Eisenachs katholisches Leben lm Mittelalter
und dessen Wiedererweckung lm 19. Zahrhundert.
Im Iubiläumsjahre der hl. Elisabeth richtet sich unser Blick aus die beiden in der Diözese Fulda gelegenen Orte, an denen sich das Leben der Heiligen abgespielt und unvergängliche Spuren hinterlassen hat, auf Marburg und auf Eisenach.
Zuerst wollen wir die Wartburgstadt betuchen und sehen, wie das reiche katholische Leben des Mittelalters dort drei Jahrhunderts hindurch erstorben war ’), aber im 19. Jahrhundert wieder erweckt worden ist2).
I. Eine Ueberlieferung sagt, daß der hl. Bonifatius 724 am Hörselflusse in der Nähe der heutigen Stadt ein Kloster und eine Kirche zu Ehren des hl Petrus errichtet habe. Doch läßt sich dafür kein Nachweis erbringen. Aber es steht geschichtlich fest, daß im 11. Jahrhundert am Petersberg ein solches Kloster mit Kirche bestand, worin sich Töchter des hl. Benediktus einem Leben der Frömmigkeit weihten. Dieses wurde im 12. Jahrhundert in die Rinamauer der Stadt verlegt, die von dem Landgrafen Ludwig I., dem Salier oder Springer, um 1070 gegründet worden war. und zwar neben das noch heute stehende Nikolaustor, durch das der Weg vom Bahnhof führt. Kloster und Kirche waren dem hl. -Nikolaus geweiht. Letztere wurde in den Jahren 1886 und 1887 wiederhergestellt, eine sehenswerte romanische Basilika mit einem Paradies (einer Vorhalle) und einem mächtigen Glockenturm. Die Gründerin und erste Aebtissin des Nikolai-Benediktinerinnenklo st ers war Lldelhe-d, die Tochter des Landgrafen Ludwig I. Die Nonnen erhielten durch Landgraf Hermann I. das Privileg, daß sie allein innerhalb der Stadtmauern von Eisenach das Lehr- und Erziehungsamt an der weiblichen Jugend ausüben durften.
Auch Zisterzienserinnen hatten eine Heimstätte in Eisenach gefunden. Ihnen hatte Landgraf Hermann I. am nördlichen Ausgang des Georgentals um 1218 ein Kloster und eine Kirche zu Ehren der Gottesmutter und der hl. Katharina erbaut. Die erste Aebtissin war Jmagina, Herzogin von Brabant, die sich nach dem Tode ihres Gemahls dem klösterlichen Leben gewidmet hatte. Ihrer Weihe und Einführung wohnte die hl. Elisabeth als 8sähriges Kind bei. In dieser Kirche ließ sie sich aussegnen, wenn ihr von Gott ein Kind geschenkt morden war. Hier auch <egte sie das Gelübde ab des steten Gehorsams gegen ihren Beichtvater. In dem Kloster verlebte Landgräfin Sophie, die Schwiegermutter der hl. Elisabeth, in stiller Zurückgezogenheit ihre letzten Lebenstage.
Nur kurz sei einer dritten Niederlassung frommer Frauen gedacht: In der heute so genannten Nonnengasse besaßen die B e g h i n e n ein Haus. Meistens Töchter von Handwerkern, sührten dessen Bewohnerinnen ohne eine eigentliche Ordensregel ein gemeinsames religiöse? Leben und verdienten ihren Lebensunterhalt durch weibliche Arbeiten.
Betrachten wir nun kurz die Stifter und Klöster, in denen sich M ä n n e r der Beobachtung einer Ordensregel ober religiöser Satzungen weihten.
An der Marienkirche, die etwa 200 Jahre hindurch Pfarrkirche gewesen war. hatte Landgraf Albrecht einAu g ust i n e r-Ch o r h e r r en st i ft ins Leben gerufen. DieseGründung wurde durch den zuständigen Erzbischof von Mainz urtd durch Papst Bonifaz VIII. 1298 bestätigt. Zehn Kanoniker führten hier unter einem Dekan die vita communis, das gemeinsame Leben, und besorgten an der Kirche den heiligen Dienst. In ihr befanden sich außer dem Hochaltar noch 20 Altäre, darunter auch einen, der 1340 der hl. Elisabeth geweiht worden war. In diesem Stifte lebte der bedeutende Schriftsteller Johanne? Rothe, dem wir u. a. die „Dürin- gische Chronik" und ein poetisches Leben der hl. Elisabeth verdanken.
Wir finden ferner m Eisenach die Söhne de? hl. Franziskus, die bald nach ihrer Ankunft in Deutschland 1221 von Erfurt aus nach der Wartburgstadt gekommen und durch die hl. Elisabeth freudig ausgenommen worden waren. Sie, die die erste deutsche Terziarin gewesen sein soll, erwählte zu ihrem Beichtvater Bruder Rodeger, der 1224 durch Konrad von Marburg abgelöst wurde. Es wurde den Franziskanern eine dem hl. Erzengel Michael geweihte Kirche zugewiesen, die zu dem Bezirk der St. Georgs-Pfarrkirche gehörte.
Außer diesem Kloster in der Stadt, das ganz in der Nähe de? Residenz- und Landgrafenhauses gelegen war, besaßen die Franziskaner noch ein
’) Vgl. Joseph Kremer, Beiträge zur Geschichte der klösterlichen Niederlassungen Eisenachs im Mittelalter (Quellen und Abhandlungen zur Geschichte der Abtei und der Diözese Fulda II 1906).
*) Nach den Akten des Bischöflichen Generalvikariates.
kleineres unterhalb der Wartburg. Im Jahre 1331 war es durch den Landgrafen Friedrich den Ernsthaften, wie es heißt, zur Erfüllung eines Gelübdes nach Genesung von einer Wunde, gestiftet worden. Es lag an der Stelle, wo die hl. Elisabeth ein Hospital gegründet hatte, nahe bei dem Elisabethbrunnen und wurde Cella S. Elisabeth, Elisabeth-Zelle, genannt. Ein hochragendes Kreuz, da? jetzt auf dem Platze errichtet worden ist, verkündet in seiner Inschrift dessen Bedeutung.
Neben den Franziskanern hatten auch die D o- minitaner durch eine eigentümliche Fügung eine Niederlassung in Eisenach erhalten. Landgraf Konrad , der Schwager der hl. Elisabeth, hatte im Streit mit dem Erzbischof von Mainz in Fritzlar eine dem hl. Johannes dem Täufer geweihte Kirche zerstört. Vom Papst wurde ihm aufgegeben, zur Sühne seines Vergebens ein Kloster und eine Kirche zu errichten. Er tat es in Gemeinschaft mit feinem Bruder Heinrich Raspe. Die Kirche wurde 1236, ein Jahr nach der Heiligsprechung von St. Elisabeth, erbaut und ihr geweiht, die erste Elisa- bethkirche, da die von Marburg erst ein halbes Jahrhundert später vollendet wurde. Kirche und Kloster, im wesentlichen noch in dem Gymnasium am „Predigertor" erhalten, wurden den Domini
kanern übergeben. Sie entfalteten eine reiche Unterrichts- und Erziehungstätigkeit, besonders für den Thüringischen Adel. Manches wertvolle literarische Werk ist hier entstanden, so die „Historsa de Lantaravi? Thuringiae", (Geschichte der Land- orafen Thüringens, „Legenda de Patrjbus conven- tus Jsenacensis Ordinis Praedicatorum", eine Chronik de« Dominikam-rklost--''«.
Auch ein Zisterzienserkloster gab es seit 1256 in Eisenach, im Johannestal in der söge nannten Klausnerichlucht non her Herw-6" von Brabant, der älteren Tochter der hl. Elisabeth, gestiftet.
Ebenso hatten die Söhne de- hl. Bruno, 1378 in Eisenach in der Nähe des Marienstistes eine Karthause gegründet, an deren Stelle sich heute der Kurgarten befindet. Bur* fein wissenschaftliches und literarisches Wirken ist von diesem Ka r t- häuserkloster besonders Jobanne« de Jnda- gine (Johannes Hagen) bekannt geworden.
Alle diese klösterlichen Niederlassungen verschwanden im 16. Jahrhundert. In den Stürmen des Bauernkrieges wurden sie vielfach zerstört. Hohe Kulturwerte wurden damit vernichtet. Auch die Kirchen, wie die Georgskirche, fielen der Bewegung zum Opfer: letztere wurde später wieder hergestellt Das katholische Leben, das vordem so sehr geblüht hatte, war von der Mitte des 16. Jahrhunderts in Eisenach ganz erstorben, und drei Jahrhunderte vergingen, ehe es sich wieder zu regen begann.
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€ntzünbe, Marburg, die Gedächtniskerzen Und steig hinab in deine Totenstadt, wo einst das beste aller Zrauenherzen Nach Lieb' und Leid die Huh gefunden hat.
Doch suche nicht nur nach dem edlen Staube, Der einst umkleidet einen guten Seist, Den immerdar der starke Lhristenglaube Mit Licht und Kraft vom Himmelreich gespeist.
So ward Elisabeth zum Feuerherde, Der seine Glut der kalten Welt geschenkt, Zu dem die ärmsten firmen dieser Erde 3n Nacht und Not so gern den Schritt gelenkt.
fich, daß du starbst, du gütigste der Zrauen, Die so viel Siechen Trost und Hilfe bot!
Du fehlst, wo heute Millionen schauen Nach Arbeitslohn und Kleid und Schuh und Brot.
©t. Elisabeth und unsere Seit
Der Prolog zum Marburger Katholikentag 1931.
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Ludwig Nüdling
Kleinsossen in der NHSn.
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Die Menschheit stöhnt in tausend neuen wehen, €s glaubt an keine Liebe mehr der Groll. Elisabeth, du mußt uns neu erstehen, wenn Ehristi Geist jetzt wieder siegen folt
Dach ist es recht, mit überlauten Klagen Dich heim zu rufen in der Erde Leid? wer so viel Hofen in die Welt getragen, Der hat genug getan für alle Zeit.
wir sind aus gleichem Staub wie du geschaffen, Nur daß uns nicht der gleiche Geist beseelt.
Auf unsrem Selb kann keiner Garden raffen, wenn deine Hand und wenn dein Herz uns fehlt.
pflanz uns als das Vermächtnis deines Todes Der Liede Hofen an den Ledenspfad!
Lehr uns den Geist des göttlichen Gebotes Und gib auch uns das christentum der Tat!
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Die Beraubung des Schreines der heiligen Elisabeth.
Von Rektor
Dos Sendschreiben des Heiligen Vaters an die Erzbischöfe und Bischöfe Deutschlands zum 700- iahrigen Jubiläum der heiligen Elisabeth zeigt Nchtbor die außerordentliche Bedeutung, die diese, erste Tertiorin diesseits der Alpen für ganz Deutschland besitzt.
®er in diesem Jubeljahr zu ihrer Grabstätte a- d. Lahn pilgert, wird in der (.lilabethkirche in ehrfurchtsvollem Staunen auch ihren kostbaren Totenschein betrachten. Der Küster wird ihm in seiner Art erzählen, daß dieser Rengurenschrein zu den bedeutendsten Kunstgegen- standen Deutschlands gehöre, daß aber die Gebeine der „Hessischen Fürstin und Hauptfrau" seit 1539 nicht mehr darin vorhanden seien. Und es ist nicht bloß Marburger oder gemeinhessischer Lokalstolz, der den Schrein so hoch erhebt- er ist nicht nur der wertvollste Kunstschatz den da« Hessenland birgt, er ist nach allgemeinem Urteil der Fachgelehrten nach Aufbau und künstlerischer Durchbildung das vorzüglichste aller existierenden Religuiare überhaupt. Freilich war er jahrhundertelang nicht mehr in seiner ursprünglichen Schönheit und Vollständigkeit vorhanden. Erst in diesem Jubeljahre hat man den bereits mehrfach abgemehrten Versuch unternommen, das Kleinod zu erneuern.
Landgraf Konrad v. Thüringen, der Schwager Elisabeths tmä im Leben einer ihrer ärgsten Bedränger, wurde einige Jahre nach ihrem heiligmäßigen Tode in Marburg ihr glühendster Verehrer. An ihrem Grabe, in der kleinen Franziskuskapelle des Armenhospitals legte er Fürstenwürde und Weltlichkeit ab und trat in den Ritterorden der Brüder vom Deutschen Hause, die kurz zuvor in Marburg eine Komturei begründet hatten. Konrad und der Deutsche Or-
Dietrich- Kassel.
den betrieben mit großem Eifer die alsbaldige Heiligsprechung der großen Frau und begannen unverzüglich mit dem Bau der Elisabethkirche, die in ihrer frühgotischen, keuschen Schönheit noch heute jeden Kunstfreund entzückt. Für den Leib der Heiligen, deren Erhebung zur Ehre der Altäre in sicherer Aussicht stand, bestellten sie in der Aachener Werkstätte für Goldfchrniedekunst einen Schrein, damit die Gebeine den zahlreichen Pil- aerschar-n, die nach Elisabeth's Tode von nah und fern nach Marburg strömten, in würdiger und geziemender Weise zur Verehrung ausgestellt werden konnten. Sie sparten nicht Gold und Edelsteine für eine überaus prächtige Wohnung der Heiligen, die in ihrem Leben am liebsten in den Hütten des Elends weilte und im Armenkleide des Bruders gestorben war.
Im Jahre 1236 wurde der Leichnam der nunmehr heiliogesprochenen Fürstin feierlich erhoben unter tätiger Anteilnahme Kaiser Friedrichs H. und im Beisein einer glänzenden Reichsversammlung. Die Gebeine wurden indem neuen Schreine geborgen und zuerst auf dem Hochaltäre her Franziskuskapelle zur Verehrung ausgesetzt. Ob damal« das Hochorab, das jetzt im Nordchor der Elisabethkirche steht, schon errichtet mar ist ungewiß. Sicher hat der Schrein aber später dort seinenPlatz gefunden. Für feierliche Gelegenheiten wurde an der Rückwand des neuerbauten Hochaltars eine Stätte für ihn zugench- tet wo er, von .zahlreichen brennenden Kerzen umstellt, im Glanze des Goldes und funkelnder Edelsteine prächtig leuchtete und die armen lieber» reffe der Heiligen bereits wie mit überirbifchem Lichtglanz umstrahlte, ein Sinnbild ihrer einstigen Verklärung. Nach Fertigstellung der dem Ostchor angebauten Elisabethkapelle erhielt er dort seinen noch heute üblichen Standort.
Von 1236—1539 war der Schrein so die kostbare loteniahe der liebenswürdigsten Heiligen des deutschen Mittelalters, bis Philipp der Großrnächtige die Gebeine seiner Ahnfrau daraus entfernen und an "vb-kanntem bestatten ließ, um der Religuienvereh- run g in dem nunmehr protestantisch gewordenen Hessen Einhalt zu t u n. Der Schrein wurde dadurch zur leeren Hülle, köstlich zwar noch für das künstlerisch betrachtende Auge, aber tot für das gläubige Gemüt. Keine Pilgerscharen kamen mehr, um vertrauensvoll am Grade der Landesmutter zu beten.
So stand der Schrein bis zum Jahre 1810 im wesentlich unversehrt. Kleinere Figurenteile wa- graf Philipp hatte eine Ecke absägen lassen, um den Goldwert zu prüfen. Da befahl die bamaliae westfälische Regierung die Ueberffi'ihrung nach Kassel. Jerome und seine Umgebung mögen wohl bereit? damals daran gedacht haben, das seltene Kunstwerk dem deutschen Lande zu entführen. Zunächst kam es in das Landgrafenschloß an der Fulda wurde aber niemanden, auch nicht dem französischen Hofbischof v Wendt, gezeigt. Als in her Nacht des 24 November 1811 das alte Schloß abbrannte, — die Ursache soll die fehlerhaft eingebaute Heizungsanlage Jerome's gewesen sein, — wurde auch der Schrein neben anderen Wertsachen eilig ins Freie gerettet. Nach den Mitteilungen de- damaligen ersten Pfarrers der Hofkirche St Elisabeth namens Riege r. dem spateren Bischof von Fulda, bat er eine Z->itlav<z unter freiem Himmel gestanden, fremden Zugriff leicht- lich prtisgeqeben. Dann hat man ihn in das Museum und später in die sogenannte Möbelkammer verbracht. Um diese Zeit fingen die Franzosen bereits an, Gemälde und Kunstwerte einzupacken und für den Versand nach Frankreich bereitzustellen, offenbar, weil sie selbst nicht mehr an den all- zulangen Bestand ihrer Herrschaft glaubten. Nach
II. Nach Aufhebung des Franziskanerklosters in Dermbach trug sich Großherzog Karl August von Sachsen-Weimar mit der Absicht, in Eisenach einen katholischen Geistlichen anzustellen. Es war dafür der Ouandian des Klosters, Jlde- phons Kobel, ausersehen, der später Hofkaplan des Landgrafen Viktor Amadeus von Hessen- Rotenburg wurde und von 1821 bis zu seinem Tode 1847 Pfarrer von Rotenburg war. Warum sich dieser Gedanke nicht verwirklicht hat, ersieht man ans einem Schreiben des Eisenacher Evangelischen Konsistoriums an den Großherzog.
Darin heißt es, daß für die Anstellung eines katholischen Geistlichen kein Bedürfnis vorliege, da die Katholiken ja an dem evangelischen Gottesdienste teilnehmen könnten, in dem das Wort Gotts ohne Polemik verkündet werde, und den katho- lifcken Kadern die -"a.n<"''i *en Schulen offen ständen. Die Sterbenden könnte der Pfarrer von Dermbach versehen. Es sei zudem eine katholische Propaganda zu befürchten. Der Vorschlag, einen katholischen Geistlichen an der Lateinschule anzustellen, müsse abgelehnt werden, weil die Katholiken eine andere Auffassung vom Unterricht hätten, besonders auch die klassischen Sprachen nicht pflegten.
Erst 1840 wurde die Frage der seelsorgerlichen Betreuung der Katholiken wieder angeregt und zwar durch die sogenannte Jmmediatkommission, die, auf Grund des Gesetzes vom 7. Oktober 1823 begründet, zur Vertretung der katholischen Angelegenheiten bei der Großherzoglichen Regierung eingerichtet worden war. Der Pfarrer von Dermbach wurde von ihr ausgefordert, den Katholiken in Eisenach Gelegenheit zum Empfang der Sakramente zu geben. Nachdem auch der Bischof von Fulda ihm den gleichen Wunsch ausgesprochen hatte, kam er der Aufforderung nach. Es befanden sich 1840 in Eisenach 89 Katholiken, darunter die in der Garnison weilenden Soldaten au? dem Geisaer Amt. Für sie sollte nun auch ein Gottesdienst eingerichtet werden. Zunächst gab es Schwierigkeiten Weil man in Geisa die Gangolfs» (Friedhofs)-Kapelle oder den Mitgebrauch der Pfarrkirche den Protestanten nicht eingeräumt hatte, wollte man auch in Eisenach die Anna- (Garnison)-Kirche für den katholischen Gottesdienst nicht hergeben. Durch Vermittlung des Großherzogs wurde aber schließlich die Bewilligung erteilt. Am 27. April 1843 wurde von Pfarrer Henkel zum erstenmal wieder feit drei Jahrhunderten in Eisenach das hl. Opfer dargebracht. Ergibt eine rührende Schilderung der schlichten, aber er- hebenden Feier und dankt allen, die sich um ihr Zustandekommen verdient gemacht hatten. Das war vor allem der Assessor am Bischöflichen Generalvikariat, Syndikus Schell, gewesen, ein ungemein rühriger und kenntnisreicher Laie. Inzwischen war auch für Eisenach eine Sammlung veranstaltet worden. Der Fuldaer Klerus, der damals, 1843 schon zur Gründung des Mutter- baufes der Barmherzigen Schwestern als eines Asyls für kranke und alte Priester beigefteuert hatte, leistete freudig seine Unterstützung. Aus Oesterreich kamen 11000 Thaler, darunter auch ein ansehnlicher Beitrag vom kaiserlichen Hause. Bayern stiftete 5500 Gulden. König Ludwig I. von Bayern sandte an Bischof Johann Leonhard Pfaff von Fulda für Eisenach 1000 Gulden nut dem eigenhändigen Begleitschreiben:
„Wünschend, daß Ihr frommes Beginnen bäldesten? entsprechender Erfolg kröne, bitte ich Gott, daß er Sie in seine heilige Obhut nehme, und bin Ihr wohlgeneigter Ludwig.
Jetzt wurde das Haus der Finanzratswitwe Schüller in der Untergasse, die heute Alexander- straße heißt, zur Wohnung des Geistlichen für 3000 Taler erworben und in dessen Hintergebäude ein Betsaal eingerichtet. Vor der Heber- eignung des Hanfes verlangte der EisenacherStadt- vat daß der Bischof von Fulda dortselbst das Bürgerrecht für 47 Thlr. 15 Sgr. 9 Heller erwerbe, weil er eine ausländische Behörde vertrete. Das Domkapitel wandte sich an den Großherzog Karl Friedrich mit der Erklärung, daß dann auch die Katholiken des Großherzogtums als Ausländer angesehen werden müßten. Schließlich wurde dem Stadtrat nahe gelegt, auf seine Forderung zu ver» zickten.
Am 3. August 1844 wurde durch den Bischof Johann Leonhard Pfasf die Pfarrei kanomsch errichtet, nachdem auch die GroßherzogUche Genehmigung erteilt worden war. Zum ersten Pfarrer wurde der bisherige Frühmefser von GeUa Anton Hohmann, eine geborener Fuldaer, bestellt und durch Dechant Bechtold von Geisa am 10. November 1844 in fein Amt eingeführt. Als Pfarrer von Weimar, wo er Jahre hindurch ^ugleid) Jena und den ganzen Bezirk der heutigen Pfarreien und Kuratien Apolda. Neustadt, Weida nvtner- sehen mußte, ist er 1886 gestorben. Die zahlreichen Schriftstücke, die fi* in b»n Akten vpn ihm finden, lassen in dem ersten Pfarrer von Eisenach einen sehr gewandten und opferfreudigen Pries er t i||i»WLLL- ‘L ^-"JM-Lll
einem Bericht de« Pfarre r s R i eg er nn das Evangelische Konsistorium Kassel der der Ruck- gäbe nach Marburg „haben es sich der Bischof vo Wendt und der Fürsterzbischof von Corvey unaus. sprechliche Mühe kosten fassen, um das Heiligtum den pro'anen föänb-n w elften. -- es kolm-we ohne alle Achtung herumgefchleppt hatten Ilm 20 7 1813 wurde es endlich dem Fürstbischof von Corvey ausgehändigt. Er ließ es in die Elisabeth- t;rche kwm-uw. -cd Pfa"^ R"""-r ste"^ ->? an einen nicht näher bezeichneten Ort, ,,wohin gs- wöhnlich niemand kam" Bon den Gläubigen h - den nur ganz wenige den Schrem in Kassel zu Eesickt bekommen.
Nach der Vertreibung der Franzosen unb ver Rückkehr des hessischen Kurfürsten war die Sache den Antrag auf Rückgabe des Schreines. Damals stand die Benutzung der Marburger Elisabeth- tapelle in welcher das Kleinod zuletzt gestanden hatte, der dortigen katholischen Psarrgemeinde noch zu Um die Rückgabe In die Wege zu leiten, forderte das Konsistorium in Kassel von obengenann. tom Pfarrer Rieger „genauesten Bericht über das Monument". , v r . „
Leider mußte Rieger berichten, daß von der großen Zahl edler Steine se h r v x eie fehlten. Noch mittelalterlichen Nachrichten sollten ursprünglich vorhanden gewesen sein:
868 Steine, 250 Perlen, etwa 40 Gemmen unh Kameen (geschnittene Steine meist antiten Ursprungs von hohem Werte) und 63 Perlmutter- schmucksti-cke. Rieger stellte ein genaues Verzeichnis der noch vorhandenen und der fehlenden Pretiosen auf.
Danach wären in Kassel abhanden gekommen 117 edle Steine und zwei große Perlen. Die Gemmen und Kameen fehlten ganz. Ob auch das Kruzifix sowie der Engel mit der Krone und andere einzelne Figurenteile in Kassel abgebrochen und entwendet wurden oder ob sie bereits früher