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Stimmen dtr Oppositionspartei 12,420.650^ M Notwendige Stimmernahf 19,184/108

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Stimmen der Regierung** Parteien 8,868,502

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stkchen Minister vor ber, nächsten Dölkerbunds- tagung mit dem Ausschuß zusammentreffen wer­den, wenn sie den Pariser Besuch der deutschen Staatsmänner erwidern.

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wtb. Paris, 11. Aug. (Eig. Meld.). Der usgang des preußischen Volksent- s ch e i d s bildet auch heute wieder das Thema der französischen Blätter, die. wie vor allem ,,Evre No­velle" und „La Republique", nunmehr die Vor­aussetzung für ein Weiterschreiten der deutsch­französischen Verständigung.gegeben sehen.

Reichsresorm?

Wie die „Voss. Ztg." berichtet, wird in Kreisen der S t a a t s p a r t e i der Gedanke erwogen, ei­nen Volksentscheid über die Reichsreform zu veran­stalten. Gleichzeitig meldet das Blatt, daß die preußische Regierung sich mit der Frage der preu­ßischen Verwaltungsreform beschäftigt. Das Ziel ist, die Verwaltungsreform ohne Verfas­sungsänderung durchzuführen, und zwar aus dem Wege der Verwaltungsgemein­schaft zwischen Reich und Preußen.

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Reichspräsident von Hindenburg emp­fing den Reichskanzler Dr. Brüning zur Berichterstattung über den Besuch des Reichskanz­lers und des Reichsministers des Auswärtigen in Rom.

Linksradikale und Rechtsradikale.

Das „Westfälische Volksblatt" sagt:

Vielen Rechtsradikalen war es bei aller Eeg- nerschaft gegen den Staat viel zu ernst mit ihrer Frontstellung gegen den Linksradikalismus, als daß sie es fertig gebracht hätten, Seite an Seite mt't den Kommuni st en für den Volks­entscheid zu stimmen; für sie war der Volks­entscheid in demselben Augenblick erledigt, als die K o m m u n i st e n sich dafür eingesetzt hatten. Daran haben auch alle noch so heftigen Anstren­gungen der rechtsradikalen Wanderredner nichts zu ändern vermocht. Die Anhänger im Lande haben es abgelehnt, auf gegebenes Kommando ihrer Oberleitung gehorsam einzuschwenken. Das ist bei den Linksradikalen in derselben Werse der Fall gewesen. Zwar haben sie (die Korn - m u n r st e n) alles und das äußerste Interesse an dem Zustandekommen einer zeitweiligen Herr­schaft des Rechtsradikalismus, weil sie wissen, daß es einzig auf diese Weise möglich sein wird, Deutschland für den Bolschewismus reis 3‘u machen. Wer zuerst vorprellt und mit dem Umsturz den Anfang macht, muß mit fast mathematischer Sicherheit darauf rechnen, daß er innerhalb kurzer Zeit durch die Kräfte der extremen Gegner von der Bild­fläche weg gefegt wird. Das ist den deut­schen Kommunisten von Moskau her gründ­lich e i n g e b l ä u t worden, und es ist ihren Sendlingen durch intensive Schulungskurse in Mos­kau mit allem Nachdruck zu Gemüte geführt wor­den: es gibt keine solide und dauernde Herrschaft des Proletariats über die bürgerliche Gesellschaft, ohne daß nicht ein Rechtsputsch vorausgegangen ist und die völlige Unterdrückung und Entrechtung der Arbeitermassen den erforderlichen Explosiv- I stoss zur Entfesselung eines elementaren Um­sturzes von unten her geliefert hat. Auch die Kommunisten im Lande haben der Parole ihrer Führer und Wanderredner eine Absage erteilt. Aber es ist in der Hauptsache nur deshach geri schehen, weil sie die Taktik ihrer Führung nicht genügend erfaßt und durchschaut hatten, und die Führung wiederum hatte sich aus begreiflichen Gründen gescheut, ihre letzten Ziele so offen heraus­zusagen, daß jeder Kommunist im Lande den eigentlichen Sinn dieses Anschlusses an den Volks­entscheid begreifen konnte. Wer die Wanderredner der Kommunisten mitangehört und die kommuni­stische Presseagitation mit der nötigen Gründ­lichkeit studiert hatte, der hatte wohl kaum damit gerechnet, daß der Zustrom an kommunistischen Stimmen allzu stark ausfallen werde. Hätten die Kommunisten lediglich für ihre eigene Sache ein­zutreten gehabt, ohne durch den Rechtsradikalismus beschwert zu sein, dann wären Sonntag nacht wesentlich andere Stimmziffern zu ver­zeichnen gewesen.

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Fest steht jedenfalls, daß in Industrie­städten sich Kommunisten tn großem Um fang an der Abstimmung beteiligt haben. Aus Hanau wird z. B. gemeldet, oaß dort in den Arbeiter-Wohnvierteln die st ä r k st e Beteiligung war. Westdeutsche Bezirke mit starker I Industrie-Arbeiterschaft haben weit höhere Stimm­zahlen, als sie bei dem Volksbegehren vorlagen, während rn den industriearmen Orten die Stirnin- zahlen gegenüber dem Volksbegehren viel weniger angewachsen sind.

Eine merkwürdige Ausrede!

Der Hugenberg-Presse ist das Scheitern des Volksentscheids eine sehr peinliche Angelegenheit. Daß man natürlich dieses Fiasko mit allen Mitteln denjenigen, die man bisher aufgeputscht, und denen man Siegesgewißheit vorgetäuscht hatte, be­greiflich zu machen sucht, ist ja an sich erklärlich, aber die Ausreden spekulieren nachgerade auf Un- I kenntnis, um nicht zu sagen, auf die Dummheit der Hugenberg-Presse-Leser. Wenn z. B. der „Ber­liner Lokalanzeiger" erklärt, es habe sich ja gar nicht um eine geheime, sondern um eine offene Wahl gehandelt, und jeder, der zum Abstimmungs- I lokal gegangen sei, habe sich als Gegner der preu­ßischen Regierung bekannt, sodaß Beamte, Ge­schäftsleute usw. nicht hätten zum Volksentscheid gehen können, — so ist diese Ausrede einfach lä­cherlich. Die Abstimmung des Volksentscheids ist absolut geheim, und es ist durchaus nicht so, daß I jeder, der zur Abstimmung ging, mit Ja zu stim­men brauchte, der konnte auch ebensogut mit Nein stimmen.

Tatsächlich haben ja auch nahezu 400 000 Ab­stimmende mit Nein gestimmt.

Letzte Rachrichlen.

Keine Teilnahme Ghandis an der Rundtisch-Konferenz?

wtb. Dvmbay, 11. 8. (Eig. Meld.), Ehandi hat in einem Telegramm an den Vizekönig von Indien erklärt, daß es ihm wohl schwer fallen werd«, sich zur Rundtisch-Konferenz nach London zu be­geben. Zn nationalistischen Kreisen glaubt man zu wissen, daß Ghandi diesen Entschluß gefaßt habe, weil er mit einem Briefe nicht einverstan­den sei, den der stellvertretende Gouverneur von Bombay Hotson an ihn richtete. Es handelte sich um die Bezahlung von Grundsteuern in der Provinz-Gujerat.

-Insgesamt Stimmberechtigte 26.368.215

I ganzes Volk angerichtet zu werden drohte und zum guten I Teil bereits angerichtet worden ist.

Wir brauchen heute nicht mehr viel zu sagen von dem Schapen für die innerpolitische, vor allem für die inner-

I wirtschaftliche Arbeit. Wohl aber muß ein Wort gesagt I werden über die Rückwirkung auf das Ausland.

Davon haben wir vor dem 9. August mit voller Absicht w e n i g er geredet, als es andere Blätter für richtig hiel­ten, weil wir nicht den Anschein erwecken wollten, als sollten fremde Hilfskräfte zur Stützung der preußischen und der Reichsregierung herbeigerufen werden. (Die Fuldaer Zeitung hat gleichfalls alle die vorliegenden Aus­landsmeldungen gegen den Volksentscheid in den Pa­pierkorb versenkt. Die Schrift!.) Aber jetzt tut doch ein offenes und um so kräftigeres Wort not über die Ver­antwortungslosigkeit politischer Führer, denen keinen Augenblick verborgen bleiben konnte, welchenGefah- ren jte ihr Vaterland durch diesen wüsten und | verhetzend geführten Abstimmungskampf ausgesetzt haben. Die Verhandlungen über das ..Stillhalten" der fremden Finanzmächte wurden dadurch sichtbar gehemmt. Stärkste Beunruhigung auch in jeder anderen Hinsicht hatte mcht bloß die finanziellen Kreise des Auslandes, sondern die ganze öffentliche Mei­nung ersaßt. Jedermann mußte sich darüber klar fein, welche Folgen nun gar ein Sieg des Volksentscheides nach sich zöge: Folgen nicht bloß für den finanziellen Kre­dit, dessen wir in Zukunlt doch immer noch bedürfen werden, sondern schwere, kaum gut zu machende Folgen für das politische und moralische Ver­trau en der Welt, ohne das nur Dilettanten und Hohlköpfe irgend eine Außenpolitik machen zu können sich einbilden.

_ Vertrauen, Vertrauen in jeder Hinsicht ist wohl am stärksten das geistig-seelische Faktum, um welches bei dem politischen Ringen an diesem 9. August die Entscheidung ging. Wenn andere Völker, ihre Kapitalverwalter, ihre Kapitalbesitzer, ihre Politiker, ihre öffentliche Meinung zu uns Vertrauen haben sollen, bann müssen sie zuerst sehen, daß wir uns selbst vertrauen. Dann müssen sie sehen, daß das Volk in seiner Mehrheit der Regie- rung vertraut, die mit den Fremden verhandelt. Soweit ein Vertrauensvotum in dem Abstimmungsergeb­nis des vergangenen Sonntags liegt, gilt das Vertrauen sicher ebensowohl der Regierung des gegenwär­tigen Reichskanzlers wie der des preußi­schen Ministerpräsidenten. Ministerpräsident Braun ist ja wohl ein zu kluger und nüchterner Kopf, um sich allzu weitgehenden Illusionen über das Vertrauens­votum hinzugeben, das er dem Zuhaufebleiben von 16 Millionen gegenüber 9,7 Millionen Opponenten entneh­men könnte. Der Jurist würde hier vielleicht von einem Vertrauensvotum per exclusionein (durch Ausschluß an­derer Möglichkeiten) reden. Es ist eben nicht so, daß eine Mehrheit sich positiv für die gegenwärtige preußische Regierung entschieden hätte. Wohl aber hat (auch wenn man für Nichtwähler aus dauernder politischer Gleich­gültigkeit, Krankheit usw. die beträchtliche Zahl von 4 Millionen abzieht) eine ganz klare und wesentliche Mehr- heit des Volkes kundgetan, daß sie zu keiner anderen heute möglichen Regierungskoalition größeres Vertrauen haben würde.

Wie es im Rheinland war.

Und eine Schlußfolgerung.

Die „Kölnische Volkzeitung" schreibt zum Aus­gang des Volksentscheids:

Das Rheinland hat bis auf wenige Bezirke den Volksbegehrlern ein« schroffe Absage gege­ben, und insbesondere der politische Sinn und die Disziplin der Z e ntrumsw ä hle r hat auch diesmal allen Verlockungen und propagandisti­schen Kräften in bewundernswerter Weife stanögehalten. Sie waren sich viel zu klar darüber, daß der Volksentscheid über Preu­ßen hinweg nach der Gewalt im Reiche zielte, und daß sein Erfolg nichts anderes bedeutet hätte als eine ernst «Störung der Rettung s- und Aufbauarbeit 6er Regierung Brü­ning. Eg ist wohl anzunehmen, daß auch in an­deren Kreisen diese Erkenntnis parteipolitische Er­wägungen und Stimmungen zurückgedrängt hat. Vielleicht haben dazu gerade die hetzerischen und großsprecherischen kommuni st ischen Plakate und Anklebezettel nicht wenig beigetragen.

Schon kommen auch zahlreiche Einzelergebnisse aus Westfalen, dem Maingau und aus den mittle­ren Provinzen. Wo Kommuni st en und N a- t i o n a l s o z i a l i st e n die st ä r k st e n Parteien sind, steigen die Ziffern an, aber selbst in Hoch­burgen bleiben sie weit hinter dem notwendigen Prozentsatz von 50 und darüber mehr oder weni­ger zurück. Wo die Volksbegehrler, wie in Halle, die 50 v. H. überschreiten, bleiben sie doch auch un­ter ihren Zahlen bei der Reichstagswahl. Wenn auch ein Volksentscheid einer allgemeinen Reichs­tagswahl nicht genau vergleichbar fein mag, so hatten doch gerade bei diesem Volksentscheid feine Urheber etwas ganz anderes von ihm erwartet. Die Frage ist berechtigt, ob sie ihre Gefolgschaft vom 14. September noch vollständig hinter sich ha­ben. Und wenn sie daran glauben, so werden sie sofort die andere Frage sich vorzulegen haben» warum denn diese Gefolgschaft diesmal nicht ge­schlossen ihrer Parole folgte. Eine gründliche und ehrliche Gewissenserforschung könnte ihnen jeden­falls und in jeder Hinsicht nur heilsam fein!

Für uns aber und für alle, die mit uns über­zeugt sind, daß es heute um ernstere und w i ch- tigere Dinge geht als um der Parteien Macht in einem deutschen Landtag, bleibt neben der Genugtuung, daß eine schwere Gefährdung der Gesamtinteressen Deutschlands noch einmal vermieden worden ist, die Frage nach ge­wissen Folgerungen zu stellen; nach der Richtung besonders, wie der P r im at der R ei chsint er­es s e n und der Re i ch s p o l i t i k in einer Pe­riode voll so lebenswichtiger Entscheidungen un­bedingt sicherzustellen ist. Der Ausgang des 9. August hat allen, die es wirklich gut mit dem deutschen Volke meinen, eine gewisse Erleich­terung gebracht; aber wir für unseren Teil jeden­falls möchten uns dabei keineswegs endgültig be r u h i g e n. Eine energische Zusammenfassung aller Kräfte ist mehr denn je notwendig. Nur wenn der 9. August dies der Mehrheit unseres Volkes klarer als bisher gesagt hat, wird man von ihm sagen dürfen: er hat doch sein Gutes ge­habt.

Die Stärke der Parteien im Preußischen Landtag nach den Ergebnisien der Reichstagswahl vom 14. September 1930. Man sieht, wie groß der Block der Parteien war, der hinter dem Volksentscheid stand. Gleichwohl ist es ein Mi ßerfolg geworden. Die vernünftige lieber- legunq, daß eine Aktion, an der Rechts radikale und Links radikale betätigt waren, keinen po­litischer Sinn haben könne, ist doch häufig genug angestellt worden und hat den Erfolg verhindert, .. . ... ।

Die Parole nach hem Volksentscheid

Sammlung und innerer Friede!

Der Volksentscheid ist abgetan, Preußen und Reich können auf beruhigter und auch gefestigterer Basis wellerarbeiten.

Wir begrüßen dieses Ergebnis. Wir begrüßen es namentlich, weil es den Elementen des A u f b a u s neues Feld zur Betätigung gibt.

Wenn aber dieses Ergebnis erzielt wurde, so doch nur, weil auch in breiten Schichten der hinter dem Volksentscheid stehenden Parteien der Ge­danke Fuß gefaßt hat, daß die Aufbaupoli- tik Brünings die richtige ist und daß der von Brüning beschrittene Weg weiter gegangen werden muß.

Und so ist unsere Parole nach dem Volks­entscheid: Sammlung der positiv schaffenden Kräfte, wo immer sie stehen, Zusammenfassung aller derjenigen gutgesinnten schöpferischen Kräfte, die mit Hand anlegen zu gemeinsamem Wirken zum Wohle des Ganzen!

Und um diese Parole in die Tat umzusetzen, verlangen wir den Burgfrieden. Einen Frie­den der Parteien untereinander, die im Bewußtsein dessen, was auf dem Spiele steht, gemeinschaftlich mit Hand anlegen wollen, damit wir die schweren Monate, die vor uns stehen, in einträchtigem Zusammenwirken überwinden.

Was wir jetzt brauchen/ ist Sammlung, ist innerer Friede! Alle, di« bereit sind, in diesem Geiste und in diesem Sinne mitzuarbeiten, sind I uns von Herzen willkommen.

Ein witziger Kölner schreibt: Es ist am Mon­tag nach der Abstimmungsschlacht nicht ohne Reiz, noch einen Abschiedsblick auf 6ie Plakate an I den Tafeln und Zäunen zu werfen. Gegenüber der St. Mauritiuskirche in Köln kleben an einem langen Zaun Riesenplakate der Nationalso­zialisten neben den kommuni st ischen. Der Alte Fritz, so verkünden jene, fei in Adolf Hitler wiedererstanden. Schade, daß der große Adolf selbst mit Hilfe Thälmanns, des bolschewists. scheu Reitergenerals, feinen Sieg erfochten hat. Wir fürchten, der alte Fritz, der auch ohne Bun­desgenossen zu siegen verstand, droht aus dem Him­mel herab mit seinem Krückstock den Herrschaften, die seinen Namen mißbrauchen. Und noch eins: in großen Lettern ruft das nationalsozialistische Plakat zur Entscheidung, zur „Abrechnung" auf mit dem bedeutsamen Entweder-Oder

Jetzt oder Nie!

Es war halt wie bei manchem Echo — das „Jetzt" ist verweht und verklungen, was nachhallt, ist das

Hebet das Volksenlscheid-Etgebnis

sagt die „Frankfurter Zeitung", die mit ihren Ansichten namentlich in wirtschaft­lich orientierten Kreisen unserer engeren Heimat starke Beachtung zu finden pflegt, u. a.:

Es gibt eine Demagogie, die sich überschlägt und die sich damit selbst erledigt. Ein volles Dutzend Parteien hatte sich zusammengetan, sechs weitere Dutzend großer und kleinerer Verbände hatten sich eingereiht in die Front, die gegen Preußens Regierung und gegen die Politik der Reichsregierung anrannte. Dann stieß noch die große linksradikale Partei hinzu, der das wirtschaftliche und soziale Elend neue Massen zuzutrei­ben versprach. Alle äußeren Voraussetzun- gen des Erfolges schienen für die Attacke dieses Volks­entscheides gegeben zu fein. Aber es gibt neben den „nackten Tatsachen" des Realpolitikers, neben feinen Zif­fern, feinen materiellen Faktoren und Berechnungen doch noch etwas anderes. Es gibt etwas Unwäg­bares, es gibt ein Gefühl für gesunde Wirklichkeit und ein Gefühl für Verantwortung: Unwägbares, das gewiß nicht jederzeit, aber doch zuweilen in den Augen­blicken der äußersten Not sich durchsetzt.

Vielen, hie am Sonntag von ihren Führern vergebens an der Urne erwartet wurden, mögen nicht alle inneren Gründe ihres Fernbleibens klar bewußt gewesen fein. Es war doch ein gesundes Gefühl, das in ihnen rebellierte gegen die Unwahrhaftigkeit des Angriffs, der da geführt wurde. Schon die zwölf Parteien der sogenannten „nationalen Opposition" sind ja unter sich derart divergent, daß sie positive Arbeit kaum in Ge­meinschaft würden leisten können. Ganz offensichtlich wurde die Unfruchtbarkeit, die Unwahrhaftigkeit des Kampfes, als der Kommunismus den bürgerlichen Angreifern sich zugefellte. Jetzt wurde es „geradezu ein Selbstmordverfuch", sagt gestern früh ein volksparteil. Blatt, das vorgestern noch die wuchtigsten Kampfartikel für diesen Selbstmord brachte. Man kann sich in der Tat schwer vorstellen, daß die Autorität solcher Parteiführer wie der Herren Dingeldey oder Dre» w i tz, die ihre bürgerliche Gefolgschaft in eine Kampffront mit Hitler und Thaelmann eingebracht und in ihr zu schwerster Niederlage geführt haben, ganz unerschüttert bleiben könnte. Aber was schert uns die Rückwirkung auf kleine oder auf größere Parteihäup­ter! Sehr viel gewichtiger ist der Schaden, der für unser

Aber auch die Kommunisten einerseits und die Nationalsozialisten andererseits, die Wohl die schärfste, brutalste und unbedenklichste Propaganda geführt haben, Werden sich von diesem Schlag kaum mehr erholen. Bei den Kommunisten gärt es gewaltig, bei den Nationalsozialisten ebenso. Die Erkenntnis, daß gegenüber den Reichstags­wahlen die Volksentscheidsparteien rund drei Millionen Stimmen verloren haben, zeigt aber auch, daß die Bäum« des Radikalismus nicht in den Himmel wachsen, daß unser Volk sich besinnt und daß es doch dahintergekommen ist, wie seine Interessen mißachtet, ja geradezu verraten werden von denen, die nur im Ver­hetzen und Niederreißen groß, aber nicht imstande sind, auch nur eine einzige positive Tat zu voll- bringen.

Diese alle halten doch lieber zu dem Reichs­kanzler Dr. Brüning und seiner ruhigen, ziel­sicheren, überlegten Art, von der sie gerade in den letzten Wochen den Beweis nicht nur gesehen haben, sondern auch in der Praxis verwirklicht fanden, daß unermüdliches, beharrliches Streben zum Ziele führt.

So ist der Ausgang des Volksentscheids der Sieg der Besonnenheit und Disziplin, er ist damll eine Absage an den Radikalismus von rechts und links und das Bekenntnis, unbe­irrt durch alle Entzweiungen und Vergiftung den j geraden Weg der Pflicht zu gehen.

Ursprünglich war der Volksentscheid eine Aktion des Stahlhelm, der sich des bis dahin immer verschmähten parlamentarischen Mittels bediente, um nach der politischen Macht zu streben, im Grunde aber um dem unbefriedigten, persönlichen Ehrgeiz gewisser „Führer", die irgendeine Rolle spielen wollten, zu dienen. Was wird nun mit solchen Führern, die ihre Truppen einer vernichtenden Niederlage überantwortet haben, geschehen? Wird dieses Fiasko das Sig­nal zur Besinnung und Umkehr im Stahlhelm geben?

Diese Frage muß auch an die Deutsch- nationalen gerichtet werden. Es war ihnen von Anfang an nicht ganz wohl zumute, die Aktion des Stahlhelm sozusagen unterstützen zu müssen. Aber mitgegangen, mitgefangen! Als das Volksbegehren, wenn auch mll einer kümmerlichen

Mehrhell, durchging, wuchs der Appetit, und wenn man auch immer noch zweifelhaft über das Ge­lingen des Volksentscheids selber war, so veran­laßte doch die Beteiligung der Kommunisten den „Führer" Hugenberg zu dem jubelnden Aus- ruf: „Das ist jetzt anders!"

Und es wurde in der Tat „anders"! Dieser Ausgang des Volksentscheids ist eine unerhörte und in diesem Ausmaß auch von den schärfsten Gegnern der Deutschnationalen gar nichr erwar­tete Blamage, die Hugenberg, gerade dem Ver­treter der Theorie, daß nach einem Miß­erfolg der Führer in der Versenkung verschwinden müsse, zum Abtreten vom politischen Schauplatz veranlassen müßte. Denn der Weg der Deutschnationalen Volkspartei ist seit der Hugenberg'schen Führung immer weiter abwärts gegangen, und es wird für alle Zei­ten ein nicht austilgbarer Fleck auf dem Schild dieser Partei sein, daß sie sich in einem Bunde mit den Kommunisten zur Erreichung eines aus purem Parteifanatismus gesteckten Zieles zusam­menfand und dabei zugrunde ging.

Für die Deutschnationalen wird dieser Aus­gang des Volksentscheios einen Anfang einer gründ­lichen Säuberung im eigenen Lager bedeuten, der Zerfall ist gar nicht aufzuhalten, wenn­gleich seine Auswirkungen nicht von heute aus morgen eintreten werden.

In der Volksentscheidsnacht ist in Berlin Blut geflossen! Den Toten, die während der Agi­tation und Propaganda um den Volksentscheid m Preußen und darüber hinaus gefallen waren, sind rn Berlin ein Dutzend mehr in einer einzigen Nacht gefolgt! Es spielten sich Er­eignisse ab, die an jene unseligen Vorgänge vom Mai 1929 erinnerten. Nur mit dem Unterschied, daß diesmal der bewaffnete Kampf der Kommu­nisten bis in Einzelheiten militärisch organisiert war. Ganze Häuser wurden besetzt und aus den Fenstern heraus nicht blindlings, sondern mit be­stimmter Zielsetzung geschossen. Als erste Opfer fielen zwei Polizeihauptleute, auf die es die Kom­munisten nach ihren eigenen Erklärungen ganz besonders abgesehen hatten. Diese Ofsiziermorde bildeten nur eine Fortsetzung in der Reihe der schon voran gegangenen Morde an Berliner Schupo- Offizieren, deren Täterschaft bis heute noch nicht aufgeklärt werden konnte.

Die Beteiligung der Kommunisten am Volks­entscheid war, tote die Kommunisten selbst zuge­geben haben, von Moskau befohlen. Es war den deutschen Kommunisten auch befohlen, eine „revolutionäre Aktion" zu inszenieren, um auf diese Weise die revolutionäre bolsche­wistische Bewegung vorwärts zu bringen. Die Kommunisten rechneten offenbar mit einem Durch­dringen des Volksentscheids und infolge davon mit einer größeren Verwirrung, bei der sie, noch dazu mit Waffengewalt, sich die Oberherrschaft sichern zu können glaubten. Nach­dem der Volksentscheid fehl gegangen war, mußte sich die kommunistische Leitung vollkommen klar darüber sein, daß ein strenges Strafgericht von Moskau aus über die Verantwortlichen an dieser Niederlage erfolgt, und um offenbar den Willen zur revolutionären Aktivität zu beweisen, haben die Kommunisten dann jene Mutigen Vorgänge inszeniert.

So können die Dinge unmöglich weiter gehen. Hüben und d r üben wird in einer unver­antwortlichen Weise gehetzt, die Ju­gend, schon 12- und 13jährige Burschen, wird in den Kampf mit hineingezogen, eine Radikalisie­rung gerade dieser jungen Burschen hat Platz gegriffen, die schreckenerregend ist.

Jetzt muß der Staat alle seine Machtmittel anwenden, um diesem Radikalismus ein Ende zu bereiten. Es darf in diesem Kampfe keine andere Richtschnur geben, als die des Wohles der Gesamtheit. Daraus ergeben sich auch die erforderlichen Folgerungen, die notfalls mit aller Rücksichtslosigkeit gezogen toetben müssen.

VOLKSKONS. +HA NNO V. 447297

KOMMUNISTEN 3,141,547

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DEUTSCHE VOLKSP.

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I NATIONALSOZIALISTEN 3,967,379

ZENTRUM 3,163,012

DEUTSCHNATIONALE 1,968,6 58