FuldaerZertung
Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
Ur. 197
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Freitag, 28. August 1931.
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Mrg. 58.
Was wir nicht fertig bringen.
Gedanken zum englischen Bof-fiabineff.
Der nach längerem Hin und Her nun doch Wirklichkeit gewordene Rücktritt der englischen Arbeiterregierung legt eine Betrachtung der politischen Verhältnisse in England, die ja seit einigen Wochen der ganzen Welt in steigendem Maße interessieren, nahe. Macdonald hatte sich ein großes Vertrauen erworben, nicht zuletzt auch in Deutschland. Man erinnert sich, daß er bei seinem neulichen Besuch in der Reichshauptstadt von einer großen Volksmenge begeistert empfangen wurde. Dieser Mann hat in seinem ganzen Wesen etwas, was den Beobachter überzeugt, etwas Qualitätvolles. Aus kleinsten Anfängen zur höchsten Macht kommend, bleibt er ein einfacher Mann, aber er verleugnet auch nicht die Erkenntnisse, die er in mühsamem Aufstieg fand. Ihm geht das Land vor der Partei. Er wird auch kein sturer Sozialist, wie wir ihnen in Deutschland so oft, namentlich auf weltanschaulichem Gebiet, begegnen. Dieser Arbeiterführer bleibt, wie man bei seinem Berliner Besuch beobachtet hat, ein gläubiger Christ, und vielleicht liegt es darin begründet, daß ex nicht so sehr mehr ein ausgesprochener Arbeiterführer ist. sondern in gleichem Maße sich als Mann des Volkes im Ganzen fühlt, der die Interessen des Landes allem anderen voranstellt
Dieser Mann ist mit seinem Kabinett nicht eigentlich gestürzt -worden. Sie Dinge liegen tiefer und für ihn freilich auch gefährlicher. England befindet sich in einer wirtschaftlichen und finanziellen Krise, die der deutschen sehr ähnlich ist. Auch jenseits des Kanals wächst die Zahl der Arbeitslosen bedrohlich, und es ist bekannt, daß jüngst französische Deoisepabzüge die Londoner Banken nervös machten. Helfen kann, da eine internationale Zusammenarbeit nicht gelingt, nur Sparsamkeit, S e l b st h i l f e. Darüber war grundsätzlich auch in England Klarheit. Uneinig dagegen war man sich insofern, als die Meinungen über neue Steuermaßnahmen bzw. unmittelbare Einsparungen auseinandergingen. Die Opposition wollte wohl bis zu 25 Prozent des notwendigen Mehrertrages sich für neue Steuern gewinnen lassen, aber die Arbeiterpartei war zum Teil entgegengesetzter Meinung, Macdonald hätte wohl gern zwischen beiden Auffassungen vermittelt. Dazu kam aber als letzter Anstoß die Auseinandersetzung über eine Erhöhung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung — ganz ähnlich wie in Deutschland im März 1930, als ungefähr die gleiche Frage den Rücktritt des Kabinetts Hermann Müller herbei- führte, und wenn damals die Einigung an der Intransigenz de§ sozialdemokratischen Arbeitsministers scheiterte, so finden wir jetzt im englischen Kabinett gleichfalls eine gespaltene Front.
Macdonald blieb nichts anderes übrig als zurückzutreten. Denn wenn ein Kabinett unter sich uneins ist, muß es notwendig auseinanderfallen. Aber Macdonald ist, mag er auch vielleicht kein idealer Parteiführer fein, so sicher doch ein kluger Politiker, der offenbar noch nicht nervös wird, wenn seine Umgebung schon mit Recht oder mit Unrecht in Bewegung gerät. Er macht es anders, als es gelegentlich deutsche Politiker in ähnlicher Situation gewagt haben, die trotz besserer Erkenntnis sich einer problematischen Parteidisziplin und ^vermuteten Wählerinstinkten glaubten beugen zu müssen. Macdonald appelliert an die Vernunft und an die höhere vaterländische Notwendigkeit und läßt sich vom König mit der Neubildung eines Kabinetts auf koalitionsmäßiger Grundlage beauftragen. In diesem Entschluß des Arbeiterführers liegt zweifellos Größe, denn ' Macdonald weiß selbstverständlich genau, daß er, indem er die Wünsche der Gewerkschaften ignoriert, das Ansehen innerhalb feiner Partei, die ihn doch schließlich bisher getragen hat, aufs Spiel fetzt. Diese Situation erkennen und dennoch der Vernunft oder, so kann man in diesem Falle wohl sagen, dem Gewissen folgen, bedeutet, daß der englische Ministerpräsident mehr als ein Parteimann und mehr als ein Taktiker ist. Er ist ein Politiker, ein Staatsmann und unter allen Umständen ein Engländer.
Das kennzeichnet auch den politischen Gehalt englischen Parteiwesens überhaupt, und vom deutschen Standpunkt aus kann man den Entschluß Macdonalds, Baldwins und Lloyd Georges, zusammen ein Konzentrationskabinett zu bilden nur mit Gefühlen betrachten, die ebenso sehr aus Bewunderung wie aus schmerzlichem Neid bestehen. Das Land ist in Not, es müssen ungewöhnliche Maßnahmen ergriffen wenden, und in diesem Augenblick stellen die Parteien ihre Sonderwünsche zurück und tun sich zusammen, um jenseits der Verfechtung ihrer überlieferten grundsätzlichen Anschauungen zunächst einmal mit vereinten Kräften demLande zu geben, was des Landes ist. Das Vaterland üher die Partei — in England macht man ohne viel Auihebens aus dem Schlagwort Wirklichkeit. Ja. die Konservativen und die Liberalen finden sich sogar damit ab, daß der Führer der Arbeiterpartei Premierminister bleibt, weil sie glauben, daß seine Persönlichkeit die kommenden notwendigen Maßnahmen am ehesten einigermaßen populär machen kann. Wie anders sehen die Digge dagegen in Deutschland aus! Bei uns empfinden es die oppositionellen Parteien geradezu als ihre Ehrenpflicht, nichts zu unterlassen. was dem innerpolitifchen Gegner schaden kann, auch wenn dasLand darüber in die Brüche geht. Wir. werden noch einen sehr langen Leidensweg zurückzulegen haben, bis wir uns solch faire politische Auffassungen zu eigen gemacht haben, wie sie in England üblich sind. Einzig und allein die Deutsche Zentrumspartei kann für sich in Anspruch nehmen, in jedem Falle eigene Interessen Hintange st eilt und sich unter allen Umständen für
das Beste des Reiches zur Verfügung gehalten zu haben. Das beweist namentlich die Geschichte seit 1918, und wir können gerade in diesen Tagen be- sonders auf das Beispiel Matthias Erzbergers hin- weifen, der den Mut gefunden hat, sich zur Niederlage zu bekennen und der Republik, die er nicht erstrebte, als sie Tatsache geworden war, mit heißem Herzen zu dienen um des Reiches und des Volkes willen.
Das neue englische Kabinett schließt sich für d>e besondere und begrenzte Aufgabe zusammen dem Lande über die finanzielle Krise hinwegzuhelfen. Die Parteien lösen sich nicht etwa auf, sondern sie
CNB. Berlin, 27. Aug. (Eig. Meld.) Das Reichskabinett trat heute vormittag zu einer Sitzung zusammen, in der die Fragen besprochen werden, die mit der bevorstehenden Völkerbundstagung zusam- menhänaen. Der deutschen Delegation werden diesmal im Gegensatz zu früher keine Parlamentarier angehören, Dr. Curtius wird vielmehr außer oon den.Beamten der Delegation nur von Professor Mendelssohn - Bartholdi und von dem Bankier Melchior begleitet fein. Es ist wohl anzunehmen, daß in den Genfer Gesprächen auch die Reparationsfrage weiter vorwärts gebracht werden soll.' Das geht ja schon allein aus der Teilnahme Melchiors hörvor, der als Vertreter Deutschlands dem Baseler Sachv e t= stän-digen-Ausschuß angehörte. Natürlich berichtete Dr. Curtius dem Kabinett in diesem Zusammenhang auch im einzelnen über die Fragen der R u ß l a n d v o l i t i k. die bei der Anwesenheit Litwinoffs in Berlin besprochen werden dürfen. Dazu ist zu bemerken, daß sich nach den jetzt vorliegenden authentischen Meldungen die bisherige deutsche Auffassung oon den polnisch-russischen Verhandlungen bestätigt. Polen hat in feinem Vorschlag die Vielheit der Vorschläge zusammengefaßt, die in den letzten 5 Jahren von Zeit zu Zeit aufgetaucht find und dieser Vorschlag ist von Rußland rundweg ab gelehnt worden. Damit entfällt jeder Grund zu irgendeiner Beunruhigung über diese Dinge. Es ist gewiß zu erwarten, daß Lit- roinoff den Reichsaußenminister morgen noch näher über die Einzelheiten informieren wird, wie es im Rahmen des deutsch-russischen Freundschaftsver- trages ja selbstverständlich ist. Dr. Curtius wird dann am Samstagabend ebenso wie Litwinofs nach Genf reifen.
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In der heutigen Sitzung des Reichskabinetts erstattete der Reichsaußenrninifter D r. Curtius Bericht über die bevorstehende Genfer Tagung. Es wurden dabei die irn E u r o p a k o rn i t e e, im Völkerbundsrat und der Völkerbunds- Versammlung zur Erörterung stehenden Fragen besprochen.
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Wie wir erfahren, wird außer dem deutschen Botschafter in Moskau von Dircksen der in Berlin eintrifft, für Freitag der russische Volkskommissar Litwinow erwartet. Er macht auf der Fahrt zu der Tagung des Europaaussckmsses in Genf in Berlin Station und wind selbstverständlich Gelegenheit nehmen, mit dem Reichsaußen- minifter über die Probleme zu sprechen, die Deutschland und Rußland augenblicklich besonders
wtb. Budapest, 27. Aug. (®ig. Meld.) Das neue Kabinett hat sich heute dem Parlament vorgestellt. Der politische Akt ging unter lebhafter Teilnahme sowohl der Abgeordneten wie des Publikums vor sich. Als die Mitglieder der Regierung Carolys unter Führung des Quästors den Saal betraten. wurden sie mit lauten Eljen-Rufen und Beifallskundgebungen der hinter der Regierung stehenden Parteien empfangen. Die Sozialdemokraten versuchten allerdings, mit den Rufen „Hoch das allgemeine geheime Wahlrecht" zu stören. Nach Verlesung des Handschreibens des Reichsverwesers über die Enthebung des Kabinetts Bethlen und die Ernennung der Caroly-Regierung erhob sich Ministerpräsident Graf Caroly unter allgemeiner Stille zum Wort und betonte, die Regierung erachte es als ihre dringendste Aufgabe, die finanzielle und wirtschaftliche Lage des Landes sobald wie möglich in Ordnung zu bringen. Zu diesem Zwecke bedürfe es der größten Spars a m k e it. Die Regierung werde dafür sorgen, daß in notleidenden Gegenden genügend Brot und Saatgut zur Verfügung stehe und mit allen Mitteln die öffentliche Ordnung und die Rechtssicherheit wahren., Der Ministerpräsident verwies darauf, daß er immer auf christlich-nationaler Grundlage gestanden habe und daß nach seiner persönlichen Ueberzeugung kein konfessioneller Unterschied gemacht werden dürfe.
Ungarns gegenwärtige Lage.
Von Erzherzog Joseph von Habsburg.
Ungarn tritt immer mehr in den Vordergrund des mitteleuropäischen' Interesses: daher die ungarisch-französischen Verhandlungen sowie die zwischen dem Hause Habsburg und dem italienischen Königshause bestehenden Hochzeitspläne. Die nachfolgenden Aeußerungen des Erzherzogs Joseph unserem' Mitarbeiter gegenüber vermitteln ein Urteil über die Haltung maßgebender ungarischer Kreise.
Im Hause Habsburg besteht völlige Cimnütig- kest darüber, daß Otto, der Sohn Karls, das Haupt
stellen nur ihre besonderen Bestrebungen so lange zurück, bis das wirtschaftliche Leben wieder flott geworden ist. Bis dahin wollen sie über die Dinge, die ihnen grundsätzlich besonders am Herzen liegen, nicht sprechen.
* Verfahren gegen Drewitz eingestellt. Das gegen den Abgeordneten Drewitz wegen der schweren aus Kreisen der Wirtschaftspartei gegen ihn erhobenen Anschuldigungen der Unterschlagung und des Betrugs eingeleitete Verfahren ist nunmehr von der Staatsanwaltschaft I mangels Bemeif.es eingestellt worden.
interessieren. Es liegt nahe, daß dazu auch die Verhandlungen gehören, die augenblicklich zwischen Rußland und anderen Mächten schweben.
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Zu der polnischen Note an Rußland verbreitet die Telegraphenagentur der Sowjetunion eine Mitteilung, wonach der polnische Gesandte Batet am 23. ds. Mts. dem Außenkommissariat ein Dokument übergab, das das im Jahre 1926 vom Sowjetgesandten Woikoff der polnischen Regierung übergebene Sowjetprojekt des Nichtangriffspaktes wiederhole. Die Verhandlungen seien wegen dr Bedingungen, die Polen stellte, im Jahre 1927 abgebrochen und bisher nicht wieder aufgenommen worden. Das fetzt von Patek überreichte neue Dokument wiederhole die alten Bedingungen und füge eine neue hinzu. Das Dokument bedeute somit nicht einen Fortschritt in den polnisch-sowjet- russischen Verhandlungen, sondern einen Rückschritt.
Sie Deutsche Bolfsparfei zur Lage.
Der Parteioorstand der Deutschen Volkspartei trat, wie die Parteikorrespondenz berichtet, am Montag unter dem Vorsitz des Parteiführers, Abg. Dingeldey, zu einer Sitzung zusammen. Er nahm zur politischen Lage zunächst einleitende Berichte des Reichsaußenministers Dr. Curtius und des Parteiführers entgegen. Im Rahmen der eingehenden Beratungen kam der Parteivor- stand zu der einmütigen Auffassung, daß die Reicksregierung angesichts des ungeheueren Ernstes der Sage in kürzester Frist eine Klärung über die «zur Behebung der Wirtschafts- und Finanznot erforderlichen Maßnahmen herbeiführen müsse. Die Notwendigkeit schnellenHan- deins wurde durch die Schilderung akuter Notstände in den verschiedensten Gebieten besonders unterstrichen. Parteivorstand und Reichstagsfraktion werden erneut zusammentreten, sobald Klarheit über die Absichten der Reichsregierung besteht.
Weiter beschäftigte sich der Parteivorstand mit der inneren Lage der Partei. Er sprach die Erwartung aus. daß die E i n h e i t u n d Geschlossenheit der Partei für die Zukunft unter allen Umständen oberstes Gesetz bei öffentlichen Auseinandersetzungen für jedes Parteimitglied fein müsse. Man weiß, worauf dieser letzte Appell sich im Besonderen bezieht: auf die Stimmen aus der Volkspartei, die sich gegen den Volksentscheid ausgesprochen haben, in erster Linie auf den Senior der Partei, Pros. Kahl.
der Dynastie ist, und selbst Prinz Albrecht hat nun den Prinzen Otto anerkannt. Naturgemäß kann nur das ungarische Volk selbst darüber entscheiden, ob es einen Habsburger zum König haben oder den St. Stephans-Thron durch freie Kön'ps- wahl besetzen lassen will. Gegenwärtig ist es allerdings wenig wahrscheinlich, daß ein fremder Fürst sich bereit erklären würde, unter den heutigen politischen Verhältnissen die ungarische Kö- nigskrone anzuyehmen. Ich selbst enthalte mich vollends jeder legitimistischen Tätigkeit, da ich der Ansicht bin, daß zur Zeit die Kräfte der ungarischen Nation für andere Zwecke nötiger angespannt werden müssen. Ich bin überzeugt, daß Ungarn einer neuen glücklicheren Zukunft entgegengeht, trotz all der furchtbaren Krisen, von denen die Welt in der letzten Zeit heimgesucht wurde und die Ungarn um so stärker berührten, da es seiner wertvollsten Provinzen beraubt und somit in seiner Widerstandskraft geschwächt worden war. Aber der sieghafte Lebenswille des ungarischen Volkes, das von allen europäischen Nationen mit am schwersten hat leiden und kämpfen muffen, wird — das ist mein fester Glaube — alle Schwierigkeiten schließlich doch überwinden. Trotz der gegenwärtigen Wirtschaftsdepression, welche die Lebenshaltung des ganzen Volkes empfindlich ein« schnürt, machen sich immerhin die ersten Anzeichen einer allgemeinen Besserung der Gesamtlage bemerkbar. Voraussetzung zu Überwindung aller gegenwärtigen finanziellen und wirffchaftlichen Hindernisse in Ungarn ist allerdings die einmütige Zusammenarbeit aller sozialen Kräfte im Lande und eine allgemeine Einschränkung parteipolitischer Kämpfe und Auseinandersetzungen in einem Maße, das künftig nicht mehr die inneren Kräfte Ungarns durch diese Streitigkeiten wie bisher absorbiert werden. Letzten Endes scheint es im Interesse der Gesamtheit des ungarischen Volkes in wirtschaftlicher, hygienischer und kultureller Hinsicht, und in diesem Zusammenhang ist deshalb auch die Frage aufzuwerfen, was denn Ungarn
im Falle einer allgemeinen Besserung der Wirtschaftslage zu erwarten hat.
Ich kenne Ungarn gut, denn ich kämpfte mit ungarischen Soldaten zusammen während des Weltkrieges im Schützengraben. Den Kampf aber, den jetzt die ungariscke Nation ausficht, wird von ihr gewonnen werden. Ein neuer Krieg wäre allerdings am wenigsten geeignet, das Ungarn zu- gefügte schwere Unrecht wieder ^utzumachen.
Der Rechtsgrund Ungarns ist so klar wie die Sonne am hellichten Tage und berechtigt mich zur Annahme, daß wir in absehbarer Zeit unseren Prozeß mit friedlichen Mitteln gewinnen werden. Selbst die ehemaligen Feinde Ungarns werden bald den Unsinn der unhaltbaren Lage erkennen, in die Ungarn hineingezwungen worden ist. Ich glaube, daß die Zeit für uns arbeitet und allmählich alte Vorurteile und Irrtümer, die jahrelang wie ein Wall Ungarn von der übrigen Welt trennten, aus dem Wege räumen wird.
Mein besonderes Interesse gilt dem Schicksal all der Kleinbauern, die auf meinen Gütern in denjenigen Gebieten angesiedelt worden sind, dis doch eines Tages wieder zu Ungarn gehören werden und in denen auch die Nachfolgestaaten nolens» volens ungarische Bauern haben anfiedeln müssen. Mein Dank gilt diesen unerschrockenen, Heimattreuen Bauern für ihre sorgfältige Pflege reinen ungariscken Bodens. Dieses Gebiet, die Irans» sylvanischen Berge mit ihren majestätischen Gipfeln, ihren Wäldern und Ortschaften habe ich selbst während des Weltkrieges gegen feindliche Angriffe verteidigt. Auf diesem Boden stand ich selbst an der Spitze unseres Heeres, bis der Feind hereinkam und ihn annektierte.
Die Zeiten haben sich inzwischen geändert. Groß ist die Sehnsucht nach dauerhaftem Frieden und Verständigung zwischen den Völkern geworden. Doch müssen alle Nationen endlich erkennen, daß wahrer Friede auf unserer Erde nur dann herrschen kann, wenn in der Abrüstungsfrage tatsächlich völlige Gleichheit der Rechte und Pflichten aller Staaten besteht. Entweder müssen sämtliche Staaten, sowohl die großen als auch die kleinen, ihre Rüstungen, deren Kosten — materiell und moralisch —‘ gewaltig angeschwollen sind, abschaffen, oder alle Welt muß sich bewaffnen.
Das dritte Kabinett Macdonald.
wtb. London, 27. Aug. (Eig. Meld.). Auf der ersten Sitzung des neuen Kabinetts wurde den Blättern zufolge eine Anzahl von Unterausschüssen zur Bearbeitung der dringenden Probleme ernannt. Alle noch in der Schwebe befindlichen umstrittenen Gesetzesvorlagen, wie z. B. die Wahl» reformooriage, werden fallen gelassen.
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Reichskanzler Dr. Brüning hat an Premier» Minister MacDonald anläßlich des Regierungswechsels ein Glückwunschtelegramm gesandt, in dem er die wärmsten Wünsche „fürdenvollen Erfolg des so eminent wichtigen Un- ternehmens" ausspricht, das MacDonald „im Interesse seines großen Landes" auf sich genommen habe In feinem Antworttelegramm erwiderte der Premierminister diese Wünsche mit seinem herzlichsten Dank
„Politische Giftmischerei".
Die Wiener Allgemeine Zeitung nimmt zu den auch von der Presse aufgenommenen Gerüchten über einen bevorstehenden Frontwechsel der bürgerlichen Koalittonin Oesterreich Stellung und schreibt unter dem Titel „Politische Giftmischerei", daß alle diese Meldungen von einem bevorstehenden Rücktritts Schobers und Schürffs unrichtig seien. Wie das Blatt erklärt, habe Juftizminister Schürfs seinem Korrespondenten bedeutet, daß diese Nachrichten jeder Grundlage entbehren und nur geeignet seien, Verwirrung zu stiften und die politische Atmosphärr zu vergiften. Auch die Parteileitung des Landbundes hat die Gerüchte ausdrücklich dementiert.
Bayrische Notverordnung fertig.
Der Ministerrat in München hat anschließend zu den Plänen über die Ausgleichung des baye» rischen Staatshaushaltes Stellung genommen.
Bekanntlich schließt der ordentliche Haushalt für 1931 mit einem Fehlbetrag von 28,6 Millionen ab. Dieser Fehlbetrag soll z. T. durch Erschließung neuer Einnahmen, zum an« deren Teil durch weitere scharfe Sparmaßnahmen beseitigt werden. Die neubeschlossenen Einnahmen werden in ihrer Verwendung stark von der gegenwärtigen Not beeinflußt fein, das heißt, sie werden zum größten Teil zweckgebunden fein zugunsten der Fürsorgelasten der Gemeinden.
Die neuen Maßnahmen werden auf dem Wege der Notverordnung noch im Lause dieser Wocke veröffentlicht werden.
* 775 Jahre Klosterkirche Maria Laach. Am 24. August vor 775 Jahren hat die Klosterkirche in Maria Laach ihre erstmalige Weihe erhalten. In der hessischen Staatsbibliothek ist ein Laacher Meßbuch aufbewahrt, in dem im ausgehenden 12. Jahrhundert folgendes eingetragen wurde. „Im Jahre 1156, den 24. August, wurde unter dem Pontifikate Hadrians IV., der Regierung Kaiser Friedrich I., den 2. Abte Eulbert, die Laacher Kirche durch Erzbischof Kilian von Trier zu Ehren der heiligsten Dreifaltigkeit, der Gottesmutter Maria, des hl. Nikolaus und aller Heiligen feierlichst eingeweiht".
* Beim Brückenbau von einer Stahlplatte erschlagen. Ein schwerer Unfall ereignete sich in Berlin beim Bau einer neuen Spreebrücke, der Jannowitz-Brücke. Aus bisher unbekannter Ursache löste sich von einem Brückenpfeiler in 12 Meter Höhe eine Stahlplatte, sauste in die Tiefe und traf zwei beim Bau beschäftigte Arbeiter. Einer von ihnen wurde sofort getötet, während ein zweiter schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht werden mußte.
Kabinettssitzung über Genf.
Die Rutzland-Frage. — Vor dem Besuch Litwinows in Berlin. Das Reparations-Problem sott gefördert werden.
Das ungarische Kabinett vor dem Parlament