NILS
irr. 172
Beilage zur Fuldaer Zeitung
29. Juli
Die junge Generation in Frankreich
Diener des Vaterlandes!
Nicht ohne Absicht haben wir das „Bekenntnis" des Arbeiterdichters Karl B r ö g e r aus der Kriegszeit an die Spitze dieses Blattes gestellt. So wie er haben Millionen Deutscher aus den breiten Volksschichten gefühlt, und so. denken heute noch Millionen, die von denjenigen, die das Wort „national" auf den Lippen führen, in der Regel als Landesverräter, „Marxisten", schwarze Zentrumsmänner geschmäht werden. In den breiten, noch gesunden Schichten unseres Volkes wird der Wille, dem Vaterland zu dienen und ihm die Treue durch die Tat zu halten, stets lebendig bleiben, selbst wenn die sog. „Nationalen" immer wieder zeigen, wie wenig es ihnen eigentlich bei ihrem hysterischen Geschrei um Deutschland und das deutsche Volk geht, und wie wenig sie „Diener des Vaterlan-
ler wollen wir unserer auf christlichen Grundsätzen stehenden Organisation zum Siege verhelfen. Die deutsche Volkswirtschaft hätte stch niemals so entwickelt, wenn die Gewerkschaften nicht durch die Hebung der Lebenshaltung der Arbeiterschaft die Voraussetzung mit hierzu geschaffen hätten.
In einer Zeit, in der junge und gesunde arbeitswillige Menschen zur Arbeitslosigkeit verurteilt, der weiteren Ausbildung und des Verdienstes beraubt sind, kann nur dos Christentum Kraft und Stärke geben. Diese Erkennt- nis sollte uns stolz sein lassen, einer Bewegung zu die
nen, die die Verwirklichung der christlichen Grundsätze in Wirtschaft und Gesellschaft erstrebt. Wir junge christliche Arbeiter dürfen den Nöten unserer Zeit nicht resigniert oder gleichgültig gegenüberstehen. Rütteln wir die lauen und beiseitestehenden jungen Schicksalsgenossen auf und führen wir sie in die christlichen Gewerkschaften hinein! Bilden wir uns in unseren unfreiwilligen Muße- stunden weiter, damit wir gerüstet sind, wenn der Ruf an uns geht. Verlieren wir nicht den Glauben an die Zukunft. Wir wissen, daß über uns die Vorsehung Gottes waltet! K. Leib old, Eichenzell.
Im „Blatt der Jugend" brachten wir eine kurze Notiz über den Unterschied zwischen deutscher und französischer Jugend. Im Anschluß daran dürfte ein Ueberblick über die französischen Jugendorganisationen allgemein interessieren. Wir jungen Deutschen müssen uns bemühen, die Haltung des Auslandes kennen zu lernen, um nicht wieder in die außenpolitischen Fehler unserer unmittelbaren Vorfahren zu verfallen.
Wie in Deutschland, so ringt auch in Frankreich die Jugend mit neuen Formen. Dort wie hier gibt es Organisationen und Gruppen, in denen die Jugend zu verwirklichen sucht, was ihr vorschwebt. In Frankreich allerdings bindet sich der einzelne nicht so streng wie bei uns, Führer und Gefolgschaft finden sich dort nicht in dem Ausmasse wie in Deutschland. Am leichtesten wird man sich einfühlen, wenn man uns gewohnte Einteilungen zu Grunde legt: das Politische, das Konfessionelle, das Päda- gogische.
ders in der akademischen Jugend finden die Ideen der Kommuni st en starke Beachtung und werden eifrig diskutiert. Diesen Kreisen strömt alles zu, was auf organischem und parlamentarischem Wege nichts mehr für die Zukunft erhofft.
Eine Dachorganisation versucht die „Völker- b u n d s j u g e n d" zu fein. Im allgemeinen ist der Franzose für solche Einschachtelungen nicht zu haben. Er betätigt sich in der Organisation, darüber hinaus aber wahrt er seine persönliche Freiheit. So ist die Organisation als solche nicht lebensfähig geworden, aber in den einzelnen Jugendgruppen wird eifrig im Sinne des Völ» kerbundes gewirkt. Am meisten tut sich die Universitätsjugend hervor, und ihr werden in der Zukunft sicher Erfolge beschieden fein. Der Franzose sieht auch heute noch den Akademiker als Führer an und schätzt ihn als solchen, solange er nicht den Gegenbeweis liefert. Der junge französische Akademiker hak es allerdings viel schwerer als der deutsche, in der akademischen Stufenleiter hochzukommen, da auf den Hochschulen ein ganz fein durchdachtes System der Auslese herrscht. Die Völkerbundsjugend sammelt sich in der Pariser Universitäts- Siedlung um zwei Männer: Roland A i x und R o- bert Lange. Sie gibt eine eigene Wochenschrift heraus, in der sie alle drängenden Fragen in recht anschaulicher Weise bespricht. Einschränkung der Rüstungsausgaben, Vernichtung des militärischen Geistes, Internationalisierung des Flugwesens sind einige Proben ihrer For- derungen.
Die konfessionell organisierte Jugend.
Von den 40 Millionen des französischen Volkes gehören zwar der weitaus größte Teil der kathol. Kirche an, aber nur rund 10 Millionen üben ihren Glauben aus, den Rest kann man als Taufscheinkatholiken ansprechen. In der Jugend weht allerdings ein neuer Geist. Die Association catho- lique de la jeunesse franyaise unter der Führung des Generals Castelnau ist vor allem im Süden stark vertreten und wird auf mehrere Hunderttausend geschätzt. Sie waren bisher fast nur rückwärts ge- wandt und konservativ, für die Fragen der Gegenwart wenig aufgeschlossen. Dem heutigen Staate stehen sie vielfach feindlich gegenüber. Man erklärt es damit, daß der laizistische Staat, der sich auf Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit beruft, die Katholiken so wenig im Geiste dieser Ideen behandelt habe, daß man das Vertrauen zu ihm verloren habe.
Um den katholischen Sozialpolitiker Harric scharen sich die (Equipes sociales, rund 12000 Mann stark. Ihr Ziel ist die Bewältigung des sozialen Problems ohne Klassenkampf. Sie gehen vielfach Hand in Hand mit nichtkathol. Kreisen, die dasselbe Ziel verfolgen wie sie.
Pere Doncoeur sammelt um sich eine kleine Gruppe von Wandervögeln, die Frankreich seine Seele wie- bergeben wollen, die es durch den Krieg verloren hat. Daneben gibt es noch einige unbedeutende Sondergruppen unter den Studenten und Arbeitern und die Scout de France- die kathol. Pfadfinder.
In Deutschland nicht unbekannt ist auch die Gruppe um Marc Sanguier, die Jeune Republiqe. Viele Franzosen stehen dieser Gruppe und ihrem Führer nicht freundlich gegenüber. Sie verübeln es ihm vor allem, daß er die deutsche Jugend zu Besuchen in Frankreich einlade und dadurch den Eindruck erwecke, als wenn die deutsche Jugend die jungen Franzosen zu Freunden gewinnen wolle. Andere lehnen ihn als romantischen Schwärmer ab. So kommt es, daß der Einfluß dieser Gruppe, obwohl sie in Deutschland am bekanntesten unter allen ist, sich nur wenig auswirkt.
Einschließlich der Elsässer zählt man in Frankreich etwa 1 Million Protestanten. Ihre Jugend hat ich in den Unions Chretiennes d e jeunes gens de France zusammengeschlossen. Sie Haden zwar tüchtige Kräfte unter sich, wirken aber weniger in der Oeffentlichkeit und haben somit auch wenig Einfluß auf die Kreise, wo die großen politischen Fragen entschieden werden.
Die politische Jugend
läßt sich in fünf Gruppen zusammenfassen: D i e Action frangatfe, bi Jeunesses patriotes, die Federation des Jeunesses laigues et republicaines de France, die sozialistische und die k o m m u n i st i f ch e Jugend.
Trotz des reichlichen Aufwandes, den die Action franqaife macht, ist sie im A b n e h m e n b e g r t f= f e n, seitdem der Papst das Urteil über sie gesprochen hat. Von der konservativen Jugend, die sie früher allein und zwar in royalistischem Sinne vertrat, wirb sie abgelehnt aber belächelt. Die letztere hat sich in den Jeunes ses patriotes gesammelt. Sie ist aber nicht als die parteimäßige Erfassung der Rechtsparteien anzusehen, sondern sie will weder der Rechten noch der Linken dienen. Ihr Ziel ist die (Erneuerung Frankreichs, ihre Front richtet sich stark gegen die sozialistische Linke, die Kartellisten, Sozialisten und Kommunisten. „Vor allem sind wir die Hüter der Ordnung", ist ihr Grundsatz. Sozialreform, Rationalisierung des Staates, Hygiene, Wohnungswesen stehen auf ihrem Programm. Sie will wieder Ehrfurcht erwecken vor der geschichtlich gegebenen Schichtung des Volkes, sie will die Autorität und Verantwortlichkeit bei den Regierenden stärken. Verantwortliche Lebenshaltung ist ihr Ideal.
Die stärkste Gruppe in der Jugendbewegung ist die Federation des Jeunesses Ialques et republicaines mit rund 80 000 Mitgliedern. Sie wurde au sden Kulturkämpfen um die Jahrhundertwende geboren und stellt eine Verschmelzung der im Norden entstandenen ßaj'que mit der südlichen Republicaine dar. Sie unterstützt geistig den weltlichen Staat und ist der Bannerträger der Ideen der franz. Revolution. Sie will gegen dogmatische Unduldsamkeit und Unterdrückung kämpfen. Damit unternimmt sie aber einen Kampf, der in dem heutigen Frankreich kein rechtes Ziel mehr hat. Darum setzt auch hier schon die Abwanderung ein zur demokratischen Jugend, dem Nachwuchs der sozialradikalen Partei. Diese bietet der Jugend Ideen, die gegenwartsnäher sind: Sie bringt starke Aktivität für den Völkerbund und seine innere (Erneuerung auf, sie lehnt Kriege als veraltet ab, sie will mit der demokratischen Jugend aller Länder in nähere Beziehung kommen. In dieser Bewegung stehen so ausgezeichnete Kräfte mit durchaus reiner Gesinnung, daß man das Beste von ihr erwarten darf.
Einen Vergleich mit den Jungfozialisten in der deutschen Arbeiterjugend kann die franz, sozialistische Jugend nicht aufnehmen. Sie zählt in ganz Frankreich etwa 8000 (!) Mitglieder. Sie ist allerdings eine recht tätige Gruppe und als solche durchaus nicht zu verachten. In ihren Entschließungen werden sie freilich vielfach durch die Aelteren gehemmt, sie unterstehen vollständig der Partei. (Genau wie in Deutschland. D. Schriftl.) Auch die ko m m u n i st i s ch e Jugend ist vollständig partei- gebunden. Wie bei uns stehen sich Sozialisten und Kommunisten als feindliche Brüder scharf gegenüber. Beson-
I des" fein wollen. Aber eine Gefahr hat das Sichtbarwerden des klaffenden Gegensatzes zwischen de» Worten und Taten der Kreise, die sich Führer der „nationalen Opposition" nennen doch. Die breiten Schichten, die die größten Opfer bringen müssen, verwechseln das Getue und die Paraden der Nationalisten und Ewig-Gestrigen, den „nationalen" Schlachtruf der Großagrarier und vieler Jndustriegewaltiger vielleicht doch mit der Vaterlandsliebe und werden, von dieser Heuchelei abgestoßen, in das Lager derjenigen getrieben, die auf der anderen Seite ebenso große Gegner des Volkstums und des nationalen Staates sind.
Drum kann der sog. „nationalen Opposition" nicht rücksichtslos genug die Maske vom Gesicht gerissen werden. Auch die Regierung müßte klar und für den kleinsten Mann verständlich immer wieder zeigen, wo die Phrase, der Egoismus, der Klassendünkel, der Geldbeutel und die Beschränktheit herrscht, und wo tatkräftige, selbstverständliche Vaterlandsliebe am Werke ist. Die guten Kräfte im Volke müssen aufgerufen werben, mit Hand anzulegen bei der Rettung Deutschlands. Diese Kräfte sind da und werden nicht versagen, wenn sie richtig geführt werden, wenn sie spüren, daß die Führung ehrlich bas Beste will und klug handelt. Die Regierung muß mehr als bisher frei machen von der Bevormundung durch die Bürokratie, damit bas Volk merkt und sieht, wie die Führer nichts anderes fein wollen als Diener des Vaterlandes.
Deshalb Kampf der „N a t i o n a le n Opposition", die jetzt mit Hilfe der Bolschewisten „Preußen erobern" will. Glauben diese Kreise wirklich, daß die Durchführung des Volksentscheids in Preußen eine nationale Tat fei, ober find sie schon so verbohrt, daß sie nicht merken, wie sie zu erbärmlichen Handlangern der Machthaber in Moskau herabgesunken sind. Die Parole des jungen Deutschland, bas an seine Zukunft glaubt und sie erkämpfen will, muß fein: Kampf d i e- f e n „Nationalen", Kampf den Agitatoren des Sowjetstaates. Unsere ganze Liebe gilt unserem deutschen Vaterland und unserem Volke, das nicht wieder unter falscher Führung in alte Fehler verfallen, sondern auch den anderen europäischen Völkern den Weg zur Einheit des Abendlandes zeigen soll.
Christliche Arbeiterjugend und Zeitnöte.
Ein Leser des „Blatt der Jugend", der schon lange arbeitslos ist, schreibt uns:
Eine schwere Wirtschaftskrise hat unser Vaterland hcimgesucht. Hart und erbarmungslos tritt uns die Geißel der Arbeitslosigkeit. Elend und Not, Verbitterung und Verzweiflung herrschen in vielen Familien. Der Vater kann der Familie nicht mehr Ernährer, der Sohn nicht mehr seiner Mutter Stütze sein. Gar manche Existenz wird vernichtet. Die Versuche, des Zeitübels Herr z» werden, haben bis jetzt kaum zu einem (Ergebnis geführt.
Wie stehen mir, die christliche Arbeiterjugend, zu diesen Geschehnissen? Mit großen Hoffnungen traten wir ins werktätige Leben ein. Jedoch auch wir bekommen die Not der Zeit zu spüren. Die Mehrzahl von uns ist arbeitslos. Da heißt es vielem entsagen. Schlimm ist nicht nur die materielle, sondern auch die seelische Not. Wir junge Menschen fühlen uns in unserer Ausbildung durch die Arbeitslosigkeit gehemmt. Unsere Berufshoffnungen werden sehr herab gemindert. Dazu bedrückt es noch, daß wir den Eltern zur Last liegen müssen und sie nicht unterstützen können.
Sollen wir deshalb verzagen und mutlos werden? Freunde, es ist nicht deutsche Art, in Zeiten der Not müßig zu sein und alles der dunklen Zukunft zu überlassen. Wir spüren doch auch in uns noch die Keime großer Ideale sprießen und möchten mithelfen, unser Volk einer besseren Zukunft entgegen zu führen. Wenn wir diesen Drang haben, dann ist es unsere größte Pflicht, mit u n- seren jungen Kräften in den Dienst von Stand und Volk zu stellen. Wir sehen das Bemühen aller Kreise und Parteien, die Jugend für sich ju gewinnen. Manche suchen die Jugend in den Dienst einer Sache zu stellen, die der Jugend selbst und der Zukunft unseres Volkes nicht dienlich ist. Die Methoden der Iugendgewinnung sind oft unfein und unehrlich.
Wir, die christliche Arbeiterjugend, sind verpflichtet, für die Verwirklichung der christlichen Grundsätze in Staat Wirtschaft und Gesellschaft einzutreten. Dadurch stehen wir in einem tiefen Gegensatz zur s o z i a l i st i s ch e n, kommunistischen und nationalen Bewegung. Kämpfer haben wir zu sein für unsere Idee. Sind wir alle von diesem Willen durchdrungen? Wollen wir dem deutschen Volksstaat, dessen zukünftige Träger wir sein sollen, recht dienen, bann müssen wir alles zu unserer Schulung als Staatsbürger tun, was möglich ist. Als Arbeiter können wir das am besten in den ch r i st- lichen Gewerkschaften. Als junge Gewerkschaft
Bekenrttnis.
(Ein Schwur aus der Kriegszeit, der aber auch heule noch gilt.
Immer schon haben wir eine Liebe zu Dir gekannt, Bloß wir haben sie nie mit einem Namen genannt. Aks man uns rief, da zogen wir schweigend fort, Auf den Lippen nicht, aber im Herzen das Wort:
Deutschland.
Unsere Liebe mar schweigsam; sie brütete tief versteckt. Nun ihre Zeit gekommen, hat sie sich hochgereckt.
Schon feit Monden schirmt sie in Ost und West Dein Haus
und sie schreitet gelassen durch Sturm und Wettergraus: Deutschland.
Daß kein fremder Fuß betrete den heimischen Grund, stirbt ein Bruder in Polen, liegt einer in Flandern wund.
Alle hüten wir Deiner Grenzen heiligen Saum.
Unser blühendstes Leben für deinen dürrsten Baum: Deutschland.
Immer schon haben wir eine Liebe zu Dir gekannt, Bloß wir haben sie nie bei ihrem Namen genannt.
Herrl?ch zeigte es aber Deine größte
Gefahr,'
Daß Dein ärmster Sohn auch Dein g e- treuefterroar:
Deutschland.
v Karl Bröger.
Wir lassen uns nicht verhetzen!
Ww. In Breslau fand auf Einladung des E r- werbslosenausschusses der katholifchen Jugend eine große Versammlung der arbeitslosen Ju- gent statt, auf der die Auswirkungen der Notverordnungen auf die Jugend besprochen und die gesamte politische und wirtschaftliche Lage erörtert werden sollte. In lebhafter Aussprache wurde zu der Herausnahme der Jugendlichen aus der Arbeitslosenversicherung, zur Frage der Doppelverdiener, zum freiwilligen Arbeitsdienst und zu der politischen Realisierung unter den Jungarbeitern Stellung genommen. Das Ergebnis spiegelt sich in einer am Ende der Zusammenkunft gefaßten Entschließung, in der es u. a. heißt:
„Die kathol. erwerbslose Jugend lehnt jede Arbeitsdienstpflicht ab, die geeignet ist, den alten Militärgei st in der Jugend wachzurufen oder Arbeitsdienstheer zur Drückung der Löhne der in Arbeit stehenden Kollegen zu werden. Dem in der Notverordnung angeführten freiwillig en Arbeitsdienst stimmt die katholische Jugend insoweit zu, als dadurch den Jugendlichen kein Zwang auferlegt wird und ihr auch keine wirtschaftlichen Nachteile entstehen. Des weiteren darf die Arbeitsdienstleistung nicht I zur Erreichung parteipolitischer Ziele ausgenutzt werden. Ebenso soll der freiwillige Arbeitsdienst nicht nur auf unterstützungsberechtigte, son- I dem auch aus die ausgesteuerteJugend ausgedehnt werden.
Die katholische erwerbslose Jugend lehnt jeden Radi- kalismus, sei es von rechts oder links, ab. Sie lehnt es auch ab, plündernd durch die Straßen zu ziehen, weil I dadurch der Allgemeinheit und dem Volksganzen nicht im Geringsten geholfen wird. Die katholische Jugend wird sich vielmehr dafür einsetzen, daß die Massen der Erwerbslosen Verständnis finden für die Maßnahmen der Regierung und ihres Kanzlers. Die katholische Jugend ist sich bewußt, daß an die Stelle des heutigen Reichs- I t an 31 e r s D r. Brüning kein anderer gesetzt wer- I den kann, der es besser machen könnte. Darum gilt ihm unsere Treue trotz der Opfer, die von uns gefordert werden, weil er mit uns nichts anderes will, als Deutschland vor dem Zusammenbruch zu retten . . .!"
Wander- und Wallfahrten.
Eines Geisser Laleinschülers Aerienfahrl nach den Pyrenäen und Alpe«.
31 Von Peter Schmitter.
Von Lourdes aus machen wir verschiedene Ausflüge in die Pyrenäen. Am 3. Tage unseres Aufenthaltes fahren wir mit der Drahtseilbahn auf den P i c d u 3 er. Er ist ungefähr 1000 Meter hoch. Auf seiner Spitze befindet sich ein Observatorium, in dessen unte» rem Stockwerke ausgestopfte Tiere zu sehen sind, die hier geschossen wurden. In einem anderen Raume ist eine Reihe von Dioramen, die die bekanntesten Ausflugsorte der Pyrenäen wiedergeben. Auch auf der Dachplattform liegen Fernrohre, große und kleine, den Besuchern zur Verfügung. Unter freiem Himmel steht ein großes Fernrohr, durch das man einen herrlichen Ausblick in die Gebirgswelt der Pyrenäen hat. Man erkennt auf dem P i c du Midi, der sehr hoch und weit entfernt ist, einige Menschen, die int Schnee mühsam kraxeln. Plötzlich höre ich ein Surren in der Luft. Ich sehe aber noch nichts. Da erblicke ich unter mir einen Flieger. Er bewegt sich geschickt wie eine Schwalbe ujn die Berge u. verschwindet wieder aus meinen Augen. Dann steigt er höher und wie ein großer Raubvogel kreist er verschiedene Male über dem Pic du 3er fliegt ganz nahe an uns vorbei und verschwindet hinter den Bergriesen in der Richtung nach Pau.
Am Nachmittage fahren wir nach Bett har am, wo sich eine berühmte Tropfsteinhöhle befindet. Am Eingänge der riesigen Höhle kommt uns eine eisige Lust entgegen. Wir sehen im Lichte elektrischer Flammen di- mannigfachsten Figuren, wie wenn sie ein Bildhauer in den Pyrenäenmarmor gemeißelt hätte. Und doch ist dies keines Menschen Werk, sondern das (Ergebnis der
aushöhle''"ielt--usendjährigen Arbeit eines unterirdischen Flusses. Heute rauscht er nur noch als kleiner Bach durch diese unterirdische von künstlichem Lichte verklärte Zauberwelt. Hier befindet sich sogar 200 Meter unter der (Erbe ein See, den wir in einem großen Nachen durchfahren. Ruhig gleitet das Boot zwischen den hohen Felswänden über die glatte Wasserfläche. Während der Fährmann lautlos — man denkt unwillkürlich an den berühmten Charon, der die Seelen der alten Griechen über den Siyse der Unterwelt fährt — einen an der Wand befestigten Draht durch die Hände gehen läßt, schwimmt die Fähre 300 Meter weit und landet mit einem kleinen Anprall auf der entgegengesetzten Seite. Wir betreten wieder festen Boden, wandeln noch einige Minuten trepp auf trepp ab neben dem tosenden unterirdischen Bach her und begrüßen nach Wt Stunden wieder das Licht des Tages. In Bettharam selbst ist ein Kloster. Die Kirche ist ein sehr alter Wallfahrtsort.
Am folgenden Morgen fahren wir hn Auto den Gave entlang nach (E a u t e r e t s, einem herrlich gelegenen Kurorte, der sich durch Schwefelquellen auszeichnet. Vor einem Schokoladengeschäft stellen zwei Verkäuferinnen Seidenbonbons her. Sie haben eine klebrige Masse, die sie auf eine Stange werfen und wenn sie sich lang gezogen hat, wieder herunter nehmen, batten und diese Handlung sooft wiederholen, bis die Masse steif ist. Nun zerkleinern sie die Stücke mit einer Schere und verkaufen sie als Bonbons.
Da wir hoher in die Berge hinauf wollen, hatten wir uns in (Eauterets nicht lange auf, sondern fahren im Gaoetale weiter aufwärts. Zu beiden ©eiten schießen stäubende Wasserfälle ins Tal hinab. Zum Teil hundert und mehr Meter tief. Nun liegt vor uns die Napoleonsbrücke. Napoleon ließ sie 1860 zum Danke
für die Tapferkeit der Provinzbewohner erbauen. In der Nähe dieser Brücke stürzte vor einiger Zeit ein Auto mit calvinistischen Holländern ab, die nach Lourdes gekommen waren, um es zu verspotten. Man faßte es allgemein als Strafe hierfür auf. Rings herum sehen wir auf den Bergen weite Schneefelder.
Nun sind wir in Gavarnie. Weiter können die Fuhrwerke nicht fahren. Von hier aus gehen wir einem Flüßchen entlang, in dem Marmorsteine in allen Gestatten, Farben und Größen, liegen. Wir nähern uns der Schneegrenze. Dor uns liegt ein Gebirgskessel, der sog. Cirkus von Gavarnie, weil er einem Cirkus in größerem Maßstabe gleicht. Zur Rechten oben haben wir die Ro- landsbreche, durch die Roland, der berühmteste der Paladine Karls des Großen geschritten ist, als er von Spanien zurückkehrte. Er soll sie der Sage nach mit feinem Schwerte geschlagen haben. Wir wandern eine Anhöhe hinauf durch einen spärlichen Wald bis zu einem Hotel. Don hier aus haben wir eine freiere Aussicht auf die „Grande-Cascade" (Großer Wasserfall) und auf die anderen Wasserfälle im Cirque. lieber wildes Steingeröll und mehrere Bächlein hinweg gelangen wir auf einem schmalen Fußpfad endlich nahe an den großen Wasserfall, der aus einer Höhe von 425 Meter herabstürzt und gleichsam als ob er zu Tau geworden wäre unten ankommt. Dom Hauche des Windes geführt, kommt uns der Wafsersiaub schon von weitem entgegen. Man kann sich kaum einen Begriff machen von diesem erhabenen Schauspiel der Natur, wenn man es nicht selbst mit eigenen Augen gesehen hat.
Auch an den ewigen Schnee möchten wir herankommen. Wiederum geht es über Geröll, wir müssen weiter klettern, springen, kraxeln. Ein mächtiger Schneeblock liegt vor uns. Aus ihm quillt Wasser heraus, Dadurch hat sich eine Höhlung gebildet, die
man Gletscherkapette nennt. Wenn wir weiter. gehen könnten, wären wir in kurzer Zeit an der spanischen Grenze.
Auf der Rückfahrt kommen wir wiederum zur No- poleonsbrücke. Da es angefangen hat zu regnen, zieht der Chauffeur das Verdeck über den Wagen. Schnell benutze ich die Zeit und springe noch einmal auf die Brücke. Tief unten, etwa 50 Meter, im Tale plätscher! die Gave über die Marmelsteine und rauscht ein unbekanntes Lied. Einge Pyrenäenburschen verkaufen Flöten, die sie selbst geschnitzt haben.
Am kommenden Morgen gehen wir in Lourdes in die obere Basilika wie gewöhnlich zur hl. Messe. Die Kirche ist überfüllt, denn es ist Sonntag. Die Wände sind mit sehr vielen Fahnen Ünd Dankestäfelchen ausgestattet. Auf mehreren etwas größeren Tafeln ist eine wunderbare Errettung aus einer drohenden Gefahr dargestellt.-
Daß der Süden eine sehr üpige Natur hat, sehen wir bei einem Spaziergang in die Umgebung von Lourdes. An einer Hecke ranken dichte Brombeersträucher herauf. Sie sind schwer mit Beeren beladen. Aber nicht nur allein Brombeeren finden wir, sondern auch Eßkastanien und Wallnüsse in reicher Fülle. Hier und da ragen Palmen, Feigen und Delbäume über die Mauern eines Anwesens hinaus. Der Mais winkt uns in feinen langen dicken Fruchtkolben schon von weitem zu. Im Hofe Hofe unseres Hotels erhebt sich eine mächtige mehr als haushohe Fächerpalme, die erst 25 Jahre alt ist.
Am Nachmittag machen wir zum letzten Male die Sakramentsprozession und am Abend die Lichterprozej- sion mit. Denn schon am folgenden Tage müssen wir diesen Ort der Gnade verlassen. Nach der hl. Messe, bei der ich wieder diente, begeben wir uns noch einmal zur Grotte, um Abschied zu nehmen von dieser Stätte, die von der Gottesmutter so ausgezeichnet wurde.
lFortsetzung folgt.)