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Handel und Wirtschaft.

Die neue AordwoNe.

Die 5 Hauptwerke, die in die neu zu gründende Gesell­schaft eingebracht werden sollen.

Q„ der Meldung über die Einigung zwischen den Hauptgläubigern der Nordwolle und dem Konkursver- kalter bezüglich W e i t e rf u hr u n g der gesunden nun (betriebe des Unternehmens durch ffinhrntaunq in eine neue Gesellschaft wird ergänzend be- ricktet daß folgende fünf als besonders gut bekannten Betriebe der alten Nordwolle erhalten werden sollen: die Kammgarnspinnereien in Delmenhorst. Eise- nach und Mühlhausen, die Sächsische Woll- aarnfabrik littet u. Krüger und die Stern- Wollespinnerei Bahrenfeld.

Bei der Gründung der neuen Gesellschaft sollen die Warenvorräte, Anlagen und besonders die vorhandenen Aufträge dieser Gesellschaft übernommen werden, wäh­rend die Verbindlichkeiten in der Konkursmasse verblei­ben. Als Gegenwert erhält die Konkursmasse Aktien der neuen Gesellschaft. Wie hoch das Kapital der neuen Gesellschaft sein wird, läßt sich zurzeit noch nicht zusehen. Es dürfte wahrscheinlich zwischen 20 und 30 Mill. RM.

liegen.

Wie aus einer wtb.-Meldung hervorgeht, will man ftch jetzt anscheinend um eine staatliche Subvention bemühen. Es heißt: Die Gläubiger seien bemüht, im Benehmen mit den Ländern, in denen die gesunden Betriebe, die in das neue Unternehmen untergebracht werden sollen, liegen, die Betriebsmittel sicherzustellen. Die Banken stehen auf dem Standpunkt, daß die Länder aus fiskalischen und sozialpolitischen Gründen an einer Aufrechterhaltung der Werke stark interessiert sind und dementsprechend ihrerseits bei der Gründung Verpflich­tungen übernehmen, und die Banken unterstützen müß­ten. Die Verpflichtungen müßten sich sowohl auf steuer­liche Vergünstigungen bei der Gründung selbst (Stempelsteuer, Grunderwerbssteuer usw.) wie im Laufe auf die Körperschaftssteuer erstrecken. Außerdem sollen die Länder einen Teil der Betriebskredite auf­bringen. Für die am 21. ds. Mts. stattfindende Gläu­bigerversammlung in Bremen seien Mitteilungen über Kapitalisierung, Betriebsmittel usw. einer Nordwolle- Neugründung noch nicht zu erwarten.

Hofft man durch die Neukonstruktion für die Gläu­biger das Möglichste herauszuholen, so gehen die Aktio­näre leider leer aus. Die N o rd w o l le - A k ti e, die einst einen stolzen Kurs von 240 Prozent hatte, ist heute wertlos und muß auch bei den als Großaktio­nären beteiligten Banken restlos abgeschrieben werden.

= Vorübergehende Bekriebseinschrönkung bei den Adlerwerken. Wie wir aus Verwaltungskreisen der Ad­lerwerke vorm. H. Kleyer A. G. in Frankfurt a. M. erfahren, beabsichtigt die Gesellschaft, zum 21. August 1200—1400 Arbeitern der 2200 starken Belegschaft zu kündigen- Infolge der Absatzkrise auf dem Äuto- mobilmartt sieht sich das Werk zu dieser Maßnahme gezwungen, die in erster Linie der Lagerräumung dienen soll. Man hofft, nach etwa 4—gwöchiger Produktions­einschränkung die Fabrikation neuer, mehr gefragter Mo­delle in verstärktem Maße durchführen zu können. Im Gegensatz zu dem Schreibmaschinengeschäft, das ebenfalls unter Absatzschwierigkeiten leidet, wird in dem dritten Fabrikationszweig der Adlerwerke, dem Fahrradgeschäft, zufriedenstellend gearbeitet

— Abkommen der Frankfurter Adlerwerke mit 71AG- vüssing Ter. Nuhkraftwagen A. G-, Braunschweig. Nach Informationen des Fwd. ist das bekannte Schreibmaschi­nenabkommen der Adlerwerke mit der Triumph­werke A. G. in Nürnberg auch auf die Fahrrad­produktion erweitert worden. Die Triumphwerke stellen feit einiger Zeit ein billigeres Adlerfahrrad her, das von Frankfurt verkauft wird. Das bisherige alte Adlerrad verbleibt fabrikatorisch in Frankfurt. Weiter­hin erfährt der Fwd., daß ein ähnliches Abkommen so­eben auch mit der NAG-B üs fing Ver. Nutzkraft­fahrzeugwerke A. G., Braunschweig, auf dem Gebiete des Last- und Lieferwagenbaues getroffen wurde. Da­nach wird Adler jetzt nur noch den kleinen Lieferwagen von 400 und 750 Klg., NAG-Büssing aber den 1.5 und 2 To.-Lastwagen Herstellen, der als Büssing-Adler auf Markt kommt. An der Fabrikation des Büssing-NAG schweren Lastwagens in Braunschweig ändert sich nichts. Bei beiden Abkommen ist keinerlei finanzielle oder per­sonelle Verbindung hergestellt. Vielmehr sind diese aus rein kaufmännischen Gesichtspunkten getroffen worden.

— Zunahme der Arbeitslosigkeit in England. Die Zahl der Arbeitslosen betrug am 10. August 2 714 359, was eine Zunahme von 1009 gegenüber dem Stande vom 27. Juli und um 663 622 gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres bedeutet.

ffiafdjinen-Snfruffcie im Juli

Starke Zurückhaltung der Kundschaft. Beschäftigungsgrad 42.8 Prozent.

Dom Verein Deutscher Maschinenbau-Anstalten, dem Spitzenverband der deutschen Maschinenindustrie, wird uns geschrieben:

„Die scharfe Krisis auf dem Gebiete des Geld- und Kreditwesens machte sich im Maschinengeschäft besonders stark fühlbar. Die Inlands- und Auslandskundschaft hielt mit Anfragen sehr stark zurück. Der schon vorher auf ein Minimum gesunkene Eingang von Jnlands-

aufträgen verharrte auf dem Tiefstand der Vor­monate. Die im Juni festgestellte Zunahme der Aus­landsaufträge fetzte sich im Juli nicht weiter fort. Wenn nicht eine baldige Beruhigung der Lage und Bes­serung des Geschäftes eintritt, werden weitere zahlreiche Fabriken gezwungen sein, den Betrieb einzustellen. Der Gesamt-Beschäftigungsgrad der Maschinenindustrie ging weiter von 43 auf 42,8 Prozent der Sollbeschäftigung zu­rück.

Bei den in der Rundfunkrede des Herrn Reichskanz­lers angekündigten organisatorischen Maßnahmen auf dem Gebiete des Bank- und Kreditwesens wird aus all­gemein volkswirtschaftlichen Gründen vor allem auch eine ausreichende Berücksichtigung des Kredit- bebürfniffes der mittleren und kleinen Un- ternehmungen gefordert werden müssen, die nicht nur in der gesamten deutschen Wirtschaft bei weitem überwiegen, sondern insbesondere in so wichtigen Pro­duktionszweigen wie dem Maschinenbau fast 95 Prozent aller Betriebe ausmachen. Die nach dem Kriege einge­tretene Übermäßige Konzentration im Bankwesen hat, ab­gesehen von anderen Nachteilen, die gerade in der letz­ten Zeit zutage getreten sind, vielfach zu einer Über­mäßigen Bevorzugung des Realkredits gegenüber dem Personalkredit und zu einer nicht genügenden Berück­sichtigung der kleinen und mittleren Betriebe bei der Kreditversorgung geführt. Eine Zurückführung der deut­schen Wirtschaft auf den gesunden Boden des selbstver- antwortlichen Unternehmertums und feiner Erfolgshaf­tung ist nur möglich bei ausreichender Kredit- oerforgung auch der mittleren und kleinen Betriebe, die sich immer wieder, nicht zuletzt auch gerade in der gegenwärtigen Krise, als besonders gesund, entwicklungs­fähig und als die beste Stütze der deutschen Wirtschaft erwiesen haben."

Ole neuen Slittffoffpreife.

Wie das Stickstoffsyndikat mitteilt, hat sich die deutsche Stickstosfindustrie entschlossen, für das Düngejahr 1931- 1932 die Preise für ihre Erzeugnisse zu senken, und zwar besonders erheblich fü diejenigen, die den Haupt­anteil am deutschen Verbrauch ausmachen. Maßgebend für diesen Entschluß war die Rücksicht auf die ernste Sage der deutschen Landwirtschaft sowie die Hoffnung, daß durch eine erneute Preissenkung der Verbrauch und damit auch die Erzeugung wieder gesteigert und Ärbei- terentlaffungen vermieden werden können. Die neuen Preise konnten selbstverständlich nicht auf den Stand gesenkt werden, der sich in den offenen Exportmärkten als Folge eines wilden Konkurrenzkampfes zeitweilig darbietet. Sie find aber für den Landwirt vorteilhafter als in irgend einem Lande, dessen Heimatmarkt gestützt ist.

Die Preise sind gesenkt je Kilogramm Stickstoff um 2 bis 6 Pfennig und für Nitrophoska um 25 Pfg. je 100 Kilogramm Ware.

Fuldaer Viehmarkk.

— Fulda, 20. August. Zum heutigen Viehmarkt waren 481 Stück Vieh aufgetrieben. Die Preise betrugen bei Bullen: 200—275 RM. Ochsen: 350—425 RM. Fahr- stiere 275—350 RM. Jungstiere: 150—180 RM. Frisch­melkende Kühe: 300—400 RM. Aeltere trächtige Kühe: 200—275 RM. Hochträchtige Rinder: 250—350 RM. Jungrinder: 160—200 RM. Kälber: bas Pfund Lebend­gewicht 40—46 Pfg. Nur ausnahmsweise gutes Vieh wurde über Notiz bezahlt. Der nächste Viehmarki findet am 10. September 1931 statt.

Frankfurter Viehmarkk.

ND. Frankfurt, den 20. August. (Gig. Drahtber.) Es wurden bezahlt für 1 Zentner Lebendgewicht: Kälber: Doppelender beste Mast 54—58, beste Mast- und Saug­kälber 41—53, mittL Mast- und Saugkälber 42—48. Schafe: Mastlämmer und jüngere Weidemast 42—46, mittlere Mastlämmer und ältere gutgenährte Schafe 34 —41. Schweine: vollfl. Schweine von 240—300 Pfund Lebendgewicht 53—57, vollfl. Schweine von 200—240 Pfd. Lebendgewicht 53—57, vollfl. Schweine von 160— 200 Pfd. Lebendgew. 52—57. Auftrieb: Kälber 1014, Schafe 165, Schweine 859. Marktoerlauf: Kälber und Schafe ruhig. Schweine ausverkauft. Schweine ruhig. Geringer Ueberftanb.

Dom Ruudfuuk.

= Das katholische als Sozialprogramm. Am Frei­tag, den 28. August, um 18.45 spricht im Südwestdeut­schen- und Süddeutschen Rundfunk der württembergische Landessekretär des Volksvereins Dr. Heinrich G e tz e n y über „Das Katholische als Sozialprogramm der Gegenwart". Er schildert in diesem Vortrage in großen Zügen die Entwicklung des sozialen Katholizis­mus von der Enzyklika „Rerum novarum" bis zu der neuesten sozialen Kundgebung des Papstes „Quadrage- fimo anno". Eingehend werden die Verhältnisse be­schrieben, aus denen Leos XIII. großes Hirtenschreiben entstanden ist. Ferner wird die Weiterentwickelung der Idee in der neuesten Enzyklika gegenüber der „Rerum Novarum" herausgearbeitet. So wird der Vortrag eine gute Zusammenfassung und einen klaren Ueberblick über die tragenden sozialen Ideen geben, wie sie von der höchsten kirchlichen Stelle aus in feierlichster Weise der ganzen Welt kundgetan worden sind.

Utelfprotmttioti der wichtigsten Metalle.

295%

1929

ALUMINIUM

4926

1924 I

Steigerung:

1924

Angaben in Tonnen

KUPFER »i3

1929

ZINK

1926

1924

1913

1929 Steigerung:

1929

1926

1926

1924

BLEI

1913

Steigerung jeweils 1913-29

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Unsere Darstellung zeigt die außerordentliche Seitgerung,. die die Metallproduktion der Welt seit 1913 aufweist und die auch nach der Weltwirt sthafts-Hochkonjunktur (um 1926) nicht gestoppt wurde. So wurde an Aluminium 1929 fast viermal mehr als in dem letzten Vorkrkegsjahr pro­duziert. Liefe hemmungslose Produktionssteigerung ist eine der Ursachen der heutigen Weltwirt­schaftskrise, da die Wirtschaft die Wehrmengen einfach nicht mehr aufzunehmen vermag, und ine so zu einem verschärften Konkurrenzkampf mit Schutzzöllen oder den Produzenten ruinierenden Preisstürzen führt. • • ■ _________

Dr. Leo Siewert:

„Nie eines eigenen Kommandos werk

i Zum Andenken an den 100. Todestag Neidharts yVUliJlVl / von Gneisenau am 23. August.

Weshalb wir nichts aus der Geschichte lernen? Weil man uns die wahre Geschichte vorenthält. Genauer: weil man uns die Männer der Ge­schichte fatsch, d. h. so zeickmete, wie man sie gerne haben wollte und deshalb sogar Bedeutungslose zu Richtunggebenden machte. Mit so felbstgeschaf- fenen Trugbildern kann man gewiß alles bewei­sen, was man wahr haben möchte. Nimmt man sie aber als Vorbilder für das praktische Leben, so muß man eben bald im Abgrund jammern über die schlechte Lehrmeisterin „Geschichte".

Wir lernten: Blücher war der Besieger Na­poleons. Deshalb gilt der Haudegen mit feinem „Finger draufI das nehmen wir!" für ein Mu-

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ster und Beispiel, wie man mit dem Feinde um­zugehen habe. Wie wenige wissen, daß Napoleon eben nicht ä la „Was blasen die Tropeten?" ver-, nichtet wurde. Daß es überhaupt nicht der Mar­schall Vorwärts war, der den Korsen niederrang! Was hätten mir nicht aus „Deutschlands tiefster Not" lernen können, hätte man uns die wahren Retter aus ihr sehen lassen: Neidhardt v. Gneise- nau könnte wahrhaftig für uns Führer sein — die Lage war damals wie heute: „Das klingende Geld", schrieb er an Stein- 1811, „verschwindet durch nachteilige Handelsbilanz und Tribute an Frankreich: die Produkte des Landes ohne Ab­zugskanäle, Käufer und Wert; drohende Gefahr der Uebermacht von Außen: im Innern keine Ent­schlossenheit der Regierung, kein guter Wille des Volkes: hier Spaltung der politischen Meinungen, dort Faktionsgeist. Welche Aussicht!"

Gneisenau führte aus diesem Elend hinaus. Nur daß dieser „einzige ebenbürtige Gegner, den Napoleon, in seiner Feldhernlaufbahn gefunden" (Schnabel), so ganz anders aussah, als manche ihn sich wünschen. „Ich bin ein Preuße, kennt ihr meine Farben!" hat er nie gesungen. Zu Schilda, im Troß der gegen den Grafen Fritz kämpfenden Reichsarmee kam er zur Welt und, nach frierendem Hungerelend bei den Großeltern geborgen, wuchs er zu Würzburg im katholischen Glauben auf. Nach etwas Studium der Philolo­gie und einigen Dienstjahren im österreichischen Heere wurde er von dem Ansbachischen Landes­vater mit so vielen anderen 1782 den Engländern nach Amerika verkauft. Und hier war es denn, wo er lernte, was ein „Volk in Waffen" bedeute. Die nachfolgenden 20 Jahre (ab 1786) im preußi­schen Gamaschendienst waren ihm dagegen alles andere denn Vorbereitung auf jene Leistung, die die Äugend er Zeit auf den unbekannten Major zog: die heldenhafte Verteidigung Kolbergs. Hier, an der Seite Nettelbecks, mit den bewaffneten Zi­vilisten in Reih und Glied, wurde ihm zur Ge­wißheit. was für ein Heer den Korsen zu besie­gen imstande sei: das „die Bewegungsgründe zum Wohlverhalten" nicht „im Holze aufsucht", sondern „im Ehrgefühl". So verkündete er in der Schrift über die „Freiheit der Rücken": Auf „Un­parteilichkeit über alle Stände" baue das Heer der Zukunft sich auf, das „den Sohn des Königlichen Rates ebensowohl den Reihen der Vaterlandsver­teidiger beigesellt als den Pflüger und Tagelöh­ner". Hätten wir 1914 behemigt dies und was er (in einer Denkschrift über flte allgemeine Waf­fenerhebung gegen Frankreich) daraus an Maß­nahmen folgert: „Die Güter und das Vermögen aller derjenigen, welche sich lau bezeigen, werden eingezogen und die Kinder der. für die Sache des Vaterlandes Gefallenen verteilt". Und vorher: „Jeder Bauer, welcher ein mit Diensten belastetes Grundstück besitzt, befreit dasselbe davon, wenn er bis Ende für die Sache der Unabhängigkeit mitficht". Daraus ergibt sich: „Jeder Adel, der nicht durch im Unabhängigkeitskriege erhaltene Wunden oder Handlungen der Tapferkeit oder große, dem Vaterlande dargebrachte Opfer oder durch in ihren Folgen wichtige Ratschläge er­neuert wird, hört auf, und künftighin gilt uns nur der auf solche Weise neu erworbene Adel".

Mit Stein lebte eben auch Gneisenau der Ue- berzeugung (in seinen „Militärisch-politischen Auf­zeichnungen" 1807): „Die stärkste Stütze der Macht der Regenten ist unstreitig das Volk". Doch vergeblich. Noch heute hören wir seine klagende Stimme, man habe zwar „alles aufgeboten, um den Menschen finanzistisch und für alle Zwecke der Staatsmaschine nützlich zu bilden", doch sei wenig dafür getan, „um ihn frei und edel und selbständig zu machen". Gneisenau berief sich bei seinem Vorschlag, nach diesem Hochziel das preu­ßische Heer zu erneuern, auf das Beispiel der Makkabäer. Friedrich Wilhelm HI. hatte dafür nur die Bemerkung: „Als Poesie: Gut!" Auch das 19. Jahrhundert hat wenig aus der stolzen Entgegnung Gneisenaus gelernt: Es seien „nicht immer die stehenden Heere gewesen, die Throne und Staaten gerette; häufig war es die Liebe ei­nes für seinen Herrscher begeisterten Volkes . . .. Ew Majestät werden mir, indem ich dieses sage, abermals Poesie schuld geben, und ich will mich gern hierzu bekennen", — wenn mit „Poesie" das Gegenteil gemeint sei von der „kalten Berechnung des starren Egoisten". Denn aus der „Poesie"

der unsichtbaren Mächte: der Religion, des Ge­betes, der Liebe zum Vaterlande, nur aus dem Geheimnis jener Gemeinschaft, die durch Geburt, Zuneigung, Dankbarkeit geschaffen werde, schöpfe der Mensch jene Kraft, den Familienfreuden zu entsagen, Leben und Gut einer ungewissen Zu­kunft preiszugeben: „Dies ist Poesie, und zwar der edelsten Art. An ihr will ich mich aufrichten mein Leden lang".

Erst Soldaten von solcher Gesinnung konnte Gneisenau jene Opfer zumuten, wie sie die ihm eigene Kriegführung forderte. Er berauschte sie nicht mit draufgängerischen Fanfaren. Heute verlangte er langwierige Hin- und Herzüge, die, mit nur ihm bekanntem Ziel, den Soldaten sinn­los, selbst einem 9)ort als „Märsche ohne Zweck" erschienen; — morgen schenkte er auch nach sieg­reicher Schlacht noch keine Ruhe: „Wo eine Brücke (zur Verfolgung des geschlagenen Feindes) fehlt, muß sie augenblicklich gebaut werden, und sollte man . . . Häuser dazu niederreißen, um Bau­holz zu erhalten". Nur mit solch rücksichtslosem Einsatz aller Kräfte war es Gneisenau möglich, nach ber verlorenen Schlacht von Ligny nicht, wie Napoleon erwartete, zu fliehen, sondern in der berühmten Schwenkung nach Norden, statt über den Rhein abzuziehen, zu Wellington zu stoßen und der eigentliche Sieger von Waterloo zu werden.

Einen solchen Offizier ließ man nur bis zum Generalstabschef aufrücken. Zwar hat Blücher sich den Plänen Gneisenaus nie widersetzt, sodaß, auch wenn Gneisenau die Stelle Blüchers inne gehabt hätte, die Freiheitskriege sich nicht anders abgewickelt hätten. Gleichwohl hat es Gneisenau — er gestand es Hardenberg — weh getan, „nie eines eigenen Kommandos wert geachtet zu sein und stets für einen anderen arbeiten zu müssen". Wie von Stein: gerufen, entlassen, wieder geru­fen ,wieder zurückgestoßen, nannte er es fein „har­tes Schicksal, von einem steten Wechsel der Hoff­nung zur Hoffnungslosigkeit gepeinigt zu werden, immer im Begriff, das Ziel meiner Bestrebun­gen zu erreichen und immer wieder weiter als je davon zurückgeschleudert". Noch das nachfillgende Jahrhundert hat sein Wort von 1807 nicht verstan­den: „Die neue Zeit braucht mehr als alte Na­men, Titel und Pergamente, sie braucht frische Tat und Kraft" — statt des Ruhmes, „auf dem Ahnen--Paradebett, durch keine Mesalliance mit dem Genie von gemeiner Herkunft befleckt, zu verschneiden". Wahrhaftig, der heute vor 100 Jahren durch Cholera Dahingeraffte ist noch nicht tot! ■

Temperatur- und Barometerstand in Fulda.

Mttgeteilt von Diplom-Optiker Sauerdorn.

Barometerstand

(auf Meereshöhe reduziert)

Thenno- meterftanb

19. 8. 6 Uhr abends

20. 8. 8 Uhr morgens

20. 8.12 Uhr mittags

754,5 mm

753,0 mm

753,0 mm

4-19,0° C

4-17,5° C

4-21,5° C

Höchste Temperatur im Schatten am 19. 8. -J-19,00 C

Höchste Temperatur in der Sonne am 19. 8. 4-19,0° C

Niedrigste Temperatur seit 19. 8. 4-15,0° C r

Riederschlag v. 19.8.8U.morg. — 20.8. 8 U. morg. 15,0 mm ‘

Relative Feuchtigkeit der Luft am 20.8. mitt. 12 Uhr 67,0 %

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