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FuldaerZertung

Anzeiger für die Stadt Julda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Nr. 1T4

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: ^Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrist- ::: leitung 3153, Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152. :::

Freitag, 31. ZuN 1931.

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Mkg. 58.

Die Beratungen des Reichskabinetts.

Keine Entscheidung vor Ende der Woche. — In Erwartung des Berichts der Berliner Wirtschafts-Sachverständigen. — Dieser Bericht wird von Macdonald als das nächste wichtige Ereignis bezeichnet. — Besuch aus Paris und Besuch in Rom.

CNB.Berlin, 30. Juli. (Gig. Meld.). Das Reichskabinett wird feine Beratungen auch heute fortfetzen. Entscheidungen sind jedoch vor Ende der Woche nicht zu erwarten. Der Kanzler hat viel­mehr die Absicht, alle finanz- und wirt­schaftspolitischen Maßnahmen, über die jetzt beraten wird, zusammenzusassen und g e m e in s a m bekannt zu geben. Man möchte auch» daß inzwischen das Stillhalte-Konsortium praktisch zu funktionieren beginnt. Wenn die Ver­handlungen gestern noch nicht mit allen Gruppen des Konsortiums zum Abschluß gebracht werden konnten, so hat das seinen Grund vor allem darin, daß die nicht angelsächsischen Finanzkreise, vor allem die schweizerischen, die holländischen und französischen, Haftungsbedingungen stellten, die die deutsche Industrie nicht ohne weite­res akzeptieren zu können glaubte. Man rechnet nun für heute oder morgen mit dem Abschluß.

Die «SMHalken-.Attion.

Wie die „Frankfurter Zeitung" erfährt, :ft nun­mehr nach fast dreitägigen Verhandlungen mit den Vertretern der großen englischen und ameri­kanischen Banken eine grundsätzliche lieberem» fünft zustandegekommen. Sie sieht vor, daß die Auslandsbanken mit ihren nach Deutschland ge­gebenen Krediten st i l l h a l t e n, daß sie aber bis zu einem gewissen Betrage ihrer Forderun­gen das Recht zur Umlegung der Kredite haben sollen. Als neue Adresse für die umzulegen­den Kredite für Bar als auch für Rembourskredite wird die Golddiskontbank dienen. Die bei den Berliner Verhandlungen anwesenden Auslandsvertreter waren, soweit England in Frage kommt, von fast sämtlichen Firmen bevoll­mächtigt, di« Kredite nach Deutschland gegeben ha­ben. Der amerikanische Vertreter scheint dage­gen nur für die großen Rewyorker Firmen verhandelt zu haben. Immerhin wird durch die jet# erreichte prinzipielle Uebereinkunft für den größten Teil der noch in Deutschland laufenden Rembourskredite eine Regelung getroffen, und für einen wesentlichen Teil der ausländischen Barkredite. Zu hoffen ist, daß auch die großen Banken in der Schweiz und in Holland sich an- schließen werden. Mit Rücksicht auf die zahlrei­chen Kleingläubiger werden noch ergänzende Maß­nahmen zu ergreifen sein, die vielleicht in einer verstärkten Verwendungskontrolle der Reichsbank für die angeforderten Devisenbeträge bestehen dürften. Eine entsprechende Notverord­nung dürfte in den nächsten Tagen zu erwarten sein.

Macdonalds Vertrauen.

wtb. Amsterdam, 30. Juli. (Gig. Meld.). Der britische Premierminister wurde gestern nachmit­tag bei seiner Zwischenlandung bei Rotterdam von holländischen Journalisten danach gefragt, ob er in Berlin deutschen Journalisten gegenüber erklärt habe, seiner Ueberzeugung nach könne sich Deutschland s e l b st helfen. Macdo­nald antwortete darauf, es bestünde kein Grund dafür, das Vertrauen zum deutschen Volke zu vserlieren. Der Charakter und die Kraft des deutschen Volkes seien so, daß es die äußersten Anstrengungen machen würde, um sich zu hel­fen. Hierbei müßten es die internationalen Ban­ken und die BIZ. in Basel unterstützen. Auf welche Weise dies am besten geschehen könne, müsse untersucht werden. Eine hierfür eingesetzte Sachverständigen-Kommission, in der auch meh­rere Deutsche vertreten seien, werde binnen kur­zem ihr Gutachten erstatten.

Telegramm Macdonalds an den Reichskanzler.

Der britische Premierminister Ramsay Mac­donald hat auf seiner Rückreise nach England vom Haag aus folgendes Telegramm an den Reichs­kanzler gesandt:

Bis hierher auf meiner Rückreise gelangt, möchte ich, ehe ich den Kanal überquere, Ihnen versichern, wie sehr mich der herzliche Empfang, den Sie mir bereitet haben, erfreut hat, und die Hoffnung zum Ausdruck bringen, daß diese Zusam­menarbeit dem Fortschritt und dem Frieden Euro­pas dienen möge.

Der britische Außenminister Henderson hat auf seiner Rückreise von Calais aus an den Reichsmini­ster des Auswärtigen Dr. Curtius folgendes Tele­gramm gerichtet:

Dem Herrn Reichskanzler und Ihnen möchte ich meinen wärmsten Dank für den angenehmen Be­such in Berlin aussprechen. Der überaus freund­schaftliche Charakter unseres Empfanges hat auf mich einen tiefen Eindruck gemacht, und es war mir eine Freude, auf deutschem Boden die Fühkung- nahme zu erneuern, deren glückliche Vorläufer un­sere Zusammenkünfte in Ehequers, Paris und Lon­don gewesen sind. Ich sehe unserem nächsten Zu­sammentreffen freudig entgegen, das zu meiner Freude nahe bevorsteht.

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Ministerpräsident Macdonald der ebenso wie Henderson wieder in London eingetroffen ist, erklärte sich von den Besprechungen mit den deutschen Staatsmännern sehr befriedigt. Die Zu- jammenkunft habe den schönsten Erfolg gezeigt.Es

sei über alles gesprochen worden: Frieden, Wirt­schaft, Abrüstung und alle Fragen, die sich darauf bezögen, mehrere Etappen noch zurück- z u l e g e n. Das erste sei, auf den Bericht der Ba-nksachverständigen zu warten, der sehr wichtig sei.

Die Rom-Reise.

CNB. Berlin, 30. Juli. (Eig. Meldg.). Wie wir erfahren, werden Reichskanzler Dr. Brüning und Reichsaußenminister Dr. Curtius der Ein­ladung Mussolinis nach Rom entsprechen, sobald die innerpolitische Lage geklärt ist. In politi­schen Kreisen wird erwartet, daß fich die Situa­tion in der zweiten Hälfte der näch sten Woche ausreichend übersehen läßt.

Die Unterstützung der ausländischen Finanzsach­verständigen.

CNB. Berlin. 30. Juli. (Eig. Meldg.). Ein Berliner Blatt berichtet heute früh, Geheimrat Schmitz von IG. Farben und der Hamburger Bankier Melchior seien von der Reichsregie­rung beauftragt worden, den zur Untersuchung der deutschen Finanz- und Wirtschaftslage hier weilenden ausländischen Banksachoer- ständigen Sprague und Wallenberg zur Hand zu gehen. In unterrichteten Kreisen wird hier­zu darauf hingewiesen, daß die beiden deutschen Herren ja bereits mit in London waren. Schon dort ist vereinbart worden, daß sie die ausländi­schen Sachverständigen während ihres Berliner Au­fenthaltes unterstützen. Es handelt sich also kei­neswegs um einen neuen Auftrag, dem irgend­wie außergewöhnliche Bedeutung zukommt, was man aus der Veröffentlichung des Berliner Blat­tes vielleicht schließen könnte.

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Bon anderer Seite war gemeldet worden, daß das Reichskabinett eine neue Verordnung heraus - geben würde, durch die das Moratorium der Danatbank verlängert wird. Richtig ist daran nur, daß über das Monatsende hinaus eine neue Regelung getroffen werden muß. Das Kabinett hat sich aber nur ganz allein mit den wirtschaftlichen und finanziellen Fragen befaßt, ohne eine solche Verordnung über die Danatbank zu beschließen. Sie ist erst in den nächsten Tagen zu erwarten.

Die deutschen Quäcker an Hoover und Brüning.

Die deutschen Quäcker, die in der vorigen Woche in Dresde n-Hellerau ihre Jahresver­sammlung abhielten, haben von dort an den Prä­sidenten Hoover, der selbst Quäcker ist, ein Tele­gramm gerichtet, in dem sie ihm für sein Ein­greifen zur Linderung der Wirtschaftsnot dank­ten. Ferner sandte die Jahresversammlung an Sen Reichskanzler ein Schreiben mit der Bitte, auf dem mutig beschrittenen Wege der friedlichen Verständigung fortzufahren-

Aufruf des Landbundes.

Der Bundesvorstand des Reichslandbundes hat einstimmig einen Aufruf beschlossen, in dem be­tont wird, daß Deutschland nach dem Scheitern der ausländischen Kreditverhandlungen völlig auf sich gestellt sei. Vornehmste Pflicht sei es deshalb, vor allem die Volksernährung auf eige­ner Scholl« zu sichern. Unter dem Hinweis, daß bereits jetzt ein Sturz der Getreidepreise erfolgt sei, müsse die Landwirtschaft zur Selbst­hilfe greifen.

Die Maßnahmen, die der Bundesvorstand sei­nen Mitgliedern vorschlägt, beziehen sich auf den Getreide- und Viehverkauf. Brotgetreide dürfe nur in solchen Mengen verkauft werden, als sie zur Vrotversorgung jeweils erforderlich seien. In der Zeit vom 5. bis 31. August dürfe jeder Landwirt nicht mehr als % Zentner Getreide je Morgen der Getreideanbaufläche anbieten. Für West-, Süd- und Mitteldeutschland sind gegebenen­falls Zuschläge vorgesehen und ebenso für Quali­tätsware.

Der Schlachtoiehmarkt soll durch Verkaufsent­haltung entlastet werden, um Durchschnittspreise in Höhe von 65 Mark für Schwein«, 55 Mark für Ochsen und 45 Mark für Kühe ab Stall zu er­reichen. — Die Landbünde sollen die dieser Maßnahmen in ihren Gebieten überwachen. Gläubiger, die einen Verkaufsdruck ausüben, sollen durch die Landwirte auf die im Gange be­findlichen Verhandlungen zur Regelung des Zah­lungsaufschubs und des Vollstreckungsschutzes hin­gewiesen werden.

Die Forderungen nach einem Moratorium für die Ost-Landwirtschaft.

C.R.B. Berlin, 30. 7. (Eig. Meld.) Zn den verschiedentlich • ausgetauchten Forderungen nach einem Moratorium für die Landwirtschaft erfah­ren wir von berufener Seite, daß es sich bei den bisher bei den zuständigen Stellen eingegangenen Vorschlägen entgegen anderslautenden Behaup­tungen nicht um ein allgemeines Morato­rium handelt Es ist vielmehr gedacht an eine Strllhalte-Aktion für die seit längerer Zeit eingefrorenen Personalkredite. Der Zins- und Amortisationsdienst soll in keiner Weise berührt werden. Ferner soll fich diese Süllhalteaktion im Rahmen der Osthilfe bewegen und auch auf das Qsthilfegebiet beschränkt bleiben.

Richt nur schöne Reden?

Die englischen Minister sind wieder abgereist und damit haben die diplomatischen Besprechun­gen. vorläufig wenigstens, eine Pause erfahren. Sie sind aber keineswegs völlig abgebrochen, son­dern „sollen und müssen, wie das in dem amtli­chen Kommuniquee über den Abschluß des deut­schen Chequers heißt, fortgesetzt werden". Abge­sehen davon, daß auch die persönliche Fühlung­nahme über unsere deutsche Botschaft in London sehr rege aufrechterhalten bleibt, ist doch ein ge­wisser Abschluß dieser zweiten Etappe nach Lon­don erfolgt und wir sehen nunmehr in der B e- sprechung der französischen Mini- ft e r, bzw. ihrem Besuch in Berlin, der nächsten Etappe entgegen. Man hat sich gerade in Pa­ris genug Gedanken über die vertraulichen Be­sprechungen der deutschen und englischen Staats­männer gemacht und in der französischen Presse kam denn auch unverhohlen zum Ausdruck, daß sie ohne die Teilnahme Frankreichs nicht gerade zum Vorteil für Frankreich ausfallen könnten, zu­mal es sich schon in London stark isoliert hatte. Man befürchtet in Frankreich die englisch« Ver­mittlerrolle, weil England sich so stark an die Seite Deutschlands gestellt hat, um gegen die Ver­quickung einer Anelihe mit politischen Forderun­gen energisch Front zu machen. Man sieht es in Frankreich selbstverständlich viel lieber und bas kommt auch deutlich in der französischen Presse, besonders dem „Temps" zum Ausdruck, direkt mit Deutschland zu verhandeln, in der siche­ren Erwartung, dadurch mehr zu erreichen, als wenn sich England dazwischen schiebt. So betont denn der „Temps", daß die Besserung der deutsch- französischen Beziehungen nur durch direkte Verhandlungen geschaffen werden könnten und die erste Fühlungnahme in Paris dafür bereits eine günstige Atmosphäre vorbereitet habe. Daß aber im übrigen nach wie vor die Frage der p o- l i t i s ch e n Pfänder eine Hauptrolle spielt, geht deutlich aus der französischen Presse hervor und wird noch stärker unterstrichen durch die Sonntagsrede des fran-ösischen Finanzministers in Tarbes, wo er „die Forderung von Pfändern und Garantien durch den Geldgeber keineswegs als gegen die Vernunft und Gerechtigkeit ver­stoßend" bezeichnete.

England hat sicherlich ein Interesse daran, uns eine Hilfestellung zu leisten, und die jetzigen Unterredungen zwischen den führenden Staats= männern haben zweifellos auch gezeigt, wie weit England gehen kann und will, um Deutschland nicht der Hegemonie Frankreich auszuliefern. Es wäre aber total verfehlt, im deutschen Volke den Glauben und die Hoffnung erwecken zu wollen, daß es. möglich wäre, eine deutsch-englisch-amerikanische Verständigung gegen Frankreich zustande zu bringen. Wenn rechtsradikale Blätter direkt für «ine solche gemeinsame Front gegen Frankreich eintreten, weil England und Amerika mit ihren wirtschaftlichen Schwierigkeiten die gegebenen Ver­bündeten Deutschlands seien, so verkennen sie doch stark die Situation. Ma cdonald als englischer Mini­sterpräsident und Leiter der englischen Poliük, hat sich als Lebensziel die friedliche internationale Zu» sammenarbeit gesetzt und arbeitet mit der ihm eigenen Energie und Klugheit nur auf das eine Ziel hin, durch eine solche internationale Verstän­digung Europa und damit der Welt den dauernden Frieden zu bringen. Er hat das auch gelegentlich seines Besuches in Berlin zu wiederholten Malen öffentlich betont und hat bei dem Empfang der Presse mit Betonung unterstrichen, daß er nicht ge­willt sei, die früher traditionelle Linie der eng­lische? Politik, der sogenannten b ala n c e o s power des „Spiels der Kräfte" weiterzuführen, weil sie nicht zum Frieden und zur Abrüstung, sondern zur Aufrü ftung und damit einer ewi­

gen Beunruhigung Europas führen müßte. Wenn diese balance of power-Politik gnglanbs früher lediglich dem Zweck gedient hat, England die Vor­herrschaft in Europa zu geben, weil es sich immer als kleines Jnselreich durch die größeren Mächte bedroht fühlen konnte, so kann die Ausgabe dieser Politik auch nicht den Zweck haben, die Führer­rolle an Frankreich übergehen zu lassen. Denn dadurch würde ja wiederum das Gleichgewicht in Europa bedenklich gestört und dem Frieden nur neue Hindernisse in den Weg gelegt.

Sind bas die inneren Motive, die gegen eine derartige Frontstellung England und Deutschlands gegen. Frankreich sprechen, so kommen noch rein äußere Tatsachen dazu, die England gewissermaßen zur Zeit die Hände binden würden, einen solchen Frontwechsel zu unternehmen. England selbst hat zu große Schwierigkeiten sowohl in seiner Volkswirtschaft, wie auch in seiner Fi­nanzwirtschaft, das zeigt gerade die große Kris« auf dem Londoner Geldmarkt gelegentlich des jetzigen Ministerbesuches. Dadurch sind schon von selbst auch der wohlmeinendsten englischen Politik gewisse Grenzen gezogen. Frankreich hat durch seine geschickte Finanzpolitik dazu noch durch den Gewinn aus der Reparation sich zu einer Geld­macht emporgeschwungen, und hat es jederzeit in der Hand, durch Abberufung der kurzfristigen Kre­dite, die es Deutschland über London gewährt hat, nicht nur einen starken Trumpf gegen Deutschland, sondern auch gegen England selbst auszuspielen. Und wie es gerade in diesen Tagen deutlich gezeigt hat, wird es nach wie vor alles daran setzen, diesen Trumpf in der Hand zu behalten, um doch noch fein Ziel der politischen Bedingungen erreichen zu können. Diesen politischen Bestrebungen Frank­reichs sich energisch zu widersetzen, ist auch nach wie vor das Ziel der englisch-deutschen Politik. Aber wir dürfen nicht vergessen, daß über allen derzeiti­gen Konflikten der angelsächsischen Politik mit Frankreich die Unterstützung eines allmählich deutsch-französischen Ausgleiches zu den Grundzielen sowohl Englands, wie auch Amerikas gehören. Darüber dürfen uns auch all die schönen Worte der Bewunderung und der Aufmunterung, die Macdonald während seiner An­wesenheit in Deutschland gesprochen hat, nicht hin» wegtäuschen. Und wenn man von einem befriedi­genden Ergebnis dieser ganzen politischen Schick­salsgespräche in Berlin sprechen will und darf, dann nur unter dem hoffnungsvollen Gesichts­punkte, daß die Person Macdonalds, wie auch die unseres Reichskanzlers, zwei Charaktere bergen, die neben politischem Takt und Klugheit auch eine ei­serne Willenskraft. und Tatkraft aufzubringen ver­mögen, ihre Ziele zum Äutzen ihrer Völker, aber tuch zur Befriedung Europas durchzusetzen.

Das unruhige China.

Ein Attentat auf Tjchiangkaischek.

wtb. Nanking, 30. Juli. (Eig. Meld.) Im öffentlichen Park von Nantschang, dem Hauptquartier der natio­nalistischen Truppen, wurde auf bas Automobil des Präsidenten Tschiangkaischek einige Schüsse abgegeben, die jedoch niemand verletzten. Im Lause einer Untersuchung wurden drei Personen, die, wie sie angaben, von der Re­gierung in Kanton den Auftrag zur Ermordung Tschiang- kaischeks erhalten hatten, verhaftet. Wie es heißt, sind die drei Verhafteten erschossen worden. Zum Schutze Tschiangkaischeks gegen weitere Attentate sind schärfste Vorkehrungen getroffen worden.

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„Times" berichtet aus Schanghai: Einem amtlichen Bericht zufolge haben drei Divisionen Regierungstruppen bei Ningtu (Provinz Kiangsi) 50 000 Kommunisten ange­griffen und geschlagen. Den Siegern fielen 20 000 Ge­fangene, 13 000 Gewehre, 25 Maschinengewehre, 16 Gra­benmörser und drei Feldgeschütze in die Hände.

Wege zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit

Von Albert Thoma,, Leiter des Zwischenstaatlichen Arbeitsamtes.

Dorbemerkung: Parteipolitische Einstellung und staatliche Zugehörigkeit des Verfassers zwin­gen zu kritischer Betrachtung seiner Ausführun- ’ gen. Angesichts der katastrophalen Arbeitslosig­keit verdient jedoch jeder ernste Vorschlag Be­achtung.

Die Arbeitslosigkeit ist eine soziale Erschei­nung, die an sich nicht zu wirtschaftlichen Krisen zu gehören braucht. Doch tatsächlich sind Zeiten schlimmster Arbeitslosigkeit meistens eine Folge solcher Krisen. Es ist sogar, wenn dies auch nicht ganz zutrifft, gesagt worden, Arbeitslosigkeit sei nur ein Symptom der Krisen. Trotzdem besteht kein Zweifel, daß mir, könnten mir die periodisch miederkehrenden wirtschaftlichen Erschütterungen Voraussagen, ganz von selbst in der Lage sein würden, die Hauptursache der Arbeitslosigkeit aus der Welt zu schaffen.

Es gibt eine Reihe von — vornehmlich euro­päischen — Heilmitteln gegen die Arbeitslosigkeit, die der Prüfung wohl wert erscheinen. In erster Linie nennen wir die Erwerbslosenversicherung. Sie soll den Opfern der Arbeitslosigkeit den Ver- l>ust ihrer Löhne zu ertragen helfen. Sie ist aber selbst in den Augen derjenigen, die nicht glau­ben, daß sie der Wiedereinstellung von Arbeits­kräften in noch wenig betroffenen Wirtschaftszwei­gen schadet (dieser Ansicht bin auch ich), doch kein Heilmittel für die Erwerbslosigkeit.

Selbst in Zeiten starker Arbeitslosigkeit finden wir Industriezweige, denen es an Arbeitskräf­ten fehlt. Hier wäre es vom großen europäischen Standpunkt aus gesehen weit wirtschaftlicher, ge­eignete Kräfte, die in anderen Ländern brach lie­gen, heranzuziehen, anstatt den Versuch zu ma­chen, zu anderen Arbeiten verwendbar« Leute umlernen zu lassen. Das Zwischenstaatliche Arbeits­amt ober eine andere noch zu gründende Organi­sation gewissermaßen eine große Arbeitsver­

mittlung für alle Industrien — könnt« «ine Liste der offenen und der gesuchten Stellen anfertigen und stets auf dem Laufenden halten.

Dann hätten wir eine Art von europäische» Arbeiteraustausch. Die materiellen Vorteile einer solchen Einrichtung sind offensichtlich. Ebenso wert­voll würde ein solches Verfahren vorn morali­schen und psychologischen Standpunkt aus fein. Die europäischen Völker würden dann lernen, solch« Fragen der Verwendungsmöglichkeit für Ar­beitskräfte nicht immer als nur innerhalb ihrer eigenen Landesgrenzen lösbar zu betrachten.

Ganz abgesehen von diesem Poblem der Ar­beitsbeschaffung für Einzelne können wir gewisse, weitreichende internationale Bewegungen feststel­len, die durch die Notwendigkeit heroorgerufe» werden, die Bevölkerung den verschiedenen natio­nalen Belangen anzupassen. Das Ergebnis sind dann mehr oder minder regelmäßige Wanderun­gen. Strömungen dieser Art bestanden schon seit langem von Belgien, Spanien und Italien her nach Frankreich, von Italien nach der Schweiz und von Polen her nach Deutschland. Während der letzten zehn Jahre sind neue Strömungen in Fluß gekommen, so von Polen, von der Tschecho­slowakei, von Oesterreich, Ungarn und Rumänien nach Frankreich, von Polen nach Dänemark und von Oesterreich und von der Tschechoslowakei nach Deutschland. Eine Reihe anderer Strömungen dieser Art kann augenblicklich beobachtet werden, und wir sollten, wollen wir Schwierigkeiten aller Art vermeiden, diese Wanderungen kontrollieren und regeln.

In erster Linie brauchen wir in Europa einen lebhafteren Austausch der Informationen über den wechselnden Stand des Arbeitsmarktes für die ver­schiedenen Länder und Industrien. Auch hier Müßte das Zwischenstaatliche Arbeitsamt eine