nd UN- Nachbargebiek
moaer
Begebenheiten aus aller Welt
und
Von der Thüringer Fertigindustrie.
In Thüringen sind Beschäftigungsgrad
Der heftige Sturm an der Südküste Frankreichs fall 10 Todesopfer gefordert haben. Die Zahl der Vermißten steht noch nicht fest.
Krankenhauses, der sich auch ständig erweitert. Auf derselben Linie liegt dann der Schaden beim neuen Röntgen- Institut. Alle genannten Bauten wurden unter der Leitung von Prof. Elsässer ausgeführt. — Dazu kommen nun auch die erheblichen Kostenüberschreitungen bei Bauten, die Prof. Elsässer ausführte, so beim Fechenheimer Hallenbad (um mehr als 250 000 RM.s, beim Gesellschaftshause des Palmengartens (um 360 000 RM.) — Der Magistrat soll nunmehr der Stadtverordnetenversammlung eine Gesamtübersicht über die Bauschäden geben und die Schuldftage klären. —- Es hat sich bis jetzt herausgestellt, daß der Flachdachbau sich nicht bewährt hat und für unsere Verhältnisse nicht geeignet erscheint, wie sich auch bei den großen Siedlungsbauten in Praunheim immer mehr herausstellt.
— Gründliche Arbeit. Nach einer vierzehntägigen Ferienreise kehrte Freitag eine in der Gellertstraße wohnende Dame nach Frankfurt zurück. Sie fand die Wohnung leer. Nur die schweren Möbel schauten fie an. Diebe, die mit den Verhältnissen gründlich vertraut gewesen sein müssen, hatten die Abwesenheit der Frau zur völligen Ausplünderung der Wohnung benützt. Sämtliche Betten, alle Kleider, Pelze, Schmucksachen, das Silbergeschirr, der Rundfunkapparat, einige Stühle, die Nähmaschine, aus der Küche ein Teil des Geschirrs, die Küchenwage, ferner etliche Bilder, kleine Tische, Bücher, Kissen: alles, alles fehlte und war in die Hände der Diebe gefallen. Aus dem Keller hatten die Burschen zwei Damenfahrräder und andere Dinge geholt. Die Einbrecher hatten die Schlüssel zu den einzelnen Schränken aus dem Büfett hervorgesucht. Zum Fortschaffen der Sachen müssen sie zweifellos mehrere Nächte gebraucht haben. Bis zur Stunde fehlt von den Einbrechern jede Spur. Der Wert der Sachen wird von der Bestohlenen auf mehrere tausend Mark geschätzt. ______________________
Nachbarkreue — Nachbarhilfe.
Ein schönes Beispiel von nachbarlicher Verbundenheit ist aus dem Eifelkreise Schleiden zu melden: In dem Dörfchen Berk kam Freitags abends ein zwanzigjähriges Mädchen von der Heuarbeit im Walde nicht zurück. Die Angehörigen durchsuchten Tag und Nacht die Wälder und fanden keine Spur. Am Sonntag wurde festgestellt, daß die Vermißte am Samstag abend in den Wäldern
* Traurige Ueberraschung bei der Heimkehr. Als der reichsdeutsche Privatbeamte Dr. Wilhelm Weider in Wien heimkehrte, sand er seine Frau und seine Tochter erhängt auf. Er schnitt die Körper sofort los, doch war bei beiden der Tod bereits eingetreten. In einem Abschieds- brief erklärte die Mutter, sie habe keinen Mut mehr zum Weiterleben. Die Tochter muß ihr aus eigenem Entschluß in den Tod gefolgt sein.
* Die größte Ananassabrik der Welt. Der Bau der größten Ananassabrik der Welt ist jetzt in Honolulu fertiggestellt worden. Aus dieser Fabrik sollen jährlich 175 Millionen Bihhsen Ananas versandt werden. Man hat kalkuliert, daß täglich 50 000 Büchsen gefüllt werden müs- sen. Zur Herstellung dieser Büchsen sind jährlich mehr als 14 000 Pfund Zinn nötig. Die Ananasindustrie, die seit 30 Jahren besteht, ist eine der bedeutendsten Einnahmequellen von Honolulu.
* Ein Primaner von einem Förster erschossen. In Vohren bei Essen geriet der Förster Eickhoff mit dem Besitzer Bußmann und seinem Sohn, einem Primaner, in einen Streit, in dessen Verlauf der junge Bußmann getötet wurde. Zwischen den Familien Bußmann und Eickhoff bestand seit längerer Zett ein gespanntes Verhältnis, da der Förster Verdacht hegte, daß Buß» mann wildere. Als Eickhoff das Grundstück des Bußmann durchqueren wollte, geriet er mit diesem in einen Wortwechsel. Der Förster gab mehrere Schüsse ab und traf den Primaner tödlich.
des Gletschers innerhalb der letzten 12 Jahre an dessen Oberfläche gekommen sein. Die Gendarmerie ist bemüht, die Zusammenhänge dieser Touristentragödie aufzuklären.
Zeitz festgenommen worden. Die Witwe Knittel ist inzwischen ihren Verletzungen erlegen.
In Friedelshausen (Kr. Meiningen) geriet ein 54 Jahre alter Landwirtschaftsgehilfe bei Arbeiten an der Strohpresse mit dem rechten Arm in die Maschine. Mit schweren Verletzungen wurde er ins Meininger Krankenhaus gebracht.
Wie die Reichsbahndirektion Erfurt mitteilt, entgleisten am Freitag, 22 Uhr, auf dem Bahnhof S a a l f e l d infolge Flankenfahrt einer Rangierabteilung mit einem einfahrenden Güterzug vier Wagen und im Güterzug ein Wagen. Personal wurde nicht verletzt, der Sachschaden ist gering.
In Clausthal-Zellerfeld brach ein Großfeuer aus, das innerhalb kurzer Zeit fünf Häuser mit den Nebengebäuden in Asche legte. Durch die Feuerbunst wurden 12 Familien obdachlos.
Bluttat einer Geistesgestörten.
Eine Krankenschwester erschießt ihren Direktor.
Aus Leipzig wird gemeldet:
Die 27jährige Krankenschwester Dora Mül- l e r gab Sonntag abend gegen 8 Uhr auf den Verwaltungsdirektor des Krankenhauses St. Jakob in Leipzig, Dr. Willi Lehmann, als er sich auf dem Heimweg vom Krankenhaus befand, hinterrücks einen Schuß ab, der Dr. Lehmann in den Hinterkopf traf und zu Boden streckte. Die Täterin schoß dann noch ein zweitesmal auf den am Boden Liegenden. Ein auf die Schüsse herbeieilender Reichswehrsoldat konnte der Müller den Revolver widerstandslos abnehmen und sie zur Polizeiwache führen. Die Verhaftete lehnt jede Erklärung für ihre Tat ab. Allem Anschein nach hängt die Tat mit der zwangsweisen Beurlaubung der Müller zusammen, die einen geistesgestörten Eindruck macht. Sie war bisher im Krankenhaus St. Jakob bedienstet, wo sie auch vorläufig noch bis zum Abschluß eines Disziplinar- prozesses wohnte.
* Do blieb die Verlenhalsketie? Einen schweren Verlust hat eine Engländerin Miß Watson aus London erlitten. Sie reiste von Wien nach Nürnberg und mußte bei der Ankunft dort feststellen, daß ihr eine Halskette von 127 echten orientalischen Perlen mit Diamantschloß abhanden gekommen war. Ob die Kette verloren oder gestohlen wurde, steht noch nicht fest. Das Schmuckstück hat einen Wert von 540000 Mark.
* Schwimmrekord einer 14jährigen Amerikanerin. Ein 14jähriges Mädchen namens Mary Bell aus Port Dalhoufe (Ontario) durchschwamm die äußerst gefährliche Strecke unterhalb den Niagara-Fällen und verbef- ferte gleichzeitig die bisherige Rekordzeit um eine Minute Sie ist die erste weibliche Perlon, der diese schwimmerische Leistung gelungen ist.
* Behebung der Jhehoer Zahlungsschwierigkeiten. Schneller als erwartet, konnten die Zahlungsschwierigkeiten in Itzehoe behoben werden. Noch am Samstag teilte der Magistrat mit, daß genügend Zahlungsmittel hereingekommen seien, um die Ausgabe von Gutscheinen vermeiden zu können. Auch der restliche Betrag der Beamtengehälter wird nunmehr ungeteilt zur Auszahlung gelangen.
* Räiselhastes Ende einer Bootsfahrt. Der Bauunternehmer Hamann fuhr, wie aus Friedrichshafen gemeldet wird, mit Frau und zwei Kindern mit einem Ruderboot auf den Bodensee hinaus. Gegen abend fand ein Fischermeister das Ruderboot in einwandfreiem Zustande und in der Nähe des Bootes die Leiche der Frau Hamann auf. Die Handtasche und der Mantel der Frau lagen im Boot. Man nimmt an, daß die Familie Hamann freiwillig aus dem Leben geschieden ist. Die Leiche der übrigen Ertrunkenen tonnte noch nicht aufgefunden werden.
Folgen der Trunkenheit.
= Limburg. Im betrunkenen Zustand sing ein Hausbesitzer mit feinen Mietern einen Streit an, der soweit führte, daß eine Mieterin in Ohnmacht fiel und die Polizei einschreiten mußte, die den Mann festnahm. Während des Streites entfernte sich das sechsjährige Söhnchen des Verhafteten und ging an die Lahn, wo es beim Spielen ins Wasser fiel und ertrank. Als die Mutter von dem Tode ihres Kindes hörte, erlitt sie einen schweren Nervenzusammenbruch. Die Leiche des Kindes konnte inzwischen geborgen werden.
Kleine Nachrichten.
Die beiden Räuber, die am Dienstag in der Wohnung des Landwirts Kayser in Hohenebra die Witwe Knittel überfielen, fesselten und schwer verletzten. um ungestört stehlen zu können, sind in
Ein Gletscher gibt seine Opfer frei.
Spurlos verschwundene Bergsteiger von 1919 gefunden.
Nach Blättermeldunaen aus Innsbruck sind bei alpinen Hebungen des Bundesheeres im Gletschergebiet des oberen Zillertales die Leichen des Innsbrucker Universitätsprofessors Koban und des Wiener Bankbeamten Anlauf gefunden worden, deren spurloses Verschwinden im Jahre 1919 bei einer Bergtour oberhalb der Berliner Hülle unweit der italienischen Grenze großes Aufsehen erregte. Es wurde damals der Verdacht ausgesprochen, daß die beiden Bergsteiger von italienischen Grenzsoldaten oder von Schmugglern erschossen worden seien. Nach den Umständen, unter denen die Leichen gestern entdeckt wurden, dürften Koban und Anlauf aber in eine Gletscherspalte gestürzt und ihre Leichen jetzt bei dem stetigen Zurückweichen
Neues aus Frankfurt.
= Die Berfaffungsfeier der Stadl Frankfurt a. in. Die offizielle Verfafsungsfeier der Stadt Frankfurt a. M., an der die Reichs-, Staats- und Kommunalbehörden, sowie die sonstigen öffentlichen Körperschaften teilnehmen, findet am Dienstag, den 11. August, um 17 Uhr in der Paulskirche statt. Die Feier wird durch musikalische Borträge des Opernhausorchesters umrahmt. Die Festansprache hält Dr. P a q u e t. Außerdem werden anläßlich des Verfassungstages durch den Verkehrsverein Platzkonzerte veranstaltet werden.
— Der Bankdireklor, der mit Abführmitteln handelt. Das Große Schöffengericht verhandelte in ganztägiger Sitzung gegen den ehemaligen Direktor einer Großfiliale der Diskonto-Gesellschaft, Rob. Krebs, der sich den Vertrieb eines „Imbak" genannten Abführmittels hatte angelegen fein lassen. Er gab feine Banktätigkeit auf und gründete eine G. m. b. H., die den Jmbakstoff selbst unter den Chinesen und Südamerikanern verbreiten sollte. Dazu wurden erhebliche Kapitalien, zum Teil auch aus dem Ausland, hereingenommen. Die Firma aber konnte trotz ihres ausgezeichneten Abführmittels keine Geschäfte machen und die Gläubiger hatten schließlich mit 60 000 RM. Einlagen das Nachsehen. Das Gericht erkannte gegen den Gründer wegen Betruges auf ein Jahr Gefängnis.
— Bauschäden an neuen städtischen Bauten. Man schreibt uns: Das Hochbauamt hat mit den in den letzten zwei Jahren hergestellten Millionenbauten entschieden schweres Pech. Denn zp den schon bekannten schlimmen Bauschäden an den Dachkonstruktionen an der Konrad Haenisch-Schule und der Friedrich Ebertschule gesellen sich jetzt weitere Fälle. An den neuen Reparaturwerkstätten des Elektrizitätswerkes an der Gutleutstraße — erst vor 1/4 Jahren in Betrieb genommen — stellt sich die Dachkonstruktion als mangelhaft heraus. Sie läßt in zunehmendem Maße die Feuchtigkeit durch. Aehnlich ist sodann der Schaden am Schwesternhause des Städtischen
Umsatz der Fertigindustrien im Juni erneut zurückgegangen. So hat sich die Beschäftigung in der Porzellanindustrie der glasverarbeitenden Jn- Hustrie und der Textilindustrie wiederum oer- kchlechtert, während die Verhältnisse in der Eisen-, Metall- und Maschinenindustrie sowie in der Spielwarenindustrie unverändert geblieben sind.
Die Zahl der Zwangsversteigerungen ist in der letzten Woche nach dem starken Anstieg in der Vorwoche wieder auf den normalen Wochendurchschnitt zurückgegangen.
Reuß sowie Prinz zu Solms teilnahmen. Unter Glockengeläute wurden die vier Särge in das Auto gebracht, das sie nach Ebersdorf überführte, und dort abends bei Fackelschein beigesetzt.
bet Neuhaus gesehen worden sei. Jetzt zog am Kir- messonntag die ganze Bevölkerung von Berk nach jener Richtung hin auf die Suche. Gegen Abend wurden die Nachbardörfer alarmiert, deren naheM gesamte Einwohnerschaft sich an der Suche beteiligte. Am Montag nachmittag kam die Bevölkerung von Schmidtheim, Dahlem, Baasem mit den Berker Einwohnern bei Neuhaus zusammen- Andere Dörfer der Nähe suchten in den übrgien Wäldern nach der Vermißten, aber vergeblich. Die Hilfsbereitschaft aller war geradezu rührend. Leute bis 80 Jahre, Beamte, Angestellte. Arbeitgeber und Arbeitnehmer durchsuchten in edler Hilfsbereitschaft und in unermüdlicher Tätigkeit die Wälder und endlosen Kulturen. Am Manta" abmd zoaen sich die Ketten der Sucher in ihre Dörfer wieder zurück. Am Dienstag in aller Frühe, von 2,30 Uhr morgens ab, wurde die Suche wieder ausgenommen. Ein Junge wollte beim Viehhüten das Mädchen am Montag abend gesehen haben. Es wurden Fußspuren festgestellt, denen man nachging, bis endlich das Mädchen am Dienstag nachmittag von Leuten aus Oberwolfert aufgefunden wurde. Das anscheinend geistesgestörte Mädchen wurde nach Hause gebracht. Jedenfalls hat sich bei dieser Gelegenheit wieder einmal gezeigt, welche» tiefe Gefühl der Zusammengehörigkeit die Bevölkerung unserer abgelegenen Eifeldörfer umfaßt und daß wahre Nächstenliebe alle beseelt. KPV.
Das Eholera-Gespenst.
Bis jetzt 16 Todesopfer.
Vor ungefähr 10 Tagen ist in Basra (Mesopotamien) Cholera ausgebrochen. Sie hat bis jetzt 16 Tode s o pf er gefordert.
Neues in kürze.
Das Flugboot D o X wird, wie aus Para gemeldet wird, bis zum Eintreffen eines neuen Motors dort bleiben.
Freistaat Hessen.
Die Unterschlagungen bei Raiffeisen Groß-Zimmern.
— Darmstadt. Zu den Unterschlagungen bei dem Raiffeisenoerein in Groß-Zimmern wird noch gemeldet, daß der schuldige Bankbuchhalter Geo Schmidt nicht flüchtig ist. sondern sich in Groß-Zimmern aufhält. Dagegen ist Anzeige gegen ihn erstattet worden. Die Mutter des Schmidt ist nicht verhaftet worden. Der unterschlagene Betrag soll übrigens nicht 100000 M k. betragen haben, sondern etwa die Hälfte dieser Summe; genaue Zahlen muß erst die eingeleitete Untersuchung ergeben.
Großes Schadenfeuer.
— Röthges bei Laubach. Arn Freitag abend brach in dem Ort ein Feuer aus, dem drei Scheinen, ein Stall und zwei Schuppen zum Opfer fielen. In den neu eingefahrenen Vorräten fanden die Flammen reichliche Nahrung. Durch die hoch aufschlagenden Flammen wurden die benachbarten Wohnhäuser in Gefahr gebracht. Die Scheunen sollen durch Versicherung gedeckt sein. Erst durch das Eingreifen der Motorspritze aus Gießen konnte das Feuer gelöscht werden.
Das Polar-Unterseeboot „N a u t i l i u s" traf m Tromsö am Sonntag um 11.10 ein. Die Weiter- sährt ist für Montag 9.30 Uhr festgesetzt.
= Poppenhausen an der Wasserkuppe. Vor der Mei- sterprüfungskommission für das Braugewerbe bei der Handwerkskammer Würzburg bat_ Herr August M ü l - ler die Braumeisterprüfung in Würzburg und Kitzingen a. M. mit gut bestanden.
— Hünfeld. Das Heimatmuseum, das in den letzten Jahren sehr wenig gut in der Landwirtschaftlichen Schule untergebracht war, wird noch in diesem Monat in fein neues, ftänbiges Heim übersiedeln, aber erst später der Oefientlichkett zugänglich gemacht werden. Die Fortführung und Ergänzung der Sammlungen wird jetzt wieder eifrig ausgenommen. Die Leitung des Mu- seums hat der Ehrenvorsitzende des Geschichts- und Heimatmuseumsoereins für den Kreis Hünfell», Herr Rektor Sondergeld, vorerst übernommen, der vor 20 Jahren Verein und Museum ins Leben gerufen hat. Er hasst bei der Fortführung der Sammlungen auf die Unterstützung der Kreisbevölkerung. Das neue Heim präsentiert sich als eine Zierde der Stadt. Das schon vor 3 Jahren erworbene Gebäude ist recht geschickt umgebaut und im Innern zweckentsprechend ausgestaltet worden. Um Ankauf, Umbau wie Ausgestaltung des neuen Heims hat sich der rührige Vorsitzende des Ge- fchichts- und Heimatmuseums, Herr Rechtsanwalt Wankel, ein großes Verdienst erworben. Der Verein kann auf das geschaffene Werk stolz fein, das in dankenswerter Weise auch von dem vor 3 Jahren gegründeten Mu- seumsverband für Kurhessen und Waldeck, dessen Vorsitzender der Herr Landeshauptmann in Hessen ist, weitgehend gefördert wurde.
— Vacha. Der Gemeinderat im benachbarten sechsen hatte kürzlich den Landwirt Jacob ;um Bürgermeister gewählt. Die Wahl wurde vom Kreisamt in Eisenach für ungültig erklärt, da vorher ein Gemeinüebegehren eingeleitet worden war zwecks Wahl des Bürgermeisters, ohne daß der Eemeindeentscheid durchgeführt worden war. Der Gemeinderat strengte beim Oberverwaltungsgericht in Jena eine Anfechtungsklage gegen das Kreisamt Eisenach an. Das Oberoerwaltungsgericht hat die Klage zurückge- wiesen und die Kosten des Verfahrens der Gemeinde Oechfen auferlegt. Die endgültige Bürgermeisterwahl wird nun an einem der nächsten Sonntage stattfinden
Ueberführung ins Erbbegräbnis.
~ Aus der fürstlichen Gruft der Bergkirche in Schleiz fand dieser Tage die Ueberführung des vor einigen Jahren verstorbenen letzten regierenden Fürsten Heinrich XXVH. Reuß, seiner 1929 verstorbenen Gattin und zweier Söhne, des Erbprinzen Heinrich 43. und des Prinzen Heinrich 40., nach dem neuen Erbbegräbnis in Ebersdorf statt. Der Ueberführung ging eine kurze Andacht voraus, an der Erbprinz Heinrich 45.
Aus der Thüringischen Rhön Aus Geisa und Umgebung.
Das lalle Nest.
Roman von Lisa Barthel-Winkler.
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„Wohin?" fragte Frau Mayland neugierig.
„Sagte ich es noch nicht?" Nachlässig zupfte Frau Graetz an ihren Handschuhen. „Zu meiner Freundin Christine Branu nach Neustadt. Es schickt sich doch nicht, daß man gleich zusammen wohnt. Und eine Hochzeitsreise können Hanns Herbert und Hedwig sich nicht leisten — Aussteuer besitzt Hedwig nicht — nun, da muß eben ich reifen. — Ja, diese Zeit verkehrt alles!"
Müde strich sie über ihre Handschuhe.
Schweigend hatte Hedwig zugehört. Schweigend wandte sie sich ab und trat ans Fenster.
.fjanns Herbert mußte gleich kommen — nur heut sich nicht wieder belasten und bedrängen lassen! Nur heut nicht wieder diese Angst im Nacken! Heute war ihr Hochzeitstag, ihr Freudentag, ihr Ehrentag!
Wie im Traum hörte sie die Stimmen der Mütter, das Gekicher des Bruders. Endlich kam Hanns Herbert. Sie hörte ihn draußen mit der: Vater sprechen.
Wie durch einen Nebel sah sie ihn über die Schwelle treten. Ein sehnsüchtiges Lächeln umspielte ihren Mund. Sie hob ihm kindlich die Hände entgegen . . .
Aber Hanns Herbert trat zuerst auf seine Mutter zu: er küßte ihr und Frau Marta die Hand. Dann erst wandte er sich feiner Braut zu.
Hedwigs Hände waren niebergefunten, das Lächeln auf ihrem Gesicht war erloschen.
Wenn Hedwig später an ihre Hochzeit dachte, bann konnte sie sich niemals deutlich erinnern. Ihr verzerrten und veränderten sich alle Bilder . . .
Freudlos schienen ihre Bewegungen, schleppend ihre Schritte.
Das Gespräch der Ihren, bas Glockenläuten, bas Gleiten des Wagens, der sie zur Kirche führte — all das klang von weit her.
Wie eine drohende, unübersteigbare Mauer stand diese Hochzeit vor ihr — und dahinter blühte nicht der Garten der Liebe, den sie sich erträumt, nicht bas heimliche Lie
besnest von zärtlichem Kosen, nicht bas seligste Versinken in bie zweisame Vergessenheit der Leidenschaft . . .
Es war ein dunkles, fremdes, feindliches Land, zu dem sie nur das Tor durchschreiten sollte.
Erst an der Frühstückstasel der vornehmen Gaststätte, in der fie einen Imbiß nehmen wollten, fand sie sich wieder. Der Wein zauberte leichtes Rot auf ihre Wangen.
Frau Else lächelte dann und wann, Frau Maria lachte viel und laut. Auch Hanns Herbert scherzte und streichelte ihre Hände.
Als erwache sie, sah sie sich um — und wieder wuchs heiß und verlangend in ihr der Wunsch: allein zu sein, allein mit ihm, auszuruhen von der Hetze der letzten Wochen.
Ihre Brautzeit — war sie glücklich gewesen?
Ach, sie war voll von verschwiegenen Wünschen und lichten Träumen: aber leer von Erfüllung. Nun aber, nun mußte sie kommen — bie Begnadung ihrer sehnsüchtigen Siebe.
Jäh brückte sie die Hand ihres Gatten. Hanns Herbert sah sie an, und fein Blick leuchtete auf.
Errötend wandte sich Hedwig ab und spielte mit ihrem Weinglas.
Frau Elfe brach bald auf — zu ihrer Hochzeitsreise, spöttelte sie ergeben. Sie küßte ihren Sohn heftig und umarmte auch Hedwig.
„Du bist nun feine Frau," mahnte fie mit festem Blick und legte bie Hanb auf bie Schulter der Braut. „Die Frau soll dem Mann anhangen unb ihm überallhin folgen, Hedwig. Folgen — bas heißt, nicht allein in weltlichen Dingen, sondern auch geistig und seelisch. Euer Bund kann nur bann glücklich fein, wenn bu nie vergißt, baß bu nur bie Frau — nur die Zweite bist! Ich selber habe das in den Jahren meiner Ehe erfahren! Und was auch bie Menschen von heut darüber sagen — nur bie Ehe wirb glücklich, wenn der Mann ber Erste, die Frau die Zweite ist. Aber ich will dir an deinem Hochzeitstag nicht noch eine Predigt halten. Seid glücklich, Kinder!"
Frau Else fuhr mit dem Handrücken über die Lider: an ihren blonden Wimpern perlte ein Tropfen — ein zweiter. Hastig wandte sie sich ab unb ging hochaus- gerichtet hinaus.
„Verzeih, Kind", sagte Hanns Herbert. „Ich will meiner Mutter draußen noch helfen. Sie ist so aufgeregt! — Einen Augenblick."
Hedwig machte eine Bewegung, ihn zu halten — aber er war schon an der Tür. Auch Frau Marta und der neugierige Ferdi folgten. Hedwig sah ihnen aufge- schreckt unb verwirrt nach. Nur ihr Vater war noch bet ihr.
Langsam trat Mayland an sie heran unb ergriff ihre herabhängende Linke.
„Hedwig, ich danke dir!" flüsterte er. „Hanke hat mir versprochen, das Geld abzuzahlen — er ist wirklich kein schlechter Kerl — aber die Zeit, weißt du!"
„3a, ja" murmelte Hedwig abwesend.
Fest drückte er ihre Hand.
„Ich wollte es dir nur noch einmal sagen, damit bu nicht denkst, bas Gelb fei dir verloren."
Sie lächelte ihn an und streichelte über feine Wange. Heimweh überfiel sie — und sie wußte nicht, wonach . . . Eine dumpfe Furcht griff nach ihrem Herzen. Jäh neigte sie sich zu ihm und küßte feine Stirn.
„Behalt mich lieb, Vater."
„Ader Hedwig!" Verlegen tätschelte der alte Mayland ihre Hand.
Hedwig lachte auf. War sie nicht ein großes Kind?
„Ach, Vater, nun mußt du Frau Graetz zu mir sagen! Frau Hedwig Maria Graetz, geborene Mayland. Steht im Standesamt in einem dicken Buch! Und ein Strich darunter. Weißt du? Ein Strich unter meine Mädchenzeit. Nun kamt eine neue Zeit . . . eine Ehe."
Mit einem Krach flog die Tür auf unb Ferdi polterte herein.
,,Zweimal ist sie ihm um den Hals gefallen, unb er mußte mit runter bis an ben Wagen!" rief er. „Gerade als wenn sie bie Braut unb nicht bloß die Mutter wäre!"
„Benimm bich, Ferdi!" befahl Frau Marta. „Hanns Herbert hängt eben an feiner Mutter. Er ist ein sehr guter Sohn."
Hinter ihr kam auch bald Hanns Herbert. In feinem Gesicht zuckte es. „Es schien Hebwig, als seien feine Augen ein wenig rot . . .
„Es ist ihr so schwer geworben," sagte er leise unb
sah von einem zum andern.
Hedwig schwieg.
„Ja,'nun wollen auch mir fahren," meinte er zögernd. Er streckte beide Hände nach den Eltern Hedwigs aus. „Ich danke euch, daß ihr mir Hedwig gegeben habt!"
Frau Marta schluchzte.
„Auf Wiedersehen, Kinder! Viel Glück!" Sie wandte sich ab. „Ach, es wird auch mir fo schwer!"
„Leb wohl, Herr Schwager!" trompetete durch feine hohlen Hände Ferdi.
Noch einmal Händedrücken, Küsse, Umarmungen.
Endlich saßen sie im Wagen und fuhren heim.
Sieben glückliche Tage. . .
Heim?
Den ganzen Weg über verfolgte Hedwig das Wort. Wie anders hatte sie sich doch ihr Heim gedacht! Ein verschwiegenes, herzwarmes Nestchen im Lärm der Welt, eine Zuflucht des Glücks in der Tücke der Tage!
Ein eigenes Heim . . .
Oh, sie wußte es, wußte es mit jedem Herzschlag; dort, wohin du mich führst, lang niemals meine Heimat sein!
Aber dann straffte sie sich auf, erwachte unter den scheuen Liebkosungen ihres Gatten. Warum denn suchte sie ihre Heimat im Irdischen, im Besitz? War nicht der, der an ihrer Seite dem Glück entgegenfuhr, war nicht ihr Gatte, war nicht die Liebe fortan ihre Heimat?
Sie sann noch tief erschüttert, als fie den Wagen entfliegen, als sie hinauffuhren zum ersten Stock, als sie stumm die Schwelle überschritt.
Das Mädchen kam ihnen entgegen, begrüßte ben Herrn Graetz unb bann, mit einer kleinen Zurückhaltung, bie junge Frau.
„Ist nun bie gnäbige Frau abgereift?" fragte Minna Hanns Herbert mit großen, runden Augen.
„Ja," nickte Hanns Herbert abwesend unb wartete, daß Hedwig mit dem Ablegen fertig werde.
„Ach, die gnädige Frau war so traurig, daß sie nun die Wohnung verlassen mußte," seufzte Minna. „Es kam ihr so schwer an, fortzureifen: fie hat den ganzen Morgen gemeint."
(Fortsetzung folgt.)