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Ar. IS?

Beilage zur Fuldaer Zeitung

15. August

Fest Mariä Himmelfahrt.

Eingangslied.

Freuen wir uns alle im Herrn, da wir festlich den Tag begehen zu Ehren der allerseligsten Jung­frau Maria, ob deren Himmelfahrt die Engel froh­locken und Gottes Sohn lobpreisen. (Ps. 44,2.) Mein Herz wallt auf zu frohem Wort, ich sag': Meine Werke dem König.

Lesung: Ekkli. 24. 11—13 und 15—20.

Lei allem suchte ich eine Ruhestätte: im Anteil des Herrn wollte ich bleiben. Da gebot mir und sprach zu mir der Schöpfer aller Dinge, der auch mich erschuf — in meiner Hütte wohnte er und sprach zu mir: In Jakob sollst du wohnen und in Israel dein Erbe haben und inmitten meiner Aus- erwählten sollst du Wurzel schlagen. Und so be­kam, auf Sion ich eine feste Stätte, in der heiligen Stadt einen Ruheort. Und ich herrschte zu Jeru­salem und faßte Wurzel bei idem hochgeehrten Volke, im Lande meines Gottes, seinem Erbe, und in der Gemeinde der Heiligen ist mein Aufent­halt. Wie eine Zeder auf dem Libanon erhob ich mich, wie eine Zypresse auf dem Berge Sion. Ich wuchs empor wie eine Palme zu Kades und wie eine Rosenstaude zu Jericho. Wie ein Oelbaum schön auf dem Felde und wie ein Ahorn wuchs ich auf am Wasser, auf den Uferplätzen. Wie Zimt und Balsam würzig gab ich Duft: wie auserlesene Myrrhe, so gab ich köstlichen Geruch.

Evangelium: Luk, 10, 38—42 Markha und Maria.

Zwölfter Sonnlag nach Pfingsten.

Eingangslied: Pf. 69, 2—3.

Gott, hab acht, send Hilfe mir; Herr, eile, mir zu helfen. Zu Schanden sollen werden und sich schämen meine Feinde, die mir nach dem Leben streben. (Ps. ebd. 4.) Es sollen zurückweichen und schamrot werden, die mir Unheil zugedacht.

Epislel: 2. Kor. 3, 4—9.

Brüder! Ein solches Vertrauen haben wir durch Christus zu Gott. Nicht als ob wir imstande wä­ren, aus eigener Kraft etwas zu denken, sondern unsere Fähigkeit kommt von Gott. Er hat uns auch befähigt, Diener des Neuen Bundes zu sein, nicht dem Buchstaben, sondern dem Geiste nach. Der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig. Wenn nun der Dienst des Todes, der mit Buchsta­ben in Stein eingegraben wurde, mit einer solchen Herrlichst umkleidet mar, daß die Söhne Israels das Angesicht des Mofes nicht anschauen konnten wegen des Glanzes auf seinem Antlitz, der doch vergänglich war, wie sollte dann nicht vielmehr der Dienst des Geistes voll Herrlichkeit fein? Denn wenn der Dienst der Verdammung schon so herr­lich war, um wieviel mehr muß dann der Dienst der Rechtfertigung reich an Herrlichkeit sein!

Evangelium: Luk, 10, 23—37.

Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter.

Zeitgemäße Aufgaben der pfarrfeelforge.

Sonnenschein hat einmal, als er unserer Zeit die Diagnose stellte, besonders darauf hinae- wiesen, daß sie „auf der Stirn das Zeichen M Fluches der Verlassenheit trägt. All diese Menschen ohne Familien! Diese jungen Men­schen vor allem! Was man „Sünde" nennt, kommt zur Hälfte auf das Konto dieser Verlassen- heit. Das wäre schon eine große Sache: die physische Gegenwart des Seelsor­gers. Die Erreichbarkeit der Menschen. Am Werktag stehen sie in ihre Arbeit gespannt, keh­ren sie hundsmüde im Dachgeschoß und Etage­wohnung, Sonntags aber wandern, entfliehen sie. Es muß vor allem wieder Gemeinde werden! Kirchliche Gemeinde!

Es liegt gewiß in der Konsequenz der heute weithin gewonnenen Vertiefung liturgischer Sicht, die Pfarrgemeinde als Kirchenzelle verstärkt zu bejahen. Wenn auch der juridische Pfarrzwang auf die sogenannten un- psychölogischen Sakramente und Rechtsformalitä­ten beschränkt wurde, so werden das sakramentale Mysterium, die geographisch umschriebene Ge­meinde und der persönliche Seelsorger trotz der modernen Freizügigkeit, des neuen Raumge­fühls und der Anonymität unserer Lebensbezie- hungsn erstaunlich freudig und lebendig im Zu­sammenhang mit der Pfarrei bejaht. Vielleicht liegt es auch int Zug der Zeit, einen absolut ru­henden Punkt und eine selbstlose Notgemeinschaft zu suchen; die sozialen Umgruppierungen der letz­ten Jahre griffen ja stärkstens auch ins kirchliche Leben ein.

Um eine entsprechende Erweckung der Pfarr- gemeinde und die neuzeitliche Anregung der

kräukerweihe.

Am Tage Mariä Himmelfahrt (15. August).

Wie haben wir heute — nicht nur die An- Hänger der Bio-Chemie und anderer Naturheil, fünfte — natürlichen Baldrian, Wermut, Johannis, kraut, Fenchel, Pfefferminze, Arnika, Kamille. Schafgarbe wieder schätzen gelernt! Die natürli­cher gewordene Heilkunde der letzten Jahrzehnte hat uns gezeigt, wie befangen doch wir Menschen de§ „aufgeklärten" 19. Jahrhunderts waren in dem Wahn, unseren Krankheiten am besten mit den Mitteln gelehrter Operationstechnik beikommen zu können. Wie nun in diesen Tagen in den Groß­städten die Drogerien sog. „Kräutertage" veran­stalteten. so pflegten schon unsere heidnischen Vor­fahren Mitte August gewisse Kräuter zu sammeln, die um diese Jahreszeit als Heilmittel für Mensch und Tier gebraucht wurden.

In echter Frömmigkeit maß man dabei nicht diesen Kräutern jene wunderbaren Heilkräfte zu. Man verehrte sie als gütige Gaben der Götter. Noch heute erinnert der Name „Baldrian" an Bal. der, der germanische Sonnengott, wie das „Don-

Geistige Mobiliflemng des kakholischen Schrifttums.

„DieZeit braucht ein hartes, wil­lens sta rk e s und vollkommen unkom­pliziertes Geschlecht", sagte Dr. Brüning 1920 den Göttinger Studenten. Wie berechtigt dieses Wort ist, wird heute von Tag zu Tag kla­rer. Bloße Problematik führt uns nicht weiter; wir müssen die überall sich regenden Kräfte sam­meln, kurz, unsere geistige Arbeit mobilisieren. Das war auch der Eindruck, den man von der 2. Tagung katholischer Schriftsteller, Buchverleger und Schriftleiter, die am 26. und 27. Juli in Heidelberg stattfand, mit­nahm.

Etwa drei Dutzend Vertreter dieser so verschre- denartig geformten Berufsstände hatten sich auf Einladung des Augustinusvereins, des Borro- mäusvereins und der Vereinigung des katholischen Buchhandels zur Beratung und Aussprache über die gemeinsamen Arbeitsziele zusammengefunden. Vier kurze Referate gaben die Grundlage für eine ausgiebige, im Sachlichen scharfe und unerbittliche, aber durchweg vornehme Erörterung der katholi- fchen Aufgaben in Literatur und Presse.

In einem großzügigen aufschlußreichen Vortrag über „Das literarische Gesicht der Gegenwart" stellte Friedrich Muckermann S. J. die schöpferischen Punkte heraus, von denen die Dich­ter ausgehen: die Idee der Schönheit, der Natur, des Sozialen, des Nationalen und des Religiösen. Er zeigte weiter, wie alle diese Wege an einen kritischen Punkt führen und wie hier der Katho­lizismus in seiner allnmspannenden Weite die Lösung zu geben vermag.

Schriftleiter Josef H a ch m a n n forderte in seinem Vortrag „Kritik u n d W e l t a n sch a u- u n g", daß der katholische Kritiker nicht einseitig die formale oder stoffliche Seite einer Dichtung be­trachte. Aus dem Zusammenklang von Gehalt und Gestalt erwachse erst das große Werk. Zu prüfen sei weiterhin, ob es innerhalb des katholi­schen Raumes bleibe, der den ganzen Kosmos, Natur und Uebernatur, umfasse. Bei der prak­tischen Arbeit fürs Buch sei schließlich das Dolks- bildnerische entscheidend zu berücksichtigen.

Die konkreten Vorschläge Josef Hachmanns, die in ihrer etwas knappen Fassung zunächst auf einen gewissen Widerspruch stießen, betrafen die Einrichtung einer Kritikerschule ursh die Herausgabe eines Handbuches für bett katholischen Kritiker. Es stellte sich in der Aussprache jedoch bald heraus, daß die als Schreckgespenst an die Wand „gemalte. Uniformierung und an russische Verhältnisse erinnernde Kollektivierung der Gei­stesarbeit nicht einzutreten brauche. Eine bessere literarische, philosophische und theologische Vorbil­dung der Kritiker kann vielmehr nur das Niveau der Kritik heben. Sie soll weiterhin eine ge­schlossene Linie des geistigen Katho­lizismus schaffen und an die Stelle eines schrankenlosen Individualismus oder zersetzender Problematik eine gemeinsame Front des Katholi­zismus mit einer ungeheuerlichen Stoßkraft stel­

len. Wir brauchen nicht eine akademische Dia­lektik, die an der Zeit vorbeiredet, sondern einen Aktivismus, der an die Dinge, an das Volk heran­kommt, der mit den neuen Kräften fühlt, die allenthalben in Stadt und Land sich zu regen be­ginnen.

Am zweiten Tage, der mehr praktischen Fra­gen gewidmet war, hielt zunächst Dr. W. G u - rian einen sehr resignierten Vortrag „Wie lieht der katholische Schrif t ft eiter und Kritiker ö i e eigenen Möglich­keiten — fachlich und wirtschaftli ch?" Seine pessimistische Ansicht, daß der freie Schrift­steller ausfterbe oder schon ausgestorben sei, wurde am besten widerlegt durch die Zahlenangoben, die der gewandte und vornehm vermittelnde Leiter der Tagung, Chefredakteur Dr. Hoeber, zu diesem Thema machte. Eine Rundfrage bei einer gan­zen Reihe von katholischen Zeitungen hat ergeben, daß die Zahl der freien Mitarbeiter gar nicht so klein ist, und die Summen, die von den katholi- schen Blättern jährlich für sie ausgegeben wenden, haben doch vielleicht manchen überrascht. In glei­cher Richtung konnten Dr. Keckeis, Verleger Sie- bertz und Dr. Hüffer Wertvolles beisteuern. Aller­dings ist es nicht immer möglich, Berufsschrift­steller und solche, die die Schriftftellerei nur als Nebenberuf betreiben, die also gewissermaßen „Doppelverdiener" darstellen, von einander zu trennen. Entscheidend darf, so sagte Schriftleiter Dr. W. Spael in seinem Korreferat „Wie weit lasten sich diese Möglichkeiten vom Standpunkt des Schriftleiters aus verwirklichen?", einzig d i e Qualität der Arbeit fein. Zwar hab« der freie Schriftsteller vielleicht mehr als andere Be­rufe unter der Wirtschaftskrise zu leiden, aber das Talent setze sich trotz allem durch. Wichtig sei für die Tageszeitung int Gegensatz etwa zur Kulturzeitschrift vor allem die Volksnähe (nicht Sensation!) und es komme darauf an, in die Massen hineinzuwirken. Es fehlen uns die Volksschrift steiler von der Art etwa Hansjakobs und Augustin Wib­belts.

Die Aussprachen zu den vier Vorträgen —art denen sich der größte Teil der Anwesenden betei­ligte — zeigten nicht etwa eine Uebereinftimmung in allen Einzelheiten. Aber sie brachten ein« Ue- Verfälle von Anregungen, die unser Geistesleben nachhaltig beeinflussen werden, wenn man sie auch nur zu einem Teile in die Tat umsetzt.

Im Ganzen gesehen, darf man wohl feststellen: es beginnt sich eine Einheitsfront des geistigen Katholizismus deutlicher abzuheben. Die Not der Zeit wird sie vielleicht stärker als alle schönen Vorschläge und Reden zusammenschweißen. An­zeichen dafür waren auch in Heidelberg genug zu spüren. So wird die 2. „Kritikertagung", die durch die ausgeprägte katholische Tradition wie die landschaftlichen Reize des Tagungsortes gleich wohltuend wurde, gewiß nicht ohne segensreiche Folgen bleiben.

Pfarrseelsorge bemühte sich vor einiger Zeit die Iahrestagung der Freien Ver­einigung für Seelsorgehilfe (Sitz Frei­burg i. Br.), über welche soeben der ausführliche Bericht erschienen ist: Trotz der Spannungen, welche der Ausgleich zwischen Individuum und Gemeinschaft bedingt, ist die Pfarrei auch heute als geschichtlich gewordene, kirchenrechtlich fun­dierte und wesensgemäße Form der katholischen Seelsorge in wahrer Gemeinschaft des Glaubens, der Liebe und des Lebens zu bejahen und zu ver­wirklichen. Neben der geistigen Einheit ist aber auch die organisatorische Zusammenfassung der pfarrlichen Kräfte zu betonen, wobei besonders die außerordentliche Seelsorge (Schichten-, Ordens-, Missions- und Einkehrseelsorge) im Sinne und Begrenztheit schärfer zu sehen fein dürfte, ohne aber die zahlreichen überpfarrlichen Einrichtungen religiöser Fürsorge (Pfarrzentrale, Karitas, Stan- desoereine, Literatur und Technik im Dienst der Seelsorge) damit abzulehnen! Die innere Wie­dererweckung der Pfarrseelsorge wird auch eine stärkere Heranziehung der innerpfarrlichen Hilss- mittel und Hilfskräfte, namentlich des Haupt- und ehrenamtlichen ßaienapoftolates mit sich bringen mästen. Deren Bedeutung und Aufgaben wurden auf Grund der letzten päpstlichen Kundgebungen neu umschrieben und ihre Hemmungen im Hin­blick auf den Charakter der Seelsorgehilfe als Or­ganisation, auf ihre Zielsetzung und Methode so­wie auf die Schwierigkeiten der praktischen Durch­führung eingehend behandelt. Die Antwort ist aber nur bann gültig, wenn der Seelsorger sei­nem Laienapostolat Vater, Lehrer, Führer und Vorbild ist. Die hier nur angedeuteten Ausfüh­rungen der Referenten und ihre praktischen An-

regungen sind sicher geeignet, die kirchliche Neu­ordnung in unseren Städten segensreich zu be­fruchten.

Wer's faffeti kann, der fasse es.

Eine Zuschrift aus Sowjetrußland.

Wrhl in feinem Lande ist der Haß gegen Ausländer so ausgeprägt wie in Sowjetrußland. Das hat feinen guten Grund. Dreizehn Jahre schon steht der Russe Schlange an um ein Stück­chen Brot, ein viertel Pfund Butter, ein halbes Liter Milch. Der Ausländer aber erhält alles in Hülle und Fülle, und wenn es verlangt wird, so­gar nach ins Haus gebracht. Hinzu kommt noch die bolschewistenfreundliche Haltung des Großteils der europäischen Presse. Das löst Gegensätze aus, die sehr schwer zu überbrücken find. Man über- lege sich einmal: dreizehn Jahre stirbt ein Volk einen langsamen und grausamen Tod; dreizehn Jahre wenden Kirchen geplündert, Altäre geschän­det, Priester gemordet, die Intelligenz ausgerot­tet, Kinderfeelen vergiftet und der Mensch gewalt­sam entpersönlicht. Dreizehn Jahre schwebt über einem Volk bas Damoklesschwert der Tscheka und GPU., und dreizehn Jahr« wird der Aufschrei der Seele mit Maschinengewehren und Mauserpistolen zum Schweigen gebracht. Und das alles unter den Augen des Westens, der Kultur und Chri­stentum zur Basis ferner Geisteshaltung gemacht hat, sich aber trotzdem nicht scheut, dem Kreml die Waffen zur Vernichtung des Menschen und sei­ner heiligsten Güter zu liefern.

Im Namen welcher Ideale trägt der Westen dieses Doppelgesicht, das an das Lächeln der Mona

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Lisa und bas Grinsen Satans erinnert? Im Na­men welcher Ideale paktieren gewisse Kreise des Auslandes mit diesen Mördern der Menschheit?

Es ist ein offenes Geheimnis, daß ausländische Kriegsfachverstänbige sich eifrig bemühen, die Hen­ker aus ber GPU. zu einer Elitetruppe hercmzu- bilden, die vertraut ist mit modernster Kriegs- technik. Ganz zu schweigen von der europäischen und amerikanischen Industrie, die vor der roten Diktatur auf dem Bauche kriegt und ungeachtet ihrer „christlichen" Gesinnung den Mördern der Menschheit Maschine um Maschine liefert und Pa­tente zur Nutznießung anbietet, die in nicht mehr langer Zeit das eigene Haus in Flammen setzen werben....

Es sei hier einmal offen die Frage aufgewor­fen: wie stellen sich zu alledem die verantwor­tungsbewußten Völker Europas, Deutschland mit eingeschlossen? Es geht doch nicht an, gegen den Bolschewismus zu protestieren und gleichzeitig bis Umtriebe unverantwortlicher Elemente zu dulden, die, wie unglaublich es auch klingen mag, gerade in Rechtskreisen zu suchen sind! In Moskau weiß es jeder Eingeweihte, daß die deutschen Fachleute Md Sachverständigen nicht aus kommunistischen Seifen kommen und daß die fremden Offiziere, me beutfdien Instrukteure mit eingeschlossen, al­les andere, aber nur keine Kommunisten sind! Auch haben sie nicht bas „Wohl Rußlands und des rnsfischen Volkes" im Ange, wie vielfach be­kundet wird, sondern ein anderes Ziel, dem dis Reichsregierung letzten Endes ihre Mißerfolge in London und Paris zu verdanken hat. Das sei einmal unverblümt und deutlich ausgesprochen, denn es hat keinen Zweck, Blindekuh zu treiben in einer Zeit, wo es um die Existenz des deutschen Volkes geht, das ausschlaggebend ist für »den Aufftieg ober Untergang ber kultivierten Welt. Der Sowjetbürger sieht die Dinge, wie sie in Wirk­lichkeit liegen. Dreizehn Jahre Sowjetherrschaft, die nur dank der Unterstützung Europas möglich war, hat ihm die Augen geöffnet. Er hat den Zusammenbruch der Weißen Armee erlebt, dis Europa in dem Augenblick im Stich gelassen Xo* ben, als sie bereits vor den Toren Moskaus stan» den Admiral Koltschak ist von Frankreich ver- raten worben, desgleichen Denjikin und Wrangel. Im Norden brach Miller zusammen, weil England ihn nicht mehr unterstützte. Judjenitsch mußte seinen Vormarsch fünf Kilometer vor Petersburg einstellen, weil ber Abenteurer Awalow-Bermondt mit seinen Baltikumtruppen, anstatt gegen die Bolschewiken zu marschieren, den antibolschewiki- ichen Letten in den Rücken fiel und damit Lett­land, Estland und Finnland veranlaßte, zum Schutz der in Gefahr geratenen eigenen Grenzen von einer gemeinsamen Aktion mit General Jud­jenitsch Abstand zu nehmen. Man kann gewiß die Dinge verdrehen, aber Zeitgeschichte fälschen kann man nicht. Hinzu kommt noch die Tatsache, baß vor kurzem ehemalige Angehörige ber Awa- low-Bermondt-Truppen und spätere Angehörige des Stahlhelms und ber Hitlerorganisationen zu ben Kommunisten abgefprungen sinb! Aus ideel­len Beweggründen? Aus Enttäuschung? Nein, weil die Konjunktur augenblicklich günstig ist und ein Geschäft in Aussicht steht, das nach Blut riecht! Auch diese Dinge versteht ber Sowjetbür­ger richtig einzuordnen im europäischen Weltbild, bas auf ber einen Seite das Lächeln einer Mona Lisa zeigt, auf ber anberen aber bas diabolische Grinsen Satans . . .

Wenn auch Sowjetrußland arm an Sensatio­nen ist, eben weil es eine zu rauhe Schule burch- gemacht, um sich von Europa nasführen zu lasf-n, bas in geheuchelten Deklarationen dem gepeinigten Volk feine angeblichen Sympathien ausspricht, so ist es doch noch reich an Werten, die Europa abhanden gekommen sind: bas russische Volk hat noch ein N at i o n a l be wu ß t s e in, das feine Fundamente im Christentum verankert steht. Wer aber glaubt, dieses Nationalbewußtsein mit Boi. f ch e w i s m u s gleichsetzen zu dürfen (wie es dis europäische Presse zu wissen glaubt, der wird sich eines anderen belehren lassen müsfen. Auf rus­sischen Knochen wird kein europäischer Krieg mehr geritten und auch keine Weltrevolution mehr ge­macht werden können. Das Linsengericht, das man für Rußland bereitet hat, wird wohl Europa felbst auslöffeln müssen und gleichzeitig jene Re­volutionen schlucken, die man selbst entfachte, al­lerdings mit gegenteiliger Wirkung, denn f ü r bie deutschen Rechts- und Linksver- bände wird der Russe keine Kastanien aus dem Feuer holen, gefchweige denn für diejenigen, bie das nationale Rußland schon einmal verraten ha- ben und nun in Moskau Horchposten gegen Deutschland stehen. Den Kommunismus aber wird bas russische Volk aus eigenen nationalen Kräs- ten überminben ohne Europas Judaskuß, und bas bürste bann wohl bie einzige und größte Sen­sation sein.

nerfraut" an Donar, das nach einer öerorbnung Karls des Großen als Schutzmittel gegen Blitze auf die Hausdächer gepflanzt werben sollte. Der in manchen Gegenden „Odinskops" oder „Odins- auge" genannte Alant weist auf Odin oder Wo­tan. Diefe Kräuter legte man in den vier „Rauch­nächten" (wie noch heute in Süddeutschland am Dreikönigstage!) auf heiße Glutpfannen und räu­cherte damit betend Haus und Stall aus. Bei Ge­wittern tat man sie ins Herdfeuer, damit ihr Duft den bösen Wettergott beschwichtige.

Die Kirche hatte keinen Grund, diese probaten Bräuche ber Volksmedizin zu verbieten. Im Ge­genteil, sie nahm sie in den Kreis des Kirchenjah­res auf, dem finnigen Ausdruck natürlicher Got­tesverehrung tieferen Sinn gebend. Da die Le­gende erzählte, ber Leichnam der Gottesmutter, die am 15. August des Jahres 52 starb, habe geduftet „gleich Balfam und ber Blume der Lilie", wie das deutsche Passional von 1471 sagt, und da ferner nach Mariens Himmelfahrt das leere Grab den süßen Duft von taufend Blumen wunderbar ausftromte, fo war die Verbindung des altgerma« Nischen Kräuterbrauches mit diesem Kirchenfest leicht gegeben. 3a, die Epistel dieses Tages ver­

lockte dazu, wenn sie mit dem alttestamentlichen „Buch der Weisheit" von der Gottesmutter sagt: „Wie eine Zeder auf dem Libanon erhob ich mich, wie eine Zypresse auf dem Berge Sion. Ich wuchs empor wie eine Palme zu Kades und wie eine Rose zu Jericho. Wie ein Oelbaum schön auf dem Felde und wie Ahorn wuchs ich hoch am Wasser auf ben Uferplätzen. Wie Zimt unb Balsam wür­zig gab ich Dust; wie auserlesene Myrrhe, so gab ich köstlichen Geruch." Man brauchte für btefe orientalischen Pflanzen nur die der deutschen Land­schaft einzufetzen, und aus dem Himmelfahrtstage ber Gottesmutter roanb „Maria Wischweih" (in Schlesien), der „Büschel-Frauentag" ober „Kräutl- Frauentag" (in Süddeutschlcmb), die ,^?rautweih (in Norddeutschland).

Da weiht der Pfarrer nun alle die Kräuter, bie die Kinder so gern vor bem Amt an bi« Stu­fen bes Altares tragen: „Allmächtiger, der Du Himmel unb Erbe erschaffen hast und fort und fort mit Macht beherrschest, segne durch bie Für­bitte Mdriens btefe Kräuter . . ., segne alle Men­schen, die davon gebrauchen, damit ihnen Gesund­heit der Seele und des Leibes sei; halte fern vom Vieh, das davon kostet, jede Krankheit und jede

schädliche Einwirkung." Da wurde bas Weiderös­chen zum „Herrgottsfinger", die Bertramsgarbe zu „Herrgottsaugen", bas Labkraut zum „Liebfrauen- stroh" (weil die Gottesmutter zu Bethlehem dar­auf geschlafen), der Wasserdost (Kunigundenkrauk) zum „Fünfwundenkraut", das Johanniskraut zum „Herrgottsblut" usw. Noch bie 7 ober 9 = Zahl, in der man biefe Kräuter, zu einem „Würzwisch" ober „Busch" gebunden, vor ben Priester bringt, ist heidnischen Ursprungs. Im Rheinland sind es vielfach bie folgenden sieben Kräuter: Blitzkraut, Donnerkraut, Bendeknopf (Wiesenknopf), Wurm­kraut, Beisuß, Mariä Bettstroh, Duüistel (Acker- gänsebistel). Das „Neunerleikraut" besteht aus: Alant, Beifuß, Dosten, Donnerkraut, Johannis­kraut, Salbei, Rainfarn, Wermut, Wiefen- ober Blutknopf. Andernorts hat sich diefe uralte Zahl Sieben ober Neun auch wohl geändert. Im west­fälischen Sauerlanbe sinh daraus sogar 21 gewor­den; „trostlos das Kind", so schreibt Fr. W. Grimme, der Dichter dieses Landes, in seinen „Me­morier» eines Dorfjungen", „bem eines dnrnn fetjli."