gegengetreten.
V
im
eingehen:
Alles, was diesen Wochen fahr nicht das
wartete mit Sehnsucht auf Interessenten für sein künstliches Echo. Sobald sich jemand vor dem Hause sehen ließ, rannte Tonl schon durch die Hintertür in das Feld, wo er seine Trompete im Kraute versteckt hatte.
Die Rolle des Geistes hatte er erst einmal gespielt. Quaddel prägte ihm den guten Grundsatz ein, daß man auch des Guten nie zu viel tun solle. Eines Morgens erschien er aber mit.arg geschwollener Backe vor Quaddel. Er hatte in der Nacht zum zweiten Male das Burggespenst gemimt. Vom Wirte wegen seines verschwollenen Gesichts gefragt, erklärte er wehleidig: „Da ist der amerikanische Herr dran schuld. Wie ich den Geist gemacht habe, ist er gekommen und hat sehr gut deutsch mit mir
Am Nachmittage entdeckte Tonl mit Schrecken, daß man ihm die Trompete aus dem Krautfeld gestohlen hatte. Er stand verdattert da und wußte nicht, wie er dieses neue Mißgeschick seinem Herrn mit nötiger Schonung beibringen solle. Quaddel hatte üble Laune, war doch der „Amerikanische" mittags abgereist. Da kam dem armen Knechte ein guter Einfall, wie er dem Quaddel vorläufig den Diebstahl verbergen könne. Und als gegen Abend eine Schar Wandervögel im Garten der Waldschenke Einzug hielt, lief Tonl wieder wohlgemut durch die Hintertür ins Krautfeld.
Quaddel machte die jungen Leute auf das fünffache
geredet."
„Unsinn, er kann ja nicht deutsch sprechen."
„Er hat mir's ausgeschrieben."
„Und das hast Du im Finstern lesen können?"
„Eine solche Art von Handschrift kann man auch Fenstern lesen."
Echo aufmerksam, das man vom Garten aus hören könne. Ein paar Burschen schrieen. Aber das Echo streikte.
„Ja, erschreien kann maus nicht," sagte Quaddel pfiffig. „Es muß etwas lauteres fein. So eine Trompete da, die schmetterte ganz anders als eine Menschenstimme."
Verwundert ob dieses seltsam schwerhörigen Echos nahm der eine die Trompete und blies die volkstümlichen, letzten Zeilen: „Behüt' dich Gott, es wär' so schön gewesen! Behüt' dich Gott! Es hat nicht sollen sein."
Alles wartete gespannt.
„Es hat nicht sollen sein", klangen die Töne ganz richtig fünfmal zurück, und trotzdem wurde diese Muster- leistung des Echos mit schallendem Gelächter belohnt. Dieses Echo hatte nämlich mit den Klängen einer Ziehharmonika geantwortet.
Quaddel lief vor Verlegenheit und Wut blaurot an, rannte fuchsteufelswild nach dem Krautacker hinaus und verabreichte dem unglücklichen Echo zwei schallende Ohrfeigen.
Dafür war aber Tonl nun auch von seinem anstrengenden Amte erlöst und konnte sich ganz s»sner früheren Tätigkeit hingeben, die weniger Gehirnschmalz ersordete.
Ich stelle erneut fest, daß eine große Ausländsanleihe augenblicklich und für geraume Zeit außerhalb der realpolitifchen Möglichkeit liegt.
Hierfür gibt es verschiedene Gründe. Ein Hindernis liegt insbesondere in der Tatsache, daß zu einer solchen Anleihe die Garantie mehrerer großer Länder verlangt wird, deren Zusage zu erreichen teils aus staatsrechtlichen, teils auf finanztechnischen Gründen zurzeit ausgeschlossen ist. Darum ist vorerst Deutschland und seine Wirtschaft auf S e l b st h i l f e und das Vertrauen in seine eigene Kraft angewiesen. Niemand möge hierbei die Besorgnis haben, daß diese Stellungnahme der Reichsregierung der Ausfluß eines überstürzten Nationalsozialismus sei. Keiner kann von der internationalen Jnteressenverflochtenheit aller Länder überzeugter sein als die Deutsche Reichsregierung. Es ist ausgeschlossen, daß Deutschland mit einer chinesischen Mauer sich umgeben könnte, innerhalb deren das deutsche Volk unter Befriedigung seiner eigenen Bedürfnisse ausschließlich eigenem Handel und Wandel nachgehen könnte. Deutschlands Wirtschaft ist und bleibt auf enge handelspolitische Zusammenarbeit mit dem Auslande angewiesen. Ohne Zaudern ist die Reichsregierung schon vor und während der Pariser und Londoner Verhandlungen daran gegangen, die Folgerungen aus dieser Sachlage zu ziehen. Einen gewissen Abschluß haben die erforderlichen, mehr technischen Sanierungsmaßnahmen am vergangenen Samstag gefunden.
Ich kenne
die Schwierigkeiten, in die ein Teil der deutschen Großbanken durch die plötzliche Abzie- hung großer Posten kurzfristiger Kredite gekommen war.
Bei der Bedeutung, die die Großbanken in der gegenwärtigen Struktur unseres Bankwesens für die deutsche Gesamtwirtschast haben, waren schnelle Entscheidungen der Regierung notwendig. Besonders nenne ich die Maßnahmen, die vor wenigen Wochen in bezug auf die Darmstäd - ter- und Nationalbank und in den letzten Tagen auf die Dresdener Bank ergriffen worden sind. Auch in personeller Hinsicht werden geeignete Schritte nachfolgen. Die Einschiebung von Bankfeiertagen gab der Reichsregierung und den beteiligten Wirtschaftskreisen die Möglichkeit, mit Sorgfalt und in engem Zusammenwirken mit der Reichsbank und berufenen Sachverständigen des In- und Auslandes al! die Maßnahmen vorzubereiten, die für eine planmäßige Wiederingangsetzung des Zahlungsverkehrs erforderlich waren. Ein wesentlicher Punkt solcher Maßnahmen war die Schaffung der Akzept- und Garantiebank, die als neuer Garantie- träger der größten deutschen Banken erst die Voraussetzung schus, die Reichsbank durch Hergabe einer weiteren Wechselunterschrift zur Herausgabe der erforderlichen Noten instandzusetzen. Durch die letzten Entschließungen vom vergangenen Samstag wurde erreicht, daß vom morgigen Mittwoch an der Geldumlauf im Bar- und Ueberwei- sungsverkehr bei den Banken wieder in Gang gesetzt werden kann. In Verbindung damit waren einschneidende Bestimmungen zur Verhinderung der Kapitalflucht und für den Verkehr mit ausländischen Devisen erforderlich. Aus der Schärfe der Bestimmungen die bis zur Festsetzung von Zuchthausstrafen bei ehrlosem Verhalten und schweren Verstößen gegen diese Vorschriften gehen,
Der vielseitige Tonl.
Humoreske von Richard Blasius.
Die alte Schenke lag in einer idyllischen Gegend, von Wald umgeben, in unmittelbarer Nähe einer Ruine, die natürlich nach dem Glauben des Volkes einst eine Raubburg gewesen sein mußte. Aber Tobias Quaddel, der Schankwirt, war von der weltabgeschiedenen Schönheit durchaus nicht entzückt. „Davon kann ich nicht leben", sagte er sehr richtig. ,Hch muß Gäste haben." Aber außer ein paar Waldarbeitern, dem Förster und dem Steuerboten suchte ihn selten jemand auf.
Da geschah es eines Tages, daß ein Schwede Gefallen an der Gegend fand und sich füjr drei Tage in der Waldschenke niederließ. Da er kaum drei Worte deutsch sprach, aber gut zahlte, wurde er sofort der „Herr Amerikaner" genannt. Und da sich Quaddel entsann, einmal von amerikanischer Ueberspanntheit gelesen zu haben, stand es bei ihm fest, daß auch sein Herr Amerikaner ein verschrobener Kopf sein müsse.
„Wenn Du es bist, kann ich es auch sein", sagte der Wirt und nahm seinen Knecht, den Tonl, auf die Seite. „Hör mal, Tonl!" sagte er. „Der Herr Amerikaner hat einen Sparren, den müssen wir füttern. Wir brauchen ein Burggespenst, das zuweilen hier geistert. Du mußt das machen. Brauchst nur um Mitternacht über die Diele oben zu schleichen und eine Kuhkette hinter Dir herzu- ziehen."
„Da soll er zum Doktor gehen", feixte Tonl dumm.
„Halls Maul! Dann brauchen wir auch ein Echo.
Am Dienstag abend erklärte durch den Rundfunk Reichskanzler Dr. Brüning folgendes:
Heute vor 6 Wochen habe ich mich schon ein mal von dieser Stelle aus an das deutsche Volk gewandt. Damals stand es unter dem Eindruck des großen historischen Schrittes des Herrn Präsidenten Hoover, durch den Deutschland auf ein Jahr von der Zahlung der Reparationsoerpflichtungen befreit werden sollte. Gleich damals habe ich vor der Illusion gewarnt, daß wir bei Annahme dieses hochherzigen Planes über die Gesamtheit der uns bedrängenden Nöte hinweg seien. Dieser Sorge hat die Entwicklung der Zwischenzeit leider Recht gegeben.
Das deutsche Volk hat die über alle Schichten hereingebrochene schwere Prüfung mit vorbildlicher Ruhe über sich ergehen lassen, und seinen natürlichen Sinn für Ruhe und Ordnung bewahrt, der die verdiente Anerkennung der ganzen Welt gefunden hat.
Die deutsche Oeffentlichkeit hat ein Recht darauf, von der Reichsregierung über die Geschehnisse der letzten Wochen unterrichtet zu werden, zumal die berufene Volksvertretung der deutsche Reichstag, in staatsmännischer Einsicht dem Wunsche der Reichsregierung gefolgt ist und von einer Sommertagung in diesen Krisenmonaten Abstand genommen hat. Die Reichsregierung mußte in den vergangenen Monaten in'ihren Maßnahmen, vor allem in der Reparationspolitik ohne Rücksicht auf Agitationsbedürfnisse behutsam vorgehen, weil sie sich gewisser, in der Lage unseres Geldmarktes bedingter Gefahren bewußt war. Diese Politik wurde vielfach nicht verstanden. Daher haben sich vor Außenstehenden die politiscben und wirtschaftlichen Ereignisse in der letzten Woche geradezu überstürzt. Der Hooverplan ist in seinem wesentlichen Inhalt verwirklicht worden, wenn auch seine mehrwöchige Verzögerung schwere Rückwirkungen auf die deutsche Wirtschaft ausgeübt hat.
Die in diesen Wochen erfolgte Entziehung kurzfristiger ausländischer Kredite in Mllliarden- höhe aus den deutschen Banken bedeutet für unsere Bolkswirkschaft einen plötzlichen und gefahrvollen Blutverlust.
Starke Störungen des Zahlungsverkehrs und Erschütterungen des gesamten Wirtschaftsleben waren die naturgemäße Folge.
Ein bedeutsamer Fortschritt ist aber als Ergebnis dieser Krise unverkennbar. Heute ist sich die gesamte Welt darüber einig, daß die Geschicke der Völker miteinander auf das engste verflochten sind, daß Störungen im Organismus eines so großen Wirtschaftskörpers wie Deutschland nicht ohne ernste Folgewirkung auch im Auslande bleiben können.
Sein Politiker kann mehr die Richtigkeit des Satzes bezweifeln, daß die Rot eines Bolles nicht der Bortsil der anderen sein kann.
Vor sechs Wochen sagte ich deshalb, daß das Gedeihen Europas und der Welt davon abhinge, daß diejenigen, die ein tückisches Geschick im Weltkriege zu Feinden werden ließ, weitsichtig zu den Entschlüssen sich aufrafften, welche die gemeinsam beklemmende Not von ihnen fordert. Ich sagte insbesondere, daß sich die deutsche Regierung be= wußt sei, welche Wichtigkeit der zukünftigen Gestaltung der Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland zufällt.
Aus solchen Erwägungen, die trotz aller Hindernisse in steigendem Maße bei den entscheidenden Faktoren sich durchzusetzen beginnen, ist es inzwischen zu dem deutschen Staatsbesuch in P a- r i s gekommen, dem sich dann die Siebenmächtekonferenz in London anschloß. Dieser Konferenz folgte der Besuch der amerikanischen und englischen Staatsmänner in der Reichshauptstadt. Morgen abend begebe ich mich, einer Einladung der italienischen Regierung folgend, in Begleitung des Herrn Außenministers nach Rom. Hoffentlich werden wir demnächst den in Paris aufgenommenen denifch-französischen Gedankenaustausch beim Gegenbesuch der französischen Staatsmänner in Berlin in freimütiger Weise fortsetzen. Die Ergebnisse dieser außenpolitischen Besprechungen sind naturgemäß
nur erste Schrille auf einem Wege, an dessen Lude nach unserer Hoffnung eine dauerhafte internationale Kooperation stehen soll.
Zwischen den Erstlingsergebnissen solcher Zusam- menkünfte und den durch die dringende Not erregten Hoffnungen wird immer eine schmerzliche Distanz bestehen.
So sehr ich dieses Gefühl verstehe und würdige, so bedauerlich wäre es, wenn solche Anfangstäuschungen imstande wären, den entschlos-
Der Herr Amerikaner ist grab nicht da. Renn' hinters Krautselb! Ich schreie bann: Die Amerikaner sein kum- men. Du schreist fünfmal zurück: Sein kummen, sein kurnmen!"
Tonl schüttelte den Kopf, begriff nicht ganz, lief aber fort. Das Echo wurde eingeübt, bis Tonl es fertigbrachte, fünfmal „Sein kummen" zu schreien, mit gut ab gestimmter Tonstärke, nicht zu laut unb nicht zu schwach.
Am gleichen Tage erhielt die Walbschenke gleich noch zwei Gäste auf einmal, ein Pärchen, bas einen stillen Winkel für sein junges Eheglück suchte. Quaddel pries sofort fein Echo an, da er dessen Dasein dem Herrn Amerikaner nicht plausibel zu machen verstand. Aber bas Pärchen achtete nicht darauf. Er und sie hatten nur für einander Interesse. Aber am zweiten Tage probierte der junge Gatte bas Echo doch einmal, da er auf kurze Zeit allein war: „Iuhuuu, juhuuu!"
Quaddel sah erregt aus dem Fenster. „Sein kummen, sein kummen, fein kummen," grölte Tonl fünfmal am Krautacker. Wie der Wind war der Wirt mit dem Kopfe zurück, rannte fluchend in der Gaststube umher unb holte dann fein unglückliches Echo heim.
Der junge Ehemann aber lachte ergötzt unb erzählte den Vorfall ihr. Tonl bekam eine derbe Strafpredigt zu hören und wurde seines Postens enthoben, wenigstens auf die Dauer von vier Tagen. Als das Pärchen abgereist war, kam Quaddel wieder auf das Echo zurück. Tonl mochte wollen oder nicht, er mußte zuletzt doch klein beigeben. Quaddel drückte ihm eine Trompete in die Hand, die Tonl wirklich zu blasen verstand. Eine zweite lag nun im Garten für etwaige Besucher bereit, und Quaddel
senen Willen Deutschlands zu hemmen, auf beschrittenen und auf die Dauer allein aussichtsreichen Wege weiter zu gehen. Was
das bisher auf der Londoner Konferenz erzielte Ergebnis
anlangt, so wiederhole ich Bekanntes, wenn ich sage, daß zunächst der an die Reichsbank gewährte 400-Millionen-Kredit für drei Monate erneuert worden ist, daß durch gemeinsamen Beschluß der beteiligten Regierungen und durch Einwirkung auf die heimischen Banken weiterer Abzug vov Krediten aus Deutschland verhindert worden ist, und daß schließlich ein Komitee erster Banksach- versiändiger in den nächsten Tagen beraten soll, um die Höhe weiterer deutscher Kreditbedürfnisse zu prüfen und gewisse Vorschläge zu machen. Eine durchgreifende Finanzhilfe großen Stils — ich trage keine Bedenken, dieses festzustellen — ist damit einstweilen nicht erreicht.
In der deutschen Oeffentlichkeit wurde da und dort von einer umfassenden Ausländsanleihe gesprochen und der deutschen Reichsregierung der Vorwurf gemacht, daß sie aus mißverstandenen Prestige-Gründen den Anleihe-Gedanken nicht ernst genug verfolgt habe. Dieser Auffassung ist die Reichsregierung bereits mit Nachdruck ent-
Darum ist eine Sorge, als ob bas sauer verdiente unb ersparte (Selb, ba unb borf angelegt, in Gefahr sei, seinen Wert wie in bet Inflationszeit einzubüßen durchaus gegenstandslos. 3m Gegenteil, die Ueberlegung liegt nahe, von feinem Guthaben möglichst wenig abzuheben, ja, es, wenn möglich, noch zu erhöhen, weil die Kaufkraft des (Selbes steigt.
Die Meberherstellung bes Zahlungsverkehrs hat auch den Sinn einer Frage an bas deutsche Volk selbst, bet Frage nämlich, ob es in Selbstbesinnung auf feine eigene Kraft unb Würde entschlossen ist. an der Gesundung bes Zahlnngskreislauies unb bes Wirtfchaftsgefchehens aktiv teilznnehmen. Botoerorbnungen unb ergänzende Vorschriften können nur die erforderlichen technischen Maßnahmen bieten, um Störungen der Wirtschaft zu überwinden. Die Maßnahmen mit Inhalt unb Wirklichkeit Zu erfüllen ist Sache eines aufgeklärten Wirtfchastsvolkes selbst.
Sie können sicher sein, daß mir nicht nur an die Großstädte, sondern in gleicher Sorgfalt an die Wirtschafts- Vorgänge in dner Provinz, in Mittelstädten und auch Gemeinden denken, wenn wir auch nicht vermeiden können, daß da und dort Schwierigkeiten auftreten. Bares Geld in einem Augenblick beanspruchen, wo es nicht undingt benötigt wird, ist ein Ausfluß unbegründeter Nervosität, aber nicht wirtschaftlich richtigen Denkens. Sowohl die Gesamtwirtschast des Volkes, als auch den eigenen Interessen gegenüber ist es falsch, Spargeld früher obzuhsben, als es tatsächlich benötigt wird.
Wenn unsere heutige Aussprache eine wechselseitige fein konnte, wurde mir vielleicht von manchen Gewerbetreibenden und mancher Hausfrau der Zuruf entgegenschallen, wie es mit dem
— Vom Essen. Schon Jean-Jacques Rousseau sagte, es sei eine schlimme Gewohnheit bes Menschen, zu viel zu essen, unb der Arzt I. B. Foussagrioes erklärte: Unser Essen besteht aus drei Teilen. Der erste Teil dient dazu, unsere Kräfte wieder herzustellen, der zweite Teil befriedigt nur unsere Schleckern unb mit dem dritten Teil überlasten wir uns den MLgen unb ziehen uns dadurch allerlei Krankheiten zu.
Reichspräsident unb Reichsregierung in anorbnen mußten, hat mit 3nflationsge- Mindeste zu tun. Vielen, vielleicht den meisten meiner Zuhörerinnen, sage ich bamif nicht» neues. Immerhin mag biefe meine Feststellung für bie Beruhigung des einen ober anberen aufgeregten Gemütes beifragen. Dir leiben keinesfalls an einem Zuviel an umlaufenden Zahlungsmitteln.
möge man die Entschlossenheit der Reichsregierung entnehmen, volksschädlichen Sonüerwünschen aus dem Kapitalmarkt in dieser allgemeinen Notzeit auf das entschiedenste zu begegnen.
Gewiß ist es richtig, daß bei der in Aussicht genommenen vorübergehenden Devisenbewirtschaftung durch die Landesfinanzämter fühlbare Härten eintreten können. Die Reichsregierung ist entschlossen, dafür zu sorgen, daß diese durch die Not der Zeit erzwungenen Maßnahmen bei aller Schärfe ihrer Durchführung nicht wirtschaftsstörend wirken.
Mit den dargelegten Maßnahmen ist das zurzeit Notwendige geschehen, um den Geldumlauf von Mittwoch ab wieder gewohnten Verhältnissen anzunähern. Ich will nunmehr auf einige besonders
wichtige Einzelheiten
Brüning kennzeichnet die Lage.
keine chinesische Mauer um Deutschland. — Dauerhafte internationale Zusammenarbeit. Notwendig ift Vertrauen. — keine Insiationsgesahr.
Volksentscheid: «Mich werden Sie nicht an der Wahlurne sehen!-
uns, bas Problem der Großbanken zunächst in Angriff zu nehmen. Aber der Eindruck, als ob Reichsregierung unb Reichsbank weniger großes Interesse für mittlere unb kleinere Wirtschaftskreise haben, ober eine vieleicht ba und bort aufgetauchte Mißstimmung aus dieser Meinung heraus ist völlig abwegig. Schon die Voraussetzung dieser Ansicht ist unrichtig. Denn die Ordnung der deutschen Großbanken kommt keineswegs nur ober vorwiegend den großen Firmen unb Kunden zugute; bie Gläubigerkun» ben, bie bei einer endgültigen Erschütterung jener Banken zu Schaden gekommen wären, hätten sich auf viele Hunderttausende unb zweifellos zum größten Teil auf mittlere unb kleinere Wirtschaftskreise, auf Gewerbetreibende unb Handwerker, ausgewirkt. Weit über tausend Genossenschaften unb Genossenschaftsbanken stehen mit der einen ber in Frage kommenden Großbank in inig- fter Beziehung und wären von der Erschütterung unmittelbar unb drastisch betroffen worden. Das besondere Eingreifen der Reichsregierung in diesem Falle war eine ausgesprochene Mittelstandsmaßnahme. Selbstverständlich kann die Reichsregierung nicht darauf verzichten, längst geplante Maßnahmen auf dem Gebiete des gesamten Kredit- unb Zahlungsverkehrs und des Aktienrechts burchzuführen. Diese Erklärung bedeutet keinen Schlag gegen bas freie Bankgewerbe. Aber nachdem einmal der Staat auf dringendes Ersuchen ber Beteiligten sich rettend unb schützend auf diesem Gebiet hat einschalten müssen, kann er sich nicht ber Pflicht entziehen, auch
Maßnahmen vorbeugender Arl für die Zukunft zu treffen,
wie es andere Völker längst getan haben.
Und nun zum Schluß noch eine Antwort am viele öffentlich und privat an mich gerichtete Fragen. Die Reichsregierung nimmt nicht die Unfehlbarkeit für sich in Anspruch. Sie ist in diesen ent« scheidunßsvollen Wochen und Monaten ,in denen sich oft in Stunden die Lage änderte, die Entscheidungen sich häuften, bestrebt gewesen, in allen Punkten das Beste zu tun. Aber sie behauptet nicht, daß ihr das in allen Augenblicken gelungen sei. Für die Aufgaben und Entschließungen, vor die sie sich gestellt sah, gibt es in der ganzen Weltgeschichte nur wenige Beispiele. In solchen Zeiten Hat es sich regelmäßig als besser erwiesen, rechtzeitig zu handeln, als in dem unerfüllbaren Bestreben, das theoretisch Vollkommene zu erreichen, zu zögern und die Stunde zu versäumen.
Alles in allem genommen ist das Ziel jedenfalls erreicht,
daß von Mittwoch ab die Voraussetzungen für den normalen Wirtschaftskreislauf der Güter und des Geldes gegeben sind.
Notwendig ist nunmehr, daß sich das Vertrauen, die unentbehrlichste Ergänzung aller technischen Maßnahmen, stärker und endgültiger befestige. Hierzu, meine Damen und Herren, kann jeder von Ihnen beitragen. Es ist die Pflicht jedes einzelnen, es zu tun, mit Rücksicht auf unser eigenes Land und mit Rücksicht auf unser Ansehen dem Ausland gegenüber. Eine große ausländische Finanzhilfe ist, wie ich schon sagte, im Augenblick außerhalb des Bereichs der Möglichkeit. Was aber für die Stunde gilt, braucht nicht für die Dauer zu gelten.
Fremde Hilfe erfährt nur der, der sich zunächst selbst zu helfe« weiß und damit das Vertrauen der
Umwelt gewinnt.
Einem Volke, das sich selbst nicht genügende Kraft zutraut, das die Dinge laufen läßt und nur in der Kritik sich auszeichnet, wird niemand in der Welt Achtung und Vertrauen schenken. Sieht aber die Umwelt, daß kraftvolle Selbstbesinnung in schweren Stunden bei uns Deutschen sich zeigt, so zweifele ich nicht, daß die Fortsetzung der internationalen Verhandlungen zur Erschließung zusätzlicher Kraftquellen in der Weltwirtschaft führen wird. Ist es notwendig zu sage«, daß für die aussichtsreiche Fortsetzung dieser Entwicklung Freiheit von innerpolitischen Störungen, Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung int deutschen Volke, unentbehrliche Voraussetzung ist? In einem Augenblick, wo alle Volkskraft der gemeinsamen und verstehenden Arbeit an der Ueberwin- dung der wirtschaftlichen Rot gehört, müssen selbstzerfleischende politische Kämpfe, die in der Geschichte so ost Leid über Deutschland gebracht haben, zurückstehen. Und wenn Sie, meine Damen und Herren, in Fortführung dieses Gedankens mich nun fragen,
was ich vom Volksbegehren über die Auflösung des preußischen Landtags halte,
so muß ich Ihnen erwidern, daß es sich staatsrechtlich hier nicht um eine Reichs-, sondern um eine preußische Angelegenheit handelt. Aber als Staatsbürger — nicht als Parteipolitiker — erkläre ich Ihnen, daß Sie mich nicht an der W a h I- urnesehen werden. Nicht Zuspitzung der parteipolitischen Gegensätze ist das Gebot der Stunde, ändern ihre Fruchtbarmachung in einer diese Gegensätze überbrückenden schöpferischen Synthese, in einer Synthese aller der Kräfte, die bereit sind, einer im wahren Gemeinschaftsgeist aufgefaßten Wirtschaftsreform und einer aufbauenden Staatspolitik rückhaltlos Hand und Herz zu leihen. Nur so wird es Deutschland gelingen, im Rahmest der übrigen großen Staatsvölker seinen gleichberechtigten Platz zu erringen und zu behaupten und in aufrichtiger Zusammenarbeit mit den übrigen Staaten seine ganze Kraft einzusetzen für die baldige Lösung der gewaltigen Aufgaben, vor die eine Weltnot ohnegleichen die Menschheit in dieser Stunde stellt.
Geldverkehr ber Sparkassen aussieht.
Daher auch hierzu ein offenes Wort:
Es ist richtig, daß wir zunächst davon absehen mußten, den vollständigen freien Kasienverkehr bei den Sparkassen sowie den Banken schon von morgen ab in Wirklichkeit treten zu lassen. Das aber hängt mit dem Wesen unb ber Zweckbestimmung ber Sparkassen zusammen. Die Sparvermögen sind so sorgfältig als möglich angelegt, unb zwar in erster Linie in ber Anlageform, die man für bie sicherste hält. Das heißt in erftfteltigen Hypotheken. Die Sicherheit eiger solchen Anlage muß ober zunächst dadurch erkauft werden, daß die angelegten Gelder nicht täglich in beliebiger Höhe zurückgezahlt werben können, weit Hypotheken ihrem Wesen nach langfristige Anlagen sind. Das muß eine Sparkasse mit in den Kauf nehmen. Die Sparkasse ist ja ein Institut, bas erspartes Vermögen mit einem Höchstmaß von Sicherheit verwaltet, unb nicht etwa eines, bas tägliches Gelb bewirtschaften soll. Gewiß ist biefes Wesen ber Sparkasse, insbefonbere mit Rücksicht auf bas Srebitbebürfnis bes kleinen Mannes, nicht überall aufrecht erhalten worben, und ein Teil ber Sparkassen hat mehr ober weniger neben biefem ihrem Hauptzweck auch noch bie Tätigkeit von Banken, also dem täglichen Geldbebars dienenden Jnsti- tuten, mit übernommen. Weil bas so ist, und weit biefe Dienste insbesondere dem kleinen Handwerker unb Gewerbetreibenden unentbehrlich geworden sind, haben Reichsregierung und Reichsbank in voller lieber« einftimmung mit der Deutschen Girozen. träte unb ben Spar taff en alles vorbereitet, um auch ben Sparkassen ben unbeschränkten Zahlungsverkehr in einem nahen Zeitpunkt wieder herzustellen. Diese Dinge sind zur Stunde in Arbeit.
Roch in dieser Woche muß und wird Klarheit über den Termin der Wiedereröffnung des unbeschränkten Zahlungsverkehrs im Rahmen der Satzungen auch bei den Sparkassen geschaffen werden.
Die Lage, wie sie nun einmal — hauptsächlich durch ben Abzug der Sustanbsgelber — entstanden ist, zwang