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NILS

irr. 182

Beilage zur Fuldaer Zeitung

9. August

Der Garten Im August

bringt sehr viel Arbeit. Im Obstgarten sind die Wasserschossen und Wurzelausschläge möglichst früh­zeitig an den Ansatzstellen zu entfernen, beim Form­obst außerdem noch die an falschen Stellen ausbre­chenden Knospen. Hochstämme sind gegebenenfalls zu stützen, was auch zur besseren Entwicklung und Reife der Früchte beiträgt. Anfangs des Monats sollen die Obstbäume, vor allem natürlich die gut behangenen, gedüngt werden, wodurch nicht nur die gute Ausbildung der diesjährigen Früchte, sondern auch der nächstjährigen Knospen unterstützt wird. Später ist das Düngen zwecklos, eher schädlich, da es nur das Ausreisen des Holzes verlängert. Der Kampf mit den Schädlingen geht weiter, denn die rote Spinne, die Wespen und sonstiges Ungezie­fer können in einem trockenen August viel Schaden anrichten. Alte Himbeer- und Brombeerruten wer­den jetzt ausgeschnitten, die neuen Triebe aufgebun­den, und darauf wird die Erde gelockert und tüchtig gedüngt. Ebenfalls gedüngt und gleichzeitig aus- gelichtet bezw. beschnitten werden die Johannis­und Stachelbeeren.

Im Gemüsegarten ist mit Unkrautbekämp­fung, Verdünnen und Verziehen der früher gemach­ten Aussaaten und mit Behacken und Gießen fort­zufahren. Auf geräumten Beeten können nach guter Düngung bis Ende des Monats gesät werden: Spinat, Kopfsalat, Feldsalat, Teltower Rübchen, Herbstrüben usw., auch können Perlzwieleln ge­pflanzt werden; des weiteren noch Setzlinge für das nächste Jahr ausgesät, z. B. von frühem Kohlrabi, frühem Blumenkohl, frühem und mittelfrühem Kopfkohl und Wirsing. Die Heranwachsenden En­divien sind bei trockenem Wetter zum Bleichen zu­sammenzubinden und die Tomaten zu köpfen, da­mit sie ausreifen. Der spätere Kohl darf von Mitte des Monats an nicht mehr gedüngt, sondern nur noch gegossen und behackt werden. Wer Frühkar­toffeln hat, ernte nicht zu zeitig, sondern lasse die Knollen möglichst lange in der Erde.

Der Ziergarten und mit ihm auch der Vor­garten macht Anfang des Monats häufig doch einen recht ungepflegten Eindruck, da die Ueberreste des ersten Sommerflors, bei Stauden, Rosen usw., nicht rechtzeitig entfernt wurden und manche Blumen- aattung überhaupt im Verblühen ist. Diese kann man durch Spätflor, wie Astern, Salmen, Nelken. Chrysanthemum und andere mehr .ersetzen. In diesem Monat lassen sich auch Koniferen umpflan­zen ober neu pflanzen. Voraussetzung: guter Erd­bällen und ausreichende Bewässerung. Hecken un| Frühblütensträucher können jetzt noch geschnitten werden.

Zwiebekernke.

Die Zwiebeln sind erntefähig, wenn die Spä­ten der Röhren anfangen, eine gelbliche Farbe an­zunehmen. Bei trockener Witterung hackt man bann die Zwiebeln heraus und läßt sie dann auf dem Beete liegend nachreifen, bis Laub und Wurzeln abgestorben sind. Sie werden dann ge­reinigt und nochmals bis zur endgültigen Winter­aufbewahrung in dünnen Lagen bei Zugluft der Nachreife ausgesetzt. Sehr wichtig ist es, den richtigen Zeitpunkt der Ernte zu erfassen, damit die Zwiebeln nicht etwa nochmal durchtreiben und so für die Aufbewahrung unbrauchbar werden.

Der Zimmergarte«.

Wie der Juli, so macht auch der August dem Zimmergärtner verhälMismäßig wenig Arbeit, weil die meisten Pflanzen noch im Freien stehen. Die Schlingpflanzen vor den Fenstern und auf dem Balkon sind hier und da anzuheften und hier und

da kann vielleicht auch reifer Samen geerntet wer­den. Jede Sorte ist dann gut zu trocknen und in Schächtelchen oder Düten, die mit Namensaufschrist zu versehen sind, zu überwintern. Keinesfalls ver­lasse man sich auf das Gedächtnis. Am zeitraubend­sten und dabei schwierigsten ist das Gießen und Be­sprengen, denn hier gibt es kein Schema, hier muß man sich den Verhältnissen anpassen. Außerdem ist noch Sorgfalt auf die Anzucht der zum Winter- schmuck bestimmten Primel-, Cinerarien- und Al­penveilchen-Sämlinge zu verwenden, die wiederholt verpflanzt werden müssen, bis sie die richtige Größe erhalten. Stark durchwurzelte Stöcke z. B. von Chrysanthemen, sind jetzt zum letztenmal zu verset­zen. Von den Pelargonien können noch Stecklinge gemacht werden, ebenso von immergrünen Gewäch­sen; früher gesteckte und inzwischen bewurzelte wer­den verstoppt und später einzeln in Töpfe ver­pflanzt.

Stauden und Blumen im Hausgarten.

Nächst den Rosen bilden die Stauden vom zei­tigsten Frühjahr bis in den Spätherbst hinein den eisernen Bestand unserer Gärten.

Abgesehen von den Vlumenzwiebelgewächsen, von Schneeglöckchen, Krokus, Hyazinthen bis zur Goldbandlilie, find es die immerwiederkehrenden Stauden, die abwechselnd den ganzen Sommer hindurch unsere Gärten mit den mannigfachsten Farben Kelchen. Unsere Gärten auf dem Lande sind besonders reich an alten Blütenstauden. Am häufigsten treffen wir an die verschiedenen Phlox­sorten, Eisenhut, Rittersporn, Malven, Lilien, Herbstastern u. dgl.

Der Gartengestalter hat sich bei Umgestaltung und Schaffung neuer Gärten ihrer besonders wie­der angenommen. Ihre rechte und vielseitige Ver­wendung vermag in die Gärten eine innere Welt­weite und zugleich eine intime Wärme zu tragen. Die verschiedenen Gattungen geben die Möglichkeit, sie in allen Lagen und Bodenarten zu verwenden. So kennen wir Stauden für Steingärten und feuchte Lagen zur Bepflanzung von Uferrändern, Stauden für Sonne und Schatten, Stauden als Frühjahrs-, Sommer- und Herbftblüher in der man­nigfaltigsten Auswahl.

Einen besonderen Schmuck der Gärten bilden auch die Dahlien oder Georginen, die in den letzten Jahren durch herrliche Neuzüchtungen sich viele Freunde erworben haben. Während die Stauden oft über 1020 Jahre an ihrem Standort verblei­ben können, sind die Dahlienknollen alljährlich nach dem ersten Frost aus dem Boden herauszunehmen, an der Luft zu- Übertrocknen und in einem frost- freien Keller in Torfmull oder trockenem Sand zu überwintern. Das Auspflanzen im Frühjahr ge­schieht Ende April oder Anfang Mai.

Die reiche Sortenauswahl, es gibt wohl schon einige tausend Sorten, geben jedem Liebhaber Ge­legenheit, von den herrlichen Blumenzüchtungen eine reiche Auswahl treffen zu können.

An die Stauden reihen sich die Sommerblumen. Wie ihr Name es schon besagt, blühen sie erst im Sommer, wenn die Sonne ihren höchsten Stand erreicht hat. Im Gegensatz zu den Stauden sind die Pflanzen nur einjährig, und nach den ersten Frösten welken sie dahin.

Unsere Blumenkataloge sind voll von den ver­schiedensten Gattungen und Sorten, in den nur denkbarsten Farbentönungen. Nicht nur Reseden, Levkojen, Astern und Balsaminchen sollten alljähr­lich zur Anpflanzung kommen, sondern, um die Schönheit des Gartenbildes zu steigern, sollte man es auch mit den noch weniger bekannten Arten ein­mal versuchen.

Auf einem gesteigerten Ausdruck der Gestal­tungskraft unserer Gärten beruht die gesamte Gartenfreude.

Wie der einzelne seinen Garten gestaltet oder gestalten läßt, sei jedem selbst überlassen. Das Ziel ist der Garten mit seinen Freuden für uns. as.

Freilandkakteen.

Winterhärte Kakteen (Opuntien) sind dankbare Pfleglinge für denjenigen Gartenfreund, der an diesen eigenartigen Pflanzengebilden besonderes Interesse hat. Die winterharten Freilandkakteen gehören sämtlich der Gattung Feigenkaktus (Opun­tia) an und sind recht genügsame Gewächse, die im Sommer prächtige Blüten hervorbringen. Infolge ihrer Anspruchslosigkeit ist es möglich, sie in jedem Garten anzupflanzen.

Die Ameise im H aus garten.

Es ist durchaus verkehrt, alle Infekten, Käfer usw., die sich im Garten zeigen, als Schädlinge anzusehen und zu vernichten. Es gibt unstreitig eine große Anzahl sehr nützlicher Insekten, die uns im Kampfe gegen die Schädlinge willkom­mene Helfer sind. Hierzu gehört auch die Garten­ameise.

Es ist beobachtet worden, daß von einem Ameisenhaufen an einem Tage etwa 100 000 Stück Ungeziefer abgetötet wurden. In einen Ameisen­haufen, von dem vier Pfade ausgingen, wurden in einer Minute 12 Stück Ungeziefer eingebracht, und dieser Ameisenstamm beherrscht ein Gebiet von etwa 4 Hektar. Werden uns die Ameisen an einer Stelle lästig, so kann man sie leicht durch übelriechende Flüssigkeiten vertreiben. Im Hause oder in Wirtschaftsräumen ist das einfachste Mit­tel, die Ameisen auf die Schaufel zu fegen und fortzubringen; da hierbei die Arbeitsameisen ab« gefangen werden, ist die Brut bald ohne Ernährer und geht ein. Auch das Einsetzen eines Trupps Waldameisen in den Garten hat sich bewährt, denn diele vernichten die Gartenameisen und gehen dann selbst bald zugrunde, da es ihnen im Gar­ten an den notwendigen Lebensbedingungen fehlt.

Der Meintterhof im August.

Die Iunghähne der Frühbruten sind jetzt von den Junghennen zu trennen. Die Hühner las­sen mit Legen immer mehr nach, dennoch stehen von früher her gerade die August-Eier in besonders gutem Ruf, weil die Hühner zur Zeit der Ernte gutes, kräftiges Futter (Körner) finden. Dort aber, wo regelmäßig und zweckentsprechend ge­füttert wird, ist kein Unterschied zu erwarten. Viel­fach beginnt jetzt fd)on die Mauser, während der das Geflügel gut zu füttern ist. Selbstverständlich ist es während des Federwechsels sehr empfindlich und muß deshalb an kalten Regentagen im Stall oder Scharraum zurückgehalten werden. Gänse und Enten finden bei freiem Auslauf reichlich Fut­ter, desgleichen die Tauben, soweit sie feldern kön­nen. Schatten und frisches Wasser bei Hitze, Rein­lichkeit und gute Pflege sind ständig die Haupt­bedingungen fürg utes Gedeihen.

Die Kaninchen läßt man im August das letzte Mal belegen, da spätere Würfe kaum er­freuen düsten. Ende des Monats tritt bei den Ka­ninchen der Haarwechsel «in, dessen guter Verlaus durch entsprechende Fütterung (Heu, Rüben, Grünfutter und etwas Hafer) unterstützt wird. Gerne genommen wird auch Fallobst, aus dem die Faulstellen geschnitten sind, und, allerdings mehr zum spielerischen Benagen, stärkere Baum­zweige. Den Ziegen gibt man möglichst freien Weidegang, tütert man (d. h. pflöckt man sie an), so benutze man nur eiserne Ketten; Riemen, Seile

ufsw. halten auf feie Dauer nicht, sie werden von den Ziegen früher oder später zerkaut.

Die Minorkas sind von den leichten Hühner- schlägen wirtschaftlich die besten. Im Eierertrag sind sie erstklassig und wetteifern mit den bekann­ten und berühmten Italienern, denen sie aber im Fleischertrag über sind. Sie liefern nicht nur mehr, sondern auch besseres Fleisch, aber zur Mast eig­nen sich sich auch nicht. Man rechnet 150 Eier im Jahre, die Brutlust ist mäßig. Das Gewicht der Hähne beträgt 3 bis 4 Kilogramm, bas der Hen­nen 2% bis 5% Kilogramm. Im allgemeinen ist das Minorkahnhn für das deutsche Klima gut ge­eignet, nur die großen Kämme der Hähne erfrie­ren mitunter, wenn sie nicht genügend geschützt werden.

Der Magenkatarrh der Ziegen oder die Unver- daulichkeit entsteht meistens durch Versütterung von zu großen Mengen roher Kartoffeln, von sauer gewordener Tränke, verschimmeltem ober vergährtem Heu, Srünfutter usw. Das beste Mit­tel dagegen ist, die Ziegen einige Tage fasten zu lassen. Beginnt sich die Krankheit daraufhin zu bessern, so gebe man zunächst Haferschleim und zartes Heu in kleinen Mengen und gehe erst langsam zur Alltagskost wieder über.

praktische Winke.

Küchenkräuter.

Die Küchenkräuter sind vor dem Blühen zu ernten, da sie nur dann die würzigen Stoffe in vollem Umfange enthalten. Sie dürfen jedoch nicht in der vollen Sonne, sondern müssen, um ihren Wohlgeruch zu behalten, an einem schattigen Orte langsam getrocknet werden. Hierauf werden sie in Bündeln an einem luftigen Orte aufbewahrt, besser noch in Porzellangefäßen oder Gläsern mit Deckeln, wo sie vor Staub bewahrt sind.

Tomalensamen.

Tomatensamen ist leicht zu erhalten, denn die Tomate setzt viel Samen an; des Weiteren pflanzt sie sich aus selbstgezogenem Samen verhältnismä­ßig gut fort. Bei der Samengewinnung läßt man die Früchte recht reif werden, zerdrückt sie und legt in ein Gefäß mit Wasser. Wenn sich nach einigen Tagen das Fleisch von den Kernen ge­löst hat, wird die Masse zur Reinigung durch ein Sieb gerührt und später an sonniger Stelle ge­trocknet. Aufbewahrung trocken und luftig.

Vorbereitung zur Obffaetroerfung.

Der Obst- und Ob stw e i nk e ll e r ist jetzt gründlichst zu säubern, auszuschwefeln und län­gere Zeit gut zu lüften. Die Stellagen, die zur Aufbewahrung des Winterobstes dienen, sind eben­falls zu reinigen und, wenn nötig, zu reparie­ren. Die Obstweinfässer müssen gründlich gewäs­sert und ausgeschwefelt werden, auch sind saubere Eärfpunde bereit zu halten. Alle Maschinen und Pressen, die zur Obstweinbereitung dienen, sind rostfrei zu halten und in ihren Bewegungsstellen gut zu ölen. Peinliche Sauberkeit ist Oie erste Vorbedingung bei der gesamten Obstverwertung, sowohl im kleinen Haushalt als auch in der Obst- verwertungsindustrie.

Kompost.

Guter Kompost ist das beste Düngemittel, das dem Gartenbesitzer zur Verfügung steht, er kann aber auch verhängnisvoll werden, wenn mit ihm Unkräuter oder Krankheiten eingeschleppt werden bzw. verbreitet werden. Deshalb soll kein Un­kraut, das blüht ober Samen angesetzt hat, auf den Komposthaufen kommen, und feine Pflanze ober Pflanzenabsall mit Pilz und anderem Krank» heitsbefall; ongefiebelte Unkräuter sinh aus glei­chem Grunds zu entfernen.

Der Nutznießer des Volksentscheids

ist der KMMNISMNS! duftet iteibt öctu Bflltscutfdjcil) fern! werfiirdenvoltsentfcheidstimmt,HNfMoskm!

Die Küste der Suren.

Von 2)r. Fritz Skowronnek.

Zu den eigenartigsten und seltsamsten Schöpfungen der Natur gehört die Kurische Nehrung, die in einer Länge von 120 Kilometern, aber nur zwei bis drei Kilo­meter breit, das Kurische Haff gegen die Ostsee abschließt. Früher war sie in ihrer ganzen Ausdehnung von hohem Nadelwald bedeckt, der die Fischerdörfer am Ostrande gegen die vom Meer ausgespülten Sandmassen schützte, die von den vorherrschenden West- und Südwestwinden gegen die Nehrung geweht wurden. Als im achtzehnten Jahrhundert dieser Schutzwall bis auf geringe Reste niedergeschlagen wurde, begann alsbald das Unheil, das den ganzen Landstrich in eine Sandwüste verwandelte. Von der Seeküste her, wo Stürme unaufhörlich Massen von Sand ans ßtnb werfen, heben ihn, sobald er trot­ten geworden ist, die Winde auf und führen ihn nach Osten.

Die Folge ist eine Dünenbildung, wie sie in Europa nur an dieser Stelle und in kleinem Maßstab auf der Frischen Nehrung vorkommt. Die bis zu sechzig Meter hohen, langgestreckten Sandberge fallen nach der Ostsee sanft ab, während sie auf der Ostseite eine steile- schung zeigen. Unaufhörlich trägt der Wind die Sand- körnchen die flache Abdachung empor nach Ostes, dem Haff zu. So wandern die Dünen unaufhaltsam über die Nehrung, bis das Hass sie aufnimmt, das in einigen Jahrhunderten versandet fein wird, wenn diesen Natur- Eräften nicht Einhalt geboten wird.

Schon wenige Jahre nach der Abholzung des Wal- des wurden mehrere Dörfer von Wanderdünen ver­schüttet. Das geschah manchmal so plötzlich, daß die Be­wohner kaum das nackte Leben retten konnten, wenn ein heftiger Sturm die Kuppen der Dünen zerriß und dichte Sandwolken vor sich hertrieb. Aber so zäh hing die Fischerbevölkerung an ihrer unwirtlichen Heimat, daß sie sich alsbald an anderer Stelle ansiedelte. Nach

Jahren war die Düne so weit gewandert, daß sie die zerstörten Wohnstätten freigab. Die Festlegung des wandernden Sandes ist nur durch Aufforstung mit Kiefern möglich. Dieser Baum ist nicht nur so genüg- sam, daß er auf dem Sandboden ausdauert, sondern treibt auch seine Pfahlwurzel tief in die Erde hinab. Aber wie schwierig ist die Anpflanzung! Um die klei­nen Pflänzchen vor dem Versanden zu bewahren, muß der Boden ringsum mit Reisig am besten Fichten­ästen bedeckt werden, die durch Stäbe in kleinen Qua­draten festgehalten werden. Die Stäbe müssen natürlich durch Pfähle an den Boden geheftet werden: eine müh­selige und kostspielige Arbeit, die nicht selten durch Sandstürme vernichtet wird. Trotzdem ist es in den letz­ten Jahrzehnten vor dem Kriege gelungen, bedeutende Flächen anjuforften und festzulegen. Es hätte viel mehr getan werden können, aber das Ziel, die Versandung des Haffes zu verhüten und einige Fischerdörfer vor der Z-rstörung zu bewahren, erschien dem preußischen Fis­kus wohl nicht groß genug, um bedeutende Mittel an die Aufforstung zu wagen. Ja, vor einigen Jahren plante die Regierung allen Ernstes, einen Teil der al­ten Waldbestände abzuholzen, und. konnte nur durch ei­nen Entrüstungssturm von ihrem Vorhaben abgebracht werden!

Den Namen hat bas Haff nebst der Nehrung von ei­nem finnisch-mongolischen Volksstamm, den Kuren, die von ihrem Stammsitz am Rigaischen Meerbusen die ganze Ostseeküste bis nach Lübeck besiedelten. Schon lange sind sie von der übrigen Bevölkerung restlos auf­gesogen. Nur auf der Kurischen Nehrung haben sich Reste von ihnen erhalten. Sie sind aber schon von deut­schen und litauischen Namen durchsetzt, ja, auch ein fran­zösischer, Forna<;on, findet sich darunter. Er stammt von einem Flüchtling der großen Armee, der 1813 sich auf die Nehrung verirrte und durch Verheiratung mit einer Fischertochter festwuzelte. Interessant ist es, daß bas Kurische zur Sprache der ganzen Fischerbevölkerung am Haff geworden ist. Auch wo am Ostufer bas Litauische vorherrscht, sind die Ausdrücke für Netze, Geräte und Fische kurisch. Die Zahl der kurisch sprechenden Fischer

beträgt jetzt noch etwa 3000, von denen jedoch die mei­sten auch Deutsch und Litauisch sprechen.

Der nördliche Teil des Haffes und der Nehrung ist durch die Abtrennung des Memelgebiets und seine Be­sitzergreifung durch Litauen unter fremde Herrschaft ge­raten, die mit der fdjärfften Rücksichtslosigkeit gegen das Deutschtum vorgeht. Es ist zu befürchten, daß eine auf der Höhe der Kultur stehende Bevölkerung von ei­nem zum größten Teil aus Analphabeten bestehenden Volksstamm vergewaltigt und zu Boden getreten wird.

Die Bewohner der Nehrungsdörfer leben in der Haupffache vom Fischsang auf dem Haff und zum Teil auch in. der See. Im Sommer fischen sie auf dem Haff mit Gtrnen, Bradde oder Keitel, dst von einem oder zwei flachbodigen, schnellsegelnden Kähnen gezogen werden, wobei viele kleine Fische vernichtet werden. Außerdem mit Stellsäcken, die zu. ganzen Fluchten ver­einigt werden. Darin werden Aale, Bleie, Zander, Quap­pen, Neunaugen usw. gefangen. Je nach der Art der Fische wechselt die Form, die Maschenweite und die Art der Aufftellung. Im Winter wird der F sich'anz vom Effe aus mit einem großen Zugnetz betrieben. In der See fischen die Kuren mit Stellnetzen auf Hering und Flunder und fangen den Lachs mit Legangeln.

Es ist ein schweres, hartes Brot, das die Fischer essen; denn es muß unter Gefahren in mühsamer Arbeit erworben werden. Das Hass ist schon seit Jahrzehnten überfischt, und die Erträge werden immer geringer, da auch Der Nachwuchs an der heimatlichen Scholle haftet und den Beruf des Vaters ergreift. In schweren Win­tern sind die Nchrungsdörfer monatelang von aller Welt abgeschnitten, so daß Mangel an Nahrungsmitteln ein­tritt. Kommt bann noch der Verlust der Netze, was lei­der nicht selten durch Stürme ober plötzlichen "Eisgang bewirkt wird, bann ist die Not groß und macht Staats­hilfe erforderlich.

Einen seltenen Gast beherbergt die Ku,rische Nehrung fest der Auffofftung: den Elch. Die letzten Reste dieser in Europa ausgestorbenen Tierart leben noch in den be­waldeten Bruchniederungen des Memeldeltas am Ostufer

des Haffes. Trotzdem sie sorgsam gehegt wurden, hob sich der Bestand, der etwa vierhundert Köpfe betrug, nicht. Denn obwohl man ihnen Schutzhügel ausgeschüt- tet und Futterstellen darauf eingerichtet hatte, kam all­jährlich eine Anzahl Elche bei den Ueberschwemmungen im Frühjahr um. Effi nach der Eindeichung hob sich der Bestand. Um nach der Nehrung zu gelangen, muß der Elch etwa 15 Kilometer durchrinnen, wobei er aller­dings drei bis vier Kilometer auf der Ostseite watend zurücklegen kann. Immerhin ein respektable Leistung! Aus der Nehrung scheint er sich trotz der mageren Kost ganz wohl zu fühlen, denn er ist dort zum Standwild geworden.

Außer dem jetzt unter litauische Herrschaft gerate­nen Schwarzort, bas als Badeort stark besucht ist, muß noch Rossitten genannt werden, weil sich in feiner Nähe die in der ganzen Welt bekannte, von Professor Thiene- mann errichtete Vogelwarte befindet. Da die Kurisch« Nehrung von allen Vögeln, die vom Norden kommen, als Zugstraße benutzt wird, hatte der oerbienstvolle For­scher reichlich Gelegenheit, durch Beringungsoersuch« wertvolle Aufschlüsse über die Wanderziele unserer Zug­vögel zu gewinnen.

Eine Wanderung die Nehrung entlang, verbunden mit einer Dampferfahrt übers Haff, gehört zu den reiz- vollsten Naturgenüssen, die jeder Freund einer großarti­gen Landschaft in der Erinnerung behalten wird. Wer die Einsamkeit liebt, das unergründliche, ewig bewegte Meer und eine wilde, noch ungebändigte Dünenwelt, un­ternehme einen mehrtägigen Ausflug auf die schmale Landzunge, deren Bewohner ihre Eigenart bewahrt und sorgsam gehütet haben, doch mit einigem Entgegenkom­men leicht zu gewinnen sind. Die im Sonnenschein leuchtenden Dünen, dazwischen die dunkelgrünen Wald­stücke und im Hintergrund als schmaler Streifen bös Meer, haben manchen Maler von Königsberg herüber­gelockt. Die Nehrung wurde in Farben auf die Lein­wand gebracht oder auch, wie es Max Kühner in zahl­reichen Zeichnungen und Radierungen tat, schwarz-weiß wiedergegeben. Immer neue Reize bietet die Nehrung dem Auge des schaffenden Künstlers.