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Was die Woche brachte.

Die neuen diplomatischen Methoden der internationalen Politik. — Die Beseitigung der Dertranensfrifis ist das wichtigste, vielleicht das einzigste Mittel zur Behebung der Notlage. — Die preußischen Deutschnationalen im Bunde mit den Bolschewisten.

Ziel, di? weitere Revolutionierung des Volkes und die Erschütterung der Staats- autorität glauben diese Feinde des Volkes, auf Umwegen auch die Anhänger „für Kreuz und Schwert", „für das christliche Sittengesetz gegen den Kulturbolschewismus", wie noch im Jahre 1929 die offen verkündete Parole des Stahlhelms lautete, zu diesem Bolschewismus überzuführen. Man kann nur damit rechnen, daß auf heften Seiten dieser seltsamen Waffenbrüderschaft und besonders bei den Deutschnationalen trotz der gro­ßen Verhetzung nicht alle Gesinnungsgenossen Folge leisten und im letzten Moment abgeschreckt werden, sonst bringt der 9. August neues schweres Leid über Deutschland.

Wachsender Kommunismus in Polen.

wtb. Warschau, 1. Aug. <Eig. Meldg.). In Lodz verhaftete gestern die Polizei 96 Personen unter dem Verdacht staatsfeindlicher Propaganda. Im Zusammenhang damit wurden noch drei Ge­werkschaftsverbände aufgelöst, die sich kommu­nistisch betätigt haben sollen. In Stanislau wurden während einer kommunistischen Demon­stration 12 Personen verhaftet, die sich gegenüber dem in Stanislau garnisonierenden Militär pro­vozierend verhalten haben.

Oer schleichende Bürger-Krieg.

politische Bluttat in Hamburg.

wtb. Hamburg, 1. Aug. lEig. Meld.). Gestern nacht wurde der 25jährige Student Piepqras mit einem Rückensteckschuß in der Stormarer-Straße in Hamburg aufgefunden. Der Verletzte starb auf dem Transport ins Krankenhaus. Augenzeugen berich­ten, daß sie einen Schuß fallen hörten und sahen wie ein Mann zu Boden stürzte und drei Männer flüchteten. Der Erschossene soll dem Stahlhelm an­gehört haben. Die Kriminialpolizei nahm sofort die Ermittlungen auf.

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wtb. Berlin, 1. Aug. (Eig. Meld.). Rach ei­nem vorausgegangenen Streit in einem Cafe im Norden wurde heute früh der 23jährige Klempner Schröder von zwei unbekannt gebliebenen Tätern auf der Straße niedergeschlagen. Der Uebe'-fallene wurde dem Krankenhaus zugeführt, wo der Arzt jedoch nur noch den inzwischen eingetretenen Tod feststellen konnte.

politische Ausschreitungen in Krefeld.

wtb, Krefeld, 18. Juli. (Eig. Meld.) Dor dem hiesigen Lichtspieltheater Atrium, in dem der Film „Im Westen nichts Neues" läuft, hatten sich ge­stern abend große Trupps von Nationalso­zialisten angesammelt. Es erschollen Rufe wie „Deutschland erwache" usw. Die Ansammlungen wurden von der Polizei zerstreut, wobei den Beam­ten Widerstand entgegengesetzt wurde. Ein Beam­ter wurde beim Betreten des Parteilokals der Na­tionalsozialisten mit Biergläsern beworfen und ver­letzt. Einem anderen Beamten wurde beim Ein­treten in das Lokal die Windfangtür entgegenge­worfen. Der Beamte trug durch die Glassplitter erhebliche Verletzungen davon. Ein Nationalsozia­list wurde festgenommen. Das Parteilokal wurde von der Polizei für den Abend geschlossen.

Bilder vom Tage.

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(Der fvanz. Unferffafsfefrefär Francois Poncet ist jetzt endgültig zum neuen Botschafter Frank­reich in der Reichshaup.tstadt ausersehen worden. Wie verlautet, wird Poncet sein Amt schon Mitte August übernehmen.

Sein Hans ohne,Fuldaer Zeitung'.

Seit einem halben Jahrhundert ist es das erste Mal gewesen, daß ein englischer Ministerpräsident in dieser seiner Eigenschaft zu amtlichen Beratun­gen mit Vertretern der Deutschen Regierung die Reichshauptstadt betreten hat. In Verbildung mit der Tatsache, daß der Reichskanzler Dr. Brü- ning nach Jahrzehnten ebenfalls der erste Staats­mann war. der in der Hauptstadt Frankreichs als Vertreter des Deutschen Reiches erschien, gewinnt dieser Vorgang gewiß an starkem Interesse, was für die weitere Entwicklung der politischen Be­ziehungen zwischen Deutschland und England ei­nerseits, und Deutschland und Frankreichs an­dererseits von größter Bedeutung zu werden ver­mag.

So war die letzte Woche gewidmet den Be­sprechungen deutscher Staatsmänner mit dem eng­lischen Ministerpräsidenten und dem englischen Außenminister, denen die Erörterungen mit dem amerikanischen Staatssekretär des Aeußern, Stim- son, vorangeganaen waren.

Außer den für eine breitere Öffentlichkeit for­mulierten und inhaltlich abgestimmten Erklärun­gen, die sich mehr oder minder in allgemeinen, zu nichts verpflichtenden Redensarten bewegten, ist über die engeren und vertraulichen Beratungen nicht viel über den Kreis der Beteiligten gedrun­gen. Was darüber in der in- und ausländischen Presse gesagt wird, gründet sich messt auf Vermu­tungen und erschöpft sich in Kombinationen, die unschwer zu machen sind, da man die Probleme des Tages, seien sie politischer oder wirtschaftlicher Natur, ja aus den Erörterungen der letzten Wo­chen genügend kennt.

Schon allein die Tatsache aber, daß solche un­mittelbaren Besprechungen zwischen den leitenden Staatsmännern der einzelnen Mächte möglich sind, und daß man zu diesem Mittel praktischer Politik und Diplomatie gegriffen hat, um, freilich gedrängt von den Sorgen des Tages und der Stunde, einem unmittelbaren Notstand zu begeg­nen, ist von einer über den Rahmen der Tages­politik hinausragenöen Bedeutung. Früher wur­den derlei Dinge in einer Flut von Akten behan­delt, bis sie von dieser Flut förmlich verschlungen wurden und für das praktische Arbeiten und Schaffen der Menschen und Völker nichts heraus­kam. Oftmals wunden Fragen der großen Politik bewußt auf solchem aktenmäßigen Wege abgedros- felt, weil man sich nicht einem offenen Bekenntnis stellen wollte. Der fehlende Kontakt von Person zu Person, von Mensch zu Mensch, die unmittel­bare Aussprache, die Vertrauen fördert, aber auch Vertrauen schafft. — diese Mittel der Politik wa­ren früher nur sehr selten im Gebrauch, oftmals waren sie geradezu verpönt.

So kam es nicht nur zu Mißverstehen zwischen den dis Geschicke der Völker in Händen haltenden Personen, sondern auch zwischen den Völkern sel­ber. Wenn auf diesem Wege dank der Initiative vor allem des deutschen Reichskanzlers eine Aen- derung platzgegriffen hat, die sich in den in ihrer ganzen Tragweite heute noch gar nicht erkenn­baren Besprechungen des Kanzlers in Paris und in England und schließlich in dem Besuch der eng­lischen Staatsmänner und eines- der bedeutendsten Vertreter der amerikanischen Regierung in Ber­lin fortsetzte, die dann weiter ihre Ergänzung fin. den soll in einem Besuch der deutschen Staats­männer bei der italienischen Regierung, ferner in einem Gegenbesuch des französischen Ministerprä­sidenten und des französischen Außenministers bei den führenden Persönlichkeiten der Deutschen Reichsregierung, so muß eine solche Entwicklung im Interesse der Förderung des Verständnisses der Völker und friedlichen Zusammenarbeit der Rationen auf politischem und wirtschaftlichem Ge­biete aufrichtig begrüßt werden.

Wir haben gerade bei dem Besuch der eng­lischen Staatsmänner aus dem Munde Macdo­nalds selber sehr ehrende Worte über die Tatkraft der Deutschen, aber auch über den deutschen na­tionalen Stolz vernommen. Worte, die nicht nur als höfliche Geste gewertet dürfen, sondern die der Ueberzeugung der englischen Regierung und des englischen Volkes dahin Ausdruck gaben, daß das deutsche Volk auch die jetzigen Schwierigkeiten überwindet, und daß es Vertrauen beanspruchen kann.

Daß gerade hier, in der Frage der Ueberwm- dung der Vertrauenskrisis, der Kern- und Schliis- selpunkt zur Entwirrung der ganzen gegenwärti­gen Verhältnisse liegt, erfahren wir ja Tag für Tag am eigenen Leibe. Es ist schmerzlich, hören zu müssen, daß trotz der Klärung der weltpoliti­schen Situation und trotz der Entspannung in den Beziehungen Deutschlands zu den ehemaligen feindlichen Mächten die wirtschaftliche Vertrauens­

krise nach wie vor fast unvermindert anhält. Es ist ein außerordentlich ernstes Symptom, daß noch unter dem Zeichen dieser vertrauensvollen, auf eine friedliche Verständigung und auf ein loyales Zusammenarbeiten der Völker abzielenden politi­schen Verhandlungen von Seiten der Wirtschaft des Auslandes, und eigenartigerweise gerade von denjenigen Ländern, deren Vertreter in der Be- sprechungen mit den deutschen Staatsmännern unmittelbar beteiligt waren, die Kreditkündigun­gen weiter fortgesetzt wurden. Sie sind mit einer halben Milliarde Reichsmark eher zu gering als zu hoch bemessen.

Aus dieser Haltung der um ihr Geld besorgten ausländischen Finanzkreife spricht deutlich die Be­fürchtung, daß die deutschen innerpolitischen Ver­hältnisse immer noch zu ungeklärt seien, um auf längere Sicht der deutschen Wirtschaft Gelder in größerem Umfange anzuvertrauen. Diese Erkennt­nis sollte uns eine sehr ernste Mahnung fein. Denn man verrät wohl kein Geheimnis, wenn man mitteilt, daß gerade auch in den Besprechun­gen der englischen Staatsmänner mit den Ver­tretern der Deutschen Reichsregierung diese Frage eine hervorragende Rolle gespielt hat. Man hat dabei auf die Beunruhigung nicht nur in Deutsch­land, sondern im ganzen Auslande hingewiesen, die durch den bevorstehenden Volksentscheid in Preußen entstanden ist und auf die Besorgnis des Auslandes, daß mit einem Durchdringen dieses Volksentscheids auch bedeutsame Veränderungen innerhalb der Reichsregierung zu erwarten wä­ren. Man sieht also offenbar im Auslande die Position der Reichsregierung bei allem Zutrauen zur Persönlichkeit des Kanzlers Brüning selber noch nicht für so geordnet und gefestigt an, als daß sich auf solcher Basis wirtschaftliche Aktionen von Millionenwerten aufbauen ließen.

Was uns also not tut, ist eine Beruhigung der inneren Verhältnisse, die ja auch Voraussetzung dafür ist, daß die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, unter denen wir gegenwärtig ja so außerordentlich leiden, wieder beordnet werden können.

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Daraus ergibt sich aber auch, welche ganz außerordentliche Verantwortung diejenigen auf sich laden, die nunmehr die Entscheidung über den Volksentscheid zu einem Kampf ausgestalten wol­len, um über Preußen zur Macht im Reiche zu gelangen. Was wir in dieser Beziehung von Sei­ten der deutschnationalen Opposition in der letz­ten Woche erlebt haben, ist geradezu niederschmet­ternd.

Die Zustimmung der Kommunisten zum Volks­entscheid hat die deutschnationalen führenden Per­sönlichkeiten, vor allem Hugenberg zu einem vyr- eiligen Siegesjubel veranlaßt, der namentlich dem Auslande einen merkwürdigen Begriff geben muß darüber, was sich die „nationale" Opposition un­ter nationaler Würde eigentlich vorstellt. Sie be­jubelt die Wahlhilfe der Bolschewisten, nur weil sie ihnen förderlich ist, ihre eigenen machtpoliti- schen Ziele zu erringen. Sie nehmen die Hilfe der Vertreter wüstesten und schamlosesten Gott- losen-Propaganda, aber auch der Vertreter eines wirtschaftlichen und nationalen Nihilismus entge-- gen. Und sie machen aus ihrer Schadenfreude, daß es ihnen mit Hilfe solcher Kräfte möglich sein wird, doch noch die preußische Burg zu stürmen und selber von zahlreichen Posten Besitz ergreifen zu können, nicht den geringsten Hehl.

Und damit die Groteske vollständig wird: der Adetsmarschall fordert den „deutschen Adel in Preußen" auf, für den Volksentscheid zu stimmen, also Seite an Seite mit den russisch-orientierten Bolschewisten zu marschieren! Wenn später ein­mal die Geschichte dieser Zeit geschrieben wird, dann wird ein eigenes Kapitel der sturen Eng- stirnigkeit und der parteipolitischen Verblendung gewisser Kreise gewidmet werden müssen, die die nationale Gesinnung als Monopol für sich rekla- miern, dir sich aber nicht scheuen, ihren Konser­vatismus und ihr Christentum um sturer Par­teibockigkeit willen aufs Spiel zu setzen.

Das Wort Hugenbergs in feinem Aufruf „An alle Preußen": „das ist jetzt anders!", das Wort, daß der Vorfreude über den Sieg des Volksent­scheids durch die Wahlhilfe der Kommunisten vor aller Welt Ausdruck gibt, ist unbezahlbar, es wird aber, dessen sind wir sicher, in weiterer Entwick­lung der Dinge der deutschnationalen Partei die ganze Existenz kosten. Schon regen sich die Kräfte derjenigen noch politisch ehrlich und anständig denkenden und fühlenden Kreise, die es ablehnen, sich einer solchen Führung zu beugen. Einer Führung, die die Vernichtung allen Geistigen, die aber auch die Vernichtung der wirtschaftlichen und nationalen Existenz des deutschen Volkes bedeutet.

I Wir lassen uns nicht einschüchtern. Wir be- wahren kaltes Blut und kühlen Kopf! Wir fol­gen unserem Führer Brüning, von dem wir wis­sen, daß er sich nicht irremachen läßt durch Ver­unglimpfungen und Beschimpfungen, die, wie sich ja gerade in der letzten Woche zeigte, selbst in deutschnationalen Versammlungen bis ZU den offenen Morddrohungen sich steiger­ten. Gerade dieses Erleben der letzten Woche ist erschütternd, und es zeigt ungeheure Gefahren auf, für die wir die Verantwortung vor Gegenwart und Zukunft der deutschen Nation denen aufbür» den müssen, die sie heraufbeschworen haben, aber auch denen, die, obwohl es nicht nur in ihrer Macht stände, sondern ihve erste Pflicht wäre, nichts zu ihrer Abwehr unternommen haben.

Letzte Nachrichten.

Die Deukschnaklonalen gegen Canbfags Einberufung.

DDZ. Berlin, 1. Aug. (Eig. Meldg.). Die deutschnationale Fraktion des Preußischen Land­tags nahm heute in einer Sitzung zu dem kom­munistischen Antrag auf vorzeitige Einberu­fung des Landtags Stellung. Ueber das Ergeb­nis der Besprechung wird dem Nachrichtenbüro des V.DZ. von deutschnationaler Seite mit geteilt: Dem Antrag der kommunistischen Landtagsfrak­tion auf Einberufung des Landtags noch vor dem Volksentscheid vermochte die deutschnationale Landtagsfraktion nicht zuzustimmen, da sie sich die Gründe durch Vorgehen der Regierung ge­gen kommunistische Agitationszwecken nicht zu ei­gen machen und da sie andererseits auch grund­sätzliche Bedenken hatte, überhaupt diesen Land­tag zu irgendeiner Aktion zusammentreten zu lassen. Di? Fraktion war vielmehr der Meinung, daß nun unter allen Umständen der aussichtsvolle Versuch gemacht werden muß, mit Hilfe des Volksentscheids (d. h. der K o m m u n i st e n) die Regierung Braun-Severing zu stürzen.

Frankreichs Seid fiit England.

50 Mill. Pfund Kredit für die Bank von England.

wtb. Paris, 1. Aug. (Eig. Meld.) Wie Havas be­richtet, bestätigt man an zuständiger Stelle, daß das Abkommen für die Eröffnung eines Kredits von 50 MM. Pfund Sterling zugunsten der Bank von England durch die Emissionsbanken von Newyork und Paris end- g i l t i g a b g e f ch l o f f e n ist. Die Unterzeichnung des Vertrages, der zwischen der Bank von Frankreich und der Bank von England bezüglich des französischen Kredit­antrages abgeschlossen ist, erfolgte heute mittag in der Bank von Frankreich. Es haben unterzeichnet für die Bank von England Sir Robert Kindersley, und für die Bank von Frankreich Gouverneur Moret. Das amtliche Kommunique, das die drei Emissionsbanken aufgesetzt ha­ben, wird heute nachmittag veröffentlicht werden.

prakttsche Winke.

Sollen Sinder radfahren? Auch die Kinder hegen wohl ausnahmslos den Wunsch, das Stahlroß zu tum­meln, und man kann, .namentlich in kleineren Orten, deren viele auf dem Rade sehen. So sehr nun auch das Radfahren einem Erwachsenen als außerordentlich ge­sunde Körperübung empfohlen werden kann, falls es nicht in Uebertreibung ausartet, so schädlich ist es den Kindern, was jeder Arzt bestätigen wird. Der Rumpf ist noch zu schwach, die Knochen sind noch zu weich, die Lunge noch zu unentwickelt, Kehlkopf und Rachenorgane sind gerade in dieser Zeit ungemein empfindlich. Erst vom 15. Jahre an etwa gestatte man Knaben und Mäd­chen das Radfahren und auch dann nur zu gelegentlichen Spazierfahrten bei gutem Wetter, und selbstverständlich nur, wenn die Kinder gesund sind.

Telegraphenpfähle im Watt.

Bon Verend de Bries.

Da schlendern sie, die Kreosotgetränkten, den kahlen, lachen Strand hinab ins Wattenmeer. Nach den wei­zen Notenköpfen ihrer Porzellanglocken pfeift der Nord­west. Der Rotschenkel, Stimme der Strandeinsamkeit, balanziert zuweilen wippend auf den summenden Drähten Kein D-Zug braust schwindelnd rasch an euch vorüber. Kein Maulwurf lockert die salzig-bittere Ur-Erde um euern Stamm. Herbststürme haben die geraden Formen eurer Wohlgestalt verzerrt. Betrunkenen Matrosen gleicht ihr, die wieder an Bord wollen. He! Fallt nur nicht! — Keine Sorge! Ihr steht fest. Wattenmeer- Beine, sturmerprobt und muschelbewachsen, wurden euch. Und sicher kriecht vom letzten krümmsten Pfahl der dünne Draht ins knisternd warme Kabel . . .

Waldbrand in Südafrika.

Von Frank S. Stuart,

dem bekannten Reisenden und Jagdphotographen.

Das mittlere Südafrika bietet immer viele lieber- »aschungen. Das furchterregendste Erlebnis hatte ich aber einmal im Stauwasser des oberen Kongo in den ersten Stunden einer ruhigen Mondnacht.

Ich jagte und sammelte Photographien vom Tierleben für eine geographische Gesellschaft in der Heimat; in jener Nacht hoffte ich einige Mondscheinbilder von den großen Fleischfressern, wenn sie zur Tränke tarnen, auf­zunehmen. Ich schwitzte fürchterlich, als ich meinen Klappstuhl aufstellte, ihn zusammenband und mit Schilf und Zweigen verdeckte. Dann machte ich meinen Appa­rat fertig, sah nach, ob meine Flinten zur Hand waren, und mußte immer wieder feststellen, daß eine erstickende Hitze herrschte. Eigentlich seltsam, denn keine Anzeichen von einem heranziehenden Sturm waren zu bemerken.

Die Frösche fingen gerade an zu quaken, als die erste Antilope auf dem anderen Ufer des Flusses erschien. Doch sie blieb nicht an der Tränke, sondern ging sofort ins Wasser, schwamm hindurch und verschwand bann wieder im Walde.

Ich wartete geduldig, aber es mußte ein Feind im Walde fein, denn in der nächsten halben Stunde tarnen die verschiedensten Tiere, aber sie alle gingen sofort ins Wasser und schwammen, sich ein paar Mal ängstlich umblickend, ans andere Ufer.

Dann bemerfte ich plötzlich, vor wem die Tiere über den Fluß flüchteten. Eine rote Glut war am Himmel aufgezogen, die Hitze hatte start zugenommen, ein Wald­brand wütete. Ich schaute schnell um mich und war er­leichtert, als ich mich in Sicherheit sah. Der Fluß war gerade hier ziemlich breit, mein Boot lag am sicheren Ufer; ich würde nun Zeuge eines Anblicks werden, den wohl selten ein Mensch vor mir gehabt hat.

Jetzt hörte ich auch zum ersten Male ein weit ent­ferntes, schwaches Kreischen, dann ein fnifternbes Ge­räusch. Als es sich näherte, sah ich eine wilde Flucht,

wie nur Feuer sie verursachen fann. Von den rasch näher fommenben Flammen flohen Tausende von Tie­ren aller Art. Zebras, Leoparden, Giraffen, Hyänen und Tiere, deren Namen ich nicht tannte, eilten an mir vorbei, sie alle rannten zum Fluß mit ausgestreckten Hälsen, zurückgelegten lehren, stampfenden Hufen, schnau­bend, halb wahnsinnig vor Angst. Spritzend, austeilend teilten sie die schlammige Flut und ließen einen wir­belnden Sprudel hinter sich, als sie das andere Ufer erreichten. Glücklicherweise stieß teins von den Tieren an meinen Stuhl, obgleich viele ihm sehr nahe tarnen. Aber sie wandten sich alle zur Seite, wie auch die Fleischfresser keine Beute machten. Waffenstillstand war eingetreten.

Das Prasseln des Feuers wurde immer stärker, da­zwischen ertönte hin und wieder aussetzendes Kreischen, Brüllen und Schreien. Da, ein plötzliches Brechen im Schilf: Ich erblickte die größte Riesenschlange, die ich je im Leben gesehen habe; sie kam in einer unglaublichen Schnelligkeit angekrochen, den Kopf hoch in der Luft er­hoben, ihr Körper glänzte wie flüssiges Metall in der roten Glut. Sie klasschte ins Wasser, ihre Zunge aus» gestreckt, um ein riesiges Waldgnu, das mit feinem zot­tigen Kopf ihr zu nahe kam, zu warnen. Ihr Kopf teilte das Wasser; böse, kalte Augen starrten nach vorne; dann verschwand sie in dem niebergetretenen Schilf hin­ter mir.

Das Durcheinander war so groß und verwirrend, daß ich mich nur an wenige Einzelheiten erinnern kann. Ader ich denke noch an einen alten männlichen Gorilla, der vor Furcht und Wut brüllte und brummte. Hinter ihm rasten Tausende von Affen. Sie alle kreischten, schrien und ergossen sich über die Baumgipfel; ihre eige­nen Körper bildeten eine Leiter, über die bann die an­deren hinwegsprangen.

Ich sah Rehe, Antilopen, Hirsche, einen Löwen und eine Löwin, alle bunt zusammen, keines der Tiere achtete auf bas anbere, jedes rannte um das eigene Leben. Die Nacht wurde jetzt von einer Riefenglut erhellt und das Geräusch des sich nähernden Feuern schwoll betäubend an.

Das Kreischen, das ich aus der Entfernung vernom­men hatte, steigerte sich mehr und mehr und näherte sich dem Flusse. Jetzt war es ein Schreien und Trom­peten, als ertönten Taufende von Sirenen. Dann fauste es den niedergetrampelten Pfad heran — eine Herde von Elefanten! Im Wasser verursachten sie einen Lärm wie der Niagarafall, die Körper schlugen wild hin und her; dann landeten sie neben mir Und flohen ins Dickicht.

Nun sah ich das Feuer selbst — eine Mauer von un­durchdringlichen, springenden Flammen hinter einem Mantel von wirbelndem Rauch, und eine Sekunde spä­ter zischte es und stürzte ins Wasser. Ich duckte mich erschreckt; Rauch drang mir in Nase, Mund und Augen; ich war fast erblindet und bemerkte erst später Wolken von weißem, zischendem Dampf, fliegenden Funken und ein Dutzend schwelender Brandlöcher in meiner Jacke. Endlich entfernte sich das Feuer flußaufwärts und hin­terließ Totenstille, Rauch, eine Wüste von Schlacken und dampfender Erde, Feuerfäulen, wo noch einige trockene Stümpfe brannten.

Die Ruhe, die jetzt eintrat, war die des Todes und der Verwüstung. Die Frösche quakten nicht mehr. Es wurde mir klar, daß ich das Entsetzen durch die Dschun­gel schleichen sah; ich war erschrocken und fühlte mich sehr einsam.

Die Pflege des Kanarienvogels.

Er ist ein lieber Zimmergenosse, der uns für die geringe Pflege, die er haben muß, viel Freude macht. Wenn er gesund und munter bleiben soll, dann braucht er Licht und Sonne, Sauberkeit des Bauers und pünkt­liches Futter. Den meisten Vögeln ist bas gemischte Singvogelfutter am zuträglichsten, wenn es nicht zu viel Hanf enthält, denn dieser macht den Vogel fett. Der Käfig muß mindestens jede Woche einmal gesäubert und der. Käfigboden mit trockenem Sand bestreut werden. Am besten ist der gereinigte Vogelsand, dem gemahlene Eierschalen und Anisöl zugesetzt ist. Zum Knabbern hängt man dem Vogel eine Sepiaschale ins Bauer. Er

wetzt sich daran seinen Schnabel ab und führt sich den so wichtigen Kalk in bester Form zu. Als Leckerbissen bekommt das Tierchen täglich ein wenig Eierbiskuit, eine Scheibe Apfel, ein zartes Salatblatt, Vogelmiere, Ra­dieschenblatt, auch kleine grüne Blättchen, die man durch Aussaat von Futterkörnern in Blumentöpfen zieht. Das tut dem Vogel gut und hält ihn gesund. Frisches Wasser zum Trinken und Baden muß er immer haben. Wenn es irgend geht, lasse man seinen Liebling von Zeit zu Zeit ein wenig fliegen, damit er feine natürliche Be­wegung hat. Er dankt es mit doppelter Munterkeit und Zutraulichkeit. Wenn der Vogel brütet, muß er große Ruhe haben und recht kräftig genährt werden. Stangen und Nester sind vor dem Brüten mit einer Mischung von 5 Gramm Anisöl mit 45 Gramm Erdnußöl zu be­tupfen, die man sich in der Drogerie anfertigen läßt.

Große Sauberkeit schützt am besten gegen die lästigen Dogelrnilben. Wenn der Vogel aber schon Milben hat, dann hilft gutes echtes Insektenpulver, das dem Tierchen so ins Federkleid gepudert wird, daß nichts in die Augen kommt. Auch ins Nest kommt etwas Insektenpulver. Die Sitzstangen werden täglich gewaschen und die En­den mit der Anisölmischung bepinselt, dann wird man die Milben in kurzer Zeit los.

Auch in der Zeit der Mauser verlangt der Vogel etwas mehr Aufmerksamkeit. Er muß bann warm stehen und vor Zugluft bewahrt werden. Etwas Herumfliegen tut ihm bann doppelt wohl.

Wer seinen Kanarienvogel lieb hat, vermeide es, ihn unnötig anzufassen, denn das. ist eine Qual für den Vogel. Wenn man sich mit ihm liebevoll abgibt, kommt er auch allein auf die Hand geflogen und holt sich einen Leckerbissen. H. K.

Der störende Hui. „Ich hoffe, der Hut meiner Frau stört Sie nicht," sagt der Herr in der Loge zu den an- der Herrn, der mit feiner Frau hinter ihm sitzt. „Na, und ob er mich stört!" seufzt der atmete. „Meine Frau will auch jo einen."