FuldaerZertung
Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
Nr. irs
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Mittwoch, 5. August 1931.
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Mrg. 58.
Prophet Hugenberg.
Hat das Zentrum Illusionspolitik getrieben?
Die sogenannte nationale Opposition hat auch unter den jetzigen Verhältnissen nicht so viel Objektivität und praktisches Verantwortungsbewußtsein für das Schicksal des Gesamtvolkes aufgebracht, um die Regierung Brüning in ihrem^ schweren Ringen um die Rettung von Staat unL Wirtschaft zu unterstützen. Sie hätte das doch um so eher tun sollen, als die außenpolitische Haltung der jetzigen Regierung Brüning an Aktivität, Mut und Entschlossenheit unter voller Wahrung der nationalen Würde als vorbildlich bezeichnet werden muß. Im Gegenteil kennt diese Opposition auch heute bloß Kritik. Dabeiträgt diese Kritik diesmal eine ganz besondere Rote. Es wird, fast möchte man meinen, mit einer gewi'- sen Schadenfreude darauf hingewiesen, daß man all die heutigen Schwierigkeiten vor ausgesagt habe. Es wird der Eindruck erweckt, als ob alles Wissen und Voraussehen bei der sogen, nationalen Opposition zu Hause sei und sie dadurch zugleich den Beweis für ihre Regierungsfähigkeit gerade in diesem Augenblick erbracht habe. Das Volk möge deshalb, so schreibt Hugenberg in seinem Aufruf vom 17. Juli 1931 — ein Aufruf, der nach Ton und Inhalt den präsumtiven „nationalen Retter" dem Leser suggerieren soll — nicht verzweifeln, denn ... Ja dieses „Denn" folgt eben nicht. Wir wollen es aber den Hugenberg? Gläubigen gern ergänzen: denn, die weitsichtige und tatkräftige Politik der jetzigen Regierung wird Staat, Volk und Wirtschaft auch über die heutige Krise glücklich hinwegbringen.
Hugenbergs Aufruf hat eine fatale Aehnlich- keit mit dem Verhalten eines am Ufer des reißenden Flusses stehenden Raisoneurs, der mit dem überlasteten Kahn um seine Rettung arbeitenden Schiffer mit seinen Leuten zuruft, sie möchten nur nicht verzweifeln, denn er habe ihnen ja voraus- gesagt, daß der Kahn überlastet sei und sie in diese Schwierigkeiten kommen würden. Es kommt nicht darauf an, im Augenblick der Gefahr die Gefährdeten mit Worten zu vertrösten, weil man die dräuende Gefahr vorausgesehen habe, sondern die erkannte Gefahr a b z u w e n d e n, auf Gegenmittel zu sinnen für den Fall ihres Eintretens und im gegebenen Augenblick helfend einzuspringen.
Es ist ja nicht so, als ob lediglich Herr Hugenberg mit feinen Trabanten die aus der unzulänglichen ßiquiöierung des Krieges namentlich für Wirtschaft und Finanzen sich ergebenden Gefahren vorausgesehen hätte. Diese Voraussicht und entsprechende Warnungen nach innen und außen können nachweislich auch andere Parteien und Personen, nicht zuletzt der jetzige Reichskanz- l e r, für sich in Anspruch nehmen. Diese haben aber mehr getan als Hugenberg. Sie haben sich nicht auf Weissagungen beschränkt, sondern gearbeitet, um die innenpolitischen Gefahrenquellen zu verstopfen und die außenpolitischen Schwierigkeiten zu entwirren und zu paralysieren. Der Ausbruch der heutigen Krise zeigt, daß es nicht restlos gelungen ist, dem Gang der Dinge zuvorzukommen. Aber es ist doch vieles erreicht worden, denn sonst hätte die jetzige Krise bereits innen- und außenpolitisch zur Katastrophe führen müssen. Es wäre aber bestimmt noch mehr erreicht worden, wenn nicht die unverantwortliche Hetze und Kritik der sogenannten nationalen Opposition gegen die Regierungen im Reich und in Preußen ein derartiges Ausmaß angenommen hätte, daß wir dadurch vor einer geradezu tragischen Spaltung des deutschen Volkes stehen, die die inner- politische Aufbauarbeit ebenso erschwert hat, wie die außenpolitische Befreiungsaktion der Reichsregierung.
Indem ein ungerechter und einseitiger Kurs gegen die Sozialdemokratie, von dessen nebelhafter Propaganda Hugenberg seit Jahren lebt, vermieden wurde, konnte die breite Masse des arbeitnehmenden Volkes für die innenpolitisch notwendigen Opfer gewonnen werden. Zugleich hat die viel geschmähte „Erfüllungspolitik" das Ergebnis gehabt, daß die Kriegspsychose wenig st ens in England und Amerika weitgehend verschwunden und selb st im französischen Volke im Abbröckeln begriffen ist, und daß allseits die Ueberzeugung vom guten Willen und einer frieölichen P o- l i t i k Deutschlands sich so gefestigt hat, daß wir in unserer heutigen Lage Verständnis unb eine gewisse Entlastung finden konnten. Mit einer reinen Protesthaltung der nationalen Opposition und mit Voraussagen allein wäre weder das Eine noch das Andere erreicht worden. Es hat Jahre geduldigen Verhandelns und klugen Verhaltens bedurft, um dieses Ziel zu erreichen und es ist ein schwerer historisch-psychologischer Fehler, den heutigen Zustand einfach um mehrere Jahre oorzudatieren. Vor mehreren Jahren, auch 1929 bei der Revision des Dawesplanes — das läßt ein Vergleich zwischen dem Verhalten des damaligen amerikanischen Vorsitzenden Young und seinen heutigen Reden deutlich erkennen — war die innen- und außenpolitische Gesamtlage Deutschlands noch keineswegs so aufgelockert wie heute. Dabei begehen wir keineswegs den Fehler, unsere heutige Situation zu überschätzen, wie das jene deutschnationalen Redner tun, die in Unkenntnis oder falscher Beurteilung der inten nationalen Situation und der Geschichte des letzten halben Jahrhunderts von einem deutsch- englisch-amerikanischen Block gegen Frankreich phantasieren. Darauf kam es nicht an, in den vergangenen Jahren schon die heutigen Schwierigkeiten mehr oder weniger klar vorauszusehen, sondern ihnen mit den geringen
vor der Hom-Reife des Reichskanzlers.
C. N. B. Berlin, 4. Aug. (Eig. Meld.) Wie wir von zuständiger Stelle erfahren, wird die Rede des Kanzlers, die voraussichtlich über alle deutschen Sender geleitet wird, heute (Dienstag) abend um 7.30 Uhr, beginnen. Natürlich sieht man der Rede in politischen Kreisen mit lebhafter Spannung entgegen . Was den Inhalt der Rede anbelangt, so ist anzunehmen, daß der Kanzler v o n den nächsten Wirtschaftsplänen nur in Andeutungen sprechen wird, da sie natürlich erst voll ausreifen müssen. Er dürfte jedoch eine Schilderung der gegenwärtigen Situation geben und namentlich darauf Hinweisen, welche Aufgaben und Pflichten sie jedem einzelnen aufeileigt. In unterrichteten Kreisen erwartet man, daß das Wirt- schastsprogramm des Reichskabinetts etwa Donnerstag oder Freitag nächster Woche veröffentlicht wird. Für heute ist noch keine Kabinettssitzung anberaumt. Die nächste Sitzung wird wahrscheinlich erst morgen stattsinden und es wird dabei, ähnlich wie vor her Abreise nach Paris und London, wohl noch einmal Sinn und Zweck des römischen Besuches besprochen werden.
Der Relchsrak tagt
V. D. Z. Berlin, 4. Aug. (Eig. Meld.) Der Reichsrat tritt am Donnerstagabend zusammen, um kleine Vorlagen zu erledigen. Darunter befindet sich auch eine Verordnung der Herabsetzung der Reisekostenvergütungen für Beamte.
Von der V. 3. Z.
Zusammentritt des internationalen Sachverständigenkomitees der Bank für Internationalen
Zahlungsausgleich.
Der Verwaltungsrat der B. I. Z. hat in einer Sitzung in Basel, an der für den Reichsbankpräsidenten Dr. Luther Geheimer Oberflnanzrat Dr. Bocke, sowie die deutschen Verwaltungsrats- mitglieder Bankier Melchior und Kommerzienrat Reusch teilnahmen, die Vorschläge auf Einberufung des internationalen Sachverständigenkomi- tecs der B. I. Z. gutgeheißen, dessen Zusammensetzung bereits bekannt ist. Der Verwaltungsrat beschloß, die Mitglieder dieses Komitees aufzufordern, die erste Sitzung am nächsten Samstag, den 8. August, in Bafel abzuhalten. Das Komitee wird seinen eigenen Vorsitzenden ernennen und seine Arbeitsmethode selbst bestimmen.
Der Stand der Sachverständigenverhandlungen in London.
Der Leiter der Haushaltsabteilung des Reichsfinanzministeriums. Graf Schwerin v. K rosig k, der mit dem Reichskanzler nach London gefahren war, ist wieder in Berlin ein getroffen und hat. den Blättern zufolge, über den Stand der Stillhalteverhandlungen Bericht erstattet. Gleichzeitig hat Graf Schwerin v. Krosigk berichtet über den Stand der Verhandlungen über di? Sachlieferungen, die in London unter Mitwirkung von Vertretern der Reichsrefforts noch geführt werden. Es verlautet, daß die fachlichen Schwierigkeiten nach wie vor erheblich find. Insbesondere ist es die Bezahlung der Sachlieferungen durch die kleineren Länder, mit denen bisher eine Einigung noch nicht möglich gewesen ist.
Der Wendepunkt.
Von einem Spezial Mitarbeiter in Wirtschaftsfragen, einer im praktischen Finanz- und Bankleben stehenden Persönlichkeit, die über Wesen und Ziel der jetzigen Vorgänge auf gelb- und bankpolitischem Gebiet auf das genaueste unterrichtet ist, erhalten wir folgenden wertvollen Beitrag zur Beurteilung der gegenwärtigen Lage:
In der Kredit- und Währungspolitik der Reichsbank stehen wir an einem entscheidenden Wendepunkt.
Anstelle der rücksichtslosen Krediteinschränkungen, die die Leitung der Reichsbank in den vergangenen drei Wochen als Mittel zur Aufrechterhaltung unterer Währung benutzt hat, tritt nun das Gegenteil: eine fast unbeschränkte Kreditbewillig'ung. Das
Deutschland zur Verfügung stehenden Mitteln und Möglichkeiten zu begegnen.
Wer Hugenberg lieft und hört, könnte glauben, daß Her nichtdeutschnationale Wähler die Reparationen für absolut gerecht hält und sie in heller Begeisterung zahlt. Solches selbstquälerische Manier ist uns nicht bekannt. Uns scheint aber, daß dieser Teil des deutschen Volkes, indem er den einzig möglichen Weg einer allmählichen Besserung der deutschen Lage mutig und opferbereit geht, w f r k l i ch k e i t s n ä h e r ist, als jene, deutschnationalen Protestler, die durch pa- pierrte Angriffe, hysterische Wutausbrüche, Sci- belraffeln und unkluge Ausländsbriefe der deutschen Regierung ihre außenpolitischen Bemühungen dauernd durchkreuzen und ihre Verhandlungen erschweren. Ernste Gewissenserforschung und der Wille zur Objektivität müßte Herrn Hugenberg längst gezeigt haben, daß die nationale Gesinnung nicht allein bei ihm zu Hause ist, daß sie auch nicht allein genügt, und daß auf alle Fälle d i e Klugheit und Umsicht, sie zu betätigen, sich bei ihm bis heute nicht gezeigt hat.
Im einzelnen kamen uns die Weissagungen Huqenberqs über den Dawesplan nicht überraschend. Wir wußten das sogar schon als Hugenbergs 48-Ja-Sager feine Annahme ermöglichten, Auch die Ioungkrist
heißt, daß die Reichsbank bereit ist, alle nur irgendwie vertretbaren Geldanforderungen im Wege des Wechseldiskonts zu befriedigen.
Die Restriktionspolitik der Reichsbank während der letzten Wochen hatte einen harten Meinungsstreit in der Finanzwelt und auch in der Oeffent- lichteit entfacht. Die Kritik an der Reichsbank ist in diesem Zusammenhang zum Teil ungemein scharf gewesen.
Die beiden Hauptaufgaben, die heute das Z^ntralMoten-Jnstitut zu erfüllen hat, sind Kreditgewährung und Währungsschutz.
Es ist einleuchtend, daß in der augenblicklichen Wirtschastskrisis diese beiden Aufgaben teilweise sich diametral gegenüberstehen. Für die Reichsbank ist es nicht lekbt, beiden gerecht zu werden. Eine liberale Kreditgewährung einerseits birgt die Gefahr eines großen Notenumlaufs und kann daher zu inflationistischen Tendenzen führen. Eine rigorose Handhabung der Krediteinschränkung andererseits ließe einen vollständigen Zusammenbruch der deutschen Wirtschaft befürchten.
Die Reichsbankleitung hat den Schutz der Währung der letzten Wochen über die berechtigten Interessen der Wirtschaft gestellt, indem sie eine Krediteinschränkung durchführte, wie wir sie bisher noch nicht erlebt haben. Die Wirtschaft hat sich mit gutem Recht zur Wehr gesetzt, aber niemand wird sagen dürfen, daß diese Kreditrestriktion seitens der Reichsbank mit leichtem Herzen durchgeführt worden ist.
Man wird sich erinnern können, daß im Frühjahr vor zwei Jahren die Reichsbank unter Leitung Dr. Schachts als Notmaßnahme auch zu Krediteinschränkungen überaegangen ist. Allerdings muß man immerhin berücksichtigen, daß die damaligen Gesamtwirtschaftsverhältnifse weitaus andere und günstigere waren als heute. Damals vermochte für verhältnismäßig kurze Zeit die Wirtschaft diese Krediteinschränkung auszuhalten.
Die Lage ist heute eine g a nz andere. Das Mittel der Kreditrestriktion hat sich heute im Wirtschaftsleben zwangsläufig viel, viel schärfer auswirken müssen. Nicht nur auf Grund des Drängens der Wirtschaft und scharfer Kritik der Oeffentlichkeit ist die Reichsbank mit Beginn dieser Woche von ihren Restriktionsmaßnahmen abgegangen, auch eigene Einsicht hat sie dazu geführt. Wir haben heute Wichtigeres zu tun, als darüber zu streiten, wieweit Fehler gemacht worden sind, wieweit insbesondere die Reichsbankleitung Ueberblick verloren hatte.
Die Gründe, die die Reichsbankleitung zur Kreditrestriktion geführt haben, sind zum großen Teil psychologischer Art gewesen. Solche Gründe spielen oft eine wichtige, ja geradezu entscheidende Rolle, aber vielfach gehen sie von falschen Erwägungen aus und führen in eine falsche Richtung.
Das ist ihre Tragik, und das war auch die Tragik der Reichsbankpolitik während der letzten Wochen. Einmal hatte das Ausland die Restriktionsmaßnahmen verlangt und in ihnen das einzig durchgreifende Mittel zur Erhaltung der Währung gesehen; zum andern schaute die deutsche Oeffentlichkeit wie hypnotisiert auf die Wochenausweise der Reichsbank und darauf, ob die vorgeschriebene Golddecke noch vorhanden ist. Für die Fachwelt ist es schon längst eine Selbstverständlichkeit, daß diese gesetzliche Golddecke nirgends die große Wichtigkeit besitzt, die ihr die Oeffentlichkeit zuschreibt. Daß die Höhe der Golddecke eine mehr oder minder willkürlich gesetzliche Festlegung darstellt, beweist schon die Tatsache, daß sie in den verschiedenen Ländern verschieden hoch ist. Deutschland gehört zu den Ländern, die die höchste gesetzlich vorgeschriebene'Notendeckung haben. Mit der öffentlichen Auffassung über die Notendeckung mußte die Reichsbank bei dem einsetzenden Run auf die Banken und Sparkassen rechnen. Sachlich sind die Nationalökonomen der Ueberzeugung, daß die unbedingte Wabruno dieser aesetzlich feftgeleaten Notendeckungsgrenze eine Frage zweiter Ordnung ist. Die öffentliche Meinung aber hat sie zu einer solchen erster Ordnung gestempelt. Damit mußte die Reichsbank rechnen. Da aber bei dem zusammengeschmolzenen Gold- und Devisenbestand der Reichsbank die Einhaltung der
haben mir kommen sehen, wie Hugenberg aus der Rede des jetzigen Reichskanzlers bei der Annahme des Youngplanes entnehmen möge, in der er die Vorbereitung der eigenen Kräfte auf die neuen Reparationsverhandlungen verlangte. Im übrigen hätten wir heute eine Daweskrise, wenn wir noch den Dawesplan gehabt hätten. Vielleicht aber hätten mir diese Daweskrise schon 1929 bekommen, als die außenpolitische Gesamtlage Deutschlands und die Stimmung des Auslands Deutschland gegenüber keineswegs so aufgelocfcr* mar wie sie es heute ist. Eines steht fest, daß dann die Räumung der 2. Zone noch mindestens ein Jahr auf sich hätte warten lassen und daß die 3. Zone heute noch besetzt märe, ein Trumpf, den Frankreich bei den Schwierigkeiten der jetzigen Verhandlungen sehr vermißt. Selbst die Voraussage, daß die Transferierung der Reparationszahlungen mit Hilfe geliehener Devisen, speziell kurzfristiger Devisen, zu großen Schwierigkeiten und Komplikationen führen würden, ist nicht neu. So etwas kann man in jedem Buche über den Ausgleich der internationalen Zahlungsbilanz Nachlesen. Im übrigen aber hat nicht Deutschland, sondern Parker Gilbert die Verantwortung dafür, und zwar in einer Zeit,, als d i e Deutschnationaien in der Regierung saßen. Im übrigen sind mir gerecht genug, den Deutschnationalen zuzugestehen, daß sie Parker Gilbert ebenso wenig
Deckungsgrenze nur bei einem verhältnismäßig kleinen Notenumlauf möglich mar, blieb nichts anderes übrig, als die Hergabe von Krediten zu verweigern und zur allgemeinen Kreditreftriktion zu schreiten. Es wäre aber falsch, zu glauben, daß sich die Reichsbank der zweischneidigen Wirkung dieser Restriktion nicht bewußt gewesen märe. Wie eingehend das Reichsbankdirektorium
Zurück zum alten Kreutzen?
Gegenüber der Hetze des „Stahlhelms" unter dem Motto „Wir kämpfen um ein sauberes Preußen, gegen die Futterkrippen- und Korruptionswirtschaft" folgende Tatsachen:
1. Es ist falsch, wenn behauptet wird, daß es in der Vorkriegszeit keine Außenseiter in der Verwa 1 tung gegeben habe.
Richtig ist, daß früher aus den Kreisen dec Großgrundbesitzer, Offiziere usw. zahlreiche Vertreter ohne Fachexamen für Verwaltungsstellen heran- gezogen sind, Landräte, Landbürgermeister, Lotteriestelleninhaber.
2. Ls ist falsch, daß die Zahl der nicht fachmännisch ausgebildeten Außenseiter in der Verwaltung der Republik ins Ungemessene angewachsen sei.
Tatsache ist, daß ihre Zahl nochnichtlPro- z e n t der gesamten Staatsbeamten und nur wenige Prozent unter den Verwaltungsbeamten um- fafet.
3. Die Gesehe schon verhindern eine einseitige Parteibuchbeamtenpolitik:
a) Für die Erneuerung von Ober- und Ke- gierungspräsidentenist das Einvernehmen mit den Provinzialausschüssen erforderlich.
b) Für die Ernennung von Landräten besteht ein Vorschlagsrecht des Kreises. — Also für die Ernennung maßgebender Beamten ist die Mitwirkung der entsprechenden Selbstverwal- tungskörperschasten notwendig.
4. Ein schlimmeres P a rt e ib u ch b e amte n t n m als in Preußen konnte in der Vor- kriegszeil wirklich in keinem anderen Lande der Well durchgesührt werden. 3m 3ahre 1913 waren
alle 12 Oberpräsidenten konservativ, außerdem 9 adelig;
alle 36 Regierungspräsidenten waren konservativ,
36 adelig
483 Landräte waren konservativ,
238 von ihnen wiederum adelig.
Unter den genannten Beamten waren i. Katholiken kaum oder nur sehr, sehr schwach vertreten. Z. B. in Fulda, einem fast rein katholischen kreis waren der Landrat. der Kreissekretär und auch der — Kreisbole ick der Vorkriegszeit niemals katholisch. Selbst für die Boten-Stelle gab es nach den Begriffen der damaligen Regierung unter den Katholiken keine befähigten Bewerber.
Die man sieht, waren die Beamten des allen Preußen durchschnittlich einseitig und parteipolitisch ausgewählt.
Die Zugehörigkeit zur konservativen Partei, gesellschaftlicher Stand und Wohlhabenheit waren die Voraussetzungen zum Aufftieg in höhere Aem- ter.
Durch den Volksentscheid will man ein „sauberes Preußen" wieder Herstellen. Heißt das etwa, die Zustände von 1913 wieder herbeiführen?
Durch den Volksentscheid will man den Marxismus beseitigen.
Die Kommunisten nennen sich aber die einzigen und wahrsten Vertreter des Marxismus und ausgerechnet mit den Kommunisten führt der Stahlhelm den Volksentscheid.
Ein vernünftiger Menich kann es mit feiner Ehre nicht vereinbaren, sich an diesem Volksentscheid zu beteiligen.
Parole:
Reine Beteiligung am Volksentscheid!
an dem unechten Transfer hindern konnten wie mir.
Daß ohne ganz beträchtliche Herabsetzung der Revarationslasten, die auch wir für ungerecht halten, kein Aufstieg de« deutschen Volkes möglich ist. hat nicht erst Hugenberg entdeckt. Nicht an dieser Erkenntnis scheiden sich die Geister, sondern in der Wahl der Methoden, die uns von diesen ungerechten Lasten befreien können. Dort aussichtslose Protesthaltung und unfruchtbare Opposition, hier stille, mühsame und selbstlose Arbeit für jene Befreiung und den neuen Aufstieg, der uns nicht in den Schoß fällt, sondern mühsam errungen werden muß.
Hugenberg sagt an keiner Stelle, was er tun würde, wenn er die Regierung übernähme. Was der noch weiter rechts stehende H i 11 e r tun würde, misten mir. Er würde die Grenzen des Versailler Vertrags anerkennen und zunächst auch die Tribute entrichten, wenn auch „nicht endlos". Aber daran denkt ja auch sonst niemand im deutschen Volke. Wir glauben, daß auch Hugenberg sich den Notwendigkeiten der internationalen Gesamtlage fügen würde. Wir halten ihn trotz aller Reden und Briefe für vernünftiger als die Katastrophen-Politiker in feinen Reihen. Auch Hugenberg würde die „Erfüllungspolitik" f o r t s e tz e n, vielleicht mit mehr Säbelgerassel und deshalb sicherlich weniger erfolgreich.