Einzelbild herunterladen
 

FuldaerZertung

Anzeiger für die Stadt Aulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Ar. ISS

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilogen:Die Welt im Bild" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrist- ::: leitung 3153, Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152. :::

Sonntag, 30. August 1931.

Monatlich 1.80 einschließl. Postgebühr <48 Psg > ohne ,-jusielIg Anzeigen-Preise: Kleinzeile (<£ol.) lokal 0.15 RM., auswärts 0.20 RM. Reklamezeile: lokal 0.60 RM., auswärts 0.80 RM Bei Wiederbolunoen RabattBofifchetff Franko a W 4051

lahtg. 58.

Antrag aus Einberufung des Reichstages.

Vor Entscheidungen von größter Tragweite.

«DZ. Berlin, 29. August. (Eig. Meld.) Dem Reichstag ist ein k o m m u n i st i s ch e r Antrag zugegangen, der die sofortige Aufhebung der Ver­ordnung des Reickspräsidenten zur Sicherung der Haushalte von Ländern und Gemeinden vom 24. August 1931 fordert. Wie das Nachrichtenbüro des Vereins deutscher Zeitungsverleger hört, beabsich­tigt die kommunistische Reichstagsfraktion auch einen neuen Antrag auf Einberufung des Reichs­tages zu stellen, damit über die Aufhebung der Notverordnung sobald wie möglich beraten wer­den kann. Die Fraktion wird zu diesem Zweck die Einberufung des Aeltestenrates beantragen. Der Reichstag muß vom Präsidenten

Deutschland

ERB. Berlin, 29. Aug. (Eig. Meld.) Wie wir fahren, wird die deutsche Delegation für Genf dies­mal umfangreicher sein als bei den gewöhn­lichen Ratstagungen. Das hat seinen Grund natür­lich darin, daß es sich jetzt um 4 Tagungen handelt, nämlich um die 12. Bundesversamm­lung, die 64. Ratstagung, die vor der Bundesver­sammlung und die 65. Ratstagung, die nach der Bundesversammlung stottfindet. Dazu kommen dann noch die Sitzung des Europakomitees. Wäh­rend Frankreich zu diesen Tagungen sogar 3 aktive Minister entsendet, wird von den Mitgliedern des Reichskabinetts nur Reichsminister Dr. Curtius nach Genf fahren. Außer ihm besteht die deutsche Delegation für die Bundesversammlung noch aus dem Botschafter a. D. Graf Bernstorf und Mini- sterialdireklor Dr. Gauß. Ersatzdelegierte sind die Gesandten Göppert, von Mutius und Freiberr von Walzäcker. Dazu kommen als Sachverständige der Bankier Dr. Melchior, der Deutschland bekanntlich bei der Baseler Sachverständigenkonferenz. Dr. Lammers vom Reichsverband der deutschen Indu­strie. Frau von Zahn-Harnack und Prof. Dr. Mendelssohn-Bartboldy In diesem Zusammen­hang muß erwähnt werden, daß bei der Bundes­versammlung allein 6 Kommissionen mit Delegier, ten und Sachverständigen besetzt werden müssen.

wtb. Genf. 29. Aug. (Eia. Meld.) Der euro­päische Nationalitäten - Kongreß wurde heute von dem Vorsitzenden Wilfan er­öffnet. Bei der Auszählung der auf dem Kon­greß vertretenen Volksgruppen wurde insbeson­dere die stark erschiene Delegation der Cato- l a n e n aus Spanien von der Versammlung herz­lich begrüßt. In der Eröffnungssitzung gaben zwei Bertr-ter der Catalanen längere Erklärungen ob. Der Staatssekretär für Minderheitsfragen im rumänischen Kabinett, Brandsch, hat dem Kon­greß ein Begrüßungstelegramm gesandt.

Neuordnung der WellwirkfchafN

Noch ist der Wendepunkt nicht erreicht; noch lastet die allgemeine Krise, spürbar denn je, über dem Wirtschaftsleben der Völker. Die Kräfte der Abwehr scheinen jedoch allenthalben gewach­sen zu sein. Die Erkenntnis gewinnt an Boden: die Krise, weltwirtschaftlich und weltpolitisch ver­ursacht, bedarf auch gemeinschaftlicher, internatio­naler Bekämpfung. Es geht auf die Dauer nicht an, sich mit kleinen Behelfsmitteln zu begnügen. Großzügiger und umfassender Vorkehrungen wird es vielmehr bedürfen, um das Ziel einer Gesun­dung der Weltwirtschaft zu erreichen. Eine solche Gesundung ist auch nicht möglich ohne Behebung der deutschen Wirtschaftsnot. Der Bericht des Ba­seler Sachverständigenausschusses, der sogenannte Layton-Bericht, gibt dem unzweideutig Ausdruck: zwar sei, so heißt es darin, eine bleibende Bes­serung der Lage in Deutschland nicht eher zu er­warten, als bis die Ursachen der allgemeinen De­pression beseitigt seien. Auf der anderen Seite spiele Deutschland jedoch im Wirtschaftsleben der Welt und insbesondere Europas eine so bedeut- same Rolle, daß, solange sich die Lage in Deutsch­land nickst bessere, es auch keine allgemeine Er­holung von der gegenwärtigen Depression geben könne.

*

Die Aufgabe, die allen Kulturvölkern zur Lö­sung gestellt ist, bedeutet nichts geringeres als: in das gegenwärtige Chaos der Weltwirtschaft neue Ordnung hineinzutragen Im Brennpunkt der Lö­sungsversuche wird dabei vor allem die Frage der Reparationen und der politischen Schulden stehen. Denn diese Lasten waren es, von denen das Un­heil mit in erster Reihe seinen Ausgang nahm. Ihre Abdeckung seitens der Schuldnerländer auf dem normalen Wege der Warenlieferung war un­möglich von anderen gewichtigen Gründen ab­gesehen. allein wegen der Hemmungen, die einer Ausweitung des Warenverkehrs durch die han­delspolitischen Abwehrmaßnahmen namentlich der Gläubigermächte im Wege standen. Deutschland insbesondere hat daher seine völlig untragbaren, in ihrer Höhe jeder wirtschaftlichen Vernunft wi­dersprechenden Reparationslasten bis zum Beginn des Hoover-Schonjahres lediglich durch Aufnahme von Auslandskrediten abdecken können.

Als dieser Kreditstrom versiegte, ausländische Geldgeber sogar, überstürzt, große Beträge zurück­zogen, mußte Deutschland eine Schmälerung sei­nes Goldbestandes und schwere volkswirtschaftliche Schädigungen in Kauf nehmen.

*

Im ganzen gesehen, hat das System der politi­schen Schulden und Zwangsleistungen seine in­nere Problematik ist übrigens von den Baseler

vorzeitig einberufen werden, falls im Aelkestenrat die Vertreter von mehr als der Hälfte aller Ab­geordneten die Einberufung des Reichstages ver­langen.

kommunistischer Mßkrauensanlrag gegen Braun.

VDZ. Berlin, 39. August. (Eig. Meld.) Im preußischen Landtag hat die kommunistische Frak­tion soeben ein Mißtrauensvotum gegen das preußische Staatsministerium beantragt. Das Votum ist mit einer längeren Begründung ver­sehen, in der der preußischen Regierung vorge­worfen wird, sie verteuere durch Unterstützung der Notverordnüngspolitik die Lebenshal­tung.

und Genf.

Sachverständigen durchaus erkannt worden nachhaltige Störungen des weltwirtschaftlichen Geld- und Warenverkehrs hervorgerufen. Was insbesondere die nachteiligen Rückwirkungen im Eeldoerkehr betrifft, so haben sie ihren sichtbaren Niederschlag u. a. in der ungesunden Verteilung der Goldvorräte gefunden. Die beiden wichtig­sten Gläubigerländer der Welt, die Vereinigten Staaten und Frankreich, sind es vor allem, die gleich mächtigen Magneten die Goldströme an sich gezogen haben. Frankreich z. B. hat allein seit Beginn dieses Jahres nicht weniger als für 819 Millionen RM. Gold an sich gezogen, die Ver­einigten Staaten gar für 1,5 Milliarden RM. Frankreich verfügt heute bereits über rund 9,6 Milliarden Währungsgold, die Vereinigten Staa­ten über 20,8 Milliarden RM. Beide Länder zu­sammen besitzen also etwa drei Fünftel des Wäh- rungsgoldes der Welt. Dieser Ueberfluß liegt zu einem wesentlichen Teil völlig brach und wird sei­nem eigentlichen Zweck, Handel und Wandel zu befruchten, entzogen. Auf der anderen Seite hin­gegen, bei den Schuldnerländern, herrschen Dürre und Mangel.

*

Ohne eine Lösung dieser Probleme wird eine Ueberwindung der allgemeinen Weltwirtschafts­krise nicht möglich fein. Ihre Lösung aber ist nur zu erreichen bei grundsätzlicher Abkehr vom bis­herigen System der Beitreibung politischer Schul­den und Zwangsleistungen.

Rußland und Europa.

Aus der Durchreise nach Genf traf der russische Volkskommissar des Aeußeren, Litwinow, in Berlin ein, wo er von dem gleichfalls in Berlin weilenden deutschen Botschafter in Moskau, von Dirksen, auf dem Bahnhof empfangen wurde.

Wv W

*. * FV # >41

Außenminister Litwinow (Mitte) wird von dem deutschen Botschafter von Dirksen (links) bei seiner Ankunft in Berlin begrüßt.

* >

In einer Erklärung, die der Außenkommissar der UdSSR, Litwinow ;oor der in- und aus­ländischen Presse abgab, betonte er, daß eine Pressepolemik über Verhandlungen zwischen der Sowjetunion und Polen wegen eines Nichtangriffs­paktes vollständig überflüssig gewesen sei, daVer­handlungen weder geführt wurden noch geführt werden". Dies sei schon wiederholt von der Sowjet­presse und von der Telegraphenagentur der Sow- jettepublik erklärt worden. Er selbst halte es aber für richtig, diese Erklärung noch ausdrücklich zu bestätigen; sei er doch die Stelle, die von den Unterredungen wissen müßte, wenn sie stattgefun­den hätten. Im gegebenen Moment, so sagte Lit­winow, diese Einleitung abschfteßend, sei mehr denn je Klarheit und Deutlichkeit in der Charakterisie- rüng der zwischen den einzelnen Staaten bestehen­den Beziehungen notwendig. Hierauf ging der Auhenkommissar zur Darlegung des wirklichen Tatbestandes der sowjet-russisch- polnischen Ver­handlungen über. Er streifte kurz, wie im August 1926 die Sowjetregierung der polnischen Regierung

einen Nichtangriffspakt vorschlug, dessen Abschluß daran scheiterte, daß die polnische Regierung auf unannehmbaren Bedingungen be­stand. Die Verhandlungen seien 1927 abgebrochen und seither nicht wieder ausgenommen worden. Auch der Umstand, daß der polnische Gesandte in Moskau, Patek, vor einigen Tagen ein Dokument überreichte, habe nicht der Frage einer Wieder­aufnahme der Verhandlungen gegolten, sondern vielmehr nur den Zweck gehabt, wie Patek erklärte, die Ergebnisse der Verhandlungen des Jahres 1926-27 zusammenzusassen. Litwinow betonte bei dieser Gelegenheit, daß die Beziehungen zwischen Polen und der Sowjetunion kein Gegen st and der Verhandlungen zwischen der Sowjet­union und dritten Staaten gewesen seien. Die Sowjetunion wünsche den Abschluß eines Nicht- angrifsspattes mit allen Staaten, mit denen sie in unmittelbarem Kontakt stehe, und sie habe auch vor einiger Zeit die entsprechenden Vorschläge gemacht. Sie sei aber der Ansicht, daß dergleichen Pakte nicht von irgendwelchen Bedin­gungen abhängig gemacht werden dürften.

- *

wtb. Paris, 29. August. (Eig. Meld.) Btzl einem Essen, das der französische Kolonialminister gestern zu Ehren des polnischen Außenministers gab, ging Zaleski in einer Rede auch auf die französisch-russischen bezw. polnisch - russischen Nichtangriffspattverhandlungen ein und erklärte, die Ziele Polens und Frankreichs

Hendersons Weg.

Die Cabour-parfei geht in Opposition.

Aus London wird gemeldet: Der frühere Staatssekretär des Aeußeren Henderson, ist als Nachfolger Macdonalds zum Führer der Lodourparty gewählt worden. In der Besprechung wurde in einer Resolution festgelegt, daß die La- bourparty sich als Oppositionspartei of­fiziell konstituierte.

Wie von unterrichteter Seite in Genf ver­lautet, erwartet man in den nächsten Tagen ein Schreiben Hendersons, worin dieser aus Anlaß der jüngsten politischen Entwicklung in England fein Amt als Präsident der Abrüstungs- konferenz wieder dem Völkerbundsrat zur Verfügung st eilen wird. Der Dölker- bundsvat wird sich infolgedessen auf seiner bevor­stehenden Tagung mit der Frage des Vorsitzenden der Abrüstungskonferenz noch einmal zu beschäfti­gen haben, wobei die Frage offen liegt, ob Hen­

sel en klar, sie seien nur auf di e Festigung der Friedensverträge gerichtet.

Eine Falschmeldung.

cnb. Berlin, 29. August. (Eig. Meld.) Der Matin" behauptet, daß die österreichische Regie­rung von dem Zollunionsplan zurück» getreten sei und dies der deutschen Regierung mitgeteilt habe. Von unterrichteter Seite wirb dazu erklärt, daß an diesen Behauptungen kein wahres Wort ist.

* Aus der deutschen Diplomatie. Wie wir erfahren, ist Gesandter Meyer, der bisherige Dirigent der Ostabteilung im Auswärtigen Amt» zum Leiter dieser Abteilung und zum Ministerial­direktor ernannt worden. Gesandter Meyer tritt damit endgültig an die Stelle des Ministerialdirek­tors Trautmann, der bekanntlich kürzlich zum Ge­sandten in Peking ernannt worden ist.

*Der Deutsche" verboten. Aufgrund der Ver­ordnung des Reichspräsidenten zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen hat der Polizeipräsident die in Berlin erscheinende TageszeitungDer Deutsche" wegen der von ihr veröffentlichten ÄarrfEatur Litwinows mit sofortiger Wir­kung bis zum 2. September 1931 einschließlich verboten.

berfon. der seinerzeit in persönlicher Eigenschaft und nicht als Vertreter der britischen Regierung zum Vorsitzenden ernannt wurde vom Rate wie­der bestätigt wirb. Jedenfalls wirb die Frage durch den angekündigten Schritt Hendersons jetzt geklärt werden.

*

5n seiner Rede vor der Konservativen Partei erklärte Baldwin u. a. er bleibe seiner Zoll­tarifpolitik treu; denn nur durch sie sei es möglich, die durch die Stärkung der Staatsfinanzen begon. nene Aufgabe zu Ende zu führen. Nach der Auf­lösung des Parlaments würden bis Konservativen die Frage der Zolltarife zur Kampfparole gegen die Sozialisten machen.

* Bet der Abreise Ghandis nach London hatte sich, wie aus Bombay gemeldet wird, eine unge­heure Menschenmenge eingefunden, die ihren Füh­rer begeistert begrüßte. Ghandi hielt, bevor er stch einschiffte, eine Ansprache.

Der Kakholiken-Tag m Nürnberg.

Das Präsidium. Eine begeisternde Rede des Reichstags^ abgeordneken Joos, des Präsidenten in Nürnberg.

Anläßlich der für Freitagabend anberaumten öffentlichem Versammlung des Deutschen Katholi­kentages war die große Festhalle im Luitpoldhain, schon eine Stunde vor Beginn bis aufdenleß- ten Platz gefüllt. Die Halle war mit den Reichs- und städtischen Flaggen geschmückt. Auf einem Riesenpodium hatten die Ehrengäste, unter ihnen die Spitzen der kirchlichen und weltlichen Behörden. Platz genommen. U. a. Ministerprä­sident Dr. Held, Reichskanzler a. D. Dr. Marx so­wie Oberbürgermeister Dr. Luppe-Nürnberg.

Kurz nach 20 Uhr erfolgte der Einzug der Bi­schöfe, an der Spitze der Apostolische Nuntius in München in Begleitung des Bamberger Erz­bischofs..' _ \ /

Nach Begrüßungsworten des Präsidenten des Lokalkomitees betrat der Apostolische Nuntius das Rednerpult. Er ging in seiner Ansprache rück­schauend auf die drei Enzykliken des Papstes über die Erziehung, Ehe und soziale Frage ein.

Herzliche Begrüßungsworte richtete dann der Bamberger Erzbischof v. Hauck an die Versammel­ten. Unsere Zeit sei im Ganzen genommen sicher­lich eine Zeit des Ueberganges, des Verfalls. Aber es bleibe noch Zeit zur Rettung in Christo. Die Beratungen des Katholikentages sollten uns die Wege zeigen, die man einschlagen müsse, um der geistigen und sittlichen Not unseres Volkes zu begegnen.

Ministerpräsident D r. Held grüßte die Ver­sammlung namens der bayerischen Staatsregie­rung. Die 70 Generalversammlung falle in eine unheilvolle, von heftigen Krisen durchwühlte Zeit. Keine ihrer Vorgängerinnen habe das deutsche Volk in einer solchen staatspolitischen und wirt­schaftlichen Not. in einer solchen die Volkskraft zer­reißenden Verwirrung und Verirrung gesehen. Das Ziel der Generalversammlung sei in erster Linie, ihre Teilnehmer im Gottesglauben zu er­halten und sie zu freudiger Tat, aufopferungs­fähiger Liebe für Kirche und Vaterland und für unsere Volksgenossen zu be­geistern. Er sei überzeugt, daß die 70. Gene­ralversammlung der deutschen Katholiken in Nürn­berg auch für den Staat und die Gesinnung und Taten des Staatsoolkes non heilsamstem Einfluß werden würde.

Der Oberbürgermeister von Nürnberg, Luppe, führte aus, nicht nur der katholische B e- völkerungsteil, auch die übrige Bevölke­rung begrüße den Katholikentag herzlichst. Die seelische Not unserer Zeit könne nur überwun­den werden, wenn die si t t l i ch e n Kräfte stär­ker feien als ihre Nöte. Wir müßten uns darüber klar sein, daß wir diese Nöte nur dann überstehen könnten, wenn alle, die es gut meinten, mit ihrem Volke und Vaterlande ohne Rücksicht auf Konfes­sion und Weltanschauung in diesem Kampfe um die sittliche Erneuerung des Volkes zusammenstünden.

Im Lauf der Veranstaltung wurde das

Präsidium des Katholikentages gewählt, und zwar auf Vorschlag des Lokal­komitees in folgender Zusammensetzung:

Präsident: Josef Joos, Köln, M. d. R., Schriftleiter der Westdeutschen Arbei­terzeitung, 2. Vorsitzender des West­deutschen Verbandes katholischer Arbeiterver­eine, 2. Vorsitzender der Deutschen Zentrums­partei.

1. Vizepräsident: Baron von Moreau, der einem bayerischen Adelsgeschlecht entstammt.

2. Vizepräsidentin: Frl. Maria Schmitz, Berlin, Vorsitzende des Vereins katholischer deutscher Lehrerinnen, früheres Mitglied der Nationalversammlung, die in der katholischen Erziehungsbewegung sehr bekannt ist.

3. Vizepräsident: Theodor Losse, Breslau, Stadtrat und Konditoreibesitzer, ein führender katholischer Mittelständler Schlesiens.

Don rauschendem Beifall begrüßt, trat darauf der erwählte erste Präsident Jos. Joos an das Rednerpult, um das Wort zur Einleitungsrede zu ergreifen, die aus einer tiefen Schau m die seelische und soziale Lage der Gegenwart Sinn und Ziel dieses Katholikentages mit meisterhaften Strichen und zu Herzen gehenden Worten umriß, die wir, ihrer Bedeutung entsprechend, in fast ungekürztem Wortlaut an anderer Stelle des Blattes veröffentlichen.

Den Ausklang der Versammlung bildete die in ihrer umfassenden Schau wie in den Einzel- heiten gleich beachtliche Rede, in der Erbprinz Karl zu Löwenstein-Wertheim im Na­men der Jugend sprach überDie katholische Jugend und die neue Zeit". Die Veröffentlichung der Rede erfolgt intBlatt der Jugend".

Schließlich wurde noch ein Huldigungstelegramm an den Reichspräsidenten von Hindenburg abge­sandt, in dem der Katholikentag seine untertänig­sten Grüße entbietet.

*

wtb. Nürnberg. 29. August. (Eig. Meld.) Die heutige Tagung wurde durch ein Pontifikat. Requiem und zwei Pontifikalmessen eingeleitet. Von den vielen Festversammlungen, Konventen und Kundgebungen sind in erster Linie die ge­schlossenen Versammlungen der Mitglieder des Katholikentages und die literarische Morgenfeier zu erwähnen. Der apostolische Nuntius besichtigte heute vormittag die Sehenswürdigkeiten öer Stadt und stattete der protestantischen St. Lorenzkirche einen Besuch ab. An den Papst wurde ein Hul­digungstelegramm gesandt, in dem die Katholiken dem Heiligen Vater ihren kindlichen Gehorsam und ihre unbeirrbare Treue versichern und um den apostolischen Segen bitten.