Einzelbild herunterladen
 

!uld aerZ ertun g

Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Zahrg. 58

Nr. 175

Erlcheim sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Sie Welt im Bild* undBuchenblätter". Rotätionsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrist- ::: leitung 3153, Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152. :::

I Monatlich 1.80 einjchließl. Postgebühr(48 PlS-ohneZustellg. Anzeiqen-Preise: Kleinzeile (Col.) lokal 0.15 RM., auswärts 0.20 RM. Reklamezeile: lokal 0.60 RM., auswärts 0.80 RM. Bei Wiederholungen Rabatt. Postschecks Franki^a^M^4051^

Mussolini über das Schicksaissahr 1932.

Der italienische Diktator verspricht sich zwar nichts von Konferenzen, hält aber doch die Abrüstungskonferenz für die

entscheidende

wtb. Paris, 31. Juli. (Eig. Meldg.).Das Jahr 1932 wird über unser Schicksal entscheiden, im Guten oder im Bösen", schreibt heute Mus- lolini u. a. in der WochenschriftAnnales": Wir stehen vor einer furchtbaren Dilemma: ent­weder Erneuerung tßer Vernichtung unserer Zivilisation. Die bisherigen Bemühungen zur Herstellung der internationalen Solidarität seien vergeblich geblieben. All Projekte und Ge­genprojekte haben sich gegenseitig aufge­hoben und es bleibt nur noch das leere Nichts übrig. Das .zeigt, wie eitel die internationalen Konferenzen find, denn wir haben vor uns die höchst greifbare Tatsache, Laß Europa im Begriff ist, zusammenzubrechen. Doch das Heil kann a u ch nach Mussolinis Ansicht nicht ohne eine neue angeblich soeitle" Konfe­renz kommen.Der Hooverplan hat den Weg gezeigt. Die zweite Maßnahme, die jetzt notwendig ist, ist politischer Natur: man muß der Welt eine Zeit des Friedens von mindestens 10 Jahren sickern. Deshalb ist die für den 2. 2. 1932 einberufene Abrüstungskonferenz Les Völkerbundes von höchster Bedeutung. Nicht nur die Existenz des Genfer Bundes steht auf dem Spiel, sondern das Schicksal der ganzen Men- schenraisen. Diese Konferenz darf kein Mißerfolg sein, denn wäre sie es, könnte man sie nur als Prolog für die endgültige Katastrophe ansehen.

Die SkiNhalte-Aktion.

Die Bildung der willigen Ausschüsse.

wtb. Paris, 31. 7. (Eig. Meld.) Die Pariser Presse berichtet übereinstimmend, daß die Berliner Bankenverhandlungen über die Durchführung der Sttllhalteaktion erfolgreich abgeschlossen seien. Nur 2 größere amerikanische Banken hatten sich bisher dem Abkommen noch nicht angeschlossen. Das Sachverständigen-Komitee derB. I. Z." ist auch gebildet worden.

Der Vorsitzende der Newjorker Chase National- Bank Albert Wiggin hat sich bereit erklärt, als amerikanisches Mitglied an den Arbeiten des B. I. Z.-Komitees zum Studium der deutschen Finanzlage teilzunehmen.

*

wtb. Newjork, 31. 7. (Eig. Meld.) Times und Herald Tribüne betonen zur Ernennung des Präsidenten der Chase National-Bank, Albert Wiggin, zum Vertreter Amerikas im B. I. Z-- Komitee, daß Wiggins Annahme der Ernennung in Wallstreet-Kreisen mit großem In­teresse ausgenommen worden sei, da er nicht Nur der Eeschäftsleitung der größten Bank Ame­rikas angehöre, sondern auch als einer der frei­mütigsten Vertreter der These gelte, daß das Reparatrvnsproblem neu geregelt wer den müsse.

Veranstaltung.

werden, die Reparationsfrage muß neugeodnet werden, die Sowjetregierung muß von den^^Ver­einigten Staaten anerkannt werden, und schließ­lich sind drastische Abrüstungsmahnahmen von­nöten. Ich gebe gern zu, daß die Lösung von drei dieser Fragen gewiß mit großen Schmierig­keiten verknüpft ist, indessen ist ihre Bereinigung sicherlich nicht so schwierig wie ein Wiederaufoau Europas, ohne Laß Lese Grundbedingungen durch- gefübrt würden. Auf der Grundlage des Ver­sailler Vertrages kann Europa niemals gesunden. Deutschland wird niemals in der Lage sein, die Reparationszahlungen zp leisten, die man ihm auferlegt hat. An Lie Abrüstung Europas kann nicht gedacht werden, bevor die ruffifche Frage ge­löst ist. Wir sind Narren gewesen, die sich in falsche Sicherheit wiegten, als wir von Abrüstung und Wiederherstellung des Wohlstandes der Welt sprachen, ohne an Lie Schaffung der ti o t» wendigen Grundlagen zu denken. Seit der Unterzeichnung des Versailler Friedens ha­ben wir unser Schiff immer weiter den verhäng­nisvollen Stromschnellen zutreiben lassen.

Vas die englische Wirtschaft lagt

Das ernsteste Ergebnis der jetzigen Krise.

wtb. London, 31. 7. (Eig. Meld.) In den von der Vereinigung britischer Industrien ver­öffentlichten Ueberblick über das laufende Jahres­viertel heißt es, den Blättern zufolge: Die Krise in Deutschland hat die während des ersten Halb­jahres im Gange gewesene Ausgleichung der Welt­krise und die Wiederherstellung der Lage in den wichtigsten Industrie-Ländern u n t e r b r och e n. Leider wird die daraus sich ergebende Verwirrung der europäischen Finanzen diesen Prozeß und die schließliche Erholung auch weiterhin beeinflussen. Noch wichtiger als das interalliierte Schulden- und Reparationsproblem ist die dringende Notwendig­keit einer Zi n s h er a bs e tz u n g für lang ­fristige Anleihen. Der Gold-Abfluß und die darauf folgende Erhöhung des Bankdiskontes in England macht der Möglichkeit einer umfang- reichen Konvertierung von Kriegsanleihen und ebenso der Möglichkeit einer Herabsetzung der Zinsen für langfristige Anleihen auf vier oder noch weniger Prozent i m laufenden Jahr ein Ende. Dies ist wahrscheinlich das ern­steste Ergebnis der jetzigen Krisis. Daneben hat die Tatsache, daß die Londoner S:e- benmächte-Konferenz keine befriedigenden Vor­kehrungen getroffen hat, eine Situation herbei­geführt, die eine schwere Gefahr für die Stabilität Europas bildet. Der einzige kleine Trost, den die britische Industrie hat, besteht darin, daß in Zukunft zu erwarten ist, daß der Druck des deutschen Wettbewerbes auf den Ex­portmärkten der Welt Nachlassen wird.

Macdonald berichtet.

wtb. London, 31. Juli. (Eig. Meld.) Im Un­terhaus erklärte Premierminister Macdonald in Erwiderung einer Anfrage über den englischen Ministerbesuch in Berlin: Das Haus wird sich daran erinnern, daß dieser Besuch ursprünglich als Erwiderungsbesuch auf Len Besuch der deut­schen Minister'vom 4. bis 9. Juni vereinbart wurde. Man nahm jedoch Gelegenheit, die Be­sprechungen fortzuführen, die in Ehequers begon­nen worden waren, und die finanzielle Lage Deutschlands mit Bezug auf Lie auf der Londo­ner Konferenz geleistete Arbeit zu prüfen. Wäh­rend unseres Aufenthaltes in Berlin haben wir auch weitere wichtige Fragen geprüft, an denen di« beiden Regierungen interessiert sind, wie zum Beispiel die Abrüstung und die Genfer Konvention für A r b e i t s st u nL e n in den Kohlenbergwerken. Macdonald erklärte, er könne das Haus versichern, daß das Willkom­men, das die britischen Minister von der deut­schen Oeffentlichkeit und Presse, sowie von der Deutschen Regierung erhalten haben, von der allerherzlichsten Art war.

Oben von links nach rechts: Dr. Melchior, der deutsche Vizepräsident der B. I. Z.; Moreau, der frühere Präsident der Bank von Frankreich: Lah- ton, der Herausgeber der führenden englischen FinanzzeitschristEconomist".

Unten von links nach rechts: Francqui, der frühere belgische Finanzminister; Beneduci, der italienische Finanzsachverständige; Bindschedler, der Generaldirektor der Schweizer Kreditanstalt.

In Basel ist jetzt die internationale Stillhalte­kommission gebildet worden. Gemäß den Be­schlüssen der Londoner Konferenz soll dieses Ko­mitee Maßregeln zur Verhinderung weiterer Geld- abzüge aus Deutschland beraten.

Aür Revision von Versailles.

' Als eine der wichtigsten Voraussetzungen für die GesunLunq der Welt bezeichnete der amerika­nische Senior Borah die Revision des Versailler Friedensvertvages. Die liberale Wochenschrift Nation" veröffentlickt einen Brief, den der ein­flußreiche Vorsitz e n d e des Auswärtigen Senatsausschusses an einen Freund ge­richtet hat, in dem es heißt:

Nach meiner Ansickt gibt es drei oder eigent­lich vier Hauptprobleme,, deren Lösung mit Ler Wiedergesundung Europas aufs engste verknüpft ist. Der Versailler Friedensoertrag muß revidiert

* Reichsminister a. D. Dr. Geßler zum Kommissar der freiwilligen Krankenpflege ernannt. Der Herr Reichs­präsident hat den Reichsminister a. D. Dr. Geßler zum Kommissar der freiwilligen Krankenpflege ernannt, nach­dem der langjährige Inhaber dieses Ehrenamtes, F ü r ft von Hatzfeld t, wegen hohen Alters um Entbindung von seinen Diensten gebeten hatte.

* Angebot einer Stiftung von 1 Rkillion Dollar an die Stadt Berlin für die Errichtung einer Zahnklinik für Kinder. Durch Vermittlung des amerikanischen Bot­schafters Sackest hat der in Deutschland bereits durch eine große Stiftung bekannte Julius Rosenwald aus Chicago dem Oberbürgermeister Dr. Sahm seine An­sicht kundgegeben, der Stadt Berlin eine Stiftung in Höhe von 1 Million Dollar zu machen. Die Stiftung ist für die Errichtung einer Zahnklinik für Kinder tm Alter von 3 bis 6 Jahren bestimmt. Sobald über die vertragliche Regelung zwischen dem Stifter und der Stadt Berlin die nötigen Unterlagen vorliegen, wird der Stadtverordnetenversammlung eine Vorlage unterbrei­tet werden.

* Das Reich übernimmt die Bürgschaft für die Dechselverbindlichkeiten der Danat-Bank. Durch eine neue Notverordnung vom 31. Juli hat das Reich die Ausfallsbürgschaft für die Erfüllung Ler Wechselverbindlichkeiten der Darmstädter- und Na­tionalbank übernommen, soweit es sich nicht um eigene Akzepte der Bank handelt.

Dingeldey konferiert mit Hitler.

DDZ. Berlin, 31. 7. (Eig. Meld.) Dem Nachrich­tenbüro des Vereins deutscher Zeitungsverleger wird in maßgebenden Kreisen der D e u t s ch en Volkspartei bestätigt, daß eine Unterhaltung zwischen dem Vorsitzenden der D. V. P. D i n g e l- dey und Adolf Hitler stattgefunden habe. Das Gespräch sei aber ohne Zeugen vor sich gegan­gen, sodaß alle bisherigen Pressenachrichten über den Inhalt jeder Grundlage entbehren. Es sei nicht über finanzielle Dinge verhandelt worden, andern über rein politische Fragen mit dem Zweck, sich über die gegenseitige Auffassnug zu den politischen Angelegenheiten zu unterrichten. Eine offizielle Veröffentlichung der D. V. P. mit ähn­lichem Inhalt ist zu erwarten.

*

Die Nachrichten über die Hitler-Dingeldey-Kon- ferenz sind zuerst aufgetaucht im Zusamenhang mit dem finanziellen Zusammenbruch des Essener Organs der Nationalsozialisten. Dort liegt eine Ueberschuldung von mehr als 200 000 Mark vor, für die von den Gläubigern eine Bürgschaft Hitlers und der nationalsozialistischen Partei ver­langt wird. .

Reichslagsabgeordneker Kaufmann verhaftet.

wtb. Hamburg, 31. Juli. (Eig. Meldg.). Der nationalsozialistische ReichstagsabgeorL nete Karl Kaufmann, Leiter des Gaues Ham­burg der NSDAP, ist in Cuxhasen verhaftet wor­den. Gegen Kaufmann war vom Schöffengericht ein Haftbefehl erlassen worden, da Kaufmann i n sieben Terminen ohne ausreichende Entschuldigung gefehlt hatte.

Sturm der Kommunisten auf das SA. Heim in Neumünster.

wtb. Neumünster, 31. Juli. (Eig. Metzdg.). Kommunisten stürmten gestern nach wiederhol­ten Versuchen das SA.-Heim Ler hiesigen Natio­nalsozialisten, drangen in das Gebäude ein, zer­trümmerten die ganze Einrichtung sowie sämt­liche Fensterscheiben. Bei dem Sturm auf das Haus, das kurz vorher von Ler Polizei nach Waffen durchsucht wurde, wurden 10 Per­sonen schwer verletzt.

Nationalsozialistischer Redakteur zu 1000 Mark Geldstrafe verurteilt.

Die nationalsozialistische Wuppertaler Zeitung hatte vor einiger Zeit ein Gedicht veröffentlicht, das schwere Beleidigungen gegen den Chefredak- tuer der sozialdemokratischen Freien Presse ent- hielt. Es war diesem darin angeLroht worden, daß er im Dritten Reich abgeschlach- t e t würde. Der verantwortliche Redakteur der Wuppertaler Zeitung hatte sich vor dem Schäft fengericht zu verantworten. Er entschuldigte ftch damit, daß es chm durch Lie Kürze der Zeit nicht möglich gewesen sei, den I n- halt gründlich zu prüfen. Der Neben­

kläger nahm einen Vergleichsvorschlag nicht an. Das Gericht erkannte der Schwere der Beleidi­gung auf eine Geldstrafe von iOOO Mark.

* Der Arbeitsmarkt in den Bereinigten Staa­ten. Der Präsident der amerikanischen Feöeration of ßabour, Green, erklärte, daß die Arbeitslosig­keit ständig zunehme und man in sechs Wocken 7 Millionen Arbeitslose zählen würde, wenn sich die Wirtschaftslage der Vereinigten Staaten bis Lahin nicht gebessert hätte. Die An­zahl der Beschäftigungslosen im Monat Juli werde auf 6 200 000 geschätzt, was eine Zunahme von 175 000 gegenüber dem Stande vom 22. Juni be­deute.

Die Rümpfe um paotingfu.

wtb. Tientsin, 31. Juli. (Eig. Meld.) Die verstärkten mandschurischen Truppen unternahmen einen Ge­genangriff auf die Armee Schchjusans und eroberten die gestern verlorenen Stellungen nördlich von Paotingfu zurück. Man glaubt, daß die Befestigungen von Paotingfu in den nächsten Tagen noch mehrmals von einer Hand m die andere gehen werden, während die mandschurischen Truppen versuchen, die gesamte Stellung wieder zu er- obern.

* Die Regierung Skala Zamora bestätigt. Aus Ma­drid wird gemeldet: Die verfassunggebenden Cortez be­stätigten unter stürmischem Beifall die Vollmachten der Regierung Alcaka Zamora durch Zuruf.

* Bernard Shaw bei Stalin. Wie die Telegraphen Agentur der Sowjetunion in Moskau berichtet, wurde Bernard Shaw von Stalin empfangen. Dem Empfang wohnten auch Lord Astor und Gattin, Lord Lothian und der Volkskommissar des Aeußeren Üitwinosf bei. Die Unterhaltung zwischen Stalin und seinen Gästen dau­erte zweieinhalb Stunden.

Nützliche Arbeit.

Bildung eines Ausschusses für deutsch-französische Zusammenarbeit.

Aus Paris wird gemeldet: Eine Anzahl fran­zösischer Parlamentarier, Finanzleute und Jndu strieller hat sich vereinigt, um ein Komitee für internationale Verständigung zu bilden, deren Grundlage nach ihrer Ansicht die deutsch-franzö­sische Zusammenarbeit ist. Der Gedanke geht von dem bekannten Lyoner Industriellen und Abge­ordneten Etienne Vougere aus. Dem Komitee gehören u. a. an: die Senatoren de ^ouvenel, Le Trocquer und Francois Marsal und die Abge­ordneten Pierre Cot, Julien Durant, Laurent Eynac und Queuille. Von Industriellen und Finanzleuten sind zu nennen: Theodor Laurent, Peyerimhofs und Duchemin. Da in diesem Ko­mitee, namentlich was die Industriellen anbetrifst, sämtliche wesentlichen Zweige der ftanzöslschen Wirtschaft vertreten sind, werden an die Grün­dung in allen beteiligten Kreisen große Hoffnun­gen auf praktische Ergebnisse geknüpft.

Hak Preußen nichks für die Landwirtschaft getan?

stellt worden. Von den Gesamtleistungen au Grund Les Ostpreußenhilfsgesetzes in Höhe von HO Millionen Rm. entfallen auf den preußischer

Anteil 34 Millionen.

1930 hat "fteußen von Anfang an tatkräftig mitgewirkt. (Fs hatte sich bereits bei den Vor­beratungen des neuen Ofthilfegefetzes bereit er­klärt, zu gleichen Teilen mit dem Reich namhafte Bürgschaften zu übernehmen. Wenn das Gesetz nicht in dem vorgesehenen Umfange verabschiedet wurde, so liegt die Schuld bei jenen Parteien, Lie trotz ihrer betonten Landwirtschaftsfreundlichkeit der Regierung Brüning die Gefolgschaft d" ' ten. Die preußische Staatsregierung hat auch m diesem Jahre für allgemeine Zwecke 10 Millionen Rm. für den Ostsonds zur Verfügung gestellt und sich an Ler Ausführung der in der Notverord­nung vorgesehenen Maßnahmen beteiligt.

An dem Zustandekommen des Osthilfegesetzes von 1931 hat die preußische Staatsregierung eben­falls Hervorvagenden Anteil. Zusammen mit dem Reich hat die preußische Staatsregierung auch hohe Bürgschaftsverpflichtungen vorgesehen, nämlich ge­genüber der Jndustriebank für 25 Prozent von 850 Millionen Rm. Darlehen. Auf den preußi­schen wie auf Len Reichsanteil entfallen somit je 106,25 Millionn Rm. Außerdem sind Reich und Preußen noch eine besondere Bürgschaft zur Fi­nanzierung der Umschulduna in Höhe von 250 Millionen Rm. mit einem Anteil von je 50 Pro­zent, also je 125 Millionen Rm. eingegangen. Du Bürgerschaftsverpflichtungen Preußens aus Lew neuen Osthilfegefetz belaufen sich somit auf 231,25 Mill. Rm. Abgesehen davon hat Preußen nor1 hohe Beträge insgesamt etwa 50 Mill. auft gewandt, um besondere Notstänöe zu beseitigen. Hierunter fallen die Beträge für zusammengebro- chene Jndustrieunternehmungen des Ostens (Schi- chau-Werft, Uniongießerei, Komnik und einige andere.

Entscheidend für die Würdigung der Fürsorge des Staates sind vor allem die Leistungen, die re­gelmäßig für den deutschen Osten in den preußi­schen Etat eingestellt waren. Diese Leistungen wer­den anschaulich dadurch charakterisiert, daß 192/ bis 1930 beispielsweise für Ostpreußen über 1,5 Milliarden haushaltsmäßiger Mittel aufgewandt worden sind.

Soweit die Zusammenstellung der Preußischen Regierung. Vorstehende Zahlen sind keine Schwindeleien", sondern Tatsachen, Lie jederzeit durch Einsichtnahme in die preußischen Etats nach­geprüft werden können. Sie sprechen eine an­dere Sprache als die leichtfertigen und demagogi­schen Behauptungen der Volksentscheiöler in ihren Versammlungen und schriftlichen Verlautbarungen.

Die Vorwürfe, die gerade bei der Agitation innerhalb der landwirtschaftlichen Bevölkerung ge- oen den Staat schlechthin, und insbesowdere gegen die Preußische Regierung erhoben werden, sind haupt­sächlich zweifacher Art. Bald behauptet man, die Regierung babe nichts für die deutsche Landwirt­schaft, speziell für den deutschen Osten getan. Wenn man dielen Vorwurf nicht mehr erheben kann, weil Lie Tatsachen eine zu deutliche Sprache re­den, dann wird die Schuld an der Not der Land­wirtschaft dem jetzigenSystem" in die Schuhe geschoben. Man weiß nicht, was man mehr be­wundern soll: Lie Leichtfertigkeit, mit der trotz al­ler Widerlegungen die Vorwürfe immer wieder erhoben werden, oder die Unverfrorenheit, mit der der Wählerschaft die Dummheit untergeschoben wird, Las alles zu glauben.

Die Behauptung, es sei in den letzten Jahren nichts zugunsten der deutschen Landwirtschaft, ins­besondere des deutschen Ostens geschehen, hat in den letzten Wochen, namentlich in der Landvolk­presse einen breiten Raum eingenommen. Schließ­lich hat fick Lie Preußische Staatsregierung um der Wahrheit willen veranlaßt gesehen, der Land- oolk-Presse eine Entgegnung zu schicken, in der im einzelnen dargelegt ist, was speziell vom preu­ßischen Staat in den letzten Jahren an Hilfs­maßnahmen für die Landwirtschaft unternommen worden ist. Der Antwort der Staatsregierung entnehmen wir die folgenöen Tatsachen:

Bei der Ostpreußenhilfe 1928 hat Preußen von Anfang an zusammen mit dem Reiche große fi­nanzielle Aufwendungen zur Ermöglichung dieser Hilfsmaßnahmen geleistet, von der die späteren Osthilfe-Aktionen ihren Ausgang nahmen. So hat Preußen beispielsweise 5 Millionen Rm. Kredite in diesem Jahr für die Landwirtschaft, 1,5 Mil­lionen für die Industrie und 10 Millionen für Lastenfenkungen zur Verfügung gestellt. Des wei­teren hat Preußen zu gleichen Teilen mit dem Reich die Bürgschaft für eine Ausländsanleihe von 30 Million» übernommen. An den Gesamtleistun­gen der Ostpreußenhilfe vom Jahre 1928 in Höhe von 98,5 Millionen ist Preußen allein mit ca. 30 Millionen Rm. beteiligt. Außerdem sinö preu­ßischerseits in -Liefern Jahre auch noch aus dem sogenannten preußischen Grenzfonds von 1927 7.14 Mill. Rm. Sondermittel für den Osten ausgezahlt worden, von denen etwa 3 Mill. Rm. auf die Volksfchullastenfenkung entfielen. Schließlich hat Preußen auch auf 2 8 Mill. Grundvermögenssteuer in Ostpreußen verzichtet.

1929 hat Preußen für 42 Mill. Rm. Kredit- vorfchüffe Les Reiches Bürgschaften übernommen, und imar wiederum zu gleichen Teilen mit dem Reich. Außerdem sind 18 Millionen Rm. für die . Neu- und AnliegerfieÄungen zur Verfügung ge-