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nötig? eine Politik der internationalen Organisation, die an die Stelle der Macht­politik au treten hätte.

Man sieht: Frankreich, dessen derzeitige Regie­rung sich gerade in diesen Tagen zu der sturen Politik ungehemmter Rüstung bekannt hat, beher­bergt auch andere Geister. Wie auch in ande­ren Ländern machen natürlich die Vertreter der scharfen chauvinistischen Ton- u. Gesinnungs­art den härteren Lärm. Man hört sie deut­

licher als diejenigen Kreise, die dem Frieden geneigt sind. Wer als Soldat vier Jahre in Frankreich gelebt und das Volk Frankreichs in seinen breiten Schichten kennt, der weiß, daß die­ses Volk nicht mit den führenden Männern chauvinistischer Prägung gleich zu setzen ist. Das Volk hat auch in Frankreich andere Sor­gen als die nationalistische Oberschicht und die von dieser bezahlten Einpeitscher und deren mehr oder weniger armselige Gehilfen.

vor internationaler Abrüskungskundgebung.

Unter dem Vorsitz von Lord Cecil fand auf Einladung der englischen Zentralleitung des Ro­taryclubs eine Konferenz von Vertretern großer internationaler Organisationen in Paris statt, um eine große Abrüstungskundgebung von etwa 2000 internationalen Vereinigungen vorzubereiten, die Mitte November in Paris statt­finden soll. Dr. Kirchhoff, der Vertreter Deutsch­lands, betonte das besondere Interesse des deut­schen Volkes an einer wirklichen fühlbaren Abrü­stung und sagte, die gleichen Grundsätze, die bei der Abrüstung Deutschlands zur Anwendung ge­kommen seien, müßten bei der allgemeinen Abrü­stung durchgeführt werden.

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In der englischen Sonntagspresse kommt die eindeutige Enttäuschung über die negative Hal­tung der französischen Regierung auf der Londo­ner Sieben-Mächtekonferenz deutlich zum Aus­druck. Diese Enttäuschung wird noch erhöht durch Frankreichs Zurückziehung großer Goldmengen

Sparmaßnahmen

Im „Städteta.q" behandelt der Breslauer ■ Stadtschulrat Dr. Lauterbach in einer längeren Abhandlung „Organisches und unorganisches Spa­ren im Schulwesen" die Möglichkeiten, auf dem Gebiet des Schulwesens die unbedingt erforder­lichen Sparmaßnahmen durchzuführen, ohne den Aufgaben der Schule in allzu starkem Maße Ab­bruch zu tun. Die Notwendigkeit und auch die Möglichkeit des Sparens fei unbedingt zu be­jahen, was aus einem Vergleich der Vor- und Nachkriegsausgaben deutlich hervorgehe. Im Jahre 1913 habe bei blühendem Wirtschaftsleben z. B. die Gesamtausgabe der Stadt Breslau nicht ganz 43 Millionen RM. betragen, im Jahre 1930 mit niedergebrochener Wirtschaft, stillgelegten Be­trieben, liquierten alten Häusern und einem Heer von Erwerbslosen 136)4 Millionen; diese Verviel­fachung der Ausgaben erstreckte sich auch auf die Schule. In einer Zeit, in der die Ausgabe des Wohlfahrtsamtes allein1 größer fei als die Ge­samtausgabe des Jahres 1913 müsse auch die Schule zum Sparobjekt gemacht werden. Dr. Lau­terbach untersucht dann eingehend die einzelnen Titel der Schuletats und kommt zu dem Ergebnis, daß wirklich wesentliche Ersparnisse fast ausschließ­lich bei den persönlichen Ko st en mög­lich seien, und zwar durch Erhöhung der Pflicht st un denzahl der Lehrkräfte, durch Erhöhung der Klassenfrequen­zen und durch eine Kürzung der Stun- d e n t a f e l. Eine weitere bedeutendere Spar­möglichkeit durch bessere Ausnutzung der Schul­räume, d. h. durch Vor- und Nachmittagsunter­richt, lehnt Dr. Lauterbach aus schultechnischen ' ünd hygienischen Gründen ab, u. a. weil am Vor- mittag die Kinder nach dem stärkenden Schlaf frisch und aufnahmefähig seien; außerdem erziehe der Frühbeginn der Schule zur Pünktlichkeit und Ordnung oft nicht nur den Schüler, sondern auch das Elternhaus.

Zur Kürzung der Stundentafel führt Dr. Lau­terbach aus, daß eine solche nicht nur zweckmäßig wäre, sondern sogar im Interesse unse­rer Jugend gefordert werden müsse. Die Lehrplanforderungen unserer Schulen seien übertrieben und überspannt. Die Kür­zung müsse in den unteren Grundschulklassen be­ginnen, einmal deshalb, weil der Stoff der Grundschule diese eher zuläßt, dann aber, und das entscheide, weil in diesen Klassen die Arbeitsschul­methode noch nicht zu ihrem Recht kommt und nur in mäßigen Grenzen angewendet wird.

Auch bei der Frage der Erhöhung der Klassen­frequenzen spielt die Frage Arbeits- oder Lern-

vom Londoner Geldmarkt. Dem Besuch Stirn- sons und der englischen Staatsmänner in Berlin wird große Aufmerksamkeit geschenkt und der Er­wartung Ausdruck gegeben, daß durch enge Zu­sammenarbeit zwischen Amerika und Großbritan­nien die Lage gerettet werden kann. Obser schreibt zu dem Besuch Macdonalds und Hendersons in Berlin: Beide werden empfinden, daß die Vor­stellungen, die Paris von Deutschland hat, von der Wahrheit entfernt sind. Das bri­tische Volk ist unbedingt und unabänderlich ent­schlossen, niemals wieder mit Frankreich gegen Deutschland zu fechten. Die pro-französische und antideutsche Einstellung ist für immer tot.

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In illusions-geneigten Hirnen können solche Aeußerungen, die aus der gegenwärtigen Taktik entspringen, leicht die Vorstellung erwecken, als ob Deutschland sich auf einen englisch-französischen Bundesgenossen verlassen und mit Frankreich jetzt abrechnen könne. Vorsicht!

und Schulreform.

schule in den Ausführungen Dr. Lauterbachs eine wesentliche Rolle. Dr. Lauterbach bekennt sich da­bei durchaus nicht als Gegner der Schulreform, ja er erklärt die Einführung der Arbeitsschule für die erste große Schulreform überhaupt. Zum min­desten sei sie es in der Idee; die Praxis sehe frei­lich ganz anders aus. Zu der „Erarbeitung" des ganzen Stoffes der Lehrpläne fehle die Zeit. Auch die Väter der Arbeitsschule seien durchaus der Meinung, daß die Selbsttätigkeit der Schüler nur an bestimmten, besonders geeigneten Stoffen er­probt werden solle. Außerdem stehe ein großer Teil der Lehrkräfte dem Arbeitsunterricht heute noch fremd gegenüber. Wenn man nun dazu übergehen wird, zu den Klassenfrequenzen der Vorkriegszeit zu gelangen, wird die Schulreform, auf die man immer noch große Hoffnungen setze, völlig in Frage gestellt werden. Die neuzeitliche Arbeitsschule könne eben Klassen von 50 bis 60 Schülern einfach nicht ertragen, weil mit viel Kindern der Stoff eben nicht erarbeitet werden könne. Dabei deutet Dr. Lauterbach dann schließ­lich an, daß aus allen diesen Erwägungen her­aus die „viel geschmähte alte Lern- schule" doch wieder zu Ehren kommen könne.

And Stalin — lächelt.....

Von unserem russischen Berichterstatter.

Ein ganzer Stoß europäischer Zeitungen, die sich mit der letzten Rede Stalins befassen, liegt vor mir, alle mit großen Ueberschriften: „Stalins Ab­kehr vom Kommunismus", „Pleite des Bolsche­wismus" usw. Warum nur diese unoerantwort- > liche Sensationsmache? Wenden wir uns der Wirklichkeit zu und betrachten die Dinge, wie sie liegen:

Stalin warf die Frage auf: „Kann man be­haupten, daß die gegenwärtige und faktische Or­ganisation der Arbeit in unseren Betrieben den Anforderungen der Gegenwart entspricht?" und seine Antwort lautete: „Leider kann man dieses nicht behaupten." Weiter: „Kann man behaupten, daß die Arbeiterbelegschaften in unseren Indu­strieunternehmungen von Bestand sind? Nein, das kann man leider nicht sagen. Im Gegenteil, bei uns wechseln die Arbeiter oft bis zu 4Ö Pro­zent .... Dieser Zustand untergräbt unsere In­dustrie, vernichtet die Erfüllungsmöglichkeiten un­serer Planaufgaben und raubt die Möglichkeit der Verbesserung unserer Erzeugnisse. Diese Aus­wüchse können und müssen nur wir allein ver­nichten, denn wir mit Euch (den Wirtschaftsfüh­

rern) haben die Gewalt der Regierung und wir mit Euch tragen die Verantwortung. Anstatt zu beschwören und Reden zu halten, wäre es besser, wenn ihr in die Gruben ginget oder in eine Fa­brik um die „Kleinigkeiten" zu lernen, als von oben herab, sozusagen „aus der Lust" und „über­haupt" die Betriebe zu leiten."

Um diesen Mißständen erfolgreich entgegenzu­treten, schlägt Stalin vor, aus kommunistischen Wirtschaftsführern (die nicht aus Fachkreisen her­vorgegangen sind) sachkundige Betriebsleiter zu machen; dort wo die ununterbrochene Produktion keine Erfolge gezeitigt hat, sei die Siebentage- woche mit einem allgemeinen Ruhetag wiederein­zuführen: der Grundsatz der gestuften Löhne, der Sie Erzeugung fördert, fei straff und allgemein durchzuführen; die Hetze gegen die Fachleute und parteilosen technischen Betriebsleiter sei einzusl^- len und man müsse danach trachten, die Elemente öes Bürgertums, soweit sie dem bolschewikischen Staate und seiner Wirtschaft nützlich sein können, in die Produktion einzuschalten — u. a. m.

Diese konkreten Vorschläge haben mit „Abkehr vom Kommunismus" nicht das geringste zu tun. Im Gegenteil, die Ausführungen Stalins lassen keinen Zweifel aufkommen über die straffe Durch­führung der Politik der Industriealisierung und Sozialisirung! Aber auch die Kollektivierung des Daseins ist mit einbegriffen.

Der Kommunismus kennt keine kon­stante Linienführung. Er rechnet mit tatsächlichen Erscheinungen der Wirklichkeit und läßt sich leiten von dem Grundsatz „Der Zweck heiligt die Mittel". Die augenblickliche Lage Ruß­lands ist folgende: das Volk ist aus den Wirr­nissen der Revolution, des Bürgerkrieges, der Ignorierung durch Europa und der anhaltenden Terrorherrschaft der Bolschewiki nackt und ver­hungert heroorgegangen. Es gilt jetzt unter allen Umständen die Nackten zu kleiden und die Hungernden zu sättigen, wenn man es nicht vor­zieht, die Herrschaft anderen zu überlassen. Auf welchem Wege dies geschehen soll, ist gleichgültig: darüber enthalten selbst die 19 Bände Lenins nichts. Ferner hat der Kreml im Laufe der Zeit den Wert der Lebensgüter, die allmählich schwin­den, schätzen gelernt und erkannt, daß heute, wo nichts mehr zu stehlen und zu rauben ist und die Aussicht auf eine baldige Weltrevolution noch fern liegt, nur ein Weg offen steht, um sich le­bensfähig zu erhalten: zu arbeiten und die Arbeit vor allem richtig zu or­ganisieren! d. h. im Sinne der sozialistischen Wirtschaftsstruktur. Aus diesem Grunde ist der Kernpunkt der Stalinschen Rede auch nicht bi£ Finanzfrage, d. h. die Unterstützung der Industrie, sondern die Arbeiterfrage. Es gilt, den Arbeiter an die Produktion zu fesseln, ihn für die Produktion zu interessieren und ihn vor allem aus den Dörfern herauszulocken, wo er sich verankert hat in Ser Hoffnung, daß das Kolektio ihn so­wieso ernähren muß. In dieser Auffassung liegt ein Stück Berechtigung, weil eben über die Or­ganisation der Kollektive und die Verwendung der kollektivierten Landbevölkerung keine festen Gesetze bestehen. Im Gründungsdekret betreffend die Kollektivwirtschaften ist nachzulesen, daß der­jenige, der das Kollektiv verläßt, kein Anrecht auf Erzeugnisse seines Kollektivs hat. Mit dieser Ge­setzesfassung wollte Stalin die Landbevölkerung gewaltsam an die Kollektive fesseln, um eine kon­zentrierte Arbeitermasse in Ser Hand zu haben, Sie allmählich in die Industrie hineingebracht wer­den soll. Die Zeitmaße des Fünfjahresplans zei­tigten ein anderes Ergebnis: das proletarisierte Bürgertum weigerte sich, in der Planindustrie Dienste zu tun, desgleichen auch ein großer Teil nichtkommunistischer Fachleute. Die Zahl dieser Arbeitsverweigerung stieg in die Millionen. Das Proletariat reichte nicht mehr aus und der Man­gel an Fachleuten brachte Verwirrung in die Be­triebe. Der besitzende Bauer weigerte sich, ins Kollektiv zu gehen, er wurde verbannt und seine Wirtschaft „auf bem Verwaltungswege" kollekti­viert. Bevor aber der Bauer in die Verbannung ging, vernichtete er Inventar und Vieh. Das war die , Ursache, warum die Belieferung der Stadt mit Lebensmitteln versagte. Die Rationen in den Städten wurden immer kleiner, die Arbeiter — unzufriedener. Als Repressalie verkürzte man ihnen den Lohn. Diese Maßnahme machte sie erst recht zu passiven Rebellen — sie verlangsam­ten das Arbeitstempo. Die Lage mußte unter al­len Umständen gerettet werden: die Kollektive sollten frische Arbeitskräfte geben. Die aber wei­

gerten sich, weil der Abgang aus dem Kollektiv mit Verlust des Rechts auf Lebensmittelbezug aus dem Kollektiv verbunden war. Das, was von der Landbevölkerung in der Industrie tätig war, fht- tete zurück in die Dörfer und in den Werken ent­standen Lücken, die katastrophal werden konnten. Mit Terrdr war in diesem Falle nicht viel zu machen: ganz Rußland kann man eben nicht er­schießen! Hinzu kommt noch die Umgruppierung der amerikanischen Politik mit Hoovers Plan, der im Endmotiv nach dem Lebensnerv des Bolsche­wismus trachtet. Das hat Stalin ganz gut be­griffen, und nun galt es, Maßnahmen zu treffen, Sie ein Aufblühen der sozialistischen Wirtschaft versprechen und die auch gleichzeitig der bour­geoisen Welt getarnte Giftbrocken zuwerfen. Kurz, es tarn zu den sog. „Resormen", die Stalin nach 12täg:ger geheimer Beratung veröffentlichen ließ: die Kollektive müssen vertragsmäßig Arbeiter lie­fern, wobei den Arbeitern das Recht auf Lebens­mittel aus dem Heimatkollektiv nicht verloren geht; die gestufte Entlohnung wird wieder ein­geführt; Spezialisten werden amnestiert und ge­hätschelt, weil es „dumm und unklug wäre, jetzt jedem Spezialisten und Ingenieur als einen nicht eingefangenen Verbrecher und Schädling zu be­trachten". Etwa 15 000 Ingenieure werden aus den Verbannungslagern heimkehren und mit ihnen einige hunderttausend Arbeiter; mit der Leitung der Kollektive werden Fachleute, d. h. noch gestern verbannt gewesene Kulaken be­traut ....

Bankrott des Kommunismus? Pleite des Bol­schewismus? Konzession an den Kapitalismus? .. Der Leiter des Obersten Wirtschaftsrats im Kreml hat die Antwort richtig gegeben: „Wir werfen der kapitalistischen Welt einen Knochen hin, an dem sie lange wird nagen können." Stalin lächelte zustimmend.' Er kann sich diesen Luxus einstwei­len erlauben, weil er noch ganz andere Eisen im Feuer hat, die Europa bald wird spüren können. Das hat Hoover begriffen. Wird er Europa aus seinem Dämmerschlaf wecken? Nie war Sie Gelegenheit günstiger....

3ft her Bogel Slrautz wirklich so öumm?

. . . und steckt bei drohender Gefahr, wie überall zu hören und zu lesen ist, den Kopf in den Sand? und glaubt sich nun von seinen Verfolgern sicher, weil er sie nicht sieht? Dieses Märchen ist uralt, schon die alten Griechen erzählten es, die Römer glaubten es, übernahmen es in die hohe Diplomatie und schufen die „Vogel-Strauß- Politik", die auch heutzutage noch unzählige Anhänger hat und die populärste Politik ist, die man sich denken kann. Das alles ändert aber nichts an der Tatsache, daß diese Polüik nur bei den Menschen zu Hause ist. Die Geschichte vom Vogel Strauß und seinem Kopf-in-den- Sand-Stecken ist wirklich nur ein Märchen! Man hat in Afrika noch vor wenigen Jahrzehnten, als Straußfedern die große Mode waren, wirklich genug Strauße gejagt und tut es heute noch, ja, man hält sie in ganzen Strau­ßenfarmen, aber nie noch hat weder ein wilder noch ein zahmer Strauß sich je so bequem und dumm, mit dem Kopf im Sand, fangen lassen. Im Gegenteil, die Strau­ßenjagd ist eine der schwierigsten Jagden, die es gibt, und kaum ein anderes Tier kommt dem Strauß an Schlau­heit und Umsicht gleich. Unb wenn dies schon gegenüber Sen Flinten der Jäger gilt, so gilt es noch viel mehr ge­genüber den natürlichen Feinden, den Löwen, Hyänen, Leoparden, die kaum je einen Strauß erbeuten werden. Sonst wäre das an sich hilflose Tier ja auch längst aus­gerottet. Denn es hat wirklich nichts zu seiner Verteidi­gung als seine schnellen Beine und seine Schlauheit. So sehr aber auch Sie kundigen Afrikaner über Sies Märchen lachen, es ist nicht auszurotten. Anscheinend braucht es der Mensch, um seine eigene beliebte„Vogelstrauß-Politik" von der er so leicht nicht läßt, durch ein Exempel aus dem Tierreich zu rechtfertigen!

= Eisenach. Auf bet Staatsstraße nach Mechter- städt ereignete sich ein tödlicher Unfall. Der Land­wirt Nierenköder aus dem benachbarten Ebenheim wurde mit seinem Geschirr von einem Gemüse­auto. überfahren, und zwar so unglücklich, daß es nur als Leiche •geborgen werden konnte. Auch das Pferd wurde getötet. Die drei Insassen des Ge­müseautos kamen mit leichten Verletzungen davon, das Auto mußte abgeschleppt werden. Die herr- schleppt werden. Die herrschende Unsitte, mit un­beleuchteten Wagen zu fahren, hat zu diesem bedauerlichen Unfall geführt.

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Auf der Flucht vor den Sowjets

Talarenstämme auf der Wanderung. — 3m Kampfe gegen Räuberbanden in Persien.

Von Rosita F o r b e s.

Meschsd, die heilige Stadt der Schiiten, stellt Teppiche her, verkauft Türkise aus den Gruben von Rischapur und war die Heimat des großen Dramatikers Firdusi, der un­ter dem Titel „Das Königsbuch" in 60 000 Versen die Ge­schichte Persiens schrieb. Ferner blüht dort die Selben- und Baumwollweberei sowie die Samtindustrie, und seit die persischen Damen hohe Absätze tragen, hat sich eine Reihe guter Schuster mit der Anfertigung tadelloser mo­derner Schuhe befaßt. Heute noch kennt man Sie von Tamerlan eingeführte Kunst, der eine Gruppe Damas­zener in Mesched ansiedelte, von denen die eingeborenen Schmiede die Herstellung feiner Damaszenerklingen lern­ten, die Tataren und Turkmenen noch heutigen Tags tra­gen.

Neben den Wundern und Geheimnissen von Imam Risa liegt die Hauptbedeutung von Mesched in feiner Lage nahe den Grenzen von Russisch-Turkestan und Afghanistan. Z. Zt. bildet es das Ziel der Flüchtlinge aus Mittelasien und von der fernen Wolga. Die Sowjets suchen die Stämme ihrer millelasiatischen Republiken in Ackerbau treibenden Gebieten anzusieSeln, wogegen die Nomaden sich heftig wehren. Sie wollen die Vorzüge einer kollektivierten Landwirtschaft gar nicht kennen ler­nen.

Während meines Aufenthaltes in Mesched waren 200 Turkmenen mit ihren Familien und ihrem Vieh von Du- schak über die Grenze gekommen. Gut bewaffnet, hatten sie sich den Uebergang erzwungen, allerdings nicht ohne schwere Verluste. Von diesen Flüchtlingen erfuhr ich, daß 1200 ihrer Stammesbrüder, welche die gewaltsame Be­schlagnahme ihres Viehs für die Kollektive nicht hatten dulden wollen, aus der Gegend von Merw-Tejent fortge­zogen waren und sich in einigen Oasen der Karakorum- Wüste niedergelassen hatten, wo sie jeder Strafexpedition bewaffneten Widerstand zu leisten gedachten«

In der Gegend von Goklaw, nördlich Burujird, kreu­zen Trupps von Turkmenen ständig die Grenze, um sich unter ihren Genossen außerhalb des Sowjetreiches nieder­zulassen. Die persische Regierung treibt eine kluge Politik, indem sie diesen Vieh züchtenden Nomaden jede Unter­stützung angedeihen läßt |Unb auf biese Weise ihre Grenze durch starke Gruppen russenfeindlicher Turkmenen kräf­tigt. Man darf nicht vergessen, daß Persien stets Ruß­land und England als gefährliche Nachbarn angesehen hat, und es ist nur natürlich, daß jeder politische Schach­zug unter dem Gesichtspunkt feiner Wirkung auf diese beiden Staaten geschieht, deren Machtbestrebungen im Mittleren Osten einst Persiens Unabhängigkeit bedrohten.

Zahlreiche russische Turkmenen sind letzthin nach Afghanistan ausgeroanbert, wo sie herzlich ausgenommen würben, währenb die Tekki-Turkmenen den Wunsch ge­äußert haben, in Massen sich auf persisches Gebiet bege­ben zu Sürfen. Angesichts ihrer großen Zahl hat die Re­gierung von Pahlevi entgegnet, daß nur Familien von ursprünglich persischer Abkunft zugelassen werden kön­nen, denen Weideland in der Gegend von Burujird zu- gewiesen werden soll. Die Tekki lassen sich indes dadurch nicht abschrecken und bringen gewaltsam über die Grenze, obgleich die Russen ihre Grenzwachen verstärkt und ihnen Weisung erteilt haben, auf jeden, der das Staatsgebiet verlassen will, zu schießen.

In Mesched leben auch zahlreiche Flüchtlinge aus dem europäischen Rußland, die nach Taschkent gezogen waren, um Ser Kollektivierung zu entgehen ober weil sie annah­men, in Mittelasien bessere Lebensbedingungen zu finden. Von ihnen erfuhr ich, daß die Sowjets die Bauern von Tadschikistan zum ausschließlichen Baumwollanbau nöti­gen, hn Einklang mit dem Plane, auf Grund dessen Ruß­land seinen Bedarf selbst decken soll.

Heute noch führt es Bauwolle in großen Mengen aus Persien ein, inSeffen ist es dank seiner Turkestan mit den Korngebieten Sibiriens verbindenden Eisenbahn in der Sage, die mittelasiatischen Bezirke mit Weizen zu ver­sorgen, im Austausch gegen Baumwolle, die in Tadschi­kistan unter den günstigsten Bedingungen .gewonnen wird , Leider fürchten aber die Bauern sich vor Hungers­

not und wollen — gewohnt, ihr eigenes Korn zu bauen — sich nicht auf die Bahn verlassen, auf deren schnellen Bau Sie Sowjets übrigens mit Recht stolz sein können.

Unter den kürzlich in Mesched eingetroffenne An­kömmlingen aus dem europäischen Rußland befand sich eine Gruppe von 21 Personen, mit vier Frauen unS mehreren Kindern, die den persischen Amnia, Landjägern, und auch den Posten der G. P. U. glücklich entkommen waren. Darunter zwei frühere Offiziere, zwei lieb erlau­fet aus der Roten Armee, ein griechisch-orthodoxer Prie­ster, ein Streckenarbeiter von der Eisenbahn, verschiedene Angestellte einer Fabrik, Ingenieure, Kraftwagenfahrer, drei Studenten aus Leningrad, denen die Flucht über die streng überwachte Nordgrenze nicht gelungen war, endlich noch verschiedene kleine Gutsbesitzer und Bauern. Alle hatten sich zum Verlassen Rußlands entschlossen, weil sie sich nur schwer Lebensmittel verschaffen konnten und das Sowjet-Regime ihnen keine Möglichkeit zu persönlichem Weiterkommen bot.

Von jenen, die durch Turkestan gekommen waren, er­fuhr ich gleichzeitig, daß in letzter Zeit eine große Anzahl Krankenhäuser und Schulen gebaut sind. Damit ist auch der großen Masse Gelegenheit gegeben sich zu bilden. Man baut Lichtspieltheater und Rundfunksender, um un­ter der Bauernbevölkerung moderne Kultur zu verbrei­ten. Eine große Kirche wurde in Taschkent eröffnet, der täglich stattfindende Gottesdienst war gut besucht. „Die Sowjets sind in Mittelasien weit mehr darauf bedacht, Baumwolle zu bauen als die Religion zu unterdrücken", sagte mir ein junger, an der neuen Sibirien-Turkestan- Eisenbahn beschäftigter Mann, der, wenn ich ihn richtig verstanden habe, feine Stellung aufgegeben hatte, weil die „Spezialisten", Sie technischen Angestellten, sich zwei Gänge bei ihren Mahlzeiten leisten konnten, während er sich mit einem hatte begnügen müssen!

Im vorigen Jahre kehrten 2542 Perser wegen der Le- bensmittelknappheit von Baku in ihr Vaterland zurück, und die ganze Gemeinde Bahai zieht aus Askabad gleich­falls nach Persien, weil man ihre Kirche geschlossen hat, — und dies, obwohl sie in Persien keine Kultstätte Haben dürfen.

Bunte Zeitung.

— Der Brief, der ihn nicht erreichte. Es war im März des Jahres 1909, als Herr Winshull aus Bir­mingham der Angebeteten brieflich ihr Herz und Hand an­trug. Die junge Dame indessen erteilte ihrem Verehrer, gleichfalls schriftlich, in zwar sehr höflich, aber bestimmt gehaltenen Worten einen glatten Korb. Nun, Herr Winshull wußte sich über fein Mißgeschick zu tröffen; schließlich gab es ja auch noch andere Mädchen als di« Spröde, die nichts von ihm wissen wollte, und es dauert« nicht lange, da hatte er auch jemand gefunden, die sein« Vorzüge besser zu schätzen wußte. Beide lebten glücklich zusammen bis zu Sem 1924 erfolgten Tode Winshulls. Seine erste Liebe, die er nie wieder gesehen, starb zwei Jahre später. Soweit bietet die Geschichte nichts Merk­würdiges, dieses trat erst vor kurzem ein, als nämlich der inzwischen erwachsene Sohn des Herrn Winshull einen Brief erhielt, worin eine ihm völlig fremde Dam« mitteilte, daß sie übereilt gehandelt habe, ihre abschlägig« Antwort ihr leid tue und sie nach erneuter Prüfung seines Antrags gern bereit sei, Freud und Leid mit ihm zu teilen. Unterschrift: Lilly. Herr Winshull jr. las den Brief kopfschüttelnd einmal, zweimal, ohne etwas davon zu begreifen. Unter feinen Damenbekanntschaften befand sich keine Lilly und er war sich noch viel weniger bewußt, einem weiblichen Wesen irgend eines anderen Namens je einen Antrag gemacht zu haben. Aber der Brief trug die richtige Anschrift, und alles übrige stimmt« genau. — Zum Sritten Male las der junge Mann da« rätselhafte Schreiben durch, als fein Blick auf das bisher nicht beachtete Datum fiel: 23. März 1909! Jetzt wurde alles klar; der Brief war gar nicht für ihn, sondern für seinen inzwischen verstorbenen Vater bestimmt, und hatte sich länger als zwei Jahrzehnte im Bereich der Post Serumgetrieben, ehe er jetzt endlich bestellt wurde, nach- Sem Schreiberin und Adressat längst das Zeitliche geseg­net. Das Leben dreier Menschen würde einen völlig anderen Verlauf genommen haben, wäre der schicksals­schwere Bries seiner Zeit gleich an seinen Bestimmungs­ort gelangt. ,