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Nr. 185

Fuldaer Zeitung (AmMches Kreisblatt.)

Donnerslag, den 13. August 1931

Avlda, den 11. August 1931

Ferien-Ende.

Herste haben sich in Fulda die T o r e der Schulen nach den langen Sommer-Ferien wie- der geöffnet. Diese Ferien, die schon im tritt» tßen Zeichen der Notverordnungen begannen, ha­ben auch während ihres Verlaufes nicht unbeträcht­liche Zwischenfälle unangenehmer Art erfahren. Es fehlte vielfach das richtige Ferienwetter. Wärme und Sonnenschein waren knapp zugemessen. Eben­so knapp wie von Sparkassen und Banken den Fe­rienreisenden das bare Geld zugemessen wurde infolge der bekannten Schläge, die das deutsche Bank- und Wirtschaftsleben trafen. Die Gehälte' wurden „auf Stottern" d. h. brockenweise aush zahlt. Auch der wilde politische Kampf, der b<- Volksentscheids des Stahlhelms wegen in den letz­ten Tagen noch durchgefochten werden mußte, hat die Ferien-Ruhe in Mitleidenschaft gezogen. Es gab in dem Volksentscheids-Lager, — wie es im gegebenen Fal lauch bei uns gewesen wäre, — zahlreiche Wähler, die von auswärtigen Ferien- Plätzen nach Preußen zur Abstimmung fuhren. Also unruhigeFerien auf der ganzen Linie. Möge die Atem-Pause nun nachträglich einsetzen, nachdem die geordnete Arbeit von Schülern u. Leh­rern wieder begonnen hat Möge auch sonniger Herbst ins Land ziehen. Es gibt so wie so viele Leute, denen das Leben in geordnetem Arbeits­und Dienftbetrieb viel lustiger und lebenswerter vorkommt, als unausgefüllte Ruhetage. In diesem Sinne: Lebt wohl, unvergeßliche Sommerferien 1931!

Veränderungen im Mzesauklerus.

Der Hochw. Herr Bischof hat die Pfarrei Großkrotzenburg dem Pastor Karl Lip­pert in Birstein und die Pfarrei Johannes­berg dem Pfarrer und Dechant Adam Dehler in Bad Orb mit Wirkung vom 15. August ds. Js. übertragen.

Anweisung erhielten ebenfalls mit Wirkung vom 15. August ds. Js.: Diözesanpriester Joseph Lier aus Worbis als Kaplan in Altenmittlau und Kaplan Rudolf Lenz in Altenmittlau als Vikar in Leinefelde.

päpstliches Werk derGlaubensverbreikung

Zur Förderung des Päpstlichen Werkes der Glaubensverbreitung (Franziskus-Taoerius-Verein) in der Diözese Fulda fand gestern ein Diözesan- Vertretertag in der Harmonie statt. Der Dioze- fandirektor Herr Prof. Dr. Heller konnte unter den Erschienenen auch zum ersten Male die Ver­treter des Eichsfeldes begrüßen. Er gab seiner besonderen Freude darüber Ausdruck und sprach die Holfnung aus, daß durch die gemeinsame gei­stige Glaubensverbindung auch das Päpstliche Werk der Glaubensverbreitung eine weitere För­derung erfahre. Der Generalsekretär des Fran- ziskus-Taverius-Verein, Herr Dr. Kremer aus Aachen, gab dann em anschauliches Bild über den Zweck und das Wesen des Vereins, um die Schluß­folgerung für die praktische Betätigung und För­derung des Werkes der Glaubensverbreitung zu ziehen. Das Werk der Glaubensoerbreitung sei nuht etn frommer Verein schlechthin, sondern es verlange die aktive Teilnahme jeder einzelnen Ge­meinde, ja jedes einzelnen glaubenstreuen Katho­liken, weil die Kirche in ihrer Universalität den Misiionsaustrag erhalten habe: „Gehet hin in alle Welt". Diese aktiv- Teilnahme verlangt Weckung des Missionsberufes, Gebet und Opfer. Das Ar­beitsfeld ist groß. Von den 15 Millionen Katho­liken im Bereiche der Fuldaer Bischofskonferenz sind erst 325 000 Katholiken im Werke der Glau­bensverbreitung erfaßt. Sie alle zu erfassen muß unser Ziel sein.

Die instruktiven Ausführungen des Eeneral- fekretärs lösten eine anregende Aussprache aus. Der Vorsitzende brachte zur Kenntnis, daß für sämtliche Dekanate der Diözese je ein Förderer des Glaubenswerkes gewonnen sei. Der Diözesandirek­tor legte der Versammlung die Richtlinien für die Tätigkeit der Förderer und das Arbeitsprogramm für die Zukunft vor. Sie fanden einstimmig Bil­ligung. Mit herzlichen Worten des Dankes an die Erschienenen schloß Herr Prof. Dr. Heller die anregende Versammlung. Möge von ihr aus ein neuer Glaubenseifer für das erhabene Missions­werk ausgehen, eingedenk der Satzung, daß das fromme Wert der Glaubensverbreitung Heilands­ruf ist an jeden Katholiken. P.

Reue Meister.

Dor der hiesigen Meister-Prüfungskommission bestanden ihre Meisterprüfung die Wagner: Franz Blum von Friesenhausen, Paul Schäfer von Neuenberg und Jos. Wenzel von Buttlar.

Marianische Bürger- und Iunggesellen-Sodaliläl.

Herr Konrektor Georg Ebel mußte aus Ge­sundheitsrücksichten auf Anraten des Arztes fein Amt als Präfekt niederlegen. 21 Jahre gehörte Herr Ebel dem Vorstand an und 6 Jahre verwal­tete er in mustergültiger Weife das Präfekten-Amt zum Segen der Sodalität. Dafür fei ihm auch an dieser Stelle mit einem herzlichen „Vergelts Gott" gedankt. Der Vorstand ehrte Herrn Ebel durch Er­nennung zum Konsultor. — Bei der am Sonntag erfolgten Neuwahl des Vorstandes wurden Herr Oskar Köhler als Präfekt, Herr Walter Plappert zum ersten und Herr Joseph Sturm zum zweiten Assistenten gewählt.

Hohlenoxyd-Vergifkungen durch Glühstoffheizappa- rale.

Amtlich wird von zuständiger preußischer Stelle mitgeteilt: Zum Schutze von Bier, Mineralwasser, Blumen und Früchten während des Transportes werden im Winter mitunter sogenannte Glühstoff­heizapparate benutzt. Aehnliche Apparate dienen zur Heizung der Äutokühler und Motore. Beson­ders konstruierte Apparate werden auch zur Be­heizung des Kraftwagenginnern benutzt. Als Glüh- steine dienen Briketts aus Holzkohle, ähnlich den bekannten „Dalli Glühkohlen". Bei Benutzung die­ser Apparate in geschlossenen Räumen haben sich mehrere, teils tödliche Unfälle durch Ein­atmen der den Apparaten entströmenden Kohlen- oxydgase ereignet. Der preußische Handelsmini- ster weist deshalb darauf hin, daß bei Benutzung der Glühstoffheizapparate Vorsicht geboten fei, daß insbesondere zur Erwärmung der von Menschen benutzten Räume, also auch von geschlossenen Per­

sonenkraftwagen, nur solche Apparate gebraucht werden sollten, bei denen das Entweichen der Ver- brennungsgase ins Freie unbedingt fichergestellt ist, daß dagegen die Benutzung der Apparate ohne besondere Ableitung der Derbrennungsgase in be­nutzten Räumen und besonders das Erwärmen dieser Räume mit Glühsteinen in behelfsmäßigen Apparaten zu schweren und sogar tödlichen Koh- lenoxydvergistungen Anlaß geben könne.

Krastpostfahri nach Maria - Ehrenberg am Tage Maria Himmelfahrt.

Aus Anlaß des Festgottesdienstes am 15. Au­gust — Maria Himmelfahrt — wird eine Sonder­fahrt mit Postkroftwagen von Fulda nach Maria- Ehrenberg ausgeführt. Abfahrt vom Postamt Fulda 5.30 Uhr, Rückfahrt von Motten um 12.0 und 14.30 Uhr. Fahrpreis für die einfache Fahrt 1.50 RM., für Hin- und Rückfahrt 2.50 RM. je Person. Verkauf der Fahrscheine am Schalter 2 des Postamts sowie beim Kraftpoftbetriebswerk, Petersbergerstraße 76.

Paramenten-Ausftellung.

Der Mfffionsverein Katholischer Frauen und Jungfrauen hat schon feit Jahren den Brauch, das Ergebnis fleißiger Jahresarbeit interessierten Krei­sen der Oeffentlichkeit vorzulegen. Auch in diesem Jahre wieder wird eine Ausstellung von Paramen­ten und kirchlichen Gebrauchsgegenständen veran­staltet. Die Arbeit der Vereinigung dient der Un­terstützung der katholischen Seelsorge i n d e r D i a- spora und in den Missionen. Tausende von katholischen Frauen und Jungfrauen helfen bei dieser Arbeit durch regelmäßige Geldbeiträge mit. Kunstfertige Hände der tätigen Mitglieder fetzen alles daran, unter sparsamer Ausnutzung der vor­handenen Mittel würdige kirchliche Gewänder und Gebrauchsgegenstände für den Gottesdienst anzu­fertigen. Auch in diesem Jahre wird wieder Schö­nes und Gediegenes in reicher Fülle gezeigt wer­den. Die 6rÖffnung der Ausstellung im Roten Saal des Orangerie-Gebäudes (.Schloßgarten) er­folgt am Freitag Vormittag um 9 Uhr. Die Aus­stellung ist an diesem Tage, ferner am Samstag, Sonntag und Montag jeweils von 9 Uhr Vormit­tags bis 6 Uhr abends geöffnet. Die Veranstal­tung soll die Aufmerksamkeit auf die wichtigen Be­mühungen der Vereinigung für die Sache der ka­tholischen Missionen hinlenken und zur Hilfe anre- gen. Wir empfehlen den Besuch und wünschen der Veranstaltung einen guten Erfolg.

Arbeitslose, denkt an Eure Invalidenversicherung!

In letzter Zeit ist die Beobachtung gemacht worden, daß Arbeitslose oft die Weiterversiche- rung versäumen, so daß infolgedessen die Anwart­schaft aus der Versicherung erlischt und die Ren- tenanträge abgelehnt werden müssen. Die Landes­versicherungsanstalt Hessen-Nassau weist daher die Arbeitslosen darauf hin, an ihre Invalidenver­sicherung zu denken, die Jnvalidenkarten rechtzei­tig, d. h. innerhalb von zwei Jahren — vom Tage der Ausstellung ab gerechnet — umzutauschen und die zur Erhaltung der Anwartschaft notwendigen Invalidenmarken in die Karten einzukleben.

3m Störschutzfrage bei Rundfunkanlagen.

Schaffung einer klaren Rechtslage ist notwendig.

Seit geraumer Zeit ist in der Frage des Stör­schutzes bei Rundfunk - Empfangsstörungen durch Starkstromanlagen ein frischfröhlicher Papierkrieg im Gange, in dem einstweilen noch kein Ende ab­zusehen ist. Je nach dem Jnteressentenstandpunkt der einzelnen Veröffentlichungen werden die Ar­gumente für und gegen in den Vordergrund ge­schoben. Die Hörerkreise stehen auf dem Standpunkt, daß sie für ihr Geld einen ft ö • rungsfreien Empfang verlangen können. Die Träger des Rundfunks, Post uni) Reichsrundfunkgesellschaft, erklären, daß die Sende- und auch die Empfangstechnik heute so weit ausgebildet feien, daß von dieser Seite her keine wesentlichen Verbesserungen zu erwarten seien und daß eine Milderung der durch elektrische Stark st romgeräte hervor- gerufenen Störungen durch Anbrin­gung von Schutzmitteln bei den stö. renden elektrischen Maschinen er­reicht werden müsse. Diese Art der Störbekämp­fung sei wissenschaftlich geklärt, führe zu dem er­wünschten Ziel und verursache nur geringe Kosten. Da die Rundfunkstörung, vom juristischen Stand, punkt auz gesehen, eine unzulässige Immission im Sinne des Nachbarrechtes bzw. ein Verstoß gegen Paragraph 23 des Fernsprechanlagengesetzes sei, habe die Kosten ber „Störer" 3u tragen.

Demgegenüber ist es die Auffassung bes Handwerks, der Kleingewerbetrei­benden und weiterer Kreise von Stark- stromverbrauchern, daß einerseits di« Bekämpfung der Störungen sowohl durch Er­richtung stärkerer Sender mit größerer Empfangsfeldstärke als auch auf dem Wege der Kurzwellentechnik möglich fei, wie auch namhafte Rundfunktechniker verschiedentlich ge­äußert hätten. Außerdem feien die Kosten der Entstörung der Starkstromgeräte teilweise reckt erheblich. Die von der Post behauptete Größenord­nung von 1,50 bis 2 RM. komme kaum vor, da­gegen hätten, wie aus einem Urteil des Amts­gerichts Stargard hervorgeht, für die Entstörung eines Motors Kosten bis zu200R M. auf- gewendet werden müssen, d. h. unter Umständen beinahe soviel, wie der Motor selbst kostet, wobei dann noch nicht einmal die Gewähr gegeben sei, daß dadurch Störungen voll beseitigt würden.

Das Amtsblatt der Handwerkskammer Berlin erklärt die Störschutzfrage für eine Mit- telftanbsfrage, weil es in Deutschland 600 000 bis 700 000 elektrisch angeschloffene Ge- werbebetriebe, 2,2 Millionen Elektromotoren in Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft und 12.5 bis 13 Millionen angeschloffene Haushaltungen gibt, die in der heutigen Zeit durch Aufwendung der erforderlichen Summen wirtschaftlich schwer- ftens betroffen würden. Allein die Entstörung der kleinen Motoren würde etwa 200 bis 300 RM. kosten. Rechtlich fei so- wohl die Frage der Besitzstörung als auch der Störung im Sinne des Paragraphen 23 des Fern­meldeanlagengesetzes zu verneinen.

Behauptung steht also gegen Behauptung und Beweis gegen Beweis. Die Verwirrung wird aufs stärkste gefördert dadurch, daß richterliche Entschei­dungen nach der einen wie nach der anderen Seite hin vorlieaen, die je nach Bedarf ins Feld geführt werden. Es wäre an der Zeit, daß hier endlich durch Sprüche maßgebender Instanzen oder aut gesetzlichem Wege gültiges Recht und damit Klar­heit geschaffen würde.

Die Fuldaer Verfassungsseier.

Eine eindrucksvolle vaterländische Kundgebung.

Dr. Weymar zieht Schlußfolgerungen Ein packender Aufruf

Nicht viele werden unter den Hunderten von Besuchern der gestrigen Fuldaer Derfasiungsfeier gewesen sein, die auf eine lückenlose Folge der Fuldaer Verfassungsfeiern im letzten Jahrzehnt sich zu erinnern wußten. Nur wenige werben es gewesen sein, die auch schon dabei waren, als man in vergangenen Jahren an schlichten Tischen zusammensaß, um über Sinn und Wesen des Reichsgrundgesetzes etwas zu hören, ohne daß ein sonderlich festlicher Rahmen um die Feier gelegt werden konnte. Und gerade sie, die auch damals schon aus innerer Begeisterung zum deutschen Volksstaat sich bekannten, fest und zuversichtlich, nicht abgeschreckt durch die rauhen Ernüchterungen des Alltags, das Lied von Deutschland sangen, wer­den bet bet wirklich imponierenden vaterländischen Kundgebung, die sich gestern abwickelte, in gehobe­ner Stimmung gewesen sein. Wir haben sie mit durchgerissen, die vaterländische Feier, die gleich­zeitig ein Symbol des neuen Deutschland ist. lieber viele Gräben und Hindernisse ist es gegangen. Aber heute stählt uns der Blick auf den schweren Weg, der gegangen worden ist, die Hoffnung auf die Uebertoinbung der Schwierigkeiten, die noch vor uns liegen. Mutig voran! Gestern ging vater­ländische Wärme und auch ein Gefühl der Volks­verbundenheit durch die Reihen der im Stadtsaal Erschienenen. Da waren die Vertreter der Behörden <nb waren die Männer und Frauen in schlichtem Kleid, Männer des Geistes und Männer der schwie­ligen Faust. Der hohe Kirchenfürst war erschienen, und die Offiziere und Mannschaften der Reichs­wehr hatten sich eingestellt. Die Geistlichen der drei Bekenntnisse nahmen teil. Handel und Wirt­schaft, Wissenschaft, Handwerk, Arbeiterschaft, alle waren vertreten, und kein Mißklang hat die Feier­stunde gestört. Wir Deutsche konnten wenigstens für eine Stunde uns als Volk empfinden. Ist das nicht schon Fest genug?

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Zu einer vaterländischen Feier in Erinnerung an den Erlaß der deutschen Reichsverfassung fand sich gestern abend die Bevölkerung Fuldas zusam­men, und zwar so zahlreich, daß der große Stabt- faail die Menge nicht mehr fassen konnte und man die Türen zum Roten Saail öffnen mußte. Der Hochwürdigste Herr Bischof, die Spitzen der kirch­lichen und weltlichen Behörden in großer Anzahl waren erschienen. Den Führer des Fuldaer Ar­tillerie-Regiments, Generalmajor Beck, der dienst­lich von Fulda abwesend ist, vertrat der Abtei­lungskommandeur, Oberstleutnant Lucht, beglei­tet von zahlreichen Offizieren und einer Gruppe Kanoniere. Sechzehn Fahnenabordnungen der Ful­daer Vereine, darunter auch die Vereine der ehe­maligen Soldaten und Frontkämpfer, die Krieger­vereine, der Gardeverein sowie das Reichsbanner Schwarz-Rot-Eold, waren zur Stelle. Sie hatten sich in weitem Halbkreis rechts und links von der Bühne ausgestellt und trugen wesentlich zur Ver­schönerung des Festes bei. Der Saal bot einen festlichen Anblick. Das strahlende Weiß der Wände, das satte Grün der geschmückten Bühne, das leuch­tende Rot der Bühnenfassung, die Buntheit der Fahnen, der blitzende Glanz der Musikinstrumente, all das floß zusammen zu einer rauschenden Far­bensymphonie. Der Reichsadler, der auf der Bühnenwand aus dem schwarz-rot-goldenen Fahnen-

aus dem Wirken des Freiherr« vom Stein, des Oberbürgermeisters.

tuch Hochwuchs, beherrschte das ganze Festbild und setzte ihm eine weihevolle Krone auf. Doch würde man sich irren, wenn man in der Veranstaltung eine unzeitgemäße Freuden-Feier erblicken wollte. Aus den Gesichtern der Menschen lag wohl der Schimmer des äußeren Festglanzes, aber der Wider­schein von innen heraus fehlte und mußte fehlen. Noch schien die Lust nicht ganz gereinigt von der Spannung der letzten Tage, von all der Aufregung und Not der jüngsten Vergangenheit, die nur der entschlossene Ernst der breitesten Schichten der Bevölkerung meistern kann.

Leuchtende Fansareniiiinze verkündeten den Be­ginn des Festaktes. Die „Festliche Fanfare" von Rust ist so recht geeignet, manche Fessel von Be­drücktheit zu sprengen. Ohr und Auge des Publi­kums verfolgten wohlgefällig die schmetternden Klänge und die rhythmischen, exakten Bewegungen der Kapelle.

Mit einem donnernden Paukenschlag setzte die „Heroische Ouvertüre" ein, die, von der Kapelle des 5. Artillerie-Regiments ebenso sauber durch­geführt wie das erste Werk, begeisterten Beifall auslöste.

Die Festrede

hielt Handelskammer-Syndikus Dr. Weymar, Mit­glied des Magistrats der Stadt Fulda.

Er betonte einleitend, daß der heutige Abend keine Feier im landläufigen Sinne sei, sondern, daß es sich um eine Stunde tiefsten Ernstes und heiliger Entschlüsse, einer Atempause auf dem Wege deutscher, heimatlicher Selbsterhaltung handle. Diese Atempause haben wir nötig, nachdem wir unter der Losung „Der Freiheit eine Gasse" rastlos vorangestürmt sind. Leider ist der Ge­danke der Freiheit, die Sehnsucht aller Deutschen, von vielen mißverstanden worden. Der Freiheitsbegriff wunde für viele zu einer Fata Morgana. Es ist hohe Zeit, daß wir zur Selbstbesinnung kommen, Gewissens­entschlüsse fassen für Gegenwart und Zukunft, vaterlän­dische Entschlüsse im Geiste unserer Geschichte.

In Notzeiten greifen wir gern zum Anker der Ge­schichte. Mehr als einmal gab es für Deutschland Zei­ten gleichen Elends wie heute. Auf das Dunkel folgte aber auch jedesmal wieder ein neues Morgenrot. Nicht fremde Hilfe brachte diesen Aufstieg, sondern nur die Er­neuerung von innen heraus. Das Jahr 1931 ist das Ge­dächtnisjahr eines großen Deutschen, der auf dem Wege der inneren Erneuerung Führer wurde, nämlich des Freiherrn vom Stein. Dieser nassauische Land» edelmann stellte eine Synthese zwischen dem Humanis­mus und der Liberalität des Westens und dem eisernen Pflichtbewußtsein und spartanischen Heroismus des preußischen Ostens dar. Diese Synthese ist der Ursprung seiner Deutschland-Erneuerung. Die Wiege feiner Ver­waltungspraxis stand in Westsalen, wo er auch die grundlegenden Eindrücke und Erfahrungen sammelte, die sich in feiner späteren Reformarbeit ausgewirkt haben. Hier lernte er die ständisch-demokratischen Einrichtungen der Territorial st ände kennen, die sich auf der Bauernschaft selbst aufbauten. Diese Stände, sowie lokal die Erbentage und Kirchspiel­versammlungen bildeten eine Zelle der Selbstver­waltung des freien westfälischen Bauern- geschlechtes.

Gelegenheit, seine Ideen in der Praxis zu verwirk- lichen, gab Stein aber erst die Ausgabe der Eingliede­rung Münsters und Paderborns in den preußischen Staat. Leider wurde seine Reformarbeit durch das

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Blick auf die Derfassuwgsfeier der Reichsregierung im Reichstagsgebäude.

Im Hintergrund die mit den Reichsfarben und der Präfibentenstandarte geschmückte Loge -- des Reichspräsidenten.

Aufmarsch der Fahnenabteilungen bei der Derfassungsfeier der Berliner Schutzpolizei, die zugleich ihrer von Kommunisten ermordeten Kameraden in einer Minute -es Schweigens gedachten.

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