Einzelbild herunterladen
 

FuldaerZertung

Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Ur. 197

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt im Bild' undBuchenblätter'. Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckeret in Fulda. Fernrufe: Schrift- ::: leitung 3153, Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152. :::

Freitag, 28. August 1931.

Monatlich 1.80 einschliehl. Postgebühr (48 Psg.) ohne,8ustellg Anzeigen-Preise: Kleinzeile ((Sol.) lokal 0.15 RM., auswärts 0.20 RM. Reklamezeile: lokal 0.60 RM., auswärts 0.80 RM Bei Wiederholungen Rabatt Postscheck! Frank! a M 4051

Mrg. 58.

Was wir nicht fertig bringen.

Gedanken zum englischen Bof-fiabineff.

Der nach längerem Hin und Her nun doch Wirklichkeit gewordene Rücktritt der englischen Arbeiterregierung legt eine Betrachtung der po­litischen Verhältnisse in England, die ja seit eini­gen Wochen der ganzen Welt in steigendem Maße interessieren, nahe. Macdonald hatte sich ein großes Vertrauen erworben, nicht zuletzt auch in Deutsch­land. Man erinnert sich, daß er bei seinem neu­lichen Besuch in der Reichshauptstadt von einer großen Volksmenge begeistert empfangen wurde. Dieser Mann hat in seinem ganzen Wesen etwas, was den Beobachter überzeugt, etwas Qualität­volles. Aus kleinsten Anfängen zur höchsten Macht kommend, bleibt er ein einfacher Mann, aber er verleugnet auch nicht die Erkenntnisse, die er in mühsamem Aufstieg fand. Ihm geht das Land vor der Partei. Er wird auch kein sturer Sozialist, wie wir ihnen in Deutschland so oft, na­mentlich auf weltanschaulichem Gebiet, begegnen. Dieser Arbeiterführer bleibt, wie man bei seinem Berliner Besuch beobachtet hat, ein gläubiger Christ, und vielleicht liegt es darin begründet, daß ex nicht so sehr mehr ein ausgesprochener Ar­beiterführer ist. sondern in gleichem Maße sich als Mann des Volkes im Ganzen fühlt, der die In­teressen des Landes allem anderen voranstellt

Dieser Mann ist mit seinem Kabinett nicht eigentlich gestürzt -worden. Sie Dinge liegen tiefer und für ihn freilich auch gefährlicher. Eng­land befindet sich in einer wirtschaftlichen und fi­nanziellen Krise, die der deutschen sehr ähnlich ist. Auch jenseits des Kanals wächst die Zahl der Arbeitslosen bedrohlich, und es ist bekannt, daß jüngst französische Deoisepabzüge die Londoner Banken nervös machten. Helfen kann, da eine internationale Zusammenarbeit nicht ge­lingt, nur Sparsamkeit, S e l b st h i l f e. Darüber war grundsätzlich auch in England Klarheit. Un­einig dagegen war man sich insofern, als die Meinungen über neue Steuermaßnahmen bzw. unmittelbare Einsparungen auseinandergingen. Die Opposition wollte wohl bis zu 25 Prozent des notwendigen Mehrertrages sich für neue Steuern gewinnen lassen, aber die Arbeiterpartei war zum Teil entgegengesetzter Meinung, Mac­donald hätte wohl gern zwischen beiden Auffas­sungen vermittelt. Dazu kam aber als letzter An­stoß die Auseinandersetzung über eine Erhöhung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung ganz ähnlich wie in Deutschland im März 1930, als un­gefähr die gleiche Frage den Rücktritt des Kabinetts Hermann Müller herbei- führte, und wenn damals die Einigung an der Intransigenz de§ sozialdemokratischen Arbeits­ministers scheiterte, so finden wir jetzt im eng­lischen Kabinett gleichfalls eine gespaltene Front.

Macdonald blieb nichts anderes übrig als zu­rückzutreten. Denn wenn ein Kabinett unter sich uneins ist, muß es notwendig auseinanderfallen. Aber Macdonald ist, mag er auch vielleicht kein idealer Parteiführer fein, so sicher doch ein kluger Politiker, der offenbar noch nicht nervös wird, wenn seine Umgebung schon mit Recht oder mit Unrecht in Bewegung gerät. Er macht es anders, als es gelegentlich deutsche Politiker in ähnlicher Situation gewagt haben, die trotz besserer Er­kenntnis sich einer problematischen Parteidisziplin und ^vermuteten Wählerinstinkten glaubten beu­gen zu müssen. Macdonald appelliert an die Vernunft und an die höhere vaterländische Notwendigkeit und läßt sich vom König mit der Neubildung eines Kabinetts auf koalitionsmäßi­ger Grundlage beauftragen. In diesem Entschluß des Arbeiterführers liegt zweifellos Größe, denn ' Macdonald weiß selbstverständlich genau, daß er, indem er die Wünsche der Gewerkschaften igno­riert, das Ansehen innerhalb feiner Partei, die ihn doch schließlich bisher getragen hat, aufs Spiel fetzt. Diese Situation erkennen und dennoch der Vernunft oder, so kann man in diesem Falle wohl sagen, dem Gewissen folgen, bedeutet, daß der englische Ministerpräsident mehr als ein Par­teimann und mehr als ein Taktiker ist. Er ist ein Politiker, ein Staatsmann und unter allen Um­ständen ein Engländer.

Das kennzeichnet auch den politischen Gehalt englischen Parteiwesens überhaupt, und vom deutschen Standpunkt aus kann man den Entschluß Macdonalds, Baldwins und Lloyd Georges, zu­sammen ein Konzentrationskabinett zu bilden nur mit Gefühlen betrachten, die ebenso sehr aus Be­wunderung wie aus schmerzlichem Neid bestehen. Das Land ist in Not, es müssen unge­wöhnliche Maßnahmen ergriffen wenden, und in diesem Augenblick stellen die Parteien ihre Son­derwünsche zurück und tun sich zusammen, um jen­seits der Verfechtung ihrer überlieferten grundsätz­lichen Anschauungen zunächst einmal mit vereinten Kräften demLande zu ge­ben, was des Landes ist. Das Vater­land üher die Partei in England macht man ohne viel Auihebens aus dem Schlagwort Wirk­lichkeit. Ja. die Konservativen und die Libe­ralen finden sich sogar damit ab, daß der Führer der Arbeiterpartei Premierminister bleibt, weil sie glauben, daß seine Persönlichkeit die kommenden notwendigen Maßnahmen am ehesten einiger­maßen populär machen kann. Wie anders sehen die Digge dagegen in Deutschland aus! Bei uns empfinden es die oppositionellen Parteien ge­radezu als ihre Ehrenpflicht, nichts zu unter­lassen. was dem innerpolitifchen Gegner schaden kann, auch wenn dasLand darüber in die Brüche geht. Wir. werden noch einen sehr langen Leidensweg zurückzulegen haben, bis wir uns solch faire politische Auffassungen zu eigen gemacht haben, wie sie in England üblich sind. Einzig und allein die Deutsche Zentrums­partei kann für sich in Anspruch nehmen, in je­dem Falle eigene Interessen Hintan­ge st eilt und sich unter allen Umständen für

das Beste des Reiches zur Verfügung gehalten zu haben. Das beweist namentlich die Geschichte seit 1918, und wir können gerade in diesen Tagen be- sonders auf das Beispiel Matthias Erzbergers hin- weifen, der den Mut gefunden hat, sich zur Nie­derlage zu bekennen und der Republik, die er nicht erstrebte, als sie Tatsache geworden war, mit hei­ßem Herzen zu dienen um des Reiches und des Volkes willen.

Das neue englische Kabinett schließt sich für d>e besondere und begrenzte Aufgabe zusammen dem Lande über die finanzielle Krise hinwegzuhelfen. Die Parteien lösen sich nicht etwa auf, sondern sie

CNB. Berlin, 27. Aug. (Eig. Meld.) Das Reichs­kabinett trat heute vormittag zu einer Sitzung zu­sammen, in der die Fragen besprochen werden, die mit der bevorstehenden Völkerbundstagung zusam- menhänaen. Der deutschen Delegation werden dies­mal im Gegensatz zu früher keine Parlamentarier angehören, Dr. Curtius wird vielmehr außer oon den.Beamten der Delegation nur von Professor Mendelssohn - Bartholdi und von dem Bankier Melchior begleitet fein. Es ist wohl anzunehmen, daß in den Genfer Gesprächen auch die Reparationsfrage weiter vorwärts gebracht werden soll.' Das geht ja schon allein aus der Teilnahme Melchiors hörvor, der als Vertreter Deutschlands dem Baseler Sachv e t= stän-digen-Ausschuß angehörte. Natürlich berichtete Dr. Curtius dem Kabinett in diesem Zu­sammenhang auch im einzelnen über die Fragen der R u ß l a n d v o l i t i k. die bei der Anwesenheit Litwinoffs in Berlin besprochen werden dürfen. Dazu ist zu bemerken, daß sich nach den jetzt vorlie­genden authentischen Meldungen die bisherige deutsche Auffassung oon den polnisch-russischen Ver­handlungen bestätigt. Polen hat in feinem Vor­schlag die Vielheit der Vorschläge zusammengefaßt, die in den letzten 5 Jahren von Zeit zu Zeit auf­getaucht find und dieser Vorschlag ist von Rußland rundweg ab gelehnt worden. Damit entfällt jeder Grund zu irgendeiner Beunruhigung über diese Dinge. Es ist gewiß zu erwarten, daß Lit- roinoff den Reichsaußenminister morgen noch näher über die Einzelheiten informieren wird, wie es im Rahmen des deutsch-russischen Freundschaftsver- trages ja selbstverständlich ist. Dr. Curtius wird dann am Samstagabend ebenso wie Litwinofs nach Genf reifen.

*

In der heutigen Sitzung des Reichskabinetts erstattete der Reichsaußenrninifter D r. Curtius Bericht über die bevorstehende Genfer Tagung. Es wurden dabei die irn E u r o p a k o rn i t e e, im Völkerbundsrat und der Völkerbunds- Versammlung zur Erörterung stehenden Fra­gen besprochen.

*

Wie wir erfahren, wird außer dem deutschen Botschafter in Moskau von Dircksen der in Berlin eintrifft, für Freitag der russische Volks­kommissar Litwinow erwartet. Er macht auf der Fahrt zu der Tagung des Europaaussckmsses in Genf in Berlin Station und wind selbstverständ­lich Gelegenheit nehmen, mit dem Reichsaußen- minifter über die Probleme zu sprechen, die Deutschland und Rußland augenblicklich besonders

wtb. Budapest, 27. Aug. (®ig. Meld.) Das neue Kabinett hat sich heute dem Parlament vorge­stellt. Der politische Akt ging unter lebhafter Teil­nahme sowohl der Abgeordneten wie des Publi­kums vor sich. Als die Mitglieder der Regierung Carolys unter Führung des Quästors den Saal be­traten. wurden sie mit lauten Eljen-Rufen und Beifallskundgebungen der hinter der Regierung stehenden Parteien empfangen. Die Sozialdemo­kraten versuchten allerdings, mit den RufenHoch das allgemeine geheime Wahlrecht" zu stören. Nach Verlesung des Handschreibens des Reichsverwesers über die Enthebung des Kabinetts Bethlen und die Ernennung der Caroly-Regierung erhob sich Mini­sterpräsident Graf Caroly unter allgemeiner Stille zum Wort und betonte, die Regierung erachte es als ihre dringendste Aufgabe, die finanzielle und wirtschaftliche Lage des Landes sobald wie möglich in Ordnung zu bringen. Zu diesem Zwecke bedürfe es der größten Spars a m k e it. Die Regie­rung werde dafür sorgen, daß in notleidenden Ge­genden genügend Brot und Saatgut zur Verfü­gung stehe und mit allen Mitteln die öffentliche Ordnung und die Rechtssicherheit wahren., Der Ministerpräsident verwies darauf, daß er immer auf christlich-nationaler Grundlage gestanden habe und daß nach seiner persönlichen Ueberzeugung kein konfessioneller Unterschied ge­macht werden dürfe.

Ungarns gegenwärtige Lage.

Von Erzherzog Joseph von Habsburg.

Ungarn tritt immer mehr in den Vordergrund des mitteleuropäischen' Interesses: daher die un­garisch-französischen Verhandlungen sowie die zwischen dem Hause Habsburg und dem italieni­schen Königshause bestehenden Hochzeitspläne. Die nachfolgenden Aeußerungen des Erzherzogs Joseph unserem' Mitarbeiter gegenüber vermitteln ein Urteil über die Haltung maßgebender ungarischer Kreise.

Im Hause Habsburg besteht völlige Cimnütig- kest darüber, daß Otto, der Sohn Karls, das Haupt

stellen nur ihre besonderen Bestrebungen so lange zurück, bis das wirtschaftliche Leben wieder flott geworden ist. Bis dahin wollen sie über die Dinge, die ihnen grundsätzlich besonders am Herzen lie­gen, nicht sprechen.

* Verfahren gegen Drewitz eingestellt. Das ge­gen den Abgeordneten Drewitz wegen der schwe­ren aus Kreisen der Wirtschaftspartei gegen ihn erhobenen Anschuldigungen der Unterschlagung und des Betrugs eingeleitete Verfahren ist nun­mehr von der Staatsanwaltschaft I mangels Bemeif.es eingestellt worden.

interessieren. Es liegt nahe, daß dazu auch die Verhandlungen gehören, die augenblicklich zwischen Rußland und anderen Mächten schweben.

*

Zu der polnischen Note an Rußland verbreitet die Telegraphenagentur der Sowjetunion eine Mitteilung, wonach der polnische Gesandte Batet am 23. ds. Mts. dem Außenkommissariat ein Do­kument übergab, das das im Jahre 1926 vom Sowjetgesandten Woikoff der polnischen Regierung übergebene Sowjetprojekt des Nichtangriffspaktes wiederhole. Die Verhandlungen seien wegen dr Bedingungen, die Polen stellte, im Jahre 1927 ab­gebrochen und bisher nicht wieder aufgenommen worden. Das fetzt von Patek überreichte neue Do­kument wiederhole die alten Bedingungen und füge eine neue hinzu. Das Dokument bedeute so­mit nicht einen Fortschritt in den polnisch-sowjet- russischen Verhandlungen, sondern einen Rück­schritt.

Sie Deutsche Bolfsparfei zur Lage.

Der Parteioorstand der Deutschen Volkspartei trat, wie die Parteikorrespondenz berichtet, am Montag unter dem Vorsitz des Parteiführers, Abg. Dingeldey, zu einer Sitzung zusammen. Er nahm zur politischen Lage zunächst einleitende Be­richte des Reichsaußenministers Dr. Curtius und des Parteiführers entgegen. Im Rahmen der eingehenden Beratungen kam der Parteivor- stand zu der einmütigen Auffassung, daß die Reicksregierung angesichts des ungeheueren Ern­stes der Sage in kürzester Frist eine Klärung über die «zur Behebung der Wirtschafts- und Fi­nanznot erforderlichen Maßnahmen herbeiführen müsse. Die Notwendigkeit schnellenHan- deins wurde durch die Schilderung akuter Not­stände in den verschiedensten Gebieten besonders unterstrichen. Parteivorstand und Reichstagsfrak­tion werden erneut zusammentreten, sobald Klar­heit über die Absichten der Reichsregierung besteht.

Weiter beschäftigte sich der Parteivorstand mit der inneren Lage der Partei. Er sprach die Er­wartung aus. daß die E i n h e i t u n d Geschlos­senheit der Partei für die Zukunft unter allen Umständen oberstes Gesetz bei öffent­lichen Auseinandersetzungen für jedes Parteimit­glied fein müsse. Man weiß, worauf dieser letzte Appell sich im Besonderen bezieht: auf die Stim­men aus der Volkspartei, die sich gegen den Volksentscheid ausgesprochen haben, in er­ster Linie auf den Senior der Partei, Pros. Kahl.

der Dynastie ist, und selbst Prinz Albrecht hat nun den Prinzen Otto anerkannt. Naturgemäß kann nur das ungarische Volk selbst darüber entschei­den, ob es einen Habsburger zum König haben oder den St. Stephans-Thron durch freie Kön'ps- wahl besetzen lassen will. Gegenwärtig ist es al­lerdings wenig wahrscheinlich, daß ein fremder Fürst sich bereit erklären würde, unter den heu­tigen politischen Verhältnissen die ungarische- nigskrone anzuyehmen. Ich selbst enthalte mich vollends jeder legitimistischen Tätigkeit, da ich der Ansicht bin, daß zur Zeit die Kräfte der unga­rischen Nation für andere Zwecke nötiger ange­spannt werden müssen. Ich bin überzeugt, daß Ungarn einer neuen glücklicheren Zukunft entge­gengeht, trotz all der furchtbaren Krisen, von denen die Welt in der letzten Zeit heimgesucht wurde und die Ungarn um so stärker berührten, da es seiner wertvollsten Provinzen beraubt und so­mit in seiner Widerstandskraft geschwächt worden war. Aber der sieghafte Lebenswille des ungari­schen Volkes, das von allen europäischen Nationen mit am schwersten hat leiden und kämpfen muffen, wird das ist mein fester Glaube alle Schwie­rigkeiten schließlich doch überwinden. Trotz der gegenwärtigen Wirtschaftsdepression, welche die Lebenshaltung des ganzen Volkes empfindlich ein« schnürt, machen sich immerhin die ersten Anzeichen einer allgemeinen Besserung der Gesamtlage be­merkbar. Voraussetzung zu Überwindung aller ge­genwärtigen finanziellen und wirffchaftlichen Hin­dernisse in Ungarn ist allerdings die einmütige Zu­sammenarbeit aller sozialen Kräfte im Lande und eine allgemeine Einschränkung parteipolitischer Kämpfe und Auseinandersetzungen in einem Maße, das künftig nicht mehr die inneren Kräfte Ungarns durch diese Streitigkeiten wie bisher ab­sorbiert werden. Letzten Endes scheint es im In­teresse der Gesamtheit des ungarischen Volkes in wirtschaftlicher, hygienischer und kultureller Hin­sicht, und in diesem Zusammenhang ist deshalb auch die Frage aufzuwerfen, was denn Ungarn

im Falle einer allgemeinen Besserung der Wirt­schaftslage zu erwarten hat.

Ich kenne Ungarn gut, denn ich kämpfte mit ungarischen Soldaten zusammen während des Weltkrieges im Schützengraben. Den Kampf aber, den jetzt die ungariscke Nation ausficht, wird von ihr gewonnen werden. Ein neuer Krieg wäre allerdings am wenigsten geeignet, das Ungarn zu- gefügte schwere Unrecht wieder ^utzumachen.

Der Rechtsgrund Ungarns ist so klar wie die Sonne am hellichten Tage und berechtigt mich zur Annahme, daß wir in absehbarer Zeit unseren Prozeß mit friedlichen Mitteln gewinnen werden. Selbst die ehemaligen Feinde Ungarns werden bald den Unsinn der unhaltbaren Lage erkennen, in die Ungarn hineingezwungen worden ist. Ich glaube, daß die Zeit für uns arbeitet und allmäh­lich alte Vorurteile und Irrtümer, die jahrelang wie ein Wall Ungarn von der übrigen Welt trenn­ten, aus dem Wege räumen wird.

Mein besonderes Interesse gilt dem Schicksal all der Kleinbauern, die auf meinen Gütern in denjenigen Gebieten angesiedelt worden sind, dis doch eines Tages wieder zu Ungarn gehören wer­den und in denen auch die Nachfolgestaaten nolens» volens ungarische Bauern haben anfiedeln müssen. Mein Dank gilt diesen unerschrockenen, Heimat­treuen Bauern für ihre sorgfältige Pflege reinen ungariscken Bodens. Dieses Gebiet, die Irans» sylvanischen Berge mit ihren majestätischen Gip­feln, ihren Wäldern und Ortschaften habe ich selbst während des Weltkrieges gegen feindliche Angriffe verteidigt. Auf diesem Boden stand ich selbst an der Spitze unseres Heeres, bis der Feind herein­kam und ihn annektierte.

Die Zeiten haben sich inzwischen geändert. Groß ist die Sehnsucht nach dauerhaftem Frieden und Verständigung zwischen den Völkern geworden. Doch müssen alle Na­tionen endlich erkennen, daß wahrer Friede auf unserer Erde nur dann herrschen kann, wenn in der Abrüstungsfrage tatsächlich völlige Gleichheit der Rechte und Pflichten aller Staaten besteht. Entweder müssen sämtliche Staaten, so­wohl die großen als auch die kleinen, ihre Rüstun­gen, deren Kosten materiell und moralisch gewaltig angeschwollen sind, abschaffen, oder alle Welt muß sich bewaffnen.

Das dritte Kabinett Macdonald.

wtb. London, 27. Aug. (Eig. Meld.). Auf der ersten Sitzung des neuen Kabinetts wurde den Blättern zufolge eine Anzahl von Unterausschüssen zur Bearbeitung der dringenden Probleme er­nannt. Alle noch in der Schwebe befindlichen um­strittenen Gesetzesvorlagen, wie z. B. die Wahl» reformooriage, werden fallen gelassen.

*

Reichskanzler Dr. Brüning hat an Premier» Minister MacDonald anläßlich des Regierungs­wechsels ein Glückwunschtelegramm gesandt, in dem er die wärmsten Wünschefürdenvollen Erfolg des so eminent wichtigen Un- ternehmens" ausspricht, das MacDonaldim Interesse seines großen Landes" auf sich genom­men habe In feinem Antworttelegramm erwiderte der Premierminister diese Wünsche mit seinem herz­lichsten Dank

Politische Giftmischerei".

Die Wiener Allgemeine Zeitung nimmt zu den auch von der Presse aufgenommenen Gerüchten über einen bevorstehenden Frontwechsel der bürgerlichen Koalittonin Oesterreich Stellung und schreibt unter dem TitelPolitische Giftmischerei", daß alle diese Meldungen von einem bevorstehenden Rücktritts Schobers und Schürffs unrichtig seien. Wie das Blatt erklärt, habe Juftizminister Schürfs seinem Kor­respondenten bedeutet, daß diese Nachrichten jeder Grundlage entbehren und nur geeignet seien, Ver­wirrung zu stiften und die politische Atmosphärr zu vergiften. Auch die Parteileitung des Land­bundes hat die Gerüchte ausdrücklich dementiert.

Bayrische Notverordnung fertig.

Der Ministerrat in München hat anschließend zu den Plänen über die Ausgleichung des baye» rischen Staatshaushaltes Stellung genommen.

Bekanntlich schließt der ordentliche Haushalt für 1931 mit einem Fehlbetrag von 28,6 Milli­onen ab. Dieser Fehlbetrag soll z. T. durch Er­schließung neuer Einnahmen, zum an« deren Teil durch weitere scharfe Sparmaß­nahmen beseitigt werden. Die neubeschlossenen Einnahmen werden in ihrer Verwendung stark von der gegenwärtigen Not beeinflußt fein, das heißt, sie werden zum größten Teil zweckgebunden fein zugunsten der Fürsorgelasten der Gemeinden.

Die neuen Maßnahmen werden auf dem Wege der Notverordnung noch im Lause dieser Wocke veröffentlicht werden.

* 775 Jahre Klosterkirche Maria Laach. Am 24. August vor 775 Jahren hat die Klosterkirche in Maria Laach ihre erstmalige Weihe erhalten. In der hessischen Staats­bibliothek ist ein Laacher Meßbuch aufbewahrt, in dem im ausgehenden 12. Jahrhundert folgendes eingetragen wurde.Im Jahre 1156, den 24. August, wurde unter dem Pontifikate Hadrians IV., der Regierung Kaiser Friedrich I., den 2. Abte Eulbert, die Laacher Kirche durch Erzbischof Kilian von Trier zu Ehren der heiligsten Drei­faltigkeit, der Gottesmutter Maria, des hl. Nikolaus und aller Heiligen feierlichst eingeweiht".

* Beim Brückenbau von einer Stahlplatte erschlagen. Ein schwerer Unfall ereignete sich in Berlin beim Bau einer neuen Spreebrücke, der Jannowitz-Brücke. Aus bisher unbekannter Ursache löste sich von einem Brücken­pfeiler in 12 Meter Höhe eine Stahlplatte, sauste in die Tiefe und traf zwei beim Bau beschäftigte Arbeiter. Einer von ihnen wurde sofort getötet, während ein zweiter schwer verletzt ins Krankenhaus ge­bracht werden mußte.

Kabinettssitzung über Genf.

Die Rutzland-Frage. Vor dem Besuch Litwinows in Berlin. Das Reparations-Problem sott gefördert werden.

Das ungarische Kabinett vor dem Parlament