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FuldaerZertung

Anzeiger für die Stadl Julda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Nr. 176

(Erjcbeim sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: ^Die Welt im Bild" undIBudjenblätter*. Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrist- n: leitung 3153, Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152. :::

Sonntag, 2. August 1931.

Monatlich 1.80 einfchlietzl. Postgebühr (48 Pfg.) ohne Zuftellg Anzeigen-Preise: Kleinzeile ((£o(.) lokal 0.15 RM., auswärts 0 20 RM. Reklamezeile: lokal 0.60 RM., auswärts 0.80 RM Bei Wiederholungen Rabatt Postfcheckk Frank, a M 4051

Zahrg. 58.

Die deutsche Selbsthilfe ist im Gang.

Reichsbank-Diskont auf 15, Lombard-Zins auf 20 Prozent erhöht. Die Bildung des Sachverstäudigen-Komitees. Maßnahmen zur Stützung der deutfcheu Grotz-Banken.

Als sich die Verhandlungen in Paris in ihrem negativen Ergebnis überblicken ließen und, entspre­chend der Forderung weitester Kreise in Deutsch­land, der Gedanke der S e l b st h i l f e stark in den Vordergrund trat, wurde hier schon darauf hin­gewiesen, dieser Gedanke der nationalen Selbst­hilfe schließe die Bereitschaft zu stärkstem Opfe­rn sich. Diese Opfer werden jetzt verlangt. Die Reichsbank hat die Zinssätze abermals und zwar ganz wesentlich erhöht. Der Diskont ist von 10 auf 15, der Lombard von 15 auf 20 Prozent von Sams­tag ab heraufgesetzt. Die Reichsbank teilt zu der Erhöhung mit: Die Rücksicht auf die nachtei­ligen Auswirkungen solch hoher Zinssätze auf die ohnehin schwierige Lage der deutschen Wirtschaft, insbesondere auf die Landwirtschaft, haben die Reichsbank veranlaßt, solange als möglich an den zurzeit geltenden Sätzen f e st z u h a l t e n. Wenn die Reichsbank sich gleichwohl im Hinblick auf dis u5 Anlaß der bevorstehenden Wie­deraufnahme des vollen Zahlungs­verkehrs zu erwartenden Ansprüche zur Vor­nahme entschlossen hat, so tut sie dies im Vertrauen darauf, daß der Uebergang zum norma­len Zahlungs- und Ueberweisungs- verkehr dadurch erleichtert und sie umso schneller in Stand gesetzt wird, zu erträglichen Zinssätzen zurückzukehren. Mit Rücksicht auf die Eilbedürftig­keit Ser Beschlußfassung konnten nur die in Berlin anwesenden und erreichbaren Mitglieder des Zen­tralsausschusses dur Beratung hinzugezogen wer­den.

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Das Reichskabinett hat zur Vorbereitung der Wiederaufnahme des Zahlungs­verkehrs noch eine Reihe bedeutsamer Maß­nahmen getroffen. (Siehe Handelsteil). Entspre­chend der Ankündigung der Reichsregierung wird in der kommenden Woche, die Aufnahme des nor­malen Zahlungsverkehrs erfolgen. Es wird am Montag der unbeschränkte lieber« weisungsverkehr innerhalb der zum Ueber- weisungsverband gehörigen Institute, am D ie n s - tag der unbeschränkte Ueberweisungsverkehr unter Ausschluß der Ueberweisungen auf Postscheck- und Reichsbankgirokonten im übrigen ganz allge­mein ausgenommen werden. Vom Mittwoch ab werden auch die Ueberweisungen auf Postscheck- und Reichsbank girokon- 1 en und die Barauszahlungen aus Kontokorrent- und Giroguthaben unbe­schränkt zulässig fein, während Abhebungen von Sparkonten bei Banken, Sparkasien und Genossenschaften zunächst noch gewissen Beschr än­kungen unterworfen werden.

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Die deutschen Finanzmaßnahmen machten in amerikanischen Bankkreisen einen ausge­zeichneten Eindruck, da hierin erneut das Be­streben erblickt wird, die Lösung des Finanzpro­blems in energischster Weise weiter zu betreiben.

Staolsfteuetn ab lief ern!

Der preußische Finanzminister Dr. Höpker- Aschoff hat soeben einen Runderlaß an die Re­gierungspräsidenten, Landräte und Magistratsdiri­genten herausgegeben, in dem er beschleunigte Ab­lieferung der Staatssteuern durch die Gemeinden fordert. In dem Erlaß heißt es unter anderem:

Die Entwicklung der wirtschaftlichen Verhält­nisse im Reiche während der letzten Wochen hat auch die Finanzlage des preußischen Staates in Mitleidenschaft gezogen. Zur Ueberwindung der Schwierigkeiten und zur Aufrechterhaltung des ge­ordneten Ganges der Verwaltung ist der pünkt­liche Eingang der Steuern unerläßlich. Reben der genauesten Beachtung der Steuerzahlungstermine und neben der gewissenhaften Erhebung der Staatssteuern seitens der Gemeinden kommt der pünktlichen Ablieferung der bei den Gemeinden eingegangenen Steuerbeträge an die staatlichen Kassen unter den gegenwärtigen Verhältnissen ent­scheidende Bedeutung zu. Die Kommunalaufsichts­behörden werden daher ersucht, die fristgemäße Ab­lieferung der Staatssteuern durch die Gemeinden mit besonderer Sorgfalt zu überwachen, über Un­regelmäßigkeiten umgehend zu berichten und von sich aus unverzüglich die erforderlichen Maßnahmen zu treffen, um die geordnete Ablieferung der Steu­ern sicherzustellen.

Die Regierungspräsidenten und Landräte per­sönlich trifft die volle Verantwortung für die Durch- führunq dieses Erlasses. Bei offensichtlichen Ver­ehrungen einer Gemeinde bleibt zu prüfen, die schuldigen Gemeindebeamten zur Rechenschaft zu ziehen." t _

In den Durchführungsbestimmungen der Ver­ordnung heißt es u. a-:

Die Gemeindevorstände haben die Steuern am Freitag jeder Woche at) die Kreiskasse abzuliefern. Soweit jedoch die Eingänge seit der letztenAblie- ferunq den Betrag von 2 000 Reichsmark überstei­gen, hat die Ablieferung sofort nach dem Tage zu erfolgen, an dem der Betrag von 2 000 Reichsmark erreicht ist. Am Freitag , jeder Woche ist in ledern Falle abzuliefern. Die Regierungspräsidenten und ermächtigt, für einzelne Gemeinden statt des Be­trages von 2 000 Reichsmark einen niedrigeren Be­trag festzusetzen. Zur Sicherung der pünktlichen Ablieferung der Steuern werden die Regierungs­präsidenten ermächtigt, für die Gemeinden, die sich

bei der Ablieferung säumig erweisen, staatliche Be­amte zu bestimmen, die die Ablieferung der einge­gangenen Staatssteuerbeträge an Ort und Stelle überwachen. Der Beamte hat das Recht zur Ein­sichtnahme in alle die Erhebung und Ablieferung der Steuern betreffenden Unterlagen."

Die Verordnung bestimmt ferner:

Einer Gemeinde, die in der Ablieferung der eingehobenen Staatssteuern rückständig ist,, sind die Steuerüberweisungen bis zur Höhe des rückständi­gen Staatssteuerbetrages einzubehalten und gegen den rückständigen Staatssteuerbetrag aufzurechnen Ferner wird auf den Runderlaß vom 3. 10. 1925 aufmerksam gemacht, nach dem von den Gemeinden Ersatz des Verzugsschadens gefordert werden kann. Als Verzugsschaden ist mit Rücksicht auf die gegen­wärtige Geldlage der Lombardsatz der Reichsbank gegenwärtig 15 Prozent von den mit der Ablieferung säumigen Gemeinden zu fordern."

Das Komitee.

Aus Basel wird gemeldet: .

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich hat ölqendes Kommunique ausgegeben:

Die Konferenz vom Juli 1931 hat der Bank für In­ternationalen Zahlungsausgleich offiziell mitgeteilt, daß die Konferenz empfohlen habe, die B. I. Z. aufzu- ördcrn ohne Verzögerung ein Komitee von Fachleuten zu ernennen, die von den Leitern derjenigen Zentral­noteninstitute vorgsschlagen werden sollen, die daran in­teressiert sind, um die notwendigen weiteren Kre- dit'bedürfnisse Deutschlands zu prüfen und die Möglichkeit einer Konvertierung eines Teiles der kurzfristigen Kredite in langfristige zu versuchen. Ge­mäß dieser Einladung gibt die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich bekannt, daß das im Verfolg dieser Resolution einzusetzende Komitee aus folgenden zehn Mitgliedern besteht:

Alberto Beneduce, Presidente del Eonsorcio i Cre- dito per le Opere pubblioche, Rom; Dr. R. B. Bind- scheler, Präsident des Verwaltungsrates der Schweizeri­schen Kreditanstalt in Zürich; $). Hofstede de Groce, Ge­neraldirektor der Amsterdamschen Bank; Emile Francqui, Dizegouoerneur der Societe generale de Belgigue, Bruxelles; Sir Walther T. Layton, Redakteur desEco­nomist", London; Dr. Karl Melchior, Teilhaber der Firma Warburg u. Co., Hamburg; Emile Moreau, Prä­sident des Verwaltungsrates der Banque de Paris et Paytz-Bas; Oskar Rydbeck, Direktor der Skandinavisky Credetaktiebolaget, Stockholm; T. Tanaka. Vertreter, in London der Bank von Japan; Albert H. Wiggin, Präsident des Verwaltungsrates der Chase National Bank, Newyork.

Datum und Ort der ersten Sitzung des Komitees wird im Laufe der Sitzung der Gouverneure der Zentralban­ken besprochen werden, welche am Sonntag, dem 2. August, in Basel stattfindet. Das amerikanische Mit­glied des Komitees wird Newyork am 1. August ver­lassen.

In maßgebenden Newyorker Finanzkreisen wurde er­klärt, daß Wiggins Ernennung überall glänzend ausgenommen wurde. Er wird allgemein als für diese'Aufgabe ideal qualifiziert angesehen. Wiggin reist mit dem DampferJe de France" nach Basel. Wiggin erklärt, er könne Einzelheiten über die Aufgaben des Komitees nicht vor feiner Ankunft in Europa erörtern. Am letzten Tage konferierte er mit führenden Bankiers, lieber die Arbeit des Komitees wird in Kreisen seiner Freunde erklärt, daß Wiggin dem Ausgang der Komitee­beratungen sehr hoffnungsvoll entgegensehe. Zu Wiggins Ernennung schreibtEvening Post": Die Er­nennung des Leiters der größten Bank der Welt für die Aufgabe der Sanierung Deutschlands muß im Ausland einen hoffnungsvoll en Eindruck erwecken, wie es bei wenigen anderen Bankiers der Fall fein könnte. Hierzulande wird durch die Ernennung eines Mannes von der Stellung Wiggins ein Abkommen bezüglich der Finanzlage Deutschlands, das sein Einverständnis findet, wertvolle Kräftigung erfahren.

Albert wiggin.

der Vorsitzende der Direktion der Chase National­bank, wurde zum Vertreter der Vereinigten Staaten für die sogenannteStillhaltekommission der Bank für internationale Zahlungen in Lasel ernannt. Wiggin gilt als einer der besten ameri­kanischen Kenner der deutschen Wirtschaft.

Amerikanische Kritik an der französischen Finanz­politik.

wtb. Williamstown, 1. Aug. (Eig. Meldg.). Die Verhandlungen im Institute of Politis be­schäftigten sich in der Hauptsache mit den Abrü­stung s sch w i e ri g k e i t e n. Der Publizist Frank Simonds übte stellenweise sehr scharfe Kri­tik an der französischen Politik, die heute in erster Linie den Erfolg der Genfer Konferenz bedrohe. Frankreich benutze, so führte Simonds aus, wah­

rend der letzten Monate fein Geld mit grö - I zerem Erfolg als früher feine Waf- e n. Seine Versuche, Deutschland finanziell nie- derzuzwinqen, könnten Verluste an Menschenleben nach sich ziehen, wie sie a u ch in einem Krieg nicht größer gedacht werden könnten.

C.R.B. Berlin, 1. 8. (Eig. Meld.) Das Reichs­kabinett ist heute mittag gegen 1 Uhr zusam­mengetreten, um die Notverordnung über die Wiederaufnahme des Zah­lungsverkehrs noch einmal zu über­arbeiten. Man rechnet damit, daß die neue Notverordnung im Laufe des Nachmittags ver­öffentlicht wird.

vertrauen zu Luther.

Die Reichsbank veröffentlicht folgende Mitteilung am Freitag: Bei der Reichsbank fand eine gemeinsame Sit­zung des Generalrates der Reichsbank und des Reichs­bankdirektoriums unter Vorsitz des Reichsbankpräsidenten Luther statt. In dieser Sitzung wurden sehr wichtige Beschlüsse für die Wiederaufnahme des vollen Zahlungs­verkehrs gefaßt. Die Mitglieder des Generalrates be­nutzten die Gelegenheit, dem Präsidenten und dem ge- amten Direktorium ihr volles Vertrauen in die Führung der Bank- und WährungsPo­litik auszusprechen und ihre Anerkennung der Geschäftsführung und der schweren, von Vcrantwor- I tungsgefühl getragenen Tätigkeit der Reichsbank zum Ausdruck zu bringen.

volkspartel für Volksentscheid.

Der Parteivorstand der Deutschen Volkspartei hielt am Freitag im Reichstage eine Sitzung ab, an der auch Reichsaußenminister Dr. Curtius teilnahm. Nach einem Bericht des Parteiführers Dingeldey über die politische Lage wurde be- chlossen. einen Aufruf für den Volksentscheid her­auszugeben.

Dieser Aufruf, der von derNationalliberalen Korrespondenz" verbreitet ' wird, hat folgenden Wortlaut:

An unsere unsere Freunde' Am 9. August 1931 findet in Preußen der Volksentscheid über die Frage der Auflösung des Landtages statt. Die Deutsche Volkspartei, die fast sieben Jahre gegen die Politik der herrschenden Parteigruppierung im preußischen Landtag gekämpft und deshalb von Anfang an dem Volksbegehren zugestimmt Hot, erwartet von ihren Anhängern, daß sie ihrer Ab­lehnung gegen die bisherige preußische Koalitions­politik durch die Stimmabgabe für die Auflösung des Landtages Ausdruck geben. Wir treten ein für ein fachlich und kraftvoll regiertes Preußen, das eine feste Stütze nationaler Politik im Reiche sein muß. Der Parteivorstand der DVP."

Reichsaußenminister C u r t i u s hat sich also, das darf man doch wohl annehmen, vergebe ns dagegen gewehrt, daß die schweren Ausgaben der Reichspolitik unter aktiver Beihilfe der Deutschen Volkspartei in diesen kritischen Zeitläufen weiter erschwert werden. Man darf allevdngs annehmen, daß die Wähler der Deutschen Volkspartel, ein­sichtiger als ihr Führer, an parteipolitischen Kämp­fen nicht ein gleiches Gefallen finden werden in einer Stunde, in der um die Lebensex ist enz de s d e u t s ch e n V o l k e s entschieden wird. Diese Wähler werden den an sie gerichteten Appell ohne- dies nicht allzuernst nehmen, da doch offenbar die volksparteiliche Parteileitung unter einem gewis­sen Zwang und Prestige-Bedürfnis steht, dem sie sich ohne weiteres nicht entziehen zu können glaubt. e

P.D.Z. Berlin, 1. 8. (Eig. Meld.) Die Frak­tionen des Reichstages nehmen nach der Sommer­pause ihre Arbeiten im August wieder aus. Nach der Sitzung der Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei, die heute nachmittag stattfindet, tritt, wie das Nachrichtenbüro des V.D.Z. hört, zunächst am 5. August die Reichstagsfraktion der Deut­schen Staatspartei zu einer Sitzung zu­sammen. Am 13. August wird die Reichstags- sraktion des Landvolks eine Sitzung abhalten.

Im Preußischen Landtag ist heute die d e u t s ch- nationale Fraktion zu einer Besprechung über die politische Lage, besonders im Hinblick auf den Volksentscheid, zusammengetreten.

Dr. Curlius gegen den Volksentscheid.

!, C.N.B. Berlin, 1. 8. (Eig. Meld.) In einem sozialdemokratischen Blatt wird an dem gestrigen Beschluß des Parteivorstandes der Deutschen Volks­partel aus Herausgabe eines Ausrufes für den Volksentscheid etwa wie folgt Kritik geübt:

Ob der Parteirest der D. V. P. danach dränge, in die Einheitsfront Hitler-Thälmann- Hugenberg ausgenommen zu werden oder nicht, könne ihm nicht gleichgültig sein. Etwas anderes seresmitdemamtierendenAußenmini- ster des Reiches, der an der Parteivorstands­sitzung teilgenommen habe. Wenn anschließend an diese Ausführungen die Frage gestellt wird, ob der Reichsaußenminister nicht die E i v i l c o u r a ge habe, öfienttich zu bekennen, ob er für oder gegen den Volksentscheid sei, so können wir dem gegen­über feststellen, daß Dr. Curfius in der gestrigen Sitzung mehrfach das Wort ergriffen und sich nicht für, sondern sehr lebhaft gegen den Volks­entscheid ausgesprochen hat.

* Überfall auf einen Postwagen m Polen. (Eig. Meld.) Der von Przemysl nach Bircza unterwegs befindliche Postwagen wurde von meh­reren bewaffneten Räubern überfallen. Der Post­kutscher wurde durch einen Revolverschuß an der linken Hand verletzt, während der eine zum Schutz beigegebene Polizist durch drei Schüsse getötet wurde, ohne daß es ihm möglich war, von seiner Waffe Gebrauch zu ma­chen. Den Räubern fielen 38 000 Sloti in die Hände. ij-j . > -

Der Kampf um die Macht.

(Eineseltsam edle" Verbrüderung.

Der Kampf um die Macht in Preußen, das ist das alte Ziel der D e u t s ch n a t i o n a l e n und dieses Ziel ist von der äußersten Rechten, den Nationalsozialisten, mit übernommen morden. Denn wer die Macht in Preußen hat» der hat zugleich die Macht im Reiche. Diese Er­kenntnis hat natürlich. auch bei den Kommu­nisten festen Fuß gefaßt, und so darf man sich nicht wundern wenn auch sie alles tun, um zu­nächst in Preußen ihre Macht zu vergrößern.

Daß aber der Kampf gegen das jetzige Regie­rungssystem in Preußen so weit gehen würde, daß sich'plötzlich die bisher ausgesprochenen Tod­feinde, die nationale Rechte und der inter­nationale Kommunismus zu engster Ver­brüderung zusammenfinden, das ist eine Erscheinung, die, so bedauerlich sie auch sein mag, als Zeichen der Zeit ge­würdigt werden muß. Sie muß aber zugleich als das deutlich gekennzeichnet werden, wohin sie in ihrem Endziel führt, nämlich zu der B o l f ch e» roifierung Preußens und Deutsch­lands. Es ist ein gefährliches Spiel, das hier durch das Bündnis der Rechts- und Linksradika- len in der deutschen Politik in Erscheinung tritt. Noch vor kurzem konnte man in jeder öffentlichen Kundgebung, sei es Versammlung, sei es in der Presse, sei es in Partei-Aufrufen bei den Deutsch- nationalen die Ankündigung gegen den ver­derblichen Marxismus finden. Gerade dem Zentrum hat Hugenberg immer wieder das Zusammengehen mit den Marxisten sowohl im Reiche, wie in Preußen vorgeworfen. Und gegen diesen Marxismus ist auch letzten Endes der ganze Volksentscheid in die Wege geleitet worden, der zur Zertrümmerung der Macht in Preußen füh­ren soll, um sich selbst als Rechte an die Spitze zu letzen. So hofft man wenigstens, und um dieses Ziel zu erreichen, scheut man sich auf der Rechten nicht, nunmehr Arm in Arm mit den brutalsten Marxisten, den Kommunisten, die Sache zum Siege zu führen. Daß das doch der größte Be­weis von Skruppellosigkeit ist, darüber braucht man kein Wort mehr zu verlieren. Es ist uns unbegreiflich, wie und wie lange man ein solches Spiel mit der Gutgläubigkeit der Massen über­haupt noch treiben kann. Auf der Rechten suhlt man sich sicher nicht wohl in dieser Taktik und man sucht sich nach außen gegen Vorwürfe aller Art mit der Antwort zu schützen, daß nur über die Macht in Preußen der Weg führe, der das ganze Deutschland wieder zu erträglichen Zuständen bringen könne. Aber wir glauben wohl Grund zu der Annahme zu haben, daß selbst der Front Hugenberg, Hitler, Seldte mit der ihnen wenig* stens in Preußen so gesinnungsverwandten Deut- lchen Volkspartei vor ihrem eigenen Beginnen bangt und sie noch gerne zurücktreten möchten, wenn sie noch könnten Aber die Kugel ist im Rollen und für diese Leute, die f'd)Jo gern als diekommenden starken Männer hmstEen, trifft tatsächlich das Wort zu:zu spat! Man hat nicht mehr auf dieser Rechten die moralische Kraft, zurückzublasen. Man fühlte, daß man un­frei ist und sich die Gunst der maßlos verhetzten Anhänger verscherzen würde, wenn man von dem einmal begonnenen Unterfangen abließe Und so ist man in Wirklichkeit alles andere, alsFüh­rer", man ist das Kind der Masse. So müssen denn die Dinge ihren Lauf gehen, und wenn man sich mit dem bescheidenen Entlastungsmotiv zu panzern sucht, man werde nach dem Volksentscheid mit den Kommunisten ab rechn en, so ist das doch ein recht fragwürdiges Experiment

Gerade der jetzt vollzogene Auftakt der Verbrüde­rung zum gemeinschaftlichen Vorgehen am 9. Au­gust beweist, wie recht die den t scheu B'» s ch ö f e hatten, als sie zwischen Kirche und Stahl- Helm, zwischen Kirche und Nationalismus einen markanten Trennungsstrich Zogen, will man doch hier durch Kampfmittel bis zur Waffen, gemalt die revolutionäre Erschütterung des gegen- roärtigen Staatssystems in Preußen und tm Reiche, wenn auch vorläufig noch unter «er Maske des verfassungsmäßig gegebenen Rechtes. Ja man geht in deutschnationalen Kreisen in sei­nem blinden Haß gegen die Regierung, gegen den Reichskanzler Brüning und die anderen Regieren- den so weit, daß man, wie es die deutschnationale Versammlung letzthin auf ihrer Kundgebung zur Auflösung des Preußischen Landtages in Berlin noch zeigte und wie es neuerdings die Funktionär» Versammlung der Deutschnationalen in der Neuen West" in Berlin bekräftigte, politischen Mord an die Wand malte.

Und mit gleichen Waffen arbeiten die Kom­mun i st e n. Es wird ihnen allerdings sehr schwer, ihre Genossen für den Volksentscheid zu begeistern, den man erst kürzlich alsneuesten Dummenfang des Stahlhelms" bekämpfte und von dem dieRote Fahne" befürchtete, daßder Stahlhelm nur noch durch schärferen Terror der Unterdrückten" bestrebe,für die Schmarotzer zu retten, was noch zu retten ist". Die Kommunisten haben sicherlich schwere innere Kämpfe um die ge­gen die Teilnahme an dem nationalen Volksent­scheid rebllierenden Mitglieder zu der gemeinsamen Parole des Kampfes mit den Rechtsradikalen zu» sammenzuhalten. Ader man rechnet auch auf öi(> fer Seite auf das bestimmteste damit, daß nach I einem Gelingen des Volksentscheides die Gesamt­abrechnung kommt, die unbedingt zum Bolschewis­mus führen müsse. Unlängst noch hat sich das Organ der Kommunisten, dieRote Fahne ruh- I men können, daß eine Reihe ehemaliger Offiziere» ja sogar Führer nationalsozialisti­scher' Verbände zur KPD. übergetreten seien, und man rechnet in der Kommunistischen Partei schon heute mit Tausenden von lleberlau» fern. Das allein nur macht die ganzen Vor­gänge, die zu dem Entschluß 'her KPD -Zentrale 1 führten, verständlich. , Durch das gemeinsame