FuldaerZertung
Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
Jtr. 193
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Sonntag, 23. August 1931.
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lolitg. 58.
pflichten und Wille.
Wir sind uns alle der fast erdrückenden Schwere des kommenden Winters bewußt. Wie werden wir ihn überstehen? Um diese Frage ranken sich die Arbeiten der Reichsregierung, die Sanierungs- und Reformmaßnahmen. Es ist auch die Frage, welche alle Parteien zur sachlichen Beantwortung zwingt.
Der Kanzler berät mit seinem Kabinett das Herbstprogramm, bereitet die Beschlüsse über die nunmehr einzuschlagenden weiteren Wege der S e l b st h i l f e vor, nachdem uns Basel die bittere, aber erwartete Gewißheit brachte, daß in einer Reihe von Monaten mit einer großen internationalen langfristigen Anleihe nicht zu rechnen ist.
Der Weg zur Selbsthilfe führt zum Dienst am Volke! Wir kennen das Wegziel, wissen, daß es kein Ausweichen vor den harten Notwendigkeiten gibt, wenn wir vorwärts schreiten wollen in der Sanierung und dem Aufbau.
Dienst am Volke verpflichtet zu rein sachlichen Entscheidungen! Sie dürfen nicht in die Parteigremien verlegt werden, es darf keine Verhandlung hinter den Kulissen, noch viel weniger ein Feilschen geben, wenn jetzt die Rettung des Volkes gesucht und gefunden werden muß.
Auf dieses große nationale Ziel steuert der Kanzler den ReLierungskurs mit unbeugsamen Willen und rastloser Energie. Er trägt eine riesengroße Verantwortung, trägt sie gerne, weil er sich vom Vertrauen der übergroßen Mehrheit des Volkes, dem seine Liebe und Sorgen allein gelten, in dem schweren Ringen gestützt weiß.
Es erging dieser Tage der Ruf zur Sammlung aller positiven Kräfte. Das sind keine Schlagworte, ist kein Koalitionsgerede. Hat absolut nichts mit Parteipolitik oder sogar Kursschwenkungen zu tun. Es ist vielmehr die Stimme des Volkes, das es gründlich satt hat, sich von Parteien immer mit Theorien, mit Versprechungen, mit Phrasen abspeisen zu lassen. Das Volk ist erwacht. Es verlangt die reitende Tat.
Und dieses Volk richtet an die Parteien die entscheidende Frage: wo steht ihr in dem Kampfe um die Zukunft der Ration? Was gilt euch mehr, das parteipolitische Programm, egoistisches Machtstreben oder das Rettungswerk der Reichsregierung? , Vor dieser Frage gibt es kein Ausweichen. Die Antwort muß klar und deutlich sein, keine Verlegenheitsformel. Unser Volk trägt willig die ihm auferlegten schwersten Opfer. Denn durch sie will es sich die innere und äußere Freiheit schaffen. Dieses Volk steht hinter der Reichsführung, mit dankbarem und gläubigem Vertrauen. Bei ihm ist die Sammlung der Aufbaukräfte vollzogen und nun sollen und müssen die Parteien sich entscheiden, ob Dienst am Volke oder Flucht aus der Verantwortung. Das Volk aber wird einst richten und urteilen.
Es bleibt beim Alten.
wenn Theorien verwirklicht werden sollen, kommen die Schwierigkeiten. — Der jetzige preußische Landtag wird die Frage der Reform „Preußen —
Reich" nicht in Angriff nehmen.
Gegenüber dem Berliner Vertreter der „Köln. Vztg." äußerte sich eine führende Persönlichkeit der preußischen Zentrumspartei zu den Vorschlägen Hopker-Afchoffs wie folgt:
Die Vorschläge Höpker-Aschoffs bewegen sich nicht sowohl in der Richtung auf eine sogenannte Reichsreform, als daß sie vielmehr eine kombinierte V e rw altun gsre form zwischen Reich und Preußen anbahnen wollen. Ob diese Vorschläge praktisch sich auf der Linie dessen bewegen, was der preußische Ministerpräsident als seine Idee jüngst einmal in einem geschlossenen Kreise angedeutet hat, ist deshalb nicht zu übersehen, weil Herr Dr. Braun damals nicht im einzelnen gesagt hat, wie er sich die Verwirklichung seiner Idee denke. Wir glauben aber zu wissen, daß Braun mit einem wesentlichen Teile der Vorschläge des preußischen Finanzministers nicht konform geben dürfte. Jedenfalls hat sich bei dem Höpkerschen Vorschlag alsbald herausgestellt, daß die praktische Inangriffnahme dieses ganzen Problems in demselben Augenblick schwierig wird, wo man versucht, es ausdemStadium der theoretischen Erwägungen in die Wirklichkeit zu überführen. Daß eine engere Arbeitsgemeinschaft zwischen dem Reich und Preußen wünschenswert wäre, kann ohne weiteres bejaht werden. Ebenso klar ist aber, daß sie mit größter Vorsicht und mit kühlster Ueberlegung ange- faßt werden muß. Vor allem aber dürfte es sich empfehlen, zunächst einmal das Ergebnis der nächsten Landtagswahlen abzuwarten. Es ist eine altbewährte Praxis, daß sterbende Parlamente keine grundlegenden Maßnahmen mehr zu treffen pflegen, von denen sie nicht wissen können, ob ihre Nachfolger eine angefangene Linie weiter zu verfolgen bereit sein werden. Wäre das nämlich nicht der Fall, so stände man schließlich vor Komplikationen unangenehmster Art. Aus diesem Grunde hat es auch wenig Zweck, sich an der Einzelkritik zu den Höpkerschen Vorschlägen zu beteiligen, die ja bereits eingesetzt hat
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Deutschnationale und Nationalsozialisten, gegebenenfalls mit Unterstützung der Kommunisten, wollen den Landtag schon in den nächsten Tagen einberufen wissen, um gegen etwaige Reformpläne in Richtung „Reich — Preußen" zu demonstrieren.
Kabinett Macdonald im Sturm.
Findet es eine Mehrheit für feine Sparmatznahmen?
Aus London'wird gemeldet:
Die innerpolitische Krise hat sich infolge der ablehnenden Haltung des Eewerkschaftsrates zu den Regierungsvorschlägen derart verschärft, daß allenthalben die Möglichkeit eines Rücktrittes des Kabinetts Macdonald erörtert wird. Reuter meldet, daß die Regierung mit sehr ernsten Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Arbeiterpartei rechnen müsse. Die Abendpresse ergeht sich in Kombinationen darüber, wie die Dinge ihren Lauf nehmen würden, wenn Macdonald nicht imstande sein sollte, die Lage zu entwirren.
Die Vertreter der Konservativen und der Liberalen Partei hatten eine Unterredung mit Macdonald. Wie Reuter meldet, spricht man von der Möglichkeit des Rücktrittes einiger Minister, wenn der Plan, der starke Abstriche bei der Arbeitslosenversicherung und der sozialen Fürsorge vorsieht, von der Regierung angenommen wird. Man nennt in diesem Zusammenhänge die Namen von Johnston und Landsbnry.
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wtb. London, 22. Aug. (Eig. Meld.) Das englische Kabinett trat heute früh zu einer Sitzung zusammen. Nach Schluß der Sitzung wird Mac
donald die Führer der Opposition empfangen. Man nimmt an, daß auch der konservative Führer Baldwin sofort nach seiner Ankunft in London den Premierminister aufsuchen wird. In politischen Kreisen ist man der Ansicht, daß die von Macdonald und Snowdon zum Budget- Ausgleich vorgeschlagenen Zahlen sowohl für den Gewerkschaftskongreß als auch für die Konservativen und Liberalen unannehmbar Jinb.Beide Oppositionsparteien stimmen darin überein, daß Sparmaßnahmen in dem neuen Budget die Hauptrolle spielen müssen. Die Vertreter der Konservativen Partei verlangen von Macdonald, daß die Regierung sich so schnell wie möglich dazu entschließt, die geplanten Maßnahmen derOeffem- lichkeit bekannt zu geben. In politischen Kreisen wird weiterhin die Möglichkeit, daß sich die R e - gierungzum Rücktritt gezwungen sehen könnte, besprochen, obwohl man weiß, daß Macdonald einen solchen Schritt ablehnt. Eine andere Möglichkeit wäre, daß nur diejenigen Mitglieder des Kabinetts, die die Frage der Arbeitslosenunterstützung in erster Linie angeht, ihre Demission einreichen.
Heue Notverordnungen am Himmel!
Das Kabinett berät über Banken Aufsicht, Steuer-Amnestie, Wirtschafts-Maßnahmen.
Am Freitag haben sich die Besprechungen beim Kanzler gehäuft. Er hat nicht nur mit den Vertretern der drei großen Mittelstandsgruppen die Sorgen besprochen, die diese Wirtschaftsgruppen besonders drücken, sondern er empfing auch noch den deutschen Vertreter bei den Baseler Bankierverhandlungen Melchior, der ihm seine persönlichen Baseler Eindrücke schilderte. Anschließend daran nahm der Kanzler den Antrittsbesuch des neuen Vorsitzenden der Landvolkpartei von Hauenschild entgegen. Den Beschluß bildete dann noch ein Besuch des Präsidenten Thomas vom Internationalen Arbeitsamt in Genf. Dabei handelte es sich aber wohl mehr um einen Höflichkeits- akt.
Inzwischen wird dem Kanzler nun das Material vorliegen, das ihn zur Entscheidung der Bankenfragen beschäftigen wird. Aufgrund dieser Unterlagen werden das Kabinett bezw. der Kanzler den Sachverständigen bestimmte Fragen vörlegen. In unterrichteten Kreise glaubt man, daß dann bereits praktisch die Entscheidungen getroffen werden. Allerdings rechnet man mit dem Erscheinen der entsprechenden Notverordnung nicht vor Mitte n ä ch st e r Woche. Inzwischen fährt der Kanzler am Montag zu der Fraktionssitzung des Zentrums nach Stuttgart.
Nach der Rückkehr Dr. Brünings aus Stuttgart wird das Kabinett sich übrigens sogleich weiter mit den Gemeindefinanzen beschäftigen, da die Regelung dieser Frage angesichts der weiter ständig zunehmenden Finanznot der Kommunen allmählich drängt. Das dürfte auch in der Besprechung zum Ausdruck gekommen sein, die die Finanzmini- sterdergrößerenLänder beim preußischen Finanzminister abgehalten haben. Zu irgendwelchen Beschlüssen ist es hierbei nach Angabe von unterrichteter Seite nicht gekommen. Es ist aber wohl anzunehmen, daß Dr. Höpker-Afchoff bei der Weiterberatung des kommunalen Finanzvroblems im Reichskabinett die Aussprache der Länderminister nutzbar machen wird.
Das Reichskabinett wird außerdem in der zweiten Hälfte der Woche noch die Genfer Verhandlungen vorbereiten müssen, da die deutsche Delegation bereits am Samstagabend ab- reist. Bei dieser Fülle des Arbeitsplanes der nächsten Woche ist natürlich nicht daran zu denken, daß das Wirtschaftsprogramm, das den zu erwartenden großen Schwierigkeiten dieses Winters begegnen soll, noch vor der Genfer Tagung herauskommt. In unterrichteten Kreisen rechnet man vielmehr erstaufdieersteSeptemberhälfte.
Industrie-Memorandum an Brüning.
Der Reichsverband der Deutschen Industrie hat der Reichsregierung ein Memorandum überreicht, in dem die Wünsche der Industrie zur gegenwärtigen Wirtschaftslage zum Ausdruck gebracht werden. Eine Veröffentlichung ist, wie die „Voss. Zeitung" chreibt, nicht beabsichtigt, um eine Diskussion in Jer Oeffentlichkeit zu vermeiden. In der Haupsache ollen die der Reichsregierung vorgeschlagenen Wünsche auf dem Gebiet der Steuerpolitik, der allgemeinen Wirtschaft und der öffentlichen Finanzen liegen.
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Aus Duisburg-Hamborn wird gemeldet: Der Zweckoerband der niederrheinischen Industrie- und Handelskammern (Duisburg-Wefel, Gladbach-Rheydt-Neuß, Krefeld) hat zur Durchführung des bevorstehenden Wirtschaftsprogramms der Reichsregiemng zwei Anträge unter ausführlicher Begründung an den Reichskanzler gerichtet:
1. Senkung der Hauszinssteuer in dem bisher für Wohnungsbauzwecke verwendeten Teils.
2. Darüber hinaus ist auch der für Finanz- zwecke bestimmte Anteil der Hauszinssteuer fühl
bar zu senken, was durch Sparmaßnahmen von Ländern und Gemeinden zu er- m ö g l i ch e n ist. Ungeachtet dieser Vorschläge hält der Zweckverband in seiner seit Jahren vertretenen Forderung nach völliger Beseitgung der Hauszinssteuer nach wie vor fest. Doch ist diese ein Bestandteil des endgültigen Finanz- und Lastenausgleiches und als solcher erst damit zur Entscheidung zu bringen.
Beratungen über Die Bantfrage.
rotb.Berlin, 22. Aug. (Eig. Meld.) Unter dem Vorsitz des Reichskanzlers berieten heute vormittag der Wirtschaftsausschuß des Reichskabinetts, der Reichsbankpräsident und Vertreter Preußens, zusammen mit dem Sachverständigen, die gesamten Fragen des deutschen Bankwesens. Die Erörterungen hierüber werden Ende nächster Woche fortgesetzt.
Die Frage der Steneramnestte.
ERB. Berlin, 22. Aug. (Eig. Meld.) Wie wir hören, wird das Kabinett in der Frage der Steueramnestie eine neue Verordnung verabschieden, die unter dem Titel: „Verordnung über die steuerliche Erfassung bisher nicht versteuerter Werte und über Steueramnestie" noch heute veröffentlicht werden soll. Man nimmt in unterrichteten Kreisen an, daß in dieser Verordnung eine Verlängerung der Termine für die Abgabe der Vermögenssteuererklärung und für die Steueramnestie wahrscheinlich bis Mitte September vorgesehen sein wird.
Die 100 Mk. Gebühr.
C.N.B. Berlin. 22 Aug. (Eig. Meld.) Wie mir erfahren, wird das Kabinett sich heute nachmittag mit d e r 1 00 M a r k - G e b ü h r für Auslandsreisen beschäftigen, und zwar von der Fragestellung aus, ob ihre weitere Aufrechterhaltung noch erforderlich und nützlich ist. Bei der Verschiedenheit der Ansichten über dieses Problem läßt sich im Augenblick noch nicht voraussagen, ob es schon heute zur Aufhebung der Gebühr kommt. Immerhin scheint es möglich. Jedenfalls liegt dem Kabinett bereits eine entsprechende Vorlage vor. Sollte sie angenommen werden, so würde die Aufhebung der Gebühr vielleicht im Laufe der nächsten Woche in Kraft treten.
Desprechuugen in der ..Grünen Front".
ERB. Berlin, 22. Aug. (Eig. Meld.) Im Hinblick auf die Zuspitzung der Lage der Landwirtschaft und die wachsende Erregung in landwirtschaftlichen Kreisen haben die Führer der „Grünen Front" in eingehenden, mehrtägigen Verhandlungen, die zur Abwendung des größten Unheils erforderlichen Maßnahmen durchberaten und das Ergebnis ihrer Verhandlungen dem Herrn Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft in einer eingehenden Darlegung mit konkreten Forderungen überreicht. Gleichzeitig haben die Führer der „Grünen Front" den Herrn Reichskanzler gebeten, zu einem möglichst nahen Zeitpunkt eine größere Abordnung von Landwirten aus allen Teilen Deutschlands zu einer ausführlichen Aussprache zu empfangen.
Mit Forderungen ist heute allein nichts getan. Alle Schichten des Volkes haben zurzeit schwere Not zu tragen.
Die Frage derGrotz-Pensionüre, zu denen bekanntlich ehemalige hohe Offiziere und ehemalige hohe Zivil beamte gehören, wird erneut im Reichskabinett behandelt werden. Die kürzlich erfolgte Mitteilung des
Reichsfinanzministeriums, als ob es in dieser Angelegenheit sein Bewenden haben würde, ist in fcer Oeffentlichkeit mit ftärffter Entrüstung aufgenommen worden. Gerade die immer noch fortschreitende Not läßt es ausgeschlossen erscheinen, daß die im Ruhestand lebenden Herren von der katastrophalen Entwicklung der Einkommen nach unten fast völlig unberührt und nur mit dem allgemeinen Abzug betroffen wenden. Es wird auch als unzutreffend bezeichnet, daß sich ein juristisches Gutachterkomitee gefunden habe, welches das Ersuchen auf freiwilligen Verzicht als ein E^pressungsdelikt mit straf- barem Charakter bezeichnet habe. Da könnte man ja schließlich wegen des Hinweises auf die Forderungen der Vaterlandliebe noch ins Gefängnis gesteckt werden.
Die Herbstsession in Genf.
Aus Genf wird gemeldet: Die Herbstsession des Völkerbundes beginnt am kommenden Montag mit den Tagungen zweier Unterausschüsse der Europakonferenz, des Sachverständigenausschusses für Wirtschaftsfragen und des Komitees für Kreditfrage. Der Sachverständigenausschuß, an dessen Beratungen u. a. Sir Walter Layton und von deutscher Seite Clemens Lammers teilnehmen werden, wird Kartellstagen, die Schaffung einer internationalen Bank nach dem Francqui- Plan und die Genfer Handelskonvention erörtern. Das Komitee für Kredüstagen, über dessen Einberufung noch bis vor kurzem bei den zuständigen Stellen Meinungsverschiedenheiten bestanden, soll sich in Verbindung mit einer Delegation des Finanzkomitees des Völkerbundes mit den Bedingungen befassen, durch die die Begebung in. ternationaler Staatsanleihen durch ein aktiveres Eingreifen des Völkerbundes als bisher erleichtert werden soll.
Die englische Abrüstungs-Denkschrift.
wtb. Genf, 22. August. (Eig. Meld.) Das angekündigte und seinem wesentlichen Inhalt nach bereits bekannte Memorandum der englischen Regierung über den augenblicklichen Rüstungsstand Englands ist heute gleichzeitig in London und Genf der Oeffentlichkeit übergeben worden. Die Veröffentlichung enthüll nur Zahlen und — im Gegensatz zu dem kürzlich veröffentlichten französischen Memorandum — keine politisch e n Ausführungen. Was die Zahlen selbst angeht, so wird in englischen Kreisen des Völkerbundssekretariats darauf hingewiesen, daß sie größ- tenteils bekannt seien, daß sie teils in den englischen Parlamentsdrucksachen enthalten sind, teils bereits in dem Militärjahrbuch des Völkerbundes Aufnahme gefunden hätten. Die englische Veröffentlichung hält sich in ihren Angaben streng an den von der vorbereirenden Abrüstungskommifsion aufgestellten Konventionsentwurf und an die Beschlüsse des Völkerbundsrates vom 25. Mai d. Die englische Regierung bittet, ebenso wie es Die amerikanische Regierung in ihrer Abrüstungsnote getan hat, in einem Begleitschreiben an den Gene-* ralsekretär des Völkerbundes, ihre Mitteilungen so bald als möglich an die Mitglieder des Völkerbundes und die Teilnehmer an der Abrüstungskonferenz weiter zu leiten.
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In französischen Blättern ist Deutschland immer wieder zum Vorwurf gemacht worden, daß es seine Mehrausgaben zu hoch bemesse und infolgedessen seine hohe Auslandsverschuldung einer ungerechtfertigen Wehrpolitik zuzuschreiben sei. Ein Blick auf unsere Statistik zeigt die Haltlosigkeit dieser Behauptungen. Deutschland gibt prozentual zu seinem Gesamtetat am wenigsten für die Wehrmacht aus. Umgekehrt sind die amerikanischen Vorwürfe an die europäischen Staaten nur * zu berechtigt, daß ihre Wehrausgaben in keinem Verhältnis zu ihren Auslandsverschuldungen liegen. Diese ganzen Fragen werden auf der kommenden Genfer Abrüstungskonferenz aufgerollt werden.
Vatikan und Spanien.
Aus Madrid wird gemeldet:
In einer Unterredung, die der Ministerpräsident, der Justizminister und der Außenminister mit dem päpstlichen Nuntius gehabt hatten, wurde von der spanischen Regierung formell gefordert, der Vatikan möge seine Haltung gegenüber der spanischen Republik definieren. Wie es heißt, habe man dabei durchblicken lassen, daß, wenn eine befriedigende Antwort des Vatikans nicht erfolge, der Abbruch der diplomatischen Be- Ziehungen Spaniens zum Vatikan im Bereiche des Möglichen läge. In dieser Unterredung kam vor allem auch die Affäre des Vikars von Vitoria zur Sprache, der kürzlich beim Ueber- schreiten der Grenze verhaftet wurde.