden, die anderen 30 Prozent (Nationalsozialisten, Kommunisten usw.) bestehen größtenteils aus Verzweifelten, Verärgerten. die in ihrem Unglück den radikalen Parteien Gehör geschenkt haben. Unser Volk will im Kern den heutigen Staat, die gegenwärtige Regierung und die entschlossene Führung durch den Kanzler. Das ist der Wille des Volkes. Das hat die Reichstagswahl bewiesen, das hat das Verhalten des Volkes in den letzten aufregenden Tagen bewiesen.
binal Pacelli, sollen nunmehr, tote in kirchlichen Kreisen verlautet, die Verhandlungen zwecks Det- legung des zwischen dem Vatikan und der italienischen Regierung schwebenden Konflikts soweit gediehen fein, daß sie wieder in ein offizielles Stadrum treten können. In der Umgebung Pacellis macht sich eine optimistische Stimmung geltend. Man läßt durchblicken, daß die endgültige Beilegung des Konflikts nunmehr in, absehbarer Seit mit Bestimmtheit erwartet werden könne.
* Der Fallschirm öffnete sich nicht . . . Auf dem Flugplatz bei G r e n a a (Jütland) verunglückte in Gegenwart vieler tausende Zuschauer die Kopenhagener Schauspielerin Emilie Sannom bei einem Fallschirmabsprung aus 500 Meter Höhe tödlich, da der Schirm sich nicht entfaltete.
♦ Ermordung eines amerikanischen Alkoholschmugglers. Ein in Philadelphia sehr bekannter Alkohöischmuggler, Michael Dufty, wurde in einem Hotel des bekannten Seebades Atlantic-
City von drei jungen Leuten durch Revolverschüsse ermordet. Die Polizei glaubt, daß die Tä. ter im Auftrag von Newyorker Schmugglern hau. beiten, in deren „Interessensphäre" der Ermordete eingegriffen hatte.
Eine blutige Hochzeit.
cnb. Bukarest. (Eig. Meld.) In einem Dorfe des Bezirkes Czernowitz fand gestern eine Hoch- zeitsseier ein tragisches Ende. Die vielbegehrte Tochter eines reichen Großbauern, das schönste Mädchen der ganzen Gegend, heiratete trotz der Todesdrohungen verschiedener zurückgewiesener Bewerber einen jungen Burschen namens Bilinski. Als nach der kirchlichen Trauung fast das ganze Dorf zum Hochzeitsschmaus im Hofe der Braut- eitern versammelt war und die Feier ihren Höhe- puntt erreicht hatte, erschienen zwei der verschmähten Bewerber am Hoftor und eröffneten ein Schnellfeuer auf die Hochzeitsgäste. Das Brautpaar, die Brauteltern und einer der Trauzeugen brachen von mehreren Kugeln getroffen zusammen. Den beiden Mördern gelang es, das Dors unangefochten zu verlassen, da niemand wagte, ihnen entgegenzutreten. Bei den Eltern der Braut und dem Trauzeugen konnte nur noch der inzwischen eingetretene Tod festgestellt werden. Das junge Ehepaar mußte, lebensgefährlich verletzt, ins Krankenhaus übergeführt werden.
ftnnff und Literatur.
— Tod eines englischen Romanschriftstellers. Der englische Romanschriftsteller Sir Thomas Henry Call C a i n e ist Montag in London im Alter von 78 Jahren gestorben.
kauft deutsche Waren.
Immer und immer wieder ist es notwendig, den Hausfrauen einzuprägen: „Kauft deutsche Waren!"
Im Jahre 1930 haben die deutschen Verbraucher täglich an das Ausland folgende Summen gezahlt für
Butter
1 Million RM.
Südfrüchte
698 000 „
Eier
625 000 *
Obst
556 000 N
Fische und Fischzubereitungen
381000 „
Fleisch und Speck
364 000 *
Gemüse
315 000 N
Käse
244 000 „
Stoffe
685 000 *
Schuhwerk und Lederwaren
77 000 N
Glas und Glaswaren
69 000 „ !
Kleidung und Wäsche
55 000 «
Parfümerien und kosmetische Artikel
12 000 „
Wenn man bedenkt, daß für je 6000 Mark eingeführte Jndustriewaren eine Arbeiterfamilie erwerbslos wird, und ebenso für je 2500 Mark Nahrungsmittel, dann ist es unschwer zu begreifen, daß man nicht wirksamer gegen die Arbeitslosigkeitankämpfen kann als dadurch, daß man deutsche Waren kauft. Man wird vielleicht antworten, wir haben das alles ja nicht in reichlichem Maße. Soviel ist sicher, daß unsere landwirtschaftliche Produktion wesentlich mehr hervorbringen könnte, wenn der Absatz dafür da wäre.
Dasselbe gilt für Textilwaren, Schuhwerk und Lederwaren, für Glas und Glaswaren, für Kleidung und Wäsche und nicht zuletzt noch für Parfümerien. Die Hausfrauen, durch deren Hände 80 Proz. aller Einnahmen des Erwerbes gehen, sollten bei jedem Einkauf daran denken, daß es Pflicht ist für deutsche Frauen, deutsche Waren zu fordern und zu kaufen, selbst wenn die Qualität derselben nicht ganz so hochwertig ist wie bei Auslandsware. Nur auf diese Weise können die Hausftauen ihrerseits daran mithelfen, daß Qualitätsware in den oben angeführten Dingen erzeugt wird, und vor allem, daß die große Arbeitslosigkeit überwunden wird. H. F. Hamburg.
praktische Meiuigketteu.
Schleier z« waschen.
Um Schleier von dem ihnen anhaftenden Schmutz zu befreien, werden sie in Spiritus ausgedrückt und solange geschleudert bis sie trocken geworden sind.
Eachnez zu waschen.
Einige Kartoffeln werden sauber geschält, gerieben und durch ein Tuch gepreßt. Dem Kartoffelwafser mengt man nun 2 Liter frisches Wasser bei und wascht darin die Eachnez. Sie verlieren nichts an Farbe und der ehemalige feine Seidenglanz wird bei dieser Reinigung wieder hergestellt.
Bunfglaspapler an Fenstern zu entfernen.
Man bereitet eine ziemlich starke Natronlauge, streicht die Fenster mehrfach damit an und wascht mit heißem Wasser nach. Läßt sich das Buntglaspapier nicht gleich entfernen, so muß man die Natronlauge etwas stärker anfetzen.
il&kosret die für eine Mahlzeit Denöltore Menqe TT^ufeKe für em Kind bb zum & Monat Esst । auch das Beste
h. 0*4«’weh
erreicht, wo der Bulle nach dem Schuß gestürzt war. „Sehr viel Blut!" ruft Boymanda freudig aus. Dann eilen wir auf der nicht zu verfehlenden Fährte weiter und find b-ald in dem mit über manneshohem Grafe bestandenen MioMbowald. Umgeknickte Stämme, niedergetretenes Unterholz bezeichnen den unverkennbaren Weg der Urwaldriesen. Hin und wieder sehen wir deutlich Spuren des Schwerverwundeten. Nun trennt sich feine Fährte fast rechtwinklich von denen der übrigen Herde und führt durch eine sumpfige Niederung mit dichtem Unterbufch. Vorsichtig folgen wir jetzt dem Todgeweihten. Plötzlich zupft Boymanda mich am Aer, mel „Der da, Herr!" und zeigt aufgeregt nach vorne, links seidwärts der bisherigen Richtung. Atemlos bleibe ich stehen und blicke nach der angegebenen Stelle. Da sehe ich den gewaltigen Bullen, kaum zehn Schritte von mir entfernt, an einem Baumstamm gelehnt stehen Das massige, runzlige Haupt mit den über meterlangen Stoßzähnen hat er auf eine Astgabelung gestützt. Aus den verhältnismäßig kleinen Augen rinnen große Tränen herab, der ganze Riefenleib zittert. Schritt für Schritt pürfche ich mich katzenartig, mit schußbereiter Büchse, noch etwas näher heran — ein nervenspannen- der Augenblick. — Dann wird der Schwerkranke durch einen Gehirntreffer auf sechs Meter Entfernung schnell von seinem Leiden befreit Röhrend bricht der Urwaldrecke nieder und verendet.
Staunend und ergriffen stehe ich kleiner Mensch einen Augenblick Ml vor der Größe dieses wahrhaft riesenhaften Wildes. Dann aber werde ich von dem jubelnden Freudengeschrei des getreuen Boymanda mitgerissen, der fid) mit Eifer den drehrunden und stark beborsteten Schwanz — eine begehrte Siegesbeute — mit seinem Gürtelmeffer absäbelt, und bewundere irt saurichtiger Weidmannsfreude die ungeheuren Maße des Kapitalen, besonders die mächtigen Stoßzähne, die aus dem meterbreiten Schädel heraus ragen.