Beilage zur Fuldaer Zeitung
Nr. 196
NILS
27. August
r’ J i
Herbst-Ahnen.
Don Franz Cingia - Schramberg.
Und wieder sängt der kühle Wind Mit seinem rauhen Singen an.
Und seinen wilden Spielen sind Nun alle Täler aufgetan.
Die Wolken kommen grau und schwer. Der Tag entschwebt dem Blick so bald. Und mancher Pfad wird still und leer, Nur Einsamkeit streift durch den Wald.
Und die Gedanken hüllt dir ein Der Wandlung unerbittlich Los. Bald gehst du einen Weg allein. Der mündet in der Erde Schoß.
Haushalten und Amschallen.
Uns ist das Wort K r i s i s in den letzten Jahren schr bekannt und geläufig geworden. Was wir als Gesamtheit von der Krisis bisher hauptsächlich gespürt haben, ist das Bewußtsein, auf schwankendem Boden zu sein, Unsicherheit zu fühlen und kommende Gefahr zu ahnen. Das Schlimmste bisher war es: keine Zukunft zu sehen. Jetzt aber erfaßt uns alle die Krisis stärker in der Gegenwart. Manche von uns haben bisher eine Entbehrung, d. h. Berzicht an Sachgütern, noch nicht an sich herantreten lassen.
Das Gebot künftig wird heißen muffen: Haushalten, aus kommen mit den eigen en Mitteln. Das ist die ungeheuer harte Forderung, die über ganz Deutschland steht, seitdem das Ausland keine Kredite mehr gibt. Das fft auch der Zwang, der beherrschend über jeden Einzelhaushalt geschrieben ist. Die deutsche Frau, durch deren Hände der größte Teil des Dolkseinkommens geht, wird sich einmal ganz einfach und beherzt sagen müssen, daß wir durch den Krieg und nach dem Kriege ein riesiges Vermögen verloren haben, zu dem das neugobildete Sparvermögen des deutschen Volkes m gar keinem Verhältnis steht. Solche immensen Einbußen müssen sich bei jeder einzelnen Existenz irgendwie auswirken. Aber es fft fast immer so, daß man »die Anwendung bei den anderen macht. Aber eine wirksame Lebensumstellung, deren Gefft sich fruchtbringend fortpflanzt, fängt bei sich selber an.
Die deuffche Frau muß klarer und zielbemuhter bei der äußeren Lebensgestaltung das eine bedenken: Was man nicht hat, kann man nicht ausgeben. Sehr oft wird dies schwer werden, weil «der Vergleich mit anderen den Entschluß leicht wankend machen kann. Wir müssen es aber lernen zuzusehen, daß der oder jene, dem es vielleicht noch nicht einmal „zukäme", manches besitzt, was man selbst gern hätte. Und mehr noch, gerade die Frauen müssen die Unzufriedenheit mit unerfüllten Wünschen chrer Kinder und ihrer Männer immer wieder auszugleichen suchen. Wir müssen stärker und in Einfachheit froher werden.
Untersuchen wir zehn Fälle, die uns schwer werden. Sieben davon scheiden dann von selbst aus, weil sie nicht mehr Opfer von uns fordern, als auch unsere Voreltern jederzeit aufzubringen hatten. Zweimal müssen wir uns anstrengen, um in Ueberwindung zu schweigen und unsere Empfindungen nicht laut und geräuschlos loszuwerden. Und den zehnten und schwersten Fall lösen wir in der Kraft, die uns aus dieser Ueberwindung erwachsen ist.
Die deutsche Frau muß in hohem Maße Mitwirken, daß das deuffche Volk wieder gesund werde, sie muß umlernen und durchhalten! M. D.
Vom richtigen Einmachen.
Ein paar praktische Winke, die man beherzigen muß.
Bon Katharina Seibert» München.
Richtiges Einmachen fft garnicht so schwer, wie manche Hausfrauen glauben, man muß nur gewisse Winke beachten, die allerdings zum Gelingen unerläßlich sind. Dabei fft das Einmachen, das darf vielleicht einmal in diesem Zusammenhang gesagt werden, eine volkswirtschaftliche Notwendigkeit, denn ee drosselt die Einfuhr von Auslandsobst im Winter und spart uns gleichzeitig Geld, denn das Obst ist an sich schon in der Haupterntezeit weit billiger, als später, wenn di« Vorräte knapp geworden sind.
Beim Einmachen erhebt sich nun vor allem einmal die Frage: „Was sollen wir einmachen"? Das tommt nun
ganz auf den Geschmack der Familienmitglieder an, was sie gern effen und was sie nicht mögen, es fft gleichzeitig aber auch eine Geldfrage, denn es ist klar, daß es sowohl billigere wie teuere Obstsorten gibt. Das wechselt sogar manchmal in den einzelnen Jahren, wobei man nur an die reiche Erdbeerernte hn Frühsommer dieses Jahres zu denken braucht, die in anderen Jahren fehlt. Natürlich tuen eingemachte Pflaumen und Zwetfchen als Kompott die gleichen Dienste wie etwa Mirabellen und Reineclauden, sie haben aber vor den anderen den Vorteil der Billigkeit. Bedingung beim Einmachen allen Obstes und aller Gemüse ist jedoch die Frffche. Nur wirklich einwandfreies, möglichst erft vor kurzer Zeit gepflücktes, sauberes und ungezieferreines Obst darf eingemacht werden. Deshalb soll man auch, wenn man Frischobst geliefert bekommt, mit dem Einmachen nicht efft ein paar Tage warten, sondern es muß sofort verarbeitet werden. Je rascher dies geschieht, umso besser wird sich das Eingemachte halten. Außerdem fft schnell verarbeitetes Obst von einer ganz anderen Qualität.
Bevor wir an das Einmachen gehen, müssen wir natürlich überlegen, welche Einmachart zu bevorzugen ist. Sterilffieren kommt wohl in der Regel zuerst infrage, jedoch gibt es auch Früchte, die wesentlich einfacher konserviert werden können. Doch bleiben wir einmal beim Sterilffieren. Wie oft hört man Hausfrauen klagen, daß di« Maser nicht zuhalten wollen, daß die Deckel vorzeitig absprimgen oder das Glas splittert und was dergleichen unangenehme Dinge mehr sind. All diese Fehler 'dürfen aber eigentlich nicht vorkommen, wenn man einige Grundregeln des Sterilisierens d. h. des Keimfreimachens der Früchte, beachtet. In erster Linie muß di« zum Einmachen bestimmte Frucht einmal gründlich gereinigt werden. Einmaliges Waschen genügt in der Regel nicht. Dann werden die Frücht« recht dicht in die Gläser emgefüllt, jedoch so, daß am oberen Rande des Glases noch ein etwa ein Zentimeter breiter Spielraum bleibt. Selbstverständlich hat man die Gläser vorher sorgfältig gespült, wobei darauf zu achten ist, 'daß die Glasränder vorher nicht beschädigt werden, weil sonst di« Deckel nicht einwandfrei schließen. Auch die Gummiverschlußringe müssen gewaschen werden, jedoch soll man nicht zu, warmes Wasser nehmen, was dem
Gummi nicht zuträglich fft. Gläser und Gummi dürfen nicht abgetrocknet werden. Sind die Vorbereitungen soweit gediehen, schüttet man di« Flüssigkeit über das Obst oder das Gemüse, jedoch wiederum so, daß auch hier ein Zentimeter Raum unter den Früchten bleibt. Nun hat man den Glasrand mit einem feuchten, nicht trockenen Tuch sauber abzureiben, dann legt man den Gummiring glatt auf, dem 'dann die Deckel folgen Recht praktisch fft es, wenn man die zusammengehörigen Gläser und Deckel bezeichnet. Sie schließen dann besser. Auch das Einklammern will verstanden fein. Meist wird zu fest geklammert. Das Glas soll unter einem ganz leichten Druck stehen, sodaß der Deckel eben hält. Zu festes Klammern bewirkt meist das Gegenteil, die Deckel schließen dann nicht gut. Auch die Temperatur des Wassers im Einmachtopf ist keineswegs gleichgültig, sie soll sich etwa auf dem gleichen Grad halten, wie die Temperatur der Flüssigkeit in den Einmachgläsern. Man nehme zum Sterilisieren nicht zuviel Wasser. Es reicht völlig aus, wenn das Wasser bis an den Rand des Glasinhaltes heranreicht. Beim SterMsieren ergibt sich dann schon meist das Ueberspülen der Deckel, das jedoch zum Gelingen keineswegs notwendig ist. Sterilisiert wird bei kleinem Feuer. Es ist ein Irrtum der Haus- srauen, wenn sie glauben, die notwendigen Wärmegrade müßten rasch erreicht werden. Das Gegenteil ist richtig. Kommt man bei großem Feuer zu rasch auf die vorgeschriebene Temperatur, so platzen die Früchte, sie verlieren dadurch nicht nur Saft, sondern auch den Wohlgeschmack, ebenso läßt die Dauerhaftigkeit und vor allem der Nährwert nach. Also keine Uebeveklung beim Einmachen, man muß sich Zeit dazu lassen.
Nach dem Sterilisieren kann man die Gläser mit dem Wasserbad erkalten lassen, es schadet aber auch nichts, wenn man sie sofort nach dem Erhitzungsprozeß aus dem Wasser nimmt. Sie sind dann nur etwas empfindlich gegen Zugluft, die sich durch Ueberhängen eines Tuches leicht vermeiden läßt.
Wenn man diese wenigen Winke streng beachtet, wird man über das vorzeitige Aufgehen und über ein Verderben einsterilisierter Früchte und Gemüse nicht mehr zu klagen haben.
Verufsfrauen haben es besser?
In Berichten, Artikeln, die dem Wirken der Frau unserer Zeit gewidmet sind, finden wir oft Besprechungen über das angenehme Leben der Hausfrauen im Gegensatz zu dem der Berufstätigen. „Die Hausftau," so heißt es, „hat den Schutz ihrer vier Wände. Ihr Arbeitgeber ist der Ehemann, und da er nicht im wirklichen Sinne Vorgesetzter- ist, beurteilt er die Arbeit seiner Frau vom Standpunkt der Siebe aus. Er sorgt für die wirtschaftlichen Bedürfnisse, er verdient das Geld, und es ist leichter, Geld zu verwalten, als im schweren Kampf zu erwerben. Für die Hausfrau ist mit der Eheschließung gleichzeitig eine Altersversorgung geboten, denn, wenn nicht außergewöhnliche Umstände eintreten, arbeitet der Ehemann bis an das Lebensende für ihren Unterhalt. Sonst sind Kinder da, die ihre alte Mutter zu erhallen verpflichtet sind. Hat die Hausftau Organisationstalent, so kann sie sich ihre Arbeit einteilen, wie sie will." Wie aber sieht die Wirklichkeit aus?
Der Arbeitstag der Hausfrau ist unbegrenzt. Trotz aller Talente in Bezug auf die Zeiteinteilung werden ihre Berechnungen immer gestört. Hat sie die Absicht, einen Nachmittag bei einer Bekannten zu verleben, dann kommt bestimmt irgend etwas Dringliches dazwischen. Bald muß dem Kinde be den Schularbeiten geholfen werden, bald hat das andere Kind Halsweh, oder der Mann teilt beim Mitagessen mit, daß er am Nachmittag dieses ober jenes benötige. Die Hausfrau muß es ihm bringen! Zuweilen kommt er mit Besuch, geschäftlichem Besuch natürlich, der für die Unterhaltung der Hausfrau nicht zu haben ist. Freie Zeit für ihre eigene Person hat sie niemals. Weder am Tage noch in den Abendstunden. Wo ist die gute Hausftau, der es vergönnt wäre, ein fesselndes Buch hintereinander zu lesen? Wie oft wird sie in ihrer Lektüre unterbrochen, weil Pflichten an sie herantreten! Wo ist die Hausfrau, die ihre musikalischen Fähigkeiten weiter auszubilden in der Lage wäre? Meistens sind ihre Hände zu schwer geworden, um die Tasten des Klaviers oder die Saiten der Geige zu beherrschen. Außerdem nimmt der Haushalt sie soweit in Anspruch, daß ihr die Sammlung dazu fehlt. Wenn die Berufstätige nach elf Arbeitsmonaten
sich zu ihrem Urlaub rüstet, dann denkt sie wohl nicht daran, daß die Hausfrau Erholung kaum kennt. Gar nicht zu sprechen von der augenblicklichen Lage, die ein Verreisen der Familie nicht gestattet. Auch in anderen, besseren Zeiten, kennt die Hausfrau selten Ausspannung. Die Kinder erfordern auf der Reise ihre ganze Aufmerksamkeit, meistens sind sie unterwegs schwerer zu betreuen, als hn eigenen Heim. Dem Mann gilt natürlich alle Rücksicht, und die gute Ehefrau wird niemals zugeben, daß seine Nerven von der Beschäftigung mit den Kindern in Mitleidenschaft ihrer Unruhe und ihres Beschästigtseinwollens gezogen werden. Der Ehemann ist zudem — trotz aller Liebe und des guten Verstehens — nicht immer ein „gütiger Vorgesetzter", wie die Unverheirateten es sich vorstellen. Er verlangt, daß die Arbeit geleistet wird, und die meisten Ehemänner sind peinlich genau, wenn es sich um die Ordnung in ihrem eigenen Hause handelt. Noch eine psychologische Seite hat die Tätigkeit der Hausfrau: Ist sie wirklich tüchtig, unermüdlich und selbstlos, bann kann sie ihrer eigenen Person nicht die Aufmerksamkeit schenken, die ein Mensch, der nicht mehr in der ersten Jugend steht, notwendig hat. Nimmt sie es sich auch vor, — die Zeit legt ihr Wort dagegen ein, und auch die Pflichten hindern sie. Eine vernachlässigte Frau jedoch ist weder dem Mann noch den Kindern ein angenehmer Anblick. Auch die Kasse gestattet der Hausfrau nur fetten die Erfüllung von Ansprüchen. Ihr Arbeitsgebiet liegt im Hause, und so ist sie es, die sich durch Sparmaßnahmen behelfen muß, während Mann und Kinder auf gute Kleidung und auf tadellose Wirkung nicht verzichten können. Kommt noch dazu, daß ihre Arbeit nicht bezahlt wird, und daß ihr meistens nicht eine Mark zur Verfügung steht, wenn sie einen Wunsch befriedigen möchte. So werden all«
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51. eiifabeH Im Berffag
(Es war in Trier, in jenen Vorkriegsjahren, da noch keine unsichtbare Mauer die Grenzen sperrte zum Nachbarland. In einer engen, winkeligen Straße, die zur Mosel führt, abseits von der belebten Brot- und Fleisch- straße, hoch oben im Dachgeschoß eine Küche mit einer schmalen Kammer, Heimat von 11 Menschen. Der Vater, angeblich in Luxemburg auf Arbeit, die Mutter, gleich- gültig, schlamprig, noch pflegbedürftig, da das neunte Kind soeben geboren war. Acht Kinder vom zweiten bis vierzehnten Lebensjahr, frühreif, verbittert mit wissenden Kinderaugen. Die schmale Kammer das Schlafzimmer für acht! Das einzige Bett stand in der Küche, die Mutter mit dem Baby lag daran, wenn der Vater nicht zuhause war, durfte eines von den kleinen Kindern bei ihr schlafen. Aber das war nur sehr feiten, denn di« Kinder wußten von einem Schlafgänger zu erzählen, der die Stelle des Vaters einnahm. „Wo der mit 'nem Mensch nach Luxemburg gemacht hat!" gab die Wöchnerin mit verbissenem Trotz auf Befragen zur Antwort.
Hilfe kam, irgendwie hatte eine gütige Frau von dem Elend erfahren. Mißtrauen, Ablehnung wehten sie an, böse Blicke umlauerten sie. „Ich brauch euch nicht. Ich hab euch nicht gerufen." Feindseligkeiten wehte ms dem Bett. „Ja, Ihr Feinen, Reichen kennt fowas nicht! Seht euch nur recht um in unserem Dreck, Acht Kinder haben nichts zu essen, und das neunte will leben! Wißt ihr feine frommen Sprüche?" Und als häßliches Echo höhnisches Kinderlachen.
.helfen will ich euch! Ordnung schaffen, weil ihr es nicht könnt!" Ganz ruhig, ohne jede Empfindlichkeit. „Ich habe selbst Kinder, weih, wie ftoh man fft, wenn jemand bei einer Wöchnerin nach dem Rechten sieht."
„Nach dem Rechten sehen!" höhnt es zurück, ,/lcht Kinder, keine Betten! Kein Geld im Haus."
von 3gna Maria JÜnnemaan.
„Ihr könnt euch Suppe holen lassen, die Kinder sollen auch Mittagbrot haben. Einen Zettel gebe ich mit" „Sie wandt« sich an das älteste Mädchen, bas gaffend an der Wand lehnte. „Wilfft du nicht oufräumen?"
„Das faule Stück!" Die Mutter war ganz Anklage. „Frech und faul! Ich muß mich rausmachen und Kartoffeln aufsetzen, weil das faule Stück lieber strunzen geht als arbeiten!"
„Ich lieg auch lieber hn Bett, als den Dreck zu tun!" maulte die Dreizehnjährig«, bequemte sich aber doch, den schmutzigen, verbrauchten Besen in die Hand zu nehmen und die halbschimmeligen Kartoffelschalen zusammenzu- kehren. „Der Vater hat en Mensch und wir müssen auf Lumpen schlafen!"
„Ja, so ein Schlechter!" Tränen flössen. „Wie können die Kinder geraten! Und der Versatzschein vom Bett ist längst verfallen! Aber, wenn ich das Mensch kriege!
„Der Vater hat recht, wenn er in den Saustall nicht zurückkommtl" Der Zwölffährige hatte eine messerscharfe Falte zwischen den Augenbrauen. „Die Mutter kümmert sich ja auch nicht um uns, wenn sie gesund ist!" erzähll er in jäh erwachtem Zutrauen, während er etwas später mit dem unerwarteten Besuch die enge Wendeltreppe hinuntersteigt.
Diele Wege nm ß der gehen, der dem anderen helseg will, viele Worte muß er machen. Enttäuschungen dürfen nicht entschuldigen; wer auf Dank hofft, bleibt un- belohnt. Immer wieder bie enge, steile Stiege hinaus in die Atmosphäre von Schmutz, Trägheit, Böswilligkeit, immer wieder Feindseligkeit und Verbitterung, keine Anerkennung, kein dankbarer Blick. Die Kinder aufge- stachelt zu neuem Mißtrauen, man nimmt widerwillig ober man forbert frech.
Wo fft da die Brücke, die vom Ich hinüberführt -um
Du? Wo ist die letzte, verborgene Saite, die auf dieser zerrissenen Harfe wieder ertlingen soll? Haben Not, Verbitterung alles zerstört? Endlich fft das schwerste geschafft, zwei schmale Holzbetten auf Abzahlung stehen in der engen Kammer, acht Kinder finden darin Platz, sind glücklich „hn Bett zu liegen". Der achtjährige Hilfs- schüler lacht: „Jetzt ist es bei uns wie bei feinen Leuten!" Die Mutter weint — sie kann immer meinen, mann, wo und wie es ihr nur ratsam erscheint — oh, sie wird hier Ordnung schaffen und auf Arbeit gehen, wenn sie nur erst wieder auf fft! So eine Güte wird sie nicht vergessen! Aber schon beim nächsten Besuch kehrt sie das Gesicht zur Wand und gibt überhaupt keine Antwort.
Der verborgene Weg, der zum Herzen des Nächsten führt, fft steinig und voller Dornen. Trauer und Aufregung bei den Kindern, das Abzahlungsgeschäft, da» die Betten lieferte, will die Tannengestelle wieder abholen, die letzte Rate ist nicht bezahlt. „Der Schäng hat sie verloren!" beteuert die Mutter und die Tränen fließen. Schäng fft in der Schule, kann sich nicht verteidigen. „Vielleicht hat er sie gestohlen!"
Schäng, an der Schule abgefaßt und befragt, verrät, daß bie Mutter mit dem Selbe in die Kneipe an der Ecke gegangen fei. Sie stehe heimlich auf und lege sich ins Bett, wenn die Helferin komme. Und man hat selbst keine zehn Mark übrig, um die unbezahlte Rate zu entrichten. Nun 'der Gang zum Abzahlungsgeschäft. Keine Vorstellungen, keine Bitten nutzen, Aufschub bis zum nächsten Tage fft das Erreichte nach harten Kämpfen. Just zur rechten Stunde fft das Geld zusammengebettelt. „Für so'n Dreckvolk sich aufzuregen!" kopffchüttelnd streicht der Besitzer den Schein ein, „Die sind nicht wert, daß man sich drum kümmert!"
Wieder ein Erfolg ,ben kleinen Hilfsschüler kann man in einer Anstalt unterbringen. „Er hat ein Bett für sich ganz allein!" neiderfüllt sagt es die Dreizehnjährige, die ihn begleiten durste, die Mutter fühlt sich immer noch zu j schwatz — angeblich „Waren wir nur all geckl" wünscht
Hausfrauen auf der ganzen Welt ausrufen: Großer Vor» teil für bie Berufstätigen!
Von einer Hausfrau,
Die $tau im Beruf.
12 Prozent aller Studenten in Sachsen sind Frauen. Im Sommersemester 1931 wurden nach der im Statistischen Landesamt bearbeiteten Hochschulstatistik an sämtlichen vier Hochschulen Sachsens 11 854 Studierende gezählt. Davon studierten an der Universität Leipzig 7118, an der Technischen Hochschule Dresden 3 840, an der Handelshochschule Leipzig 712 und an der Bergakademie Freiberg 184. Unter den 11 854 Studierenden befanden sich 1383 (gleich 12 v. H.) studierende Frauen. An der Universität Leipzig studierten 963, an der Technischen Hochschule 386 und an der Handelshochschule 34 Frauen.
Warum und Weil in der Küche.
Es gibt auch heute noch Menschen, die das Obst mehr als vergnügliche Zukost betrachten, um den Gaumen zu letzen und dem Essenden Vergnügungen oder — Leib« schmerzen zu machen. Diese Ansicht fft natürlich falsch: bas Obst hat ganz gewiß noch einig« anbere, wichtiger« Aufgaben.
war wissen Sie vom Obff?
Warum soll der Mensch die Obstzett ausnützen? Weil Obst reich an Vitaminen und Nährsalzen fft.
Allerdings wußte man bas früher nicht und deshalb vernachlässigt maus oft heute noch, seine Verbauungstätigkeit so angenehm und wirkungsvoll anzuregen.
Warum sollen blutarme Menschen recht viel Obst und Gemüse essen?
Weil sie dem Körper Eisen in einer Form zuführen, die er willig aufnimmt und verarbeitet.
Warum sollen an Fleischgenuß Gewöhnte dessen schädlichen Wirkungen durch reichlichen Obstgenuß begegnen?
Weil Fleffch wie jede stark eiweißhaltige Nahrung die Enfftehung von Säuren begünstigt, bie sich bei dazu veranlagten Menschen als Kristalle in den Gelenken absetzen und Gicht und Rheumatismus verursachen. Obst, auch saures, hebt diesen Schaden wieder auf.
Warum soll man fein Geld lieber für Obst statt für Pillen und andere Abführmittel ausgeben?
Weil Obst die Verdauungssäste vermehrt, die Drüsen zu reichlicher Absonderung anregt, Sippe» fit macht und di« Darm- und Nierentätigkeit fördert. -- -■
Warum soll man auch getrocknete Feigen, Datteln, Zwetschen, Rosinen recht eifrig essen?
Weil sie einen recht bettächtlichen Nährwert haben und außerdem ein mildes Abführmittel sind. Sie find besser und gesünder als jedes Zuk- kerwerk, mtt dem man namentlich Kinder so gerne zu füttern pflegt.
Warum muß man jedes Obst vor dem Essen gründlich waschen?
Weil es in den Schaukörben her Läden, auf dem Markt usw. dem Straßenstaub u,nb damit den Bakterien ausgesetzt ist.
Warum soll man möglichst nach jeder Mahlzeit Obst essen?
Weil die Fruchffäure eine alkalische, d h. säurezerstörende Speicheldrüse anregt, deren Absonderung Zahnfäule oerhinbert. kos.
Einige Reinigungsmittel.
Roßhaare: Kochen und tüchttg rühren im Waffe? mit Zusatz von Pottasche, in einem Sieb spülen und zum Trocknen ausbreiten.
Goldfransen: Mittels einer weichen Bürste mit gutem Schnaps. Man legt bie Goldfransen bann glatt in ein reines, weiches Tuch, welches alle Nässe auf« nimmt.
Schwarzgewordene Silbertreffen! Mit verdünntem Salmiak abreiben.
Eichene Möbel: Bepinseln mit Bier, worin gelbes Wachs und etwas Zucker aufgekocht worden ift Mit einem Wollappen kräftig nachreiben.
der Zwölfjährige, „da hätten wir es besser. Immer satt zu essen und Milch im Kaffee!"
Der Vater kommt nicht wieder. Trotz eifriger Nachforschungen fft und bleibt er verschollen. Arbeitskollegen wissen zu berichten, daß er in Luxemburg ist und nicht zurückkommen rollt. Das neunte Kindchen stirbt, ganz Unerwartet hat das kleine Herz den letzten Schlag getan, gleichmütig nehmen es die Geschwister auf. Die Mutter fehlt bei der Beerdigung, sie fft auf und davon, angeblich, um den Vater zu holen. Der Zwölffährige weiß es besser: sie fft mit dem Freund über die Grenze gegangen.
Sieben Kinder ftrtben in einem Waisenhause ein wirk, liebes Zuhause. Die Dreizehnjährige wehrt sich ver- zweifelt gegen die niegetannte Muttergüte und hungert doch nach einem guten Wort. Leichter ergibt sich der Zwölfjährig«, die böse Falte verschwindet von der Stirn. Einmal fragt er nach her Mutter, voller Angst: wenn sie wtederkommt, müssen wir bann zurück? Das Jüngst«, Zweijährig«, lebt sich am schnellsten ein, bei ihm und bei den jüngeren Geschwistern verblassen bie unerfreulichen Jugenderlebnisse.
Die Bäumchen, in gutes Erdreich verpflanzt, gedeihen. Ist bas nicht überreicher Lohn für den Gang über enge, schmale Stiegen? Daß sieben Menschen heute im fieben stehen, bie bas Wort Gott und das Wort Pflichterfüllung kennen! Sieben Menschen, die ihren Weg fanden, weil ein gütiges Frauenherz sich ihrer Not erbarmte!
Unbarmherzig hat die große Not sich eingentftet, in den Städten, auf dem Lande; das Vorkriegserlebnis aus Trier fft im Vergleich zu dieser Massennot, die unverschuldet über uns hereingebrochen ist. verschwindend. Je höher die Flutwelle der Not und Verzweiflung steigt, St. Elisabeth neigt heute wie ehedem sich zu den 23er« laffenen, Verbitterten, zu den Kranken an Leib und Seele. Still und unerkannt wandelt sie unter Egoismus, Hagbier und Lieblosigkeit. Wer Augen hat zu fetzen, Der wird ihr oftmals begegnen.