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Deutschland

Polen

Kanada

Bereinigte Staaten

England

Finnland

Schweben Frankreich

gen sich auf einem Tiefstand befanden, der ihrem inneren Werte bei weitem nicht gerecht wurde, wurde eine solche Stiitzungs- oder Interventionsgemeinschaft kein allzu großes Risiko eingehen. Man muß auch bedenken, daß ein gewisses natürliches Gegengewicht gegen ein allzu starkes Absinken der Kurse dadurch möglich ist, daß die Baisse­spekulation noch sehr stark mit Blankoengagements am Markte ist, die ja jetzt erfüllt werden müssen, und das gilt ja jetzt gerade für die Aktien der Danatbank.

Wesentlich schlimmer und für die Allgemeinheit emp­findlicher liegen die Dinge auf dem Markte der fest ve r- zinslichen Werte, für die ja angesichts der gegen­wärtigen Zinshöhe überhaupt keine zuverlässige Bewer­tungsmöglichkeit besteht. Gerade auf diesem Gebiete wird eine Notierung erst dann wieder in Frage kommen dür­fen, wenn wirklich eine den Verhältnissen angepahte Nor­malisierung der Geld- und Zinssätze erfolgt ist. Man wird daher schon um der allgemeinen Beruhigung wegen erst ein paar Börsentage ab rollen lassen, die sich aus Aktiennotierungen beschränken, um dann vorsichtig an die Notierung für festverzinsliche Werte heranzugehen.

Der Zahlungsverkehr.

Anhaltende Rückflüsse zur Reichsbank.

Nach den vorliegenden Meldungen ist der Zahlungs­verkehr auch am Freitag in allen Teilen des Reiches normal und ruhig verlaufen und man rechnet damit, daß die Wiederäffnung der Sparkassen ebenfalls reibungslos vor sich gehen wird. Der Zahlungsverkehr zeigte auch weiterhin Ueberfchüffe; die Rückflüsse von Zahlungs­mitteln an die Reichsbank an den beiden ersten Tagen der Wiederingangsetzung des normalen Zah­lungsverkehrs betragen rund 166 Mill. RM.

— Abschlägig beschiedener Hilferuf für die Kasseler Lokomotiv- und Waggoninduustrie. .Der Generaldirek­tor der Reichsbahngesellschaft, Dr. Dorpmüller, hat auf eine Eingabe des Kasseler Oberbürgermeisters Dr. Stadler im Interesse der Beschaffung von Arbeit der Lokomotivfabrik Henschel u. Sohn, sowie der bei- den großen Waggonfabriken in Kassel und Niederzweh­ren bei Kassel Aufträge zu übertragen, geantwortet, daß die Reichsbahngesellschaft in absehbarer Zeit nicht in der Lage sei, zusätzliche Bestellungen auf Lokomotiven ober auf Eisenbahnwagen zu vergeben, ba die Reichs- bahnsinanzen dies unter gar keinen Umständen gestat­ten.

- Zur Insolvenz der Bantfirma weiller Söhne Itt Frankfurt a. 2R. Die Prüfung der Insolvenz der Bank­firma I. I. Weiller Söhne, Frankfurt, ergab bisher 500 000 RM. Passiven, denen 200 000 RM. Aktiven ge­genüberfteben. Die Massenquote wird etwa 40 Prozent betragen und dürste durch Zuschüsse von privater Seite evtl, eine Erhöhung um 10 Prozent erfahren.

men zur Aufrechterhaltung der Betriebe in Thüringen (Eisenach, Wernshausen und Glücksbrunn) zugesagt. Auch mit dem Regierungspräsidenten in Erfurt sanden Verhandlungen wegen der Aufrechterhaltung der Betriebe in Mühlhckusen und Langensalza statt.

Aus dem Nordwolle-Kouzeru.

Bemühungen um Aufrechterhaltung der Betriebe in Thüringen.

Sowohl die betroffenen Städte wie die Angestellien- organifationen in Thüringen bemühen sich eifrig um die Aufrechterhaltung der von dem Zusammen­bruch des Norbwollekonzerns in Thüringen be­troffenen Betriebe. Es handelt sich um die .Kammgarn- pinnereien Eisenach mit 1800 Arbeitern, Sangen- alza mit 1200, Mühlhausen und Wernshau- e n mit ebenfalls je 1200 Arbeitern und Glücks- b r.u n n mit 600 Arbeitern. In Eisenach, Langensalza und Mühlhausen wird zurzeit 16 Stunden in der Woche gearbeitet, in Wernshausen und Glücksbrunn nur acht Stunden in der Woche.

In Eisenach und Mühlhausen wollen die Stadtver­waltungen eingreifen, um die dortigen Betriebe aufrecht­zuerhalten. In Verhandlungen von Angestellten- und Arbeitervertretern mit dem thüringischen Wirtschafts­ministerium hat dieses bie Unterstützung von Maßnah­

zieht. Der Zahlungsverkehr untersteht nach wie vor den Vorschriften der Deoisenverordnung.

Die Aushebung der Devisenkontingentierung im Wa­renverkehr ist eine Auswirkung der günstigen Gestaltung der Deoifenbilanz der Reichsbank in den letzten Tagen.

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Die Frankfurter Devifenbewirtfchaf- t u n g s st e l l e, die bekanntlich auch für Fulda zustän­dig ist, hat am Donnerstag nachmittag ihre Tätigkeit aus­genommen und hat dös starke, beim Landesfinanzamt Kassel aufgehäufte Frankfurter Material in Bearbeitung genommen. Während einer gewissen Uebergangszeit be­steht also die Möglichkeit, daß hie und ba noch Aufarbei­tungsreste zu bewältigen fiilb; es ist aber dafür gesorgt, baß ein rasches Funktionieren gewährleistet wird.

Der fiottjttttfiut-Hättgang in der Welk

wird im neuesten Wochenbericht des Konjunkturinstituts behandelt. Demnach nimmt lediglich Rußland infolge des planmäßigen Aufbaues seiner Wirtschaft eine Son- Verstellung ein. In allen übrigen Ländern ist besonders die Industrieproduktion seit dem jeweiligen konjunkturel­len Höhepunkt stark zurückgegangen. So in

Aktuelle Fragen der Geld-u. Kreditpolitik.

Ein Vortrag des bekannten schwedischen Rationalökono­men Cassel in Frankfurt.

In der Frankfurter Gesellschaft für Handel, Industrie und Wissenschaft hielt der bekannte schwedische National­ökonom Gustav (Taffe i-Stockholm einen Vortrag über aktuelle Fragen der Geld- und Kreditpolitik in Deutsch­land. Der Vortragende führte aus, daß man vielfach geneigt fei, die gegenwärtige Krise als eine Krise der ganzen kapitalistisch en Wirtschaftsordnung aufzufassen. Diese Ansicht werde nicht nur von den alten Feinden des Kapitalismus propagiert, sie werde auch in ausgedehntem Maße von früher bürgerlichen Kreisen ver­treten, die infolge der Vorgänge ihr Vertrauen in die bestehende Wirtschaftsordnung verloren haben. Eine ein­fache Analyse der gegenwärtigen Krise gebe den Beweis, baß biefe Auffassung vollständig unrichtig sei. Die Krise sei durch ben groften Krieg unb bie Ibarauf folgenden Friebensdiktate, bie ein wahres Monument des Unwiffens und der Unvernunft der Staatsmächte in wirtschaftlichen Dingen darstellen, vor­bereitet worden. Trotz der unerhörten Schwierigkeiten, die die Friedensbedingungen und besonders die Kriegsfchul- denzahlungen der Wirtschaft bereiteten, haben die Kräfte der freien Marktwirtschaft für den Wiederaufbau der Weltwirtschaft Wundervolles geleistet. Erst mit dem Fallen der Warenpreise sei die Krise offen zum Ausbruch gekommen. Die Herabdrückung des allgemeinen Preisniveaus fei aber gleichbedeutend mit einer Steigerung des Geldwertes. Der fortschreitende Preisfall führte unvermeidlich zu einem immer gesteiger­ten Mißtrauen in allen Unternehmerkreisen. Dem Mißtrauen hätten die Zentralbanken entgegenarbeiten können, wenn sie den fortgesetzten Preisfall entschieden bekämpft hätten. Dazu wäre eine liberale Kreditpolitik erforderlich gewesen, die sich das bestimmte Ziel gesetzt hätte, den Preisrückgang zum Stillstand zu bringen? Hier aber versagten bie Zentralbanken vollständig, bei denen die ausschließliche Verantwortung für diese verhängnis­volle Umwälzung lag. Die Zentralbanken wag­ten niemals, ein bestimmtes Ziel für ihre Politik aufzu- tellen, sie verkündeten im Gegenteil einstimmig, um sich oder Verantwortung zu entziehen, daß sie überhaupt kei­nen Einfluß auf die Entwicklung des Preisniveaus hät­ten.

Die starke Verschuldung Deutschlands wurde besonders verhängnisvoll, als der allgemeine Preisfall feit Mitte 1929 einsetzte. Die kapitalistische Wirt- chastsorbnung sei nicht in der Lage, einen unbegrenzten sireissall auszuhalten. Ein solcher müsse zu einer Krise ühren. Nach den Schwierigkeiten der Oesterreichischen Kreditanstalt wurde Deutschland großen Krebiiabziehun- gen ausgesetzt, bie um so gefährlicher waren, als Deutschland viele Milliarden kurzfrisii- gerAuslandsschulden hatte. Das große Problem ür Deutschland war in diesem Falle, das Vertrauen auf­rechtzuerhalten und damit fortgesetzte Krebitabziehungen abzuwehren. Gegenüber dem Auslanbe wäre eine Wie­derherstellung des Vertrauens nur möglich gewesen, wenn die Reichsbank sich bereit erklärt hätte, alle Ansprüche auf ausländische Devisen unbedingt zu erfüllen. Da bie Reichsbank aber zögerte, von ber 40projentigen Noten- deckung abzugehen, ging eine Milliarde in Gold und De­visen für sie verlörest, ohne daß sie für die Aufrecht­erhaltung des Vertrauens das geringste geleistet hätte. Auch dem Inland gegenüber hätte sich bie Reichsbank bereit erklären sollen, allen Ansprüchen entgegenzukom­men. Nur wäre bann ein sehr hoher Diskont erfor- berlich gewesen. Hätte sie aber frühzeitig genug eine Diskonterhöhung vorgenommen, so würde vielleicht ein 12prozentiger Satz genügt haben. Wenn das Publikum weiß, daß es Geld bekommen kann, so will es zu sol­chen Sätzen kein Gelb haben. Dies beweisen bereits die Erfahrungen nach der Wiederaufnahme des uneinge- chränkten Zahlungsverkehrs.

Wann wieder Börsenverkehr?

Boraussehung für die Wiedereröffnung der Effekten­börse sind außer dem freien Geldverkehr normale Geld- und Zinssätze. — Lin Stützungs-Konsortium? Die besondere Lage des Marktes der festverzins­lichen Werte.

Mit ber Wiederherstellung des freien Geld- und Zahlungsverkehrs ist auch die Frage der Wiede rer- eröffnung der Börse aktuell geworden. Gewiß ist für dasFunktionieren ber Börse ber vollständig freieGeld- verkehr Voraussetzung ,aber noch wichtiger ist doch wohl der Schutz ber Wertpapierbesitzer vor schw eren Verlusten, bie sich aus einem plötzlichen unb sehr umfangreichen An­gebot ergeben müßten. Mit einem solchen Angebot muß man ja rechnen, weil ein bis jetzt zurückgehaltener großer Geldbedarf befriebigt werben muß, unb weil zu diesem Zwecke bie Lösung von Effektenengagements mangels anberer Kreditbeschaffungsmöglichkeiten der vielfach ein­zig gegebene Weg ist. Es besteht also bie Gefahr, daß Vermögen förmlich verschleudert wirb dadurch, daß sich ein auffallendes Mißverhältnis zwischen den letzten Kurs­notierungen unb den sich neu herausbildenden ergibt, dem sich aber diejenigen nicht zur Wehr fetzen können,'die eben das Geld benötigen.

Man wird schon der Auffassung zustimmen müssen, daß ber freie Geldoerkehr allein nicht ge­nügtem auch bie Börse wieder frei schalten und walten zu lassen. Dazu gehören vor allen Dingen auch nor­male Geld- und Zinssätze, bie wir unter dem Zeichen des Reichsbankdiskonts von 12 bis 15 Prozent noch nicht haben. Wenn bestimmte Kreise die Wiederer­öffnung der Börse dis Mitte August betreiben, so kann man es ja verstehen, weil es sich um Schichten handelt, die von Börsengeschäften existieren. Aber es sind doch allgemein volkswirtschaftliche und auch privatwirtschaft- liche Interessen wahrzunehmen, die eine vorsichtige Zu­rückhaltung unbedingt geboten erscheinen lassen.

In beteiligten Finanz- und Wirtschaftskreisen wird darum auch schon seit längerem erwogen, für den Fall der Wiedereröffnung der Börse sozusagen ein <51 ü t- zungskonsortium zu bilden, das bei unverhältnis­mäßigen Kursdifferenzen zu intervenieren hätte. Da die Kurse ja vor dem letzten Börsentag, also vor dem 11. Juli 1931, ohnehin schon keineswegs übersteigert waren, daß vielmehr gerade die Kurse unserer besten Unternehmun-

Die Finanzierung der Ernte.

Die Ernte kommt nicht bloß reichlicher, sondern in­folge des Wetters schneller auf den Markt, als ursprüng­lich angenommen. Die Erntefinanzierung mußte daher beschleunigt werden. Zwischen Rentenbank-Kreditanstal­ten und Banken wurde soeben darüber verhandelt. Die Mittel stehen, da sich bie Reichsbank zum Rediskont schon grundsätzlich bereit erklärt hat, zur Verfügung. Es werden etwa 140—150 Mill. Mk. benötigt, die zum klei­nen Teil aus eigenen Mitteln der Rentenbank-Kredit- anstalt kommen, zum größten Teil wohl von ber Reichs­bank. Es sind zunächst 500 000 bis 700 000 To. zu be­wegen. Eine Mitteilung des Ernährungsministers über bie Durchführung der Erntefinanzierung bürste noch im Laufe bes Tages kommen.

Die Geraer Betriebe ber Toga, Abteilung Fr. Weißpftog, unb bie Färberei unb Appreturanstalt norm. Schütze u. Leube haben Stillegun gs antrag ge­stellt und beabsichtigen, in der nächsten Woche bie Hälfte der etwa 1200 Personen betragenben Belegschaft zu ent­lassen, während die Kammgarnspinnerei F o ck e bereits stillgelegt ist. Die Prüfung der Rentabilitätsfrage bet der Kammgarnspinnerei Langensalza soll einstig ausge- fallen sein.

Auf Grund der in den letzten Wochen gepflegten Verhandlungen ist die In t e r e f f e n g e m e i n f d) a f t, die feit 1922 zwischen der Kammgarnspinnerei Kaiserslautern, Kaiserslautern i. d. Pf., und der Nordd. Wollkämmerei u. fiammgarnfptn- n e r e i, Bremen, bestand und durch Aktienumtausch ge­festigt wurde, aufgehoben worden. Zwischen den beiden Unternehmen bestehen nunmehr keinerlei ver­tragliche Bindungen mehr.

— Seine Stützungsaktion für den Frankfurter Bieh- markt. Eine Kommission, bestehend aus dem Schlacht- Hofdirektor, sowie Vertretern des Großoiehhandels und der Landwirtschaft, war bei der Regierung wegen einer Stützungsaktion für den Frankfurter Großviehmarkt vor» tellig geworben. Während nun die süddeutschen Märkte in München, Nürnberg und Augsburg eine Stützung dergestalt erfahren, baß für jebes ausgeführte Stück Großvieh eine Prämie von 30 bis 60 Mark gezahlt wird, hat man das Frankfurter Ersuchen nur in Erwägung gezogen und die Kommission auf bessere Zeiten vertröstet.

kungssicherheit zeigt besonders deutlich, wie überflüssig und schädlich alle anderen gutgemeinten, aber schlechten Ratschlage zur Behebung der Zahlungsstockung waren. Was ist nicht alles vorgeschlagen worden: Verwendung der Sparbücher an Zahlungsstatt (Sparmart), Ausstel­lung von kleinen Pfandbriefen zu Zahlungszwecken (Hy­pothekenmark), Ausstellung von Warenscheinen bei der Ausfuhr und Verwendung derselben an Zahlungsstatt (Exportware) usw. 9tpmer waren diese Vorschläge von der überzeugten Bemerkung begleitet, daß sie keine In- ffation darstellten. Und doch hätte die Durchführung solcher Vorschläge nichts anderes als bie reinste Infla- Hon bebeutet, bei der zwar bie Reichsmark nicht an Wert verloren hätte, aber wegen Hamsterung aus dem Verkehr gedrängt worden wäre. Hoffentlich wird die jo wertvolle Erfahrung, bie wir nun mit der wirklichen Sicherung des Geldwerts auch bei vermehrter Noten­ausgabe machen, endlich einmal etwas mehr Klarheit über das Wesen des Geldes bringen. Die R e i ch s- bant hat alle Mittel in ber Hand, um jebe Geld- und Währungskrise zu meistern: sie muß sie nur energisch gebrauchen. Alle Infla­tionen sind nur daburch entstanden, daß die Zentral­notenbanken entweder versagten oder zu abhängig von den Regierungen waren, die sich über die Notenpresse billiges Geld verschafften.

Mit der Wiederingangsetzung des Zahlungsverkehrs ist nun erst wieder ein sozusagen normaler Zustand her- gestellt worden, auf dem die bestehenden großen und schweren Probleme angefaßt werden können. ' Die eigent­liche Arbeit beginnt erst jetzt. Die drei Milliarden, die das Ausland in den letzten Monaten abgezogen hat, müssen erst jetzt aus der deutschen Wirtschaft ,in der sie zumeist eine feste Anlage gesunden hatten, herausgepreßt werden. Der größte Teil dieser Summe war ja dem Ausland bisher nur von den Banken und der Reichs­bank vorgelegt worden. Wie diese Herauspressung vor sich gehen wird, zeigt bie von den Banken oorgenommene Krebittunbigung, bie zunächst im großen Durchschnitt etwa 15 Prozent beträgt. Die Zahlungsmittelkrise ist be­hoben: aber jetzt beginnt erst bie Kreditkrise. Neben ber Entziehung von Krediten steht eine umfangreiche Ver­weigerung, wie sie am schärfsten durch eine neue Not­verordnung gegenüber den Kommunen angeordnet wor­ben ist. Ueberall, in Wirtschaft unb öffentlichen wie pri­vaten Haushaltungen wird sich ber Bewegungsraum als eingeengt erweisen, wird ein großer „Abbau" jeder Art eintreten müssen, der vor nichts Halt machen wird, we­der vor Vermögen, noch vor Einkommen, noch vor Prei­sen/ Es ist selbstverständlich, daß bei diesem Vorgang alle möglichen Erleichterungen gesucht werden müssen, auch solche diskontpolitischer Art. Die oben erwähnte Maßnahme der Reichsbank gibt ihr ja die Möglichkeit, den Diskont schnell roieby herabzusetzen, und es darf an­genommen werden, daß nach ber ruhigen Aufnahme der Schalteröffnung es längstens bei dem Zehntagebiskont von 15 Proz. bleiben wirb.

Der Zahlungsverkehr ist aber in Wirklichkeit so lange noch nicht frei, als nicht auch die Fesseln gelockert sind, die heute noch ben Effektenverkehr binden. Außerordent­lich große Zahlungsvorgänge gründen sich auf ben Wert- papierverkehr als bie Unterlage von Krediten. Die Um­sätze in Wertpapieren betrugen selbst 1930 noch 20—25 Milliarden, sind also einer ber größten Posten unter ben volkswirtschaftlichen Umsätzen überhaupt. Viele Kredite können nicht abgebaut werben, wenn Wertpapiere nicht verwertet werben können. Die Furcht, baß bie neuen Kurse nicht mehr diejenigen vom 11. Juli fein werben, kann kein Hinbernis bitben, ebensowenig bie Angst vor einer Ueberfrembung bes Auslands. Es hat sich zur Ge­nüge erwiesen, baß das Ausland ja gar nicht deutsche Werte kauft, selbst wenn sie noch so billig sind. Natur­gemäß ist heute ber Kapitalzins hoher, aber bas läßt sich durch nichts verschleiern. Die Wiederingangsetzung ber Börsen ist zweifellos ein Gegenstand von Sorgen, aber sie muß bald in Angriff genommen werden.

Lockerung der Devisenzwangswirtschaft.

Freigabe der Devisenbeschaffung für den Warenverkehr.

Die Reichsregierung hat bie Devisenbewirtschaftungs- stellen angewiesen, bis auf weiteres den Firmen, bie eine entfpredjenbe Hanbelskammerbefcheinigung oorweifen können, allgemein bie Genehmigung zum Erwerb von Devisen und zur Verfügung dieser Devisen zu erteilen, soweit diese Devisen zur Finan - zierung der Ein- und Ausfuhr und des Tran- sithandels von Waren verwendet werden sollen. Die Reichsregierung erwartet aber von ber Verbraucherschaft, Hanbel unb Banken, daß sie bei ber Cindeckung, insbe­sondere von Luxuswaren unb Genußmitteln sich durch bie Wirtschaftslage gebotene Zurückhaltung auferlegen.

Eine Kontrolle der Verwendung ber, für bie Einfuhr in Anspruch genommenen Devisen, wird nach­träglich durch die Devisenbewirtschastsstellen ftattfinben.

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Von unterrichteter Stelle wirb ausdrücklich darauf hingewiesen, daß sich die Freigabe von Devisen nur auf die Warenbeschaffung, also auf bie Einfuhr, nicht aber auf den Zahlungsverkehr in Devisen be­

Im Außenhandel der meisten Länder setzt sich bie Schrumpfung der Einfuhr unb ber Ausfuhr fort. Vor allem in Europa hält ber Ausfuhrrückgang an. Aehn. liehe Erscheinungen zeigen sich auf sämtlichen Wirtschafts­gebieten: dem Effekten-, Kredit-, Warenmarkt. Wäh­rend Frankreich von dem Niedergang nur sehr wenig be­rührt wird, zeigt sich anberfetts bie enge Verbundenheit der Vereinigten Staaten von Amerika mit der euro­päischen Wirtschaft in einem Konjunkturrückgang, ber dem Deutschlands nicht sehr nachsteht.

Die Wiederherstellung bes freien Zah- lungsverkehrs ist reibungslos vor sich ge- g a n g e n ; es roirb auch nicht zweifelhaft fein können, baß die Aufhebung ber Beschränkung ber Auszahlungen auf Sparkonto keine Schwierigkeiten mehr bereiten wird. Bas Volk hat bie Ruhe bewahrt, die viele einsichtige Kreise ohnehin für wahrscheinlich hielten. Man kann heute die Frage, ob wirklich drei Wochen erforderlich waren, mu zu diesem Ergebnis zu kommen, glatt ver­neinen. Nicht, daß es leicht wäre, hinterher das Rich- tfge zu sehen: vielmehr ist bas Notwenbige und Mög- liche schon in ben kritischen Tagen um Mitte Juli vor- aeschlagen worden, und nur die Uneinigkeit zwischen Reichsbank und Banken sowie die Unentschlossenheit ber Reichsbank haben wertvolle Zeit verlieren lassen, bie mit ben inzwischen eingetretenen Stillegungen unb Zah­lungsstockungen die deutsche Volkswirtschaft viel Geld gekostet hat. Richtig war ber Damals nicht durchgebrun- gene Vorschlag, am 13. Juli für einige Tage alle Ban­ken zu schließen unb bann alle mit dem gleichen Rück­halt bei der Reichsbank zu öffnen, den letztere nun nach langem Zögern doch gegeben hat. Deutschland hat eine große Chance verpaßt, nämlich der Welt zu zeigen, wie durch entschlossenes und schnelles Handeln eine Geldkrise gemeistert werden kann, ohne daß Rücksicht auf stim- mungsmäßige Vorurteile ber Massen genommen zu wer­ben braucht.

Es barf heute wohl ausgesprochen werden, baß das Zögern ber Reichsbank in erster Linie bestimmt war von ber Furcht, notwendigenfalls eine sehr erhebliche Menge neuer Noten drucken zu müssen. Die Summen, mit denen man je nach der Große einer etwaigen Mas­senpanik gerechnet hat, gingen in bie Milliarden. Das erklärt schon der hohe Diskont von 15 Prozent. Bank- gesetzlich hätte die Reichsbank selbst bei 10 Prozent bie Möglichkeit einer Mehrausgabe von Noten in Höhe von etwa X'A Milliarden gehabt. Es ist aber befürchtet wovden, daß dieser Betrag weitaus nicht ausreichen könne, um bei ber vollen Schalteröffnung alle Ansprüche zu befriedigen. Neben der Ungewißheit, inwieweit Sparguthaben (sie betragen allein bei den Sparkassen 12 Milliarden) abgehoben würben, blieb unsicher, wel­cher Zahlungsbedarf sich aus einer möglichen großen Kontenoerschiebung van einer Bank zur anderen er­geben würde. An sich wäre diese auf dem Wege der Uebermeifung möglich gewesen; aber wohl einer sehr großen Anzahl von Fällen mußte angenommen wer­den, daß die Umschichtung durch Barzahlung erfolgen würde, da man ber einen Bank nicht bie neue Bank­verbindung zeigen wollte.

Diese beiden Gefahrenpunkte sind überwunden. Die Abhebungen auf Sparkonten haben keinen außergewöhn­lichen Umfang angenommen, und die Verschiebung in ben Konten bleibt ebenfalls hinter den Befürchtungen zurück. Das Ergebnis ist, daß die seitens ber Reichs­bank für alle Fälle in Bereitschaft gehaltenen Zahlungs­mittel nur zu einem Bruchteil in Anspruch genommen zu werden brauchten. Das hat eine unmittelbar prak­tische Bedeutung.

Es ist viel hin- und herüberlegt wovden, wie die zur Behebung der Zahlungsstockung erforderlichen zusätz­lichen Zahlungsmittel beschafft werden könnten, ohne daß die Gefahr einer Aufblähung bes Geldumlaufs entstände. Die Reichsbank hat schließlich unter Ablehnung aller anderen Vorschläge ben einzig richtigen Weg beschritten, die Zahlungsmittel selbst zu beschaffen. Sie hat aber gleichzeitig eine sehr schnell wirkenbe Maßnahme er­griffen, bie sofort bie überflüssigen Zahlungsmittel wie­der aus bem Verkehr zurückziehen läßt. Sie gibt näm­lich Krebite auf bie neu eingereichten Wechsel nur für 10 Tage. Sie bat also die Möglichkeit, am 15. August die Sättigung des Zahlungsverkehrs mit Noten zu prü­fen unb ohne weiteres eine beliebige Menge Noten wie­der dadurch einzuziehen, baß sie entsprechend Wech­sel zur Zahlung zurückreicht. Diese so sehr einfache Maßnahme mit einer unübertrefflich prompten Wir-

Apokhekergewerbe unb Wirtschaftskrise.

Erheblicher Rückgang des Arzneikonsums.

Wie der Deutsche Apotheker-Verein, Berlin, berichtet, hat bie schwere Wirtschaftskrise zu einem erheblichen Rückgang bes Arzneikonsums geführt. Seit dem 13. Juli ist ber Privatumsatz der Apotheken um 20 bis 30 v. H. zurückgegangen. Auch der Arznerverkauf der Krankenkaffen wefft weitere erhebliche Minderungen auf. Schon durch die mit ber Juli Not-Verordnung einge- ührte Krankenscheingebühr und den Arzneikostenanteil haben sich die Arzneikosten Der Krankenkassen um etwa 20 o. H. vermindert. Für eine große Anzahl von Apo­theken — etwa 50 o. H. des Gesamtumsatzes entfallen auf Srantenfgffenlieferungen — bedeutete das eine er­hebliche Einbuße. Don der Deutschen Apothekenbuch­telle wlipde eine Verminderung der Rentäbi- lität Der Apotheken gegenüber ber Zeit vor ber Notverordnung um 17 v. H. ermittelt. Die jetzige Krise hat im Verein mit weiteren Sparmaßnahmen ber Kran­kenkassen erneut erhebliche Rückgänge auch hn Kranken­kassenumsatz der Apotheken gezeitigt.

Die Wirtschaft der Woche

Don Dr. A. Noll, Frankfurt a. M.

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