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geworden. Aber es sei nicht richtig zu sagen, daß fremde Länder vorsätzlich versuchten, England zu schädigen, denn dies würde auch für sie sehr üble Folgen haben. Endlich wandte sich Macdonald den Maßnahmen iu, die die Lage erfordere. Er sagte u. a,, es würden viele Opfer gebracht werden müssen, aber er hoffe, jeder Engländer würde nach seinen Mitteln das Seinige bertragen. Hebet den Vorschlag, die Arbeits­losenunterstützung zu vermindern, sagte Macdonald, diese Frage sollte im Geiste der Gerech­tigkeit geprüft werden. Es werde vorgeschlagen, daß diese Unterstützungen im Interesse der natio­nalen Sparsamkeit um 10 Prozent gekürzt werden sollten^ daß aber die Beihilfen für Kinder unbe­rührt bleiben sollten. Das sähe ungeheuerlich aus, aber während der letzten zwei Jahre hätten sich die Kosten des Lebensunterhaltes um 11,5 Prozent gesenkt, und wenn die Aroeüs- losenunterstützung entsprechend abgeändert worden wäre, so würde sie längst um 11,5 Prozent herabgesetzt worden sein.

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wtb. London. 26. August. (Eig. Meld.) Die Zusammensetzung des englischen Kabinetts wird von der englischen Presse als eine günstige Lösung betrachtet; nur Daily Herold nennt das Kabinett ein Erzeugnis des Druckes englischer und ausländischer Banken.

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Das erste Zeichen für die zwischen Konserva­tiven und Liberalen abgeschlossene Waffenruhe ist die Nachricht, daß der für die Ersatzwahl in Guild- fovd aufgestellte liberale Kandidat seine Kandida­tur zurückgezogen hat, womit die Wahl des Kon­servativen gesichert ist.

Baldwin hat eine Erklärung veröffentlicht, in der es heißt: Die Krisis erfordert schnelle Maßnahmen, und eine Parlaments, auf 16funfl mit darauf folgenden Neuwahlen würde jetzt eine Katastrophe sein. Die Konservativen beteiligen sich an der nationalen Regierung nur zu dem ausdrücklichen Zwecke, das Budget ins Gleichgewicht zu bringen und das Vertrauen zum britischen Kredit wieder herzu­stellen. Es ist keine Rede von einer dauernden Koalition. Wenn die nationale Regierung ihre Aufgaben erledigt hat, wird, wie verlautet, das Parlament aufgelöst werden, sobald die Umstände es gestatten. Dann wird es jeder Partei freistehen der Wählerschaft chre Politik zu unterbreiten. So­mit wird keine Partei aufgefordert, einen der Grundsätze preiszugeben, an die sie glaubt.

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Wie aus unterrichteten Kreisen verlautet, ist Macdonald sich vollkommen bewußt, daß die Bil­dung der „nationalen Regierung" das Ende seiner politischen Laufbahn bedeutet. Er betrachtet es aber als feine Pflicht, den Sanierungsplan durchzuführen. Nach Beendigung der Krise wird er sich von der Regierung und von der Politik überhaupt zurückziehen. Snowden wird eine gleiche Haltung einnehmen.

Macdonald handelt so, wie der charakter­volle Politiker zu handeln hat.

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Die Parlamentsfraktion der Labour Party hat zum kommenden Freitag eine Versammlung ein­berufen. in deren Verlauf Macdonald vermutlich die Parteileitung niederlegen wird, und der Nachfolger zu wählen ist.

"'Der Nationalrat der Unabhängigen Arbettev- partei ist zur Zeit damit beschäftigt, eine Kund­gebung abzufassen, in der die. Regierung beschul- digt wird, sich an den Lohn- und Arbeitsbedin­gungen vergangen zu haben.

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wtb. Paris. 26. August. Eig. Meld.) Bei Besprechung der Aussichten des neuen Kabinetts weist Ercelsior darauf hin, daß es nicht unmöglich sei, daß demnächst zwischen Paris und London Verhandlungen über den Abschluß einer Äon f o. lidierungsanleihe ausgenommen würden.

Das Spar-Programm.

_ CNB. London, 26. August. (Eig. Meld.) Da? Sparprogramm der neuen Regierung, das gegen­wärtig vom Kabinett ausgearbeitet wird, ähnelt in feinen wesentlichen Grundzügen demjenigen, das zum Sturz des La bou r-Kabinetts führte. Der größte Teil der Summe, die zum Ausgleich des Budgets nötig ist, soll durch Ein­sparungen und nicht durch neue Steuern aufgebracht werden. Die H a u p t a b- st r i ch e werden bei der Arbeitslosen­versicherung vorgenommen werden. Di- Bezüge der Arbeitslosen werden, wie Macdonald schon gestern abend ankündigte, gekürzt und außer­dem die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung von 7 Pence auf 1 Schilling erhöht werden. Eine andere wesentliche Einsparung wird durch Kür­zung der Gehälter der Staat sbeam- ten, darunter auch der Minister, erfolgen. Die Kürzung wird im Höchstfälle 20 Proz. betragen. Ferner sollen die Abgeordne- ten-Diäten und die Lehrergehälter gekürzt werden. Auch in der örtlichen Ver­waltung sind Abstriche an den Ausgaben vorge­sehen. _____________

* Der frühere japanische Ministerpräsident Ya­maguchi gestorben. Aus Tokio wird gemeldet: Der frühere Ministerpräsident Hamaguchi ist an den Folgen der Verletzungen, die er am 14. Nov. v. Js. bei einem Attentat durch ein Mitglied der reaktionären patriotischen Vereinigung erhalten hatte,, gestorben. Man hatte zunächst geglaubt, den Ministerpräsidenten wieder der Genesung zuführen zu können; doch war im Befinden des Verletzten kürzlich ein Rückfall eingetreten.

Was planen -le Sommunlsten?

In kommunistischen Kreisen wird eine lebhafte Agi- tation für einen Generalstreik betrieben, für des­sen Termin man sich den 1. Oktober ausgesucht hat. Den Vorwand soll der am 30. September sich vollziehende Ablauf einer Reihe von Tarifverträgen bilden. Die re­volutionäre Gewerkschastsopposition glaubt nun die Ge­legenheit für gekommen, die schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse, von denen ja in nächster Zeit eine Bes­serung nicht erwartet werden kann, für ihre Zwecke agitatorisch au-zunutzen. Die Werbearbeit erstreckt stch nicht nur auf die eigenen Mitgliedergruppen, sondern sie reicht weiter darüber hinaus auch in die Kreise der übrigen Arbeiter. Cs ist eine Organisation geschaffen worden, die jeden einzelnen neuen Arbeitslosen zum Eintritt in die revolutionäre Gewerkschaftsorganisation zu bewegen sucht. Die ganze Aktion steht unter dem Gebot von Moskau.

Man wird angesichts dieser Wühlereien stärkste Auf­merksamkeit der beteiligten Stellen und Instanzen er­warten müssen.

Letzte Nachrichten öl

Die Durchführung der Notverordnung zur Sicherung der Haushalte.

cnb. Berlin, 26. August. (Eig. Meld.) Aus Kreisen des Reichsfinanzministeriums erfahren wir, daß die Reichsregierung im Zusammenhang mit der Notverordnung zur Sicherung der Haushalte an die Länderregierungen ein Rundschreiben ver­senden wird, in dem das Reich im einzelnen die Möglichkeiten erörtert, die die Länder und Ge­meinden zur Durchführung ihres Etatausgleiches haben. Die Reichsregierung wird, wie wir weiter erfahren, insofern eine gewisse Kontrolle über die Maßnahmen der Länder­regierungen haben, als die Reichsregierung nur denjenigen Ländern außer den üblichen Steuerüberweisungen für besondere Fälle, haupt­sächlich für Wohlfahrtszwecke, Mittel zukommen lassen wird, die gemäß der Notverord­nung ihre Haushalte in Ordnung ge- bracht haben.

Die Kompetenzen des Reichspräsidenten auf Grund des Artikels 48.

wtb. Berlin, 26. Aug. (Eig. Meld.) Bei Ausübung der ihm auf Grund des Artikels 48, Abs. 2 der Reichs­verfassung zustehenden Befugnisse ist der Reichspräsi­dent, wie von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, an die normale verfassungsmäßige Zuständigkeitsabgrenzung zwischen Reich und Ländern nicht gebun­den. Er vereinigt also auf Grund des Artikels 48 jedenfalls die Zuständigkeit sowohl des einfachen Reichs­gesetzgebers wie auch des Landesgesetzgebers in sich. Soweit er hiernach Maßnahmen trifft, die sonst zur Zuständigkeit des Landesgesetzgebers gehören, gehen sie abweichenden Bestimmungen des Landesrechts vor.

Artikel 48 verlangt nicht, daß der Reichspräsident alle Maßnahmen, die er zur Wiederherstellung der ge­störten oder gefährdeten öffentlichen Sicherheit und Ord­nung für nötig hält, s e l b st trifft. Es ist vielmehr an­erkannten Rechtes, daß dem Artikel 48 Genüge getan ist, wenn der Reichspräsident die Richtung der von ihm für nötig erachteten Maßnahmen in bestimmter Weise umgrenzt.

Sachsen zahlt in drei Raten.

wtb. Dresden, 26. August. (Eig. Meld.) Die Staatskanzlei teilt mit: Infolge derangespan n. ten Kassenlage können die sächsischen Be­amtengehälter für Monat September am 1. Sep­tember zunächst nur in Höhe eines Drittels eines Monatsbezuges ausgezahlt werdne. Dasselbe gilt für diejenigen Bezüge für Behörden-Angestellte, die halbmonatlich gezahlt werden. Die Versvr- gungsbezüge der Beamten« und Beamtenhinter­bliebenen und die Augustbezüge von Behörden-An- gestellten, die monatlich nachträglich zu zahle» sind, werden am gleichen Tage vorläufig zur Hälfte gezahlt. Heber die Zahlungen des wei­teren Teils der Bezüge liegen Ankündigungen noch nicht vor. Die Entwicklung der Kaffen­lage wird hierfür maßgebend fein.

* Oberleutnant Wendt kehrt nach Gollnow zurück. Oberleutnant Wendt, der sich am Samstag auf einem

Der kommende Genfer Jlationalifc bewegnng: Sutturnukonomie und

Von Dr. Ewald A m m e n b e, Generalsekn

In Kürze beginnt der diesjährige Kongreß der europäischen völkischen Minderheiten, der wie­derum in Genf stattfindet. Daher beende ich meine alljährliche Bereisung der von wichtigen Minder« beitengruppen besiedelten Gebiete, die Jnforma- tionszwecken dient. Ich bereiste im Juli die pol­nischen Provinzen, wo die Lage der Minder­heiten ungemein traurig und schwer ist, und dar­aufhin nach Bereisung der Bukowina, Bessarabi­ens und der Dobrudscha — die anderen Provin- zen Rumäniens, Siebenbürgen und das Banat, besuchte ich bereits vor einigen Monaten — Bul­garien, um schließlich von Jugoslawien aus mich zum Kongreß zu begeben.

Der nächste Nationalitätenkongreß findet vom 29. bis 31. August in Genf statt. Es ist dies schon der 7. Kongreß der völkischen Minderheiten Europas Im Mittelpunkte des Interesses der diesjährigen Tagung wird eine umfang­reiche Bekanntgabe über die Lage aller europäischen Minderheiten ste­hen. Diese Zusammenfassung authentischer Be­richte aller Minderheitengruppen ist der beste Be­weis für die von interessierter Seite bestrittene starke Solidarität aller europäischen Min­derheiten. Der Kongreß wird sich weiter mit den Erfahrungen befassen, die man aus der in Est­land seit 6 Jahren bestehenden Kulturauto­nomie der Minderheiten gewann. Im Zusam­menhang damit steht die Frage der Anwendbarkeit des in Estland verwirklichten Grundsatzes der Kulturautonomie der Minderheiten in den ande­ren europäischen Staaten. Weiter steht auf der Tagesordnung auch die Hngelöstheit der Nationa­litätenfrage in Zusammenhang mit dem Ab- rüftungs- und Sicherheitsproblem. Ferner wird der Kongreß sich mit der im Vorjahre begonnenen Behandlung der Frage organisierter Volksgemein­schaften in Europa befassen. Es wird über vrak- tische Erfahrungen und grundsätzliche Vorschläge zu einer Zusammenfassung aller Teile ein und desselben Volkes auf nationalkulturellem Gebiete über die staatlichen Grenzen hinweg beraten wer­den. Bezüglich der Teilnahme neuer Minderheiten­gruppen wäre die Zulassung der Slowaken aus Ungarn und der Griechen vom Dodekanes, die be­kanntlich unter italienischer Herrschaft stehen, zu verzeichnen.

Für die Entwicklung der Minderheitenbewe­gung ist die Sage der Minderheiten in Rumänien — es sind dies Deutsche, Ungarn, Russen, Ukrai­ner, Bulgaren, Juden, Polen, Serben, Türken u. a., insgesamt gegen 5 Millionen — sehr lehr­reich. Die Minderheiten in Rumänien haben Er­fahrung auf Erfahrung gesammelt. Besonders be­dauerlich erscheint mir die Enttäuschung, die die Regierung Maniu nicht nur den Minder­heiten in Rumänien, sondern auch denen ganz Europas bereitete. Sie rechneten auf Grund ab­gegebener amtlicher Erklärungen — auch mir ge­genüber wurden solche abgegeben — fest mit 6er Schaffung eines vorbildlichen Minderheitengeset- 365 durch Maniu. Der Abgesandte Manius, Un- terftaatsfefretär GH. Pop, wurde überall in Europa, wohin er auf feiner Studienreise kam, von den Minderhesten freudigst empfangen und

t,Fuldaer Zeitung'.

Motorrad aus der Strafanstalt Gollnow, wo er seine Festungshaft abbüßt, entfernte, beabsichtigt wieder nach Gollnow zurückzukehren. Wie die „B. Z." meldet, hat Oberleutnant Wendt bereits vor langem geplant im August einen mehrtägigen Urlaub zu „nehmen" und diese Absicht auch an dem vorher bestimmten Tage durchgeführt. Es könne sich also nicht um eine Flucht Wendts handeln, wie sein Verteidiger erklärt, sondern nur um einen selb st genommenen Urlaub. Die fünf Tage dieses Urlaubs wird Wendt nachzuoerbüßen haben. — Anscheinend wird hier die deutsche Republik verhöhnt, wie es ja auch sonst leider zu beobachten ist.

* Die Deuffdjnafionale Fraktion des preußischen Landtags hat eine kleine Anfrage eingereicht, in der dar­über Beschwerde geführt wird, daß der Berliner Po­lizeipräsident Grzesinski und der niederschlesische Ober­präsident Lüdemann am 16. August an einem republi­kanischen Volkstag in Wohlau (Bezirk Breslau) teilge­nommen haben, auf dem nach dem Hoch auf die Re­publik von der Musik die „Internationale" in- tontert worden sein soll. — Wenn nicht zurzeit in Deutschland und Preußen so manches „intoniert" würde, was noch bedenklicher ist als die Jntonierung in Wohlau (Bezirk Breslau), könnte man den Schritt der Deutschnationalen Fraktion billigen.

Auch ein unruhiges Land.

Schießerei in der mexikanischen Kammer.

Ein Toter, mehrere Verletzte.

wtb. Mexiko, 26. August. (Eig. Meld.) In der Kammer kam es gestern abend bei einer Aus­sprache über Beschuldiaungen, die gegen den Gou­verneur des Staates Ialiscv erhoben wurden, zu einem Tumult, in dessen Verlauf mehr als 60 Schüsse abgegeben wurden. Ein Abgeord­neter wurde getötet, ein zweiter schwer, drei wei­tere leichter verletzt.

* Ghondi reist am 29. August nach England. Aus S i m l a wird gemeldet: Nachdem im Verlauf einer Besprechung zwischen dem Vizekönig und Ghandi alle Schwierigkeiten, die einer Teilnahme Ghandis an der Londoner Konferenz „am runden Tische" entgegenstan­den, aus dem Wege geräumt sind, wird Ghandi am 29. August nach England abreisen.

Römischer Dries.

Don unserem römischen Mitarbeiter.

Um Italien und um Mussolini ist es zurzeit sehr still, wie immer bann, wenn wirklich große Geschichte im Werden ist. Es zeigt sich dann, daß Italien auch unter Mussolini nichts zu bieten ver­mag, das mit zwingender Gewalt den Strom be« Geschehens an sich reifet.

Manches mag an Italien imponieren. So bas Ergebnis ber letzten Volkszählung vom 21. April bieses Jahres. Italien zählt danach heute 42119 000 Einwohner gegen 38 755 000 vor zehn Jahren und

ig im Forlschreilen.

retz. — Nächstes Ziel der Minderheiten- ,ig zwischenstaatlicher nationalkultureller hasten.

är des Europäischen Minderheiienkongresses.

eingehend über die verschiedenen rechtlichen Rege­lungen der Minderheitenfrage unterrichtet. Trotz des guten Willens GH. Pops gelang er aber nicht, bestimmte Vorschläge bezüglich des versprochenen Minderheiten st atuts herauszubringen. Darin liegt zweifellos eine ganz außerordentliche Enttäuschung. Nunmehr sind auch seitens der Re­gierung Sorgas, ber es zweifellos persönlich gut meint, erneute Versprechungen in ber Minder, heitenfrage gegeben worden. Die Minderheiten haben sich in loyalster Weise zum Versuche, auf dem Wege über bas neue Unterftaatsfetretariat für Minderheiten die Minderheitenfrage einer Re. gelung zuznsiihren, gestellt. Es fragt sich aber, ob auch diesmal praktische Ergebnisse zu erwarten sein werden. Die Minderheiten Rumäniens dürften bereits lange den Beweis erbracht haben, daß sie alles daran setzen, um auf dem Wege des internen Ausgleiches eine durchgreifende Regelung der Na- tionalitätenfrage zustande zu bringen. In ber Auswertung ihres Rechtes auf eine Petition beim Völkerbund würden sie in jedem Falle nur den letzten Ausweg sehen. Das habe ich auch kürzlich in der deutschen Presse Sieben­bürgens behauptet, und darum ist es unwahr, was der Bukarester „Unioerfal" vor einigen Tagen be­hauptete, daß ich versucht hätte, die Minderheiten Rumäniens zur Heberreichung von Völkerbund­beschwerden zu veranlassen. Im Gegenteil, ge­rade ich bin bemüht gewesen, durch Hnterstützung der Studien des von mir hochgeschätzten Herrn GH. Pop auch meinerseits zu einer intern vor- genommenen Lösung des Nationalitätenproblems in Rumänien beizutragen.

Durch Gewährung einer Kulturautonomie für die Minderheiten wie in Estland würde sich der rumänische Staat vor der europäischen Deffent» lichkeit ganz gewaltige Verdienste erwerben. Um« somehr, da es heute immer klarer wird, daß es ohne Lösung des Minderheitenproblems keine wirkliche Abrüstung und keine dau­ernde Friedensgestaltung in Eu­ropa geben kann. Man vergleiche die letzten auffallenden Ergebnisse Professor Winklers vom Wiener Universitätsinstitut für Nationalitäten- statistik über die statistischen Daten ber verschiede­nen europäischen Minderheiten. Professor Wink­ler errechnet, daß es selbst unter Zugrundelegung der Minimaldaten der europäischen Staaten mindestens 40 Millionen europäische Minderheitsangehörige gibt. An die­sem Problem sind über 40 europäische Völker be­teiligt, indem sie ein brennendes Interesse für das Schicksal ihrer außerhalb der eigenen Staatsgren­zen lebenden Volksgenossen haben. Will man un­ter diesen Umständen nicht endlich einsehen, daß die Lösung des Nationalitätenproblems keine spezielle Angelegenheit betrifft, sondern für das Gesamtproblem zur Erhaltung des europäischen Friedens von Be­deutung ist? Erfreulicherweise wächst von Tag zu Tag die Erkenntnis dieses Zusammenhanges in der europäischen Oefientlichkeit. Hierzu haben in erster Linie gerade die Nationalitätenkongresse und die in ihrem Rahmen erfolgte solidarische Zu­sammenarbeit ber verschiebenen europäischen Na­tionalitäten weitgehend beigetragen, .. J

26 802 000 hn Jahre 1871 (damals ohne Süd- tirol usw.). Gewiß ist das Wachstum nicht größer als im Jahrzehnt 1911—1921, aber es ist doch auch nicht geringer. Immerhin erroeckt die Geburten­ziffer der größeren Städte auch bereits Besorg- nis.

Zahlenmäßig imponieren mag and) die geroal» tige Organisation der militärischen Jugendausbil­dung, die jetzt bald nahezu restlos die gesamte Ju­gend, namentlich die männliche IugenO, begin» nenb mit den Knabenverbänden ber Bililla, bann vom 14.—17. Jahre die Avanguardisten, endlich die militärischen Vorbereitungskurse umfaßt. Ge­rade in diesen Tagen wimmelte es wieder in Rom von Jungfaschisten, die zu etwa 1 500 an der Zahl aus Südtirol herangeholt worden waren, um Mussolini zu grüßen. Dennoch — keinem auf­merksamen Beobachter kann die Tatsache entgehen, baß z. B Frankreich, bas diese kriegerische Diszi­plinierung des gesamten italienischen Volkes ftarf I als gegen sich gerichtet betrachten könnte, sich durch die Truppenmacht, die Italien im Ernstfälle auf die Beine bringen könnte, nicht gar sehr bedroht I zu fühlen scheint.

Noch reden die faschistischen Blätter im alten Stile fort, aber die Tonart ist durchweg gedämpf­ter, und aufs ganze gesehen vermißt man gerade heute, da es so nötig wäre, ein klares Ziel und eine zündende Parole. Nirgendwo entdeckt man eine Lötung, die ein Programm bedeuten könnte, es fei denn die von dieser Seite auffällige Be­tonung ber internationalen, europäischen Soli­darität. Nur schwer vermag die italienische Presse bas Staunen über bie Position zu verbergen, die Frankreich sich erobert hat. Die italienische Stel­lungnahme zu den Vorgängen in Ungarn und im übrigen Osteuropa läßt klar erkennen, daß man damit rechnen muß, daß Italien, ehe es aus sei­nem Interessenbereich verdrängt wird, sich einzu­schalten versucht, selbst 'unter Preisgabe seines bisherigen Außenkurses. Mehr zu folgern; ist wohl im Augenblick nicht angängig, aber damit es keine neuen Enttäuschungen gibt, ist es not­wendig, darauf hinzuweisen.

Manchmal hat es den Anschein, als ob Musso­lini ein wenig die inneren Zügel aus der Hand verlöre, so wenn es doch immer wieder zu Schmä­hungen auf Öen Papst und die Kirche kommt, so z. V. erst kürzlich im nächsten Mitarbeiterstab des Duce. Dieser Tage konnte man z. B. auch wieder beobachten, wie junge Faschisten in der Nähe der Vatikanstadt ein Flugblatt verteilten, bas ein Schmähgedicht auf den Papst unb den Vatikan enthielt. Im Trafteoere-Viertel verhaftete die Polizei zwei solcher Blätterverteiler, was doch im­merhin den Schluß zuläßt, daß bie Regierung diese Anpöbelungen nicht dulden will. Durchblättert man aber die Artikel der großen faschistischen Presse, so muß man immer wieder feststellen, daß sich in der faschistischen Grundhaltung zum Vati­kan und zur Katholischen Aktion eigentlich herz­lich wenig geändert hat, und daß man nur bie äußersten Auswüchse unterdrückt. Wie auf die­ser Grundlage eine durchgreifende Entspannung des Verhältnisses von Kirche und Staat zustande kommen soll, das ist schwer zu erkennen.

Im übrigen herrscht auch in Italien gegen­wärtig das Wirtschaftsinteresfe, man muß wohl schon sagen: die Wirtschaftssorge derart vor, daß dahinter alles andere zurücktritt. Merkwürdiger- meife, aber wohl nicht ohne tieferen Grund, Holts Mussolini dieser Tage den Staatsrat aus der fa­schistischen Versenkung herauf, um. mit einer mäch­tigen Rede fein hundertjähriges Bestehen zu feiern unb ihm neue Aufgaben zuzuweisen. Mussolini führte nämlich aus, daß eine ber wichtigsten Funk­tionen des Staatsrats im heutigen Regime bie Heberwachung ber Tätigkeit 6es Staates auf wirt­schaftlichem Gebiete sei.

Di« ganze Rede Musiolinis war der Bedeu­tung des Wirtschaftslebens gewidmet, wenn sie sich auch in allgemeinen Betrachtungen bewegte. Aber der Hmstand, daß Mussolini nach einer sach­kundigen „Staatskontrolle" ruft, läßt allerlei Schlüsse zu. Safe auch der Staatsrat nur eine Funktion des Faschismus ist, wenigstens in seiner gegenwärtigen Gestalt, bedarf keiner Hervor­hebung. Aber je mehr sich die Krise zuspitzt, desto größer wird die Verantwortung, die also nun auf mehr Schultern verteilt werden soll.

Große Dinge sind es also nicht, die in Italien vor sich gehen, aber sie haben ihr Interesse, zumal für unsere Einstellung zu Italien.

Aew Zork erwartet Do X.

wtb. Rewyork, 26. Aug. (Eig. Meld.) Das Emp­fangsprogramm für den Do X sieht das Eintreffen des Flugschiffes in Newyork für Donnerstag mittag vor. In Charleston wurde für die Offiziere und die Mannschaft des Do X eine Reihe von Festlichkeiten und Empfänge veranstaltet.

Das deutsche Flugboot Do X ist am Dienstag um 12.35 Hhr (Ortszeit) von Miami kommend in Char­te st o n (Südkarolina) eingetroffen.

Rätsel der Tierseele.

Die Seele des Menschen birgt manches Rätselhafte. Aber auch die Tierseele ist von Rätseln erfüllt.. Der sprichwörlliche Haß zwischen Hunden und Katzen, bet allerdings in Ausnahmefällen mitunter in innige Freundschaft umschlägt, ist nicht der einzige Beweis für die Behauptung, daß es Tierarten gibt, welche aus uns unbekannten Gründen eine fast unüberwindliche Abnei­gung gegeneinander empfinden. Bei Fuchs und Dachs geht diese soweit, daß, wie jeder Jäger bestätigen wird, diese Tiere niemals nebeneinander Hausen. Wo sich ein Fuchsbau befindet, dort kann man mit Gewißheit annehmen, daß sich in weitem Umkreise keine Dachs­familie häuslich niedergelassen hat. Iedch Dachs verläßt sofort seinen Ban auf immer, wenn auch, nur in senter Abwesenheit ein Fuchs in diesen eingedrungen sein sollte. Die ostindischen Jäger erzählen von dem grimmigen Haß, den die Pekari genannte Wildschweingattung ge­gen den Panter empfindet, obwohl dieser sich um bie viel kleineren und schwächeren Schweine nicht im gering­sten kümmert. Trotzdem kommt es nicht selten vor, daß eine Herde Pekari einen Panter überfällt und ihn mit Ihren Hauern zerfleischt. Auch die Gegnerschaft zwischen Pferd und Kamel ist bekannt, und daß sich Pferd und Esel ebenfalls nicht mögen, ist gleichfalls eine unbestrit­tene Tatsache. Selbst im Wasser lebende Tiere sollen sich von ähnlichen Femdschaft-gefühlen leiten lassen. So sind z. B. Haifische und Alligatoren erbitterte Feinde, die sich stets bekämpfen, wo sie sich treffen. Daß Futterneid die alleinige Ursache dieser Tierfeindschaften sei, ist taum anzunehmen. Kein Tierpsychologe ist imstande, sie zu erklären.

Aber nicht nur gegen bestimmte Tierarten hegen manche Tiere Abscheu oder Haß, sondern auch gegen ge­wisse Gegenstände. Ein rotes Tuch vermag einen Stier In sinnlose Wut zu versetzen. Von einigen Dogelarten wird behauptet, daß sie sich vor blauen Vogelscheuchen mehr fürchten als vor andersgefärbten. Auch die Amei­sen haben vor blauen Gegenständen Angst, denn sie ver­lassen ihre Nester fluchtartig, wenn man eine blaue Glas­scheibe über ihren Hügel legt