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FuldaerZertung

Anzeiger für die Stadl Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatk.

Nr. 171

Sr(cbemt techsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: »Die Welt im Bild" und „Luchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Tchrift- ::: leitung 3153, Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152. :::

Dienstag, 2S. Juli 1931.

Monatlich 1.80 einschließl. Postgebühr <48 Pfg.l ohne ,-justellg Anzcigen-Preise: Kleinzeile (Sol.) lokal 0.15 RM., auswärts 0.20 RM. Reklamezeile: lokal 0.60 RM., auswärts 0.80 RM. Bei Wiederholungen Rabatt Pastlcheckk Frankl, a. M 4051

Zahrg. 58.

Die angelsächsichen Gaste in Berlin.

Stimfons Besuch und Abreise. — Henderson ist angekommen und Macdonaid wird erwarkek.

Kiese Tage stehen in Berlin im Zeichen des Besu­ches der angelsächsischen Staatsmänner des ameri­kanischen Staatssekretärs des Auswärtiges, Stiin- fcn, des englischen Außenministers Henderson und des Ministerpräsidenten Macdonald. Die Besuche sollen für uns nicht nur platonische Bedeutung haben, sondern uns psychologisch und ma­teriell in schweren Tagen Unter st ützung bringen. Mögen die an sie geknüpften Hoffnun­gen in Erfüllung gehen.

Stimfoms Besuch.

Der amerikanische Außenminister, Staatssekre­tär Stimson, traf Samstag in Berlin ein. Zu sei­nem Empfang hatten sich der amerikanische Bot­schafter Sackett mit dem gesamten Botschaftsperso­nal, ferner von deutscher Seite Ministerialdirektor Dieckhoff, der Chef des Protokolls Graf Tatten- bach mit verschiedenen anderen Herren des Aus­wärtigen Amtes und eine Anzahl Angehörige der amerikanischen Kolonie im Bahnhof eingefunden. Staatssekretär Stimson fuhr mit dem Botschafter Sackett zunächst nach der amerikanischen Botschaft.

Der amerikanische Staatssekretär des Aeußern Stimson.

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Henry Lewis Stimson wurde am 21. Septem­ber 1867 in Newyork City geboren. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften ergriff er den Beruf des Rechtsanwaltes und war von 1906 bis 1909 als Generalanwalt für den Southern Di­strikt, Newyork, verpflichtet. Im Jahre 1910 wurde er als republikanischer Kandidat für den Staat Newyork in den Senat gewählt und war im Ka­binett Taft vom Mai 1911 bis März 1913 Kriegs­minister. Die Kriegsmonate von Dezember 1917 bis August 1918 verbrachte er als Oberstleutnant der Reserve des 305, Feldartillerie-Regiments a n der Front in Frankreich und wurde dort zum Obersten befördert.

Als im Jahre 1927 die Wirren Nikaragua aus- brachen, entsandte Präsident Coolidge St. dorthin, um die politischen Verhältnisse im Lande festzustel­len. Nach Ansicht der Regierung löste er diese Ausigabe, die Schlichtung des Bürgerkrieges, so glänzend, daß er kurz darauf zum Gouverneur der Philippinen ernannt wurde. Er übte dieses Amt aus, bis er am 4. März 1929 als Staatssekretär des Aeußeren in das von Hoover bei Antritt seiner Präsidentschaft gebildete Kabinett eintrat. Als solcher vertrat er auch die Vereinigten Staaten auf der Londoner Flottenabrüstungskonferenz 1930 als Führer der amerikanischen Delegation, zu der er offiziell ernannt wurde, nachdem ihm nochmals feine Eigenschaft als Staatssekretär bestätigt wor­den war.

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Reichskanzler Dr. Brüning, Reichsaußenmini­ster Dr. Curtius, der amerikanische Staatssekretär Stimson und der amerikanische Botschafter Sackett besuchten am Sonntag vormittag, nachdem Stim­son das Pergamon-Museum besichtigt hatte, P o ts- dam und seine Sehenswürdigkeiten. Sie kehrten auf der Rückfahrt im „Haus am See" am Wann- fee ein, wo sie zu Mittag aßen. Die Herren be­gaben sich hierauf in die Reichskanzlei. Abends waren sie bei Dr. Curtius zu Gast.

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mb. Berlin, 27. Juli. (Eig. Meld.) Die Pa­riser Presse beschäftigte sich eingehend mit dem Berliner Besuch des amerikanischen Staatssekre­tärs Stimson. Mehrere Blätter behaupteten, daß Stimson in der Unterhaltung mit dem Reichs- wehrminister Eröner eine energische und erfolgreiche Offensive auf dem Gebiete der Abrüstung in die Wege geleitet habe. Dazu hören wir von. maßgebender Stelle, daß an dieser Meldung nur richtig ist, daß eine Unter­haltung zwischen dem Staatssekretär Stimson und dem Reichswehrminister Eröner stattgefunden hat, in der die Abrüstungsfrage behandelt würde. Das'

Abrüstungsproblem sei jedoch nur gestreift und ganz allgemein ohne Eingehen auf irgendwelche Einzelheiten erörtert worden.

Ferner behauptete der „Petit Parisien": Stim­son habe in der Unterhaltung mit Grüner an die Demarche erinnert, die die Reichsregierung vor etwa drei Wochen in Washington unternom­men habe. Damals fall sich Deutschland, so be­hauptet das Blatt, bereit erklärt haben, den Bau des Panzerschiffes C, der für 1932-33 vorgesehen war, zu vertagen. Auch diese Behauptung des Pariser Blattes ist, wie wir von berufener Seite hören, völlig unzutreffend. Eine sojlche Demarche hat nicht stattgefunden.

Empfang der deutschen Presse.

wtb. Berlin, 27. Juli. (Eig. Meldg.). Der amerikanische Außenminister Henry L. Stimson empfing heute vormittag die deutsche Presse und gab ihr folgende Erklärung: Mein Besuch hat mir viel Freude bereitet. Es war mir vergönnt, den Herrn Reichskanzler, den Herrn Außenminister und die Mehrzahl der anderen Mitglieder der Re­gierung kennen zu lernen, sowie eine Anzahl an­derer einflußreicher Deutscher. Gestern besuchte ich mit dem Herrn Reichskanzler und Herrn Dr. Curtius einige Museen sowie Potsdam und Sans­souci und hatte Gelegenheit, die Berliner bei ihrem Feiertag und ihrer Erholung zu beobach­ten. Diese Gelegenheit war mir von Rußen und hat mich erfreut. Vor Reilchskanzl«r Brüning und seinen Mitarbeitern habe ich großen Respekt und Achtung. Ich habe bei den großen Konferenzen in Paris und Lon­don gesagt, daß die.amerikanische Regierung und das amerikanische Polk Zutrauen hat zu Deutschland, seinem Volke, seinen Hilfskräften, sei­ner Zukunst und meine Ansichten sind durch das, was ich bei meinem Besuch gesehen habe, bestä­tigt worden. Ich glaube, daß die gegenwärtigen finanziellen Schwierigkeiten zum größten Teil zu­rückzuführen sind aus vorübergehenden Mangel an Zutrauen und daß mL Mut und dem wiederkehrenden Vertrauen Deutschland sein Wohlergehen wieder erlangen wird.

Stim sm beim Reichspräsidenten.

wtb. Berlin, 27. Juli. (Eig. Meld.) Der Herr Reichspräsident empfing heute vormittag gegen 11.30 Uhr den amerikanischen Staatssekretär Stirn« fo,n zu einer längeren Besprechung, bei der der amerikanische Bcäschafter in Berlin, der deutsche Botschafter in Washington, von Prittwitz, und Staatssekretär Dr. Meißner zugegen waren.

Slimfon nach London abgeflogen.

wtb. Berlin, 27. Juli. (Eig. Meldg.). Der amerikanische Staatssekretär Stimson ist heute nachmittag um 1.25 Uhr mit dem fahrplanmäßi­gen Flugzeug nach London über Amsterdam ab- geslogen. Zur Verabschiedung hatten sich einge­funden der amerikanische Botschafter Sackett mit einem Teil ihres Personals der amerikanischen Botschaft und der deutsche Botschafter in Wa­shington v. Prittwiß. Oberregierungsrat Planck von der Reichskanzlei war ebenfalls erschienen, um dem scheidenden amerikanischen Staatssekre­tär die letzten Grüße des Reichskanzlers zu über­mitteln. Das Tempelhofer Feld hatte dem schei­den Gast zu Ehren das Sternenbanner gesetzt.

Chequers—Berlin.

Zum Besuch der englischen Minister.

Als vor einer Woche die plötzliche außenpoli­tische Entwicklung, die Londoner Konferenz und die mit ihr in engstem Zusammenhang stehende Pariser Reise des deutschen Kanzlers und Außen­ministers zugleich die Verschiebung des Besuches der englischen Minister in Berlin mit sich brachte, da stieß das in Deutschland auf allgemeines Be­dauern. Seit dem Besuch des Kanzlers in Che- quers, ja schon seit der englischen Einladung, war auch für den deutschen Mann aus dem Volke die Person des englischen Ministerpräsidenten Mac- donald in den Vordergrund des Interesses ge­rückt worden. Und die Art und Weise, rote die deutschen Regierungsvertreter in London und Chequers aufs herzlichste empfangen wurden, hat überall in Deutschland sympathisch berührt. Mit diesem Besuch, das sagte sich der Volksinstinkt, ist eine wichtige Epoche eingeleitet worden, eine Epoche, die zum Nutzen Deutschlands endlich die letzten Nachkriegsfolgen beheben soll. Und es hat sich auch bald darauf gezeigt, daß dieser Besuch in Chequers tatsächlich das beste Mittel war, um endlich Europa den Frieden zu bringen. Hier in der zwanglosen vertraulichen Aussprache der Staatsmänner von Mensch zu Mensch konnte viel mehr erreicht werden und ist in der Tat auch viel mehr erreicht worden, als auf offiziellen Konfe­renzen, wo die Mitwelt auf jedes Wort gespannt lauscht und jeden der führenden Staatsmänner je nach Parteirichtung auf jedes Wort festlegen will. Und weil man auch im deutschen Volke den Nutzen dieser persönlichen Aussprache richtig einzuschätzen wußte, deshalb wurde die Kunde, daß die eng­lischen Minister schon bald darauf ihren Gegen­besuch in Berlin zu machen beabsichtigten, um

diese persönliche vertrauliche Fühlungnahme fort« zusetzen, allenhalben aufs herzlichste begrüßt.

Im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses steht zur Zeit der englische Ministerpräsident I a- m es Ramsay Macdonald. Er ist der Mann, der heute Englands Geschick und Geschichte verantwortlich zeichnet und trägt. Es ist aber auch der Mann, der in letzter Zeit richtunggebend in das Geschick Europas und in das Geschick der Welt eingegriffen hat. Urplötzlich scheinen vielleicht seine Entschlüsse zu sein, aber wir haben Grund zu der Annahme, daß selbst das plötzliche Zu­standekommen dieser letzten Londoner Konferenz planmäßig in lang erwogenen Erwägungen von ihm durchdacht war und nur der Zeitpunkt ab­gewartet werden mußte, der ihm als der ge­gebenste und beste erschien. Es mag ursprünglich in der Absicht Macdonalds gelegen haben, auf die­ser Konferenz mehr zu erreichen. Das deutet schon ihr Programm an, die Kreditkrise bis in ihre eigentlichen Ursachen hinein zur Erörterung zu stellen. Das zeigt aber noch mehr die Eröff­nungsrede Macdonalds, die über Reparationen und Schulden der breiten Oeffentlichkeit so viel programmatisch unterbreitete, daß es wohl das beste war, was überhaupt auf dieser Konferenz gesprochen worden ist. Und wenn hier in Lon­don die Beratungen auch einen engeren Rahmen umfaßten, so ist das Programm für die nächsten Konferenzen durch ihn doch schon gegeben wor­den und durch diese Londoner Konferenz die Epoche neuer wichtiger Konferenzen gewisser­maßen festgelegt worden.

Schon dieses Auftreten Macdonalds zeigt, daß er ganz auf den Frieden eingestellt ist und daß ihn der Gedanke beseelt, nickt nur für sein Land eine friedliche gedeihliche Entwicklung zu finden, sondern auch für ganz Europa und die Welt. „In einer Zeit, in der kaum ein Politiker seinen heimlichen Traum einzugestehen wagt — aus Angst, man könnte den Träumer für keinen Realisten halten — bleibt Macdonald ein Visio­när, ein Mann mit einer Mission. Als seine Sen­dung betrachtet er den Frieden. Und wenn ihm auch im Alltag der Politik dies Ziel von Zeit, zu Zeit zu entschwinden schien — es kam immer wie­der der Augenblick, da er alles andere beiseite

schob, um seiner Mission und nur ihr zu dienen", so heißt es in einer Schilderung der Persönlich­keit dieses Engländers, der deshalb für uns Deutsche doppelt schwer zu verstehen ist, weil uns das Grundelement feines Wesens, das Schottische, schon dunkel und rätselhaft ist. In jungen Jahren schon kam er, der Sohn eines Landarbeiters und einer Landarbeiterin, aus dem kleinen Fischerdorf Lossiemouth nach London. Dort betätigte er sich bald politisch und journalistisch und wurde An­hänger des Sozialismus, Sekretär der Labour- Partei und feit 1906 im Unterhaus ihr Führer. Weil er die Krieqslüge nicht mitmachen wollte und überzeugter Pazifist blieb, wurde er 1914 ge­wissermaßen in die Wüste geschickt und beinahe als Landesverräter gebrandmarkt, 1922 begann denn sein zweiter Aufstieg und 1924 finden wir ihn schon wieder als Premierminister und Au­ßenminister der ersten Labourregierung. In die­ser Zeit seiner Amtsführung fand die Londoner Reparationskonferenz statt, die zur Einführung des Dawesplans und zur Räumung des Ruhr­gebietes führte. Wir sehen ihn also in jeder Zeit seiner Amtsführung und Macht als Hüter des Friedens, dem auch Deutschland immerhin viel zu verdanken hat. Seit Anfang 1929 ist er Premier. Minister der zweiten jetzt im Amt befindlichen La. bourregierung.

In seiner Begleitung befindet sich der englische Außenminister Henderson, hervorgegangea als Arbeiter ebenfalls aus der Gewerkfchaftsbewe. gung, Mitbegründer der Labourpartei, zeitweilig deren Führer, Minister des Innern der ersten La- bourregierung und jetziger Außenminister. Hen­derson ist bekannt als leidenschaftlicher Verfechter des Abrüstungsgedankens und Vermittler -zum Ausgleich der Interessengegensätze. Von seinem Einfluß beseelt hat sich Frankreich letzthin entschie- den, den deutschen Kanzler zu der Pariser Bespre­chung emzuladen. Wir begrüßen beide Männer in Deutschland auf das herzlichste, weil ihr Besuch mehr ist als eine höfliche Geste. Er ist Dienst an der Idee des Friedens, an der Idee gemeinschaft­licher friedlicher Zusammenarbeit, durch die allein nur Deutschland und Europa vor dem Zusammen- bruch gerettet werden können.

vor dem Besuch der englischen Minister in Berlin.

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Ministerpräsident Ramsay Macdonald und Außenminister Arthur Henderson im Gespräch.

Hendersons Ankunft.

wtb. Berlin, 27. Juli. (Eig. Meld.). Mit dem fahrplanmäßigen Nordexpreß traf heute früh 8.37 Uhr der englische Außenminister Henderson auf dem Bahnhof Friedrichstraße in Berlin ein. Zu feiner Begrüßung hatten sich neben dem engli­schen Botschafter, der vom gesamten Personal der Botschaft begleitet war, Außenminister Dr. Cur­tius, Staatssekretär von Bülow, der Chef des Protokolls, Graf Tattenbach, und andere Per­sönlichkeiten eingefunderi. Als der englische Au­ßenminister mit Dr. Curtius den Bahnsteig ent­lang ging, wurden sie vom Publikum herzlich be­grüßt.

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Infolge ungünstigen Wetters hat Premiermini­ster Macdonald feine Reise nach Berlin am Sonntag abend mit der Bahn über Harwich und Hook van Holland angetreten, anstatt, wie vorgesehen, die Fahrt nach der Reichshauptstadt im Flugzeug zurückzulegen.

Internationale Banksachverständige in Berlin eingetroffen.

Von den internationalen Vanksachverständi- gen, die zur Prüfung der deutschen Finanzlage nach Berlin kommen sollen, sind — der „Montags- Post" zufolge — bereits am Sonntag der schwe­dische Bankier Wallenberg und der amerikanische Berater der Bank von England Oberst Sprague in Berlin eingetroffen. Ferner ist der Londoner Vertreter der Chase National Bank, der größ­ten Privatbank der Vereinigten Staaten, James H. Gannon, zu wichtigen Finanzberatungen in Berlin angekommen.

Badische Sparmaßnahmen.

Die Badische Regierung ist bekanntlich durch einen Vertreter der gemäßigten Rechten vor kurzem ergänzt worden. Der Volksparteiler Dr. Mattes hat das Finanzministerium übernommen und zur Sanierung der Finanzen die badischen Beamten-Gehälter stärker gekürzt als es im Reiche geschehen ist. Für die planmäßigen Beam­ten betrug der Zuschlag zur Kürzung 5 Prozents

die außerplanmäßigen Beamten mußten atif 25 bis 30 Prozent verzichten. Dr. Mattes hat die Maßnahme mit folgenden Sätzen begründet:

Das Besoldungsrecht des Jahres 1928, oergli- chen mit den Besoldungsverhältnissen der dadi- dischen Staatsbeamten vor d e m K r i e g, ist da- durch gekennzeichnet, daß die jungen Beamten un­verhältnismäßig besser gestellt worden sind. So war das Anfangsgehalt der außerplanmäßigen akademisch vorgebildeten Beamten vor dem Krieg 1800 Mk. Nach der Besoldungsordnung des Jah­res 1928 beträgt dieses 4000 Rm. und Wohnungs- gelb. Noch größer sind die Unterschied« bei anderen Beamtengruppen. Beim Volksschullehrer z. B. betrug das Anfangsgehalt vor dem Krieg 1000 Mk., dagegen 1928 2350 Rm. und Wohnungsgeld. Daß solche Steigerungen heute nicht mehr tragbar sind und nicht mehr ver- antwortet werden können, bedarf keiner weiteren Begründung. Die Anfangsgelder werden deshalb unter Berücksichtigung sozialer Gesichtspunkte her- untergesetzt, z. B. beim akademisch vorgebildeten Beamten von 4000 Rm. auf 3000 Rm. und ent­sprechend bei den übrigen. Wohnungsgelb erhält in Zukunft nur noch der verheiratete außerplan- mäßige Beamte, ber Schwerbeschäbigte unb Geist- liche mit mehr als außerplanmäßigen Dienstjah­ren.

Die Maßnahmen haben, wie zu erwarten war, den heftiaen Widerspruch der Betroffenen ausqe» löst. " _______________________________

Das „andere Frankreich".

Abgeordneter Lot über die Abrüstungssrage.

Aus Paris wird gemeldet:

Ank einer von dem kürzlich gegründeten Frie» denskartell veranstalteten pazifistischen Kundge­bung in Grenoble, an der über 6000 Personen teilnahmen, sprach der radikal-sozialistische Abg. Pierre Cot über die bevorstehende Abrüstunas- konferenz. Er warf die Frage auf, ob Frank­reich sich gegenüber allen anderen Völkern a I - lein der Äbrüstung widersetzen wolle. Cot erklärte, Frankreichs Pflicht und Mission sei es, den Weltfrieden zu sichern. Aber die Abrü­stung gebe noch nicht die volle Sicherheit; diese