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Anzeiger für die Stadl Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Ar. irr

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Dienstag, 4. August 1931.

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Z-lirg. 58.

Hauptsache: Mrtschafi in Ordnung bringen!

Vernünftige Erklärung des preutzischen Ainanzministers. Die Rom-Reise des Kanzlers.- Ein gescheiterles Volksbegehren.

CNB. Altona. 3. Aug. (Big. Meld.). Auf einem Parteitag der Deutschen Staatspartei in Schleswig-Holstein sprach gestern der preußi- scheFinanzminister Dr. Hoepk e-A schaff. Er erklärte u. a.: Überblicke man die Ereignisse der letzten Wochen, so seien schwere Fehler begangen worden. So sei es falsch gewesen, daß man die Danatbank überhaupt erst hätte zusammenbrechen lassen, anstatt die Banken zusammenzuschweißen, ein Auslandsmoratoriüm zu erklären, drei Bank­feiertage einzulegen und dann sofort wieder die Schalter zu öffnen. Dieser Plan sei geschei­tert, weil d i e B a n k e n nicht zu der notwen­digen Solidarität bereit gewesen seien und die Reichsbank aus einer unbegründeten Furcht vor einer Inflation diesen Weg nicht habe gehen wol­len Jetzt gelte es, alle Kräfte zur Ueber- winöung der Krise zusammenzufassen. Stattdessen aber erlebe man den Kampf des Einen gegen den Anderen, der auch in dem bevorstehen­den Volksentscheid zum Ausdruck komme und der sich auch in Wahrheit gegen die Re chsregierung richte. Die Staatspartei stelle sich daher in die Front derjenigen, die mit Reichskanzler und Reichsfinanzminister Dietrich darum rängen, die Wirtschaft wie­der in Ordnung zu bringen und da­mit dem deutschen Volk die Freiheit zu erkämpfen.

' Am Mittwoch soll die notwendige Reise des Kanzlers und des Außenministers zu Mussolini angetreten werden. Bei dem italienischen Che- quers, zu dem Anregung und Einladung von Mussolini ausging, handelt es sich um eine all­gemeine deutsch-italienische freund­schaftliche Aussprache über den Gesamt- kompler jener Fragen der Außenpolitik, die das gemeinsame Interesse beider Länder berühren. Ein Programm über die Begegnung zwischen den deutschen und italienischen Staatsmännern ist nicht aufgestellt worden. Es sind keinerlei Ab­machungen über bestimmte Fragen zu erwarten.

Selbstverständlich werden die deutschen. Staats­männer während ihres Aufenthaltes in Rom auch dem Papst ihre Aufwartung machen.

Die Ankunft in Rom, der' Empfang durch Mussolini und den italienischen Außenminister Erandi ist für Freitag vormittag vorge­sehen, der Aufenthalt in der Hauptstadt Italiens muß auf zwei Tage beschränkt bleiben, da der Kanzler bei der schwierigen gesamtpolitischen Si­tuation schon am kommenden Montag wieder in Berlin sein will.

Erfolglosigkeit des Volksbegehrens in Anhalt.

Aus Dessau wird gemeldet: Die Frist für die Eintragung zum Volksbegehren zur Herbei- führung eines Volksentscheides mit dem Ziel der Auflösung des Anhaltischen Land­tags ist abgelaufen. Nach dem vorliegenden amtlichen vorläufigen Endergebnis haben sich rund 73 000 Personen in die Listen eingezeichnet in welcher Zahl die voraussichtlichen Ergebnisse von fünf noch ausstehenden Gemeinden einge­schlossen sind. Rund 77 000 Eintragungen hätten aber erfolgen müssen, wenn das Volksbegehren hätte erfolgreich sein sollen. Es fehlen somit rund -1000 Einzeichnungen. Die Kom­mun i st e n haben sich an dem Volksbegehren nicht beteiligt.

Ein Aebeeleikungsgesetz.

Zur Verhinderung der Steuersabotage und zum Schutz lebenswichtiger Betriebe.

Eine Reihe von Vorschriften, dis im Laufe der Jahre durch Notverordnungen geregelt wurden, sollen nunmehr in die ordentliche Gesetzgebung durch ein sogenanntes Ueberleitungsaesetz, das dem Reichstag zugegangen ist, überführt werden. Es handelt sich dabei einmal um Maßnahmen zur Verhinderung der Steuersabotage und zum zwei­ten um Bestimmungen, die sich auf den Schutz le­benswichtiger Betriebe erstrecken.

Was den ersteren Gegenstand angeht, so wird vorgeschlaaen, dem Strafgesetzbuch eine neue Vor­schrift einzufügen, die denjenigen mit Gefängnis­strafe bis zu zwei Jahren bedroht, der öffentlich dazu auffordert oder anreizt, einer steuerlichen Verpflichtung nicht zu genügen.

Die Vorgeschichte dieser Bestimmung liegt in manchen unerfreulichen Vorgängen, die seiner­zeit sogar so weit gingen, daß nicht nur in Flug­blättern und Versammlungsreden, sondern auch in öffentlichen Kundgebungen durch die Presse und bergt Aufforderung zur Nichtbezahlung der Steuern and zum Steuerstreik und dergleichen er­gingen. Diejenigen Bestimmungen, die sich auf den Schutz lebenswichtiger Betriebe beziehen und die nun gleichfalls in das Strafgesetzbuch einge- füg* werden sollen, bedrohen mit Gefängnisstrafe die Verhinderung oder Aenderung eines zur öf­fentlichen Versorgung mit Wasser, Licht, Wärme oder Kraft dienenden Werkes. Schon der Ver­such ist strafbar und auch die Absicht der Störung wird unter Strafe gestellt. Nach den bisher gel­tenden Vorschriften waren nur einige lebenswich­tige Betriebe, wie Telegraph- und Fernsprechan­lagen unter besonderen Schutz gestellt, aber mit der Verschärfung des Kampfes mit sozialen und politischen Leben haben sich auch Dinge ereignet, die insbesondere die Versorgungsbetriebe in schwere Gefahr brachten und damit der Allgemein­heit Schaden zufügten. Darum sind solche Son­

derbestimmungen, die jetzt in das ordentliche Recht überführt werden sollen, notwendig.

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In dem vorgenannten Ueberleitungsgesetz wer­den neben anderen Fragen auch noch solche behan­delt, die mit dem Effektendepot-Verkehr zusammen­hängen. Auch auf diesem Gebiete haben sich grund­legende Sicherungsvorschriften als notwendig er­wiesen, die nun ihren Niederschlag finden in Be­stimmungen über die Verpflichtungen des Kom­missionärs und über den Schutz gegen strafbare Handlungen. Mit den Fragen der Reform des Aktienrechts hängen diese Dinge nicht zusammen. Diese Fragen werden ja namentlich bedingt durch eine Reihe in den letzten Monaten vor sich ge­gangener sehr betrüblicher Ereignisse in Aktien­gesellschaften und müssen auf besonderem gesetz­geberischem Wege und zwar voraussichtlich auf dem Wege der Notverordnung geregelt werden, da diese Regelung sehr drängend geworden ist, und es nach Lage der Dinge zur Zeit nicht möglich ist, auf ordentlichem parlamentarischem Wege die entsprechenden Maßnahmen zu treffen.

Was ab Mittwoch gilt

Die 7. Verordnung über die Wiederaufnahme des Zahlungsverkehrs.

Die vom Reichskabinett verabschiedete 7. Ver- ordnung über die Wiederaufnahme des Zahlungs­verkehrs nach den Bankfeiertagen bringt entspre­chend der in voriger Woche erfolgten Ankündigung die Aufhebung der Beschränkung im Zahlungsver­kehr von Mittwoch, den 5. August ab. Nur für die eigentlichen Sparkonten sind noch gewisse Beschränkungen vorgesehen.

Um die von der Reichsregierung, der Reichs­bank und der Wirtschaft inzwischen getroffenen Maßnahmen zur vollen Auswirkung zu bringen, ist es notwendig, bis dahin, also für den 3. und 4. August, die bisher geltenden Beschränkungen aufrecht zu erhalten; jedoch treten bereits für diese Tage Lockerungen im Ueberweisungsverkehr ein: vom 3. 8. ab sind Uebenveisungen innerhalb des Mitgliederkreises des Ueberweifungsverbandes in jeder Höhe zulässig, vom 4. 8. ab auch außerhalb dieses Verbandes, doch dürfen solche Beträge nicht auf Postscheck- oder Reichsbankgirokonto überwie­sen werden.

Hinsichtlich der Barauszahlungen ohne beson­dere Zweckbestimmung verbleibt es für den 3. und 4. 8. bei den bisher vorgesehenen Beträgen (10 v. H. des vorhandenen Guthabens, höchstens bis zu 300 Rm. von jeder laufenden Rechnung dies bedeutet also eine Verdoppelung des Betrages, da die Beträge bisher für vier Tage galten bis zu 300 Rm. dürfen auf jeden Reisekreditbrief aus­gezahlt werden).

Auch für die Einlösung eigener Akzeptverbind­lichkeiten werden für den 3. und 4. 8. wie bisher höchstens 8000 Rm. für den Tag freigegeben. D>e Protestfrist ist auch für die vom 2. bis 6. 8. fäl­ligen Wechsel verlängert worden. Eine Verlänge­rung der für die Ausstellung bestätigter Verrech­nungsscheck bis zum 10. 8. einschließlich vorge­sehenen Frist ist nicht erfolgt, da dies wegen der Aufnahme des unbeschränkten Zahlungsverkehrs am 5. 8 nicht mehr erforderlich ist.

Eine besondere Behandlung ist, wie eingangs erwähnt, vorläufig noch für sämtliche Sparkonten infolge ihres besonderen Eharakters vorgesehen und zwar sowohl für Sparkonten bei Banken, wie bei Sparkassen und Genossenschaf- t e n. Die Verordnung bringt Vorschriften hier­für für die Zeit vom 3. bis 8. 8. 1931. Bar­auszahlungen und Ueberweifungen für die bisher erwähnten besonderen Zwecke (Gehälter, Löhne. Abgaben usw.) bleiben unbeschränkt zulässig. Über­weisungen nicht freigegebener Beträge sind nur von einem Sparkonto auf ein anderes zulässig, das denselben Beschränkungen unterliegt wie das Gut­haben des Auftraggebers. Während für die Tage vom 29. 7. bis 1. 8. Barauszahlungen ohne besondere Zweckbestimmung bis zu 10 v. H. des Guthabens, insgesamt höchstens bis 30 Rm. er­folgen dürfen, ist für die Zeit vom 3. bis 8. 8. 1931 der Höchstbetrag auf insgesamt 50 Rm. fest­gesetzt worden

Hnfere Auslandsverschuldung.

Dem deutschen Volk ist feine tragische Rolle als Weltschuldner nie deutlicher bewußt gewor­den, als in den letzten Wochen mit ihren sich überstürzenden Ereignissen. Jahr für Jahr hat sich Deutschland, unter dem Zwang der Verhält­nisse, immer tiefer in das Netz der Auslandsver­schuldung verstrickt. Ein tiefer Zwiespalt durch­zieht unsere wirtschaftliche Entwicklung in der Nach­kriegszeit: Deutschland, durch die Folgen des Krie­ges und überaus harter Friedensbedingungen er­schöpft, ausgemergelt, wäre kaum im Stande ge­wesen, seinen Wirtschaftsbetrieb aus eigener Kraft wieder in Gang zu bringen und auszubauen und dieses gleiche Deutschland wurde für stark ge­nug gehalten, Milliardenbeträge an Reparationen zu zahlen Nur durch die Aufnahme von Aus­landskrediten konnte der Reparationsmechanismus jahrelang, bis zum Inkrafttreten des Hooverpla- nes. in Gang gehalten werden. Unsere Gesamt­verschuldung an das Ausland belief sich Ende 1930 auf rund 26,5 Milliarden Rm. und, wenn man von diesem Betrage absetzt, was Deutschland sei­nerseits dem Auslands geborgt hat, auf rund 17 Milliarden Rm.

Die schwere Finanzkrise hat diese Zusammen­hänge rücksichtslos vor aller Welt enthüllt. Sie

hat gleichzeitig gezeigt, welche Gefahren aus dem Teil der Auslandskreöite erwachsen können, die vom Geldgeber lediglich kurzfristig abziehbar, zur Verfügung gestellt wurden. Dieser Teil war ver­hältnismäßig groß eine Folge besonders gela­gerter Verhältnisse auf den internationalen Kre­ditmärkten. Ende 1930 belief sich die kurzfristige Auslandsverschuldung der deutschen Banken al­lein auf etwa 8,2 Milliarden Rm. Insoweit grün­dete sich das deutsche Kreditsystem also auf schwan­kendem Boden. Von dieser kurzfristigen Aus­landsverschuldung nahmen daher auch die Schwie­rigkeiten in unserer Kreditwirtschaft ihren Aus­gang: die ausländischen Gläubigen zogen, über­stürzt, Geld in großen Mengen ab. Eine völlig unbegründete Angstpsychose im Jnlande Kapi­talflucht, Devisenhamsterei,Run" auf Banken und Sparkassen steigerte die Verwirrung. Ein Erd­rutsch größten Ausmaßes bedrohte das gesamt« deutsche Kreditgebäude. Die akute Gefahr ist ab­gewendet worden. Eine Reihe unverzüglich ein- geleiteter, durchgreifender Maßnahmen des Rei­ches hat eine starke Bremswirkung ausgeübt. Die Londoner Konferenz ferner hat zu einer interna­tionalen Vereinbarung geführt, die einen weiteren Kreditabzug gus Deutschland verhindern soll.

Im ganzen sind in den letzten Monaten 3 Milliar­den Rm. ausländischer Kurzkredite abgezogen wor­den. Nach diesem schweren Aderlaß hat man die noch verbliebenen kurzfristigen Auslandskredite Deutschlands neuerdings, soweit Anhaltspunkte dafür gewonnen werden konnten, auf rund 5 Mil- larden Rm. geschätzt. Davon werden etwa 2,5 Milliarden auf die Vereinigten Staaten, 1,75 Mil­liarden auf England entfallen. Frankreich könnte etwa mit einer viertel Milliarden, die übrigen Länder mit einer halben Milliarde beteiligt sein. Einer genauen Erfassung sie ist wirfschafts- und kreditpolitisch von elementarer Bedeutung der gesamten deutschen Auslandsverschuldung dient die Notverordnung vom 27. Juli über die An­meldepflicht für Auslandsverpflichtungen.

Die Hemmungen, die aus dieser Verknappung der Kreditdecke mit allen ihren Folgewirkungen und Begleiterscheinungen entstanden sind, zu be­seitigen, ist eines der' Hauptziele der Wirtschafts­politik des Reiches. Diesem Zweck dient unter anderem auch die Gründung derAkzept- und Garantiebank", die auf Anregung der Reichsbank unter Beteiligung des Reiches und führender Kre­ditinstitute mit einem Kapital von 200 Millionen Rm. ins Leben gerufen wurde. DieseBank der Banken" soll das Vertrauen in das deutsche Kre­ditsystem wieder festigen und eine sichere Grund­lage für die Wiederaufnahme des regulären Kre­dit- und Zahlungsverkehrs bieten.

Der roke Volks-Entscheid.

Von einem Berliner Mitarbeiter wird uns geschrieben:

Nein, es ist kein Druckfehler: die Kommuni­sten, die am 9. August den Herren Hugenberg und Seldte zum Siege verhelfen sollen, bezeichnen die­sen Volksentscheid als ihre eigenste Angelegenheit. Arn Freitag abend konnte man auf dem Pots­damer Platz in Berlin eine Lichtre­klame, eine sehr geschickt aufgemachte Schnell­malerei, wie man sie wohl gelegentlich im Variete sieht, beobachten, die ausdrücklich und mit der Unterschrift der KPD. zur Beteiligung am roten Volksentscheid aufforderte. Und genau so klingt es in den kommunistischen Zei­tungen und Zeitschriften. Davon, daß diese Unter­nehmung vom Stahlhelm ausgeht, ist keine Rede. Die Kommunisten rufen zum Kampf gegen den Fa­schismus auf, also gegen die, die das Volksbegeh­ren und den Volksentscheid eingeleitet haben. Kann man sich eine größer« Verwirrung der Gei­ster vorstellen? Und trotzdem scheint man sich auf der Rechten nicht zu besinnen. Sogar die Volks­partei, die von den Nationalsozialisten, die ja die größte Masse der Ja-Sager am 9. August an die Wahlurne bringen müssen, auch heute noch in der übelsten Weise beschimpft und als marxistisch ver­seucht hingestellt wird, bat es für ein Erfordernis ihres nationalen Gewissens gehalten, ihre An­hänger doch zur Beteiligung an diesem es ist nun einmal nicht anders roten Volksentscheid aufzufordern, und damit sind nun glücklich alle deutschen Gruppen, die sich nicht durch politische Vernunft auszeickmen, zusammen. Aber jede will etwas anderes. Die deutsche Volkspartei, um noch einen Augenblick bei ihr zu bleiben, will ihren feit sieben Jahren aufgespeicherten Aerger über die Verhältnisse in Preußen ober vielmehr im preußischen Kabinett endlich los werden. Sie hätte ja gar zu gerne wieder ein paar Minister gestellt, und die Herren, die aus ihrer kurzen Regierungs­beteiligung von damals ihr« stattliche Pensionen beziehen, haben wohl so lange gebohrt und gehetzt, bis der Führer Dingeldey, da ihn schon di« guten Geister verließen, nachaab und feine blamable Volksentsckeidsproklamation verkündet. Deutschna­tionale. Nationallozialisten, Volkspartei, Landvolk all« diese Marxistenfresser werden am 9. August antreten, um die Sozialdemokratie und das Zen­trum in Preußen aus dem Sattel zu heben. Den entscheidenden Stoß aber wird der Mar x i s- mus aussühren, der Marxismus in seiner wüstesten Gestalt: der Kommunismus: So macht man in Deutschland Politik, wenn es um Mini­ster- und Landratsposten geht. Denn darum geht es bei diesem Kampf umRot-Preußen". Aber diese Politiker werden sich täuschen. Die Fraktion der Deutschen Volkspartei wird, wenn sie dem­nächst opm Landtag aus einmal eine Fahrt ins Grüne Unternehmen will, einen Berliner städti­schen Autobuß nicht mehr füllen können, und Hu­genberg kann feinen preußischen Parteifreunden vermutlich schon durch Zurverfügungstellung sei­nes Privatwagens alle Annehmlichkeiten gewähr­leisten. So ist es und so bieibt «s. Aber das deutsche Bürgertum macht weiter Politik, eine Po­litik, die geradewegs in den Bolschewismus hin-

einsührt. Oder sollte es am End« doch nicht fo vollzählig mitmachen? Der rote Volksentscheid am 9. August wird es erweisen.

Ankikriegskimdgebung.

Die sozialdemokratische Partei, Groß-Berlin, die sozialdemokratischen Jugend- und Sportverbände veranstalteten im Neuköllner Stadion eine in allen Teilen ruhig verlaufene Antikriegskundgebung. Nach dem Einmarsch der Sportler und Fahnendeputa­tionen sprachen Reichstagsabgeordneter Aufhäu- h ä u s e r, der preußische Landtagsabgeordnete Orto Meier-Berlin und der französische Deputierte G r u m b a ch - Paris über die Bedeutung des 2. August 1914 in der Weltgeschichte und über die heutige politische Lage. Umrahmt wurden die Reden durch Vorträge des Arbeiter-Sängerbun­des, durch Sprechchöre und sportlich« Darbietungen.

* Jtunfius Orfenigo beim Papst. Der Berliner apostolische Nuntius Orfenigo wurde von Papst Pius XI. in Privataudienz empfangen.

* Der neue Kommandant der amerikanischen Flotte. Anstelle von Admiral Chase ist Admiral Schofielf, einer öer amerikanischen Sachver­ständigen bei der Friedenskonferenz, zum Kom­mandanten der amerikanischen Flotte ernannt worden.

* Die gestoppten Reparationszahlungen. Nach einer Meldung derVoss. Ztg." hat bas Ham­burger Schiffahrtsunternehmen H. C. Stülken u. Sohn einen Teil der Belegschaft, und zwar 200 Arbeiter, entlassen. Als Grund für diese Maß­nahme gilt, so berichtet dieVoss. Ztg.", die Zah­lungseinstellung der südslawischen Regierung an die Hamburger Firma für ein auf Reparations­kosten zu lieferndes Schulschiff unter Berufung auf den Hooverplan. Die südstawische Regierung soll der Hamburger Firma anheimgestellt haben, die Deutsche Regierung um Uebernahme der Zah­lungen zu bitten. DerVoss. Ztg." zufolge fall aber eine Intervention von Berlin mit der Be­gründung abgelehnt worden sein, daß das Pro­blem der Sachlieserungen vorerst internationaler Regelung bedürfe.

* Gründung einer Sächsischen Wirtschaftspartei. Aus Dresden wird gemeldet: Der Landesausschuß Sachsen der Reichspartei des Deutschen Mittelstan­des (Wirtschaftspartei) hat am Sonntag einstim­mig beschlossen (der Wahlkreis Leipzig in erneuter Bestätigung seiner bereits erfolgten Austrittser­klärung), mit feinen Wahlkreisen, seinen Ortsgrup­pen, sämtlichen sächsischen Landtagsabgeordneten und den Reichstagsabgeordneten Lucke und Pie- ner sind aus der Partei ausgetreten und bis zur Vereinigung mit anderen deutschen Wahlkreisen als Sächsische Wirtschaftspartei die politische Ar­beit tatkräftig fortzusetzen.

Politische Skraftenschlachk.

Zwei Tote.

In Wi t t st o ck a. d. Söffe kam es lautMon- tagspoft" am Sonntag zu einem blutigen Stra­ßenkampf zwischen Kommunisten und Nationalso­zialisten Dabei wurden zwei Personen, ein Na­tionalsozialist und ein Unbeteiligter, durch Kops- und Brustfchüsse getötet. D r e i Verletzte konnten sich bis in nahegelegene Häu­ser retten, Sie haben Arm- und Beinschüsse da­vorgetragen.

Wie die Vernehmung zahlreicher Zeugen er­zeben hat. ist sowohl von den Komwvüllen wie von den Nationalsozialisten geschossen worden.

Blutige Ausschreitungen in Klagenfurt.

Während der 1. August in Oesterreich im all­gemeinen ruhig verlaufen ist, ist es in Klagenfurt zu schweren Ausschreitungen von etwa 300 Kom­munisten gekommen, in deren Verlauf ein Poli- zeibeamter lebensgefährlich und zwei leichter ver­lebt wurden. 32 P-wsonen, haruntr- a^ch 'Is­länder, wurden verhaftet. Heute ist die Ruhe aber vollständig wieder hergeftellt.

* Schießübungen der deutschen Flotte. Aus Kiel wird gemeldet: Montagvormittag ist die Kieler Flotte zu dem diesjährigen A r li l l e r i e s ch i e - ß e n aus dem Kieler Hasen ausgelaufen. Voraus- sichtlich werden die Schisse am Freitagabend zurück- kehren. _______________

* DieRote Fahne" und ihre Kopfblätter ver­boten. DieRote Fahne" einschließlich ihrer Kopf­blätterVolksmacht" undVolksecho" sind auf- gründ der Notverordnung zur Bekämpfung poli­tischer Ausschreitungen verboten worden. Di« ge­nannten Blätter haben unter der UeberschriftGro­ßes Volkstreffen der Werktätigen", Kampfforde­rungen der Kommunistischen Parte: veröffentlicht, die gleichbedeutend sind mit der Aufforderung zu Gewalttätigkeiten.

* (Ergebnis einer zweijährigen Ankarklis-For- schungsreise. Das englische SchiffDiscovery" ist nach einer zweijährigen Forschungsreise in der Antarktis in London eingetroffen. Nach Er­klärungen des Kapitäns Machenis hat die unter Leitung von Sir Douglas Maworons ausgeführte Forschungsreise zu der Entdeckung .von sieben neuen Gebieten geführt. 1 600 Kilo­meter Küste wurden im Namen Groß­britanniens in Besitz genommen. Die Expedition legte 7 680 Kilometer in den antarkti­schen Gewässern zurück und hat die wissenschaft­lichen sehr bedeutsamen Ergebnisse ihrer Forschun­gen der Universität von Adelaide mitgeteilt.