FuldaerZertung
Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
irr. 194
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Dienstag, 25. August 1931.
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Mrg. 58.
Das bMsche Kabinett zurückgelreten.
Ls wird ein Sammel-Sabmett gebildet werden.
wtb. London, 24. August. (Eig. Meldung.) Das Kabinett ist zurückgetreken. Offiziell wird aus dem Buckingham-Palast mitgeteilt, daß die Bildung einer „nationalen Regierung" in Aussicht genommen worden ist.
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wtb. London, 24. August. «Eigene Meld.) Reuter meldet, daß Macdonald das „nationale Kabinett" bilden wird. 3n der neuen Regierung werden konservative und Liberale fitzen.
CNB. London, 24. Slug. (Eig. Meld.) Zum Rücktritt des britischen Kabinetts wird ergänzend gemeldet: Wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, wird Macdonald die Bildung einer Koalition?- regierung auf überparteilicher B a - s i s versuchen, an der alle drei politischen Parteien teilnehmen werden. Als ziemlich sicher kann angesehen werden, daß diejenigen Minister des bisherigen Kabinetts Macdonalds, die sich entschieden gegen jegliche Herabsetzung derAr- beitslose nunter st ützung ausgesprochen haben, der neuen Regierung nicht angehören dürften, sodaß ihre Portefeuilles für Mitglieder der anderen Parteien frei würden. Als sicher scheint zu gelten, daß Henderson dem neuen Kabinett nicht angehören wird . Als ziemlich ausgeschlossen gilt es, daß Sir Austin Chamberlain an die Stelle von Henderson als A u ß e n m i n i st e r treten wird. Dagegen wird seit einiger Zeit der ehemalige Vizekönig von Indien, Lord Jrvin, als möglicher Nachfolger genannt. Lord Jrvin besaß während seiner Amtstätigkeit in Indien das Vertrauen aller politischer Parteien und seine Verhandlungen mit Ghandi haben seinen Ruf bei der Labour-Patry erheblich gestärkt. Gleichzeitig ist er auch mit den meisten führenden Köpfen der Konservativen eng befreundet. Man glaubt auch an die Möglichkeit, daß Lloyd George wieder das Amt des Schatzkanzlers übernehmen wird; Lloyd George hat dieses Amt bereits einmal mit großem Erfolge inne gehabt. Das würde aber nicht unbedingt bedeuten, daß Snowden aus der Regierung ausscheiden würde, da er eines der tüchtigsten Mitglieder der Arbeiterpartei und mit Macdonald in der gegenwärtigen Krisis durch Dick und Dünn gegangen ist.
Die Arbeiterminister in einer nationalen Regierung würden eine große Anzahl der „Intellektuellen" der Arbeiterpartei hinter sich haben, aber zweifellos die Unterstützung des linken Flügels einbüßen und wahrscheinlich darüber hinaus noch die Mehrzahl der „Senats"-Mitglieder, die von den Gewerkschaften kontrolliert werden. Selbstverständlich ist diese nationale Regierung lediglich als eine zeitweilige Lösung zu betrachten und wird sich in der Hauptsache darauf zu konzentrieren haben, die nötige Budget-Bal an zierung zur Durchführung zu bringen. Die Schätzungen der Lebensdauer des neu zu bildenden Kabinetts schwanken zwischen sechs Wochen und 6 Monaten.
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wtb. London, 24. Aug. (Eig. Meld.) Zur inner- politischen Krise sagt Telegrah, verschiedene Mitglieder der Arbeiterpartei hätten die Ueberzeugung ausgesprochen, daß die Laufbahn Macdonalds als Führers der Partei ihr Ende gefunden habe. Die Ereignisse der letzten Wochen hätten eine weitgehende Spaltung und Erbitterung innerhalb der sozialistischen Bewegung her- herbeigeführt.
Das Leben des zweiten Kabinetts Macdonald hat 2 Jahre und 2V» Monate gedauert. Nach iden Wahlen vom Mai 1929, wo die Konservativen die absolute Mehrheit von 400 Mitgliedern einbüßten und sich mit 260 Sitzen im neuen Unterhaus begnügen mußten, trat die Regierung Baldwin zurück und Macdonald bildete als Führer der neuen stärksten Partei das neue Ministerium, dessen Ernennung durch den König am 8. Juni 1929 erfolgte. Der Umstand, daß die Arbeiterregierung gegenüber der geschlossenen Opposition in der Minderheit war, zwang sie zu dauernden Kompromissen mit der liberalen Partei und führte wiederholt dazu, daß sie bei wichtigen Abstimmungen nur mit einer knappen Mehrheit Sieger blieb. Lediglich auf dem Gebiete der Außenpolitik zeigten sich die liberalen zum Teil restlos einverstanden mit den Maßnahmen der Regierung. In der Frage der Bekämpfung der Ar- beitslosigkeit hatte die Arbeiterpartei ei
nen ernsten Mißerfolg zu verzeichnen, zu verzeichnen, der um so schwerer ms Gewicht fällt, als die Partei während des Wahlkampfes gerade auf diesem Gebiet im Volke weitgehende Zusagen gemacht hatte. Während das Heer der Arbeitslosen bei Amtsantritt Macdonalds nur etwas über 1 Mill, betrug, ist es jetzt auf über 2 700 000 Personen gestiegen. Diese Tatsache findet wohl ebenso wie die zunehmende wirtschaftliche Not den Grund für das Anschwellen der konservativen Stimmen und das Zusammenschrumpfen der Arbeiterstimmen bei den parlamentarischen Ersatzwahlen Welche Folgen die Spaltung zwischen Macdonald und Snowden auf der einen und Henderson und anderen hervorragenden Arbeiterführern auf der anderenSeite für die zukünftige Entwicklung der Verhältnisse in der Partei haben wird, läßt sich im Augenblick naturgemäß noch nicht sagen.
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wtb. London, 24. Aug. (Eig. Meld.). Zu der Audienz beim König, die heute vormittag stattfand, hat sich außer Macdonald, Henderson und Baldwin auch der Führer der Liberalen, Sir Herbert Samuel, begeben. Wie Reuter meldet, werde an Macdonald mit dem dringenden Ersuchen herangetreten, die Führung der nationale n 3t e g t e r r • rrt.
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wtb. London, 29. Aug. (Eig. Meld.). In einer Sonderausgabe verkündet der Daily Herald auf der ersten Seite im Sperrdruck: Das Kabinett wird heute zurücktreten, das neue Kabinett wird, da sich die K o n fe r v a t i v e n und die Liberalen in der Frage der Sparmaßnahmen völlig einig sind, im Unterhaus über eine Mehrheit verfügen.
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wtb. London. 24. Aug. (Eig. Meld.). Wie Times zur Kabinettskrise zu berichten weiß, waren 12 Mitglieder der Babour-Regierung bereit, den letzten Kompromißplan im Sparprogramm einschließlich der Verminderung der Arbeitslosenunter st ützung, zuzustimmen. 8 Mitglieder des Kabinetts waren dagegen. Daily Expreß zieht aus dem gestrigen' Besuch hervorragender Finanzleute in Daw- ningftreet den Schluß, daß das volle Gewicht der City zu Gunsten der Bildung einer nationalen Regierung in die Wagschale geworfen worden ist."
Die amerikanische Presse zur englischen. Kabinettskrise.
wtb. New Park, 24. Aug. (Eig. Meld.) Die Morgenzeitungen beschäftigen sich in großer Aufmachung mit der englischen Kabinettskrise. Die Blätter heben dabei hervor, daß der kürzlich in Anspruch genommene Kredit von 250 Mill. Dollar, der zur Festigung des Pfundkurses bestimmt war, nahezu aufgebraucht sei, und man angesichts der erneuten Schwäche des Pfundes mit einem weiteren Kredit rechne. New Port Times betont indessen, daß man bisher nichts habe feststellen können, ob bereits Verhandlungen darüber gepflogen worden seien. Doch nimmt man an, daß Verhandlungen mit dem Federal-Reserve-Board beginnen werden, sobald Norman in Kanada eingetroffen sein wird. Letzteres ist jetzt der Fall.
Kampf um die Macht in Spanien.
Entsendung zweier Divisionen in die nordspanischen Provinzen.
Der spanische Jnnr.-..:.!.::ster Maura erklärte in einer Rede zur Sage in den nordspanischen Provinzen, die Regierung habe, um jede Möglichkeit einer Aufstandsbewegung zu unterbinden, beschlossen, die gegenwärtig in Spanien beginnenden großen militärischen Manöver dazu zu benutzen, in die fraglichen Provinzen zwei Divisionen zu entsenden, die bereits Burgos und Valladolid verlassen hätten. Dadurch werde gezeigt, daß bie Zentralgewalt keineswegs geneigt sei, irgendeine Kampagne ober auflehnende Haltung gegen die Republik zu dulden. Die Truppen würden in den unruhigen Gegenden sämtliche unter bie Einwohner verteilten Waffen beschlagnahmen. Bekanntlich ist in Nordspanien der Wille vorhanden, sich etwaige kommunistische Experimente, wie sie in Madrid möglich sind, nicht gefallen zu lassen.
* Die italienischen Schulschiffe auf der Fahrt nach Danzig. Die italienischen Schulschiffe haben Montagvormittag nach 10 Uhr die Weiterfahrt nach Danzig angetreten.
- S.
WZ,
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ident RamsayMacdonald, Oppositionsführer Stanh
Von links nach rechts: Ministerprä fervative
Schatzkanzler Snowden und der kon- Baldwin.
1917 war der Friede möglich.
Was Papst Benedikt XV. gesagt hat. — Erzherger-Gedächtnis-
kundgedung
Anläßlich des zehnjährigen Todestages des Reichsministers Erzberger, der bekanntlich ermordet worden ist, versammelten sich am Sonntagnachmittag auf dem katholischen Friedhof in Biberach eine große Anzahl Parteifreunde aus ganz Oberschwaben zu einer Gedächtniskundgebung, zu der auch die Witwe Erzbergers mit ihrer Tochter und zahlreiche Reichs- und Landtagsabgeordnete der Zentrumspartei erschienen waren, u. a. der 1. Vizepräsident des Reichstags, Esser, Reichskanzler a. D. Dr. Marx, der württemb er gische Staatspräsident Dr. Bolz, Justizminister Dr. Bey er le sowie Reichstagsabgeordneter Dietz, der Erzberger an dem Tag, an dem er von Rechtsradikalen erschossen und seine Leiche noch durch weitere Schüfse verunehrt wurde, begleitete.
Anschließend fand in der städtischen Turnhalle in Biberach eine öffentliche Kundgebung statt, an der etwa 1400 bis 1500 Personen teilnahmen. Reichspostminister a. D. Giesberts entwarf in großen Zügen ein Bild Erzbergers und seiner Arbeit als Politiker und Minister. Der Redner gedachte auch dabei einer Audienz, die er persönlich im Jahre 1922 bei Papst Benedikt XV. hatte. Dabei habe der Papst sich längere Zeit mit ihm über die Persönlichkeit Erzbergers und über die im Jahre 1917 gepflogenen Friedens-
in Biberof
Verhandlungen un.erhalten. Was er, Giesberts, da erfahren habe, habe ihn tief erschüttert. Heute spreche er es nun zum ersten Male öffentlich aus, daß Papst Benedikt zu ihm gesagt habe, Deutschland hätte damals den Frieden haben können, wenn es ihn gewollt Härte.
Der württembergische Staatspräsident Dr. Bolz sprach hierauf in einstündiger Rede über die heuttge Politik. Er wies es zurück, daß man heute Anklagen gegen das Zentrum erhebe wegen der Unterzeichnung des Versailler Friedensver- ttages, der Reparationsleistungen und des Poung- Planes. Man müsse sich in die bamali ge Zeit zurückversetzen. Keine politische Führung konnte sagen: „Ich will und tu nicht!", sondern sie mußte, trotz schwerer Bedenken. Zu dieser Erkenntnis sei auch die nationale Opposition gekommen. Fehler seien im letzten Jahrzehnt in der Innenpolitik gemacht worden. Dafür könne man aber einzelne Parteien oder einen einzelnen Politiker nicht verantwortlich machen, sondern diese Fehler seien zugleich eine Anklage gegen das gesamtedeutsche Volk.
Die Steuer-Amnestie.
CNB. Berlin. 24. August. (Eig. Meld.) Wie wir erfahren, ist die vom Reichskabinett verabschiedete Verordnung über die Steueram- nestie bereits vom Reichspräsidenten unterzeichnet worden. Die Verordnung soll morgen früh im Reichsgesetzblatt veröffentlicht werden.
* Der Obe.Präsident der Provinz Niederschlesien Hat die Wochenzeitung „Die Schwarze Fahne" in Liegnitz auf die Dauer von drei Monaten, und zwar vom 24. August bis einschließlich 23. November 1931, verboten. Das Verbot erfolgte wegen eines in der Nr. 20 vom 13. August 1931 erschienenen Artikel mit der Ueberschrift „Dies ist das System: der Bauer im Zuchthaus! Gedanken hinter den Gitterstäben".
* Verurteilung eines kommunistischen Reichstagsabgeordneten. Vor dem Schöffengericht in Breslau stand der Lehrer Schneller, Reichstagsabgeordneter der K.P. D. und Mitglied des Staatsrats. Er wurde beschuldigt, als verantwortlicher Redakteur am 22. März 1930 in der „Schlesischen Arbeiterzeitung", in der ein Gedicht stand unter dem Titel „Weihrauch und Petroleum", das Haupt der katholischen Kirche, Papst Pius XL, öffentlich beschimpft zu haben. Der Staatsanwalt beantragte zwei Monate Gefängnis. Das Gericht verurteilte Schneller zu zehn Tagen Gefängnis und 100 RM. Geldstrafe.
Hitler und das Zentrum.
Die fachlichen Entgegnungen der Zentrums- preffe, welche der am 18. August in Nr. 230 des „Völkischen Beobachters" verbreitete Artikel der Reichspressestelle der NSDAP, über das Zentrum fand, veranlaßten den „Völkischen Beobachter" zu einer recht bezeichnenden Antwort. In Nr. 233 des Hitler-Organs finden wir die knalligen lieber« schriften: „Das Zentrum bekräftigt sein Bündnis mit- der SPD. Brüning sucht lediglich ein „annehmbareres Verkehrsverhältnis" mit der nationalen Opposition. Das Zentrum, der Hauptfeind der deutschen Befreiung. Es bewährt sich erneut als Schutzwall des Marxismus."
Allein diese Ueberschriften lassen schon erkennen, wie die Antwort im Text formuliert ist. Sie ist eine mehr als verwunderliche Interpretation der nationalfozialistischen amtlichen Auslassung vom 18. August. Sie wird sogar als völlig bedeutungslos hingestellt. Scheinbar hat Herr Hitler ein anderes Echo erwartet, glaubte wohl, wenn er den Mund aufmacht, würden die anderen ihm willenlos nachlaufen. Na, diese Enttäuschung hätte er sich sparen können. Ebenfo ein neues Verlegenheitsgestammel. Auf einmal war gar nichts los, wollten die Nationalsozialisten nur mal vorfühlen, obwohl die amtliche Auslassung vom 18. August einen sehr großen Raum im „Völkischen Beobachter" einnahm.
Heute lesen wir, daß Hitler nur die Verantwortlichen feftlegen wollte, daß die Fronten zu klären gewesen seien. Wir lesen die längst abgedroschenen Phrasen von dem Bündnis des Zentrums mit der Sozialdemokratie, daß das Zentrum sich schützend vor den Marxismus stelle. Solche Phrasen wirken nur lächerlich, und nationalsozialistische Schlagworte ziehen nicht. Es hat auch gar keinen Zweck, sich in eine weitere sachliche Diskussion mit Adolf Hitler einzulafsen. Alles, was er jetzt über die Haltung der Reichsregierung und besonders des Kanzlers schreibt, zeugt von einer derartigen politischen Unreife und Denkun- fähigkeit, daß man sofort auch die entsprechenden Folgerungen für die ganze nationalsozialistische Bewegung zu ziehen vermag.
Von Anfang' an gaben wir der einzig richtigen Auffassung Ausdruck, daß in gedrechselten Artikeln in der nationalsozialistischen Presse keine Grundlage für einen offenen und ehrlichen Meinungsaustausch gesehen werden kann, daß wir an eine politische Wandlung in der NSDAP, auch eine Aenderung ihrer Haltung gegenüber dem Zentrum, veranlaßt etwa durch Adolf Hitler, nicht glauben, well kein Tag vergeht, an welchem nicht die NSDAP.-Presse in der gehässigsten und ver
leumderischsten Weise das Zentrum und feine Führer angreift, weil Adolf Hitler kurz vor dem Volksentscheid selbst noch die Parole ausgab: „Das Zentrum muß vernichtet werden!" Den Nationalsozialisten kommt es nie darauf an, sie wehren sich mit Haut und Haaren, wenn man etwa die Meinung vertreten sollte, sie kämen langsam auf den Weg der Vernunft. In Wirklichkeit geht es Adolf Hitler bei allen seinen Handlungen nur um taktisch« Kniffe, um Täuschung der eigenen Anhänger.
Es mag vielleicht nationalsozialistische Kreise geben, denen eine solche Politik und Taktik ihres Führers nicht gefällt, die heute schon ernüchtert sind. Um sie ist es dann fchade. Den wir sind der Auffassung, daß gute Kräfte immer zur Mitarbeit herangezogen werden müssen, ohne daß wir immer nach der Parteizugehörigkeit fragen. Diese Kreise mögen selbst die Konsequenz ziehen.
Regierung und Grotz-Pensionen
Wolff-Büro verbreitet folgende Meldung:
In der letzten Zeit mehren sich die Pressestim- men, die der Reichsregierung den Vorwurf machen, sie habe in der Frage der Herabsetzung der hohen Pensionen und der Anrechnung von Nebeneinkünften auf die Pensionsbezüge nicht das Erforderliche getan. Hierzu ist folgendes zu bemerken:
Zunächst wurde durch das R eich sminist e r g e f e tz vom 27. März 1930 bestimmt, daß der Reichskanzler und die Reichsminister keine Ministerpensionen, sondern nur mehr ein Uebergangsgeld erhalten sollen. Sodann hat der Reichsfinanzminister mit Zustimmung der Reichsregierung am 31. August 1930 dem Reichsrat den Entwurf eines Gesetzes über Kürzung von Versor- gungsbezügen (Pensionskürzungsgesetz) vorgelegt. Diefer Entwurf sieht eine Herabsetzung der hohen Pensionen und eine Anrechnung der Nebeneinkommen auf bie Pensionen vor. Nach Annahme im Reichsrat ist der Entwurf am 2. Dezember 1930 dem Reichstag zugegangen, der ihn am 9. und 10. Dezember in erster Lesung beraten und dem Haushaltsausschuß überwiesen hat. Zu einer Beratung im Haushaltsausschuß ist es nicht mehr gekommen. Hiernach kann keinesfalls behauptet werden, daß die Reichsregierung die Regelung diefer Frage verzögert hat, vielmehr ist ihr Entwurf im Reichstag stecken geblieben. Angesichts der Schwierigkeiten, die in dieser Sache insofern liegen, als ein Eingriff in verfassungsmäßig geschützte Rechte in Frage kommt, hält die Reichsregierung eine Erledigung durch den Reichstag für zweckmäßig.
* Glückwünsche des Reichskanzlers an Graf Lerchenfeld. Reichskanzler Dr. Brüning hat dem deutschen Gesandten in Brüssel, Graf Lerchenfeld, zur Vollendung des 60. Lebensjahres telegraphisch seine Glückwünsche übermittelt.
* Reichsoerkehrsminister v. (Suetarb hat dem im Ruhestand lebenden Staatsminister Hoff, der sein 80. Lebensjahr vollendet, angesichts der großen Verdienste, die sich der Jubilar als preußischer Minister der öffentlichen Arbeiten und vorher in hervorragende Stellung innerhalb der preußischen Staatsbahnverwaitung um das deutsche Verkehrswesen, insbesondere um die Verwaltung unb Organisation der früheren preußischen Staatsbahn erworben hat, in einem herzlich gehaltenen Schreiben seine Glückwünsche ausgesprochen.
* Finanzschwierigkeitcn in der Steiermark. Aus Wien wird gemeldet: Wie die Blätter melden, erklärte der Landeshauptmann der Steiermark, Rintelen, einer bei ihm vorsprechenden Beamtenabordnung, daß am 1. September den steirischen Landesbeamten und Lehrern nur 70 Prozent ihres Gehaltes werde gezahlt werden können. Der Rest solle im Verlaufe des Monats nachgezahlt werden. Die Finanzlage des Landes sei außerordentlich ungünstig.