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FuldaerZertung

Anzeiger für die Staöf Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatk.

Nr. 172

iechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Sie Welt tm -ötlo nnd „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- ::: leitung 3153, Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152. :::

Mittwoch, 2S. Zuti 1931.

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3o6tg. 58.

Harke Mags-Arbeit für die Regiemug. Aach dem Empfang der angelsächsischen Gäste ist die Reichs- Regierung mir der Ingangsetzung des Zahlungs-Verkehrs beschäftigt. — Die Gründung der Akzept- und Garantie-Bank, und die Frage einer Anleihe.

Die französischen Forderungen

Mit der Rückkehr des Reichskanzlers Brüning find sofort die Beratungen zur Herbeiführung eines geordneten und regelmäßigen Zahlungsverkehrs ausgenommen worden. Man muß es dem Reichs­kanzler und dem Reichskabinett danken, daß mit einer begrüßenswerten Entschiedenheit nach Mittel und Wegen gesucht wurde, um so rasch als möglich den regulären Zahlungsverkehr herbeizuführen. und als Mittel dazu dient die Beseitigung der Kre­dit- und Zahlungssperre bei Banken und Sparkas­sen. Die Schaffung einer Garantie- b ä n k mit 200 Millionen Mark Kapital ist in der Tat dazu angetan, den Zahlungsverkehr wieder zu normalisieren, aber man muß sich klar darüber sein, daß es sich bei diesem Vorgehen um eine Ak­tion des Reiches handelt, um eine Aktion also, an der w i r a l l e beteiligt sind. Denn das Reich stellt dieser Bank zwei Fünftel des Aktienkapitals, also 80 Millionen Mark zur Verfügung, die fürs erste zur Flottmachung des Kreditwesens benutzt werden können. Diese 80 Millionen sollen gewissermaßen als Ausfallbürgschaft, also als Garantie für etwaige Ausfälle benutzt werden. Dafür kommt eine ei­gene Rückbürgschaft des Reiches nicht in Frage.

Die Etablierung dieser Garantiebank ist das Zeichen dafür, daß die bisher von der Reichs­bank eingenommene Politik der Kreditkontingen­tierung oder der Kreditrestriktion aufaegeben, und daß der Ausweg aus der Deflation in der Kredi Verteuerung erblickt wird; denn eine Bereitstellung von Krediten kann nunmehr nur n^ch rmf dem Wege einer erheblichen Zinsverteuerung durchgeführt werden, um den Preis dieser Kredite so hoch zu halten, daß nur bei allerdringendstem Bedarf an die ReichSbank zwecks neuer Kredite herangetreten wird. Jedenfalls muß all denen, die immer noch glauben, selbst zu hohen und höchsten Zinssätzen ihre Positionen in Devisen, in Waren und in Effekten durchhalten zu können, jegliche Lust genommen werden, Reichsbankkredite, also Reichsgelder, die uns alle angehen, noch länger in Anspruch zu nehmen. Es wird in wirtschaftlichen Kreisen, wenn auch nur für eine vorübergehende Zeit, ein Diskontsatz, der etwa 20 Prozent b e t r ä g t, als durchaus der Situation entsprechend angesehen.

Jedenfalls ist das Funktionieren der Garan­tiebank ohne gleichzeitige außerordentliche Erhö­hung des Reichsbankdiskontsatzes nicht möglich. Denn wenn die Banken zur vollen Auszahlung kommen wollen, dann müssen sie die Möglichkeit besitzen, nicht nur über die Mittel zu verfügen, die der Bank an Betriebskapital gegeben werden — wobei unter den jetzigen Verhältnissen eine Summe von 200 Millionen Mark Kapital nur als ein Tropfen auf den heißen Stein zu betrachten ist — sondern sie müssen auch von Seiten der Reichsbank sozusagen mit neuem Betriebsstoff versorgt werden. Das hinwiederum ist nur möglich, wenn die Reichs­bank sich entschließt, zur Ueberwindung der gegen­wärtigen Zahlungsstockung vorübergehend einen erweiterten Zahlungsmittelumlauf zuzulassen. Eine solche Maßnahme wird, auch wenn die Dek- kungsgrenze noch weiter unterschritten werden müßte, in keinem Fall eine Gefahr für die Wäh­rung bedeuten. Das muß immer wieder ausgespro­chen werden.

Und sollte trotz allem die Vermutung begrün­det sein, daß das Geld der notwendigen volkswirt­schaftlichen Zirkulation entzogen und gehamstert — oder wie das neuerdings ausgekommene nibelun- genhaft klingende Wort lautet — „gehortet" wird, dann bleibt der Reichsbank immer noch eine sehr wichtige einschneidende und auch wirksame Maß­nahme: nämlich einen Teil der im Umlauf befind­lichen Banknoten a u f z u r u f e n, sie nach einer gewissen Frist außer Kurs zu setzen und neue Noten auszugeben. Wer dann die gehamsterten Bestände nicht herausgibt, riskiert, daß er sein ganzes Geld restlos verliert.

Man muß wünschen, daß die entschlossenen Maßnahmen, die das Reich in Verbindung mit den Kreditinstituten in die Wege geleitet hat, alsbald durchgeführt werden, um den. Zahlungsverkehr so­wohl für die Banken als auch für die Sparkassen

wieder in reguläre Bahnen zu führen. Wenn das Publikum sieht, daß seine Auszahlungswünsche er­füllt werden, dann kehrt auch alsbald wieder das Vertrauen zurück, und man wird erkennen, daß man ersparte Gelder abhebt und sie zu volks­wirtschaftlich vollständig untauglichen, ja unsinni­gen Zwecken verwendet. Wie für die Banken, so wird auch für die Sparkassen eine Garantiegemein­schaft zu schaffen sein, für die aber eine äußere Neugruppierung gar nicht notwendig ist, weil ja die Kassen ihrerseits schon über ein vorzügliches Insti­tut, nämlich den Deutschen Giroverband und die Deutsche Girozentrale, verfügen.

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cnb. Berlin, 28. 7. (Eig. Meld.) Die bereits angekündigte Gründung der Akzept- und Garantie- Bank wird, wie wir von zuständsger Stelle hören, tm Verlauf des heutigen Tages er­folgen. Ferner werden heute die Satzungen der neuen Bank festgelegt werden. Das Reich wird im Aufsichtsrat der Bank durch zwei Mitglieder vertreten fein, die aber zur Stunde noch nicht bestimmt worden sind.

Eine bemerkenswerke Mitteilung.

cnb. Berlin, 28. 7. (Eig. Meld.) Gegenüber den von einigen Blättern erhobenen Forde­rungen, man solle doch, um eine langfristige Anleihe für Deutschland zu erhalten, den fran­zösischen politischen Forderungen entgegenkom­men, wird von Berliner maßgebenden Kreisen betont, daß ein solches Entgegenkommen der deutschen Regierung noch in keiner Weise dre Sicherung einer langfristigen An­leihe bedeuten würde. Die französische Regie­rung, insbesondere Finanzminister Flandin, hat wiederholt erklärt, daß eine Anleihe für Deutsch­land in Frankreich nur dann aufgelegt werden könnte, wenn die französische Regierung eine Re­gierungs-Garantie für diese Anleihe übernehmen würde. Die Uebernahme einer solchen Garantie hat aber die französische Regierung von einem gleichen Schritt der amerikanischen und der englischen Regierung abhängig gemacht. Aus Verfassungsgründen ist es der amerikanischen Regierung nicht möglich, diese Garantie zu über­nehmen und in England bestehen die bekannten Kapital-Schwierigkeiten. Wenn also Deutschland wirklich den politischen Forderungen der Franzosen entgegenkommen würde, so wäre damit eine Anleihe noch keineswegs gesi­chert, abgesehen davon, daß die Regierung Brünings es nach wie vor ab lehnt, über ein Nachgeben gegenüber den französischen Forderun­gen in Verhandlungen zu treten.

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wtb. London, 28. Juli. (Eig. Meldg.). Im Finanzteil der Times heißt es, in Bankkreisen werde die Einsetzung eines internatio­nalen Ausschusses angeregt, damit die ver­schiedenen kreditgebenden Centren bei der Kreditgewährung in Deutschland in engster Zu­sammenarbeit eine e i n h e i t l i che Politik ver­folgten.

Auflösung des Devisen-Dezernaks.

Kriminalrat Vorwerk, der Leiter des Berliner Sonderdezernats zur B e k ä m p f u ng des Devi­senschleichhandels, hat beim Polizeipräsi­dium den Antrag gestellt, sein Dezernat zum 1. August a u f z u lö s e n.

Kriminalrat Vorwerk begründet seinen An­trag auf Auflösung damit, daß alle St re ifen auf Devisenschieber ergebnislos geblieben in- Das Sonderdezernat hat in seiner Tätigkeit, die am 16. Juli nachmittags begann, bis heute keine einzige Verhaftung vorgenommen.

Die neubegrimdeke englisch-deutsche Freundschaft.

Herzliche Werke werden zwischen den englischen Gästen und der deutschen Reichsregierung gewechselt.

Der britische Premierminister Ramsay Mac- Donald traf 17.17 Uhr auf dem Bahnhof Frie­drichstraße in Berlin ein. Zu seinem Empfang hat­ten sich Reichskanzler Dr. Brüning. Reichsaußenminister Dr. Curtius, Staatssekretär von Bölow, Oberbürgermeister Dr. Sahm und eine Anzahl anderer höherer Beamter von deutscher Seite, der britische Außenminister Henderson, der britische Botschafter Sir Horace Rumbold und das Personal der Botschaft von englischer Seite auf dem Bahnsteig eingefunden. Von dem Augenblick an, wo MacDonald den Wagen verließ, bis zu seiner Abfahrt vom Bahnhofsportal wurde er von einer großen Menschenmenge mit freundlichen Zurufen in außerordentlich warmer und lebhafter Form be­grüßt. Die Begeisterung der Menge, die auch die Völkerverständigung und den Welt­frieden hochleben ließ, hielt bis zur Abfahrt

des letzten Wagens an, bei die amtlichen Persön­lichkeiten wegführte.

Abends fand zu Ehren der englischen Minister MacDonald und Henderson in der Reichskanzlei ein Essen statt, bei dem der Kanzler die Gäste aufs herzlichste willkommen hieß. Sie kommen, so sagte er den Engländern, nach.Deutschland in ei­ner sorgenvollen Zeit. Ich habe bei unse­ren wiederholten Begegnungen im Laufe der letz­ten Zeit Gelegenheit gehabt, Ihnen die Lage in Deutschland und die schweren Probleme, die uns gegenwärtig beschäftigen, ausführlich zu schildern. Deutschland setzt alle seine Kräfte daran, der Krise Herr zu wer de n. Es muß aber auch darauf rechnen, daß das Ausland, das mit Zu­rückziehung kurzfristiger Kredite die Krise auf die Spitze getrieben hat, an diesem Ziele mitarbeitet. Wir erkennen dankbar an, was Ihre Regierung

durch vorbehaltlose und herzliche Annahme des Hooverplanes sowie durch ihre Bemühungen um das Zustandekommen und das Ergebnis der Lon­doner Konferenz bereits für uns getan hat. Wir wissen, daß auch Sie in England schwere Zeiten durchmachen. Der Grund hierfür ist nicht zuletzt die gegenwärtige finanzielle Krise Deutsch­lands, die heute internationale Bedeutung gewon­nen hat. Ich bin daher auch überzeugt davon, daß eine wirkliche und gründliche Sanierung der wirt­schaftlichen Verhältnisse Europas durch loyale Zusammenarbeit aller 1 -+'-"nen und durch gegenseitige Hilfe möglich fein chird- Der Grundstein für die Zusammenarbeit ist in London gelegt worden. Die weitere Aufbau­arbeit muß nunmehr beginnen. Ihr heutiger Be­such ist ein Beweis dafür, daß es auch Ihr Wunsch ist,,, die glücklich begonnene Arbeit fortzusetzen. Möge sie der Welt wahren Frieden bringen. Jch erhebe mein Glas auf das Wohl Eurer Exzellenzen, auf eine glückliche Zukunft Großbritanniens und auf' die englisch-deutsche Freund- sch aft!"

Nachdem Premierminister MacDo­nald für die freundlichen Worte, die der Herr Reichskanzler an ihn gerichtet hatte, seinen Donk ausgesprochen hatte, erklärte er u. a.:

Wir sind nicht nur nach Berlin gekommen, um für den deutschen Chequers-Besuch einen Gegenbesuch abzu­statten, sondern auch um der Welt zu zeigen, daß trotz der Schwierigkeiten der gegenwärtigen Lage unser

Vertrauen in Deutschland unvermindert fortbesteht. Deutschland macht schwere Zei­ten durch, und wir sind voller Mitgefühl für den schwe­ren Kampf, den dieses Land im jetzigen Augenblick durch­zuführen hat. Lassen Sie mich gleich eins hinzufügen: Wir sind voller Bewunderung für Deutsch- l a n d, und wenn auch seine Schwierigkeiten noch nicht überwunden sind, so sind wir doch der festen Ueberzeu- ung, daß, wenn Deutschland in seinen Anstrengungen fortfährt, daß, wenn es seine intellektuellen, moralischen und wirtschaftlichen Kräfte anspannt, um wieder auf die Füße zu ko mmen, und sich davor hütet, sich der Verzweiflung hinzugeben, die anderen Völker ihm Hilfe leisten werden und das deutsche Volk nicht unter­gehen lassen. Ein freies und sich selbst achtendes Deutsch­land ist für die Gemeinschaft der Zivilisation unent­behrlich.

Genau so, wie kein Sperling vom Dache fällt, ohne daß der Schöpfer aller Dinge davon nichts weiß, so kann auch keine Nation, die sich selbst achtet, aufhören zu existieren, ohne daß für alle anderen Glieder der inter­nationalen Gemeinschaft sich daraus das schwerste Unglück ergibt. Es wäre undenkbar, daß einem Land, das sich in der Kunst, in der Wissenschaft, im Geisteswissen so ausgezeichnet hat, wie Deutschland, das den Körper und den Geist gleichermaßen fest in der Gewalt hat, das in einer langen und wechselvollen Geschichte seine Quali­täten erwiesen hat, von den anderen Völkern die Hilfe in der Not verweigert würde.

Die Ergebnisse der Londoner Konferenz sind nicht sensationell gewesen. Es hat sich darum ge­handelt, die Stellung zu halten, während die Vorberei­tungen für eine gründlichere Behandlung der Schwie­rigkeiten getroffen wurden. Das, worüber man sich in London geeinigt hat, ist zu einem großen Teil bereits durchgeführt worden. Das Studium der deutschen Fi­nanzlage hat begonnen, die Ratgeber Deutschlands, die von der Londoner Konferenz vorgesehen worden sind, be­finden sich hier in Berlin, und der Apparat ist aus diese Weise in Bewegung gesetzt worden. Das Wichtigste aber ist, daß die Nationen, die auf der Londoner Kon- erenz vertreten waren, sich auf Zusammenarbeit zur Hilfe für Deutschland haben einigen können. Obwohl der Genius und das Verantwortungsgefühl des Bankiers sich von der Politik fernzuhalten hat, so müssen, trotzdem, wenn die Banken und die Kreditinstitutionen ihre große Funktion in der Zukunft richtig ausüben wollen, zu­künftige Generationen alle ihre Anstrengungen darauf richten, den internationalen Wohlstand zu erhöhen. Es genügt nicht, wenn jeder die Macht, die er auf diesem Ge­biete besitzt, nur für seine eigenen Zwecke verwendet. Alle finanziellen Hilfsquellen müssen dazu verwendet werden, die Wege der nationalen und internationalen Zivilisation zu stärken und zusammenzuhalten. In die- em Zusammenhänge müssen die Grundursachen der ge­genwärtigen Krise früher oder später einmal klar ins Auge gefaßt und mit gesundem Menschenverstand und gutem Willen einer glücklichen Lösung entgegengeführt werden. Als Vorbereitung dazu muß ein Gefühl gegen­seitigen Vertrauens geschaffen werden, ein Gefühl ge­genseitigen Vertrauens in persönlicher Hinsicht, so, daß die Staatsmänner, die mit einander verhandeln, wissen, daß der Unterhändler auf der anderen Seite offene und ehrliche Worte zu ihnen spricht und offen und ehrlich han­delt. Nicht durch schriftliche oder mündliche Abmachun­

gen, sondern durch ein Gefühl des Vertrauens im Her­zen eines jeden ist dieses Ziel zu erreichen. Und zum zweiten muß das

vertrauensgesühl von Ration zu Ration wieder­hergestellt werden.

Jedes Volk hat viel dazu beigetragen' und ich möchte der Hoffnung Ausdruck geben, daß Besuche, wie die von Chequers, von London oder unser jetziger Berliner Be­such, nicht als einzelstehende Daten bestehen bleiben, son­dern daß sie als Ausdruck einer Tendenz zum besseren gegenseitigen Verständnis auf internationaler Grundlage ihre Fortsetzung in ähnlichen Zusammenkünften finden mögen.

Seit Abschluß der Londoner Konferenz ist manches Wichtige geschehen. Zu allererst möchte ich in diesem Zusammenhang die Hilfeleistung Frankreichs anerkennen und dem Wunsch Ausdruck geben, daß die Besprechungen zwischen Ihnen und den französischen Staatsmännern fortgesetzt werden mögen, unter Teil­nahme anderer' Länder, wenn dies nötig sein sollte. Die Schaffung von Beziehungen von Mensch zu Mensch ist das Wichtigste. Wir müssen die Vergangenheit vergef- sen, weil die Zukunft von einer Politik abhängt, die nur von Männern geführt werden kann, die guten Wil­lens sind und die von einem Geiste der Zusammenarbeit beseelt sind, der es ihnen ermöglicht, die Beunruhigun­gen und die Argwöhne zu unterdrücken, die, wenn sie bestehen bleiben, die schlimmsten Folgen hätten und wo­möglich zum Kriege führen müßten. ‘

Die Gedanken und Gefühle der jungen Generation müssen

von Feindseligkeit und Argwohn abgewendek und auf das gegenseitige Verständnis und die gegenseitige Hilfeleistung gerichtet werden. Das ist unsere gemein­same Aufgabe: Diesen Idealismus, der in der jungen Ge­neration steckt, dazu zu verwenden, daß er sich den gro­ßen internationalen Aufgaben der Verständigung und der Zusammenarbeit zwischen den großen Völkern der Welt zuwendet.

Am späteren Abend veranstaltete die deutsch­englische Gesellschaft im Hotel Kaiserhof einen Empfang zu Ehren des englifchen Minister­präsidenten MacDonald und des englischen Staats» fekretärs Henderson. Der Vorsitzende der Gesell- fchaft Geheimrat Cuno begrüßte die englischen Gäste in einer kurzen Ansprache.

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wtb. London, 28. 7. (Eig. Meld.) Die eng­lischen Blätter berichten ausführlich über den herzlichen Empfang, der Macdonald und Henderson bet ihrem Eintreffen in Berlin be­reitet worden ist. Sie bringen zum Ausdruck, daß die Ergebnisse in Chequers und Berlin überein» einstimmend zeigen, daß die Zukunst vom inter­nationalen Zusammenwirken abhänge.

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Die sehr erfreuliche HerzIichkeit, die sich anläßlich des englischen Besuches in Berlin, zeigt, ist sür den historisch denkenden Zeitgenossen nicht ohne Reiz. Sie zeigt ihm, was von bean sogenannten „Nationalhaß", von „Erb­se i n d s ch a f t" und ähnlichen Dingen zu halten ist. Sie sind nicht viel mehr als eine Suggestion, die freilich im Augenblick ihrer Wirksamkeit auf die Stimmung der Völker unabsehbares Unheil anrichten kann. Heute fällt in Berlin das Wort von der dGutsch-englischen Freundsch aft. Noch keine 20 Jahre sind es her, da wurde dasi Wort geprägt: Gott strafe England und damals, in den Augusttagen 1914 ist das „Haßlied" ge­dichtet und tausendmal mit Ueberzeugung in Deutschland vorgetragen worden:

„Was schiert uns Ruß, und was schiert uns Franzos, Schuß wider Schuß und Stoß wider Stoß,

Wir führen den Krieg mit Pulver und Stahl Und schließen auch Frieden wieder einmal.

Dich wollen wir hassen mit langem Haß, Wir wollen nicht lassen von unserem Haß, Haß des Hauptes und Haß der Hand, Weh Dir, England!"

Die Engländer werden wahrscheinlich nicht we- Niger kräftige „Haß-Lieder" gemacht und bewun­dert haben. Schwamm darüber! Aber eine Lehre ollte man allgemein aus solchen Erfahrungen ziehen.

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Evening News berichtet, daß die b r i t i s ch e Regierung jetzt in der Lage sei, ein umfas- e n i) e s britisches Programm für die Genfer Weltabrüstungskonferenz im Februar 1932 zu unterbreiten. Dies sei das Er-

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Die Minister verlassen den Bahnhof.

Don links nach rechts: Ministerpräsident Macdonald, Außenminister Henderson, Reichskanzler -j Dr. Brüning, Reichsautzenminister Dr. Lurlius.