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und will sagen, man könne ebensogut von 70 und 700 Werken sprechen.

Die Toten begraben war in den Zeiten der Pest, als Oe Leichen auf der Straße lagen, ein Werk der Barm­herzigkeit im buchstäblichen Sinne des Wortes. Heute schließt dieses Werk das Gebot in sich: Die Toten begra­ben und nicht verbrennen! Mr die heidnische Sitte der Leichenverbrennung wird heute mit großem Aufwand ge­worben. Der Haß gegen die Kirche hat die Leichenoer- brennung sogar zur Parteilosung gemacht. Die Kirche hat verboten, die Leichen verbrennen zu lassen und wird von diesem Verbot nicht abgehen. Die Katholischen Be­gräbnisvereine sichern auch den wirtschaftlich Schwachen ein christliches Begräbnis mit Geleit und Segen der Kirche, sind also Geist vom Geiste der siebten Barmher­zigkeit.

Es rft uns nicht vergönnt, zum Grabe der hl. Elisa­beth zu wallfahren, wie zum Grabe des hl. Bonifatius. Der Abglanz der Güte Gottes aber, der über dem Leben der deutschen Armenmutter lag, leuchtet noch dem deut­schen Volk nach 700 Jahren. Wir sehen unser armes Volk wundgeschlagen und fragen: „Gibt es keinen Bal­sam in Gilead"? Es gäbe noch einen Balsam, wenn neben der Gerechtigkeit die christliche Liebe das ganze Land erfüllte, wie das ganze Haus in Bethanien erfüllt war vom Duste der Salbe.

Bei der Bischofsweihe fragt die Kirche den neuen

Pischof: „Willst du den Armen und den Fremden und allen, die in Not sind, dem Herrn zulied leutselig und barmherzig fein"? Und der neue Bischof antwortet? „Volo, ich will es". Bei der Priesterweihe wird dem Neugeweihten das Meßgewand überreicht mit den Worten: „Nimm hin das priesterliche Kleid, das Sinn­bild der Karitas". Bei der Firmung wird der Geist Gottes allen Gläubigen mitgeteilt und so die Siebe in alle Herzen ausgegoffen. So sollen Oberhirten und Hirten und das ganze Volk in heiliger Arbeitsgemein­schaft zu den Werken der Barmherzigkeit sich die Hände reichen.

Wir können am Tag des Gerichtes unsere Werke der Barmherzigkeit nicht wie einen Ausweis und Gutschein vorzeigen. Wir dürfen aber in Demut niederknien und Christus den König an Sein Wort erinnern und Ihm sagen: Herr, wir haben Dich in den Hungrigen ge­speist. Wir haben Dir den -Trank gegeben und Dich be­kleidet. Wir haben Dich beherbergt in den Obdachlosen und Heimatlosen, Dich besucht in den Gefangenen und Kranken. Möge Er dann antworten: Kommt, kommt chr Gesegnete meines Vaters! Amen.

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Nachmittags 4 Uhr versammelten sich die Katho­liken Fuldas und viele Glaubensbrüder aus Nah und Fern zu einer erhebenden

Feskverfammlirng in den Skadksülen.

Die weltliche Feier zu Ehren der hl- Elisabeth in der Bontfatiusstadt erhielt ihre besondere Be­deutung durch die Anwesenheit des ge­samten deutschen Episkopates, an der Spitze die Kardinal-Erzbischöfe von Breslau, Köln und München. Die Veranstaltung darf man des­halb als die offizielle Elisabeth-Feier der deutschen Bischöfe ansehen. Zu ihr waren auch die Vertreter der weltlichen Behörden erschienen.

Die Feier, die mit erfreulicher Pünktlichkeit be­gann, wurde eingeleitet durch die Ouvertüre in g - Moll für großes Orchester von A n t o n Bruckner, die vom Fuldaer Symphonie- Orchester unter Leitung von Domorganist Fritz Krieger wirkungsvoll zu Gehör gebracht wurde. Im übrigen erfährt der musikalische Teil der Feier bei der 200 katholische Sänger mitwirkten, an an­derer Stelle von Rektor Zentgraf eine fach­männische Würdigung.

Pfarrer Ludwig Nüdling-K..... hatte

für die Feier einen sinnvollen

Prolog

verfaßt, der in poetischer Form die Bedeutung die­ser Fuldaer Elisabeth-Feier untersteicht:

Zittert im Gewittersturm die Erde,

Wächst die Woge in des Wetters Wut, Drängt vertrauend sich die bange Herde In der treuen Hirten sichre Hut.

Und so schaun wir jetzt auch nach den Hütern,

Die hier Winfrieds Heldengrab umstehn, Die heut' sich und uns und allen Brüdern Helfer neu vom Himmelsherrn erstehn.

Denn es wohnen Legionen droben,

Die den gleichen guten Kamps gewagt, Die im gleichen Streit und Sturmestoben Nicht gezagt, gezittert und versagt.

Wenn wir jetzt zur lichten Höhe schauen Aus der Leidenstage Dunkel hier, Gilt der Herzen Hoffen und Vertrauen, Heilige Elisabeth, auch dir!

Denn wir stehen hier ja nah der Stätte, Die dereinst dein heilig Leben sah.

Hart an deinem hehren Todesbette

Ist dein hilfreich Herz uns heut' noch nah.

Steig herab von Gottes lichten Sternen

Jetzt zumal in deinem Jubeljahr, Daß wir alle wieder von Dir lernen, Was Barmherzigkeit und Bruderliebe war!

Gehn wir auf den gleichen Crdenwegen, Die dein nimmermüder Fuß betrat. Kommst vom Himmel du uns neu entgegen Zu der gleichen großen Segenssaat.

Heilen wir so gern wie du die Wunden,

Sind wir dir in Heilandsliebe gleich,

Wird der kahle Dorn, den w i r gefunden. Auch in unsrer Hand ein Rosen zweig.

Nachdem Herr Rudolf Fleck den packenden Prolog vorgetragen hatte, betrat der Hoch». Herr Bischof von Fulda das Rednerpodium, um den Erschienenen in herzlichen Worten einen freudigen Willkommengruß zu entbieten. Er galt vor allem den anwesenden Repräsentanten der kirchlichen Hierarchie und dem Festredner, Herrn Dompropst und Universitätsprofessor Dr. D o n d e r s - Mün­ster. Er gedachte weiter der erhebenden kirchlichen

Feier am Vormittag im hohen Dom und über­brachte dem Hochw. Herrn Kardinal - Erzbischof Bertram von Breslau unter dem stürmischen Beifall der Versammlung die herzlichsten Glück­wünsche zu seinem Silbernen Bischofs­und Goldenen Priester-Jubiläum. „Auf viele gottgesegnete Jahre!" Weiter sprach un­ser Hochw. Herr Bischof Sr. Eminenz, dem Hochw. Herrn Kardinal-Erzbischof Faulhaber von München aufrichtigsten Dank für die zündende Fest­predigt am Vormittag aus. „Unser Dank soll sich besonders zeigen in der Uebung der Werke der Barmherzigkeit, die uns ans Herz gelegt wurde." Möge sich erfüllen die Sehnsucht des hl. Vaters: „Wir bitten, daß bald der ersehnte Tag anbricht, an dem alle Völker nach Wiederherstellung des öffent­lichen Friedens in der Liebe Christi wiedergeboren werden und ein Hirt und eine Herde werde.

Dompropst Donders spricht

Ein Erlebnis von ungewöhnlicher Art war die Festrede, die in der Nachmittags-Versammlung der Münsterer Universitätsprofessor und Dompropst Dr. Donders hielt. Vor dem grünen Wald von Lorbeer­bäumen steht auf dem Rednerpult ein Mann, der schon durch die Kraft seiner Erscheinung und die gewinnenden Züge die Herzen an sich reißt. Mit einer Beredsamkeit, die ihm Stoff aus den Tiefen schwerer wissenschaftlicher Arbeit zu Tage fördert, die aber gleichzeitig umkleidet ist von Glanz und Lieblichkeit und in dieser künstlerischen Sprach- Formung die Herzen mitreißt in geistige Sphären, die gerade unsere verrohte Zeit nur selten zu betre­ten erlaubt. Unzulänglich nur kann der Eindruck der Rede des Professor Donders hier wiedergegeben werden. Das nüchterne Wort, nicht unterstützt durch den starken Eindruck der Persönlichkeit des Spre­chers, es allein kann in einem Bericht, wie er hier folgt erscheinen. After zweifellos hat der Aufruf zu praktischer Folgerung aus dem Vor­bild der hl. Elisabeth, der Künderin der Liebe in Christo, erschütternd an manche Seele gepocht und den Versammelten, Priestern und Laien, adligen Herren und breiten Volksmassen, der g a nze n katholischen Gemeinschaft, manches Be­merkenswerte und manches Wegweisende für neue Lebensgestaltung gesagt. Das gebe Gott!

*

Donders sprach über:

Das tiefste Geheimnis der hl. Elisabeth.

Die katholische Wettkirche zählt mit Jahrhunderten und schreibt in Jahrtausenden. Nichts wird in ihr ver- gessen, was wahrhaft edel und heilig war. In diesem Jahre 1931 haben wir eine Reihe von Jubiläen: St. Ansgar 1100 Jahre: das Konzil von Ephesus 1500 Jahre, St. Antonius 700 Jahre, St. Elisabeth 700 Jahre. Jubl- läumstage sind Tage der Einkehr, der Besinnung, Halte­punkte, wo wir „rückwärts blickend vorwärts schauen". Deshalb nannte Fr. von Schlegel den Geschichtsforscher einen „rückwärts gerichteten Propheten". —

Mit besonderer Borliebe verweilt unser Volk au.s solchem Anlaß bei den großen und heiligen Persönlich­keiten der Vergangenheit, heute sogar noch mehr als' vordem. Es geht durch unsere Gegenwart eine starke Sehnsucht nach „Persönlichkeit", nach Führergestalten. Gegenüber dem Massenrhythmus der Zeit, dem Aufge­bot der großen Menge macht sich der Wille nach heraus­

gearbeiteten Einzelporträts und Gestalten geltend. Nicht wie alte verblichene Familienbilder treten sie uns in der katholischen Weltkirche entgegen, sondern in jener Eigenart der seelischen Architektur unserer Kirche, die die ragenden Führer-Persönlichkeiten, die Helden und Heiligen von Jahrhundert zu Jahrhundert aufruft, — deren Bedeutung dann über die Zeiten hingeht in au- gustinisch-zeitlosem Geiste.

Cs haben in ihr die verschiedenen Völker ihre be­sonderen Heittgen, ihre Lieblingsheiligen. Italien den hl. Franz von Assisi und den heiligen Antonius von Padua, Frankreich seinen hl. Ludwig, Spanien seine hl. Theresia, Ungarn den heiligen Emmerick und König Stefan, unser deutsches Vaterland seine „liebe deutsche Heilige", St. Elisabeth von Thüringen.

Schon Nieleis ist in Wort und Lied, in Dichtung und Spiel, in Buch und Zeitung in den letzten Monaten ihr zu Ehren verkündigt, manche Feierlichkeiten großen Stils gehalten worden.

Die heutige Feier weckt die Erinnerung an jenen 1 Mai 1236, da txm Friedrich II. ihre Gebeine in Mar­burg auf den Alßar erhoben wurden, und die B i j ch ö fe aus ganz Deutschland mit einer unabseh­baren Volk s(m enge von nah und fern herzuka- men, Elisabeth, die Mutter der Armen, zu ehren:

Fragen wir heute: Was ist das tieffte Geheimnis die­ser großen Heiligen, das über die 7 Jahrhunderte hin heute zu uns spricht? — von dem das Wort der Schrift gelte: „Das Äeheimnis eines Königs zu bewahren, mag gut sein, Gottes Werke offen­baren aber bringt Ehre". — Der Redner erzählt nun die Hauptzüge aus1, ihrem Leben, von der Jugend an. bis zum Tode: Eine Karitas übt sie, nicht bloß in der Atmosphäre des Hoflebens, — aus weiter gerne her. nein, in der Atmosphäre des Volkes, im Volke selbst, mit dem Volke lebend, fo ganz also aus dem ch r i st o z e n - irischen Gei st e heraus, aus dem Christuswort: „Mich erbarm eit des Volkes". Sie lebt das Jüngertum einer echten Karitas Christi, in ihr eines Apostolates, das nicht wie ein Paulus über die Meere und die Länder Hinfahrt, sondern am Burghof, gegen alle Ueppigkeit in der Hofhaltung an geht, sich die Speisen versagt, Sühne und Buße leisten will, und durch Fasten sich ganz Gott hinopfert. Als 1226 die große Hungers­not wütet, öffnet Elisabeth unbedenklich alle Vorrats­kammern für die Armen und leert alle Speicher. Da die Gedanken und das Vorbild des hl. Franziskus über die Alpen kamen, gibt sie im Geiste der echten Jünger­schaft alles zu vollkommener Armut fort. Echt fran­ziskanischer Geist treibt.

In Konrad von Marburg, dem strengen Seelenführer, dem Kreuzzugprediger, sehen wir die feste, eiserne, füh­rende Hand der Kirche, die die Seelen nicht im Wildwuchs aufwachsen läßt, sondern sie hält und leitet, zugleich aber auch stets auf den Geist des Büßens und Sühnens neben dem Geist der Karitas hinweist, dem beides nottut, Liebe und Entsagung, Dienst und Opfer.

Als ihr Gemahl Ludwig am 11. September 1122 beim Hl.-Land-Kreuzzug einer Seuche zum Opfer fällt, indes sie einem dritten Kinde das Leben schenkt, da kennt zwar ihr natürlicher Schmerz keine Grenzen, — aber in Got­tes heiligen großen Willen ergeben, weiht sie sich nun ganz dem Wirken und Walten der demütigen, dienen­den Liebe, einzig der Sorge für di e Armen, um Christus in den Armen zu sehen, zu betreuen, zu pflegen.

Dann kam der Tag des größten, schwersten Opfers, — Elisabeth wird von der Wartburg hinabgestoßen, in das tieffte. dunkelste Leid hinein, in die Isolierung am Fuße des Berges: Eine Tragik größten Ausmaßes bedeutet es, dieses Frauenleben ist auch von der höchsten Tragik nicht zerbrochen worden: es hat sich bann nur höher aufgerichtet. Sie ist unter dem Kreuze eine Mater Dolorosa geworden, aber eine Mutter der Menschen, die „Allen Alles werden" wollte, — die in echt ranziskanffckem Geiste absoluter Selbstentäußerung und -entsagung sich den Armen gänzlich schenkte, und jene Armut ber Reichen und den Reichtum der Armen in sich erlebte, — der das Christentum zur höchsten Höhe im Leiden und in der Liebe hinaufhebt.

Sie beginnt aus franziskanischem Geist eine Art Wanderleben des Helfens und Heilens vieler Nöte Es war solch eine heroische hingebende, dienende Liebe, — (— und das hält man ihr dabei vor), daß sie auf die eigenen Kinder dabei verzichtet und vergißt, (wie die Geschichte sagt), in ihrer Wanderschaft als Franziska­nerin, die sie wider ihren Willen antritt, von ihren Kindern sich trennt, — ähnlich wie die hl. Johanna von Chantal in der Schule des hl. Franz von Sales.

Die Karitas hat heute meist in unserem Denken und Tun noch etwas Weiches und Mildes; — im Leben Elisabeths bat sie etwas Heroisches, etwas vom ehernen Klang der Worte Jesu, daß man „um des Himmelreiches willen sogar alles, alles müsse verlassen" können.

Solchen Menschen wird von Gott alles und jedes auf« gebürdet und auf geloben und bann auch von Gott noch eine Kreuze, bis zu,m Erliegen und Zusammenbrechen. Aber, je mehr man einem Menschen zutraut, desto mehr wachsen ihm die Kräfte, — wie das immer wachsende Meer.

Eben dies fft das Bild der hl. Elisabeth, wie es im Bewußtsein der Christenheit lebt: Das Bild einer ver- chwenderischen, nicht sehr berechnenden und darum oft nicht ökonomischen Liebe. — aber einer wahrhaft großen und tiefen, sich selbst dahingebenden Menschenliebe, einer Liebe, die zu eigener Selbstverrichtung führt, zum Aus- löschen des eigenen Ich im Verzichten und Entsagen, im

lebendigen Dienen und Helfen, die freilich darum viel­leicht oftmals den Eindruck zweckloser Opferung macht, aber um so tiefer segnend wirkt.

Nur Wenige sind die von Gott Berufenen und Be­gnadeten, um in solcher Liebe Gott und den Menschen zu bienen, und die Lieblinge Gottes und der Menschheit zu fein. Aber Einige scheinen doch immer wieder von Gott gerufen zu werden und sie sinds, die die Vor­ratskammern der Well immer neu . füllen, unsichtbar meist, aber doch tatsächlich, ein Paulus, Vinzenz von Paul, Don Bosko, Pater Lukas Etlin der Benediktiner. — St. Elisabeth. Von solchen Verschwendern leben wir, lebt die Kirche, die Welt, das Volk, die Menschheit, le­ben wir Alle.

Das ist das Geheimnis der hl. Elisabeth, ihr tiefstes Herzen-, Seelen-, ihr Lebens- Geheimnis: Und es f>at gezündet. Als einst am Morgen des Urchristentums die junge Kirche dem Elend gegenüberftanb, da sprach sie durch den Mund ihres ersten Apostels das Wort: „Gold und Silber habe ich nicht, aber was ich habe, bas gebe ich dir: im Namen Jesu Christi steh auf u,nb wandle!" Ich habe Augen, Ohren, Hände, Füße, vor allem ich habe ein Herz, das will ich schenken, nicht bloß ein kaltes Geldstück den Menschen schenken, nicht wie ein Automaten, nicht eine Maschine sein, uns selbst schenken, nicht mit abgegrenz­ten Maßstäben, — nein, in jener heroischen Hingabe, die alles fortschenkt, die das eigene Ich auslöscht, (— oder soll man sagen, zur vollen letzten Höhe hin entfaltet), in jenem Sichselbstvergesfen, das heroisch wird, in jener Selbstlosigkeit, die aus vieles verzichtet, die bei allen Enttäuschungen, aller Undankbarkeit und Bitterkeit doch nicht verbittert und gram wird, sondern aus dem Her­zen Gottes selbst, aus dem Herzen Jesu des Erlösers, aus dem Geffte feiner echten Nachfolger, aus der hl. Eucharistie und dem Kreuze sich immer von neuem die Kraft und den Mut holt, heroisch fein zu dürfen bis zum Aeußerften, verschwenderisch zu werben, gleich dem Sämann, der mit dem weiten Schwung des Armes die Saat in Fülle ausstreut, und nicht berechnet, ob und in wie weit es sich lohnt! die nicht abzirkelnd fragt: „I st bas nötig", sondern nur: st bas gut, ist da» zu m Segen"!

Im Grunde lebt die Welt von solcher Verschwendung, von den Menschen, die sich selber weqschenken, verschwen­den, opfern, — damit die Andern leben: „Wer fein Le­ben lieb hat, der wird es verlieren und wer es verliert um meinetwillen, der wird es hundertfach gewinnen"« Im Fortgehen es gewinnen! Das ist das Geheimnis des Christen; bas fft das tieffte und letzte Geheimnis der hl. Elisabeth gewesen, — bas ist auch das Geheimnis ihrer magnetischen Anziehungskraft auf die Welt und auf die Menschen geworden, und ist es geblieben bis heute.

Seltsam ist es: Früher folgten die Menschen oftmals einer einzigen großen Idee, ließen sich davon ganz er­füllen und durchdringen, wurden und blieben dadurch stark, — wurden damit Helden und Heilige; heute zer­splittern wir uns in taufend Ideen, in immer neue Ein­fälle, die aber auch immer neue Ablenkungen sind, und wir verlieren dabei Durchschlagskraft.

Der stärkste Mensch ist immer der Mensch eines ein­zigen Gedankens: Alles, was er an Kraft, Willen, In­telligenz, Nervenanspannung in sich auffpeichert, setzt er einzig und allein in dieser einen Richtung ein, und er­zeugt damit eine Wucht, der selten die Welt widersteht. Er sieht nicht nach rechts und links, — er geht nur vor­wärts geradeaus, — den Menschen zu helfen und zu bienen, und eine Welt zu retten, — und damit geht er immer Gott entgegen. — St. Elisabeth lebt in jedem wahren, echten Christen fort, der ihrem Vorbild es nachzutun sucht: Männer und Frauen, die heute gong und gar erfüllt und durchtränkt sind von der Not der Zeit und ihres Volkes, in deren Seelen das hl. Feuer glüht, die sich der tiefen sozialen Verantwor- t u n g bewußt sind, in allen jenen, die heute sich als Apostel für das Reich Gottes und die Menschen fühlen, die es wissen, daß wir zwar auf Ruinen stehen, — aber wo Ruinen sind, da ist auch Raum, die darum ihre zanze Kraft und Persönlichkeit, ihre Zeit und Arbeit ein» etzen, die sich selber verzehren möchten in solchem Wir­ken wie die Kerze, die niederbrennend Anderen leuchtet,, in jeder helfenden, bienenden, verborgenen Liebe, — in oder Apostelseele lebt St. Elisabeth.

Das hat sie unvergeßlich und unvergänglich ge­macht, diese ihre große Glut, diese ihre selbstlos?, verschwenderische, 'hinopfernde heilige Liebe: denn un­vergessen in dieser so sehr rasch vergessenden Welt bleibt oder Mensch, der solch eine echte tiefe, selbstlose Liebe in sich trägt, weil er damit die Welt segnet, wie die Sonne die Welt mit Segen erfüllt. Da bedarf es keiner äußeren Monuments und Zeichen, keiner hohen Bauten: die stolzesten Denkmäler werden nur in den Herzen der Menschen errichtet. So rufen wir heute St. Elisabeth an: „Sende über uns deinen Geist aus, und alles wird neu geschaffen, und bas Angesicht der Erde wirst du er­neuern!"

In einem kurzen Schlußwort brachte der Hochw. Herr Bischof Dr. Schmitt die Empfindungen der Teilnehmer an der Feftversammlung zum Ausdruck« Er dankte allen, die zudem Gelingen der würdigen Feier beigetragen haben, dem Dichter des Prologs, dem Komponisten und Dirigenten der Elisabeth- Kantate und dem ausgezeichneten Festredner, der das Bild der hl. Elisabeth in so lebendigen Farben vor uns habe erstehen lassen. Er schloß mit dem bedeutungsvollen Satz des Kardinalstaatssekre- tärs Pacelli, den er in einem Briefe an den Ober»

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schmerzvolle Wunde immer aufs neue aufbrechend, die ganze Komposition. Es setzt sofort bei dem orchestralen Vorspiele ein, bas zunächst rein instrumental den kla­genden Anfang der Dichtung vorausnimmt. Zuerst von Klarinetten, Hornern und Streichern in aufsteigenden offenen Quartengängen begleitet, schwillt der instrumen­tale Klageruf rythmisch und dynamisch variiert, immer stärker an, bis er zuletzt sich in einem harmonischen h-rnoll-Abschluß von gewaltiger Kraft zusammenballt. Sofort nimmt nun der Chor das Klagethema des Vor­spiels auf, die vier Stimmen vom Baß an sich schnell folgend, um es in einfacher Wiederholung, von einem kleinen Zwischenspiel unterbrochen, bei bem dunkle Blechbläser, Fagotte, Posaunen und Tuben, ganz in die Tiefe steigen, gleichfam um bas Elend zu versinnbilden, immer lauter und eindringlicher ertönen zu lassen. Ein instrumentaler Uebergang zum ersten Trostruf Elisabeths unternimmt mit den Bläsern einen neuen Ansturm auf Hilfe und Rettung. Da ertönt die sanfte Stimme Elisa­beths.

Kommt alle zu mir, die ihr voll Mühsal seid. Ich will in aller Not und Pein Erquickung euch und Rettung fein.

Milde, tröstend, wie aus einer andern Welt kommend, aus mystischer Ferne, aus Himmelshöhen auf diese kla­gende, leiderfüllte Erde niederschwebend, so erscheint die­ses erste tröstende Wort aus Elisabeths Munde, zu­nächst nur von neunfach geteilten Streichern, dann auch von Flöte, Fagott und hellen Bläsern begleitet. Sofort fällt der Chor ein, das tröstende Elisabeththema auf« nehmend:

Wer ruft, wer hilft und löst all das Leid?

Aber er kehrt traurig wieder in seine alte Klage zurück, das Hauptthema wieder beginnend, in seinem qualvollen Ruf:

Wer kann uns retten aus Kerker und Ketten, wer noch erläsen vom Sanfte des Bösen,

. ach, was hilft alles Suchen und Fragen, nirgends lebt uns ein rettender Held, Weh, wir durchwandern mit Weinen und Klagen hungernd und frierend die Wüsten der Well,

von ganz dunklen, tiefen Bläsern getragen. Zum zwei­ten Male erklingt Elisabeths zuversichtliches Trostwort:

Kommt alle zu mir, die ihr voll Mühsal seid, ich will euch erquicken,

während der Klageruf der Männer, einstimmig in Ok­taven, leise verebbt. Der instrumentale Abschluß läßt die Hoffnung auf Hilfe werden, indem in die wenigen Ak­korde schon das Elisabethmotiv des zweiten Teils hin­einklingt.

Der zweite Teil, der sich unmittelbar an den ersten anschließt, schildert nun die Werke der Barmherzigkeit, die Elisabeth geübt hat, und zwar in der dichterischen und musikalischen Form eines Wechselspiels zwifchen Chor und Solostimme. In mehrfacher Wiederholung und Steigerung spendet Elisabeth den in leiblicher Not Leidenden helfenden Trost und heilende Rettung. Dem wehklagenden Thema der Armen und Leidenden stellt sich das nun diatonisch veränderte Elisabeththema voll heiliger Milde und Güte und von befreiendem Klange gegenüber.

Ihr sollt nicht hungern mehr, ich will euch speisen, all mein Korn für eure Not, o kommt, ihr Armen, Witwen, Waisen, ich teile gern mit euch mein letztes Stücklein Brot.

Innig dankend antwortet der Chor der Beglückten im

vierstimmigen harmonischen Satze. Doch neue Qual meldet sich.

Wir leiden noch im Tränental die Qual des heißen Durstes.

Elisabeths fünfte Stimme, von leichten Bläsern und Streichern und vor allem vom hier stark besetzten Klavier in weichklingenden Triolenmotiven begleitet, verspricht Hilfe und Heil.

Ihr sollt nicht dürsten mehr, ich will euch tränten solang ein Born aus meinen Quellen rinnt, dem Greis den letzten Tropfen Wein, dem durstigen Kind die letzte Milch verschenken.

Mit dem Danke verbindet der Chor der Duldenden die Bitte um schützenden Schuh und wärmendes Kleid. Elisabeths Antwort, von Klavier, ruhig fließenden Strei­chern, Fagott, Hörnern und Klarinetten in milden Ton­folgen begleitet, schenkt Mantel und Schuh und hüllen­des Kissen und dazu ihr heißliebendes Herz. Wieder er­tönt der Klageruf des Dulderchors. Die Siebe Elisabeths anerkennend und bemunbernb, fühlt er noch die Riesen­größe allen anderen Elends, die höchste, tötende Bitterkeit des ganzen armseligen Lebens. Der Komponist hat diesen Klageruf des Chors zu dem Höhepunkt der ganzen Kom­position gestaltet. In gewaltiger Steigerung, durch Aus­nutzung aller musikalischen Mittel wird die Schwere der Not mit äußerster Kraftentfaltung zum Ausdruck ge­bracht. Gänzliche Atonatttät bedeutet den höchsten Grad seelischer Verwirrung und Verzweiflung. Die große Ge- neralpaufe, die dem letzten Schrei der ungeheuren Klage folgt, bringt die Größe des Unglücks in völligem Er- fchweigen und Verstummen noch einmal zum Ausdruck. Fast zaghaft, mehr sprechend als singend, beginnt der Chor aufs neue fein Bitten: „Weißt du kein Dach für den, der heimatlos?" Wie ein süßer Lockruf, wie eine

herzliche Einladung, ergeht Elisabeths Lied an die Her­berglosen:

Will allen Müden Magd und Mutter sein, solang ich lebe, soll es nie geschehn, daß Fremde vor verschlossenen Türen stehn.

Aus tiefstem Herzen, von tiefen Blechbläsern be­gleitet, danken die gastlich Aufgenommenen. Doch das Bewußtsein schwerer Sünde liegt noch auf ihnen. Elisa­beth nimmt sich auch der Sündenbeladenen an:

O laßt mich steigen in die Nacht der Armen.

Was Sünde bindet, gibt die Gnade frei.

Wer hoffen will auf göttliches Erbarmen, schlägt gern die Ketten fremder Schuld entzwei.

In Bachscher Polyphonie baut sich hier Elisabeths Lied, vom Orchester geleitet, auf. Beim Gedanken an bas göttliche Erbarmen lichtet sich die Musik in himmlische Dreistimmigkeit. Der vierstimmige Chor lobt Elisabeths große Liebe zu den in Sünde Gefangenen. Posaunen und Cellis begleiten ihren Dank. Jetzt wendet sich Elisa­beth an die Kranken:

O laßt mich lindern ihrer Qualen Pein, und weiß auch keiner Heil für alle Wehen, so darf ich doch der Siechen Tröster sein.

Es ist eine rührende, klagende Weise, als ob der Kranken Los auch Elisabeth zu Tränen rühre. In der Begleitung wird ein Quintenmotiv charakteristisch ver­wandt. Dazwischen singt eine Solo-Geige ihre wehe Klage. Fast als ob die Klagekraft des Chors erlahmt fei, kann der Chor nun nur noch in rezitativer Weife feinen Dank aussprechen. Ohne angefleht zu fein stellt Elisabeth nun noch ihre Hilfe beim Sterben in Aussicht.

Und muß ein müdes herz von hinnen scheiben, zerbricht der Tob ihm jäh den Wanberstab,