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Gedanken.

Von Julius Loeb.

Nur wer selbst Kinder hat, begreift, mit welcher Liebe unb Hintanstellung ihres Ich seine Eltern ihn um­gaben.

*

Geduld überwindet alles, nur nicht die Ungeduld.

♦

Nur wer nicht vor den Ungerechtigkeiten des Lebens die Augen verschließt, sieht die Wirklichkeit der Dinge.

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Hinter aufgeregtem Schreien verbirgt sich meist ein schüchterner Charakter.

*

Frohsinn ist ein' Beweis von Lebensmut.

, *

Die glücklichsten Menschen sind jene, die dem Himmel ankbar sind für das Leid, das ihnen nicht zustößt.

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Egoisten sind arme Leute: sie haben nichts zu ver­schenken.

den das Trugbild, von geschickten eifrigen Händen auf geduldiges Papier hingezaubert; den Hexenkessel, der ;um magischen Jungbrunnen erhöht ist; den erborgten Glanz, die angemaßte Würde, die sich spreizende After­weisheit, die erniedrigte Wissenschaft, die entheiligte Dichtung. Da erfaßt uns der Zorn der Ingrimm. Wir stürzen uns ins Getümmel und schlagen zu: wissend, daß, wen immer es von gewissen Gruppen der über die deutsche Geistesrepublik Regierenden trifft, es den Richtigen trifft. Ich halte es, unverbesserlicher Finster­ling, mit dem Kreuzheer gegen die Albigenser: schlagt zu, schlagt zu, Gott wird die ©einigen erkennen. Und die künftige Geschichtsschreibung des deutschen Geistes wird auch die Ihrigen besser erkennen, als wir Mit- ebende es vermögen."

Otto Forst de Battaglia hat sich jedoch eine andere Äaffe ausgesucht als den Zorn und das Pathos. Mit em leichten Florett der Ironie und Satire züngelt er imher. Und das große Lesepublikum wird vielleicht wehr als die allgemeinen zeitkritischen Ausführungen, so lief und inhaltschwer sie sind, den mitunter fast lustigen Kamps würdigen, den er gegen so manchen großen Na­men führt. „Satyre sehen dich an", lautet nicht um- 'onst eines der Kapitel seines Buches.

Wohl an 800 Namen enthält das Namenoerzeichnis -m Ende des Buches. Die Literatur sowohl wie das Theater, die Geschichtsschreibung wie die Philosophie ha­ben darin ihre Kapitel. Emil Ludwig muß sich ebenso zum Kampf stellen wie Lion Feuchtwanger, Graf Key­serling, wie Georg Kaiser. Erich Remarque. Trotzki und Isidora Duncan fehlen nicht. Nicht immer wird man in allen Einzelheiten mit dexn Verfasser ganz einer Mei­nung fein, aber im großen ganzen läßt man sich von hm fortreißen, und als wohnte man einem Kampfe in »iner Arena bei, ist man versucht, ihm zuzurufen: Schlag -u, schlag zu! Und es ist nicht zu bestreiten: die Köpfe

"en. „Satyre sehen dich an", — wenn Emil Ludwigs

Rezept in ein paar Zeilen ans Licht gezerrt wird: „Bis­marck hielt sich für einen Christen und Monarchisten, Michelangelo für einen frommen Katholiken, Napoleon betonte feine Anhänglichkeit an die Kirche und seine Unterwerfung unter deren Dogmen. Trug, wenn nicht Betrug! Emil Ludwig weiß es besser. Denn die drei waren große Männer, große Männer sind gescheit, ge­scheite Leute sind Rationalisten, Rationalisten empören sich gegen dogmatische ober monarchistische Autorität, also ist es nichts mit Bismarcks, Michelangelos, Napo­leons Traditionalismus, Quob demonstrandum. Fort mit den Quellen, wo die Intuition strömt!" — „Satyre se­hen dich an",emenn Lion Feuchtwangers Selbstbiographie gegen ihn selber gekehrt wird. So spricht Feuchtwanger: „Deutschland zählte, als der Schriftsteller Sion Feut- wanger in diesem Reiche blühte, 63 284 617 sogenannte Seelen. Schriftsteller gab es 8287, amtlich eingetragene Idioten und Dollkretins 36 461. Der Schriftsteller Lion Feuchtwanger hatte da sPech,'mit einem großen Teil von ihnen zu tun zu halben." Dazu hat Battaglia zu be­merken: „Pech? Warum denn dies? Die 36 461 sind die Kerntruppe derer, die einen von den 8287, nämlich den Schriftsteller Sion Feuchtwanger, für einen Dichter halten." Und peinlich wird es, wenn Battaglia die Grammatik und das Deutsch des „erfolgreichen" Au­tors unter die Supe nimmt.

Doch es handelt sich in dem Buch nicht um Einzelne und Einzelnes. Keiner der Angegriffenen wird sich be­klagen können, daß die Sachlichkeit außer Acht gelassen sei oder die Ironie das berechtigte Maß überschreite. Immer wieder wird von der Person zur Sache ge­führt, Personen sind nur Hilfsmittel, die Sache ist der Zweck. So gebrauchte auch ein Großer einst die Per­sonen seiner Zeit: Dante, aus den der Verfasser sich in seinem Prolog beruft. „Befer, ich lade dich zur Reise durch die Zeit unb zur Reise durch den Raum. Zur Reise durch unsere Zeit und durch den deut­schen Raum. Du bist nicht Dante und ich bin nicht Vergil, doch es führt der Weg in ein Inferno, an dessen Pforten die Worte prangen: Laßt, die ihr eingeht, alle Hoffnung fahren. Freilich, am Ende der Hölle öffnet sich der Ausstieg zur Säuterung und ferne, ganz ferne winkt die vollkommene Seligkeit. Ich werde dich, wie Vergil den Dante, verlassen, ehe wir jene heh­ren Gefilde erreichen. Und nur ein Ausblick ist uns ge­meinsam gestattet; ins bessere Jenseits von der deuffchen Gegenwart."

Spenglers „Der Untergang des Abendlandes" ist eine beschwerliche, mit allem Rüstzeug der Wissenschait belastete Sektüre. Es wird mehr darüber gesprochen, als es gelesen wird. Dieses Buch dagegen hat trotz aller Tiefe und Gründlichkeit die Anwartschaft, bas Lesepub­likum in breiter Front zu erobern. Und es hat den einen großen Vorzug: es mündet nicht in resignierte Weglosigkeit, sondern wefft die Kraftquelle der Erneue­rung, das Kreuz. Cs ist trotz feines kämpferischen Inhalts positiv eingestellt. Mit Recht beruft sich der Verfasser auf Theodor Haeckers Worte über die Berech­tigung der chrffttichen Satire und das mathematische Gesetz: ein Minus-Zeichen, einer negativen Große vor­gesetzt, ergibt einen positiven Wert.

Dr. K.

Bon Nachbarn, die ich liebgewann.

Der Zeitungsleser.

Er sitzt in der Straßenbahn regelmäßig neben mir. Die nette junge Dame sitzt natürlich ganz wo anders Sie zu sehen, ist unmöglich. Dafür sorgt schon mein Nachbar, der Zeitungsleser. Er liest nicht, wie jeder andere oernünflige Mensch die Zeitung, indem er sie handlich faltet, sondern erwacht sie breU auf. Er bohrt mir die dicken Ueberschristen unter die Nase, damit ich mich ja nur ärgere, denn seine Zeitung vertritt natürlich eine andere politische Richtung als ich. Er liest offen­sichtlich nur soeben verausgabte Blätter, denn der Ge­ruch des Druckes fft so frisch, daß er sogar den Geruch der Salamistulle, die mein Nachbar zur Linken ißt, schlagt. Wer ein Blatt so gründlich und ausgiebig lieft, der braucht Bewegungsfreiheit. Er muß die Arme breiten, um das Blatt zu spannen, um die ganze Fülle der Weltereignisse mit einem Blick fassen zu können, von den Manöverübungen der japanischen Flotte oben links aus der einen, bis zu den Kleinhandelspreisen für Arti­schocken unten rechts auf der anderen Seite. Infolge­dessen kann ich berechnen, wann die durchgeschabte Stelle seines Ellbogens platzen wird, so dicht steht sie mir unter den Augen. Manchmal versuche ich mitzulesen. Das merkt der Kerl. Dann lieft er Wette. Das heißt, er mogelt, überschlägt Sätze, bloß um u..ibreben zu können, wenn ich noch nicht mit der Seite fertig bin. Man •ennt das Bild des -ledischen Hur - ist m ~ -Hon. auf dem ein Zeitungsleser, von Kiebitzen bedrängt, die Zeitung plötzlich umdreht, worauf die Kiebitze an einem Saternenpfahl Kopfstand machen, um diesen Trick zu durchkreuzen. Wenn die junge Dame ausgeftiegen ist, pflegt auch mein Nachbar mit der Zeitung fertig zu sein. Die Scheidewand aus Papier sinkt. Ich habe freie

Aussicht auf eine ältere Gemüsefrau. Ich glaube, er macht alles absichtlich. Nachbarn machen immer alles absichtlich. Einmal habe ich ihm mit der Zigarre ein Loch in die Zeitung gebrannt. So aus Versehen. Mit­ten in eine Verlobungsanzeige ging das Loch. Hoffent­lich sind es keine Verwandten von ihm gewesen. Als

ihm am Daumen brenzlich wurde, schoß er wütende Blicke unb setzte sich auf die andere Seite. An diesem Tage war die junge Dame nicht da. Die Brandstiftung war zwecklos gewesen.

Der hausnachbar.

Er hat vor allen Dingen einen Hund. Wenn bei nvr im Garten Wäsche aufgehangen wird, kläfft der Hund. Wenn ich Besuch bekomme, kläfft der Hund. Wenn ich Geige spiele, kläfft der Hund. Wenn ich aufwache, kläfft der Hund, Ich bin versucht, einen Preis auszuschreiben für die Losung der Frage, wann der Hund eigentlich frißt. Einmal habe ch es herausbekommen. Da war er du,rch eine Lücke im Zaun gekrochen und fraß einen Hammelbraten in unserer Küche, woraus er die Braten­sauce übers Fell bekam. Nachher hat sich der Nachbar beschwert, daß der Hund bei ihm den Teppich fettig ge- mai*. habe. Der Nacl'bar hat auch ein Grammophon mit zwei Platten, „Püppchen" und „Aida". Als ich ein Baby bekam, dachte ich, der Tag der Rache sei gekommen und stellte den Kinderwagen in die Nähe des Gartenzaunes. Der Hund verkroch sich zwar besiegt, aber das Grammo­phon blieb gefühllos. Ich mußte das Baby nach aus­wärts geben, weil fein erstes Wort zu mir statt Pappi Augenstern war. Mein Familienleben wurde zerrüttet. Ich verkaufte das Haus und zog fort. Heute träume ich manchmal noch von einem Hund, der statt der Schnauze

einen Grammophontrichter hat, aus dem Rhadames be­schworen wird.

Der Parkellnochbar.

Mein Parkettnachbar ist stets ein Genie. Weiß Gott, über wieviel Fähigkeiten dieser Mensch verfügt. Er kennt jede Melodie. Jedenfalls summt er sie mit. Manchmal fingen die auf der Bühne falsch. Ich halte mich jedenfalls an meinen Nachbar. Oder sollte er —? Er kennt auch jedes Stück. Besonders, wenn es ein Stück in gereimten Versen ist. Ich erfahre durch ihn alles schon, bevor es auf der Bühne überhaupt gesagt wird. Zu mindesten den Reim. Er weiß immer, welcher Reim kommt unb verkündet das strahlenden Gesichtes. Er ist ein Feind von Aerzten und Medikamenten, ein gesun­der Naturbursche, der sich eher hängen lassen würde, als daß er einen Hustenbonbon nähme. Es gab einen Winter, in dem ich viel lernte: sämtliche Arten von Schnupfen und Katarrhen in allen Stadien zu erkennen und durchzumachen. Wenn er keinen Schnupfen hat, so soupiert er. Ausgiebig und behaglich. Gut bürger­liche Kost. Das Stullenpapier muß er mit nach Hause bringen. Er knifft es bis ins kleinste Quadrat. nJn der letzten Zeit benutzt er festeres Stullenpapier. Ich höre das am Knistern. Sein Opernglas ist ein Wunderinstrv- ment. Obwohl es in jeder Vorstellung dreimal hinunter- fällt, ist es noch nicht kaputt gegangen. Aber was er­zähl« ich da dem Leser alles von meinen Nachbarn. Sie kennen sie doch, nicht wahr? — Na also.

Ubu.

Bunte Zeitung.

— wie weit treiben Flaschenposten? Durch Fla­schenposten sind der Wissenschaft schon sehr wichtige Auf­klärungen über Meeresströmungen zuteil geworden. Neuerdings sind wieder einige lehrreiche Fälle bekannt geworden. Am 27. September 1927 wurde von dem Dampfer „K. R. Kingsdurg" in der Nähe der südkalifor- nischen Küste eine Flasche über Bord geworfen. Wie das Hydographische Amt der Vereinigten Staaten berichtet, wurde diese Flasche am 12. Februar 1929 in der Gegend der Philippinen aufgefischt. Die Flasche hatte demnach binnen 17 Monaten 7200 Seemeilen oder 13 350 Kilome­ter zuxückgelegt. Das dürfte so ziemlich die längste Reise sein, die in den Gewässern des nördlichen Pazifik möglich ist. Im Süden haben Flaschenposten auch schon weitere Strecken zurückgelegt. So erstreckte sich die Trift einer Flasche aus dem südlichen Indischen Ozean bis in die Nähe von Kap Horn. Die Flasche war 15 Jahre unterwegs und legte 19 030 Kilometer zurück; eine an­

dere Flasche brachte es in den gleichen Gewässern Hü­nen drei Jahren auf 18 600 Kilometer.

— Allerlei Weisheit. In der Schweiz befinden sich die meisten Postanstalten, auf den Kopf der Bevölkerung berechnet. An zweiter Stelle in der Reihe aller Natio­nen steht Deutschland, an drittev-Cngland. — Die alba­nische Sprache gehört zu den ältesten, also Ursprachen der Menschheit. — Das Schnabeltier in Australien ist das einzige Säugetier, welches Eier (egt. — Wenn jemand in Gegenwart Alexanders des Großen über einen Abwesenden Uebles redete, hielt sich dieser jedesmal ein Ohr zu und sagte, dieses Ohr müsse er für den Beklag­ten reservieren.

Randglossen über das Reisen.

Von Wolfgang F e b e r a u.

Sehr viele Menschen reifen nur, um der langweiligen Gesellschaft, mit der sie sich daheim abgeben müssen, zu entfliehen. Und haben in der Fremde dann nichts Eili­geres zu tun, als Verbindung mit ebenso langweiligen Menschen zu suchen.

*

Andere wieder'reisen, um Neues zu sehen. Aber sie sehen auch das Neue leider immer mit ihren alten Augen.

*

Man kann alle architektonischen und landschaftlichen Besonderheiten des Landes gesehen haben, man kann alle berühmten Städte und nennenswerten Hotels kennen und doch über dieses Land gar nichts wissen.

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Drei Monate in Indien ober in ben Vereinigten Staaten genügen vielen, um hierüber ein dickes Buch zu schreiben, mit dem sie ihre vollkommene Unwissenheit be­weisen.

*

Reisen wäre eine ideale Beschäftigung, wenn man dabei sich selbst zu Hause lassen konnte.

Der eigentliche Genuß an einer Reise beginnt in dem Augenblick, da wir uns ihrer als etwas Vergangenem erinnern.

*

Nur wenige Menschen haben das Glück, daß ihnen eine Reise zu einem Abenteuer wird. Sie sind die wirk­lich benetoensroerten.

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Viele Menschen reifen nur, um in der Fremde festzu- stellen, daß daheim alles besser ist. Sie sollten lieber zu Hause bleiben.

Fünf Minuten Denksport.

Kreuzworl-Ralsel.

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Die Wörter bedeuten von links nach rechts: 1 Wüste in Afrika, 3 Tierkreiszeichen, 4 Ferment, 6 Sänger bei ben alten Ariern, 8 Kurort in Tirol, 10 Baum, 11 Asia­tischer Turmbau, 13 Tatarisches Mischgetränk, 15 Nenn­wert, 16 Bedeutenber Maler, 17 Tragödie Shakespeares, 19 Geigenbauer, 21 Augenblick, 22 Vom Gericht fest- ßter Verhandlungstag, 24 Amtstracht, 25 Römischer r, 27 Verkaufsstätte, 28 Studienhalbjahr.

Von oben nach unten: 1 Vorgeschichtliche Erzählung, 2 Segelstange, 3 Teil des Seines, 5 Geheimgericht, 6 Kleines Wasserfahrzeug, 7 Graupe aus Palmenmark, 9 Berühmter Geschichtsschreiber, 10 Englische Stadt, 11 Indische Kaste, 12 Widerruf, 14 Himmelsgewölbe, 18 Buchstabe, 20 Inneres Organ, 21 Zeitabschnitt, 23 Altes Wort für Liebe, 24 Auszeichnung, 26 Blume, 27 Ein­gewurzeltes liebel.

vesuchskarten-RStfel.

Leo G. Bad

Trier ■ 1 1 11 1 ................

Welchen Beruf übt der Inhaber obiger Besuchskarte aus? Stelle die Buchstaben der Karte um!

Büffel.

Herr Müller hat mein Wort gespielt Und auch Gewinn darauf erzielt.

Doch kann er ihn beheben nicht, Denn das Papier, das ihn verspricht Und das dir nennt das Rätselwort, Hat — nimm daraus zwei Zeichen fort — Er zwar sich aufgehoben, doch

Wo liegt's? Vielleicht entdeckt er’s noch.

Auflösungen ans der letzten Sonnlagsnummer.

Lösung des Silbenrätsels 1:

1 Wartburg, 2 Esau, 3 Nikolaus, 4 Nogat, 5 Orze- oow, 6 Färberei, 7 Turnier, 8 Karbid, 9 Archiv, 10 Lorelei, 11 Uurbine, 12 Eulenspiegel, 13 Romeo, 14 Teesieb, 15 Archimedes, 16 Unterseeboot, 17 Finow, 18 Aargau, 19 Exemplar, 20 Laboratorium, 21 Lotos, 22 Trikot, 23 Jmmi, 24 Metternich, 25 Amalfi, 26 Un- tersberg.

Die Bauernregel lautet: Wenn oft kalter Tau fällt im August, wird viel Obst wurmstichig.

Lösung des Silbenrätsels 2: Thor, Wald, fen. — Thorwald sen.

Auflösung des Rösselsprungs:

(Aus Goethes Gedicht „Gott, Gemüt und Welt".) Was wär ein Gott, der nur von außen stieße, Im Kreis das All am Finger laufen ließe, Ihm ziehmts die Welt im Innern zu bewegen, Natur in sich, sich in Natur zu hegen, So daß, was in ihm lebt und webt und ist. Nie seine Kraft, nie seinen Geist vermißt.

tagte mit plötzlich ermatteter Stimme: „So, jetzt geh, Doktor!"

Draußen auf dem Gange betupfte der kleine Stabs­arzt sich mit seinem geblümten Taschentuch die fette Stirne, horchte durch den vorsichtig geöffneten Türspalt in die Stille des Krankenzimmers Marias und lief bann eilig zu feinem Orbinationszimmer. Hastig rief er hin­ein: „Frau Oberst, schnell. Wir haben jetzt etwa eine halbe Stunbe Ruhe. Sie müssen mir versprechen, sofort Ihre Tochter zu verlassen, wenn ich Sie barum ersuche."

Die alte Dame nickte. Der Stabsarzt öffnete bie Türe zu Marias Zimmer unb währenb er die Mutter eintreten ließ, warf er einen furchtsamen Blick auf die Nebentüre. Die Oberstin Rukow horte es nicht, als er flüsterte: „Meinen Hals riskiere ich — aber vielleicht gelingt es der Mutter, sie ihnen aus den Klauen zu rei­ßen — Mutterliebe ist manchmal doch stärker als die viele kluge Medizin!"

Wieder trocknete er sich mit feinem großen Taschen­tuch die Glatze und horchte ängstlich. Die beiden Pflege­rinnen blickten erstaunt auf, als die kleine Frau im schwarzen Kleide an das Bett Marias trat Sie beant­wortete die abwehrende Haltung der beiden Mädchen mit einem einfachen, fast verschämten: „Ich bin die Mut- ‘er!"

Da ließen sie die Pflegerinnen nähertreten. .

Maria lag mit weitgeöffneten Augen starr da. Ihr Blick schien sich an der weißgetünchten Decke festgesogen zu haben. Die kräftigen Hände ruhten mit etwas ge­spreizten Fingern längs des Körpers, der sich schwach unter der festgesteckten grauen Spitaldecke abhob. Starke, breite Lederriemen spannten sich dreifach über das Bett. Maria schien nicht zu bemerken, was um sie vorging.

Die Mutter kniete am Bette nieder, nahm vorsichtig eine der Hände zwischen ihre kleinen, runzeligen Fin­ger und streichelte sie sanft. Sie beugte den Kopf mit dem zurückgeschlagenen, langen Schleier vorsichtig gegen die straffen Kissen und flüsterte: „Marusia, kleine, liebe Marusia! Du bist sehr krank gewesen — schon alle die Monate, das weiß ich jetzt. Aber nun wirst du zu mir kommen. Unb mir werben zusammen bie Blumen pfle­gen, bie der Vater gepflanzt hat."

Ein eifriges Lächeln umspielte bie welken Lippen.

„Weißt du, ich habe so schone Hagebutten, bie bu hoch so sehr liebst. Ich habe sie für bich eingemacht, Ma­rusia. Es war ein wenig schwer, wegen bes Zuckers, weißt du." Erschreckt hielt sie inne und beobachtete die Pflegerinnen und den Arzt. „Aber nur aus der er­laubten Menge habe ich sie eingemacht. Nur aus der erlaubten!" Dann flüsterte sie verschämt: „Da schwatze ich alte Fräst von so dummen Dingen. Aber womit soll ich dir Freude machen, Marusia, ich verstehe doch nichts von all den klugen Sachen. — Ich hab dich nur einfach lieb!" Sie näherte ihr altes Gesicht zaghaft dem Antlitz der Tochter.

Langsam und schwerfällig wandten sich Marias -Augen der Mutter zu. Ein irres Lächeln zuckte um den Mund. Mit schwerer Zunge sagte sie unbeholsen: „Wer bist du?" Dann lachte sie schrill. „Du hast ein Gesicht wie ein vertrockneter Apfel. Ha, ha — wie bie kleinen Aepfel, die immer auf dem Regal im Gartenhaus lagen, und aus denen man Gesichter schnitt." Marias Gesicht zog sich zusammen. „Warum erinnerst bu mich denn an diese Aepfel?"

Die Mutter strahlte durch die aufsteigenden Tränen: „Sicher, sicher, Marusia, du hast mich doch immer Aep- felchen genannt. Und der alte Merkuri hat dir aus den trockenen Aepfeln komische Fratzen herausgeschnitten. Gott sei Dank, Marusia, du kommst schon wieder in die Kindheit zurück!" Sie umklammerte die Hand der Toch­ter. „Du kommst zu mir."

Maria schüttelte müde das Haupt: „Zu dir? Ich muß doch auf die Barrikade. Dort kollern sie alle durch­einander. Alle durcheinander! Und nur die Augen blei­ben liegen . . ." Mit einem plötzlichen Ruck richtete sie sich auf: „Die Augen bleiben liegen und werden immer größer . . ." Sie entriß der Mutter die Hand, griff mit gekrampften Fingern in die starken Riemen, die Glieder begannen zu zucken. Sie gellte plötzlich: „Die Augen haben alle Sonne ausgetrunken. Deckt sie zu!"

Marias Blick war starr zur Decke gerichtet. Die beiden Pflegerinnen faßten Serb Marias Schultern und versuch­ten sie wieder in die Kissen zurückzudrücken. Mit wüten­den Stößen trachtete sich die Kranke frei zu machen. Ihre Glieder schnellten federnd immer wieder in die Höhe. Straff gespannt hielten die Riemen,

Der Stabsarzt beugte sich zur Oberstin und zog sie mit sich: „Der Anfall beginnt, Sie müssen fort."

Die alte Frau stemmte sich entschieden gegen ihn. Mit unerwarteter Energie schnellte sie empor, fiel über die Tochter, umklammerte mit den knochigen Armen Hals und Schultern Marias und rief, während sie das zuckende Gesicht mit Küssen bedeckte: „Marusia, meine Marusia! Sie sollen dir die Sonne nicht nehmen. Schlage mich, kratze mich, wenn es dir gut tut. Aber erkenne mich. Ich bin deine Mutter!"

War es der plötzliche Aufschrei oder die leichte Last des alten Körpers — Maria streckte sich, die krampfhaft zuckenden Schultern sanken in die Kissen zurück. Mit leicht geöffnetem Munde und geschlossenen Augen lag sie da. Fast tierisch schnupperte ihre Nase.

Arzt und Pflegerinnen standen wortlos erstaunt ne­ben dem Bett.

Die alte Frau richtete sich sacht auf, strich liebevoll die verwirrten, kurzen Strähnen aus der glühenden Stirne der Tochter, unb sagte mit glücklichem Lächeln: „Sehen Sie, wie sie atmet? Ich habe ihr ben Geruch ihrer Kindheit gebracht." Langsam rannen Tränen über das faltige Gesicht. Dann senkte sie das Haupt und fügte leise hinzu: „Sie weiß ja noch nicht, daß der Vater tot ist und ich ganz allein bin."

Plötzlich richtete sie sich auf — ein unerwarteter Blitz bewußten Stolzes ließ die kleine, zusammengeschrumpste Gestalt scheinbar wachsen. Mit lauter Stimme fügte sie hinzu: „Er war ein schwacher Mensch — aber er ist schon gestorben. Wir können stolz fein." Dann wandte sie sich der Tochter zu, küßte die mit geschlossenenAugen Ruhende zärtlich auf die Stirn, bekreuzigte sie und flüsterte ab- schiednehmend: „Du wirst zurückfinden. Alles Leiden ist Weg. Je mehr du leiden mußt, desto früher darf ich dich erwarten. Du bleibst für mich ja doch immer meine kleine Marusia."

Mit sachter Gewalt zog der Stabsarzt die alte Frau aus dem Zimmer. Schon waren sie an der Türe, als diese mit einem plötzlichen Ruck auf gerissen wurde. Ein Soldat meldete eilig:

„Herr Stabsarzt, Professor Rekin ist angekommen!"

Hastig geleitete der Stabsarzt die Oberstin hinaus unb eilte zur Begrüßung des berühmten Kollegen.

7.

Professor Rekins erste Anweisung, nachbem er beide Kranken besucht hatte, war die sofortige Entfernung des bisherigen Pflegepersonals aus Marias Nähe. Sodann blieb er mit der Kranken über eine halbe Stunde allein, verbot ausdrücklich jeglichen Besuch und begab sich zu Polkin.

Der Kommissar erwartete ihn erregt.

Der Professor wandte sich herrisch an den Tataren: „Verschwinde! Stell dich vor die Türe zum Nebenzim­mer und laste niemanden durch. Schreit die Kranke, so rufst du mich."

Bevor er bann bie hastigen Fragen Polkins beant­wortete, unterrichtete sich Rekin über ben Fortgang ber Heilung desselben, fanb den Zustand der Wunde befrie­digend und schüttelte nur ernst den Kopf, als er des un­verletzten Armes ansichtig wurde : „So schwach bist du geworden, Spinne? Du läßt dich wohl alle zwei Stunden stechen, was?"

Polkin warf wütend den Kopf zurück: „Du bist nicht meinetwegen hergekommen, Profeffor. Erzähl mir von dem Mädchen."

Rekin betrachtete ben Freunb lächelnd. Mit ber lan­gen Hanb strich er debächtig seinen grauen Spitzbart, ließ sich auf das Bett nieder und klopfte übertrieben beleh­rend dem Liegenden auf die Brust: „Wir haben es mit einem seltsamen Falle gleichzeitiger schwerer Erkrankung zweier Personen an psycho-neurasthenischem Wechselfieber zu tun. Diese Krankheit äußert sich beim Manne durch erhöhten Drang nach stärksten Betäubungsmitteln; bei der Frau durch hysterische Anfälle, welche einem soliden Nervenfieber nicht unählich sehen."

Polkin unterbrach wütend: „Lasse die blöden Gleich­nisse und sprich vernünftig!"

Der Professor drückte ihn wieder in die Kissen zurück. Er lachte ironisch. „Ich bin schon am Ende meiner Diagnose und will sie dir in vulgäre Laiensprache über­setzen. Beide Herrschaften erkrankten an —", er beugte sich zu dem Kranken nieder und flüsterte ihm ins Ohr: „an alltäglicher, unglücklicher Liebe!"

(Fortsetzung folgt.) _______ J