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. . Erschein, sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt

Ar. 200 tm Bild" undBuchenblätter"'. Rotationsdruck und Verlag *'*'*'* der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift-

Dienstag, 1. September 1931

Mrg. 58

leitung 3153, Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152.

Monatlich 1.80 einschliehi. Postgebühr (48 P,g., ohne ,-justellg n S®1^eUe: Kleinzeile (Sol.) lokal 0.15 RM.. auswärts S20 RM. Reklamezeile: lokal 0.60 RM., auswärts 0.80 RM Bei Wiederholunaen Rabatt Pnstscheckk ftrnnh a 'Di 4051

Jetzt haben wir auch von der Sommunt« stischen Partei eine Legalitätsbe­kundung. Am Freitag hat der Reichstagsobge- ordnets R e rn m e l e bei einem Presseempfang er­klärt, die Kommunistische Partei beabsichtige für die nächsten Wochen und Monate keinen be­waffneten A u f st a n d. Er ist also vorsich­tiger als Hitler der ja zu beschwören pflegt, daß ihm aufrührerische Gedanken überhaupt fernlie­gen. während Remmele sich immerhin nur für die nächsten Monate festlegt. Aber was ist schon mit einer solchen Beteuerung anzufangen? Im glei­chen Augenblick teilt Herr Remmele nämlich auch mit, daß der Rotfrontkämpferbund trotz des Ver­botes nach wie vor bestehe, nur die von der Poli­zei vermuteten Terrorgruppen innerhalb der Korn, munistischen Partei gäbe es nicht. Man sieht, die Kommunisten sind in der Ableugnung ihrer Be­strebungen nicht so ängstlich wie ihre heldischen Brüder von rechts. Wenn man Hitler hört, dann ist die ganze Nationalsozialistische Partei eine gei­stige Bewegung, die beim Absingen von Volkslie­dern und beim Studium philosophischer Schriften

Am Samstag wurde in der geschlossenen Ver­sammlung der Teilnehmer am Katholikentage bei dem Bericht über den Vertretertag verschiedene Ent­schließungen einstimmig gefaßt, die u. a. besagen:

Das deutsche Volk ist zurzeit in b i o l o g i s ch e m Niedergang begriffen. Aufgabe der deutschen Politik ist es infolgedessen, die Lebensgesetze zur Anerkennung und die Naturordnung, auf der die Erhaltung und Aufwärtsentwicklung eines jeden Volkes beruht, zur Geltung zu bringen. Im Sinne der Enzyklika Quadragesimo ist der weiteren Prole- tarisierung der Arbeiterschaft und dem Absinken des selbständigen Mittelstandes entgegenzuwirken. Wichtige gesetzliche Maßnahmen zur Volksgesun­dung sind u. a. die Verbesserung des Bodenrechts und die planmäßige Förderung des Wohnungs­baues, des Heimstätten- und Siedlungswesens.

Der Vertretertag in Nürnberg hat sich mit den Zersetzungserscheinungen befaßt, die neben dem Kampf gegen die christliche Ehe und Familie gegen­wärtig unser Volk bedrohen. Als Ergebnis dieser Verhandlungen erheben wir folgende Forderun­gen an die Gesetzgebung und öffentliche Verwal- ftlng: Die zerstörende Propaganda des Bolschewis­mus ist mit unbedingter Entschiedenheit zu bekämp­fen. Wirtschafts- und außenpolitische Rücksichten dürfen keineswegs der planmäßigen Unterwühlung unseres Volkstums freie Bahn geben. Gegen die Freidewker- und Gottlosenbewegung ist die in der Reichsverfassung verbriefte Vorzugsstellung der christlichen Religion mit allen gesetzlichen Mitteln zu verteidigen. Die herabsetzende Propaganda gegen die christliche Religion, ihre Einrichtungen und Gebräuche ist gemäß dem geltenden Straf­recht und der Notverordnung des Reichspräsidenten vom 28. März 1931 zu verhindern.

Der nächstjährige Katholiken-Tag soll in Essen gehalten werden.

An den Apostolischen Nuntius in Madrid ging folgendes Telegramm:

Unfern Glaubensbrüdern in Spanien senden wir deutschen Katholiken Ausdruck treuester An­teilnahme. Wir vereinigen uns mit ihnen im Gebet, in .Mut, Kraft und Ausdauer in ihrer Be­drängnis, bis Gottes Vorsehung diesem Karfrei­tag einen Ostertag folgen läßt.

* An den französischen Manövern werden Zi. vilflugzeuge teilnehmen. Wie ein Pariser Mittags­blatt mitteilt, werden an den großen Manövern an der Aisne im Gebiet von Reims, die Anfang September beginnen, vier Abteilungen priva­ter Verkehrsflieger teilnehmen. Diese Flugzeuge, die eine Motorenstärke von mindestens 80 und höchstens 140 PS. haben dürfen, werden von ihren privaten Besitzern gesteuert, soweit sie ein mili­tärisches Flugpatent haben. Die Teilnehmer er­halten eine Entschädigung von 60 Francs (10 JO pro Tag und 300 Francs (50 M) pro Flugstunde. Das Bruchrisiko geht zu Lasten des Besitzers. Für die Manöver sind zehn Tage vorgesehen. Man glaubt, daß dieie kleinen Verkehrsapparate, die eine Geschwindigkeit von nur 130 Stundenkilo­metern erreichen, wichtige militärische Dienste als Verbindungsflugzeuge leisten können.

* woldemaras freigesprochen. Im Wolde- maras-Prozeß wurde das Urteil gefällt. 10 An­geklagte, darunter Woldemaras und zwei feinet Adjutanten, wurden freigespro ch e n. 12 An­geklagte wurden zu je einem Jahr Gefängnis ver­urteilt, davon zwei unter Zubilligung einer Be­währungsfrist. Der Rustika-Attentäter Veitkie- wiczus erhielt 15 Jahre Zuchthaus, fein Helfershel­fer Pupaleikis 12 Jahre Zpchthaus, beide bei Ver­lust der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebensdauer. Der Freispruch von Woldemaras hat naturgemäß I großes Aufsehen heroorgerufen, 1

Landtag am S. September?

* V. D. Z. Berlin, 31. Aug. (Eig. Meld.) Der Aeltestenrat des preußischen Landtags wird am Dienstagnachmittag sich schlüssig zu machen haben über seine Stellung zu dem Antrag der De utsch national en, der von den Natio­nalsozialisten und vom Landvolk unter­stützt worden ist und die sofortige Einberufung des Landtages zur Beratung des deutschnationalen Urantrages über die Vorschläge des preußischen Finanzministers Dr. Hoepker-Aschoff zur Reichsre­form fordert. Zugleich hat der Aeltestenrat zu be­schließen, wann der kommunistische Urantrag, dem preußischen Staatsministerium das Vertrauen zu entziehen, zur Beratung zu stellen ist. Bekannt­lich muß ein solcher Mißtrauensantrag nach den Bestimmungen der preußischen Verfassung inner­halb von 14 Tagen erledigt sein. Da die Einladungen zu der Plenarsitzung, nachdem der Aeltestenrat seine Beschlüsse gefaßt hat, an die Mitglieder des Landtags hinaufgehen müssen, so wird kaum damit zu rechnen sein, daß der Land­tag noch in dieser Woche zusammentritt. Es dürfte zu erwarten sein, daß der Zusammentritt zu Be­ginn der nächsten Woche, vielleicht am Dienstag erfolgt. Man wird mit einem dreitägigen Sitzungsabschnitt zu rechnen haben. Die Abstimmung über den Mißtrauensantrag wird voraussichtlich am Donnerstag oder Freitag vor­genommen werden, lieber den Mißtrauensantrag kann frühestens am 2. Tage nach Abschluß der Beratung über den Antrag abgestimmt werden.

2000 Anne werden in Nürnberg gespeist. Ein großes Wohlsahrlswerk des Kakholiken-Tages.Die Gelder wurden beim Feftgottesdienst, an dem 100000 Katholiken teil- nahmen, gesammelt. Eine Rede des Reichsarbeitsministers über die Ursache der Rot.

Bemerkenswerter Telegramm-Wechsel mit Hindenburg.

zu senden:

Tausende von Teilnehmern an der zweiten öffentlichen Versammlung danken herzlichst für den warmen Gruß und beantworten ihn mit bem Ge­löbnis treuester Anhänglichkeit und opferwilliger deuffcher Bruderliebe."

Gruß des Heiligen Vaters

Bei Eröffnung der Schluß-Versammlung verlas der Präsident des Katholikentages den Gruß des Heiligen Vaters an die Nürnberger Katholikenver­sammlung:

Der Heilige Vater hat Euren Huldigungsgruß fteudigen Herzens entgegengenommen. Er segnet Euch in großer Liebe, damit alles, was Ihr auf Eurer Generalversammlung beschlossen habt, mit Gottes Hilfe immer reichlicher und immer mehr verwirklicht werde."

Der Sonntag.

Bei dem Festgottesdienft im Stadion, der von gutem Wetter begünstigt wurde und etwa 100 000 -Teilnehmer zählte, sprach der Hochwürdigste Herr Erzbischof von Bamberg, Dr. Jakobus v. Hauch von der Wahrheit, der Heiligkeit, der Liebe uu Frieden aus Christus, der Liebe, die den 5Brü= Oetrt in Not, den Verzweifelnden, Verbitterten hilft, .

I Versammlung des Deutschen Katholiken- tages an.

Dr. Hipp (Regensburg) hielt einen Vortrag über das ThemaDer Christ in den sozialen Rötender Gegenwart". Er schloß seine Ausführungen: Möge I das deutsche Volk als erstes im friedlichen Wett­streit mit den anderen Nationen die Grundsätze der sozialen Gerechtigkeit und christlichen Liehe im privaten wie im öffentlichen Leben, in Staat und Wirtschaft verwirklichen.

Der österreichische Kultusminister D r. Czer - mak überbrachte die Grüße Oesterreichs an die Generalversammlung der Katholiken Deutschlands. Die Geschichte der katholischen Organisationen sei gemeinsam dem Deutschen Reich und Oesterreich.

Der Präsident der 70. Generalversammlung, Reichstagsabgeordneter Joos (Köln), sagte Dan- kesworte an die Stadt Nürnberg, die Katholiken Nürnbergs, die hohen Gäste, an Ministerpräsident Dr. Held, das Land Bayern, die Bischöfe, Aebte, Prälaten und den Nuntius.

Sodann trat der Erzbischof von Bamberg an die Brüstung, gefolgt vom Nuntius und den an­wesenden Bischöfen und spendete der Versamm­lung den oberhirtlichen Segen.

Das Huldigurtgstelegramm des Katholikentages an den Reichspräsidenten.

wtb. Berlin, 31. Aug. (Eig. Meld.) Der Präsi­dent des Katholikentages hat an den Reichspräsi­denten das nachstehende Telegramm gerichtet:

Viele Tausende deutscher katholischer Männer und Frauen, die zur 70. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands in Nürnberg versammelt sind, entbieten dem hochverehrten Herrn Reichs­präsidenten ihre wärmsten Grüße und versichern ihm ihrer opfertteuen Mitarbeit in dieser schweren Zeit.

Joos, Präsident."

Der Herr Reichspräsident hat mit nach­stehendem Telegramm geantwortet:

Den Teilnehmern am 70. Katholikentag in Nürnberg danke ich für das freundliche Meinge­denken und das Gelöbnis opfertreuer Mitarbeit. Ich erwidere die Grüße mit dem herzlichen Wunsch, daß Ihre Arbeiten dazu beitragen mögen, Zuver­sicht und Gottvertrauen in unserem Volke zu stärken und den Geist brüderlicher Ein­tracht und treuen Zusammenhaltens zu fördern.

von Hindenburg, Reichspräsident."

Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwald hielt in fcer im Rahmen des Katholikentages veranstalteten Arbeiter- und Männerversamm­lung eine Ansprache, in der er u. a. ausführte:

Es fei falsch, zu glauben, daß es bei her Lohn- und Sozialpolitik in der Hauptsache bloß auf den Willen des Arbeitsministers ankäme. Der Reicks- arbeitsminister hätte im letzten Jahre nicht da­nach handeln können was er wolle und was er nicht wolle, sondern er hätte lediglich zu ent­scheiden gehabt, ob das, was unvermeidbar fei, I jetzt erledigt werde oder ob es verscho­ben werden solle. Die Stellung des Arbeiters in Staat und Wirtschaft sei ein Problem, an dem solange nicht planmäßig gearbeitet werden könne, als Europa noch nicht wahrhaft befriedet fei. Ohne diese Befriedung Europas könne die Welt- lrise nicht gemeistert und das Arbeitslosenproblem Deutschlands nicht bewältigt werden. Voraus­setzung für ein befriedetes Europa aber fei die An­erkennung der Gleichberechtigung der europäischen Großstaaten. In den letzten Jahren, so fuhr der Minister fort, seien an die deutsche Wirtschaft An­forderungen gestellt morden, die diese gar nicht habe erfüllen können. Die Siegerstaaten stellten hohe Forderungen und suchten diese zu kommer­zialisieren.

Deukschland feien durch Krieg und Inflation 100150 Milliarden RM. seines vermögens vernichtet oder weggenommen worden.

Die deutsche Wirtschaft sollte außer Reparatio­nen anständige Löhne zahlen und außerdem hohe Beträge für Sozialversicherung aufbrmgen. Das alles zusammengenommen sei eine Unmöglichkeit gewesen.

Aber es sei nicht alles düster in Deutschland. Deutschland habe einen guten Produktiv ns- apparat in Gewerbe, Industrie und Landwirt­schaft und ein gutes Verkehrswesen. Das deutsche Volk zähle zu den intelligentesten und arbeitsam st en Völkern der Welt und ihm sei die Unfähigkeit garnicht zuzu­trauen, daß es sich nicht aus der gegenwärti­gen Sage herauszuarbeiten vermöchte.

Die nächsten Monate könnten nur überstanden werden, wenn das deutsche Volk in allen Schich­ten sich als eine Opfergemeinschaft fühle. Man müsse sich in Deutschland von der Vorstellung freimachen, daß zwar Kartell- und Zollschutz etwas Selbstverständliches feien, daß aber der Lohnfchutz unzulässig und das freie Spiel der Kräfte hier das allein Gegebene fei. Zum Schluß führte der Minister aus, er habe die feste Zuversicht, daß Deutschland allmählich das schlimmste Unwetter hinter sich bekäme.

*

>, An die Jugendkundgebung im Stadion schloß I sich die letzte große öffentliche Schluß» I

I werktätig und dienend im Geiste der hl. Elisabeth. Es war eine schöne Predigt. Sie kam aus einem gütigen,, väterlichen Herzen. Wer die Hundert­tausend sah, der fühlte: Hier mußten Worte ge­sprochen werden, die unmittelbar ans Herz griffen, die das Wundsein der Seele ganz tief anrührten.

Zum heiligen Opfer sang das Volk die soge­nannte fteirer Festmesse, jene deutsch-liturgische Singmesse nach den Worten von Wilhelm Dauffen- bach, die Jos. Haas komponierte. Am Schlüsse erscholl der Ambrosianische Lobgesang.

Etwas Großes war das Liebesopfer der Hun­derttausend für die Brüder in der Bedrängnis. Keiner ließ den Sammelkorb vorübergehen, auch wenn er nur ein paar Pfennige geben konnte. Schwer von Pfennigen, Silber und Geldscheinen wanderten die Körbe von Hand zu Hand. Was zusammenkam reicht weiter als für die Speisung der 2000 Bedürftigen, die vom Katholikentage zu Gästin Nürnberg geladen wurden.

Kniend empfängt die Menge den päpstlichen Segen. Nach der Verkündigung des vollkommenen Ablasses für alle Teilnehmer am Gottesdienste be­gann der Abmarsch. Fast % Stunden dauerte er, bis sich das Rund des Stadions geleert hatte.

*

Die Kundgebung der katholischen Jugend hatte Sonntag nachmittag wiederum eine gewaltige Zu- schauermenge ins Stadion geführt. Um 14% Uhr traf der Festzug der Jugend im Stadion ein. Die Musikkapelle der Landespolizei eröffnete den Zug, i sodann folgte im strammen Marschschritt die katho­lische Jugend, die aus allen Teilen Deutschlands, aus dem Egerland und aus Südtirol nach Nürnberg gekommen war. Es dauerte etwa dreioiertel Stunden, bis di« männliche Jugend vorbeidefiliert war. Alle Arten von Jugendoer- einen, Verbänden, Kirchenvereinen, Sportlern, Wanderern ufw. waren vertreten. Um 3% Uhr traf die Spitze der weiblichen Jugend ein. Von der Tribüne aus nahmen der Erzbischof von Bamberg und andere Führer der katholischen Ver­bände den Vorbeimarsch entgegen. Nach einige» Ansprachen, in denen an die Jugend appelliert wurde, der katholischen Bewegung die Treue auch weiterhin zu bewahren und für die Jugendver­eine zu werben, folgten Liedervorträge.

Die Arbeiter-Kundgebung.

Die zweite, für Samstag abend eingerufene öffentliche Versammlung der Katholiken begegnete dem gleichen starken Interesse wie die am Freitag. Unter den Ehrengästen befanden sich heute Reichs- arbeitsmimster Dr. Stegerwald, Reichspost­minister Dr. Schätze!, der österreichische Unter­richtsminister Dr. Szermak, der württembergische Staatspräsident Dr. Bolz, der württembergische Justizminister Dr. Beyerle. Der Erbprinz Karl zu Löwenstein-Wertheim sprach überDie katho- Rsche Jugend und die neue Zeit". Vom Reichs­kanzler Dr. Brüning war ein Begrüßungstele­gramm eingelaufen. Pater Marianus Vetter sprach über die christliche Familie im Aufbau der neuen Welt, Siebert-Karlsruhe über Sankt Elisa­beth, und die Frau von heute, Landgerichtspräsi- fcnt Dr. Krapp-Bamberg, überUnsere Kirche und unser deutsches Volkstum".

Telegramm des Reichskanzlers:

Der siebzigsten Generalversammlung der Katho- ttken Deutschlands sende ich meine aufrichtigsten Grüße und Wünsche. Daß ich persönlich durch un­aufschiebbare Arbeiten der Reichsregierung an der Teilnahme verhindert bin, Bebaute ich sehr lebhaft. Ich gebe der Hoffnung Ausdruck, daß auch diese Veranstaltung wie viele ihrer Vorgänger unserem Volke in seinem Ringen um die weltanschaulichen unb sittlichen Grundlagen für eine bessere Zukunft wegweisende Hilfe bringen wird."

Das Telegramm wurde mit stürmischem Beifall aufgenommen, ebenso der Vorschlag des Vizepräsi­denten, dem Reichskanzler folgende

Antwort

FuldaerZertung

Anzeiger für die Stadl Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Bemerkungen.__

Zu drei Zeiterscheinungen bemerkt unser Ber« ' liner Vertreter folgendes:'

, Gegenwärtig besteht der Clou politischer beut» , scher Stammtischgespräche darin, festzustellen, daß , die Regierung nichts macht. Seit Mitte Juli höre man eigentlich nichts mehr von ihr. Und die Notverordnungen, insbesondere alle die, die den Abbau ber Gehälter betreffen, seien sinn­los. Vielleicht ist es in der Tat schwer, den Beweis für die volkswirtschaftliche Bedeutung der Gehaltskürzungen anzutreten. Man kann natür« sich hier unb da etwas abfchneiden, aber wenn eine solche Sache planmäßig gemacht wird, bann kann sie sich leicht wenig planvoll auswirken, unb in der Tat gibt es viele Leute in Deutschland, auch solche, die etwas van Volkswirtschaft verstehen, die der Gehaltsabkürzungswelle mit sehr zweifle­rischen Gefühlen gegenüberfteben, wenigstens so­weit, damit volkswirtschaftliche Besserun, gen erzielt werden sollen. Man ist leicht geneigt, solchen Skeptikern Gehör zu schenken, aber wenn man von ber Gültigkeit ihrer Argumente schon beinahe überzeugt ist, bann erhebt sich ganz selbstverstänblich die Frage: Ja, wie wollt Ihr es denn machen? Und dann ist über ällen Gipfeln R u h. DieDeutsche Allgemeine Zeitung", ein zwischen Großindustrie und Volks­partei einen möglichst ebenen Weg suchendes Ber- liner Blatt, versendet zurzeit an Adressen, die ir­gendwie nach Kapital schmecken, einen Abonne- mentseinladung mit einem Leitartikel ihres Chef­redakteurs. der ebenfalls in ein paar hundert Zei- len feststellt, daß zurzeit alles falsch gemacht wird, der aber leider auch jede leise st e An. deutung darüber, wie man es nun wirklich anfangen müßte, vermissen läßt. Was helfen uns solche Reden? Die DAZ. hat so ziemlich an allem, was geschieht, etwas auszusetzen und will gleichzeitig aber auch denn es handelt sich ja um eine Abonnements-Einla­dung etwa? Positives bieten. Und bas tut sie, indem sie mit listigem Augenzwinkern darauf hin- weist, daß die Demokraten in Deutschland zur- zeit diktatorisch regierten, während die D er­leid i g u n g ber Demokratie auf die theore­tischen Anhänger des Faschismus übergegangen fei Theoretische Anhänger ist aus. gezeichnet. In per Praxis also wollen die Groß­industriellen, bet denen die Hitler-Bewegung Lieb­kind ist, mit dem Faschismus nichts zu tun haben, aber als Theorie für die kleinen SA.-Leute scheint er. ihnen empfehlenswert. Daß uns von dieser Seite nicht die richtigen Methoden gezeigt wer­den können, dürfte einlevchten. Solange aber et­was Besseres, als was die Regierustg tut, nicht empfohlen werden kann, solange sollte nzan sie füglich in Ruhe lassen.

*

Manchmal allerdings geschehen sonderbare Dinge. Die Regierung hat das Blatt der christli­chen Arbeitnehmer, denDeutschen", auf drei Tage verboten, weil es den sowjetistischen Minister Litwinow durch eine Karrikatur beleidigt ha- ben sollte. Es ist eine Frage für sich, ob der Deutsche" die Aufgabe hat, russische Volkskommis­sare durch Karrikaturen zu beleidigen. Aber wenn nun die Regierung auf Grund ber Pressenotver­ordnung, die bisher doch nach allgemeiner Auf­fassung nur zur Bekämpfung innerpo« litischer Ausschreitungen angewendet werden sollte, dazu benutzt, um gewissermaßen ihre eigene Zeitung zu verbieten, dann wird die Sacke merkwürdig, und man er­innert sich mit wachsendem Unbehagen daran, baß diese Regierung in der Behandlung und Beurtei­lung der hauptstädtischen Bresse überhaupt wenig Instinkt verrät. Man maßregelte Zeitungen, die treue Verfechter der Brüningschen Politik sind, und man verbietet jetzt wegen einer Sache, die den Leser eigentlich gar nicht berührt, dasjenige Blatt, das vor zehn Jahren von Stegerwald ge­gründet und seitdem von Dr. Heinrich Brüning geistig geleitet wurde. Das begreift der einfache Untertan nicht, unb darum fragt er sich, wer ei­gentlich in dieser umstrittenen Regierung die Hressepolitik macht. Der Reichspressechef ist doch derselbe geblieben, der auch schon für das Ka­binett Müller tätig war. Ist er erholungsbedürf­tig, oder Pfuscht ihm etwa einer, der von Presse» bingen nichts versteht, jetzt fortgesetzt ins Hand­werk? Die Regierung wind bie Presse und ihr Vertrauen im künftigen Winter noch sehr, not­wendig brauchen. Sie wird auch auf den Durch­haltewillen der christlichen Arbeiter­schaft. deren Organ fie jetzt verbot, angewiesen fein. Das sollte die Stelle, die ihre Regierungs­begabung vorwiegend an den Zeitungen üben zu wollen scheint, bedenken, bevor es zu spät ist.