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Fuldaer Zeitung (Amtliches Sreisblatt.)

Freitag, den 28. August 1931

Fulda, den 27. August 1931

Itach dem Fall der Grenzgebühr.

Der Hauptausschuß für Fremden­verkehr, in dem Vertreter der Reichsministerien, der Reichsbahn und der Reichspost, sowie alle am Fremdenverkehr tragend und fördernd beteiligten Wirtschaftsgruppen und Verbände, sowie andere wirtschaftliche Berufsgruppen Zusammenarbeiten, wendet sich aus Anlaß der Aufhebung der 100= Mark-Ausreisegebühr mit folgender Erklärung an die deutsche Oeffentlichkeit:

„Die Reichsregierung beweist mit der Aufhe­bung der Verordnung, daß ihr eine grundsätz­liche Absperrung vom Auslande durchaus fern­liegt. Daß man in denjenigen Ländern, denen der Fremdenverkehr aus Deutschland erhebliche Ein­nahmen zu bringen pflegt, sich lebhaft gegen die Verordnung wandte, ist zu verstehen. Hierbei ist aber in der Presse des Auslandes vielfach über­sehen worden, wie gerade nicht von Deutschland zu vertretende Umstände, Umstände der Kreditentzie­hung und der Kapitalverknappung, Anlaß zu dieser Verordnung gegeben haben. Wenn die Notverord­nung nun außer Kraft tritt, so bleibt, unbeschadet des Urteils über sie, die Grundtatsache weiter be­deutsam, daß in dieser Zeit die deutsche Zahlungs­kraft nach Möglichkeit dem Kreislauf der deut­schen Volkswirtschaft erhalten werden soll.

Die Heilkraft der deutschen Bäder, die Schönheit der deutschen. Landschaft, der Reichtum an Schöp­fungen baulicher und künstlerischer Kultur, die Leistung der Verkehrsunte"n"bmun-'en 're- Bahn, des Kraftwagens, der Schiffahrt wie der Luftschiff­fahrt, die Darbietungen der Beherbergungs- und Verpflegungsgewerbe stehen in Deutschland" aus ei­ner Höhe, daß es wirklich kein Opfer ist. volks­wirtschaftlichen Erwägungen folgend, Kräftigung und Erholung in deutschem Lande und nicht in fremden Ländern zu suchen, es sei denn, daß ganz besonders dringende Gründe ^twas anderes bedin­gen. So ist gerade in dieser Zeit der Ruf berech­tigt: Reist in Deutschland, besucht deut- s ch e Bäder und Erholungsorte, benutzt deutsche Schiffe!" '

Bestandene Prüfung.

Herr August G r o s ch, Sohn des Maurermei­sters Sturmius Groich, Fulda, bestand fein Examen als Hochbautechniker an der Hessischen Höheren Bauschule in Bingen am Rhein mit bestem Erfolg.

Die Kreiskierarztsielle in Fulda

war durch die Versetzung des Herrn Dr. Gold­mann nach Köln verwaist. Sie ist jetzt dem bis­her in Hünfeld amtierenden Deterinärrat Dr. Schlote, der zurzeit schon auftragsweise die Amtsgeschäfte des Kreistierarztes in Fulda wahr- nahm, übertragen worden.

Neue Meister.

Vor der hiesigen Meisterprüfungs-Kommission bestanden die Meisterprüfung die Schuhmacher: August Bug in Sargenzell (Kreis Hünfeld) und Valentin Heiner in Schenklengsfeld (Kr. Hersfeld).

Die Entwicklung der Lebenshaltungskosten.

Der Reichsv er band Deutscher Haus­frau e n v e r e i n e hat an den Reichswirtschaits- rot einen Antrag gerichtet, in dem auf die steigende Beunruhigung hingewiesen wird, die eingetreten ist, da statt einer Angleichung der Lebenshal- t u n g s k o st e n an die gekürzten Gehälter und Löhne eine Verteuerung der verschiedensten Faktoren der Lebenshaltung festgestellt werden mußte. Es ist der Antrag gestellt worden, daß der Reichswirtschaftsrat unverzüglich in eine E r - örterung der Preisgestaltung der wichtigsten Lebensmittel und Gegen­stände des täglichen Bedarfs eintritt.

Verschärftes Vorgehen gegen unbefugtes Uniform- tragen.

Der Amtliche Preußische PresseSienst teilt mit: In letzter Zeit sind wiederholt Fälle vorgekommen, daß namentlich jugendliche Perionen eine der Uni­form der Reichsmarine zum Verwechseln ähnlich sehende Uniform in der Oeffentlichkeit getragen haben. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, ersucht der preußische Innenminister in einem Runderlaß die Polizeibehörden, gegen die Mißbrauch der Marineuniform, wie überhauvt gegen jedes unbefugte Tragen von Uniformstücken, namentlich ourch Mitglie­der politischer Verbände, in jedem Fall unnach- sichtlich einzuschreiten, zumal das Ver­halten solcher Personen in den meisten Fällen das Ansehen der Reichsmarine schwer ge­schädigt hat. Die hierbei etwa notwendig wer­denden polizeilichen Ermittlungen und Verneh­mungen sind zur Vermeidung einer Verjährung der Strafverfolgung möglich st schnell und

Irmmlrud.

Von Hanna B r o m m.

Wir Frauen sind doch merkwürdige Geschöpfe. Das heißt, ich spreche jetzt eigentlich nicht von mir, sondern von meiner Freundin Irmintrud.

Was Sie sich unter einem weiblichen Wesen mit dem Namen Irmintrud vorstellen sollen, wissen Sie auch nicht recht, gelt? Man weiß nie, woran man mit ihr ist Sie tut eigentlich immer das Gegenteil von dem, was man von ihr erwartet. Sie springt mit uns um, als wollte sie uns lehren, daß alle Logik Quatsch ist. So ungefähr drückt sie sich manchmal aus.

Ich kann mir aber nicht helfen: ich fühle mich zu Irmintrud hingezogen: ich fühle mich irgendwie mit ihr verwandt. Es soll allen ihren Freundinnen so gehen. Und alle wünschen, sie könnten die Welt auch so immer­fort aus den Angeln heben, wie Irmintrud es kann. Sie ist der Wunschtraum unser aller. Aber lieber Himmel, wir andern, wir sind Berufsfrauen, sind Lehrerinnen, Bibliothekarinnen, Sekretärinnen, Angestellte — wir ha­ben die Logik des Lebens gelernt und haben alle ein etwas starres Rückgrat bekommen. Das Capriccio der Weibesnatur ist uns ausgetrieben worden. Daher ist Irmintrud, die Berufslose, unser verhätschelter Liebling.

Eines Tages kommt Irmintrud zu mir. Sie ist nach­denklich, man kann auch sagen, zerstreut. Sie vergißt, Zucker in den Tee zu tun, und greift nach einem Stück Blätterteig, obwohl Baumkuchen ihr Lieblingsgebäck ist. Ja, sie seuszt sogar. Nun darf man aber um Himmels­willen nicht etwa fragen, was denn los ist. Das erträgt sie nicht. (Da sehen Sie, wie wir Irmintrud verwöhnen!) Sondern man muß warten, bis sie selber den Zeitpunkt für gekommen erachtet.

Schließlich öffnet sie denn auch ihre Handtasche und zieht einen Brief hervor. Stumm reicht sie ihn zum Lesen.

ohne jeden Verzug zu erledigen. Hoffentlich findet dieser Erlaß des Herrn Innenministers die gebüh­rende Beachtung. Denn immer wieder tauchen Privatpersonen in Uniform auf, die eine Ver­wechslung mit Reichswehr uniform sehr nahe legen. Erst kürzlich ist im Sprechsaal der »Ful­daer Zeitung" auf einen solchen Vorgang auf­merksam gemacht worden.

Luft-hansa-herbsiflugdiensi 1931.

Am 1. September tritt für sämtliche europäischen Luftverkehrsgesellschaften der H e r b st f l u g p l a n in Kraft. Der Flugplanwechsel erfolgt, um das Li­niennetz den der sommerlichen Hauptreisezeit ver­änderten Verkehrsbedürfnisfen gegenüber anzupaf­fen, und um auf vielen Linien die Flugzeiten der verkürzen Tagesspanne anzugleichen. Während des Monats September beträgt die tägliche Flug­leistung der Lufthanfa-Flugzeuge rund 40 000 Km., d. h. nur etwa 18 Prozent weniger als während der Hauptsommermonate. Fünf Spezialstrecken für den Post- und Güterschnelldienst nach England, Holland, Skandinavien und den Balkanländern werden weiterhin aufrecht erhalten, da erfahrungs­gemäß gerade in den Herbstmonaten die Fracht­beförderung erheblichen Umfang annimmt. Die bereits im Sommer gegenüber dem Vorjahre er­heblich verbilligten Tarife bleiben weiterhin in Kraft, sodaß in vielen Fällen die Reise mit dem Flugzeug kaum noch wesentlich teurer als eine Eisenbahnfahrt 2. Klasse ist. Fast alle im Herbstflugplan über Frankfurt a. M führenden Strecken landen und starten in der Mittagszeit.

Züge, die ttn September ausfallen.

Wir machen unsere Leser darauf aufmerksam, daß ab September ds Js einige Züge ausfallen werden. Zunächst sind es die D-Züge D 387/388 München-Würzburg - Fulda-Göttingen-Hannover- Hamburg-Altona und zurück. D 387 von Mün­chen ab 20.35 Uhr verkehrt letztmalig in der Nackt vom 31. 8. - 1. 9. 31, in Fulda 2.32 - 2.34 Uhr, in Hamburg 9.27 Uhr, ebenso auch der Ansckluß- Eilzug E 1160 von Bebra nach Kassel an 4.32 Uhr. D 388 verlaßt Hamburg 18.09 Uhr und verkehrt letztmalig in der Nacht vom 30. - 31. 8 31 in Fulda 0.50 - 0.58 Uhr, München an 7.05 Uhr, ebenso auch der Anschluß-Eilzug E. 1159 von Kassel ab 23.00 Uhr nach Bebra. — Der Sonn» tagszug P 871-2323 S. Frankfurt-Fulda-Wüsten- sachsen, in Fulda 8.05 - 9.06 Uhr fällt ebenfalls ab 31. 8. 1931 aus. — auf der Strecke Hilders- Tann verkehrt der Zug P. 2313 Hilders ab 19.34 Uhr, Tann an 19.54 Uhr nur noch Sontags (bisher täglich). Werktags verkehrt er ab Hilders 18.38 Uhr. Tann an 18.58 Uhr mit Anschluß von P. 2331 W. von Fulda ab 17.26 Uhr. — Zug P. 2310 Tann-Hilders. Tann ab 8.53 Uhr, Hilders ■an 8.53 Uhr verkehrt nur noch Sonntags, bisher täglich. Bm.

Aus dem „ewigen Eis" zurück.

Wohlbehalten ist gestern, am 26. August, eine Karte wieder in unseren Besitz gelangt, die mit dem „Grafen Zeppelin" zum Franz Josephs- land im hohen Norden gelangt war. Die Ab­fahrt von Friedrichshafen am Bodenfee erfolgte n'o* b»m Aboan->«stemvel auf der schönen Polar- k>ahrt-Marke am 24. Juli, zwischen 7 u. 8 Uhr. Am 27. Juli bereits hat bei Franz Josephs-Land in der Arktis die Uebergabe der Post vom Luftschiff an den russischen Eisbiecker Malygin stattgefunden. „Brise glace Malygin" hat am 27. Juli 1931 die Karte «-'?+ feinem Stempel nerfehan. Die Rückreise über Archangelsk bis nach Fulda hat dann f a ft e i= n e n Monat gedauert. Die Karte trug folgende Aufschrift:

Flieg' mit „Zevpelin" zum Pol Hin' bis zum Franz Josephs-Land Dann komm' wieder heil und wohl Her zum grünen Fulda-Strand.

Grüße schön den Esikmo Und den Eisbär und den Seehund. „Zeppelin" mach' stolz und froh Deutsches Können aller Welt kund.

Kommst Du, über Meer und Land, Wieder dann in u.nf're Hand, Sagt uns dieses Wiedersehn: Deutschland kann nicht untergeh'n!

Immer wieder Fahrraddiebstähle.

Aus dem Hausflur eines Hauses in der Bahn­hofstraße wurde ein dort abgestelltes noch sehr gu<- erhaltenes Herrenfahrrad Marke „G ö r i ck e" gestohlen.'

Die Deutsche Reichspost

läßt — wie auch andere Verwaltungen — zum jüdischen Neujahrsfest (12. September) wieder einen Glückwunschtelegramm- dienst zu wesentlich ermäßigter Gebühr zu. Solche Telegramme können vom 8. bis 22. Sep­tember bei sämtlichen Telegramm-Annahmestellen aufgeliefert werden: sie sind zugelassen im inner«

„Aber —" stammele ist, „aber — das ist ja ein Hei­ratsantrag ---"

Irmintrud nickt beiläufig. Sie hat nun den Baum­kuchen erfpäht und langt ihn sich herüber.

„Ist's möglich — ein Heiratsantrag?"

Irmintrud wird unwirsch. „Na, ja, ist das denn bei Euch etwas so Großes und Unerhörtes?"

Ob ein Heiratsantrag bei uns etwas Großes und Unf erhörtes ist?!

„Na", erwidere ich mühsam beherrscht. „Es ist immer­hin eine Lebensfrage."

Irmintrud nickt. „Man sagt so. Und daher bin ich ja auch zu dir gekommen, um dich um Rat zu fragen."

Der Teetisch beginnt vor mir zu tanzen. Die Tassen klappern, die Gebäckstückchen verschieben sich, als wollten sie eine Grimasse bilden, aus der Kanne steigt ein dünner Rauchstrahl in die Höhe, der bedenklich schwankt.

Ich höre Irmintruds Stimme: „Aber du wirst mit deinem Fuß noch den Teetisch umwerfen!"

Wahrhaftig, ich habe in meiner Verblüffung den Schuh auf den Fuß des Teetisches gesetzt, er droht zu kip­pen Also Ruhe, Ruhe! In einer Heiratsangelegenheit um Rat gefragt zu werden, noch dazu von Irmintrud, ist keine kleine Sache. Wenn man selber keine Aussichten hat, — in einer Freundin heiratet man so quasi mit.

„Ja, wer ist er denn überhaupt?"

„Der Dr. Schippkötter."

„Was du nicht sagst!!" Richtig, unten drunter steht die Unterschrift.

„Und der macht das schriftlich ab?"

Irmintrud zuckt die Achseln. „Ist ja besser, als wenn man sich mündlich allerlei Quatsch sagen muß."

„Na hör mal, du scheinst die Sache ja reichlich un- romantisch aufzufassen. Da weiß ich ja jetzt schon, was ich dir zu raten haben."

Irmintruds Augen werden zu einem Schlitz. „Nun?"

deutschen Verkehr, im Verkehr mit Dänemark. Finnland, Jugoslawien, Lettland, Litauen einschl. Memelgebiet, Luxemburg, Oesterreich, Polen, Saargebiet, Tschechoslowakei, Ungarn, Aegypten, Palästina und Irak, ferner mit den Vereinigten Staaten von Amerika und mit Kanada, lieber ine Gebühren und alle weiteren Bedingungen ge­ben die Telegramm-Annahmestellen Auskunft.

Luft- und Seepostbeförderung.

Die nächsten Reichspostflüge von Köln nach Cherbourg, die den Dampfern Bremen und Eu­ropa Spätlingspost für Amerika nachbringen, ver­kehren am 31 8., 5. 9., 16. 9. und 22. 9. Es finden statt: Vorausflüge (Schleuderflüge) von den Dampfern Bremen und Europa nach Newyork: am 5. 9., 10. 9., 21. 9. urö 27. 9., nach Sout­hampton: am 11. 9., 17. 9., 27. 9. und 3. 10. Be­fördert werden gewöhnliche und eingeschriebene Briefsendungen und Pakete beschränkten Aus­maßes. Zeitgewinn gegenüber gewöhnlicher Be­förderung nach Amerika 3—4 Tage. Nähere Aus­kunft bei den Postanstalten.

Versammlung der Arbeiter-Zenlrumswähler Kur- Hessens.

Sonntag, den 30. August 1931, nachmit­tags 3 Uhr findet in der „Harmonie" zu Fulda eine Versammlung der Arbeiter-Zentrumswähler der Kurhefsiichen Zentrumspartei statt. In der­selben wird der Reichstagsabgeord. R i e s e n e r , Mitglied des Sozialpolitischen Ausschusses, einen Vortrag halten über: Die politische Sage Zen-

trumspartei unO Arbeiterschaft. Anschließend 'oll ein Arbeiter - Beirat für die Kurhessische Zen­trumspartei gebildet werden. Zu der Versamm­lung werden die Arbeiterwähler der Kurhessischen Zentrumspartei, besonders die der Außenbezirke, freundlichst eingeladen.

Der katholische Jungmännerverband der Diözese Fulda

wird in der Zeit vom 11. bis 13. Sep­tember zu Fulda feinen Diözesantag abhalten. Es gilt, die starken Kräfte der Reichstagung von Trier aus zu werten. Die Meldungen der Ver­treter mögen rechtzeitig, spätestens aber bis zum 6. September an den Diözesanjugendsekretär Ge­sang, Fulda. Hinterburg 6, erfolgen.

Hilf kindlicher Freude

begrüßte man heute vormittag nach langer Zeit wieder einmal einen sonnigen Himmel. Man sah im hellen Licht jetzt so recht, wie viel Wasser in der letzten Zeit auf die Erde sich ergossen hat. Die Fulda zeigte gestern abend geradezu Hochwasser, wie nach der Schneeschmelze. Hof­fentlich bleibt es eine Zeitlang trocken. Der Be­darf an Feuchtigkeit ist auf der ganzen Linie be­friedigt.

Schausensterdiebstahl.

In der vergangenen Nacht wunde der Schau­kasten eines Modewarengeschäfts in der hiesigen Marktstraße aufgebrochen und daraus eine An­zahl Sportstrümpfe entwendet.

Die neue Notverordnung für die Gemeinden „Es wird verordnet ..." — Abbau der Spitzengehälker. — Der- rvaltungsreform im Verordnungswege? — Ausschaltung der kommunalen Parlamente. — Das Ergebnis?

Für unsere Fuldaer Verhältnisse bat, die neue Notverordnung, die in zahlreichen deutschen Gemeinden weitgehende praktische Folgen hoben wird, keine tiefergehende Bedeutung. Mit Genugtuung können' wir feststellen, daß die Fuldaer Stadtverwaltung die Mißstände, denen jetzt auf Grund der neuen Notverordnung zu Leibe gegangen werden soll, nicht erst hat auf- ko m m e n lassen. „Spitzengehälter" gibt es hier nicht und Höher-Einstufungen über das von der Regierung für richtig gehaltene Matz hinaus, lie­gen nicht vor. Im Gegenteil. Der Herr Regie­rungspräsident hat auch in diesem Etatsjähr Höhereinstufungen mittlerer Beamten­gruppen der Stadt Fulda verlangt, die bis­lang nicht zur Durchführung gekommen sind, weil sie nach Auffassung der städtischen Körperschaften im Widerspruch zu der sich so katastrophal ver­schlechternden Finanzlage standen. Wenn also die folgenden Ausführungen auf Fulda nicht zutref­fen, so geben sie doch ein Bild von dem, was auf dem Gebiet der kommunalen Finanzen zurzeit vor sich geht und das wir in Hinblick aus die Not­wendigkeiten beachten müssen, die sich durch die auch in Fulda steigenden Wohlfahrtslasten auswersen.

Mit lakonischer Kürze erteilt das Reich in der neuen Notverordnung vom 24. August den Län­dern Generalvollmacht, alle Maßnahmen zum Ausgleich der Haushalte in Ländern und Gemeinden im Verordnungswege unter Uebergehung aller bisher bestehenden gesetzlichen Landesvorschriften zu treffen. Das bedeutet kurz und bündig die Möglichkeit der Ausschal­tung aller Beschlußkörperschaften in Ländern und Gemeinden. An die Stelle des „Es wird beschlossen . . ." tritt: „E s wird ver­ordnet.. ."

Das Schwergewicht der Auswirkungen der neuen Verordnung wird auf k o m m u n a l e m Gebiete liegen. Das zeigt sich deutlich darin,, daß dieses neue Verordnungsrecht der Länder sich besonders mit der Senkung der P e r f o n a I £ o ft e n , so­gar unter Bruch von Verträgen, befassen soll. Die Ausschaltung der kommunalen Parlamente ist damit Tatsache geworden. Gewiß soll zugegeben werden, daß manche gemeindliche Be­sch lußkorperschaften bei der Behandlung der gesamten Gemeindefinanzwirtschaft, besonders auch in Fragen der Ausgabenpolitik, nicht immer den nötigen Weitblick gezeigt haben. Aus ihrem Verhalten in der Frage des Abbaues der persönlichen Verwaltungskosten in letzter Zeit, nachdem die Erkenntnis unserer Lage sich Bahn gebrochen hatte, kann man aber den Beschlußkörperschasten kaum einen Vorwurf machen. Immer und immer wieder ist aus ihren Reihen die Verminderung von Gehältern und sonstigen Bezügen gefordert worden und immer wieder scheiterten diese grundsätzlichen Forderungen nach einer durchgreifenden einheitlichen Verminde­rung der persönlichen Verwaltungsunkosten an dem Fels der „wohlerworbenen Rechte". Jede Initia­tive, jeder Vorstoß unserer Gemeindevertreter ':r- schellte an ihm überall und immer Wieder, und wes zurückblieb, war ein Ohnmachtsgefühl und Verbitterung. Und hat selbst die gesetzgeberische Autorität des preußischen Staates etwas dagegen

ausrichten können? Im Frühjahr dieses Jahres noch beschloß der Landtag, daß auch die lei t e n - den Kommunalbeamten unter den berühm­ten Sperrparagraphen fallen sollten. Und was ist praktisch aus dieser Vorschrift gewordeft, wo sind die in Aussicht gestellten ministeriellen Ausfüh- rungsanweisungen hierzu geblieben?

Hätten unsere Gemeinden mit dem Begriff der „wohlerworbenen Rechte" bei Gehalts- und sonsti­gen Bezügen so umspringen können, wie es die Notverordnung tut, hätte man mit einem Federstrich alle Stargagen nicht nur an den kom­munalen Theatern, sondern auch in den Verwal­tungen und Betrieben beseitigen können. Dann brauchten wir heute keine Herabsetzung der ge­meindlichen Personalkosten im „Verordnungswege" — sie wäre gründlich — stellenweise vielleicht za gründlich — von unseren Gemeindeparlamenten selbst besorgt worden. Man hätte also die Befug­nisse zur Herabsetzung der gemeindlichen Personal­kosten ruhig den Gemeindebeschlußkörperschaften überlassen und nur im Falle ihres Versagens oder der Verzögerung diese Maßnahmen von oben her treffen können.

Die Länder werden mit einem lachenden und einem weinenden Auge ihre gewaltige neue Macht­erweiterung — wie sie seit Bestehen der modernen Staatsversassungen kein Herrscher mehr gehaot hat — begrüßen. Denn das ganze Odium des Gehalts ab bau es in Ländern und Gemeinden werden die Länder zu tragen haben, wenn sie nicht wieder die Gemeinden oder Gemeindeorgane ihrer­seits zu Prügelknaben machen.

Um eine einheitliche Durchführung der durch die Notverordnung vorgesehenen Maßnahmen in allen Ländern zu ermöglichen, wird das Reich wohl ergänzende Informationen an die Län­der ergehen lassen. Wieweit dabei wie auch in den Ausführungsmaßnahmen der Länder die Gutachten der Mitarbeiter des Reichssparkommissars, wie auch der kommunalen Spitzenverbände , (Sanie­rungsprogramm des Städtetages) Berücksichtigung finden werden, bleibt abzuwarten. Jedenfalls wird an das Kapitel „Kommunale Verwaltungsreform" auch einmal näher herangegangen werden müssen. Die Ausführungsergänzungen des Reiches werden Mitte September erwartet. Bis dahin dürfte das Gesamtprogramm der Reichsregierung für die Finanzierung der Länder- und Gemeindehaushalte Vorlieben.

Als Auswirkung der Notverordnung wird jetzt nicht nur ein Abbau zu hoher Spitzengehälter, son­dern auch der hohen Gagen der Theaterstars, der aroßen Bezüge von Direktoren gemeind­licher und gemischtwirtschaftlicher Unternehmungen erfolgen, aber auch eine Nachprüfung der Stellenpläne. Wie mancher, der im Genuß dieser Bezüge war und eine frei­willige berechtigte Verminderung seiner Be­züge verweigerte, mag jetzt wünschen, daß er die vornehme Geste gemacht hätte, als es noch Z e i t ro a r.

Neben der Verminderung der Personalaus­gaben wird eine weitere Senkung der Ausgaben eintreten müssen. Denn die Sa-

„Du hast doch offenbar für den Dr. Schippkötter nicht die geringste Sympathie. Du freust dich doch auch gar nicht. Du sitzt ja da und benimmst dich, als ob ein Re­chenexempel zu lösen wäre. Nein, da muh ich schon sagen: dann lieber nicht!"

Irmintrud öffnet ihre Augen. Sie bearbeitet intensiv ihr Stückchen Baumkuchen. Sie spricht ganz weich: „Er ist aber ein sehr lieber Mensch."

- Darauf glaubte ich gedehnt erwidern zu sollen: „War­um nicht? Bestreite ich ja gar nicht. Aber liebe Men­schen gibt es viele. Wenn die alle geheiratet fein sollen —"

„Er ist auch ein guter Mensch."

„Wieso?"

„Heiratet man denn sonst ein armes Mcidch=

Darauf kann man nur schweigen.

„Unb dann ist er auch ein Charakter."

„So?"

„Ja. Er hat zum Beispiel am Sonntag abend im Arkadia-Cafe mit niemand anders getanzt als mit mir."

Berufsfrauen können auch lachen. Sogar ganz herz­haft. Ich gestehe, nach diesem Ausspruch lachte ich.

Irmintrud war nicht beleidigt. Sie lachte mit.

„Allmählich scheint es mir ja doch", sagte ich bann, „daß bu ein bißchen verliebt bist."

Irmintrud zog ein Mäulchen. „Pfui — verliebt — unb ein bißchen — Es gibt doch auf ber ganzen Welt gar keinen bessern und lieberen Menschen als ihn!"

Wie sorgsam unb liebevoll sie ben Brief wieder in den Umschlag tut!

Als ich das sah, war ich überzeugt. „Also liebe Irmin­trud", sagte ich darauf, „jetzt sehe ich, daß du nicht nur verliebt bist, sondern ihn wirklich liebst. Denn du machst jetzt ein ganz verklärtes Gesicht. Fragt sich nur, ob sonst alles in Ordnung ist. Das heißt, ob —"

Sie ließ mich nicht ausreden. „Es ist alles in Ord­nung", sagte sie. „Alles."

„Na also. Dann kann ich dir doch nur raten, ihm zu antworten---Komm, wir setzen mal gleich die Ant­

wort auf." Da kam mir doch noch ein Bedenken. Wie stand es denn mit seinem Vorleben? Daran hatte Jr- mintrub natürlich nicht gedacht!

Ich stockte. Irmintrud aber nahm mir das Wort weg: „Nicht wahr, bu meinst doch auch, daß ich gut daran ge­tan habe, den Antrag anzunehmen?"

Nun schrie mich Irmintrud aber doch an: „Was, bii hast ihn schon angenommen?"

Irmintrud unschuldig: „Aber ja!"

Eine so grausame Enttäuschung kann einer Fra i u> eine Frau bereiten.

„Unb ba kommst bu mich noch um Rat fragen?"

Eine so unschulbsvolle Miene kann unter allen Frauen nur Irmintrub aufsetzen. „Natürlich! Du bist doch meine beste Freunbin! Aber es ist immerhin gut, nicht wahr, wenn man, ehe man fragt, eine vollendete Tatsache ge­schaffen hat?"

, Das ist Irmintrud! Ich konnte mir nicht helfen, ich schloß sie stürmisch in die Arme.

Ach, wenn ich doch einmal mit jemand so umspringen könnte wie Irmintrud eben mit mir umgesprungen ist! Ach, wenn ich doch einmal unser ganzes Büro so auf den Kopf stellen könnte! Das wäre fast so viel wert wie eine Verlobung. Aber leider — wir Frauen tragen langsam aber sicher alles Unberechenbare aus der Welt. Wir kämpfen eigenhändig und verzweifelt gegen das Capric­cio, bas boch in ber Frauenwelt fein Hauptziel aufge­schlagen hat, damit die Naturgesetze nicht ganz ohne Aus­nahme sind in dieser entsetzlich logischen Welt! Irmin­trud, Irmintrud — du bist ein süßes Vermächtnis aus einer alten, schönen Zeit!

Das alles wurde mir klar, als ich Irmintrud In meine Arme schloß. Und ich küßte sie inbrünstig auf den mit einem .Stück Baumkuchen gefuUten Mund.