lUMM-MUM
Beilage zur Fuldaer Zeitung
Ar. 190
NILS
20. August
Milleid.
Von Rosa Hamache r-Voppard.
Hast du kein freundlich Wort für mich;
Warum bin ich nur Last für dich? Dir fehlt Verständnis für die Not, Du selbst ißt niemals trocknes Brot; Mich hungert nach der Liebe sehr, Hab ich auch keinen Heller mehr! Du wirfst mir eine Gabe hin In stolzem Pharisäersinn Und treibst mich von der Schwelle fort Gesättigt, doch mit rauhem Wort — Hast du fein freundlich Wort für mich. Warum bin ich nur Last für dich?
Ein vernünftiges Wort.
,Man sollte, wenn es möglich wäre, alle Tage ein vernünftiges Wort sprechen," sagt Goethe. Da bleibt nur noch die Frage, was wir unter einem solch wertvollen Wort zu verstehen haben. Es kommt ganz auf die eigene Auffassung an und es würde blitzschnell das Innere aufdecken, wenn jeder einzelne seine täglichen Worte auf die Wagschale der Vernunft legen wollte. „Reden ist Silber!" Das Wort ist also Münze im Umgang mit den Mitmenschen, wir tauschen sie miteinander ein und aus. In stillen Stunden der Zurückgezogenheit legen wir die ersparten Wortmünzen weg und mehren den Goldschatz. Haben wir zuviel geredet und uns ganz ausgegeben, so bemerken wir in stiller Stunde oft eine erschreckende Leere in unserem Herzen. Uns selbst von jedem Rechenschaft zu geben muß unsere Aufgabe sein. Vernünftige Worte sind Bausteine zu unserem irdischen Wohlergehen. Aufrichtige, herzliche Worte sind Sparpfennige für die Ewigkeit. Loreley.
Etwas von der Anmut.
Es ist eine alte Wahrheit, daß eine Frau nicht schön zu sein braucht, um sympathisch zu wirken; es genügt, wenn sie anmutig und weiblich ist. Anmut erfreut das Auge und erfrischt das Gemüt; jede, auch die kleinste und unscheinbarste Arbeit gewinnt durch sie; man sitzt gerne und schaut dem Gebaren, den weichen, leisen und sicheren Bewegungen einer anmutigen Frau zu. Auch
die Anmut der Rede entzückt, ebenso das von ihr gewürzte Lächeln. Die stolze, sieggewohnte Schönheit vergeht oft nur zu bald, aber die Anmut bleibt; ihre liebliche Begleitung ist der mit ihr Begabten sicher auch für die Jahre, wenn man aufhört, schön zu sein. Man wundert sich oft über die eigenartige Anziehungskraft, die manchmal unschöne, ruhige, nicht kokette Frauen, ja sogar Matronen, auf Alt und Jung, Männer und Frauen ausüben. Das Geheimnis davon ist nur in einem von Anmut durchtränkten Wesen zu suchen. Durch die Anmut der Frau werden all ihre kleinen Verrichtungen und Arbeiten geadelt, durch sie vor allem vermag sie den Mann an sich und ihr Heim zu fesseln, und auch das schönheitsdurstige Auge wird durch sie befriedigt. Natürliche Anmut entfaltet sich ganz von selbst. Ihr Schauplatz ist ebenso gut das ?aus, die Familie, das tägliche Leben wie die Gesellschaft. Wer wahrhaft anmutig ist, der ist es ebenso im einfachen Kreise wie, im eleganten. Wohl ist die Anmut eine Naturgabe, sie will aber trotzdem gepflegt werden, sei es nun durch vorbildliche Ermahnung, durch Hinweis oder durch Erweckung des dafür noch schlummernden Sinnes. Ohne Veranlassung ist nichts zu erzeugen, aber beim Vorhandensein eines Funkens schon vermag sie ausgebildet zu werden und dient dann vielen zur Freude. Es ist ein großer Irrtum, wenn unsere jungen Mädchen heutzutage meinen, daß die Männer lieber ein freies, burschikoses und allzu selbstbewußtes Wesen sähen, als jene vornehme Anmut, wie sie z. B. bei den Frauen und Mädchen des vergangenen Jahrhundert herrschte. Sage keiner, daß dem echten Mann die von der Mode gegebene Vermännlichung, wie sie jetzt üblich geworden, sympathisch sei, oder daß das herausfordernde Gebühren, wie es jetzt im Verkehr bei der modernen Jugend sich einzubürgern scheint, dazu beiträgt, das Verhältnis zwischen Mann und Frau zu festigen, oder daß es gar seine Grundlage in der vermehrten Berufstätigkeit des weiblichen Geschlechts habe. Im Gegenteil man wird immer wieder finden, daß sich die Männer zu den Mädchen hingezogen fühlen, die ihr Wesen durch eine liebenswürdige Anmut zu verschönern wissen. Es ist ein dringendes Gebot für die Mütter unserer Zeit, dies ihren Töchtern eindringlich klar zu machen. Die Anmut ist und bleibt die schönste Pflicht der Frau als Kind und Jungfrau wie als Familienmutter und Matrone und wird immer den Sieg davon tragen gegenüber den Willkürlichkeiten moderner Entartung.
ietiiel Nahrung braucht unser Körper?
Don Johannes H artig-Leipzig;
Ein Mindestbedarf an Nahrung ist immer notwendigerweise vorhanden zur Erhaltung des Lebens. Selbst im Schlaf braucht unser Körper Kräfte, aus denen er Lebensenergien zu schöpfen vermag. Das Herz muß weiterschlagen, um das Blut nicht zum Stillstand kommen zu lassen, auch der schlafende Körper braucht Sauerftoitf. denn die Körperwärme soll erhalten werden, und selbst der Stoffwechselprozeß ruht nicht während des Schlafens.
Den Mindestbedarf bestimmen eine ganze Reihe verschiedener Faktoren, unter denen vor allem das Atter,, die Körpergröße, das Gewicht sowie die äußeren klimatischen Einflüsse zu nennen sind. In den Entwicklungsjahren bedarf der Mensch mehr energieliefernder Nahrung als in Späteren Jahren. Auch die natürliche Veranlagung, das Temperament spielt eine Rolle. Neben den Mindestbedarf tritt der weitere Bedarf, der diejenigen Kräfte ersetzen soll, die bei der täglichen Arbeit verbraucht werden. Der arbertsbebingte Nahrungsbedarf ist aber der entscheidende, auf ihn haben wir unser Hauptaugenmerk zu richten.
Man hat sich in den letzten Jahren daran gewöhnt, den menschlichen Nahrungsbedarf in Kalorien auszudrük- ken, um den Wert verschiedener Nahrungsmittel miteinander vergleichen zu können. Eine Äalorie ist diejenige Wärmemenge, die notwendig ist, um einen Liter Wasser uch einen Grad zu erwärmen. Bildlich gesprochen — so ist es immer anschaulicher — können wir uns also den Menschen als eine Maschine vorstellen, die mit Brennstoffen, eben der Nahrung, geheizt werden muß. Um einen rechten Vergleich zu haben, sei zuerst erwähnt, daß ein mittelgroßes Steinkohlenbrikett einem Heizwert von 1500 Kalorien entspricht, es könnte also 1500 Liter Wasser um einen Grad erwärmen.
Während ein kleines Kind in den ersten Lebenswochon zur Erhaltung des Lebens und zum Ersatz seines durch Schreien und Strampeln verursachten Arbeitsaufwandes etwa 300 Kalorien bedarf, braucht es nach einem Jahr schon 750 Kalorien, bis zum fünften Lebensjahr steigt bie Zahl der notwendigen Kalorien weiter auf 1200 und bis zum achten Lebensjahr auf 1500. Im Alter von 12
Jahren wird die 2000 Grenze überschritten und schon jetzt läßt sich bemerken, daß der männliche Organismus durchschnittlich mehr Kalorien erfordert als der weibliche. Je nach der Wahl des Berufs steigt der Kalorienbedarf in den weiteren Jahren bis zu 4000 beim ausgesprochenen Schwerarbeiter.
Verhältnismäßig niedrig ist der Bedarf an Kalorien bet denjenigen Menschen, bie ihre Tätigkeit im wesentlichen sitzend ausüben. Die kalte Jahreszeit läßt den Bedarf an Heizstoffen wiederum stark steigen. Ein Gramm Kohlehydrate ober ein Gramm Eiweiß liefern dem Körper je vier Kalorien, während Fett, unser Hauptproduzent für Kalorien, pro Gewichtseinheit reichlich die doppelte Anzahl von Kalorien erzeugt, 4 Gramm Fett haben den gleichen Heizwert wie 9 Gramm Kohlehydrate oder Eiweiß.
Es wäre nun verfehlt, alle Nahrungsmittel einzig und allein durch den Wertbegriff Kalorien auszudrük- ken und sie nur nach diesem Maßstab zu werten. Manche Nahrungsmittel haben noch ganz andere Aufgaben und Funktionen zu erfüllen, als Brennwerte zu erzeugen. Vor allem ist die aufbauende Eigenschaft zu nennen. Ein Schwerarbeiter braucht also wohl eine über bas Durch- schnittsmaß hinausgehende Menge von Kohlehydraten und Fetten, gewissermaßen als Heizmaterial, fein Bedarf an Eiweiß ist aber kein erhöhter.
Ein Zupiel an Eiweiß wird nicht als Baustoff verwendet, sondern dient gleich den Fetten als Heizstoff. Auf den ersten Blick erscheint es daher, als könnte eine zu eiweißreiche Nahrung (Fleisch) keine besonderen Schäden mit sich bringen. Abgesehen davon, baß es billiger ist, die Maschine Mensch mit Fetten und Kohlehydraten (Zucker, Stärke, Mehl) zu heizen, erfordert außerdem noch bas Eiweiß eine viel intensivere Arbeit des Ver- dauungsorganismuses und läßt verhältnismäßig viel Schlacken im Körper zurück, deren Ausscheidung wieder den Nieren viel zu schaffen macht.
Die richtige Menge an Eiweiß kann man für den Erwachsenen mit 60 bis 75 Gramm täglich angeben. Eiweiß allein macht aber auch nicht den Wert als Baustoff
Wie grüßt die Frau.
Von Otto B u r g e l - Düsseldorf.
Jedes Land hat feine besonderen Grußformen und m manchen Ländern ist es sogar üblich, daß die Frau der Frau gegenüber einen anderen Gruß anwendet, wie dann, wenn sie einem Vertreter des männlichen Geschlechtes begegnet. Die Französin erkundigt sich bei ihrem Gruß liebenswürdig „Wie befinden Sie sich"? Die Spanierin fragt: „Wie gehen Sie vorüber"? Die Schottin sagt schlicht und einfach: „Wie leben Sie", während die Russin halb bittend grüßt: „Seien Sie gut"! Die Türkin wünscht grüßend „Allah schenke Dir Glück", die Araberin „Dein Tag sei schön"! Die Frau des Per- fers begrüßt ihren Gatten mit dem Wunsch: „Dein Schatten soll niemals abnehmen" und die moderne Griechin erkundigt sich: „Wie gehen die Geschäfte", während die griechffche Frau des Altertums mit einem warmherzigen „Freue Dich" den Gast begrüßte. Trifft eine Italienerin eine Bekannte auf der Straße, so sagt sie: „Wie ist Ihnen zumute", auch die Schwedin grüßt ähnlich, wenn sie sagt: „Wie sind Sie aufgelegt"! Seit eigenartigsten Gruß hat die Chinesin, denn die fragt: >,Hat Ihnen Ihr Reis geschmeckt, tft Ihr Magen in Ordnung"? Die Holländerin wünscht meist schon beim ersten Zusammentreffen ein „gutes Wiedersehen". Die Polin entschuldigt sich beim Abschied gleichsam, wen« sie ganz schlicht sagt: „Verzeihen Sie"! Die Ungarin begrüßt uns mit einem frohen „Gott mit Dir", während die Bulgarin und Serbin in der Regel Jagt: „Möchtest
Du immer gesund sein"! Schließlich heißt es bei den Eingeborenen am Tschadsee „Der große Hirsch -äge Dir begegnen", ein Gruß der ganz aus des Lebens Notwendigkeiten geboren ist.
Die Landhausbesitzer.
Aus dem Russischen von A. P. Tschechow.
In dem Vorgärtchen der ländlichen Haltestelle wan- ' bert ein jung vermähltes Paar auf und ab. Er hält sie zärtlich umfaßt, sie schmiegt sich an ihn und beide sind glücklich. Zwischen Wolkenfetzen blickt der Mond auf sie herab und verzieht mürrisch das Gesicht; wahrscheinlich ist er neidisch und ärgert sich über sein zweckloses Junggesellendasein. Flieder und Faulbaumduft erfüllen die Lust. In der Ferne — der anderen Seite des Schienenstranges — ruft die Wachtel.
„Wie schön, Sascha, wie wunderschön!" spricht die junge Frau. „Hat män nicht unwillkürlich das Gefühl, daß alles in tiefem Schlummer versunken sei? Sieh nur, wie traulich anheimelnd das Wäldchen baliegt! Wie geheimnisumwoben diese festen, schweigsamen Telegraphenstangen aus dem Dunkel auftauchen! Sie beleben die Landschaft und erinnern daran, daß es dort . . . irgendwo .. . Menschen gibt . . . Kultur . . . Freust du dich auch, wenn der Wind, wie jetzt, ganz schwach das Geräusch eines fahrenden Zuges heranträgt?"
„Gewiß, Liebste! Was du für heiße Hände hast! Du bist zu erregt, Warja. . , Was gibt es heute zum Abendessen?"
aus, denn der Wert der unzähligen Eiweiharten ist so unterschiedlich, daß 20 Gramm vollwertigen Eiweißes einer Menge von 100 Gramm minderwertigen Eiweißes entfpredjen können. Wertvolle Eiweiharten sind enthalten in Kartoffeln, Milch, Eiern, Magerfleisch und Spinat, wertloser sind die in Hülsenfrüchten enthaltenen Arten. Die täglich notwendige Menge an Eiweiß rft schon allein in zwei Liter Milch enthalten.
Die Gefahr eines Mangels an Einweiß ist im allgemeinen nicht sehr groß, viel größere Schäden hat dagegen schon ein Zuviel an Eiweiß mit sich gebracht. Es ist absolut nicht übertrieben, wenn behauptet wird, daß viel mehr Menschen am Zuviel zugrunde gehen, als aus Mangel an Nahrung. Die Hauptforderung der Natur heißt jedenfalls Abwechslung in der Ernährung. Sie richtige Lebensweise liegt in einem ausgleichenden Verhältnis aller aufbauenden und verbrennenden Stoffe, unsere Ncchrung darf nicht einseitig aus Eiweiß bestehen, sie darf aber auch nicht nur Brennstoffe enthalten.
Die Frauenmode von einer anderen Seile
Ein unenblid) vielbesprochenes Thema: Die unsittliche Frauenmode. Soll man Schluß der Debatte beantragen? Einmal aus Ueberdruß. Und andermal: Siehe da, der Kleider Sänge wird beträchtlicher. Sie Mode scheint ein anderes Gesicht zu bekommen.
Aber ist das nicht schon oft unser Fehler gewesen, daß wir Werte und Schäden zuviel mit äußerlichen Maßstäben gemessen und mehr äußere Erscheinungen bekämpft als einem innerlichen Mangel abgeholfen haben?
Unsere Kulturaufgabe besteht im inneren Umgestalten. Glauhet, nicht die Sittlichkeit schon dadurch gehoben zu haben, indem ihr eine vielleicht aus fadem, abgestorbenem Sinn entwucherte Kleidung um einige Zentimeter länger gemacht habet. Durch den umgestalteten Menschen werdet ihr das Kleid und das Tragen des Kleides kultivieren, nicht umgekehrt.
Heute aber ist es so, daß das fertige Kleid an den Menschen herangetragen wird. In hundertfacher, tausendfacher Auslage bietet es sich an in den Schaufenstern und Verkaufsräumen der Warenhäuser. Es ist nicht dein Kleid, nicht mein Kleid, es ist ein Massenkleid, Du hast es dir nicht erdacht, du weißt nicht einmal wer. Jedenfalls ein Mensch, der nur auf äußere Erscheinung, nicht auf Individualität arbeiten kann. Du trägst, was „man" trägt, aber das ist nicht der Ausdruck einer Gemeinschaft, sondern der Persönlichkeitsentwertung. Darum wird auch Sinnloses nachgeahmt. Die Mode hat eine unheimliche Suggeftiotraft. Selbst Schulmädchen lassen sich lieber einen Fehler nachsagen als das andere: daß ihr Anzug in Schnitt und Länge unmodern fei. Aller Kampf, der nur auf das Aeuhere geht, nützt da wenig.
«Das verstehst Du nicht!-
Von Irene Sende n-Augsburg.
Wie oft hört man nicht dieses Wort, wenn ein wißbegieriger Kindermund mit feinen Fragen Eltern, Kinderfräuleins, Onkels, Tanten ober sonst jemand plagt. Sehen wir davon ab, daß sich manchmal unter dem „Das verstehst du noch nicht" die eigene Unwissenheit verbirgt und nehmen wir nur den Fall der Bequemlichkeit, der auf diese Weise weitere Kinderfragen ohne viel Mühe verhindern will. Daß das eine grundoerkehrte Erziehungsmethode ist, wird man mit der Zeit schon merken. Denn der rege Kindergeist sucht sich eben wo anders zu orientieren, und nicht immer an den besten Quellen, und man erkennt dann den angerichteten Schaden oft erst bann, wenn es zu spät ist. Man muß sich eben die Mühe machen, dem kindlichen Verstand das begreiflich zu machen, was er wissen will, wobei es meist gar nicht notwendig ist, sehr tief in die Materie hinabzusteigen. Das Kind ist zufrieden, wenn es eine Erklärung bekommt, bie ihm verständlich und logisch erscheint, die aber, und das ist das wesentliche, auch richtig sein muß. Dazu kommt die Tatsache, daß eine fach- und fachgemäße Auskunft in Zukunft viele andere Fragen ausschließt, daß also bas Eingehen auf eine Kin- berfrage oft eine ganz wesentliche Erleichterung bebeutet.
Die Frau in der Küche.
Blumenkohlsalat.
Ein Blumenkohl wird in kleine Röschen zerteilt, in Salzwasser gargekocht, abkühlen lassen und mit Essig, Oel, Salz und Pfeffer angemacht. Man garniert ihn mit Tomatenscheiben und Schinkenstreifen.
Bohnen mit Tomaten.
Grüne Bohnen werben in Salzwasser ab gekocht, auf ein Sieb gelegt und gut obtropfen lassen. Butter wird
„Pastete und junges Hähnchen. Ein Hähnchen reicht für uns beide.. Für dich habe ich aus der Stadt noch Sardinen und Störrüden kommen lassen."
Mit einem Ausdruck, als habe er Tabak geschnupft, verbarg sich der Mond hinter Wolken. Das Glück dieses Paares brachte ihm fein einsames Leben über Wäldern und Tälern schmerzlich zum Bewußtsein.
„Der Zug kommt! rief Warja. „Wie schön bas aussieht!"
Drei feurige Augen leuchteten in der Ferne auf! Der Stationsleiter erschien auf dem Bahnsteig, Signallampen blinkten hier und da.
„Wir wollen den Zug noch ankommen sehen und dann nach Hause gehen", sagte Sascha gähnend. „Prächtig lebt es sich mit dir, Warja, fast zu gut!"
Ein langgestrecktes dunkles Ungeheuer kroch langsam heran und blieb endlich stehen. Durch halberleuchtete Fenster sah man verschlafene Gesichter, Hüte, Schultern ..'
„Ah! Ah!" hörte man Stimmen aus einem Wagen. „Warja ist selbst mit ihrem Gatten gekommen, um uns abzuholen! Dort stehen sie ja beide! Warja, liebste Warja! Hier sind wir!"
Zwei junge Mädchen sprangen aus dem Wagen, liefen auf Warja zu und fielen ihr um den Hals. Ihnen folgte eine ältdre Dame und ein großer Herr mit grauem Backenbqrt. Den Schluß machten zwei Gymnasiasten im Alter von zehn und dreizehn Jahren und die Erzieherin.
„Da sind wir, meine Lieben!" sprach der Herr mit dem Backenbart und drückte kräftig Saschas Hand. „Ihr habt uns wohl schon sehnsüchtig in eurer Einsamkeit erwartet und gescholten, daß der Onkel lo lange ausbleibt. Kolja.
gebräunt, Tomatenmark hinzugefügt und bie Bohnen darin geschwenkt. Vor dem Anrichten wird das Gemüse mit gehackter Petersilie bestreut.
Bohnen in Eiersoße.
Die Bohnen werden wie üblich vorbereitet, mit Bohnenkraut in Salzwasser abgekocht und ab tropfen lassen. Aus Mehl, Butter und Zwiebeln bereitet man eine Soße, bie man mit Bohnenwasser auffüllt, fügt Salz unb Pfeffer nach Geschmack zu, ebenso Zitronensaft, rührt in bie Soße verquirltes Eigelb und gibt bie Bohnen hinzu. Das Gemüse wird mit gehackter Petersilie bestreut.
Blumenkohl in Teig.
Der Blumenkohl wird in nicht zu kleine Röschen geteilt, die man in Salzwasser nicht allzu weich kocht. Aus Eiern, Milch, Mehl, etwas Salz bereitet man einen Zeig, in den man bie Blumenkohlröschen hineintaucht unb in schwimmendem Fett goldgelb bäckt. Dor dem Anrichten überträufelt man bas Gemüse mit Zitronensaft und streut geriebenen Parmesan- ober Schweizerkäse darüber.
Blumenkohlauflauf.
Ein nicht zu großer Blumenkohl wird wie üblich gereinigt und unterteilt in eine Auflaufform gelegt, bie gut mit Butter eingefettet ist. Aus 3 Eiern, K Liter saurer Sahne, 1 Eßlöffel Mehl, etwas Salz unb Muskatnuß bereitet man einen Teig, ben man über den Blumenkohl gießt unb in der Röhre goldgelb bocken läßt. Nach Belieben kann man bas Gemüse vor bem Backen mit Parmesan- ober geriebenem Schweizerkäse bestreuen.
Praktische Winke.
R o st f l e d e n aus weißen Wäschestücken entfernt man wie folgt: Den Saft einer Zitrone bringt man unverdünnt zum Kochen und taucht ben Fleck hinein. Nach etwa 10 Minuten wird er verschwunden sein. Sehr veraltete Flecke behanbelt man jedoch am besten mit verdünnter Salzsäure.
Oelf laschen kann man rasch und gründlich reinigen, indem man kleine, aus Löschpapier geformte Kügelchen anfeuchtet, mit Salz bestreut und in die Flaschen bringt. Man gießt noch etwas kaltes Wasser nach und schüttelt die Flaschen tüchtig. Mit gut warmem Wasser spült man bie Flaschen nach.
Versengte Stellen, bie beim Bügeln der Wäsche entstehen, werben sofort mit kaltem Wasser befeuchtet unb Kochsalz barauf gestreut. Ebenso kann man sie mit Boraxwasser bestreichen, das man eintrodnen läßt unb bann bügelt.
Heibelbeerflecken lassen sich burch Eintauchen in Buttermilch entfernen. Auch dem Saft einer frischen Zitrone weichen sie rasch. Bei empfindlichen Stoffen tut eine Auslage von Rhabarberbrei gute Dienste.
Ein alter Spruch.
Von Hans G ä f g e n.
Ein alter Spruch, in einem alten Buche gefunden^ kommt in meine Stille:
Wer ohne Kinder lebt, der weiß von keinem Leide;
Wer ohne Kinder stirbt, der weiß von keiner Freude.
Ich weiß nicht, wer diese Urväterweisheit in Worte bannte. Ich weiß nicht, wer diese zwei Zeilen zuerst gesprochen. Aber ich weiß, daß ihr Sinn heute noch gilt wie vor tausend Jahren. Und da ich dem Spruche noch nachsinne, springt mein Bub ins Zimmer und hält einen Strauß Wiesenblumen in jeder Hand, und mit feiner Stimme, bie wie eine Morgenglode ist, sagt er: „Einen für Mutti, einen für Vati."
Solche Blumen und solche Worte sind in der ganzen Welt nicht für Geld zu kaufen, und wenn Krösus in Person käme, und einen gewaltigen Goldsad mit sich schleppte.
Solche Worte blühen auf aus einem jungen Herzen wie ein bunter Strauß.
Sie machen die Stube hell und die Augen.
Sie lassen alle bangen Stunden vergessen und sind Dank, inniger Dank für alles Leid, das wir tragen müssen um unsere Kinder.
Mein Bub ist tjinausgefprungen in den Garten.
Seine Stimme klingt wie Amselruf in meine Stube.
Das alte Buch liegt vor mir.
Ein paar Sonnenstrahlen besuchen mich.
Sie tasten über die Dinge hin, die um mich sind.
Und mit einem Male sammeln sie sich zum goldenen Band, das sich leuchtend um bas alte Buch legt, in dem die Worte stehen:
Wer ohne Kinder lebt, der weiß von keinem Leide;
Wer ohne Kinder stirbt, der weiß von keiner Freude.
Kostja, Nina, Fifa, kommt Kinder! Umarmt euren Vetter! Ich habe die ganze Brut mitgebracht; denn es ist mir geglüdt, mich für eine Woche frei zu machen. Ich hoffe doch, daß wir nicht stören? Auf keinen Fall dürft ihr euch auch nur die geringsten Umstände machen."
Bei dem Erbliden des Onkels unb seiner Famlie erstarrte das junge Paar vor Schred. Während dek Onkel vergnügt plauderte, zogen an Saschas Augen allerlei trübe Bilder vorüber: er sah, wie er ben Gästen bie besten Zimmer Überlassen und mit seiner Frau auf jede Bequemlichkeit verzichten müßte, wie alle Kisten und Deden «mit Beschlag belegt würden; der Störrüden, die Sardinen, das Hähnchen würde im Augenblick verschlungen sein, unb er hörte bie enblosen Erzählungen der Tante über ihre Krankheiten und sah die Verwüstungen, die bie Vettern im Garten anrichten würden!
Unb zornig blickt Sascha seine junge Gattin an unb flüstert ihr zu: „Zu bir finb sie gekommen . . .ber Teufel soll sie holen!"
„Nein, zu bir!" antwortet Warja ebenfalls vor Aer- ger blaß. „Es sind deine Verwandten!"
Dann wendet sie sich zu den Gästen und sagt: „Seid herzlich willkommen, ihr Lieben!"
Hinter den Wolken taucht der Mond wieder hervor, er scheint zu lächeln, er freut sich, bah er keine Verwandten hat.
Sascha wendet fein verzweifeltes Gesicht zur Seite, um es den Gästen nicht zu zeigen, unb mühsam, seiner Stimme einen freundlichen Klang verleihend, spricht er:
„Seid herzlich willkommen, ihr lieben Verwandten!"